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Full text of "Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung"

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LIBRARY 

Or THE 

University of California. 



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Jahrbuch 



des 



Yereins. für niederdestscbe SpracMorscbnng. 



Jahrgang 1903. 



XXIX. 



-^>^^^m^^^^^^^'^- 



NORDEN UU(1 LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlaj 
1903. 



Ausarbeitungen, deren Abdruck im Niederdetttschen Jahrbnclie 
gewünscht wird, sind dem Mitgliede cfes Kedactionsausschusses* Prof. 
W. Seelmann, ' Charlotte tilnirgy Peatnlozzistrnsse 703 zuzusenden. Die 
Zahlung - des Honorars (von 32 Mk. für den Bogen) erfolgt durch 
den Schatzmeister. 

Zusendungen, deren Abdruck im Korrespondenz-Blatt erfolgen 
soll, nimmt Dr. G. Walther, Hamburg^ KrayenJcamp 9 entgegen. 

Die Mitgliedschaft zum Niederdeutschen Sprachverein wird durch 
Einsendung des Jahresbeitrages (5 Mark) an den Schatzmeister de^ 
Vereins Herrn Joh. E. Rahe, Hamburg, Gr. Reichenstr. 11 oder durch 
Anmeldung bei einem der Vorstandsmitglieder, oder Bezirksvorsteher 
erworben. 

Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag die laufenden Jahr- 
gänge der Vereinszeitschriften (Jahrbuch und Korresi)ondcnz-BIatt) 
postfrei zugesandt. Sie sind berechtigt, die ersten fünf Jahrbücher 
zur Hälfte, die folgenden Jahrgänge sowie alle übrigen Vereins- I 
Veröffentlichungen (Denkmäler, Drucke, Forschungen, Wörterbücher) ' 
zu Dreiviertel des Ladenpreises zu beziehen, wenn die Bestellung unter 
Berufung auf die Mitgliedschaft direkt bei dem Verleger Diedr, Soltau 
in Norden (Ost/rieslund) gemacht wird. | 

Bis auf weiteres können die Mitglieder von demselben auch das ' 
,Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J: ten Doornkaat Koolman 
(3 Bände gr. 8^ kartouirt) für 15 Mark (Ladenpreis 44 Mark) post- • 
frei beziehen. 

Bücher oder Sonderabzüge, deren Anzeige oder Besprechung 
gewünscht wird, sind mit dem Vermerk ^Zur Besprechung' oder dgl. 
dem Verleger oder einem der anderen genannten Herren zuzu<^enden. i 



-^I^^^^^CN'^ 



Jahrbuch 



des 



Vereins für niederdentsche Spracbforschnng. 



Jahrgang 1903. 




xxix. 



NORDEN nun LEIPZI6. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1903. 






Dtuc 



uck von Diedr. Soltau in Norden. 



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'5 



Inhalt. 



v 



. ;^<?-33 



Seite 

Zar Syntax der gesprochenen Sprache. (Ein Versuch.) Von J. Bernhardt 1 
Kleinere Beiträge zur Kenntnis G. N. Bärmanns. Von Ad. Wohlwill . . 26 
Zur mittelniederdeutschen Maria-Magdalenalegende. Von J. Franck . . . 31 
Idiotismen aus Eiderstedt und Stapelholm in Schleswig. Von H. Carstens 86 
Eine Verschiebung der niederdeutschen Sprachgrenze in neuerer Zeit Von 

A. Fuckel' 39 

Die Entstehung von Reuters Läuschen. Von W. Seelmann 44 

Die Entstehung von Reuters Reis' nah Belligen. Von W. S e e 1 m a n n . . . 60 
Excellenz bi Buschen. (Zu Reuters Läuschen 1, Nr. 46.) Von W. Seelmann 63 
Die niederdeutsche Sprache Berlins von 1300 bis 1500. Von M. Sie wert . 65 

Bevölkerung. Hochdeutsches in den Berliner Urkunden 66 

Zur Orthographie des Stadtbuches 70 

Lautlehre 79 

Flexionslehre 102 

Zum Braunschweiger Schichtspiel und Schichtbuch. Von £. Damköhler .123 
Zur Geographie der waldeckschen Mundarten. Von E. Mau r mann . . .132 
Versuch eines Quedlinburger Idiotikons. (Mit Joh. Ch. F. Gutsmuths Idioticon 

Quedliuburgense.) Von R. Sprenger 139 



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Zur Syntax 
der gesprochenen Sprache. 

(Ein Versuch.) 

Kann ich nicht Dombanmeister sein, 
Behau ich als Steinmetz einen Stein; 
Fehlt mir anch dazu der Teratand, 
Trag ich Mörtel herbei und Sand. 

Bausteine wollen die folgenden Zeilen bieten zu einer Syntax 
<ler wirklich gesprochenen Sprache^). Jeder, der sich mit diesem 
(•egenstande beschäftigt hat, weiss, wie schwer es ist, die lediglich 
i^c^sprochene Sprache des täglichen Lebens mit ihren Anakoluthen, 
Kinschaltungen, nachträglichen Zusätzen, kurz eine auf der ganzen 
Willkür der augenblicklichen Eingebung beruhende Sprache in Regeln 
zu fassen, zumal da manche Personen oder Familien ihre besondere 
Sprechweise haben; aber bei genauerem Zusehen lassen sich doch 
aus der grossen Mannigfaltigkeit der Erscheinungen gewisse Tatsachen 
gewinnen, die auf allgemeine Gültigkeit Anspruch haben. 

Dem folgenden liegt die niederdeutsche Sprache sowie das auf 
dieser Grundlage ruhende Hochdeutsch der mittleren Bevölkerungs- 
schicht Glückstadts zu Grunde. Hierauf habe ich mich beschränkt, 
da mein Bestreben war, nur Sicheres zu bieten — soweit es eben 
möglich ist. Denn auch die Sprache der bezeichneten Bevölkerungs- 
schicht ist fortwährend den Einflüssen des Hochdeutschen ausgesetzt, 
wenn auch nur dadurch, dass der 'gemeine' Mann regelmässig seine 
Zeitung liest, und sei sie auch noch so klein; infolge dessen schleichen 
sich unbemerkt hochdeutsche Ausdruoksweisen und Wendungen ein. 



') Ich schlage also einen andern Weg ein als Wunderlich, Unsere Umgangs- 
sprache, Weimar und Berlin 1894. Ihm ^schien es geboten, eben diese im täglichen 
Verkehr beobachteten Formen erst in der Litteratur aufzusuchen, um ihnen damit 
festen Grand und Boden zu schaffen'. (S. IX.) Mundartliche Litteratur könnte 
ich für meine Zwecke nicht heranziehen, weil in derselben vielfach nicht einmal 
die einzelnen Wörter, geschweige denn die Redewendungen und Konstruktionen 
immer wirklich plattdeutsch sind. Manche ^Verfasser' scheinen sich damit zu 
begnügen, hochdeutsch Gedachtes wörtlich ins Niederdeutsche zu übertragen, und 
dann meinen sie ein niederdeutsches Dialektwerk geschaffen zu haben. Man muss 
allerdings zugeben, dass an eine Litteratursprache andere Anforderungen gestellt 
werden müssen, als an eine lediglich gesprochene Sprache, aber gerade dieser 
Umstand macht sie für meinen Zweck um so unbrauchbarer. 

N iederdeatsches Jahrbuch XXIX. 1 



Aufgenommen habe ich nur das, was mir wichtig erschien, 
besonders das, was von der hochdeutschen Schriftspraclio, wie sie in 
Norddeutschhmd geschrieben und gesprochen wird (diese Sprache ist im 
folgenden immer unter 'Hochdeutsch' zu verstehen) abweiclit, wenn 
nicht der Vollständigkeit oder des besseren Verständnisses halber auf 
das, was auch in der Schrifts])rache vorkommt, kurz hingewiesen 
werden musste. Ich weiss sehr wohl, dass manche der unten 
besprochenen Erscheinungen sich auch in andern Mundarten und 
Sprachen (z. B. im Holländischen) finden, aber darauf jedesmal hin- 
zuweisen hat wenig Zweck, solange ich nicht die Ausdehnung und 
die Grenzen jeder einzelnen Erscheinung genau feststellen kann; 
deshalb sind nur ausnahmsweise, wo es zu grösserer Deutlichkeit 
zweckmässig erschien, andere Mundarten und Sprachen zum Vergleich 
herangezogen worden. 

Die Beispiele sind, wo es nicht auf den genauen niederdeutschen 
Wortlaut ankam, der Einfachheit halber hochdeutsch (nötigenfalls 
'messingsch') gegeben; den niederdeutschen Beispielen habe ich 
meistens eine Übersetzung beigefügt, da ich die Beobachtung gemacht 
habe, dass eine Mundart den Angehörigen einer andern, auch wenn 
die Mundarten mit einander ziemlich nahe verwandt sind, oft Schwierig- 
keiten bereitet, wo man solche nicht vermutet. 

Nach verschiedenen Versuchen, den Stoff zu ordnen, bin ich, da 
ich ein neues System aufzustellen weder beabsichtige noch imstande 
bin, zu der alten Einteilung der Syntax zurückgekehrt, da sie, obwohl 
sie mir nicht überall zusagt, immer noch die bequemste ist. 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Abfassungszeit dieser 
Arbeit, von unbedeutenden Änderungen und Zusätzen abgesehen, 
etwa fünf Jahre zurückliegt. 



Inhalt. § 1. Der Artikel. § 2. Das Prädikat. § 3. Der Genitiv. § 4. Der 
Dativ. § 5. Adjektivum und Adverbium. § 6. Pronomina, § 7. Zalilwörter. 
§ 8. Präpositionen. §§ 9—13. Das Verbum. § 9. Das Verbum im allgemeinen. 
§ 10. Das Verbum inünitum. § 11. Hülfsverba. § 12. Verba practeritopraesentia. 
§ 13. Gebrauch der Tempora in Hauptsätzen. §§ 14—16. Satzlehre. § 14. Der 
einfache Satz. § 15. Der zusammengesetzte Satz. § 16. Gebrauch der Tempora 
in Nebensätzen. § 17. Wortstellung. 

§ 1. Der Artikel. 

1. Der bestimmte Artikel. 

a) Der Wegfall des bestimmten Artikels ist in vielen Fällen 
teils durch Konsonantenhäufung, teils aus anderen äusseren Gründen zu 
erklären. Statt opt dack (aufs Dach, auf dem Dache) spricht man 
opdack, ebenso in slclp, in keller, in hann (in Händen), wo in = iu*n 
ist, wie auch in manchen hochdeutschen Ausdrücken, vgl. das soeben 
angeführte in Händen, ferner in stand u. a. 

Da in unbetonten Silben Verkürzungen aller Art eintreten, so 
wird auch tör, ndr (zu der, nach der) zu tu, nü. Demgemäss werden 
z. B. die Personennamen Thormähhn, fhor Strathen von uns tumnln, 



3 

lihhvtn gosproclioii. So ist wohl das Fehlen des Artikels in to körrh, 
na knirh, tn srhoof, ml srhool, to straf u. a. zu erklilren, •vielleicht 
auch in fa^r dwr, ceber titter (auf der andern Seite der Stör*). 
Solche Ausdrücke werden von ungebildeten Leuten wörtlich ins Hoch- 
deutsche übersetzt, und so hört man ror Tür, (/eh nach Stuhe 'rein u. a. 
Doch reicht, scheint mir, diese Erklärung nicht in allen Fällen aus, 
z. B. irmn <lu nun Schule kommst j sie ist in Kilrhe, vielleicht ist hier 
eine Unterdrückung des unbetonten «?, d. h. der enklitischen Form des 
bestimmten Artikels de, anzunehmen, so dass ut school = ulfe srhool, 
in kcek = in'e kfek wäre. 

b) Ortsnamen haben vielfach den bestimmten Artikel, freilich 
in der Stadt seltener als auf dem Lande: nän, utn Köllmer (Kollmar 
an der Elbe), [fun'e Kremp, ml de Wehter von Krempe, nach Wilster; 
nur auf dem Lande,] opn Bilenbnrch (Bielenberg), op'e Hoss (Horst). 
Da die zuletzt angeführten Namen ersichtlich Appellativa sind, so geht 
man wohl nicht fehl, wenn man auch die andern dafür hält. 

Personennamen ohne Attribut haben niemals den Artikel. 

c) Die substantivisch gebrauchten Pronomina possessiva haben 
niemals den Artikel: diu appel is grötter as min (als der meinige). 

2. Der unbestimmte Artikel. 

a) Den unbestimmten Artikel setzt man häufig, um eine 
Vielheit als Einheit hinzustellen, vgl. hd. ein hundert, ein tarnend^): 
ff-n feer schiUink, een fiif g roschen, een tein mark^), Soll die Gering- 
fügigkeit einer solchen Einheit besonders hervorgehoben werden, so 
ist een stark betont, sonst steht die abgeschwächte Form n\ he is 
one. knnt n feertich jdr er ist etwa 40 Jahre alt. 

Etwas ähnliches bedeutet vielleicht der unbestimmte Artikel in 
Ausdrücken wie ivat n minschen (auch messingsch was ein Menschen) 
welch grosse Menge Menschen! Doch weiss ich mit demselben nicht 
recht etwas anzufangen. 

Die Frage, ob in Redewendungen wie n ach ddchs tid der un- 
bestimmte Artikel zu ach ddchs oder zu tid gehört, kann vielleicht zu 
gunsten von tid entschieden werden durch dän. en otte Dages Tid, 
engl, a seien years' absence, a winters dag; vgl. übrigens § 3, 8 c. 

b) Der mit dem Worte so zu sim (so ein) verwachsene Artikel wird 
als solcher nicht mehr gefühlt, daher kann man sagen ick heffsun kolefööt, 
auch messingsch ich liab sun kalte Fasse, een sun dink ein solches Ding. 

c) Zu Recht besteht der unbestimmte Artikel in Wendungen wie 
w miler dree (etwa drei Meilen), wörtlich eine Meile oder drei, n dacher 
'rttt (einige Tage) wörtlich einen Tag oder etwas, vgl. § 6, ? b. Man 
kann aber auch sagen dat siind n dree milen (vgl. unter a), so wat 
in) dree ddch etwa 3 Tage. Das auf dem Lande gebräuchliche mdln 
'Iri feer erkläre ich als 'Mal ein drei, vier', d. i. 3 — 4 mal. 

*) Ein Fluss, der eine Stande unterhalb Glückstadts in die Elbe mündet. 
-;- *) D. Wörterb. llf Sp. 137. Vgl. jedoch Nagl, Deutsche Mundarten Bd. 1, 
"^ 59 *Ein drei, ein vier.' — ') ein zwanzig Pfund Schiller, Pegasus im Joche. 



4 

§ 2. Das Prädikat. 

1. Wie man im Hochdeutschen sagt es wird filr recht erhmnf 
u. dgl., so heisst es im Niederdeutschen he in för fas.^ ansett er ist 
fest angestellt, he fürt för biwlc (als blinder Passagier), (hit hook ht*ff' 
ick för ohl koft (antiquarisch); för narren holen zum besten halten, 
hänseln (auf dem Lande förn Imren ho1en)\ vgl. übrigens § 8. 

2. Hinter dem unbestimmten Artikel hat das Adjektiv immer 
die schwache Form. Also ist in dat ?.s n (joden kerl (messingsch du^ 
inlfn (/Uten Mann) die Form godeyi nicht Akkusativ, sondern der den 
übrigen Kasus gleichgewordene Nominativ, gerade so wie in dem Satze 
ddt hett n goden frilnd dän (vgl. § 6,5). 

§ 3. Der Crenitiv. 

1. Subjektiv und possessiv. Bei lebenden Wesen wird der 
Genitiv durch das Possessivpronomen mit vorangeßtelltem Akkusativ 
(d. i. Dativ), bei Sachen durch fnn umschrieben. 

a) min unkel sin hus meines Onkels Haus, d^n jung sin hook 
des Knaben Buch; de hod hört nii ni to, dat in min tunfe fr; den sin 
dessen. Hervorgegangen ist diese Ausdrucks weise aus Sätzen wie: ich 
bringe dem Knaben sein Buch (entfernteres Objekt); der Bauer, dem 
sein Haus abgebrannt ist (Dat. incommodi). Darnach bilden einige 
sogar Se fr fro^) Ihre Frau (Anrede); scherzweise sagt man auch 
min sin = meins. 

b) de f (erste sid fun dut hm die Vorderseite des Hauses, dat eene 
been fun den stool das eine Bein (d. h. eins von den Beinen) des Stuhles. 

Anm. In gewissen Redensarten steht der Genitiv flexionslos vor dem 
regierenden Substantiv: grot lud kinner vornehmer Leute Kinder. Zuweilen wird 
auch der Genitiv in anderer als der oben angegebenen Weise umschrieben, z. B. 
*das ist schon in der Arche Noäh gewesen' dat is all mit Noah in hassen wfn 
(bezeichnet etwas sehr Altes). 

2. Partitiv. Der part. Genitiv wird wie im Hochdeutschen 
durch fun (nicht unnerl) umschrieben; nach Ausdrücken, die schon 
eine Menge bezeichnen, wird der Akkusativ (d. h. der dem Akkusativ 
gl eich gewordene Genitiv) ohne Präposition gesetzt: de lüttste fun den tropp 
der kleinste unter der Schar; n barch minschen eine Menge Menschen. 

3. Objektiv. Umschreibung durch Präpositionen wie im Hoch- 
deutschen, z. B. luss tot geschäff Lust zum Geschäft usw. Zu erwähnen 
ist hier he hett dat ni halt er wagt es nicht (wörtlich : er hat es niclit 
Herz; er hat nicht den Mut dazu). 

4. Bei Adjektiven tritt (wie häufig auch im Hochdeutschen) 
einfach der Akkusativ ein oder Umschreibung durch eine Präposition : 
de bütt is füll wäter ; dat is dat nennent ni weert das ist nicht der 
Rede wert, he is sin een arm ni mächtich er kann den einen Arm 
nicht gebrauchen; ick bün dar leed op ich bin dessen überdrüssig. 
Hierher gehört auch wohl he itt sich satt brod, he kricht ni sattßeesch. 



*) Onkel Br?esig: auf Ihnen Ihre Diele Stromtid, Kap. 46 Mitte. 



Dann und wann ist noch ein Genitiv erhalten, so hört man wohl 
man /.s (sich) sins Ifbem ni sfker, vgl. unter Nr. 8. 

5. Nach Präpositionen und präpositioneil gebrauchten Sub- 
stantiven tritt gewöhnlich der Akkusativ, zuweilen auch die Um- 
schreibung durch das nachgesetzte Possessivpronomen (vgl. unter Nr. 1) 
ein: op anner sid de EW auf der andern Seite (jenseits) der Elbe; 
mu de kinner frnt luilhen der Kinder wegen; vgl. för mint tragen 
meinetwegen, nni mint halben. 

Erhalten ist ein Genitiv in fun rechs n-ffjen, vgl. unter Nr. 8. 

ü. Objektsgenitiv (nach Verben), Auch hier tritt der 
Akkusativ oder Umschreibung durch Präpositionen ein: nimm dl em 
II ktfin an nimm dich seiner etwas an, ick will dl dat ni berohen; he 
nVuitt sich dar noch mit er rühmt sich dessen noch. 

7. Freierer Gebrauch: Ick bün de meenunk ich bin der 
Meinung (prädikativ); aber auch: Ick ireer In den (/loben ich war des 
(ilaubens, d. h. ich glaubte. — Im Hinblick auf mhd. brotea leben, 
Luther deineti Schwertes sollst du dich nähren (1. Mos. 27, 40) kann 
man annehmen, dass in he Ifft sin <jeld (er lebt von seinen Renten) 
ursprünglich auch ein Genitiv steckt. 

8. Ueberreste des Genitivs (vgl. auch unter Nr. 4 und 5). 

a) Genitiv der Adjektiva, abhängig von einem Ausdruck der 
Ulibestimmten Quantität: nicks (/ödes, wat oh (oles), wat (jlff nees? 
fei feinen USW. 

b) Genitiv der Substantiva, adverbial gebraucht: ddchs, abend Sy 
mli/ddchsf nac/tSy sännddchs, mlttwmhs usw. Auf dem Laude setzt man 
in der Regel noch den Artikel davor: sdbends, snachs, smlddcfCfkens 
usw.; wenn man dagegen in der Stadt den Artikel davor setzt, 
erscheint er in der Form dat: dnt sännddchs. 

Ob hierher Ausdrücke wie mit eens (zugleich). Ick bün baten books 
(mich trifft keine Verantwortlichkeit) gehören, ist zweifelhaft, da im 
Niederdeutschen au Adverbien (Präpositionen) häufig ein s gehängt 
wird, vgl. (ibsluts absolut, mltsamps mitsamt und viele andere. Jeden- 
falls berühren sich aber ursprünglich adverbiale Ausdrücke vielfach 
mit dem Genitiv, wie mhd. des endes, flntjes ; strackes, (jdhes, mud. dankes, 
tihtedrs; nonwes usw. 

c) Man sagt ganz richtig n half mll wfchs eine halbe Meile 
Weges u. ä,, aber diese Genitivform ist auch auf Wörter und Aus- 
drücke übertragen, bei denen sie ursprünglich nicht am Platze ist. 
" ßrs tld (Zeitraum eines Jahres, etwa ein Jahr) könnte mau zur 
Not noch erklären als 'eine Jahres Zeit' (mit zwischengestelltem Gen.) 
oder 'eines Jahres Zeit', vgl. § 1,2 a. Diese Erklärung hört aber auf 
bei n ach ddrhs ti(L Man kann nur sagen, dass hier nach Analogie 
des Sing, der Mask. und Neutr. das .s angehängt ist, wie z. B. auch 
in iids (jennch Zeit genug. Aehnlich findet sich im Dan. an otte I)a(/es 
Tul, im Engl, a seren ycars^ abs/mce. Hierzu stellt sich cerster ddchs^ 
nächstens, ehestens. Ein merkwürdiger Gen. liegt vor in ////// (dln. 



6 

sin) tidiilfbena Zeit meines Lebens ; ist dies = meine Zeit des Lebens? 
vgl. § 17,1. 

d) Vereinzelt, gewissermassen erstarrt : in doibels kwk in Redens- 
arten wie ich komme in Teufels Küche = es wird mir schlimm ergehen. 

§ 4. Der Dativ. 

1. Der Dativ ist bis auf wenige Reste (vgl. Jahrb. XX, S. 32, 
§ 75,2.3) dem Akk. gleich geworden. Über den Dat. nach Prä- 
positionen vgl. Jahrb. XX S. 37, § 80a.E. 

2. Ein Dat. ethicus (?) ist bei dem Worte drinken zu erwähnen: 
ick drank mi n seidel beer, (In Solingen sagt man nicht nur ich 
trank mir n Glas Bier, sondern auch ich ass mir ne Butter [ein Butter- 
brot], ich las mir was) 

§ 5. Adjektivam nud Adverbium. 

Abgesehen davon, dass die Syntax teilweise auf die Flexion des 
Adjektivums zurückgreifen muss (vgl. § 2,2; Jahrb. XX S. 33, § 7G,i), 
ist weiter nichts zu bemerken. 

1. Werden zwei demselben Gegenstande beigelegte Eigenschaft(»u 
miteinander verglichen, so treten beide Adjektiva in den Komparativ 
(wie im Latein.): de disch is länfjer as breeder, 

Dass beim Gen. part., auch wenn nur von zwei (Jegenständen 
die Rede ist, der Superlativ steht, ist bekannt, z. B. der jUnyste. ron 
zwei Brüdern, Ausdrücke wie de rechter hand kommen nur noch auf 
dem Lande vor. 

2. Manche Adverbien nehmen, wenn sie ein Adjektivum näher 
bestimmen, die .Form des Adjektivs an: n ganse ole fro ein ganz alte 
Frau, n tfm liehen g roten j an ff ein ziemlich grosser Junge; geben Sie 
mir einen Fisch, nicht siin furchbaren grossen, aber n rechten schönen; 
ein ganzes kleines Kind, 

Die Präposition to wird wie ein Adjektiv behandelt: de toe dar 
die geschlossene Tür {die zue Tilr^), ebenso einige adverbiale Aus- 
drücke: de tweie fiack die wunde Ferse, de tweie rock der zerrissene 
Rock, de tweien strfimjj usw. (twei =. entzwei; in diesen Fällen wird 
nie die volle Form intwei gebraucht); de bardfm fööt die nackten 
Füsse {bart = barfuss: he löpt bart)^ ich habe auch den bürden kopp 
(= die Glatze) gehört. Ähnlich de halben die Hälfte, z. B. de halimn 
Jisch siind förrott die Hälfte der Fische sind faul (verrottet); de gansan 
mit folgendem Substantiv = alle. 

§ G. Pronoinina. 
1. Personalia. Das Pronomen du wird, wenn es unbetont ist, 
häufig weggelassen, besonders wenn es hinter dem Verbum stehou 
müsste. — Der Akk. sg. fem. und der Akk. pl. heisst eigentlich se^ 



') Hier iu Soliugeu ist das Wort gescMoascn so wenig gebrauch lieb, dass 
'i. B. die Scbüler im frauzösiscbeu Unterricht beharrlich vou einem euen c reden, 
auch wenn sie noch so oft vou dem geschlossenen c gehört haben. 



doch wird statt dessen im Sing, fast ausschliesslich, im Plur. sehr 
häufig fr gebraucht, a) wenn daneben kein Dativobjekt vorhanden ist, 
b) nach Präpositionen. Daher werden im Hochdeutschen ihr und sie 
(gerade wie mir und mich) sehr oft verwechselt. 

2. Possessiva (vgl. § l,ic). Zu erwähnen ist das Zusammen- 
treffen mit een : min een hand, sin een book (auch wenn er deren mehr 
als zwei hat). Ferner ick kann min luchen ni Idten ich konnte mich 
des Lachens nicht enthalten. Vor einem Relativsatze steht zuweilen 
das Possessivpronomen statt des Determinativums : din böker, de du 
liesi^; din fadder sifi hus, ivat he hett (vgl, § 15 Anm. 2), ein Gebrauch, 
vor dem die hochdeutschen Grammatiken und Stilistiken zu warnen 
nie unterlassen. 

3. Demonstrativ a. dut wird (wie auch hd. ^.s-) häufig gebraucht 
zur Bezeichnung eines augenblicklich nicht näher bestimmbaren Etwas, 
besonders irgend eines Leidens: ick heff dut ni god^) mir ist nicht 
wohl, he hett dut oj/e of/en er hat ein Augenleiden, ick har dat so 
forn mdf/en ich hatte Magenschmerzen u. ä. (vgl. auch § 8); he kreech 
(Ifit mitfe am/s er bekam Angst, se hett dat uCe mund as de kdteeker 
(Eichhörnchen) in steert d. h. sie ist eine grosse Schwätzerin, he hol! 
(hielt) ddt mitn Dan er war dänisch gesinnt, ivo holls du- dat mit? 
welcher Partei, Ansicht neigst du zu? he hett dut hild er hat es eilig, 
er hat viel zu tun. 

4. Determinativa. Wenn das Determinativum unmittelbar vor 
das Uelativum zu stehen käme, wird es gewöhnlich weggelassen : diese 
B'niie ist besser als die ich heute morgen hatte. Dagegen wird das 
Determinativum in der Kegel gesetzt, wenn ein vorausgehender Re- 
hitivsatz Subjekt ist : wör ni kumt to rechter tid, de gelt de mdltid qulit 
wer nicht zur rechten Zeit kommt, geht der Mahlzeit verlustig. 

Das Determ. oder ein Substantiv mit Determ. richtet sich in 
seinem Kasus häufig nach dem Kasus des folgenden Relativpronomens: 
'/'- kerff de hier betteln df, den höbbt se arretiert den Kerl, der hier 
bettelte, hat man verhaftet, den kerl, den se gestern arretiert höbbt, de 
har bettelt, 

5. Interroj?ativa (und Relativa). Das substantivische Interro- 
.irativpronomen heisst tvör, wörkeen, keen, und dies gilt für den Nom. 
Akk. Dat.; der Gen. wör sin (vgl. §3,ia) ist wenig gebräuchlich und 
wird durch Umänderung der Konstruktion vermieden, so sagt mau 
z. B. statt wessen Haus ist dies? etwa wem gehört dies Haus? 
(messiugsch wer hört dies Haus zu?) o. ä. Zu erwähnen ist, dass, 
wenn ein Fragesatz mit dem Dat. des Interrog. beginnt, das Subjekt 
oft scheinbar im Akk. steht: wör hört dissen rink to, liier haben 
wir otfenbar eine ähnliche Erscheinung wie die § 2,2 besprochene, 
vgl. Jahrb. XX S. 33 § 76, i. 

*) Bei uns uiir negativ; im Sclileswigschen kommt diese Redensart auch 
positiv (ich habs gut) und fragend ( Wie haben Sie's ?) vor, vgl. dän. Jeg har det 
ißwU, hvorledes har De det? 



8 

HäDgt das InteiTOg. oder das Rel. von einer Präposition 
ab, so heisst es in allen Genera und Numeri sowohl niederdeutsch 
als hochdeutsch wo (/m); die Präposition steht dann hinter dem 
Pronomen getrennt von diesem: ivo guiujs du mit mit wem gingst du? 
de mann, wo du mit (Jungs; de telt, wo de fän op is das Zelt, auf dem die 
Fahne ist. Wenn der Relativsatz lokal aufgefasst werden kann, kann 
wo allein auch auf Personen bezogen stehen: der Wirt, wo wir einkehrten. 

Das Neutrum wat hat einen etwas ausgedehnteren Gebrauch als 
im Hochdeutschen. Wohl kann man hd. sagen Was schlägst du mich':', 
aber nur ndd. sind Ausdrucksweisen wie wat is de klocW'f wieviel Uhr 
ist esV wat löpt de tid! wie läuft die Zeit! Überhaupt wird in 
Ausrufen gern wat gebraucht: wat fein! wie schön! wat n wunner 
was Wunder, d. h. es ist nicht zu verwundern, wat n harch hloom ! 
welche Menge Blumen! wat weern ddr n minschen! (vgl. § 1,2a). 
Hier kann auch wat, verstärkt all wat, in der Bedeutung 'so sehr, so 
stark usw. wie' in Verbindung mit können angeführt werden: lauf was 
du kannst; er schrie all was er konnte, 

wat för hat drei verschiedene Bedeutungen: 1) wird es oft für 
wer gebraucht: was war das für einer? wer war dasV (dies kann 
man natürlich auch sagen), besonders wenn ein Substantiv folgt: /rr/s 
war das für n Herrn? (über die Form Herrn vgl. § 2,2). 2) entsi)richt 
es dem hd, adjektivischen welcher: was für n Nummer hat dein Ha ws? 
3) ist es = hd. was für und fragt nach der Beschaffenheit. 

6. Auch im Hochdeutschen wird das Neutr. des Demonstr., 
Interr. und Relativs, wenn es von einer Präposition abhängt und sich 
nicht auf ein bestimmtes einzelnes Substantiv bezieht, durch ein Orts- 
adverbium ersetzt: hierüber, dadurch, womit usw. Das Niederdeutsche 
geht noch einen Schritt weiter, indem es auch die Begriffe nichts^ 
niemand, alles, alle, irgend etwas, wenn sie von Präpositionen abhangen, 
durch Ortsadverbien ersetzt : he weet nörgens wat fun af er weiss von 
nichts (was von), se kann sich nörgens mit fördrfgen sie kann sich 
mit niemand vertragen, de kinner mö(r)t ni ümmer allerwfgens wat fnn 
afkrigen die Kinder müssen nicht immer von allem etwas abbekommen, 
se fangt allerwfgens strid mit an sie fängt mit allen Streit au, denn 
is dat doch eenerwfgens god to dann ist es doch zu irgend etwas nütze. 

7. Indefinita. 

a) man wird nur in allgemein gültigen Sätzen gebraucht und 
in solchen, die man als allgemein gültig hinstellen will; dies ist zu- 
gleich ein Mittel, eine Behauptung zu mildern (eben dadurch, dass 
man einen einzelnen Fall verallgemeinert). Will man z. B. jemand 
darüber trösten, dass er nicht gewusst hat, wie er sich verhalten 
sollte, oder will man sich selbst deswegen entsclmldigen, so sagt man 
wohl: man weet ni, wo (wie) man r/a^ ym>r (Steuerruder) holen sali. — 
Soll kein allgemein gültiger Satz ausgesprochen werden, so gebraucht 
man sc: sc sfn man sagte, zuweilen auch wohl andere Ausdrücke, 
z. B. all de lud u. dgl. 



9 

b) Um eine unbestimmte Menge eines vorhergenannten Stoffes 
o. dgl. zu bezeichnen, bedient man sich der Wörter wat (Sing, neutr.), 
trörk (Sing. mask. fem. und Plur.) : ivenn du kein Geld mehr hast, will 
ich dir iras geben; über n dacher trat vgl. § 1,2 c. Die Negation zu 
diesem trat heisst nicks: ich kann dir kein Geld leinen (so!), ich habe 
sf'lhst nirks (keins). Willst du n Tasse Kaffee trinken? Wir haben noch 
tnlrhen ; Sur.hst du n Postkarte? Hier si^id welche. — So erklärt sich 
auch so wörk (ohne Substantiv) = solche. 

Scheinbar überflüssig steht wat in folgenden Wendungen: wi 
inVt wat ften wir wollen essen, wölt wi noch ni bald wat ften?; schäm 
'// wat schäme dich, sms (du solltest) di doch wat schämen; wenn dat 
man wat helpt wenn's nur hilft (neg. dat helpt nicks); he slächt sin 
jndthr wat er gleicht seinem Vater (besonders in Charaktereigen- 
schaften); wat utlachen, 

Anm. %D(st, wörk bedeutet Datürlich auch ganz allgemein 'etwas, einige^ (auf 
dem Lande auch de wörken), dat is man so wat es ist nur so so, nur einigermassen. 

c) Das Wort all kann nie allein stehen, sei es in welchem Kasus 
e> wolle, sondern es wird immer durch ein anderes Wort unterstützt : 
'alle sagen es' dat seggt se all; selten steht all am Anfang und über- 
haupt nur dann, wenn es stark betont ist: all gnngen se wech alle 
fingen weg; *er überwirft sich mit allen' he förtöörnt sich mit all de 
lad (vgl. übrigens auch unter Nr. 6), 'er ist allen schuldig' he i-s gott 
un all de minschen schuldich. sünd se dut all? Sind das alle? is dat 
'Ifff all? ist das alles? (aber auch is dat allens). Steht all als Attribut, 
so folgt, wie schon aus einigen der soeben gegebenen Beispiele er- 
sichtlich, stets der bestimmte Artikel: all de lüdj all dat hebe brod. 

Das Neutrum allens kann nicht stehen, wenn Personen bezeichnet 
werden sollen: 'alles schlief se sleepen all. 

In der Bedeutung 'verbraucht, zu Ende' heisst es immer all: 
iifin fjeld is all; siind de appeln all all all? sind die Äpfel schon alle 
verzehrt? 

§ 7. Zahlw»pter. 

een wird häufig gebraucht statt eines Substantivs, das man nicht 
näher bezeichnen will oder kann : he beholt ilmmer een in sinn er sagt 
nicht alles, was er denkt, een afpedden ein Tänzchen machen, he steck 
^irh ern achter de käsen er steckte sich eine Prieme (Kautabak) hinter 
die Backenzähne (vgl. § 8), wult een an'e snut hemm? willst du 'ne 
Ohrfeige haben? iJu bfiss mi n schön' n een (im Sclierz gesagt). Be- 
>oiiders häufig ist diese Ausdrucksweise zur Bezeichnung der Trunken- 
heit: /w? hett sich een koft, een feiftj een unner de mutz schaben, een 
iii'e prnkf een sitten (n lütten sitten) usw. usw. Übrigens kann man 
in manchen Fällen zweifeln, ob man een als Zahlwort oder als un- 
bestimmten Artikel auffassen soll. 

f'fm nach einer Präposition ist oft = hd. 'einander': ntn een, 
fiiu een, bin een usw. Hier erscheint een als Ganzes, das entweder 
geteilt oder gesammelt wird. Sonst gebraucht man auch n anner. 



10 

§ 8. Präpositionen. 

Es seien hier einige vom Hochdeutscheu abweichende Fälle des 
Gebrauchs der Präpositionen verzeichnet. 

achter, achtert fimter am (ans) Fenster, aber auf der Aussen- 
(Strassen)seite : he keem achtert finster Gegensatz för, s. d. ; den hreef 
ward he ok ni achtert speerjel (an den Spiegel) stfken, he steek sich een 
achter de kiisen s. § 7 ; dar kann nmn keen hund mit achtern äben rut 
(hinterm Ofen hervor) locken. 

slL dar tceet ick nicks (funj af davon weiss ich nichts; ddr kanns 
oj) af dessen kannst du versichert sein; dat mutt ddr op af es nuiss 
versucht werden, man muss sehen, was daraus wird; ick kann dat ni 
af ich kann es nicht vertragen (vgl. § 12). 

an. an'e eer auf der (die; Erde, auf dem (den) Boden; (mau 
sagt übrigens auch oj/e eer). 

bäben. sc heft frn mann dat bähen kapp ndnien sie hat es 
(ohne Vorwissen und) wider den Willen ilires Mannes, über den Kopf 
ihres Mannes hinweg getan, durchgesetzt, ni Mben dörtich jdr nicht 
über 30 Jahre (nur negativ; dagegen (tber in allen Fällen). 

bi. lie weer bit schrihen s. § 13,2. In dem Satze he is trech 
bi Sniidt sind zwei Gedanken miteinander vermischt: er war bei Schmidt 
(im Geschäft o. dgl.) und ist jetzt nicht mehr da. bi de arbeit an- 
famjen die Arbeit (mit der Arbeit) beginnen, de farf passt ddr ni bi 
die Farbe passt nicht dazu, he kamt ni nieer bi uns (er kommt nicht 
mehr zu uns) hat nicht den Sinn wie das mitteldeutsche komm bei 
mich, sondern es bedeutet 'er verkehrt nicht mehr bei uns', gerade 
so wie man sagt he keem ddr fröer ffl, he kamt hier ni meer, 

für. kinnm hier mal förn dach tritt hierher, wo die Beleuchtung 
besser ist, z. B. ans Fenster (damit man dich besser besehen kann); 
dat keem förn dach es kam an den Tag ^) ; se seet fort finster sie sass 
am Fenster (vgl. achter), ick he ff dut so förn mdyen ich habe 
Magenschmerzen, vgl. § 6,3; dat is (jod fort feeber u. dgl. (wo die 
hochdeutschen Grammatiker (je<jen verlangen); he Ifst de zeitnnk för 
arm er liest die Zeitung mit, ohne etwas dafür zu bezahlen, för dnll 
an för blind wie toll und blind, ick heff den rock för old koft usw. 
vgl. S 2,1. 

fun. he fritt mi fun nfs nn oren er frisst mir Nase und Ohren 
ab (sagt man von einem, der übermässig viel isst). 

gegen ist oft = 'gegenüber': he hett sich dut (jcfjen mi nildtcn 
er hat mir gegenüber ein Wort davon fallen lassen; he ndnt (p'-f/cn 
de poss oeber er wohnt der Post gegenüber (s. (eher). 

in. kämm in^e been ! steh auf! do keem he ßink in'e been\ in f. 
knee auf die Knie, auf den Knieen (man sagt aber auch ope knee) ; 
ick heff dat so in rikh, ine boss (bruss), in lii^ ich habe Rücken- 
schmerzen, Bnistschmerzen (Husten), Leibschmerzen (Durchfall), 
vgl. § G,3. 



*) Vgl. dm. komme for Dagen. 



11 

mit. he trock mife schullern er zuckte die Achseln, he liett dat 
itiit'f icöör ihm steht ein Wortschwall zu Gebote, he kreech dat milfe 
inKjs vgl. § 6,8; he holl op mit Ifsen er hielt im Lesen inne, hörte 
auf zu lesen. 

n& wird, auch unterstützt dui-ch Adverbien (was bei Fürwörtern 
immer der Fall ist), für hochdeutsch zu bei Personen gebraucht: ick 
Hill nä Smidt ich gehe zu Schmidt, morgen kam ick nä di hin, nähfr 
kiiin ick nd di rum. (Bei Personen sagen wir nie to^ was in anderen 
niederdeutschen Mundarten der Fall sein soll.) 

op wird scheinbar überflüssig gesetzt in Redensarten wie fun 
HU op an von jetzt an, fun lütt op an von klein auf, fun klock dree 
op an usw. he hett dat op'e ogen er hat ein Augenleiden, vgl. § 6,3; 
oyj niU'htern mdgen bevor man etwas gegessen hat, op min (din, sin) 
fi/ni dach; op fben such ohne Veranlassung; op nee plätten; ich hiin 
(/(ir leed op ich bin dessen überdrüssig, ick heff mi dar leed op ften, 

a? b e r hat ausser der Bedeutung 'über' noch die von 'gegenüber' 
(rein örtlich): he ivänt grdd (schreech) wber de poss er wohnt der Post 
gerade (schräg) gegenüber. 

to. to klock tein mutt ick fertich sin bis zehn Uhr muss ich 
fertig sein; he m4k mi ton lachen er machte mich lachen, brachte 
mich zum Lachen. — to hus heisst nicht nur 'zu Hause', sondern 
auch 'nach Hause'; darum hört man hd. zu Haus statt nach Hause; 
ndd. sagt man aber auch nd hus. — to bei Ortsbezeichnungen habe 
irh von einem früheren Schifler und Fischer, jetzigen Gastwirt, gehört: 
h Krudsaml in der Nähe von Krautsand (Insel in der Elbe), to Kucks- 
hdUn zu Kuxhaven. Da ich nicht annehmen kann, dass dieser Ge- 
brauch individuell ist, so schliesse ich, dass er der Schiffersprache 
angehört. 

um. ick htm um wall (jdn ich bin am Wall entlang gegangen 
idie Promonade, die sich an der Stelle der abgetragenen Wälle befindet, 
zielit sich im Bogen um die Stadt), nult du mit um dik willst du mit 
um den Deich gehen, d. h. auf dem sich um einen Teil der Stadt 
zielicnden Eibdeich entlang, 

unner. he hett den anfall unner sich erleidet an epileptischen 
Anfällen; de krankheit hett he all lanr/ unner sich hatt die Krankheit 
liat ihm schon lange (latent) im Körper gesteckt. 

ut. he kumt ni ulfe stell er kommt nicht von der Stelle (be- 
sonders bildlich), er kommt nicht weiter.^) 

Aum. Für manche hocbdeutscheu Präpositionen hat das Niederdeutsche kein 
oüUprechendes Wort und wendet demgemäss eine andere Ausdrucksweise an, z. \i. 
'wiilireud des Vortrages bleiben die Saaltüren geschlossen' so lang* aa de fördrach 
tluurt usw. 



^) Auch hier in Solingen sagt man aus der Stelle, dies bemerke ich aus- 
drücklich gegen E. Wasserzieher, Flensburger Deutsch, Zeitschr. f. d. deutschen 
Unterricht VI S. 567. 



12 

Das Vepbum. 

§ 9. Das Yerbam im allgemeinen. 

1. Die Umschreibung mit doon kann nur eintreten, wenn doon 
liinter den Infinitiv zu stehen kommt, also 

a) in Hauptsätzen, wenn das Verbum hervorgehoben werden soll ; 
dies steht dann im Infinitiv an der Spitze des Satzes: utktnjjeH doot 
se ni sie brennen nicht durch. Die Umschreibung findet nur beim 
Inf. präs. statt, und zwar meistens nur im Aktiv; ob auch der Inf. 
präs. pass. umschrieben wird, ist mir zweifelhaft; jedenfalls ist dies 
höchst selten. 

b) in Nebensätzen. Diese Umschreibung kommt im Präs. und 
Imperf. akt. und pass. vor. In der Bedeutung ist zwischen den um- 
schriebenen und den nicht umschriebenen Formen keinerlei Unterschied. 
Die Umschreibung wird nicht gern gehäuft, man sagt also nicht: dat 
is de kerlj de Jedes mal för de dwr stän deitj wenn ui dar förblf/dn dootj 
auch wird sie nicht gern angewandt, wenn zwei Infinitive zusammen- 
trefi'en würden, niemals bei *(zu tun) pflegen' und bei 'können, 
müssen' usw. 

2. Passivum. Obwohl in der Flexion der Unterschied zwischen 
Dativ und Akkusativ verwischt ist, ist doch der Unterschied zwischen 
transitiven und inti'ansitiven Verben in sofern geblieben, als nur ge- 
wisse (eben die transitiven) Verben ein persönliches Passiv bilden. 
Dann und wann ist jedoch ein Verbum im Niederdeutschen transitiv, 
das im Hochdeutschen intransitiv ist: meine Matter hat Sie hegetjnet, 
ich kann's nicht helfen (= abhelfen, ändern), he is ho/pen irorn ihm 
ist eine pekuniäre Unterstützung zu teil geworden, sodass er ein Ge- 
schäft gründen, seine Studien beenden o. dgl. konnte; ich erinnere 
ihn noch (/am gut (= ich erinnere mich seiner). 

Im Niederdeutschen können nicht nur intransitive sondern auch 
reflexive Verben ein unpersönliches Passiv bilden: ddlsett (gesetzt) 
ward sich ni (reflexiv), prügelt ward sich hier ni (reziprok). Gewöhnlich 
steht das Partizip an der Spitze, es kann aber auch die Orts- 
bestimmung den Satz beginnen: hier ward sich ni prügelt; in solchen 
Sätzen wird niemals ein Subjekt ausgedrückt. 

Bekannt ist, dass die Norddeutschen beim Perf. Pass. usw. gern 
das Wort 'worden' weglassen, auch wenn eine Handlung und nicht 
ein Zustand bezeichnet werden soll; dies stammt ofl'enbar aus dem 
Niederdeutschen; doch liegt die Sache nicht so, als ob nun im Nieder- 
deutschen 'worden' immer fehlte, sondern es wird bald gesetzt, bald 
weggelassen, ohne dass sich darüber bestimmte Regeln aufstellen lassen. 
Das einzige, was sich sagen lässt, ist, dass 'worden' im Plusquamperf. 
Indik. meistens zu fehlen, in Bedingungssätzen meistens zu stehen scheint. 

Das Niederdeutsche wendet nicht so häufig passivisclie Sätze an 
wie das Hochdeutsche : 'warum ist er verhaftet worden V warum höbbt 
se (vgl. § G,7a) em denn arretiert? 



13 

8. Persönliche und unpersönliche Verben. Wenn im all- 
i^t^meinen auch im Niederdeutschen und im Hochdeutschen dieselben 
uiijiersönlichen Verben vorkommen, so finden sich doch inbezug auf 
ilicsen Punkt einige Unterschiede zwischen beiden Si)rachen. Aus- 
(h'ücke wie foi tiujty en thmkelt usw. kommen im Niederdeutschen nicht 
vor, ebensowenig nuch friert , mich hunf/ert usw. Es heisst ick freer, 
irk heff hnnf/er, (förs (oder ick hiln liunfferichj dörstich)^ ferner ick hihi 
uM mir ist übel, ick hün m deck (to modf) mir ist schlecht; dagegen 
*faf (hit mi ich ahne. Man unterscheidet ick hün han</ ich fiirchto 
mich, mi in hanr/ ich fürchte; dar kanns du ja atujs und hatu/ hi 
trfn'Hy ich tri// dich nicht hanfße machen y er machte mich hant/e, 

§ 10. Das Verbnm inflnitnm. 

1. Der Infinitiv. 

a) Der Infinitiv mit und ohne zu. In einigen Fällen gebrauclien 
wir to beim Infinitiv, wo es im Hochdeutschen fehlt, so bei 'sollen' 
und 'wollen': uvtt tröH ji hier to stein? was (wozu) stellt ihr hier? 
welchen Zweck hat es, dass ihr hier steht? wat mit dat hier to Jiyyen? 
wozu liegt das hier? Ähnlich wat deis da hier to kiken? he is all 
irer (wieder) dar to kiken. Man sieht sogleich, dass durch diese Aus- 
drucksweise der Zweck angezeigt wird. — Die Möglichkeit wird durch 
if*hen ausgedrückt : dat geit ni to kdken man kann es nicht kochen, — 
Der Gebrauch des Infinitivs mit to nach 'kommen' ist etwas aus- 
gedehnter als im Hochdeutschen: he keem op de eerste hank to bitten 
er kam auf die erste Bank, d. h. ihm wurde dort ein Platz angewiesen, 
hp keem mit sin achter deel opn foothorn to sitten; dat kumt ni to seen 
man wird es nicht sehen, man sieht es nicht (z. B. einen Flicken auf 
einem Kleide, weil er auf irgend eine Weise verdeckt ist^); ick ke^m 
mit em to sprfken ich fand zufällig Gelegenheit mit ihm zu sprechen. 
Auch kann auf diese Weise der Zweck ausgedrückt werden (s. oben) : 
he kamt all werder to sniiffeln um zu schnüffeln (spionieren). Dagegen 
kommen Wendungen wie he keem op den hoff to riden bei uns nicht 
vor. — Zu erwähnen ist noch se sitt den r/ansen dach to neien sie sitzt 
den ganzen Tag und näht, he steit op'e streit to snacken u. ä ; ick hün 
op sid 12 to schrihen; ick wor dar an to denken es fiel mir ein, ich 
erinnerte mich dessen, ferner to packen krif/euj to fdten hitjen als Ver- 
deutlichung des einfachen Begriffes packen, fassen (man sagt aber auch 
fdf krigen)^ ähnlich to packen hemm, to fdten hemm (fdt hemm). 

Ohne to stehen nach gdn die Infinitive sitten und lif/gen : f/d sitten 
setz dich, nimm Platz, de ko geit liggen die Kuh legt sich nieder. 
Doch ist diese Ausdrucksweise heute in der Stadt fast ganz ver- 
schwunden. — Nach hrnken hört man zuweilen den Inf. ohne to^ 
meistens wird es jedoch hinzugesetzt. 



') Ein altes Gedicht beginnt: mit hemder nMt man keenen stSU, 

denn se ^-äm^ ni to seen; 
man finnt dat geld ni op de slriü, 
man mutt dat sur fördeen'n. 



14 

b) Der substantiviortc Infinitiv wird wie im Ilochdcutsclion 
gnbrauclit, er kann aucli ein Adjektiv zu sich nehmen, wo man ein 
Adverb erwarten sollte: (htt stihe aitteti,, dat krumme stdn das steife 
Sitzen, das Krummstehen. — Abweichend vom Hochdeutschen ist 
folgendes. Bei anfangen steht oft statt des Infinitivs mit to der sub- 
stantivierte Infinitiv mit dem unbestimmten (selten mit dem bestimmten) 
Artikel: do fnng he n srhimpen an da fing er an zu schimpfen. Bei 
kric/en steht der Infinitiv mit dem bestimmten Artikel: he kreech <lat 
prnuüHen er bekam das Niesen, er musste niesen, se kreegmi sich dat 
prügeln es kam soweit, dass sie sich prügelten, sie begannen sich 
zu prügeln. 

2. Das Partizip des Präsens. 

Da das Part. präs. der Form nach mit dem Infinitiv zusammen- 
gefallen ist, so ist es oft schwer zu entscheiden, ob man einen Infinitiv 
oder ein Partizip vor sich hat. Ich nehme an, dass in folgenden Fällen 
ein Partizip vorliegt (vgl. Kluge, Zeitschr. f. deutsche Wortforschg. 181). 

a) Bei icerden^)^ hleihen und sein, a) dat ward rfgen es fängt 
an zu regnen, ebenso in den andern Tempora: dat wor rfgen, wenn 
de wind ni so dull (stark) wei't har, weer dat noch rfgen worn; do wor 
he ween'n da fing er an zu weinen, h^ wor iimmsr krummer gän er 
ging je länger desto krummer. Diese Ausdrucksweise ist bei uns 
aber lange nicht so häufig wie z. B. bei Fritz Reuter. Sie berührt 
sich mit der Bildung des Futurums (vgl. § 13, s), denn es ist klar, 
dass eine Handlung, die erst im Begriff ist einzutreten, genau genommen 
noch in der Zukunft liegt. Dass in diesen Sätzen aber im Nieder- 
deutschen nicht nur das Präsens von werden (wie im Hochdeutschen), 
sondern auch die andern Tempora vorkommen, erklärt sich daraus, 
dass die ursprüngliche Bedeutung dieses Verbums, das eine Veränderung 
eines Zustandes bezeichnet {werden =: lat. verti)^ noch durchschimmert; 
man vergleiche mit den Sätzen der Blinde wird sehend, der Blinde 
wurde sehend die folgenden: So'lic sint, die reines lierzen sint; die 
werdent got sehende und sam des Srsten tages, do sie got ansehen/le 
wurden (aus einer Predigt Bertholds von Regensburg). 

ß) blif Sitten bleib sitzen. Nach bleiben können die Wörter 
aitzen, liegen, stehen auch die Vorsilbe be- haben, der Unterschied ist 
folgender: he bleef stän heisst 'er machte halt', he hleef bestdn bedeutet 
*er stand schon und blieb auch ferner stehen' (während er sich 
eigentlich hätte entfernen müssen, während andere weggingen o. dgl.), 
he bleef sitten er stand nicht auf, he bleef beritten erging nicht fort^); 
doch wird diese Unterscheidung nicht streng durchgeführt. 

Y) Bei sein kommen nur einige Partizipien mit verbaler Natur 
vor: moon (= modende) 'vermutend': wat bilss moon? was denkst du 
eigentlich? dat treer ick ni moon das hätte ich nicht gedacht, he is 

Vgl. Lübben, Mnd. Gramm. § 65 S. 92. — «) Sonst heisst *in einer 
Tätigkeit fortfahren' hibliben : blif man so bi fahre nur so fort, /«€ bleef bi to 
schriben er fuhr mit dem Schreiben fort (liess sich nicht stören). 



15 

IuhU wätcr moon er furchtet, es käme eine Überschwemmung (dies 
>nj;t man, wenn jemand hei schönem Wetter holie Stiefel anhat). 
Jedoch ist wmn in der Stadt ziemlich wenig gebräuchlich, willirend 
es auf dem Lande häufig angewandt wird. — Als Partizipien geben 
sich schon äusserlich zu erkennen förlangt verlangend und ynnut 
gönnend: <Uit Jnln Ick ni för/anf/t, he in mi (ht ni (junut, 

b) Bei kommen wird dem Verbura die Präposition au vorgesetzt, 
die dann den Ton hat: he keem auruien er kam geritten, (hlr kumt 
he afii<pnH(/en, anlopen, anstaffen, ansrheeten, ansetten usw. 

c) Bei aelten, hören und Idfinen wie im Hochdeutschen: irk heff 
f/f* klock slär/en hört; hlt em lopen. 

d) Bei haben: ick luir (tat modell för mi stän, se hett n h'ift kind 
ojfn ürh(}()t iiitten ; iro he n tante wiln'n har. In diesen Fällen sagt der 
Brandenburger ir/i hatte rfas Modell ror mir zu stehen usw. Bei uns 
kommt der Infinitiv mit zu bei hahen nur wie im Hochdeutschen vor, 
al>o in Sätzen wie hei^s du mi wat (vgl. § 6,7 b) to sef/f/eni^ hast du 
mir zu befehlen? irk heff nirks meer to doon usw. 

§ 11. Uiilfsverba. 
1. Viele Verba der Bewegung werden bald mit hahen, bald mit 
sein konjugiert, ohne dass sich in allen Fällen eine feste Regel beob- 
achten liesse; doch kann man etwa folgendes als ziemlich sicher fest- 
stellen. 

a) Wird nur die Tätigkeit an sich bezeichnet, d. h. steht das 
Verbum der Bewegung allein oder mit einem die Art oder den Grad 
der Bewegung bezeichnenden Zusatz, so wird es mit liahen zusammen- 
gesetzt : ick heff ni lopen (rönnfj, ick heff gän ; ick heff gans langsam 
gdn, ick heff n beten spazieren gän, ick heff n beten rumlopen ich bin 
ein wenig spazieren gegangen {rumlopen ist bei uns der eigentliche 
niederdeutsche Ausdruck für 'spazieren gehn'), ick heff n beten in gdrn 
gdn ; ick heff söss stunn in eener tur gän ich bin 6 Stunden ununter- 
brochen gegangen; ick heff stridscha lopen, ick heff op de karassell fdrt 
Ebenso he hett kdpehter schdten er hat (absichtlich) einen Purzelbaum 
geschlagen; se sfn, he liar ornlich Sprüngen man sagte, er sei ordent- 
lich gesprungen (habe ordentliche Sprünge gemacht). 

Daher werden Verba der Bewegung, wenn sie in prägnanter Be- 
deutung stehen, mit haben zusammengesetzt: he hett fdrt er ist (zur 
See) gefahren, d. h. er ist Seemann gewesen, he hett reiset er hat 
(viele) Reisen gemacht (zu seinem Vergnügen oder seiner Belehrung), 
er ist Reisender (in einem Geschäft) gewesen, he hett wannert (als 
Handwerksgeselle), he hett mit folcht er hat an dem Leichenbegängnisse 
teilgenommen. 

b) Stehen andere als die oben genannten Bestimmungen, be- 
sonders solche, die die Richtung oder das Ziel angeben, bei einem 
Verbum der Bewegung, so wird es mit sein zusammengesetzt: ick biin 
lank de könichssträt, oebern mark gän, ick biln dar hiit morgen noch 
förbigän, ick hin nä em hin gän; auch ick biin to foot gdn; ferner 



16 

irk hihf niitn ZftrJi, mit schipp fdrty ick bim hinlopcM^ ich hiin iii-c </inise. 
stallt rfnn/ffjmi (um jemand zu suchen, um etwas Passendes zu kaufen 
0. dgl.), hc, is dar Icclpeister runnerscJuUen er ist dort kopfüber hin- 
untergestürzt {he is Mpeister (/an bildlich: er hat bankerott gemacht) ; 
sc, sfu, he ircer dar rmber sprtinf/en man sagte, er sei hinübergesprungen. 
— Hieraus ergiebt sich, dass Komposita mit sei7i zusammengesetzt 
werden. 

Anm. Zu den Verben der Bewegung kann man gewissermassen rechnen 
ick hiin hivfunnen ich habe mich hingefunden, da hier offenbar der Gedanke vor- 
schwebt: ich bin glücklich hingekommen. 

c) Der soeben dargelegte Unterschied, der übrigens, wie schon 
aus einigen der angeführten Beispiele erhellt, nicht überall streng 
durchgeführt ist, beginnt sich, wahrscheinlich infolge des Einflusses 
des Hochdeutschen, zu verwischen ; so sagt man zwar ick heff füllen 
ich bin gefallen, aber sowohl ick heff als ?H- biin opt iis fidlen^ ick 
heff und ick biln fben schön füllen ohne Unterschied der Bedeutung. 

Anm. Immer mit sein wird kommen verbunden, auch in bildlicher Bedeutung: 
he sf, du weers so kkmen er sagte, du habest so (mit der entsprechenden Gebärde) 
gemacht. Dagegen heisst es dat hett god gkn es ist gut gegangen, es ist glimpflich 
abgelaufen, es ist gelungen, du hess d^r ni god mit umgkn etwa = du hast es 
nicht in acht genommen. * 

2. Im übrigen stimmt der Gebrauch der Hülfszeitwörter mit dem 
des Hochdeutschen überein, z. B. he is bifben, da bilss irusscn 
(gewachsen) usw. ; auch bemerke ich ausdrücklich, dass sein (sin, wesen) 
mit sich selbst zusammengesetzt wird: ick biin irpi, doch hört man 
im Infinitiv auch west hemm. 

Als Einzelheit ist anfangen anzuführen; es wird, wenn kein no- 
minales Objekt dabei steht, mit sein zusammengesetzt: ich bin eben 
erst anf/efanf/en, ich bin gerade angefangen zu schreiben^ ich bin noch 
nicht bei (vgl. § 8) meiner Arbeit angefangen, die Versammlung ist schon 
angefangen, aber ich habe den Strumpf schon angefangen, 

§ 12. Verba praeteritopraesentia. 

1. müssen. Durch müssen mit einer Negation wird häufig der 
verneinte Imperativ umschrieben: dat tnuss du j6 ni doon tu das doch 
ja nicht, muss ni iimmer so ffl fragen frage nicht immer so viel, muss ni 
lass das, tu das nicht. 

2. können, ick kann dat ni hören (secn) ich höre (sehe) es 
nicht gern, d. h. solches zu hören erweckt in mir ein Gefühl der Unlust, 
ich kann es nicht ertragen (dagegen ick kann dat ni af ich kann es 
nicht ertragen = es schädigt meine Gesundheit); hier berührt sich 
können mit mögen. — Das kann man nicht sagen es ist falsch, dies 
zu sagen; kann ich das schreiben? ist es richtig, so zu schreiben? Hier 
berührt sich können mit dürfen. — he kann een rein duren man muss 
ihn wirklich bedauern. — Kann ich n Pfund Zucker kriegen (sagt man 
im Laden statt) Geben Sie mir .... (vgl. unten 4). — Häufig steht 
können scheinbar überflüssig; wenn z. ß. jemand sagt nie riecht es 
hier, so erwidert man ich kann nichts riechen = ich rieche nichts; 




UNIVERSi;^ : 

^' ,, ./' 17 

Sh'lid flu t/as Fiuu'i' fhi't hhdei) ? Ich kann nicht a HcJwfi ; otwas anders 
ist ihm htHH jedes Kind hiMjrtiifht, 

8. mögen bedeutet häufig 'gern tun' u. dgl. ha mach (/cern 
h'liUe.n er ist gern Klösse, machs ok^) r/r/i?nP issest du gern Krbsen? 
Ifchrf/hi (wörtlich i^eekerzalin), niacha ok^) (jröne nc^ip? (sagt man zu 
einem, der gern Leckereien isst); ick mach keen tvin ich trinke niclit 
%ovx\ VVein; fle furf mach ick ni Hden die Farbe gefällt mir nicht; 
hf iiuirh fr Helen er hat sie gern, liebt sie; ick mach ni meer ich habe 
keino Lust mehr (zu arbeiten, zu spielen usw.), ich bin satt. 

4. sollen, sa/l ick n seidel beer hemm? geben Sie mir ein Glas 
IJior; mll ick n haff pnnd zucker hemm geben Sie mir ein halbes Pfund 
Ziifker; iraH sali ain Sie wünschen? Womit kann ich dienen? (vgl. 
unter 2). iro saft hingdn? Wohin gehen Sie? mll de reis' nii hsgän? 
Uelit die Reise jetzt los? wat sull 'e wnll! wie sollte er wohl! d. h. 
IS ist nicht daran zu denken, dass er es tut, getan hat. 

5. wollen, ick wuU jiiss utgän ich war gerade im Begriff aus- 
zugehen; dal wuU (wollte) wull (wohl) kämen es war vorauszusehen, 
(htss es so kommen würde, es musste so kommen. 

Anm. Weiteres über sollen und wollen s. § 13,8. 

§ 13. Clebraacb der Tempora (in Hauptsätzen). 
L Perfektum und Imperfektum. Das Perfektum stellt eine 
in der Vergangenheit liegende Tatsache fest, d. h. es registriert ein- 
fach, das Imperfektum nimmt Bezug auf einen anderen Gedanken, 
?;leichviel ob er besonders ausgesprochen wird oder nicht. Ich bin 
Hftch nie in Berlin gewesen, er ist wenigstens schon zehn mal in Amerika 
ijeir4u>ieny ich habe /leute morgen Gras gemäht, er hat gestern gegraben, 
he heil fürt (vgl. J^ ll,ia) er ist (früher) Seemann gewesen (wofür 
man häufig von 'Gebildeten' er war usw. hört). Aber ich mähte heute 
morgen Gras, da lief du n Kerl vorbei (Gleichzeitigkeit). Besonders 
<loutlich tritt der Unterschied in Fragen und den dazu gehörigen Ant- 
worten hervor: Was hast du heute morgen getan? Ich habe Gras ge- 
uit'ihf. IVas lud er gestern getan? Er hat gegraben. Wo bist du 
ffestern gewesen? Ich bin in Hamburg gewesen. Bist du schon mal in 
IWlin gewesen? Ist hier heute morgen ein Kerl vorbeigelaufen? In 
diesen Sätzen wird einfach nach einer Tatsache gefragt ohne jeden 
Zusammenhang mit einem andern Gedanken; dagegen würde durch 
das Imperfektum irgend eine Beziehung auf einen anderen Gedanken 
ausgedrückt werden. Was tatst du heute morgen? kann also etwa 
bedeuten: 'ich sah (hörte, merkte), dass du etwas tatest, konnte deine 
Tätigkeit aber nicht genau erkennen.' Was tat er gestern? nämlich 
als du zu ihm kamst, als du bei ihm warst, als du ihn beobachtetest 
usw. Wo warst du gestern? enthält etwa den Gedanken: 'ich wollte 

') ok steht zuweUen scheinbar überflüssig: gunddch ok guten Tag; ick 
graieleer ok ich gratuliere ; ich schenk dir auch was. Bei näherem Zusehen entdeckt 
man allerdings den Sinn des Wortes. 

Xiederdentsches Jahrbuch XXIX. 2 



18 

dich gestern aufsuchen, traf dich aber nicht an.' Auch zeitlich weit 
entlegene Einzeltatsachen werden im Perfektum erzählt, während hei 
der 'Erzählung früherer Sitten, Gebräuche usw. der Sprachgebrauch 
schwankt: Sun Hute luthen nie vor fufzig Jahren wirklieh f/etnu/en. 
Soiehe Leute hing (so!) man cor n paar hundert Jahren einfach auf. 

Ein Unterschied ferner zwischen dem Gebrauch des Perfekts und 
des Imperfekts, der sich aus dem soeben dargelegten leicht erklärt 
und mit demselben vielfache Berührungen hat, ist folgender. Man 
erzählt ein Ereignis im Imperfekt, wenn man selbst dal)ei war, das 
Perfekt deutet an, dass man es vcm andern gehört hat: hüt morgen 
leeni eener an lulhen op Hehreckllche /r/.s' to i<chä(Ien heisst also etwa: 
'als ich heute morgen am Hafen war, verunglückte jemand auf schreck- 
liclie Weise'; dagegen hüt morgen in eener .... to schaden kämen man 
hat mir erzählt, es sei jemand usw. Dasselbe gilt von der Frage: 
Warst du gestern verreist? Nein, wie meinst du das? Du gingst doch 
zum Bahnhof d. h. ich sah, wie du zum Bahnhof gingst; aber: Bist du 
gestern verreist gewesen ? — — Du hiat doch zum Bahnhof gegangen, 
d. h ich habe gehört, du seiest .... gegangen. Wie ging das zu? 
(wie kam es?) d. h. du wirst (musst) es wissen, denn du warst ja 
dabei. Wie ist das zugegangen? = Hast du nichts Näheres darüber 
gehört? (Vgl. jedoch § 16,i am Ende). 

Hiermit hängt auch der Gebrauch des Imperfekts zusammen in 
Fällen, wo man das Präsens erwarten sollte, z. B. wo die Mühle stand 
(nämlich als wir dort vorbeigingen), sie steht aber noch jetzt da. 

2. Die Dauer in der Gegenwart und in der Vergangenheit. 
Die Dauer einer Handlung (und das zeitliche Zusammenfallen zweier 
Handlungen) wird häufig gar nicht besonders bezeichnet, also z. B. 
ick schritt , ick schreef = engl. / am uriting, I was writing, Sie kann 
aber auch auf verschiedene Weise äusserlich kenntlich gemacht werden : 

a) am einfachsten durch gräd oder jüss, z. B. kumm nähfr mal werder, 
m ft jihis wat (we are eating) ; ick schreef jü.ss n breef as he keem. — 

b) durch hi mit dem substantivierten Infinitiv: wi sünd jüss hü ften; 
ick weer bit schriben, as he keem. — c) durch bi und den Infinitiv mit 
to oder mit einem durch nn angefügten neuen Satze: de knech is bi 
to plögen; ick weer (jüss) ddrbi n breef to schriben, ick weer (jässj bi 
un schreef n breef. Die Umschreibung unter b) wird seltener an- 
gewandt, wenn ein Objekt vorhanden ist (ick weer bit breef schriben)\ 
in diesem Falle wählt man lieber die unter a) und c) besprochenen 
Ausdrucksweisen. Verba, die an sich schon eine Dauer bezeichnen, 
z. B. sitzen, liegen lassen die unter b) und c) angegebene Umschreibung 
nicht zu. 

3. Futurum und Futurum exaktum. 

a) Dass zur Bezeichnung der Zukunft das Präsens, zur Bezeich- 
nung der Vollendung (Vorzeitigkeit) in der Zukunft das Perfektum 
(in gewissen Fällen auch das Präsens) in der Regel ausreicht, ist be- 
kannt. Das Präsens (Perfekt) wird besonders dann gern gebraucht, 



19 

wtnn oino in der Zukunft ointrctonde Handlung als ganz sicher hin- 
L'i'stellt worden soll. Danehen kann das Futurum aher auch durch 
( inscliroibung ausgedrückt werden, und zwar werden hierzu die Wörter 
W/^/i, irolhn und werden gebraucht. 

X) Es scheint, dass solle^i ausdrückt, dass eine Handlung durch 
änssere, von dem Willen der handelnden Person unabhängige Um- 
stände bedingt ist. wollen, dass dieselbe von dem Willen der han- 
. «leliulen Person abhängig ist ; doch liegt die Sache nicht ganz einfach. 
'Xiir Geduld, er wird schon kommen' kann also heissen: lät di man 
tvl, he irdl wnll^) kamen oder he sali wall kamen jenachdem ob man 
ausdrücken will, dass er den Willen hat zu kommen oder dass äussere 
Imstande ihn veranlassen werden zu kommen. Demnach kann es nur 
heissen (du) sass helfhen nn hefinnen du wirst es noch erleben. Es 
Kt leicht ersichtlich, dass bei sachlichem Subjekt meistens sollen steht, 
während dies Verbum lediglich zur Umschreibung des Futurs bei der 
(Tsten Person nicht gebraucht werden kann. Vgl. übrigens § 12,4.5. 

Anm. Dass sollen und vxMen auch noch in ihrer eigentlichen, nicht ver- 
blausten Bedeutung gebraucht werden, versteht sich von selbst, ebenso dass in 
dnhitativen Fragen, wenn überhaupt eine Umschreibung gewählt wird '), sollen steht. 

f») Die Umschreibung durch weirlen ist vielleicht unter dem 
Kinflusse des Hochdeutschen entstanden (vgl. jedoch § 10,2») nebst 
.4nni. 1), kann aber heute nicht gut entbehrt werden. Hat man das 
Bedürfnis, den futurischen Begriff genauer auszudrücken, ohne dass 
W/^// oder wollen am Platze wäre, so bleibt eben nichts anderes übrig 
als inrden: Ifs den breef noch mal, d^nn wars du em wull förstdn. 
Wie sich diese Ausdrucksweise aber einerseits mit dem § 10,2») 
l)esprochenen Gebrauch von werden berührt (denn der Satz denn wars 
fh( nn wull förstdn kann auch als ingressiv aufgefasst werden = das 
Verständnis dafür wird dir kommen), so berührt sie sich vielleicht 
auch mit einer Erscheinung, die im folgenden besprochen werden soll. 

b) Das Futurum (Futurum exaktum) wendet man im Nieder- 
deutschen wie im Hochdeutschen vielfach an, um über eine in der 
<Tegenwart (Vergangenheit) liegende Handlung eine Vermutung aus- 
zusprechen, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit sich erst in der 
Zukunft herausstellen wird; in diesen Fällen wird die Umschreibung 
mit werden gebraucht: er tvird d-en Brief jetzt wohl schon haben; he 
frtird dat portmunnee opn disch Hggen Idten hemm. Doch kann man 
auch einfach sagen er hat den Brief jetzt wohl sclwn, er hat das Porte- 
monnaie gewiss auf dem Tische liegen lassen; in diesem Falle muss aber 
der Satz irgend ein Wort enthalten, das seinen Inhalt als nur möglich 
kennzeichnet (es sei denn, dass dieses durch den Tonfall geschieht). 



Man liest in solchen Fällen in niederdeutsch sein sollenden Schriften oft 
dl\ dies ist nur eine mechanische Übersetzung des hochdeutschen schon^ aber kein 
richtiges Platt! — ') In dubitativen Fragen, die sich anf die unmittelbar bevor- 
stehende Zukunft beziehen, wird oft einfach das Präsens gesetzt: wai k^k ick hiuy 
do ick dat ofler do ick dat ni? Ich glaube, dass hier der Indikativ vorliegt, nicht 
etwa ein mit demselben der Form nach znsammengefallencr Konjunktiv. 

2* 



20 



Satzlehre. 

§ 14. Der einfache Satz. 

1. Wenn in einem Aussagesätze das Subjekt hinter dem Verbuni 
steht, so fängt der Satz mit dar an, also z. li. der bekannte Milrchen- 
anfang (hlr trrp.r uutl n mann. 

2. Fülle des Ausdrucks (Pleonasmus). 

a) Es ist bekannt und kommt «aucli im Hochdeutschen vor, dass 
das an der Spitze stehende Substantiv, gleichviel in welchem Kasus 
es steht, durch ein Pronomen {de^ dat^ niemals hdy se) wiederholt wird : 
(fer Kerl, der kuckt einen immer so an; den Kerf, den mnss ich schon 
mal gesehen haben. Ebenso dat dink oder nl dat dink, dar kann irk 
ni klook ut warn. 

b) Hinter dem Prädikatsnomen wird die Kopula mit dem dem 
Subjekt entsprechenden Pronomen zuweilen wiederholt: dat is dnmm 
tiich /s dat ja; de paster is mirklich n netten mann w he. Selten wird 
das Verbum hinter dem Objekt wiederholt: er macht immer so riel 
Spass macht er immm\^) 

c) Hier kann auch die Häufung der Negationen erwähnt werden : 
hinter nicks und kesn wird häufig, hinter andern Negationen zuweilen 
nich hinzugesetzt. Besonders ist die Ausdrucksweise bei Aufzählungen 
zu bemerken, z. B. he hett keen r/eld un keen tfich un keen gär nicks ni. 

3. Ellipse. 

a) In lebhafter Erzählung wird das Verbum (Hülfsverbum) aus- 
gelassen: ick hin ich eilte hin, do wi utgenei't dann liefen wir eiligst 
weg; un denn de Jungs angehall ert an de luken dann schlugen die Knaben 
mit grossem Geräusch gegen die Fensterläden; ick ni ful (un) geef 
em een an'e sunt ich nicht faul und gab ihm eine Ohrfeige*). Zu be- 
merken ist, dass in diesem Falle das Part. perf. immer die Vorsilbe 
ge- hat, die auch solche Leute gebrauchen, die vom Hochdeutschen 
beeinflusst zu sein in keiner Weise verdächtig sind. 

b) Nach können, müssen, sollen werden häufig Infinitive wie sein, 
werden u. ä. weggelassen : dut kann ni anners etwa = das kann nicht 
anders gemacht werden ; he sf, dat muss so er sagte, es müsse so sein. 
Anders liegt natürlich die Sache, wenn aus dem Vorhergehenden ein 
Infinitiv zu ergänzen ist. 

c) Von Verben wie gehen, fahren, reisen u. ä. wird, wenn das 
Ziel angegeben ist, in der Regel der Infinitiv weggelassen, das Partizip 
nur dann, wenn keine Zeitbestimmung dabei steht : ich will zur Kirche, 

') Diese Ausdrucksweise scheint überhaupt der Volkssprache anzugehören, 
vgl. Gerhart Hauptmann, Die Weber *, Berlin 1894, S. 40 Dtis sein gar keine 
Mensche. Das sein ünmensche sein das. S. 96 Nee, Valerie, Da machst n zu a 
scheenes Gebete machst Du immer. — *) Zum Vergleich verweise ich auf Scheffels 
Ekkehard, Kap. 4 g. E. Der eine also zur Flacht sich gewendet — ich ihm nach 
mit meinem Eichpfahl — er Spiess und Schild weg zu Boden — ich ihn am Hals 
gefasst usw. 



21 

Hl nntaa inonjen mich Hamhury^ er ist nach Amerika (dem Sinne nach = 
er ist in Amerika); aber nicht: Gestern sind siebentausend Landeskinder 
mrh Amerika fort (Schiller, Kabale und Liebe IIa), eine Ausdrucks- 
weise, die in den Gebieten um den Mittel- und Oberrhein sehr häufig 
ist. Ahnlich: Willst du mit? Er trollte nicht hin. Ich miiss wer/. 
Ktwas anderes ist gestern weer ick to teäter gestern war ich im Theater 
(nämlich um die Vorstellung zu sehen). 

d) Bei Vergleichen wird häutig keine den Vergleich andeutende 
Partikel gesetzt : ich sass anf Kohlen ; he (jeit oj) eier er geht wie auf Eiern. 

§ 15. Der zusammengesetzte Satz. 
1. Beiordnung. 

a) Die niederdeutsche Umgangssprache liebt nicht viel untcr- 
•ruürduete Sätze, sondern macht lieber Hauptsätze, z. B. sei so j/nt 
(fii mir den (lefallen) und komm heut abend mal nach mir hin; da 
kam er bei (etwa = da begann er) und schlutj den Blumen die Köpfe 
'th; dann komm ich bei und schreibe ihm, vgl. auch § 13, gc. Dabei 
bleibt die logische Abhängigkeit oft ohne grammatische Bezeichnung 
(was übrigens auch im Hochdeutschen vorkommt) z. B. 'das Korn war 
>o Loch, dass sich ein ziemlich grosser Mensch stehend darin ver- 
bergen konnte' dat köorn weer so hoch, dar kann sich n (jätUchen 
mnschen in stdn in förstfken (man kann natürlich auch sagen und sagt 
auch wirklich dat sich .... förstfken kann, s. unter 2 a). Besonders 
fehlt dem Niederdeutschen der grammatische Ausdruck für kompli- 
ziertere logische Denkoperationen, z. B. 'er trat heran, indem er ehr- 
erbietig grüsste' (der P'orm nach Gleichzeitigkeit, dem Sinne nach 
Modalität) he keem neeger un mdk n deepen diener^)\ 'er ist zu geizig, 
uIn dass er sich, selbst an einem Festtage, ein Stück Weissbrot zu 
e^sen gestattete' he i^ to (jizich, he tfmt sich ni mdl tot fess n stück 
<hitf^ft. Vgl. dat kunn ni (jod anners warn, as dat (jeef abends noch 
tt hltff^n da)is. 

b) Es ist besonders zu beachten, dass im Niederdeutschen ein 
neuer Gedanke nie durch einen Nebensatz (oder eine Infinitiv- 
konstruktion) ausgedrückt wird; besonders werden Relativsätze nur 
dann vei-wendet, wenn sie wirklich den Wert eines Attributs haben '^j. 
So würde der folgende, einer Zeitungsnotiz entnommene Satz 'Gleich- 
zeitig fuhr ein Wagen vorbei, der gegen den Balken anstiess, worauf 
dieser mit solcher Wucht gegen den Kopf des Architekten geschleudert 
wurde, dass dessen Tod sofort eintrat' plattdeutsch etwa heissen 
müssen: mitn toch fdr dar n wd(/en förbi un stött geyen den balken, 
ftff de Jtooch den architek mit sun swnnk an kopp (oder dat de den 
firrhitek .... flooch)^ dafe^) op'e stell dod weer. Ebenso 'er suchte 

') Diener (hd.) bedeutet eine Venieigung des Kopfes oder eine Verbeugung 
dc3 Oberkörpers. — *) Nacb einem Possessivpronomeu stebt zuweilen ein Relativsatz 
uberriiissig: din höher, de du Hess; din mudder px kleed, wat se hett (vgl. § 6,iil 
- ') Das Niederdeutscbe nimmt es mit dem Gebraucb der Pronomina uicbt 
So ^cuau; was gemeint ist, ergiebt sieb aus dem Zusammenhange. Wenn Zweifel 
entstehen könnten, wiederholt man lieber das Substantiv. 



22 

ihn den ganzen Tag, ohne ihn zu finden' he söch em den (jansan dach, 
kann em aber nl finn'n, 

2. Unterordnung. 

a) Im übrigen hat das Niederdeutsche fast dieselben Neben- 
sätze wie das Hochdeutsche, und es ist darüber nur wenig zu bemerken. 
Der Vordersatz eines hypothetischen Satzgefüges kann wie im Hoch- 
deutschen unter Weglassung der Konjunktion die Wortstellung eines 
Fragesatzes annehmen, Konzessivsätze dagegen nicht. Der Nachsatz 
eines hypothetischen Satzgefüges beginnt in der Regel mit ihnn (dann), 
ältere Leute sagen denn so. 

Die gebräuchlichen Nebensätze nebst den sie einleitenden Kon- 
junktionen sind folgende: 1. temporal: an, wenn, sobald as (auf dem 
Lande auch so drd as), sowie (sobald als), solang' as, bot, eer, nn {nn 
du ddrfim seclis, fallt mi dut trerder in jetzt wo). 2. kausal: treil, 
dat (nach Ausdrücken der Gemütsbewegung). 3. modal: as, so as 
wie, all as jenachdem. 4. vergleichend: as wenn wie wenn, as ob, 
as (nach einem Komparativ). 5. final: dat, dännit (ddrmit dat). 
6. konsekutiv: dat. 7. konditional: wenn. 8. einschränkend: 
so as soweit (so as ick em kenn, deit he dut ni), auch mit dazwischen- 
gestelltem Adverbium, z. B. so <jod as. 9. konzessiv: obglik (nach 
diesem Wort kann auch die Wortstellung des Hauptsatzes eintreten: 
dann wird nach obglik eine starke Pause gemacht, und es entspricht 
dem hd. 'indessen'), wenn ok^)\ gott gff (hierauf folgt entweder die 
Wortstellung des Hauptsatzes oder ein durch wenn eingeleiteter Neben- 
satz). — Andere Konjunktionen werden durch Umschreibung gebildet, 
z. B. in de tid dat während, sid de tid dat seit. 

Anm. In iodirekten Fragesätzen kann nach warum und in allen Fällen, in 
denen wo (= wo, wie) noch einen Zusatz hat, ein pleonastisches as hinzugesetzt 
werden: he frooch mi, w^rum (as) ick dat c/än har; ick weet tii, woneer (wann, 
wann eh') (as) dat west ist; he wtäl ni seggen, tcörkeen (as) dat Mn har, ebenso 
nach wonfm wo, tcori^nntcA auf welche Weise usw. Auch sagt man: he frooch mi, 
wo breed (as) dat wull weer, wo n groten strfmel (as) dat sin mtiss ein wie 
grosser Streifen es sein müsse, wat för n nummer (as) dat weer welche Nummer 
es wäre usw. 

b) Form der Abhängigkeit ohne regierenden Satz. 

a) Es giebt (auch im Hochdeutschen) Sätze, die mit der Kon- 
junktion duss eingeleitet werden, ohne dass ein regierender Satz aus- 
gesprochen würde: Dass mir auch gerade so was passieren mnss! Da.ss 
du auch doch gar keine Geduld hast! Dass ihr nur nicht so spät 
wiederkommt! In diesen Fällen ist der Hauptsatz leicht hinzu- 
zudenken. 

ß) Auch sonst wird der regierende Satz zuweilen unterdrückt: 
wenns nur geholfen lud (dann ist es gleichgültig, was für ein Mittel 
es war); wenn's nur wahr ist; so lang as't dnart d. h. es wird über 



^) wenn ok wird häutig elliptisch gebraucht, etwa = 'wenn dem auch so i8t\ 
oft wird dann auch der Hauptsatz unterdrückt und muss aus dem Zusamincu- 
hange ergänzt werden, x. li. 'so ist deine Behauptung doch nicht richtig', *8o ist 
sein Verhalten doch nicht zu entschuldigen' usw. 



23 

kurz oder lang anders werden: all eist fallt, secht Ulenspeegel etwa: 
jcDachdem es kommt. 

Y) Statt direkter Fragen macht man oft indirekte {oh er ivohl 
bmnnt?), besonders wenn sich der Hauptsatz leicht ergänzen lässt: 
Ob (Ih mal hinkommen trolltest? Wieriel das kosten sollte? Warum 
flu nicht gekommen wärst, usw. 

§ 16. Oebrancb der Tempora in Nebensätzen. 

Da in unserer Mundart Indikativ und Konjunktiv der Form nach 
zusammengefallen sind^), sollte man denken, es sei kein Unterschied 
zwischen innerlich abhängigen und nicht innerlich abhängigen Sätzen ; 
(lies ist aber doch der Fall, indem die Abhängigkeit durch die Wahl 
der Tempora ausgedrückt wird, und zwar ist es dabei gleichgültig, 
üb der Nebensatz durch eine Konjunktion eingeleitet wird oder nicht. 

1. Gebrauch der Tempora in nicht innerlich abhängigen 
äätzen. 

Hier gelten dieselben Regeln wie über den Gebrauch der Tem- 
pora in Hauptsätzen (Vgl. § 13, 1.2). Dies ist der Mann, d^r es mir 
fi'zdhlt hat ; er meint, duss ich es getan habe (er meint, ich habe es getan) ; 
/>// weiss nicht, ob er dagewesen ist; ich liabe wohl gemerkt, dass 
iIh mich belogen hust; werde nur nicht böse, dass ich die Pfeife zcr- 
hntchcn habe, als da schliefst. Er wird böse, wenn er hört, dass ich 
'fe Pfeife zerbrochen habe, als er schlief. In all diesen Sätzen steht 
einfach eine Person oder Sache (Handlung) in Frage, daher wird das 
Perfektum gesetzt. Dagegen steht das Imperfektum, wenn auf eine 
andere Handlung Bezug genommen wird (sei es auch nur in Gedanken). 
/>/>?< ist der Mann, der mir etwas erzählte (nämlich als du uns beob- 
achtetest o. dgl.); ich weiss nicht, ob er da war (d. h. ich war dort, 
habe ihn aber nicht gesehen); ich habe wohl gemerkt, dass da mich 
hflogst (als ich dich zur Rede stellte). 

Es ist aber zu bemerken, dass die Grenzlinie zwischen dem Ge- 
brauch des Perfekts und des Imperfekts nicht immer scharf gezogen 
werden kann, dass insbesondere zuweilen auch das Perfekt angewandt 
wird, wo nach der obigen Regel das Imperfekt stehen müsste. 

Anm. Darüber, wann in abhängigen Aussagesätzen die Konjunktion dass 
steht oder fehlen kann, lassen sich keine Regeln aufstellen ; in den meisten Füllen 
i^t beides möglich. Sie muss natürlich stehen, wenn im übergeordneten Satze irgend 
ein Wort vorhanden ist, das auf den Nebensatz hinweist ; wenn sie trotzdem fehlt, 
so ist ein Zwischengedanke zu ergänzen, z. B. ick he ff äat wuU seen, du hess all 
Werder sthöökt bedeutet also «twa: 4ch habe es wohl gesehen, was du getrieben 
Last, (nämlich) du hast schon wieder geraucht'. 

2. Gebrauch der Tempora in innerlich abhängigen Sätzen. 

Die Abhängigkeit wird durch das Imperfektum (Plusquam- 
perfektum) ausgdriickt: he meent, da weers ni klook oder he meent, dat 
'hl ni klook wf^ers er meinte, du seiest nicht khig; he secht, dat hars 

') Ks giebt bei uns nur spärliche Überreste des Konjunktivs, z. B. giAt 
g^f {ivit Konjunktion herabgesunken, § 15,sa), ick wfs ich sei (in Beteuerungen) ; 
vgl. übrigens § 13,sax Aum. 2. 



24 

du förkeert mdkt er sagte, du habest es falsch gemacht; Ite, sf, du 
treers ni hlook, dat du ni klook weers; ick meen (meinte), du hars diu 
hus förkoft; ick wull, tri harn free ich wollte, wir hätten frei. Dies 
Imperfektum kann man dem Sinne nach als Konjunktiv auffassen; 
da aber ungebildete und halbgebildete Leute keine Empfindung für 
den Konjunktiv haben (eben weil sie keinen kennen), so setzen sie, 
wenn sie hochdeutsch sprechen, den Indikativ: er meint, du warst 
nicht klug ; er sagt, das hattest du verkehrt gemucht; ich uodte, wir 
hatten frei usw.; ebenso in Konditionalsätzen: }Venn er kam (= käme). 
gingen trir n bischen spazieren; sie sagte, w^nn ihr Mann nicht bald 
kam, fing sie an zu essen. 

§ 17. Wortstellung. 
Die niederdeutsche Wortstellung weicht von der hochdeutschen 
in manchen Punkten ab. 

1. Zusammengehörige Wörter werden nicht gern durch einen 
Zusatz zu einem einzelnen Wort auseinandergerissen, sondern dieser 
Zusatz wird vor den ganzen Wortkomplex gestellt: se hett noch n 
feinern hod kann nicht nur heissen: 'sie hat noch (ausserdem) einen 
schöneren Hut', sondern auch : 'sie hat einen noch schöneren Hut' ; 
der Unterschied wird durch die Betonung angedeutet, im ersten Falle 
trägt noch den Hauptton, im zweiten das Adjektiv; dat is gans aal 
anners, gans wat nees, gans wat feins usw. das ist etwas ganz anderes 
(Neues, Feines); he frooch mi, wo n groten strpnel as dat sin muss 
(ein wie grosser Streifen) ; dut knmt fun all d4i Amerikaners ^r scheetcn 
das kommt von allem Schiessen der Amerikaner (genau so wie fun all 
diu scheeten). Über ;////* tidslfbens s. § 3,8C. 

Etwas Ähnliches ist folgende Erscheinung: 'die Sprache ist 
immer darauf aus, von einem Satz oder einer Fügung zuerst den Kern 
kurz und klar beisammen zu haben, Nebenbestimmungen aber davon 
hiutanzuhalten ; diese werden nachgebracht und dem Hörer überlassen, 
sie richtig in den Hauptgedanken einzufügen'. Dies betrifft die Stellung 
des substantivischen Attributs, z. B. di sali n pfrd biten mitn holten 
kopp (eine Drohung, mit der man im Scherz Kindern bange macht) 
statt di sali n pfrd mitn holten kopp biten, 

2. Gewisse Wörter haben immer eine bestimmte Stellung; dur 
Unterschied in der Bedeutung des Satzes wird dann, wenn nötig, nicht 
durch die Wortstellung, sondern durch die Betonung angezeigt (siehe 
oben), ok steht immer hinter dem Verbum (Hülfsverbum), nie vor 
dem Subjekt (höchstens bei scharfen Gegensätzen), es heisst also nicht 
nk ick, ok du, sondern ick ok; man kann aber sagen: is de mann bloss 
fördrunken, oder ok dat kind (oder dat kind ok) ; he is ok n deef heisst, 
wenn ok betont ist, 'auch er ist ein Dieb', wenn deef betont ist, 'er 
ist -(ausser etwas anderem) auch ein Dieb' ; ähnlich dat is hiit ok noch 
so (auch heute). — ick meen di ni ich meine nicht dich; all de kugeln 
drdpt ni nicht alle Kugeln treffen (aber auch de kugeln drdpt ni all), 
dagegen de kugeln drdpt all ni alle Kugeln treffen nicht (d. h. ver- 



25 

fehlen ihr Ziel); dut is dat nannent ni weert das ist nicht der Rede 
wert, (lat Ls so slimm ni (aber auch dat is ni ao stimm) ; dar kann ick 
tfdr den (/rund ni fun inseen davon kann ich den Grund durchaus nicht 
einsehen. 

Besonders ist die Stellung der Pronomina, wenn deren meh- 
rere zusammentreffen, vielfach anders als im Hochdeutschen, a) dat 
steht, wenn es nicht gerade den Satz beginnt, immer hinter dem Dativ 
der andern Fürwörter: ick heff em dat secht (hd. gewöhnlich hab's 
ihm), ick fieff di dat doch schrfben (hd. Jutb^s dir, aber auch hab di/s) ; 
ick kann mi dat knapp denketi. Ebenso wenn dat Nominativ ist : sali 
mi dat gellen? gilt es mir? Die enklitische Form 't, wohl Verkürzung 
des bei uns sonst nicht vorkommenden et, kann auch hinter dem Dativ 
stehen. — b) Im übrigen schwankt der Gebrauch; doch scheint es, 
dass der Dativ meistens vor dem Akkusativ steht, nur der Akk. Plur. 
>vf steht häufig vor dem Dativ: he hett mi em uis^t; ick tcill di em 
mal irisen (selten ick will em di mal irisen, häufiger ick will 'n di mal 
wi.^en) ; he sali se ja mal wisen (selten he sali ju se mal wimn). Trifft 
ein pronominaler Akkusativ mit einem substantivischen Dativ zusammen, 
so steht der Akkusativ zuerst (ausgenommen dat, s. oben): deyin j/fks 
(= [/ff ick se) de katt dann gebe ich sie der Katze. 

3. Ist ein von einer Präposition abhängiges Wort stark betont, 
so stellt man es ohne die Präposition an die Spitze und lässt die 
Prüposition am Ende des Satzes folgen: een heff ick yenach an an 
einem habe ich genug; dar (in einem teuren Restaurant) kricht man 
Serben tellers ; dree silnd lerdich und feer is nwks op, 

4. Wenn zwei Nebensätze von derselben Konjunktion abhängen, 
so tritt im zweiten häufig die Wortstellung des Hauptsatzes ein: wenn 
die andern essen und ich muss zusehen. Dagegen habe ich beim Iii- 
tiuitiv die Stellung ick mutt stdn un kiken to (statt un tokiken) in 
unserer Gegend nie gehört; sie gilt bei uns als schleswigsch, doch 
Süll sie auch in Holstein vorkommen. 

5. Zuweilen werden Wörter in einen andern Satz gezogen, als 
in den sie gehören; meistens liegt die Sache so, dass einem erst nach- 
trilglich einfallt, dass man ein Wort hinzufügen möchte, z. B. />/,• 
mr^n^ he wor all dull ich meinte schon, er würde böse. 

SOLINGEN. J. Bernhardt. 



26 



Kleine Beiträge 
zur Kenntnis G. N. Bärmanns. 

(Vgl. Jahrbuch Band XXII S. 57 f.) 



Georg Nicolaus Bärmann (1785 — 1850) gehörte zu den fruclit- 
barsteu hamburgisclien Schriftstellern in der ersten Hälfte des neun- 
zehnten Jahrhunderts. Gegenwärtig sind seine litterarischen Arbeiten 
zum grössten Teil in Vergessenheit geraten. Seine Bearbeitungen 
ausländischer Dramen sind von der Bühne verschwunden, seine Ueber- 
setzungen durch bessere verdrängt worden, und von seinen selbstän- 
digen Schöpfungen können fast nur noch das Lied „Stadt Hamburg 
in der Elbe Auen^ und einzelne plattdeutsche Gedichte als fortlebend 
bezeichnet werden. Ungeachtet dessen dürfte eine seine gesamte 
litterarische Wirksamkeit umfassende Monographie einen nicht un- 
interessanten Beitrag zur Kultur- und Litteraturgeschichte des nörd- 
lichen Deutschlands bilden. Jedenfalls wird man seiner bei der 
Darstellung des Entwickelungsganges der neueren plattdeutschen 
Dichtung stets gedenken müssen. Hier gebührt ihm ein Platz zwischen 
Johann Heinrich Voss einerseits, Klaus Groth und Fritz Reuter 
andererseits. 

Im Jahre 1819 erschien seine erste niederdeutsche Publikation: 
„Veerlanden. Een Dichteis in twee Gesängen. Uut dem Hoogdüdschen 
naa dem Pastooren J. A. Minder in de rechte Veerlander Buurcn- 
spraak ümschräwen**.^) Aus der Vorrede verdienen zwei Stellen her- 
vorgehoben zu werden: „dat düsse Buurenspraak een rechte defftige 
Spraak is, för dee nin Minschenkind sick tho schaamen bruukt", und 
ferner „dat wenn een Spraak wiss un warrafftig een Spraak is, so 
mütt in sodahniger Spraak sick ock een good Dichteis künuen maaken 
laaten*'. Bärmanns Bearbeitung der Minderschen Dichtung sollte 
gleichsam ein Beleg für diese Behauptung sein. 



^) Das hochdeutsche Original des Pastors J. A. Minder zu Curslack war 
kurz vorlier, im Anfang des Jahres 1819, entstanden. — Bärinanus „Höög- uu 
llüwel-Book up't Jahr 1822** und sein grosses „llöOg- un Häwel-Book** von 1827 
bringen die plattdeutsche Bearbeitung der „Vioiiande'' mit verschiedentlich ab- 
weichenden Lesarten — Die Vergleichuug der drei Texte zeigt, wie rastlos Bär- 
mann seine Verse zu verbessern bemüht war. 



27 

In der Folge gab Bärmanu eine Reibe von Sammlungen »eib- 
ständiger niederdeutscher Dichtungen (Rymels, Dichteis un Buren- 
spillen) heraus, die sich grosser Beliebtheit erfreuten^). 

Weniger bekannt ist, dass Bärmann im Jahre 1835 damit 
umging, eine plattdeutsche Zeitung zu gründen. Die äussere Ver- 
anlassung zu diesem Plan gab offenbar der Umstand, dass Bärmann, 
der längere Zeit einer hamburgischen Privatschule vorgestanden hatte, 
für seine späteren Lebenstage eine neue Erwerbsquelle zu erlangen 
wünschte. Zugleich aber war er bei seinem Vorhaben durch Beweg- 
gründe von mehr idealer Natur geleitet. Dies erhellt aus seiner 
Eingabe an den Hamburger Senat (vom 27. April 1835), in der er 
um die Privilegierung der geplanten Zeitung nachsuchte. Das recht 
unbeholfen abgefasste Schriftstück zeigt, wie sauer es dem Verfasser 
der Höög- und Häwel-Bööker fiel, den Kanzlei- und Supplikantenstil 
zu treffen. Trotzdem kommen darin seine Ansichten über die Bedeutung 
der Pdege des niederdeutschen Idioms zu charakteristischem Ausdruck. 
Den Freunden der niederdeutschen Sprache und Literatur dürfte daher 
die folgende Wiedergabe der wichtigsten Abschnitte des erwähnten 
Gesuchs*) nicht unwillkommen sein. 

^Zunächst mögte Bittsteller, der sein ganzes Leben 

dem Sprachstudium widmete, das freie Geständniss wagen, wie er 
glaubt w<ahrhaftig in seinem Betriebsberufe zu seyn, wenn er sich 
(les durch jüngere Weltereignisse herabgebrachten, und von der 
Xt'uerninggier mit gänzlichem Vergessenwerden bedroheten Idioms 
seiner Vaterstadt kräftiger noch annimmt, als «eine bisher deshalb 
gemachten literarischen Versuche es vermogten. Er kann seiner Ueber- 
zeugung nach zu solchem Zwecke nicht sicherer gelangen, als wenn 
er durch Herausgabe einer in hamb. plattdeutscher Mundart abge- 
fassten Zeitung das wirksamste Mittel ergreift, durch welches die 
Schrifttüchtigkeit, Aus- oder Wiederheraus-Bildung und Aufrecht- 
erbaltung des Idioms der Vaterstadt wahrhaft dargethan, bezweckt 

') Die betreffenden Sammlungen sind in diesem Jahrbuch Bd. XXII S. 58 
verzeichnet. Dass Bärmanns Gedichte auch weit über Hamburg hinaus bekannt 
;rewordcn, beweisen die Mitteilungen des Groninger Gelehrten Professor Lulofs in 
der Beschreibung seiner Reise nach Hamburg. (Reistogtje met de stoomboot naar 
Hamburg in den zomer van 1826. 2 B. Groningen 1827 u. 28) Er berichtet hier 
Hand 1 S. 342 ff., dass er Bärmanns HOOg- un Häwelbook auf das Jahr 1822 be- 
reits in Groningen mit sehr grossem Vergnügen gelesen und sich deshalb entschlossen 
liabc, den Verfasser in Hamburg aufzusuchen. Auch die Angaben von Lulofs über 
die Unterredungen, die er mit Bärmann führte, enthalten manches Bemerkenswerte, 
SU u. a die Aeusserung des letzteren, dass das Plattdeutsch seiner Gedichte stets 
inelir oder minder auf einen gebildeten Ton gestimmt und auch nicht ausschliesslich 
liamburgisches Plattdeutsch sei. — Im weiteren Verlauf seiner Ileisebeschreibung 
liat Lulofs seinen Lesern Bärmanns „Koffeeleed** (eine Parodie von Schillers Lied 
von der Glocke) sowie — bei Gelegenheit einer Schilderung der Vierlande — 
einzelne Partieon aus Bärmanns erwähnter plattdeutscher Bearbeitung des Miu- 
derschen Gedichtes mitgeteilt (a. a. 0. Band 1 8. 412 ff. und Band 2 S. 18 ff.) 

-) Ich fand dies Gesuch, das — wie ausdrücklich bemerkt wird — von 
Barmauii selbst concipiert und niedergeschrieben worden, unter den Censur-Akten 
des hamburgischen Staatsarchivs. 



28 

und, unter göttlicliem Beistand und entgegenkommender Theilnahme 
wackerer Mitbürger in Stadt und Land, beföideii; werden können. 

Unmittelbar an dieses Ansichtgeständniss schliesst sich die ge- 
schichtliche und sprachliche Wichtigkeit besagten Idioms selbst. 
Unterzeichneter hält es für unerlässliche Pflicht der Bescheidenheit, 
vorzugsweise der Gelahrtheit und dem Klarsinne, so wie dem patrio- 
tischen Gefühle Eines HochEdl. und Hochw. Raths die Erkenntniss 
der Wichtigkeit einer Mundart zu überlassen, in der die Grund- 
Statuten dieser guten freien und Hanse -Stadt, wie auch Luthers 
kräftige Bibelworte*) abgefasst sind, so dass jene wie diese als 
lebendige, vollgültige Zeugen solcher Wichtigkeit, und zugleich als 
veste Säulen dastehen, an denen nur nichtssagende Neuerungsucht 
oder kaltherzige und geistesarme Geringachtung des würdigen, segen- 
bekrönten Alten vergeblich zu schütteln sucht, dass es dem Weisen 
und dem Freunde der Vaterstadt ein bemitleidendes Lächeln abnöthigt. 

Wenn nun, Magnifici, Hoch- und Wohlweise Herren, überdies 
die hiesige plattdeutsche Mundart noch vielfältig — wofür der Höchste 
gelobt sey! — Familien- und Herzenssprache eingeborener Hamburger 
blieb, auch mit Gottes Hülfe bleiben wird, obschon sie als Schrift- 
sprache mehr oder minder in Verfall zu gerathen das Missgeschick hatte: 

wenn durch Aufrechterhaltung derselben den Altvordern gleich- 
sam eine ihnen wohl gebührende Ehre erwiesen, dem Geiste des 
Fortschreitens der Jetztzeit aber ein gewissermassen neuer und er- 
freulicher Weg auf den Bahnen der Literatur geöfl^net, und überdies 
dem allgemeinen deutschen Sprachschatz eine köstliche Sammlung 
von WortjuAvelen erhalten, gesäubert und (nach Ausreichung der 
Kräfte und des guten Willens des unterthänigen Bittstellers, als Her- 
ausgeber der besagten hamb plattdeutschen Zeitung,) gewissermassen 
in Fassung gebracht wird; 

wenn' ferner der vorurtheilsfreie Gelehrte, in Verbindung — 
wie man wohl sagen mögte — mit der Treuherzigkeit des Idioms 
selbst, in der Erhaltung solchen Idioms als Schriftsprache das Zweck- 
und Zeitgemässe, folglich das Nützliche und — in so fern es gelten 
mag — sogar das Verdienstliche anerkennt; 

wenn zudem das Erscheinen einer hamb. plattdeutschen Zeitung 
in gewissem Grade eine stets auf den Staat wohlthätig wirkende 
Unterscheidung (nicht Sonderung) der Volksstände eher befördern 
als aufheben hilft; 

wenn die Herausgabe einer durchaus in hamb plattdeutscher 
Mundart abgefassten Zeitung keine gleichnamige Unternehmung vor 
sich hat, folglich keinem Mitbürger durch Concurrenz, wie man zu 
sagen pflegt, den Markt verdirbt, und schon daher theilwcise als 
berechtigt erscheinen dürfte in geziemender Submission um ein Privi- 
legium für sich nachzusuchen: 



') Bärmauu hatte uffeubar die damals nucli iu Hamburg verbreitete nieder- 
deutsche Uobersotzuug der Lutherscheu Bibel im Auge. 



29 

wenn — in so fern mit einigem Rechte der Einwurf gemacht 
worden könnte, es sey unser Volks-Idiom von diesem oder jenem 
Xamenlosen zu unwürdiger Darlegung von Diatriben und Trivialitäten 
j:;oinissbraucht worden — Unterzeichneter in seinem Gewissen sieh 
iiliprzeugt halten darf, in solchem bürgerlichen und literarischen Rufe 
zu stehen, dass man ihn dergleichen wie jedes anderen Missbrauches 
oben so wenig als irgend einer ungeziemenden Bittstellung wird fähig 
halten können; 

wenn endlich Supplicant von mehreren Seiten und seit längerer 
Zeit her ehrenvoll aufgefordert ward, sich in Fortsetzung seiner des- 
fjills dargelegten Versuche, der hamb. plattdeutschen Mundart schrift- 
tliätig anzunehmen, so dass er Behufs der von ihm projectirten 
Herausgabe einer hamb. plattdeutschen Zeitung der Vorarbeiten viele 
und mühselige zu beseitigen, keine Mühe scheuete: 

so ergeht an Einen HochEdl. u. Hochw. Rath dieser guten 
Stadt des Unterz. submisses Gesuch 
lim wohlgeneigte Ertheilung E. HochEdl. Raths Privilegii, mit In- 
begriff der Inseratrech tsgestattung für eine Reihe von auf einander 
folgenden Jahren, zu Abfassung, Druck und Herausgabe einer: 

^jHamborg'sch-Nedderdüüdschen Tydung för Borger un 
Buren*'. 

Der hierauf erteilte Bescheid des Senats ging dahin, ;,dass dem 
Herrn Supplicanten die von ihm beabsichtigte Herausgabe eines 
Tages Blattes in plattdeutscher Mundart, der Censur und dem Stempel 
unterworfen, freystehe, wozu es keiner besonderen Concession noch 
Privilegii bedürfe, dass aber Inserirung hiesiger Local Notizen und 
Bekantmachungen, gegen Bezalung in solchem Blatte, nicht gestattet 
werden könne.*' 

Von dem Erscheinen der geplanten Zeitung ist nichts bekannt 
geworden. Vermutlich sah sich Bärmann durch den angeführten Senats- 
hescheid veranlasst, von seinem Vorhaben abzustehen. Dass er jedoch 
den in jener Eingabe kundgegebenen Gesinnungen dauernd getreu 
blieb, bezeugt eine aus seiner letzten Lebenszeit stammende Dichtung: 
,Myn Leed vam Woord to rechter Tyd". Es findet sich in seiner 
1S46 erschienenen Sammlung ;,Dat sülwern Book**, ausserdem aber 
auch an der Spitze der niederdeutschen Lieder in der von ihm kurz 
vor seinem Tode zusammengestellten handschriftlichen Sammlung 
seiner „Sämmtlichen poetischen Schriften ^.^) Es sei gestattet, hier 
die ersten Strophen zu wiederholen: 

Wat is myn „Woord to rechter Tyd?" 

Ick mütt an will dy't seggen. 
Dee Susstig teilt, dem is 't nich wyd, 

To'm Starven sick to leggen; 



') Diese Sammlnng befindet sich gegenwärtig in einem ansehnlichen FoHo- 
bande auf der Hamburger Stadtbibliothek. Dass sie nicht ganz vollständig ist, 
hat bereits F. A. Cropp in den Mitteilungen des Vereins für hbg. Geschichte, 
Jahrgang 7, S. 68 bemerkt. 



30 

D'rüm will ick, eh'r ick avscheed hyr,*) 

Noch ins up*j PlattdiU\dsch singen, 
Up uns good') Platt, wyl dftt seo schyr 

Lm't Läwcn müggden^) bringen. 

Un däd jüm't noch so dull Verdrect, 

Den Modschen un den Fynen, 
Dee ööwer 'n plattdüüdsch Woord un Lced 

Hoogbostig spydsch doht grynen : 
Myn Lccd schall klingen luud un hell 

Durch Stad un Dörp wyd 'nftower, 
Ov nägenmal en Schryvgesell 

Wysfnutig avsprickt") d'rööwer. 

Schryvmästers däden lang' vuör my 

Uns macklich Plattdüüdsch römcn/ 
Slaa „Richey'' up, so kannst Du Dy 

Sülvst all de Brawen numen, 
Dee mehr an unser Spraak hovt dahn, 

Un mehr d'ran putzd') un bäterd, 
As Nickel Öötj hiiüt kann verstahn, 

Dee dwasköpp'sch hoogdüüdsch plätert. 

In der erwähnten handschriftlichen Sammlung findet sich eine 
Anmerkung zu dieser Strophe, in der Bärmann klagt, dass Richeys 
Idioticon Hamburgense, „en Book, dat middon mank den Hani- 
borgcrn schräwen, süüt naa nägentig Jahren knapp dem Naam naa 
in liamborg kennd ward*'. Daran knüpft er weitere Betrachtungen 
über die bedauerliche Missachtung des Niederdeutschen und der 
deutschen Mundarten überhaupt. 

HAMBURG. Ad. Wohlwill. 



In der handschriftl Sammlung: scheed van hyr 


in n 


„ „ Ilcel uut myn. 


) n n 


„ „ Myn düögder. 


) n n 


„ „ mügdon. 




„ „ avsnackt. 


6< " " 
/ 1» n 


pützd. 



31 



Zur mittelniederdeutschen Maria- 
Magdalenalegende. 

Im Journal of germanic philology, Vol. IV S. 131 — 215, hat 
('. E. Eggert eine mnd. Version der Maria-Magdalenalegende nach 
iliT Ilelmstedt-Wolfenbütteler Hs. 894 vom Jahre 1449 veröffentlicht. 
Er weist nach dass sie, im Gegensatz zu der Fassung in der Legenda 
:iarea und ihrer Sippe (Passioual usw.), zu einer Iledaction gehört, 
die durch die Erzählung im Speculum historiale des Vincenz v. Beauvais 
und. vor allem durch ein franz. Gedicht des Guillaume le Clerc ver- 
treten ist. Die Sprache des vorliegenden Textes kennzeichnet Eggert 
auf Grund der bekannten Schriften Behaghels und Roethes als ein 
vom Md. und Hd. beeinflusstes litterarisches Nd., das aber genügend 
Spuren einer ausgeprägten nd. Eigenart übrig lässt, auf die hin er 
es glaubt ins Braunschweigische verweisen zu dürfen. 

Nicht gesehen hat der Herausgeber, dass das Gedicht offenbar 
aus einer mitteldeutschen, genauer einer türingischen Vorlage 
umgeschrieben ist und zwar in recht oberflächlicher und geradezu 
roher Weise. Darauf weist schon der Versbau hin, indem die 
klingend ausgehenden Reimzeilen noch in der vorliegenden Gestalt 
meistens drei Hebungen haben oder doch wenigstens eine ursprüng- 
liche Form mit drei Hebungen durchscheinen lassen. Die mehr 
originale nd. Poesie hat, wie die nl, auch bei klingendem Ausgang 
vier Hebungen bis zur letzten betonten Silbe. Da md. und hd. Verse 
häufig ins Nd. umgeschrieben und dabei nicht selten auch die 
ursprünglichen Masse geschont wurden, so konnte natürlich die 
Gewöhnung zum Anlass werden, auch originale Verse nach derselben 
Art zu verfertigen. Aber sie werden dann wohl nur seltener streng 
durchgeführt, sondern in der Regel mit vierhebigen gemischt worden 
sein. Es lassen also schon die zahlreichen Verse wie M. M 3 De 
i^iiie. junf/ern waren, 9 Ben luden to tröste, 60 De se dorch f/oddes sinne, 
i)7 f. Vil wenich se slepen, Se bededen unde repen, 526 f. Unde mut 
ff(ir rorderren Unde ym der müder sterven, 584 f. We he dar queme 
[)ar he Sunte Peter vorneme, 588 f. Van trenne he irere Unde trat he 
hntf'hte to niere usw., usw. ein md. Original vermuten. In andern 
Fällen ist das Mass im vorliegenden Text zwar verändert, aber das 
ursprüngliche schimmert oft durch und lässt sich manchmal auch 
auf den ersten Blick erraten, wie etwa 14 f. He sjmtk ^ek iril dat 
ff^ fjnde Maria Maf/daletia si an diner hude aus Ich wil duz diu (juote 
Si an dtner htiote, oder 34 f. De se to den mere geleiden, Do wolden 
Hirht lenger beiden aus Die sie zen mere geleiten, Do en wolden lenger 
ya^n; 43 f. Alle in sament se do gingen, Eren segel se do ane hengen 
aus Ensawent sie do gingen Tr segel sie ane hingen usw., usw. 



32 

Ein abschliessondor Beweis ist dann darin zu finden, dass mit 
p^iM'infi^en Ausnahmen die Reime sich ohne weiteres ins Md. umsetzen 
lassen. Insl)esondere kommen keine solchen vor, die nur hei nd. 
('onsonantenstandpunkt richtig sein würden, was natürlich l)ei der 
Ausdehnung des Gedichtes nicht auf Zufall beruhen kann. Mit den 
wenigen Fällen, in denen die Reime in md. Form nicht eben so 
genau sein würden wie im vorliegenden Texte ist bis auf einen oder 
zwei Fälle leicht fertig zu werden. 175 f. reimen so : (hirto. Das 
ursprüngliche war hier wohl dn : darzn; vgl. Weinhold § 140. Ein 
anderer Fall, Pronominalform .sy^ : srhre wird weiter unter zur Si>rache 
kommen. Die Bindung von hiclifff ^Lüfte* ; dnchte, Praet. von dünh'n 
305 f. würde kaum für originales Nd. schwerer ins Gewicht fallen 
als für Md.; vgl. Weinhold § 236. Vor allem bilden einige Bindungen 
von ursprünglichen Längen mit gedehnten Kürzen. Ausnahmen. Aber 
schon ihre geringe Zahl beweist, dass derartige Reime dem ursprüng- 
lichen Dichter nicht geläufig gewesen sein können. 

Nur scheinbar gehört hierhin 602 f. Do hat he en euer htuie 
Dat he dorch got dede, denn neben dem organischen ta^te, nd. df'de 
steht, wie neben dem Plural tdten, eine Ausgleichsform mit dem 
kurzen e des Sing. Ind.; s. Weinhold S. 380, Lexer II 1576, Bartsch, 
Berth. v. Holle LXXV. Vs. 667 f. IJnde Ixtt ds achipliule an dem 
mere : sere weist schon der Ausdruck an sich auf eine Änderung, und 
als das ursprüngliche ergibt sich leicht meniere : sere. Auch die von 
Steinmeyer herausgegebenen Fragmente einer anderen Version der 
selben Legende haben das Wort mermre (Vs. 4. 45. 68. 1)3. 97), 
allerdings im Sinne von „Führer des Schiffes^. Vs. 249 wäre an 
ein Praet. legen (: regen) ja überhaupt nicht zu denken, obwohl der 
Herausgeber S. 178 es so aufzufassen scheint. Es ist vielmehr Praes., 
statt llgen; vgl. Weinh. S. 46 und Zs. f. d. A. 22, 401. Vs. 409 ff. 
haben wir mere : sere : here. Aber hier ist dreifacher Reim mitten 
unter Reimpaaren ebensowenig für richtig zu halten wie in manchen 
andern Gedichten, wo die Überlieferung ihn zufällig verschuldet hat, 
und die Herausgeber sich damit zufrieden geben.^) Es fehlt also 
(s. au(;h Eggert S. 187) der Reim zu were^ vielleicht auch noch 
weitere Verse. Im Franz. heisst es 

„Dame", fait il, „sainz remaindrez, 

Geo que nos avons garderez. 

Trop V08 sereit gref le veage 

E la mer que tant est sauvage, 

E vos estes grosse e enceinte. 

En vostre chambre qu'est depeinte 

Vos ferez servir et baignier. 

Gar vos ne poez travaillier." 

*) Dreifacher Reim auch 768 ff., wo ich nicht grade die Unmöglichkeit be- 
haupten möchte, dass der Dichter dem leicht sich einstellenden Doppelreim (da: 
Maria Magdalena Der appostolen appostola) nicht ausgewichen sei. Aber sicher 
ist das keineswegs. Das merkwürdige der appostolen appostola findet sich weder 
bei Vincentius noch bei Guillaume. 



33 

Es bleibt dann nur ein einziges Beispiel, 33 ff. Noch was mit en dar 
rill maHy Dti.'i ek f/t^Homen nicht m l:an, De (jot, afs eh' iesen höre, 
Mahfule s^inde hir hirore. Die leere Phrase afs ek lesen höre macht 
den Fall um so verdächtiger und spricht schon dafür, dass der ärm- 
liche Bearbeiter hier seine Hand im Spiel hat. Man könnte wohl 
auf den Gedanken kommen, dass die Vorlage grade doch einen 
Namen gehabt habe, den der Mann nicht habe lesen können. Doch 
ist es für diese Gruppe der Überlieferung bezeichnend, dass sie den 
sonst (VjhniiiH (denobim) genannten Blinden ohne Namen lässt 
(Kggert S. 135. 14S. 151). Guillaume liest Et eil qu'aren(/le out este 
ite , Que ileu.^ areit enhnmne, und wenn die Quelle unseres Gedichts 
(las selbe hatte, wird man kaum etwas anderes als eine genauere 
Entsprechung voraussetzen dürfen, hlint geborn (Den yot, al was er 
Uiiit (jehorn Y) : hie berorn war aber ein trefflicher Beim. Und er ist 
hier wahrscheinlicher als dass etwa jehen : sehen das ursprüngliche 
gewesen sei. Natürlich kann es der Wahrscheinlichkeit unserer An- 
nahme einer md. Vorlage keinen Abbruch tun, wenn der Menge 
einstimmender Tatsachen gegenüber einige wenige Verse uns tat- 
sächlich Schwierigkeiten bereiten. Wir haben es ja eben mit einer 
Umarbeitung zu tun, die, so flüchtig sie im allgemeinen auch ist, 
gelegentlich auch stärker eingegriffen haben kann. 

Einige kritische Bemerkungen, die ich hier noch folgen lasse, 
und die weder beanspruchen tiefer einzudringen, noch die Aufgabe 
zu erschöpfen, geben zugleich noch einige weitere Beweise für den 
md. Ursprung des Originals und kennzeichnen zugleich gelegentlich 
die Art des Bearbeiters. 

Vs. 41 und 316 hatten ursprünglich in reinem Reim du statt 
thfr; an anderen Stellen ist ersteres beibehalten. — 146 ist statt bor 
vielmehr kor zu lesen. Der Beweis ergibt sich am besten aus dem 
DWB. und dem Mnl. Woordenboek unter dem Worte. ^) — Nach 156 
ist eine stärkere Interpunction zu setzen. — 172 ist nach seit, 
Imperativ von ^sehen*', zu interpungieren. — 200 ff. Do mnt he sidven 
ff**H rat Dat nemant darto dochte, De en erlosen mochte, He ne tcoldet 
stdren don. Do dachte he usw. — 207 war im Original wtssagen 
wohl Substantiv, etwa Do hiez er künden die ictssagen Vor meneyem 
j'h'e und menegen dugen. — 234 beruht das sonderbare de lere diner 
sinne wohl auf der Beseitigung eines einfacheren Ausdruckes, vielleicht 
gradezu von dine minne im Sinne von Caritas. — 254 lies dit statt 
flir. — 367 war der ursprüngliche Reim sicher hegunde : stumle; das 
törichte to — an kennzeichnet den Bearbeiter, siner wumlerliken ist 
jiinnlos und muss verderbt sein, wenn nicht etwa zwischen diesen 
Worten und began eine Lücke ist. — 374 kann doch kaum etwas 
anderes gestanden haben als orer unseren (oder umen) Itf. — 384 ist 
rant enen leren runt (st. vrunt) zu lesen. Die gleiche Verbindung ist 
neben solchen mit andern Adjectivis in den Wörterbüchern öfter 
belegt. — 432 sakerUken ist wohl nur Lesefehler für seckerliken 

') Wie mir Paul Zimmermann freundlichst mitteilt hat die Hs. kör. Correcturnote. 

Niederdeateche« Jahrbach XXIX. 3 



34 

(551 üpA-er),^) — 488 f. Die urspininglichen Roimformen waren traf 
und f/ffiulL Das entsprechende Praet. dürfte 5!)2 gestanden haben, 
wo das unsinnige to hattf, auch die dreimalige Wiederholung des 
gleichen Reimes, wieder die Stümperei verraten. Weiter kiinnte es 
dort vielleicht Kin rromre diu tif (jndde Mich ilher sc hat her r/esattf 
gelautet haben, wenn es erlaubt wäre die Bindung von mhd. t und d 
vorauszusetzen. Auf das einzige weitere Beispiel, leide : arbeide Vs. 
454 f. hin, wag ich das jedoch nur mit allem Vorbehalt. Aber auch 
an 438 f. ist noch weiter gestümpert, und das schulmeisterliche ftre 
cnitze hat wohl in unserem md. Gedicht ebensowenig gestanden wie 
im französischen (Et Ut rorteise Mar/dafeine Li done h croiz prewereitfe 
Que onques portast pelerin); also etwa Ein criiae haftete üf ir wdt 
Ihtz erste daz ie wart f/endt. — 502 f. rührt wohl der Ausdruck 
ut euer atem nebst dem schlechten Reim wieder vom Bearbeiter her 
und ist an die Stelle der Bindung getreten, die 562 f. als alle inmmea : 
lirhnamen besser bewahrt ist. — 512 ff. Die beiden ersten Verse ge- 
hören vielleicht an eine andere Stelle, und dann wohl hinter 41)5, 
wo sie in der Hs. stehn. Doch ist dies aus einer ganzen Reihe von 
Gründen wenig wahrscheinlich, und in diesem Falle haben wir an- 
zunehmen, dass sie verderbt sind, nachdem sie in den falschen 
Zusammenhang geraten waren und ursprünglich vielmehr einen Ge- 
danken ausgedrückt haben, den die anderen Versionen an dieser 
Stelle aufweisen. Bei Vincentius heisst es Et nun prae loci daritif/ 
foream nequisset effodere, in secretiori parte collia aapposita clamidc 
rorpiis collorarit et puerulam mammis ei an apponem effusia larhri/mis 
ait; bei Guillaume 373 ff. 

Cil qui vout son cors enterrer, 

Ne pout pas la terre entamer, 

Tant la trueve tenant e dure; 

Mais il trueve par aventure 

Une bele place celee 

Desoz une pierre cavee. 

La desoz a sa feme mise 

En ses dras e en sa chemise. 

Joste son piz li met Tenfant 

Qui esteit encore vivant. 

De son mantel covert les a; 

E sachiez que mout li pesa, 

Quant il Ten covint departir, 

E en a gete maint sospir. 

^Ha*^ fait il usw. 
Selbst das einer anderen Redaction angehörige md. Fragment hat 
einen ähnlichen Gedanken, Vs. 125, rf deme reise tras nicht erden, 
daz sie begraben mochte ^r erden. Für niclit ganz unmöglich halt ich 
Do [?] er niht mohte erbeiten [von ^baidjan] Unde ir ein (jrap bereiten. 
Weiter war wohl auch bei uns die Härte des Felsens ausdrücklich 



^) Nach Zimmermann steht seckerliken (oder aeek.), Correctamote. 



35 

als Giimd erwähnt, und die Verse sind vielleicht, als in dem unrieh- 
tis^en Zusammenhang unverständlich, ahsichtlich ausgelassen worden. 
I)er verkehrte Zusammenhang ist dann weiter gewiss auch schuld, 
duss wir jetzt hei uns von eren mautd und einem j^luralen Suhject 
lesen statt ;,er legte seinen Mantel über sie''. Unter diesen Umständen 
ist es gewiss keine Willkür auch den nicht md. Reim omr se (eos) : 
srhr^ der Bearbeitung zur Last zu legen. Aber es ist bedenklich 
sich weiter auf Conjecturen zu verlegen. Nicht unmöglich wäre ja 
/f'iff, oder auch sjtrrit^i : schreite. — 542 Die hier und 609 gedruckte 
Form inn-hze bezweifelt der Herausgeber selber. Da uns ein falsches 
A statt k in />or 146 begegnet ist könnte man an ein aus dem md. 
Text beibehaltenes hirke denken. Eggert zieht die dem mnl. haen^e 
;ius franz. harye (nnl. hirge) entsprechenden mnd. bardese, hardsSy barse 
an, wofür auch die Schreibungen barze, bardeze, bazze, sämmtlich in 
Lübecker Texten, vorkommen. Es ist schwer zwischen beiden Seiten 
zu entscheiden, zumal ohne die Hs. einzusehen. Vielleicht darf man 
Inirthe als das wahrscheinlichste ansprechen.^) — Ist bei wogede 553 
an eine lautliche berechtigte Nebenform von tragen ^wiegen*^ oder 
an synonymes ir^gen zu denken? Das Franz. E que ei mont derint 
norrire E (t Penfant fist tel office Qn!ont fes fait a enfant recekre Hesse 
eher einen weniger engen Ausdinick für ;,ein Kind pflegen* vermuten. 

— 566 f. steht der Reim sni : ni, d. h. 7iw.^) Mit bekanntem Reim 
zu sne würde gut passen dem kinde ie t/lten ir^, wobei noch in Betracht 
zu ziehen ist, dass das hier stehende Prädicat bedoicede mit Rücksicht 
auf irint als zeugmatisch anzusehen wäre. Auch das Franz., wo 
übrigens die gleichen Dinge nicht von dem Kinde sondern von dem 
toten Körper der Mutter erzählt werden, hat nur einen allgemeineren 
Ausdruck: Im dame ne fn adesee Ne de pluie ne de rosee Ne de 
rhalor ne de frednre. Doch sieht man nicht, warum geändert sein 
sollte, wenn die Vorlage so gelesen hätte. Denn die Absicht, ein 
bezeichnenderes Verbum als Parallele zum folgenden besalwede zu 
gewinnen, hiesse diesem Bearbeiter wohl zu viel zutrauen. — 581 
muss man togen als fogen aus to-gegen und das Reimwort to als 
Praet. von tm fassen. Im Original waren aber die Reime wohl 
duo : zuo. Das folgende togejh ist natürlich nicht, wie E. meint, 
schwaches Praet. zu ten sondern Praet. von togen, mhd. zogen ;, ziehen*. 

— 791 f. wahrscheinlich Den kos oder Do kos en ... To blschope 
< gegen E. pag. 146). 

BONN. J. Franck. 



•) Nach Zimmermann sieht das Wort in der Hs. eher wie harlze aus als wie 
hnrhze. Correcturnote. 

') Mit aller Gewissenhaftigkeit will ich nicht zu bemerken unterlassen, dass 
man diesen Reim durch den vorher besprochenen über sie : schrc stützen und zu 
dem Schlüsse benutzen könnte, dass die Vorlage e für »>| oder umgekehrt t für e 
gekannt hätte. Aber beides, und besonders das letztere, ist unwalurscheinlich bei 
dem sonstigen Sprach charact er, der mir durchaus auf Türingen zu weisen scheint. 

8* 



36 



Idiotismen 

aus Eiderstedt und Stapelholm in Sehlesw^ig. 



äk Eiter in den Augenwinkeln. S. E. 

rikon eiUrn. Dat Og äkt. S. 

äscher hölzerner Spaten mit eiserner 
Schneide. E. In Stormarn: asciier. 

&\vertren übertreten, heim Schlittftchith- 
laufen einen Zirkel laufen. S. 

backeisch Backwerk. S. 

baller, bairr dünne Schnur am Peitschen- 
tau; sonst auch: blatsch und sim. S. 
ballern, knaüen mit der Peitsche. 

bankerfetten Gastereien. 8. 

beierlei sub. Zwitter. S. Im Schleswig' 
sehen hörte ich auch en twifarrigen 
und das Ädjectiv twifarrig. 

blallersten Blatterstein, Milchkiesel. 
Findet man einen solchen, so muss 
man darauf spuken und ihn dann 
über dtn Kopf fortwerfen, sonst be- 
kommt man eine Blatter auf der 
Zunge. S. 

bloekafnehmen, blockafnehm^n eum 
ersten Tanz auffordern» S. Sdiütee 
I, 116 und das Brem. Wb. VI, 13 
Jiaben blocksitten für das Gegenteil. 

bolbank Eigentum einer Genossenschaft, 
Besitztum einer Gilde. Wi hebbt de 
boolbank verköift. Seth in Stapelholm. 
Ndfr. bölbank Auktion, woM zu- 
nächst Nachlassenschaft Verstorbener 
(Ndfr. boel, hol Wohnung mit Land). 
Vrgl. Korrespondenzbl. XVI, 71. 

botjern Butterbroi. Kindersprache. S. 

breien, brefn stricken. E. 

brÜH Herzenkönig beim Brusspiel, Karten- 
spiel. Offenbar nach dem Bart des 
(Jour- Königs so benannt. S. Vrgl. 
Schütze I, 176. 

brnsen, bras'n Geschlechtstrieb der Sau. 
De Sog de brüst. S. In Dithmarschen 
in der Delver Gegend: snurren, snurr^n. 

bürklock Bauerglocke, eine an einem 
Pfahl (klockpäl) hängende Glocke, wo- 
mit die Bauerschaft zusammengerufen 
wird und die auch zugleich als Sturm- 
glocke bei einem Brande dient. S. 



bnschmeHM Buschmesser, ein Messer mit 
kurzem Stiel, woran ein Handgriff sitzt 
und ioomit die Knicks auf den Wällen 
beschnitten werden. S. 

biikkeln, bükkeln. ick bükkcl mi en gaflel 
(hölzerne Heugabel). Viehkloben, 
Gaffeln, Ilandstöcke über Feuer 
trocknen und erwärmen, um in die 
gewünschte Form biegen zu können. S. 

biittsmieten, biittsmied'n, mit Scherben 
oder glatten Steinen so auf's Wasser 
werfen, dass dieselben sieh mehrfach 
wieder aufnehmen. S. 

dämp Demath. Vereinzelt auch in 
Dithm. gebräuchlich. Uraltes frie- 
sisches Landmass. Jedenfalls von di 
dei Tag und mcth (afr. meta) mähen. 

dragg der Hebel mit dem Strang, tooran 
die Pferde den Wagen ziehen, E. In 
Dithmarschen: sältau, sältüg. dragg 
hörte ich in Stapelholm für den Hebel 
ohne den Strang. 

ftssel bestimmtes Garn (cn fissel garn), 
das mit dem fisselband abgebunden 
bezto. zusammen gebunden wird, 

fläg Regenschauer mit Windstoss. S. 
Bedensart: Stille Flag, dar is gut IIa wer 
sein. Dithm. flag und bü. 

flapp hängendes Maul. S. 

llen in affl^n, den Bahm von der Milch 
abnehmen. S. 

flott flaches Boot, womit aus den niedrig 
belegenen Wiesen an der Sorge, die 
auch im Sommer häufig unter Wasser 
stehen, Heu und Gras nach den höher 
belegenen Stellen gefahren wird. S. 

fragbok Fragebuch, Katechismus mit 
Frage und Antwort. S. 

futern Beischlaf ausüben. S. 

gliep Fischnetz in einem Rahmen ge- 
spannt mit langem Stiel, womit in den 
Gräben gefischt wird. S. 

glarr Feuerkieke. S. E. Eiderst. : glorre, 
glorrputt (Schütze II, 42) Dithm.: 
glurr. 



37 



^liinei, gliiB*]i einen leisen Wind gehen 
lassen. S. In Eiderstedt: glumen 
(SchüUe, II, 43). 

gnate KräUe, S. 

^Dstsi krätzig. De Eaotüffeln sünd 
(bunt) gnatsi, nicht glatt. S. 

gäl SDakken, hocM. sprechen. S. 

giiw«l Pflock mit Löchern, wohin durch 
das Garn beim Abwickeln läuft, um 
fläehsenes Garn von der Schäve zu 
reinigen und zu krall gesponnenes Garn 
weicher zu machen. S. 

^■iwelsten ein glatter Stein, womit die 
Wäsche „gegnidelt", geglättet wird. 
Eiderstedt. In Stapelholm : gmdQlsttn. 
Vrgl Schütze II, 46. Von gnidoln, 
glätten, reiben. 

;;räbn, gram eine Art Bollbrot von 
Weizenmehl, 

hol I amen wirtschaften. rumhoUanDern, 
übel wirtschaften. S. E. 

hBi8faiig\ hanstokk Stichling. S. 

iHH Imme, Biene. Slapelholm. Dithm. 
ief, plural imm. 

Juki schief, nicht gerade. Wenn beim 
Zeugrecken das Zeug nicht gerade ge- 
zogen ist; auch wenn Zeug nicht gut 
siUt. Dat Tüg sitt jCmki. S. 

kef herbe, vom Essen, was nicht recht 
gleiten will, Da's kewer Kost. E. S. 

kiwitsbosB Kibitzbrust, weisse Brust, 
Vorkragen. Bergenhusen in Stapelh.; 
auch in DUhmar sehen früher bekannt. 

klamp Steg über einen Graben. S. 

klappjaeh lärmende Schar; Treibjagd. 
In Dithm.: drifjagd = 'Treibjagd. 

kleinehott die aus den Gräben heraus 
geworfene Erde, Marscherde. E. 
Schütze 11, 274. Brem. Wb. VI, 648 
und 680: scholl, ausgeworfene Garten- 
erde. 

klöt KloU, Torfklot, Hauklot. Von der 
rundlichen Form? Ndfr. klot; ostfr. 
klöt = Kugel. S. Schütze II, 282. 

klotstock Sitringstock. E. S. Ndfr. 
klotstock. SchüUe, Holst. Id. II, 281. 
Von dem halbrunden Klotz unten am 
Klvtstock so benannte Dithm. kluwer 
und klüwer, klü wer stock. NacJ^ der 
Kluft unten am Klotz benannt. 

klott Mütze. S. 

knipp«lB Spitzen fertigen. Davon: 
knippelsch Spitze, Kante. S. 

költsÜHter Halbschwester. S. 

kspn bodder, Stück Butter von Vji Pfund. 
Vriedrichstadt a. E., Gar ding und 
Tönning. Schütze II, 322. 



kritt aus dicJUen Brettern bestehend, 
womit hinten und vorne Wagen dicht 
getnacht werden, wenn etwas gefahren 
werden soll, was sonst leicht wegfallen 
kann, S. 

knllern laichen. S. De Brassen kullert. 

leien, lein blüzen. S. 

leksmark, lexmark, Lexmarke, IjCsc- 
zeichen. S. 

mfigg, pl. müggen, mügg'n Mücke, E. 
S. Redensart : Heft Müggen ok Rüggen V 

ökelnänif nökelnäm Beiname, Schimpf- 
name. 

pag Pferd, oll pag altes Pferd. S. 

päpernat Pfeffernuss; dann auch Schläge 
auf die Fingerspitzen. S. 

pärkuss, en dänschen pärkuss, jemanden 
mit der Faust ins Gesicht und mit 
den Knieen vor den Leib stossen, 
boxen. S. 

penblom, Klappertopf, Bhinanthus. E, 

penschiter, pensehid'r Pfennigscheisser, 
Spielpui)pe für Kinder, die einen 
blanken Holzpfennig im Hintern hat. 
Du sits dar so krumm, as de Pen- 
schiter van Hamborg. 

pisspattblau Nachttopfblau. Früher 
wurden Strümpfe blau gefärbt in einem 
Nachttopf. S. . 

plerren, plerr^n herumrühren, plerr ui 
80 in'e melk. S. 

pnmbäcks Pumphose, eine weite Leinen- 
hose, die meistens beim Futtern über 
eine andere Hose getragen wird. E. S. 

raradÖ8i, sehr dösig, nicht richtig im 
Kopfe, ram = Krampf, also kram])f- 
haft dösig; zunächst von Pferden ge- 
bräuchlich; dann aber auch auf 
Menschen angewandt. S. 

raudschoster Bandschuster, Flick- 
schuster? Ein zanksüchtiges Weib. 
Da's recht sou oleu Raudschoster! 

rüffel Spaten, E. 

rüsch Schlitten. S. 

rüscheu mit dem Schlitten fahren. S. 

sauslippen, sauHlipp'n, dicke aufgewor- 
fene Lippen. S. 

Nchaiidadel Ulk, Spass. Blots ut Schan- 
dudel hef ick dat dun. S. 

Hchapsschink Violine. S. 

scheren scheren. Die Kette oder das, 
was von einem Baum des Webstuhls 
zum andern gespannt, bezw, in den 
Rahmen angespannt wird, wo die 
Querfäden hindurch geworfen werden, 
aufspannen, 8. 

schetteln, srhedd'ln, geschäftig hin- und 
herlaufen. S. 



38 



^9f 



seblaffsehohplog der alte hölzerne 
auch „dütsche plog** genannt. 

Hchrenkeln. Ein Bein um das Bein des 
Gegners schlängeln und ihn so zu Fäll 
zu bringen suchen, S. Eiderstedt: 
schr&ngen. 

Hchanken, schank'n mit Anschlag an's 
Bein einen Stein, eine Kugel usw. fort- 
schleudern. 8. E. 

schank Bein. 8. Nimm din Schunk weg. 

selldösi sehr dumm, im Kopfe nicht 
richtig. 8. 

sin, das dünne Ende an der Peitschen- 
schnür. 8. 

sladrop, brun an blaun sladrop. Um 
„bruti un blaun sladrop" zu holen, wird 
der Narr in den April geschickt 8. 
8chuUe II, 285; IV, 106. 

sliperi, slipi, vom Brot, wenn es an 
Stellen blank und glatt ist und beim 
Schneiden am Messer sitzen bleibt. S. 

snail-kas Schnecke. 8. 

spätiDg, pl. spätinge, abgegrabenes Land, 
dessen Erde beim Deichbau Verwendung 
gefunden. In Eiderstedt ^^hat jedes 
Kirchspiel Spätings, Übertragen 
ist das Wort anf Tiefland überhaupt 
und die Bezeichnung Spatenlande für 
Eiderstedt dürfte spnach Tiefland be- 
deuten; jedenfalls ?iat derselbe nichts 
mit Spaten zu tun, da der Name 
Spaten in Eiderstedt nicht volkstüm- 
lich ist. 



stirtpann Stiertpfanne, kleine tönerne 
Pfanne mit einem Stiel. 8. 

stük in dackstük, Schoten Ret zu einem 
Haufen zusammengesetzt. S. 

stük Hocke, Kornhocke. E. Von stuken, 
upstüken stauchen, aufstauchen. 
SchüJtze IV, 216. 

sütfäl SaugfuUen. 8. 

tapp, watertapp, Wasserzapfen, Wasser- 
hose. 8. 

transei, eine dicke unbeholfene Person. 
S. Da's recht son Truusel. 

tttseln in den Haaren hin und her- 
ziehen. 8. 

urri kränklich. S. 

athäken. Mit dem Zeigefinger der 
rechten Hand den Zeigefinger der 
linken Hand streichen und „hak iit, 
hak ut!« oder „füt, füt, hak ut!" 
rufen um einem Mitspieler seine Ver- 
achtung auszudrücken. Dilhm. : etscheu, 
itschen, utetscheu. 

ntmälen, utmäPn auszählen. 8. Anderswo 
auch: utmeleru, in Dilhm : ut-düleii. 

wa-i Molken. E. 8. 

wal Schneewall. S. Dithm.: wäl Strie- 
men auf der Haut und SchneewalL 

wark, eu wark wirn, ein Werk Strick- 
nadeln, 5 Stricknadeln, soviel man auf 
einmal kauft. Meistens strickt man 
nur mit vier. 



DAHRENWURTH b. Landen. Heinrich Carstens. 



39 



Eine Verschiebung der niederdeutschen 
Sprachgrenze in neuerer Zeit 



Der Verlauf der Sprachgrenze zwischen dem Mittel- und Nieder- 
deutschen wird gerade an einer Stelle, wo die charakteristischen 
Merkmale beider Mundarten in besonders scharfen Gegensätzen aus- 
geprägt sind, im sächsischen Hessengau zwischen Cassel und Hof- 
geismar, von der bisherigen Forschung in Bezug auf einen Grenzort 
verschieden angegeben. Es handelt sich hier um das in einer Ein- 
seukung des Habichtswaldes gelegene Dorf Dörnberg zwischen dem 
mitteldeutschen Weimar im Osten und dem ausgesprochen nieder- 
deutschen Ehlen im Westen des scheidenden Gebirges; dicht über 
dem Dorfe erhebt sich mit seinem weithin sichtbaren, kahlen Gipfel, 
umlagert von gewaltigen Felsen, den zackigen Helfensteinen, dem 
Hohenstein und Blumenstein, der ausdrucksvolle Berg gleichen Namens, 
auf dem sich im Jahre 1071 Heinrich IV. lange Zeit gegen Otto von 
Nordheim verschanzt hielt, während dieser den gegenüberliegenden 
Burghasunger Berg besetzt hatte, wie die Überlieferung lautet. 
Dörnberg wird bereits im Jahre 1074 mit der urkundlichen Form 
Thurinkiberg genannt, die sich später über Duringeberc, Doringen- 
berg zu Dörnberg verschliff. Während an diesem Namen selbst ein 
niederdeutsches Gepräge nicht wahrnehmbar ist, weisen die benach- 
barten Orte sämtlich sächsische Namensform auf. Auch Zierenberg, 
der nächste grössere Ort, der im Jahre 1293 von dem hessischen 
Landgrafen Heinrich I. angelegt wurde, hiess ursprünglich Thirberg 
oder Tliyrenberg, der hochdeutsche Anlaut erscheint in Urkunden 
unter hessischem Einflüsse erst 40 Jahre später; zu beiden Seiten 
des Dornberges lagen ausserdem unter anderen Hilboldessen und 
Uedewigsen, dessen Urform ohne die niederdeutsche Verkürzung 
noch in der Hasunger Stiftungsurkunde von 1074 als Hathewiges- 
husun vorkommt, sowie die mit Dörnberg kirchlich verbundenen Ort- 
schaften Lutwardessen und Volgersen, ferner sogar östlich nahe 
bei dem hessischen Weimar lluchotsen und Sigirsen oder Sirsen; 
sämtliche genannten Orte sind jetzt Wüstungen und zum Teil bei 
der Gründung von Zierenberg in diesem aufgegangen. Ihre Namen 
sprechen dafür, dass das dazwischenliegende Dörnberg auf sächsischem 
Boden lag, wie wir später auch an der Mundart sehen werden, denn 
ein Vordringen des Sächsischen auch in alter Zeit ist höchst un- 
wahrscheinlich. 

Ich erwähne dies ausdrücklich, da die Gau- und Diöcesangrenzen 
in diesem Gebiete keinerlei Anhalt für die Stammesgrenze gewähren, 



40 

auch wenn wir von dem gefälschten Registrum Sarachonis und den 
dadurch beeinflussten Gaukarten Landaus in seiner Beschreibung des 
Hessengaues 1857 und Böttgers in seinem Buche „Diöcesan- und 
Gaugrenzen Norddeutschlands ^ 1875 absehen. (Vgl. hierüber Wenck, 
Zschr. des Vereins für hessische Geschichte 1903 S. 227 ff.). Ein 
Stück Niedersachsen war hier eben in den fränkischen Hessengau 
hineinbezogen (vgl. Menkes Gaukarte 34 in Spruners Handatlas), 
alle Versuche, diese Tatsache geschichtlich zu erklären oder einen 
besonderen pagus Hessi-Saxonicus abzutrennen, mussten fehlschlagen. 
Dass aber die Gau- und Diöcesangrenzen im hessischen Sachsen nicht 
zusammenfallen, hat schon Falckenhainer, Zschr. des Ver. f. hess. 
Gesch. I 126 klargelegt; die westliche Hälfte dieses Gebietes um 
Diemel und Twiste gehörte zu Paderborn, die östliche zu Mainz. 
Das TÖUige niederdeutsche Hofgeismar, niederdeutsch auch in seinen 
Urkunden, war also mit dem mitteldeutschen Hessenlande politisch 
und kirchlich stets eng vereint. Trotzdem hielt gerade dieser Teil 
Niedersachsens an seiner Stammesart bis in die neueste Zeit mit 
grösster Zähigkeit fest. Wie anders z. B im heutigen Anhalt, im 
nördlichen Thüringen und nördlichen Obersachsen, wo das alte Platt 
auf mitteldeutsche Lautstufe gerückt ist und nur in Formen wie 
trecken, mant und schummerig = ziehen, nur und dämmerig, noch 
deutlich hinter dem jetzigen Mitteldeutschen hervorschimmert. 

Demgegenüber nennt Landau in seiner Beschreibung des Hessen- 
gaues 1857 S. 227 unter den Ortschaften, deren niederdeutsche Sprache 
seiner Meinung nach ein Vorrücken des Sächsischen über die Grenze 
des Hessengaues beweist, Dörnberg nicht mit und zählt nur Zieren- 
berg, Oberelsungen, Nothfelden, Alten-, Wenigen- und Burghasungen, 
Ehlen, Oehlshausen, Istha, Bründersen und Ippinghausen als sächsische 
Grenzorte in diesem Gebiete auf, obwohl auf der von ihm hergestellten 
Gaukarte Dörnberg innerhalb des fränkischen Hessengaues und des 
fränkischen Gerichtes Ahna liegt; in Bezug auf den Hausbau bezeichnet 
er es in der Beilage zum Korrespondenzblatt v. September 1859 
ausdrücklich als fränkisch. Auch Vilmar lässt in der Vorrede zu 
seinem Idiotikon Dörnberg unerwähnt und nennt Fürstenwald, Ehlen, 
Istha an dieser Stelle der Grenze als niederdeutsch gegenüber Weimar, 
Martinhagen und Balhorn; beide haben offenbar Dörnberg als ober- 
deutsch angesehen. Dagegen sagt Wernecke, Zeitschrift für westf. 
Gesch. 1874 S. 45: »Der mächtige Wall des Habichtswaldes bildet 
hier die Grenze und zwar so, dass das Dorf Weimar, dessen Gewässer 
nach Osten zur Fulda fliessen, noch dem fränkischen Gebiete angehört, 
dagegen das nahegelegene Dörnberg auf der Westseite des Kammes 
zum niedersächsischen.'' Das schliesst natürlich nicht aus, dass auch 
diesseits dieser Wasserscheide sächsische Orte wie die vorher genannten 
Volgersen und Sigersen sich finden, die vermutlich von sächsischer 
Seite aus in späterer Zeit jenseits des Ilabichtswaldes angelegt wurden 
und schon früh wieder ausgingen. An Wernecke hat sich Tümpel 
angeschlossen, der in seinem Aufsatze „die Mundarten des alten 



41 

niedersächsischen Gebietes zwischen 1300 und 1500 nach den Ur- 
kunden dargestellt'' (Paul u. Braunes Beitr. VII S. 15) die gleiche 
Angabe macht. Diese Verschiedenheit der Auffassung gründet sich 
auf die merkwürdige, den Kennern unseres Landes schon länger be- 
kannte Tatsache, dass in Dömberg seit ungefähr einem halben Jahr- 
hundert die hessische Mundart an Stelle der niedersächsischen die 
herrschende geworden ist und jene fast völlig verdrängt hat. Schon 
vor zwei Jahren wies Maurmann, ein Mitarbeiter am Marburger 
Sprachatlas, Hessenland 1901 Nr. 15, S. 320, auf diese bemerkens- 
werte Erscheinung hin, und Wenck, Zschr. f. hess. Gesch. u. Landes- 
kunde 26 S. 258 Anm. fuhrt diesen Übergang als Beleg dafür an, 
..dass die Grenzlinie nicht zu allen Zeiten dieselbe geblieben ist, 
sondern wechselnde Gemeinschaft des Staates, der Verwaltung, des 
Verkehres aller Art Gewinn oder Verlust auf dieser oder jener Seite 
herbeigeführt haf Es muss jedoch festgehalten werden, dass dieser 
Vorgang, der sich in neuerer Zeit abgespielt hat, keine Rückschlüsse 
auf die ältere Zeit gestattet, dass insbesondere die Annahme einer 
Grenzmark zwischen Sachsen und Franken, (vgl. Wenck a. a. 0.), aus 
derartigen Erscheinungen keine Stütze gewinnt. Ortsnamen, Sprache, 
Hausbau, Sitte und Volkstum haben gerade in dieser Gegend bis in 
die neueste Zeit einen scharfen Einschnitt gezogen. Allmähliche 
rbergänge vom Hessischen zum Niederdeutschen, wie sie Wenck S. 
250 nach der Darstellung Wredes (Anz. f. d. A. 24 S. 116) voraus- 
setzt, finden sich hier nur in vereinzelten und unwesentlichen Er- 
scheinungen; dagegen sind die wesentlichen Unterschiede der Laut- 
verschiebung scharf ausgeprägt! Erst jetzt im Zeichen des Verkehres 
tritt hier ein Umschwung ein. Dass Dömberg dieser Entwickelung 
um einige Jahrzehnte vorauseilte, war in verschiedenen Umständen 
begründet. Nur zwei Stunden von Cassel entfernt und wegen seiner 
malerischen Umgebung im Sommer und Winter viel besucht, unter- 
hielt der Ort selbst die lebhaftesten Beziehungen zu Cassel, wohin 
(He Bauern die Erzeugnisse ihres Landbaues zu bringen pflegten, 
während die jungen Leute in den Bergwerken, Steinbrüchen und 
Kohlenzechen des Habichtswaldes unter hessischen Bergleuten arbei- 
teten oder sich nach der hessischen Seite auf Tagelohn verdingten. 
Bei all diesen Gelegenheiten hörte man nur die hessische Mundart 
und nahm sie allmählich an. Nun aber entstand nicht etwa aus der 
heimischen Mundart und der neu eindringenden eine allgemeine Misch- 
nmndart, auch fiel die Eroberung nicht der Schriftsprache zu, sondern 
das Hessische, ähnlich wie es in Hoof, Elgershausen, Weimar und den 
niederen Schichten Cassels gesprochen wird, setzte sich fest und ist 
bei der jetzigen Generation des Dorfes bis zum Alter von 60 Jahren 
ungefähr ausschliesslich im Gebrauche, während nur ein Dutzend 
iilterer Leute das Plattdeutsche noch sprechen. Diese führen zum 
Teil auch noch niederdeutsche Namen wie Hinnerk für Heinrich. 
Die absterbende Sprache wenden sie aber nur noch unter sich und 
im Verkehre mit älteren Leuten an, die aus ihrer Jugend das Sächsische 



42 

noch kennen; das junge Volk würde das alte Niederdeutsche kaum 
verstehen und macht sich sogar über das „ek" und ^^maken* statt 
„ich* und ^machen* lustig, so sehr ist das Bewusstsein der nieder- 
sächsischen Abstammung geschwunden. Übrigens hat nur die Sprache 
der Jugend in Dörnberg ein völlig hessisches Gepräge ; bei den älteren 
Leuten, auch so weit sie sich dem neuen Idiom anbequemt haben, 
treten doch noch manche ererbte Eigentümlichkeiten der Aussprache 
hervor. So habe ich den palatalen Reibelaut, wie er in Niedersachsen 
und besonders in Westfalen herrscht, noch mehrfach gehört, z. B. 
in )(SLnH und gestern statt Gans und gestern. Wo es ein bestimmter 
Zweck, insbesondere ein Geschäftsinteresse nahelegt, brauchen auch 
die Leute in mittleren Jahren noch das zurückgesetzte Platt; so er- 
zählte mir ein bekannter Gastwirt dort, dass er bei Geschäftsgängen 
in Ehlen und Eisungen, wo das Plattdeutsche noch im Gebrauche ist, 
um seinen Zweck besser zu erreichen, sich mit Vorliebe des Platt- 
deutschen bediente. Derselbe behauptete übrigens mit Bestimmtheit, 
dass der Überlieferung zufolge auch in Dörnberg früher die sächsische 
Bauart der Häuser geherrscht habe. Vermutlich ist das fränkische 
Haus in niederdeutschen Orten erst im Laufe der letzten Jahrhunderte 
an Stelle des sächsischen getreten, indem man die alten niederdeutschen 
Bauten, wenn sie abbrannten oder abgetragen wurden, nicht in der 
alten Form erneuerte, sondern die praktischere Bauart des benach- 
barten Hessens anwandte, wie dies für mehrere Orte bei Landau 
a. a. 0. nachgewiesen ist. 

Das Beispiel von Dörnberg ist deshalb für die Sprachgeschichte 
so interessant, weil dort nicht eine angestammte Mundart einem 
hochdeutschen Jargon wie in Berlin und Magdeburg z. B. oder einem 
Missingsch zum Opfer fällt, was auf rein niederdeutschem Boden 
vielfach der Fall ist, sondern weil dort im Lichte der Neuzeit nieder- 
deutsche Stammesart von einem über die Grenze vordringenden 
mitteldeutschen Volkstum ganz aufgesogen wird. Es scheint ausser- 
dem, als ob dieser Vorgang immer weiter griffe und nur der erste 
Erfolg eines unaufhörlichen Flutendranges wäre. In Zierenberg und 
Ehlen ist durch den steigenden Verkehr mit Cassel das Plattdeutsche . 
bereits im Weichen, man hört dort schon oft echt hessische Laute, 
und die Zeiten sind vielleicht nicht mehr fern, wo auch dort die 
alte, angestammte Sprache bis auf wenige Spuren getilgt sein wird. 
Dieses Aufgeben einer überkommenen Mundart zu Gunsten einer 
anderen ist mehrfach grundsätzlich bestritten worden, z, B. von Winter 
in seinen ;,Forschungen zur d. Gesch.* 1874 XIV S. 344, (zurück- 
gewiesen u. a. auch von Tümpel a. a. 0.), während man die Tatsache 
wohl allgemein beobachtet und zugiebt, wie die hochdeutsche Schrift- 
sprache fast allenthalben auf Kosten der Mundart, besonders der 
plattdeutschen erobernd vordringt, wie die meisten norddeutschen 
Städte zeigen. Hier in Dörnberg jedoch vollzieht sich ein für manche 
Grenzdistrikte typischer Vorgang, der sehr zu beachten ist. 



43 



Sprachppoben aus Dörnberg. 

Nachfolgende Proben mögen zur näheren Erläuterung für das oben Aus- 
gef&hne die jetzigen sprachlichen Verhältnisse des Ortes veranschaulichen. Bei 
dem gänzlichen Mangel an schriftlicher Aufzeichnung müssen einzelne Beispiele 
700 der Redeweise der älteren Leute als einziges, natürlich nnvollkommenes 
Qaellenmaterial dienen. Der Kundige wird auch hieraus die nötigen Schlüsse 
ziehen können. Die Sprache der älteren Generation ist naturgemäss sehr bunt- 
scheckig und variiert von Person zu Person je nach dem Grade des Ausgleiches, 
den sich der einzelne geschaffen hat. Einer der als sprachlich konservativ be- 
zeichneten verleugnete übrigens mir gegenüber schnöde seine Muttersprache, 
erklärte, sie sei ihm nicht mehr fein genug und bemerkte schliesslich echt 
hessisch: ^^A^ä, das machen mä nit mie'^. Aber gerade der Bruder dieses 
Abtrünnigen, Ludwig Strassberger, ist derjenige, der mit grösster Hartnäckigkeit 
an dem alten Platt festhält und allein noch, wie es scheint, jederzeit und jeder- 
mann gegenüber davon Gebrauch macht. Er versicherte zwar sehr charakteristisch: 
„n* kann „»j^echen'^ (sie) tnid quackeln^ vne V kömmt'', das einzige Hoch- 
deutsche aber, was er „sprechen'' nennt, ist hie und da eine verschobene Form. 
„Quackeln" y das auch Wemecke a. a. 0. anführt, ist hier allgemein der Aus- 
druck für Plattdeutsch sprechen. Ich gebe nun einige seiner Aussprüche wieder: 
.,FJc hawe Iwe Köwe, twe Xüle (Gäule) un nejen Suggen (neun Schweine). 
()) minen Fälle an'n Kattenstene (Katzensteine) hawe ek Köm, IVete (Weizen), 
A'rü/, Hyiwer, Metunger sin de Tiden biter, metunger schlechter. Min allster 
Sfihn liet da ungen sülwest en nijes Hus buggen lUen, de anner sali dal 
nhle annehmen, iwe Acker will 'k em dertou j^wen. Körten kann ek Jceene 
sjtelln. Ek röke imtner lange Pipe, de Jcorte kann ek nit mö Ji^len wejen 
mitie Tähn. Bi'n Soldaten sin ek nit jewest, een Schmnaker, de wiille geryi 
for mek dei'hi, da blef ek hier^ süst mott ek drskn. De Zi^enberger, de heten 
Hascnßüte, de Ehlener Beinpötte, de Wimerer Brimöler (Breimäuler, die 
nächsten Hessen!). De annern wet ek nit me, dat stunn mal in*n Bök, a,wer 
d häwH wedder verjäien. In'n fufziger Johm hadd' ek vel Malör mein 
Kmcen. Da k/imen twe Zierenberger Jödden^ de latlen een keene Ruh un 
s'-hvcalten een toat up, w&fnme da nit feste is, möt me do' D^ rute gähn. 
Kk stunn för'n Owen, da seih 'k, dat se sek tauknüppeln (zublinzeln) meVn 
^hfjen in'n Spejd. Ek den Spejel ömjcdreiht, Wat sali dal? fragen de 
J'Vlden. Dat is min Spejel, de jeiht ju niks an, segg 7c. JVa, dit Spiitakel! 
Kk segge niks un make mek nit, dat Heim-äisch Pappeln kann k nit verstohn." 
Die Zahlen lauten: etier, twe, dre, fere, ßwe, sesse, s^ivene. achte, nejenc, 
irihne, Uewe, twelwe, drütteihn, fertcihn, fifteihn, sessteihn etc., iwintig, aber 
'infsig, verzig, fufxig usw. Ob diese Anklänge an das Hochdeutsche alt oder 
iiea sind, lässt sich wohl kaum feststellen; im ganzen hat das Angeführte aber echt 
niederdeutsches Gepräge, unberührt von dem geschilderten Zersetzungsprocesse. 

CASSEL. A. Fuekel. 




44 



Die Entstehung 
von Reuters Lauschen. 



Klaus Groths Quickborn ist 1852 gedruckt. Seinem Erscheinen 
folgte die Ausgabe des ersten Werkes Reuters, der Lauschen un 
Rimels, binnen Jahresfrist. Man ist deshalb im Allgemeinen geneigt, 
dem Verfasser des Quickborns zu seiner Ruhmestat, die plattdeutsche 
Litteratur zu vornehmer Höhe erhoben zu haben, das fernere Verdienst 
zuzuschreiben, dass ein Funke seines Geistes zündend in die Seele 
seines grossen Nachfolgers geflogen sei, ein Funke, der nur zu ent- 
flammen brauchte, was längst in Reuters Geiste begonnen hatte sich 
zu entwickeln und zu sammeln. 

Reuter selbst hat sich nie darüber ausgesprochen, wodurch er 
zu seinem ersten plattdeutschen Werke angeregt worden ist, und bei 
der gänzlichen Verschiedenheit zwischen Groths Quickborn uud Reuters 
Läuschen, bei dem Mangel irgend einer die Nachahmung beweisenden 
Einzelheit, war es auch nicht möglich, mit inneren Gründen den 
Beweis für die Anregung Reuters durch Groth zu führen. G ädert z') 
glaubte deshalb wagen zu dürfen, der allgemeinen Meinung entgegen- 
zutreten. Er läugnete, dass Reuters Dialektdichtung durch Klaus 
Groth hervorgerufen oder gefördert worden, das sei weder direkt 
noch indirekt geschehen. In Heidelberg während seiner Studienzeit 
sei ihm bereits die erste Anregung gekommen. Zur nämlichen Zeit, 
1840, seien schon Niebergalls beide Possen in Darmstädter Mundart, 
;,Des Burschen Heimkehr oder der tolle Hund*', sowie ;,Der Dattcrich*' 
erschienen gewesen. Hauptsächlich der ;,Datterich* enthalte Scenen, 
die an Reuters Lustspiele erinnerten, ebenfalls an Episoden der 
Stronitid, frappant z. B. an jene, wo den horchenden Gästen die 
Nachricht von der Rebellion der Lisulaner auf Ferro und der Fiskimos 
am Nordpol aus der Zeitung vorgelesen werde. 

Es ist nicht leicht zu verstehen, dass Gädertz deshalb läugnot, 
Reuter sei durch den 1852 erschienenen Quickborn zu seinen 1853 
erschienenen Läuschen angeregt, weil er glaubt annehmen zu dürfen, 
Reuter habe 1840, also zwölf Jahre vorher, in Heidelberg den in 
Darmstadt damals erschienenen Datterich^) kennen gelernt. 

Eine Nachprüfung zeigt, dass die tatsächlichen Angaben, welche 
(Jädertz zur Stütze seiner Hypothese vorbringt, falsch sind. Der 

M Aus Reuters juugeu und ulteu Tagen. 2. Autl. S. 12 f. 

') Niebergall, Dramatische Werke, hrsg. von Fuchs. Darmstadt 18ü4. 



45 

Datterich, auf den er sich besonders beruft, ist nicht ^sohon 1840* 
erschienen, sondern erst 1841. Es ist sogar nicht einmal siclier, ob 
er vor Juni 1841, also während Reuter in Heidelberg war, hierhin 
schon gelangt war. Denn dass er Ostern 1841 noch gar nicht gedruckt 
war, lässt sich beweisen. Im Leipziger Messkatalog für Ostern 1841 ^) 
ist er unter den Werken, welche künftig erscheinen sollen, auf 
S. 334 aufgeführt. Ferner finden sich wie in tausend anderen Werken 
so auch im Datterich zwar Scenen, in denen aus der Zeitung vor- 
j^elesen wird, aber was vorgelesen wird, erinnert gar nicht derartig 
^frappant* an die Stromtid, dass es als bewusstes oder unbewusstes 
Vorbild in Frage kommt, es ist überhaupt keine besondere Ähnlichkeit 
orkennbar weder mit der Stromtid noch mit den Lustspielen Routers, 
insbesondere ist auch wieder von Ferro noch den Eskimos die Rede^). 
Einige sprichwörtliche Redensarten, wie »lügen, dass die Balken 
biegen*, „haust du meinen Juden, haue ich deinen Juden*, die sich 
sr»wohl bei Niebergall wie in Reuters Läuschen finden, beweisen gewiss 
keine Abhängigkeit. Es wird Gädertz' Sache sein, irgendwie eine 
besondere Übereinstimmung zwischen einer Stelle im Datterich und 
in den Schriften Reuters erst nachzuweisen, wenn man annehmen soll, 
dass Reuter den Darmstädter Possendichter überhaupt gekannt hat. 
Aber auch selbst dann würde man bei der Verschiedenheit von 
Dialekt und Zeit noch nicht schliessen dürfen, dass der Datterich 
Reuters Entschluss, als niederdeutscher Schriftsteller hervorzutreten, 
gezeitigt habe. 

Ein zwingender Beweis lässt sich, wie bereits bemerkt ist, nicht 
dafür führen, dass Reuters Entschluss durch das Erscheinen des 
Quickborns entstanden ist. Aber es lassen sich Tatsachen und ge- 
nauere Daten beibringen, welche schärferes Licht auf die Entstehung 
der Läuschen werfen und einen Beweis fast ersetzen. 

Die mittelniederdeutsche und die daran anknüpfende nieder- 
deutsche Dichtung des 16. Jahrhunderts war im Laufe der folgenden 
Jahrhunderte mehr und mehr der Vergessenheit anheimgefallen. 
Einzelne Schriftsteller versuchten sich zwar in plattdeutschen Ge- 
dichten, aber eine Zusammenhang aufweisende besondere Kunst- 
dichtung in der Mundart gab es nicht mehr. Die bewusste oder 
unbewusste Empfindung, dass vor Allem die Deutschland einigende 
Schriftsprache und ihre Litteratur zum Heile des Vaterlandes ent- 
wickelt werden müsse, wandte dieser alle Kräfte und alle Teilnahme 
der Gebildeten und der Bildungsbestrebten zu. Erst als die höchste 
Blüte der deutschen Litteratur erreicht war, konnte eine neue mund- 
artliche Litteraturentwicklung beginnen. Denn die Erscheinung, dass 
die Frühzeit jeder Litteratur dialektische Verschiedenheit der Dichter 



*) Allgemeines Verzeichnis der Bücher, welche von Michaelis 1840 bis Ostern 
1841 neu gedruckt etc. sind. Leipzig 1841. 

*) Vgl. auch £. Brandes, Aas Fritz Reuters Leben II (1901) S. 64 f. 



46 

aufweist, dass dann die Entwicklung der Litteratur in der gemein- 
samen Schriftsprache bis /u ihrer höchsten Blüte folgt, und hierauf 
wieder ein Aufblühen mundartlicher Dichtung beginnt, ist nicht auf 
Deutschland beschränkt. Sie herrscht wie ein Litteraturgesetz auch 
bei andern Völkern. So folgte im alten Griechenland der jonischen, 
dorischen, äolischen Periode der Atticisraus, und erst zur Zeit der 
ihn fortsetzenden Koine und zugleich des litterarischen Niedergangs 
entwickelt sich durch die Bukoliker eine neue Blütezeit mundartlicher 
Dichtung. So war es in Frankreich, wo erst nach der klassischen 
und nachklassischen Zeit das Provenzalische und die nordfmnzösischen 
Patois ihr Litteraturrecht erhalten. So war es in England, wo im 
18. Jahrhundert Burns erscheint; so in Holland, wo noch später die 
landfriesische Dichtung Raum gewinnt. Audi das Latein macht keine 
Ausnahme. Seine Volksmundarten entwickeln sich gleich zu Volks- 
sprachen. 

Wenn das allgemeine Entwicklungsgesetz der Dialektdichtung 
im 18. Jahrhundert keine Pflege gegönnt hatte, so war dem platt- 
deutschen Verse doch ein kümmerliches Dasein verl)lieben in einer 
Dichtungsgattung, der zwar keine litterarische Berechtigung zuerkannt 
wurde, die aber trotzdem fleissig gepflegt ist. Es sind die Polter- 
abend- und Hochzeitsgedichte. Sie wurden für den Tag, den sie 
feierten oder zu dessen Erheiterung sie beitragen sollten, verfasst 
und niedergeschrieben. Auch wenn sie gedruckt als Huldigung für 
das neue Ehepaar diesem überreicht wurden, erhoben sie nicht den 
Anspruch litterarischer Ruhmestat oder nur litterarischer Lebens- 
fähigkeit. Zu Hunderten findet man sie noch in den alten Sammel- 
bänden der Bibliotheken, weil diese alles Gedruckte sammelten und 
aufbewahrten. Verbreitet war ihr Brauch aller Orten, wo man die 
Mundart verstand. Es bedarf keiner Erklärung, es war fast selbst- 
verständlich, dass ein versgewandter, das Plattdeutsche und den 
Humor beherrschender Mann wie Fritz Reuter seinen Freunden zu 
Liebe sich oft getrieben fühlte, Polterabendgedichte zu verfassen. 
Es ist bekannt, dass Reuter schon bevor er seine Läuschen heraus- 
gab, manche Polterabenddichtung verfasst, und dass er, aber erst 
als er sich einen Namen gemacht hatte, 1855 eine Sammlung der- 
selben herausgegeben hat. Aber vorher, als er sie für Freunde und 
Bekannte anfertigte, hat er sicher nicht daran gedacht, sie im Buch- 
handel erscheinen zu lassen und durch sie plattdeutscher Schriftsteller 
zu werden, ebenso wenig als die vielen Tausende, die dasselbe vor 
ihm getan hatten. Seine Polterabenddichtung war also an und für 
sich kein erster Schritt in seine schriftstellerische Tätigkeit, und wenn 
man sie als unbewusste Vorstufe, als Vorübung ansehen will, nicht 
einmal eine gute. Weil die Polterabendgedichte keine litterarische 
Geltung beanspruchten und keine Kritik zu fürchten hatten, war man 
gewöhnt, es mit Vers und Reim nicht genau zu nehmen. Auch 
Reuter hat sich in dieser Beziehung sehr gehen lassen, und es mag 



47 

iVw Schuld der alten Gewohnheit sein, wenn in derselben Beziehung 
die Läuschen un Rimels mehr als billig zu wünschen übrig lassen. 

Es wird zu erwägen sein, ob vielleicht einer der plattdeutschen 
.S>€rhriftsteller, die Groth vorangegangen sind, eine Anregung auf 
Reuter ausgeübt hat. Ein Blick auf die chronologische Zusammen- 
stellung, welche das Niederdeutsche Jahrbuch Bd. 22 S. 126 bietet, 
weist zwischen dem ältesten, dem Jeveraner Wolke v. J. 1804 und 
der Dichterin M. Dethleffs v. J. 1850 etwa 30 Namen auf. Ver- 
gegenwärtigt man sich aber, wie wenig verbreitet ihre Werke und 
ihr Name — wenn man Bornemann ausnimmt — ausserhalb ihres 
\Vohnortes waren, und dass ausser dem einen Lessen kein Mecklen- 
burger darunter ist, so wird man nicht zweifeln, dass sie zumeist 
Reuter unbekannt geblieben sind. Der unglückliche Lessen, der 
i. J. 1824 eine plattdeutsche Dichtung drucken Hess, hatte so wenig 
Erfolg, dass sein Vorgang nicht zur Nachfolge reizen konnte, selbst 
wenn Reuter sein poesieloses Buch gelesen hätte. Nur von einem 
plattdeutschen Werke lässt sich nachweisen, dass Reuter es vor 
1852 gekannt hat. Es sind Bornemanns plattdeutsche Gedichte. 
Sie waren vor 1853, wo die Läuschen un Rimels erschienen, in fünf 
Auflagen verbreitet, deren letzte v. J. 1842 ist. Manche Gedichte 
Bornemanns waren in Anthologien abgedruckt. Ihre Volkstümlichkeit 
war so gross, dass ein und das andere Gedicht an mehr als einem 
Orte sich durch den Volksmund verbreitet hat.^) Wenn der Dichter 
auch nicht zu den Grössen im deutschen Dichterwalde zählte, so 
wurde sein Name doch mit Achtung und stets dann genannt, wenn 
man vor Groths und Reuters Zeiten darauf hinwies, dass es auch 
Gedichte in plattdeutscher Mundart gebe. Seine altmärkische 
Mundart stand der mecklenburgischen nahe. Die Gedichte selbst 
scheinen sich durch Vorführung ländlich beschränkter oder bauern- 
schlauer Dörfler oder Kleinbürger und durch ihre humoristische Art 
deutlich als Vorgänger der Läuschen Reuters zu bekunden. Wenn 
man die Annahme wagen dürfte, dass Reuter Bornemanns Gedichte 
erst während seiner Treptower Zeit kennen gelernt hätte, so würde 
in der Tat ernstlich erwogen werden müssen, ob nicht die Bekannt- 
schaft mit Bornemanns Gedichten in Reuter den Entschluss geweckt 
habe, sich als plattdeutscher Schriftsteller zu versuchen. 

Es ist gut, dass ein Brief Reuters vom 27. Dezember 1868 die 
erwünschte Gewissheit giebt, wann Reuter seines Vorgängers Werk 
kennen gelernt hat. Er dankt in dem Briefe dem Sohne Borne- 
in anns für die Übersendung einer neu erschienenen Auflage der 
Gedichte des Vaters, teilt mit, dass er schon eine von Hosemann 



>) Vgl. Ndd. Jahrbuch 26, 113 ff. Ndd. Korresp.-Blatt 21 S. 71. Ich kann 
jetzt hmzuHigen, dass das Gedicht *In unsen Goren' auch in der Uckermarck 
(als Kmderlied) bekannt ist. 



48 

illustrierte Ausgabe (also die 5. Aufl. v. J. 1842) besitze und fährt 
dann fort:^) 

Als ich 1824 auf die Schale nach Friedland in Meckleuhnrg kam, 
fiel mir bei einem Pommer die erste, wie damals gebränchlich, anf Lösch- 
papier gedruckte Ausgabe der Gedichte in die Hände. Mit welcher Freude, 
mit welcher jugendlichen Heiterkeit habe ich das Buch gelesen! es war das 
erste plattdeutsche Buch, welches mir zu Gesicht kam. Natürlich war die 
Folge, dass ich bei einer so grossen Anregung den lebhaften Wnnsch 
empfand, auch plattdeutsche Gedichte in die Welt zu setzen. Eine weitere 
Folge war denn nun auch, dass ich mit einer Menge von unreifen Produkten 
dieser Art zu Raum kam, die mir indessen selbst bei meinen Mitschülern 
keine Lorbeeren eingetragen haben. Sie sehen hieraus, dass ich die erste 
Anregung zur plattdeutschen Schriftstellerei von Ihrem seligen 
Vater empfangen, denn Voss, Ahrendt nnd der Rostocker Babst sind mir 
erst viel später zugänglich geworden. 

Reuter sagt also, dass er bereits als Schüler in Friedland, 
also in den Jahren 1824 — 27, Bornemanns Gedichte kennen nnd 
durch sie die erste Anregung zur plattdeutschen Schriftstellerei er- 
halten habe. Er verwendet hierbei den Ausdruck Schriftstellerei in 
scherzhafter, ironischer Weise, die nicht missverstanden werden kann, 
denn er hatte vorher schon gesagt, dass es sich um Schülerversuche 
handelte. Kannte er aber Bornemanns Gedichte schon seit so langen 
Jahren, so schwindet die Wahrscheinlichkeit, dass er durch sie in 
späteren Jahren plötzlich den Anstoss erhalten habe, ein plattdeutsches 
Werk drucken zu lassen. Denn dass der Entschluss dazu plötzlich 
entstanden und schnell ausgeführt ist, wird sich später ergeben. 

Die Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit, dass dieser Entschluss 
durch das Erscheinen des Quickborns hervorgerufen wurde, ist bei 
dem gänzlichen Mangel anderer Beweismöglichkeiten, durch die Mög- 
lichkeit des Nachweises bedingt, dass das Erscheinen des Quickborns 
und Reuters Entschluss zeitlich zusammenfielen. 

Dieser Nachweis lässt sich mit soviel Sicherheit führen, als man 
nach Lage der Umstände verlangen kann. 

Groths Vorrede zu seinem Quickborn ist vom April 1852, 
erschienen ist der Quickborn aber erst im Anfang November desselben 
Jahres.^) Für die Zeit des Erscheinens war olTenbar der Wunsch 
des Hamburger Verlegers bestimmend, dass das Buch noch rechtzeitig 
genug bei den Sortimentern einträfe, um als Weihnachtsgeschenk 
reichlicheren Absatz zu finden. Die Aufmerksamkeit litterarischer 
Kreise und somit der Zeitschriften war ihm vorweg dadurch gesichert, 
dass sein Verfasser eine Anzahl Bogen des Quickborns der ersten 
Auctorität jener Zeit, dem bekannten Litteraturhistoriker Gervinus, 
vorgelegt, ein ausnehmend günstiges Urteil von ihm erhalten und 
dieses noch vor dem Erscheinen des Quickborns durch Abschriften 



») Gaedortz 3, 178. 

*) Lebenserinnenmgen von Klaus Groth (Hrsg. von E. Wolff) 1891 S. 27. 



49 

verbreitet hatte. ^) Die Notwendigkeit einer zweiten Auflage stellte 
sich schon im Januar 1853 heraus. 

Da der Quickbom Anfang November von Hamburg aus über 
Leipzig in die deutschen Städte versandt wurde und noch vor Ende 
November von den Sortimentern vertrieben werden konnte, muss 
Reuter bereits vor Weihnacht 1852 die Möglichkeit gehabt haben, 
ihn zu sehen oder von ihm zu hören, jedenfalls aber von ihm in den 
Zeitungen gelesen haben. 

Welches ist nun die Zeit, in der Reuter sich entschloss. Läuschen 
zu verfassen und als Buch erscheinen zu lassen? 

In den von Wilbrandt mitgeteilten Julklappversen, die Reuter 
am Weihnachtsabend 1852 seinem Freunde Fritz Peters widmete, 
verheisst er diesem die Dedication seines künftigen ersten Werkes. 
Die Verse lauten: 

Mein Freund, ich bin ein armer Schlucker, 

Und meine Schätze liegen in dem Mond; 

Anch hab* ich viele, schOne Güter 

Im Lande, wo die Hoffnung thront. 

Von dorten her bring ich Dir eine Gabe; 

Ich hoffe, dass sie wichtig Dir erscheint, 

Denn sie ist heiter wie die Morgensonne 

Und der Dlr^s bringet, ist Dein Freund. 

Es ist ein köstliches Geschenk, 

Ihr Alle könnt Euch meine Grossmnth merken: 

Es ist die Dedication 

Zum ersten Band von „Renter's Werken' . 

Mit der heiteren Gabe, welche er dem Freunde verspricht, 
müssen die im November des nächsten Jahres erschienenen und 
'seinem besten Freunde Fritz Peters^ gewidmeten Läuschen un Rimels 
gemeint sein. 

Es fällt also die Zeit, in welcher Reuter von dem Erscheinen 
und dem Erfolge von Groths Quickborn die erste Kenntnis erhalten 
hat, genau mit der Zeit zusammen, in welcher sein Entschluss, 
Läuschen herauszugeben, zuerst gefasst sein muss. Denn dass es 
sich nicht um einen älteren Entschluss, den er nur erst so spät 
aussprach, handeln kann, wird man deshalb annehmen müssen, weil 
die Läuschen nicht allmählich, sondern schnell hintereinander von 
Reuter gedichtet sind. Wir wissen das aus den Mitteilungen, die 
seine Witwe in Eisenach dem Freunde Reuters, dem Schriftsteller 
Friedrich Friedrich gemacht und die dieser in der Gartenlaube 
noch im Todesjahre Reuters veröffentlicht hat. Täglich oder fast 
taglich abends sass der Dichter am Schreibtische, um sie nieder- 
zaschreiben. 



^) Siercks, Klans Grotb. Kiel 1899 S. 116 u. 117 nota. 

Niederdcntoehes Jahrbuch XXIX. 



50 

Da also dem Erscheinen des Quickborns der Entschluss Reuters 
sofort und lolötzlich folgte, so wird dieses genaue zeitliche Zusammen- 
treffen wohl den Glauben aufzwingen müssen, dass Reuters Entschluss 
seine Entstehung der Anregung verdankt, welche ihm der Erfolg des 
älteren Werkes bot. Es liegt aber auch noch eine zweite Tatsache 
vor, welche zum Belege dienen kann, dass Reuter Groths Vorgang 
zu folgen nicht verschmäht hat. Groth hatte, wie bereits oben be- 
merkt ist, Druckbogen des Quickborns vor seinem Erscheinen an 
Gervinus gesandt und von diesem eine den Erfolg des Werkes 
fördernde Antwort erhalten. Reuter tat ihm das nach, auch er Hess 
Ende August 1853 die bis dahin fertigen Bogen durch die Druckerei 
an Gervinus senden und bat diesen gleichzeitig in einem am 28. August 
1853 geschriebenen Briefe,^) ihm einige empfehlende Worte zur Ein- 
führung seines Werkes in das Publikum senden zu wollen, damit er 
dieselben seiner Vorrede voran drucken lasse. Es lässt sich verstehen, 
dass Gervinus den Brief Reuters gar nicht beantwortet hat. 

Der Quickborn hat den Entschluss Reuters, ein plattdeutsches 
Buch herauszugeben, zwar geweckt, aber Groths Verdienst um diese 
Anregung ist ein so geringes, ein so äusserliches, als nur irgend 
möglich. Dieser Anstoss hätte erlolgen können, ohne dass Reuter 
den Quickborn selbst schon gelesen hatte. Quickbom und Läuschen 
sind so grundverschiedener Art, die Läuschen so ohne jede Spur 
irgend einer Nachahmung des Quickborns, dass von einer Einwirkung 
des Werkes selbst auf Reuter nicht die Rede sein kann. Einzig sein 
Erscheinen und sein schneller Erfolg waren es, was Reuters Entschluss 
wach gerufen hat. Es kam ihm plötzlich zum Bewusstsein, dass 
plattdeutsche Gedichte Erfolg haben können, und darauf hin ent- 
schloss er sich, selbst solche herauszugeben, hatte er sich doch schon 
seit seiner Verheiratung mit dem Gedanken getragen, zur Ver- 
besserung seiner ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse durch die 
Abfassung irgend eines Buches Geld zu verdienen.*) 

Er wusste aus der Erfahrung, die er bei der Niederschrift 
seiner Polterabendgedichte ^) gemacht hatte, dass er mit Leichtigkeit 
plattdeutsch schrieb und reimte. Er hatte sich stets als wirkungs- 
voller Erzähler erwiesen, wenn es galt, eine Gesellschaft durch kurz- 
weilige Erzählungen zum Lachen zu bringen. Was lag näher, als 
der Gedanke, solche Erzählungen zu reimen? Er musste sich er- 
innern, dass Bornemanns Gedichte, gleichfalls meist Läuschen, in 
mehreren Auflagen erschienen waren. Das bewies, dass auch diese 
Dichtungsgattung ihren Erfolg haben kann, und er durfte hoffen, 
einen grösseren als Bornemann zu erringen, denn diesem wusste er 
sich, was die Gestaltung und wirkungsvolle Zuspitzung der Erzählung 



n Gädertz 2, 131. 



, Gartenlaube 1874. Vgl. auch Gädertz 1, 84. 

^) Vielleicht auch einzelner Läuschen, denn L. I, 54 *Dei Gedankeusund' 
ist bereits 1847 gedruckt. 



51 

betraf, weit überlegen. An den Versuch, Groths Lyrik nachahmen 
zu wollen, hat Reuter wohl nie gedacht. Nicht einmal das Mass 
der von ihm damals erreichten Versgewandtheit langte zu der for- 
malen Strenge, welche die Lyrik verlangt. Zumal, da er nicht viel 
Zeit zur Durchfeilung hatte, denn in einem Jahre sollte sein Buch 
geschrieben und gednickt sein. Wie seine Witwe später mitteilte, 
hat er ^fast allabendlich, nach Beendigung von sechs bis sieben 
Privatstunden, von acht bis zehn Uhr*' daran gearbeitet.*) 

Reuter hat, als er seine Arbeit an den Läuschen begann, 
manchen Stoff aus der eigenen Erinnerung schöpfen können, sehr 
bald hat er aber darauf aussein müssen, Erzählungsstoffe erst zu 
suchen. In Bezug auf diese sagt ein Zeitgenosse und Landsmann 
Reuters, der Neubrandenburger Senator Brückner, in seiner Ge- 
dächtnisrede bei Reuters Tode : *Was er uns bot, wir kannten ja das 
alles schon. Ehe er uns diese Läuschen un Rimels erzählte, hatten 
wir an diesen harmlos drolligen Geschichten uns schon manches mal 
ergötzt'.^) Und man teilt wohl vielfach die Ansicht, dass Reuters 
Quelle das eigene Leben und der Volksmund gewesen sei, dass seine 
Läuschen wiedergeben, was in Mecklenburg an heiteren Geschichten 
in Umlauf war. 

Die Sache verhält sich doch zumteil anders, sowohl für den 
ersten Band wie für die 1859 erschienene neue Folge der Läuschen. 
Freilich wird erzählt, dass er, an dem ersten Bande arbeitend, damals 
in irgend einer Gesellschaft in Treptow oder bei seinem Freunde 
Peters in Thalberg fragte: „Kinder, weiss nicht Einer von Euch eine 
niedliehe Geschichte mit einer Pointe?^ Das nächste mal, wenn 
man wieder zusammenkam, hatte er sie gereimt.^) Auch hat die 
Reuterforschung, besonders Gustav Raatz in seinem grundlegenden 
Buche 'Wahrheit und Dichtung in Fritz Reuters Werken', weniger 
seine sonst reiche Nachlese haltenden Nachfolger Römer und 
Gädertz, letzterer nur ganz vereinzelt, auf Vorkommnisse in 
mecklenburgischen und pommerschen Orten hinweisen können, welche 
einzelnen Läuschen zu Grunde liegen. Es ist aber unbeachtet ge- 
blieben, dass Reuter oft auch zu litterarischen Quellen gegriffen 
hat.*) Die nachfolgenden Nachweise werden hierfür Belege bieten, 
und es ist wohl anzunehmen, dass die nachgewiesenen litterarischen 
Quellen nicht die einzigen sind, aus welchen Reuter geschöpft hat, 
sondern dass durch spätere Nachforschungen ihre Zahl vermehrt 
werden wird. Es ist nur auf den ersten Blick auffallend, dass unter 



>) Gartenlaube 1874 S. 661. 

') Andenken an Fritz Reuters Begräbnissfeier. Wismar 1874 S. 8. 

») Gädertz 1, 34. 

«) Walt her bat im Ndd. Eorr.-Blatte 19 S. 58 die englische Quelle üir 
lüascben I, 18 (De Wedd) nachgewiesen, Sprenger ebd. 16, 89 u. ö. auf Stoff- 
parallelen aufmerksam gemacht, A. Homer in seiner Schrift 'Reuters Unter- 
htUnngsblatt' die in demselben begegnenden Quellen späterer Läuschen zum 
Abdruck gebracht. 

4* 



52 

seinen Quellen sich die weit verbreiteten Münchner ^Fliegenden 
Blätter*' finden. Bei der Kürze der Zeit, in welcher Keuter sein 
Buch fertig haben wollte, und bei der Dürftigkeit der Hilfsmittel, 
welche sein Wohnsitz Treptow bot, war er genötigt zuzugreifen, 
wo er einen Stoff fand. Und gerade die Erwägung dieser Umstände 
war es, nicht der Zufall, der mich zunächst im Jahrgang 1852 der 
Fliegenden Blätter nach Quellen Reuters suchen Hess. Das glückliche 
Ergebnis eines Fundes führte dann zu weiterer Suche, allerdings auch 
zu dem Ergebnis, dass Reuter nicht immer der Nehmende war, um- 
gekehrt ist auch manches Stück des Münchener Blattes aus Reuters 
Läuschen entlehnt. 

Ich stelle zunächst zusammen, was mir die Durchsicht der 
Fliegenden Blätter eingetragen hat. Die Vergleichung der Texte 
und der Läuschen lehrt nicht allein, was Reuter entlehnt, sondern 
auch wie er verstanden hat, das Entlehnte zu gestalten. 

Fliegende Blatter Nr. 203 (1849). Bd. 9 S. 87, findet sich das nach- 
folgende Zwiegespräch, welches die Quelle von Reuters Läuschen 
I, 17 (Wo büst Du 'rinner kamen?) ist. 

Wie ist das zngregangeii? 

Matthies. »Ssü Hinricfa, büst her reden ?" 

Hinrich. „Ne ." 

Matthies. „Bttst her föhrt — ?" 

Hinrich. „Ne ." 

Matthies. «Büst denn her gähn?" — 

Hinrich. «Ne ." 

Matthies. „Wosukken büst denn na Rahlstedt kamen?" — 

Hinrich. „Ick häw mien witbunte Koh herleiet." 

Dieselben Nr. 321 (1851). Bd. 14 S. 65—67. Quelle für Läuschen 
I, 4 (De Pirdhandel). 

I>er Pf erdekanf • 
Eine ebenso tragische als wahre Geschichte ans dem Holsteinischen. 
Ein Pastor auf einem Dorfe hatte zwei Wagenpferde, von denen das 
Eine noch einigermassen gut in Stand, das Andere dagegen, eine Blässe, 
sehr kummervoll seines Daseins Ode Tage dahinlebte. In Veranlassnng 
dieser Blässe trat eines Nachmittags im Monat April, acht Tage vor dem 
Markte des nahen Städchens, Hinrich, der Grossknecht und Kutscher zu 
dem Pfarrherrn, als dieser gerade die Bunde durch sein Landwesen machte, 
und mit einem Blicke ä la „dies Alles ist mir unterthänig, und das ist 
doch bei Gott! nicht wenig*" — Alles, von dem Huhn, das auf der Tenne 
sich sein Korn suchte bis zu der Taube, die oben auf dem äussersten Haus- 
giebel sich sonnte, prüfte, lobte oder verbesserte. Hinrich stellte dem Herrn 
vor, dass „der Bläss' nothwendig verkauft werden müsse, denn erstens sei 
er nicht mehr zu 'gebrauchen, zweitens ärgere man sich zusehends an dem 
Thiere todt, drittens sei in 8 Tagen der grosse Markt in der Stadt. Diese 
Gründe, die Hinrich nach den besten Regeln der Rhetorik breit auszuspinnen 
wusste und durch Veränderung der Reihenfolge in neue Gründe umwandelte 



53 

(s. B. erstens sei der Markt in Aussicht, zweitens ärgere man sich und 
drittens sei der Bläss nicht mehr zu gebrauchen), deren jeder gewichtig 
genug war, um einen viel schwierigeren Mann, als der Pastor war, zu 
überzeugen — yerfehiten ihre Wirkung nicht. Der Biesenentschluss ward 
gefasst, den , Bläss" am nächsten Montag zu verkaufen. Schon am Sonn- 
abend vor dem Markttage hatte der Bläss Ferien. Er brauchte nicht zu 
arbeiten und konnte soviel Hafer fressen, als er Lust hatte; er machte es 
also gerade umgekehrt so wie gewisse Leute, welche vor einer grossen 
Mittagsgesellschaft acht Tage lang schon hungern, um sich Appetit zu 
verschaffen. Und nun gar am Montag Morgen — wie wurde der Bläss 
da herausgeputzt, gestriegelt, gekämmt, Mähnen und Schweif beschnitten, 
das Huf haar rasirt, dann rosenfarbiges Band in die Mähne geflochten, und 
das allerblankste Geschirr aufgelegt! Als endlich beide Pferde vor den 
ebenso schön herausstafiirten Wagen gespannt waren, fuhr der Schöpfer 
dieser Herrlichkeit in seinen Sonntagsstaat, den langen blauen Bock mit 
gelben Knöpfen und den Hut mit der schwarzen Kokarde dran, stieg auf 
seinen Thron, den Kutscherbock, und fuhr vor, um den Pfarrherrn abzuholen. 
Als sie mit Peitschenknall davonfuhren, standen die Töchter des Pastors an 
der Gartenpforte und sahen wehmüthig dem alten, treuen „Bläss'' nach, der, 
wie ein Opferstier geschmückt zur Schlachtbank geführt wird, so im Schmuck 
seiner Bänder trübaussehend hintrabte, und selbst Hinrich — er war kein 
gewöhnlicher Kutscher, er war der Freund, der väterliche Freund seiner 
Pferde — Hinrich zerdrückte eine Thräne in seinem Auge. Das Fuhrwerk 
erreichte das Städtchen und der Schwarze wurde in den Stall gezogen zur 
, blauen Henne'', der Bläss aber wurde ausgeschirrt, noch einmal gefüttert, 
geputzt und gemustert und dann auf den Bossmarkt geführt. Nach längerem 
Suchen, Handeln und Feilschen fand sich ein Bosskamm, der den Bläss für 
fünfzehn Thaler erstand. Der Pastor, nicht gerade über den Preis, aber 
doch überhaupt über den Verkauf des Pferdes froh, ging ins Wirthshaus 
zur , blauen Henne" zurück und pflegte sein sterbliches Theil, um nach 
Tisch auf den Markt zurückzukehren und einen neuen Bappen zu kaufen. 
— Hinrich pflegte sich zur selben Zeit nicht weniger, und das gute Bier 
that bei ihm dieselbe gemüthlich erheiternde Wirkung, wie bei seinem 
Herrn der gute Moselwein. So gingen Herr und Knecht nach Tisch in der 
leutseligsten Stimmung von der Welt auf den Pferdemarkt zurück. Nicht 
lange dauerte es, jbo bot sich eine günstige Gelegenheit zum Handel. Ein 
Bosskamm führte einen recht gut aussehenden Bappen vor. Er war ungefähr 
von der Statur des seligen Bläss, nur war er ganz schlicht dunkelbraun, 
ohne Blässe und Abzeichen und hatte einen aufgestutzten englisirten Schweif. 
Der Handel ging gut von Statten, in fünf Minuten war man einig und für 
fünfundzwanzig Thaler ward das Thier dem Pastor zugeschlagen. Froh 
über den guten Handel gingen die Beiden wieder zur „blauen Henne" und 
fuhren dann nach dem Dorfe zurück. — Unterwegs nun hätte das Gesicht 
des Kutschers Hinrich für den Pbysiognomen ein höchst ergiebiges Feld 
geboten, denn die Züge desselben machten alle Stadien von den Anfängen 
einer leisen Besorgnis, bis zu der vollkommensten Gewissheit eines schauder- 
erregenden Factum's durch. Und was war es, was die Seele Hinrichs so 
in Aufruhr brachte, was dieses sonst so spiegelglatte Wässerchen in jähe 
Finten zerbersten und aufbrausen machte? was war dies für ein navinn 
aUjue inandüum crimen? Ach! man höre; nachdem man sich auf Alles 
gefasst gemacht haben wird, werde ich es guttatbn mittheilen. Kaum war 
man aus dem Städtchen auf die Landstrasse gelangt und sollte das erste 



54 

Wirthshaus passiren, wo Hiurich, wenn er allein fahr oder ritt, gewöhnlich 
einkehrte, so wollte der neue Ganl durchaus abbiegen auf den Hof des 
Wirthshanses hinauf. „I!'' dachte Hinrich j.dat is ja en klokes Peerd — '^ 
Und als man an das Wirthshaus „zum ländlichen Verein '^ kam, stand das 
neu erstandene Pferd gar still und ging nur nach einigen Andeutungen 
mit der Peitsche weiter. Auch hier pflegte Hinrich einzukehren. „I,*^ 
dachte er, j,dat Peerd ist meist so klook as de ole Blftss.^ Und als sie zu 
dem einsamen Meierhof, der an der Strasse liegt, kamen, wo ein Milch- 
mädchen war, das Hinrich recht gut kannte, stand das kluge Thier wieder 
still. ,1,'' dachte Hinrich, „ganz as de Bläss^. Aber als nun die Stelle 
kam, wo der Weg von der Strasse abbiegt ins Dorf, da lenkte das neu- 
gekaufte Pferd nicht nur Ton selbst ein, sondern trabte auch vergnügter 
und rascher dahin, als hätte es eine Ahnung davon, dass man bald zu 
Hause sei. Na — " dachte Hinrich und schüttelte den gedankenschweren 
Kopf. Endlich kam man auf den Hof des Pastorats. Die Töchter standen 
wieder an der Pforte, um das schöne Thier zu bewundern. ,Ach! was für 
eine Haltung,' rief die Eine. „Ach! was für ein schöner Schweif* rief 
die Zweite. „Ach, was für ein Oaug!'' rief die Dritte. — Aber Hinrich 
sagte kein Wort und der Pastor auch nicht. Und als nun die Pferde 
ausgeschirrt waren, lief das neue Pferd mit dem schönen Gang, Schweif 
und der wunderschönen Haltung sogleich in den Stall an die Krippe des 
alten verkauften Bläss. In diesem Augenblick dachte Hinrich — gar nichts, 
sondern stand versteinert da. Der Pastor aber zog das Pferd wieder auf 
den Hof hinaus und musterte es von oben bis nuten. Da plötzlich sprang 
Hinrich auf den Gaul zu und rieb mit der Hand ihn vor der Stirue — 
ach! die Hand wurde ganz schwarz gefärbt. Es war kein Zweifel mehr, 
man hatte denselben alten Bläss verkauft und wieder gekauft und zwar 
mit Avance von 10 Thalem. Ob durch Malice des Hosskamms, der aus 
dem Blässen mittelst Kienruss einen schlichten Rappen fabricirte und durch 
Stutzen des Schweifes das Thier noch unkenntlicher machte, oder durch 
Tücke des Schicksals allein, das den Pastor nicht des alten treuen Blässen 
berauben lassen wollte — wissen wir nicht zu entscheiden. Ebensowenig 
ist es uns zu Ohren gekommen, ob der Pastor später abermals Versuche 
gemacht habe im Pferdehaudel, oder durch dies eine Beispiel gewarnt 
wurde ! 

Dieselben Nr. 327 (1851). Bd. 14 S. 118. Quelle für Läuseben I, 44 
(Tru un Glowen). 

Ein meeklenborgisches Verhör. 

Amtmann. „Du warst also gestern im Krug, Jochen (Johann) V" 

Bauer. „Jo, Harr Amtmann.' 

Amtmann. «Und da haben sie auf mich geschimpft und mich einen Esel 

genannt?" 
Bauer. „Jo, Harr Amtmann, dat hebbens dahn.*' 

Amtmann. «Und auf die anderen Beamten haben sie auch geschimpft 

und sie Esels genannt P*' 
Bauer. gJo, Harr Amtmann, dat hebbens dahn.'' 

Amtmann. „Jochen, gestehe es, was haben sie weiter gesagt?" 
Bauer. „Je, se sähren (sagten), se wullen mi dat schriftlich gäben." 

Amtmann. »Und das hast Du doch angenommen?" 
Bauer. „Ne, Harr Amtmann, ick hefft se dat so to glövt (geglaubt)." 



55 

Dieselben Nr. 344 (1852). Bd. 15 S. 344. Zur Vergleichung mit 
der weiter unten S. 57 abgedruckten Anecdote aus dem Mecklen- 
burgischen Volksbuche. 

Mir oder mich. 

Doktor. , Wissen Sie auch mein lieber Mann, dass Sie manchmal sehr 
unrichtig deutsch sprechen?^ 

Arbeiter. Jck?" 

Doktor. „Jawohl, Sie sagen immer mich statt mir!" 

Arbeiter. „So ick will Se mal wat seggen, Herr Doktor: 

Wenn ick an Israel Hirsch schrief und seg: schicken Se 
mich fünfzig Dahler, denn krieg ick se; wenn Se aber 
schriefen, schicken Se mir ftlnf Dahler, denn kriegen Se 
se nich!'' — 

Dieselben Nr. 348 (1852). Bd. 15 S. 89 f. Zur Vergleichung mit 
Läuschen I, 29 (De Tigerjagd) sei hier die Inhaltsangabe einer 
Erzählung eingerückt, die freilich nicht die eigentliche Quelle ist. 

In der Geschichte 'Was meinem Vetter Christian begegnet ist' wird 
erzählt, dass dieser sich auf einer Hochzeit zu gütlich getan hatte, berauscht 
von losen Gesellen ins Freie getragen und am Abhänge eines Berges in ein 
Fas^s gepackt wurde, dessen Deckel man darauf zuschlug. Als er am 
andern Morgen nttcbtem und erwacht war, wurde er gewahr, dass auf 
Kanb ausgehende Wölfe ihn gewittert hatten und mit der Schnauze in die 
Öffnung des Fasses einzndringen yersuchten. Als er in Todesangst da lag, 
wollte es der Zufall, dass einer der Wölfe die Spitze seines Schweifes in 
(las Spundloch brachte. Vetter Christian nicht faul, ergreift diese alsogleich, 
nnd der Wolf, der sich gefangen sah, rannte kopfüber den jähen Abhang 
hinunter, immerzu, bis das Fass an einem grossen Steine mit so ungeheuren 
Gekrach zerschellte, dass die Wölfe erschrocken das Weite suchten. 

Dieselben Nr. 355 (Mai 1852. Bd. 15 S. 151 f. Quelle für Läuschen 
I, 46 (Wat Einer hett, dat hett 'e). 

Wunderbare Rettung. 

Bei der grossen Überschwemmung Tom vorigen Jahre wnsste ein 
armer Hase sich nicht anders vor den tobenden Flnthen zu retten, als dass 
er sich auf einen alten Weidenbaum flüchtete, und hier wartete er ruhig, 
was weiter kommen würde, denn er dachte bei sich: , Unser Herrgott ver- 
lässt keinen Deutschen nicht." Weil nun eine Überschwemmung immer 
eine Menge Neugierige an die Ufer ruft, so kamen auch die Bauern der 
Umgegend heran, um den ausgetretenen Strom und die Gegenstände, die 
auf ihm heruntergeschwommen kamen, in Augenschein zu nehmen. Unter 
denselben war auch ein ganz Gescheidter, welcher alsbald den Hasen auf 
dem Baume bemerkte. 

,Wart* Has, dich krieg ich!'' spricht er bei sich selbst, nimmt sofort 
einen Kahn und rudert aus Leibeskräften auf die Weide los, die er auch 
bald erreicht, und ohne den Kahn weiters zu befestigen, besteigt und mit 
beiden Händen nach dem Hasen langt. Wie der den Bauern so nah sieht, 
wagt er in der höchsten Todesangst einen kühnen Sprung in den Kahn, 



56 

durch die Bewegung des Sprunges kommt dieser in eine schaukelnde Be- 
wegung und treibt lustig mit dem Hasen stromabwärts, der ihm aus der 
Ferne mit gerührtem Herzen sein ,,bhüt di Gott Bauer !' zuruft! Der 
Bauer aber musste auf seinem Baume sitzen bleiben und sitzt noch da, 
wenn unter der Zeit das Wasser nicht verlaufen ist. 

Dieselben Nr. 356 (1852). Bd. 15 S. 159. Quelle für Läuschen II, 
21 (Dat smeckt dor äwerst ok nah!). 

HlnterpommerBehe Geschiehte* 

Der Schnitze. »Dag, Herr Pastor! schmeckt em' Freeten?'' 

Pastor. , Leidlich, Schnitze, will Er mit frühstücken?'' 

Schnitze. „Wenn et möt sind.'' (Er haut tapfer ein.) 

Pastor. „Seh — Seh — Schnitze!" 

Schnitze, (kauend) „Hm?" 

Pastor. Schnitze! der Käse ist aus Holland, Schnitze!" 

Schnitze, (kauend) „Dünner Luchting! kiek moal! ut Holland!" (isst). 

Pastor. „Hm! — Schnitze! Hör Er mal •— Schnitze!" — 

Schnitze. „Hm?" 

Pastor. „Der Käse — Schnitze — der Käse kostet einen Thaler!" 

Schnitze. „DafOr eet ick em uck (auch), Herr Pastor!" 

Pastor. „Schnitze aber — Er kann sich darauf verlassen, er niuss 

sterben, wenn er den ganzen Käse auf ein Mal isst!" 
Schnitze. „Schock Scbwerenoth! es is man good, dat Se ipi dat seggeu, 

Herr Pastor! Da werr ick mi dat Annerte (Andere) 

eewickele, da bring ick dat meine Frnu. Atjees, Herr 

Pastor! — 

Dieselben Nr. 391 (1853). Bd. 17 S. 56. Quelle für Läuschen II, 18 
(De beiden Baden). 

Die beiden Reitknechte. 

Gutsherr. „Wenn Du Dein Pferd geputzt hast, musst Du nach dem 
Doktor reiten." 

Knecht. „Ja, Herr." (Der Knecht putzt sich und sein Pferd ordentlich 
heraus, und reitet dann in einem guten Trab nach der 
SUdt). 

Arzt. „Hast Du denn keinen Brief von Deinem Herrn mitgebracht ?'' 

Knecht. »Nein; mein Herr sagte mir weiter nichts, als ich sollte zu 
Ihnen reiten." (Der Arzt erkundigt sich nun sehr an- 
gelegentlich, ob vielleicht eins der Kinder des Herrn krank 
sei, u. dgl. Da er aber aus dem Burschen nichts heraus- 
bringen kann, schreibt er einen Brief an den Outsherrn, 
mit dem er den Knecht entlässt. Vor der Stadt trifft 
dieser nun einen andern Reitknecht seines Herrn und 
fragt diesen, was er in der Stadt wolle.) 

Zweiter Reitknecht. „Ich £oll dem Doktor den Brief bringen, den der 
Herr eigentlich Dir mitgeben wollte." 

Erster Reitknecht. „Einen Brief? Dann komme nur wieder mit zurück, 
(/ollege; ich habe die Antwort schon in der Tasche." 
(Darauf reiten alle Beide wieder nach Hause.) 



57 

DieselbeH Nr. 639 (1857). Bd. 27 S. 103. Quelle für Läuschen II, 7 
(En Missverständniss.) 

Das MissTerstiUidiiiss. 

Der Gandidat Pötermann hatte die Tiiigittckiiche Hanie, Verse zu 
machen, die er für sehr gelungen hielt. Als er eines Abends bei dem 
Senator nnd Eanfmann Müller in zahlreicher Gesellschaft beim Sonper war, 
überkam ihn plötzlich ein Impromptu, das er sogleich za Papier bringen 
nnd mit dem er die Gesellschaft überraschen wollte. Er steht Ton der 
Tafel anf, begibt sich auf den Vorsaal, wohin ihm, ein Unwohlsein ahnend 
nnd theibiehmend nach seinem Befinden fragend, die Tochter des Hauses 
folgte. „Ein Licht nnd ein Stück Papier erbitte ich von Ihrer Hand!*' 
lispelte Pötermann, aber wie ans der Pistole geschossen verschwand ohne 
Antwort das Fr&nlein in's Tafelzimmer, ans welchem indessen bald darauf 
ein Bedienter heranstrat mit der Bitte, ihm zu folgen. Pötermann folgte 
ihm schweigend nnd seine Verse recitirend, einen Gang entlang, an dessen 
Ende ihm der Bediente ein Gemach mit den Worten: gHier finden Sie 
Alles, mein Herrl*' anwies nnd sich entfernte. In diesem Musensitze erst 
fielen dem Dichter die Schnppen zwar von den Augen, aber ach! auch sein 
Impromptu war rettungslos aus seinem Hirn verschwunden. (Ein dem Ge- 
schichtchen beigefügter Holzschnitt lässt über die Art des Gemaches keinen 
Zweifel obwalten.) 

.Heeklenbnrgisehes Volksbuch für das Jahr 1846. Zweite vermehrte 
Auflage. Hamburg, Hoffmann und Lampe 1846. (Herausgegeben 
von W. Raabe). Reuter hat als anonymer Mitarbeiter in diesem 
Volksbuche S. 136 — 154 ;,Die Feier des Geburtstages der 
regierenden Frau Gräfin, wie sie am 29. und 30. Mai in der 
Begiiterung vor sich ging. Erster Tag** erscheinen lassen. Auf 
S. 233 findet sich die Quelle für Läuschen II, 23 (Dat Best). 

BanemregeL 

Der Landdrost von X., erster Beamter zn Z , hatte von der gruss- 
herzoglichen Kammer den Auftrag bekommen, bei gewissen Zahlungen, 
welche die Bauern an das Amt zn leisten hatten, anf gütlichem Wege 
eine andere Zahlungsart einzufühlen. Der Herr Landdrost haranguirte unu 
seine Bauern und setzte ihnen klar nnd bündig auseinander, dass sie bei 
der neuen Zahlungsart nur gewinnen könnten. Die Bauern Hessen sich 
auch auf eine Widerlegung seiner schOnen Gründe gar nicht ein, sondern 
wiederholten nur immer ihre Bitte, dass man es doch lieber beim Alten 
belassen möge. Da sagte der erschöpfte Landdrost ganz wehmütig: Aber, 
lieben Lente, Ihr wisst ja doch, dass das Amt nur Euer Bestes will. Acb 
ja, Herr Landdrost, ja; äwe seihn's, wi wnlln uns' bäten Best giern sülbeu 
befaoUen. 

Dasselbe bietet S. 233 die nachfolgende Anecdote, welche von Reuter 
im Läuschen I, 21 (De Schapkur) V. 17 fif. verwertet ist. 

Mir soll der Teufel holen, wenn's nicht wahr ist, — sagte der sehr 
wohlhabende Schustermeister L. in Schwerin zu seinem Jugendgespieleu, 
dem Herrn H. Aber, alter Freund, entgegnete dieser, er holt Euch wahr- 
haftig nicht, wenn Ihr so sprecht, sintemalen der Teufel hoffentlich richtig 



58 

deutsch spricht und Euch also nicht verstehen wird. Ach^ das ist all' ein 
Thun; wenn man man Credit hat, so verstehen Einen alle Leute. Par 
exempie: wenn Sie unserem Rothschild schreiben: Schicken Sie mir mal 
100 Stttck Louis'dor — so schreibt der Jude Sie wieder: Bedauere sehr, 
aber habe augenblicklich nicht so viel in Cassa; und wenn ich denselben 
Augenblick zu ihm gehe und sage: Geben Sie mich mal 100 Pistletten, so 
sagt er: Wollen Sie auch mehr haben, Herr L. — 

Heklenburg. Ein Jahrbucb für alle Stände. Hrsg. von W. Raabe. 
Jahrg. 1847. Hamburg, Hoffmann und Campe 1847, enthält 
S. 171 ff. von Reuter 'Die Feier des Geburtstages etc. Zweiter 
Tag', und bot ihm auf S. 139 den Stoff für Läuschen I, 13 
(De Freister wähl). 

Die HuBi der WahL 
Bei einer Predigerwahl auf dem Lande fragt Jemand einen Bauern: 
«Na, Oahrens, wecken von dei drei Canndaten wfthP Ji denn?'' Der Bauer: 
„Je, MOlla, dat *s 'n schlimm Ding: dei ein Canndat friegt unsen Eddelmaun 
sien Wähsch, dei anne uns' Preistamamsell un dei drttrr, dat 's di 'n Kierl 
as Brar: den har'k föa min Leben giern.*' Müller: ,,Na gaut, wecken sa'ck 
wählen?! Eddelmann sien Wähsch möt'k wählen. 

Unterhaltniigsblatt für beide Mecklenburg und Pommern, redigirt von 
Fritz Reuter. Jahrg. 1855. — Die in demselben enthaltenden 
Anekdoten^) sind von A. Römer in seinem Buche über das 
'Unterhaltungsblatt etc.', Berlin 1897, wieder abgedruckt. Ich 
kann deshalb auf diesen Abruck verweisen. S. 143 findet sich 
die Quelle für Läuschen II, 11 (Wer is kläuker); S. 147 für 
L. II, 54 (Umstän'n verännem de Sak); S. 156 für L. II, 43 
(Wat ut en Scheper warden kann); Einleitung S. L. für L. II, 1 
(De swarten Pocken), Vers 79—87. 

Friedrich Bodenstedt, Tausend und Ein Tag im Orient. (Bd. 1.) 
Berlin 1850. — Aus diesem Buche hat Reuter zwar keinen 
Stoff zu seinen Läuschen geschöpft, aber es sei hier als Quelle 
gewisser bildlicher Ausdrucksweisen nachgewiesen, die mitunter 
bei Reuter begegnen. Mit den Worten in Reuters Vorrede 
4ch sitze, wie der Perser sagt, auf dem Sopha der Geduld und 
rauche die Pfeife der Erwartung' vergleiche man bei Bodenstedt 

S. 69. Die Minuten kamen mir vor wie Tage und die Stunden wie Jahre. 
Ich wälzte mich auf dem Polster der Ungeduld und konnte die 
Zeit nicht erwarten der Entscheidung meines Schicksals. 

S. 110. 9 Wo in aller Welt — rief der Mirza oft begeistert aus, wenn wir, 
die Pfeife der Betrachtung rauchend, auf dem Balkon oder 
dem Dache des Hauses sassen und die frommen Pilgerinnen an uns 
vorüberziehen sahen mit dem Blick des Wohlgefallens — etc. 



') Eine Anzahl der Anekdoten finden sich gleichfalls in den Fliegenden 
Blättern wieder. 



59 

Ferner nehme ich noch Gelegenheit auf die in 'Germaniens 
Vülkerstiinmen, hrsg. von Firmenich, Bd. 3 (1854) S. 62' aufgenommene 
Erzählung 'Von de Bullenwisch' hinzuweisen, deren Inhalt im Wesent- 
lichen derselbe ist wie in Reuters Läuschen I, 5 (De Bullenwisch). 
Die von Firmenich zum Abdrucke gebrachte Erzählung ist in Strelitzer 
Mundart und wahrscheinlich von Daniel Sanders niedergeschrieben. 
Es ist leider nicht zu ermitteln, ob die nach dem Erscheinen des 
ereten Bandes der Läuschen gedruckte Strelitzer Fassung schon vor 
dem Erscheinen der Läuschen an Firmenich gesandt war. Andernfalls 
bleibt die Möglichkeit, dass sie in der Wiedergabe einiger Einzelheiten 
durch Reuters Läuschen beeinflusst ist. Im Grossen und Ganzen 
stammt sie sicher aus derselben Quelle, aus der Reuter für sein 
Läuschen geschöpft hat, nämlich aus dem Volksmunde. Bemerkenswert 
ist, dass die Strelitzer Fassung den Ort nennt, wo die Geschichte 
sieh begeben hat. Es ist Friedland in Mecklenburg-Strelitz, also die 
Stadt, deren gelehrte Schule der junge Reuter besucht hat. Die böse 
Nachrede der Stavenhagener,^) dass der Bürgermeister des Läuschens 
der eigene Vater des Dichters gewesen sei, wird also hinfällig. 

Schliesslich sei auch bemerkt, dass in Firmenichs Werke Bd. 1 
S. 303 in der Mundart von Büren eine Erzählung *Dei verwünskede 
iseP abgedruckt ist, welche einem von Reuter mündlich in Treptow 
erzählten angeblich Rostocker Studentenstreiche ^) entspricht. Irre 
ich nicht, ist mir dieselbe Erzählung irgendwo auch in den Fliegenden 
Blättern begegnet. Jedenfalls ist die Annahme berechtigt, dass der 
erzählte Studentenstreich nicht in Rostock gespielt hat, sondern von 
Reuter mit dichterischer Freiheit lokalisiert ist. 

Da es mir einzig auf den Nachweis der unmittelbaren 
Quellen hier ankam, bin ich blossen Stoffparallelen nicht nachgegangen. 
Auch habe ich die schwierige Frage, ob vielleicht Reuter selbst 
gelegentlich den Fliegenden Blättern Einsendungen gemacht hat, 
ausser Acht lassen können. 

Auf englische Quellen für Reuters Läuschen bin ich nicht ein- 
gegangen, weil eine besondere Untersuchung in Aussicht steht, welche 
darüber handeln wird. 

BERLIN. W. Seelmann. 



*) Olagaii, Reuter. Neue Auflage S. 207. 

^) Abgedruckt bei Römer, Fritz Reuter in seiuem Leben uud Schafifeu (1896) 
S. 36. 



60 



Entstehung 
von Reuters Reis' nah Belligen. 



Durch den glänzenden Erfolg, welchen Klaus Groths Quickborn 
so überraschend schnell errungen hatte, war Fritz Keuter ermutigt 
worden, sein erstes Buch, die Läuschen un Rimels, erscheinen zu 
lassen. Die Aufnahme, welche Reuters Erstlingswerk in seinem Vater- 
laude und in Vorpommern fand, übertraf bei weitem die Erwartung 
des Dichters. Das Ende Oktober 1853 in der starken Auflage von 
1200 Exemplaren erschienene Buch war bereits zu Ende desselben 
Jahres fast vergriffen, so dass 1854 eine neue Auflage gedruckt werden 
konnte. Hatte den Dichter fremder Erfolg zu seinem ersten Werke 
ermutigt, so war es der eigene Erfolg, der ihn zur Herausgabe seines 
zweiten plattdeutschen Werkes trieb. Es war die 1855 erschienene 
'Reis' nah Belligen'. Derselbe packende Humor, von dem die Läuschen 
voll sind, lebt auch in dem neuen Werke, mitunter fast zu burleske 
Scenen gestaltend. Anderseits hat es unläugbare Vorzüge vor den 
Läuschen; der Dichter beginnt zuerst in ihm Seiten seiner Kunst zu 
zeigen, welche die Läuschen nicht ahnen liessen. Er weiss stimmungs- 
volle Bilder des alltäglichen Lebens zu malen und den Regungen 
des ruhigen wie aufwallenden Gemütes zarten Ausdruck zu geben. 
Er zeigt grosse Kunst im Aufbau des Ganzen. Zu den Läuschen 
hatte er den Stoff gehörten oder gelesenen Geschichten entlehnt, in 
der Reis' nah Belligen schöpft er, wie es scheint, aus eigener Er- 
findungskraft. Trotzdem das Werk im Vergleich zu den Läuschen 
einen grossen Fortschritt des dichterischen Könnens bekundet, ent- 
sprach sein Absatz anfänglich nicht den Erwartungen des Dichters. 
Die Tatsache, dass 1858 eine dritte Auflage erschien, darf nicht zum 
Beweise seines buchhändlerischen Erfolges verwertet werden. Eine 
genaue Vergleichung der ersten drei Auflagen von 1855 — 1858 zeigt 
nämlich, dass zwar die Titelblätter neu gedruckt sind, aber nicht die 
Dichtung selbst. Reuters neuer Verleger Hinstorff verfuhr deshalb 
ehrlich, wenn er die erste von ihm 1863 hergestellte Auflage nicht 
als vierte, sondern als zweite bezeichnete. Es waren besonders zwei 
Ursachen, welche den Läuschen zu schnellerer Verbreitung verhalfeu. 
Sie begegneten einem lebhafteren lokalen Interesse durch Vorführung 
mehr oder weniger bekannter mecklenburgischer Typen und durch- 
sichtig maskirter Persönlichkeiten, zweitens waren die Läuschen — 
ein Umstand der sehr ins Gewicht gefallen ist — ausserordentlich 
und weit mehr als die Reis' nah Belligen die Fundgrube wirkungs- 
voller Vorlesestücke. 



61 

Die Läuschen haben durch ihren grossen Erfolg den Dichter 
«M'inuntert, ihnen ein neues plattdeutsches Werk folgen zu lassen. 
Vielleicht ist man auch zu der Annahme berechtigt, dass ihr Erfolg 
ficn Dichter bestimmt hat, das neue Werk gleichfalls zum Füllfass 
»meines übersprudelnden Humors zu machen. Aber man würde irren, 
wenn man glaubt, dass der Plan der Dichtung erst entstanden sei, 
als der Dichter seine Läuschen herausgegeben hatte und eines Stoffes 
zu neuem Werke bedurfte. 

Der Dichter hat nämlich, was bisher unbeachtet geblieben ist, 
schon im Jahrgange 1847^) des von W. Raabe herausgegebenen Jahr- 
buches 'Mecklenburg' S. 140 — 143 in einem anonymen Beitrage den 
(rrundriss zu seiner Dichtung veröffentlicht. Ich lasse den ganzen 
Artikel hier folgen. 

Hans Damni, der klngpe Bauer. 

(Aus einem Briefe.) 

Ein intendirtes plattdeutsches Gedicht, dessen SQjet der Vor- 
schlag einiger Districte des patrotischen Vereins, unsere Banemjuogen nach 
Belgien sn schicken, damit sie die dortige Landwirthschaft kennen lernen, 
kriege ich bei dieser Hitze wohl nicht fertig. Ich bedauere dies selbst, 
denn ich wäre gar su gern diesem merkwürdig unpraktischen, wenn gleich 
gut gemeinten Vorschlage mit etwas Spott entgegengetreten. Indessen unter- 
bleibt dies um der Schwachen willen vielleicht doch besser, denn ich möchte 
selbst in meiner Anonymität nicht dahin missverstanden werden, als sei ich 
ein Gegner dessen, was unser patriotischer Verein durch die Banemversamm- 
lungen und Anderes für die Hebung unserer Bauern thut, indem ich diese 
Wirksamkeit jenes Vereins gerade für seine erspriesslichste und dankens- 
wertheste halte.') Hier einige Bruchstficke des Gedichts, ttber welches ich 
Ihr TJrtheil erbitte: 

Hans Dumm kommt aus der Bauernversammlung zurück, ganz voll 
von all den unerhörten Dingen und belehrt seine Hausgenossen: 



Bi dei Käu sühst du nich miea up dei Melkkuhl, 
Sühst ok nich miea up dat schwarte Mnhl, 
Deist blot von achte inspiciren: 
Ob sei nich deiht 'ne «Leier' zieren. 

Von't Schwien gift 't ok 'ne betere Moralltät, 
(Doch wua sei wäsen, ick nich weit) 
Dei hebben stats twei ihra viea Schinken: 
Ne gaura Oart, will mi bedünken. 



^) Ich benutze das Exemplar der Universit&ts-Bibliothek in Rostock. 

*) Hinsichtlich der Wichtigkeit der Baaernversammlungen ganz Ihrer Meinung 
glauben wir daneben, dass dieselben schon erstarkt genug sind, um Spass ver- 
tragen zu können. Eine Sache, die das nicht kann, sondern auf denselben eine 
krankhafte Reizbarkeit zeigt, ist ohne innern Halt und gesunden Kern. A. d. IL 
[Anmerkung W. Raabes]. 



62 

Dei rügen Schaap nich mia passiren — 

Dei möt wi all den Hais afsclmieren! 

Dei Theerschaap gellen ok nich mia: 

Dei Welt watt npveklieat goa sihr. 

Sei hebben 'ne niege Oart erfunnen, 
Von dei wat goa kein Wnll gewonnen : 
Dei Oart dregt Sihr, ji känt 't mi glöben. 
Doch möt wi Mahlbeeablähr em gäben. 

Nachdem er nun noch tlber den Ackerbau seine Neuigkeiten ansgekranit 
hat, führt er den Distrikts-Director redend ein: 

Ihr Bauern hört! Auf meiner Ehre! — sfir hei. 
Wenn ich an eurer Stelle wäre — sär hei, 
Ich reist' umher die Kreuz und Qneere — sär hei, 
Und suchte Kenntnisse und Lehre — sär hei. 

Was gut dort wäre und was recht — hett hei gesegt, 
Und was den meisten Vorteil brächt — hett hei gesegt. 
Lehrt* ich der Dirne, lehrt's dem Knecht — hett hei gesegt, 
Und daran dächt' ich Tag und Nacht' — hett hei gesegt. 

Unser Hans Dumm wird durch diese kräftige Ansprache ganz für die 
Idee der landwirthschaftiichen Kunstreisen gewonnen und spricht zu seinem 
Aeltsten, den jungen Hans Dumm: 

So hef ich denn bi mi beschlaten: 
Doa ick nich reisen kann, di reisen to laten. 
Du heist woll Dumm, bist äwest klauk 
Un schnacken kannst jo as'n Bank. 

Dieser reist nun mit dem nöthigen Gelde und viel guten Lehren nach 
Berlin, um von da per Eisenbahn, versteht sich, so weit sie fertig ist, nach 
Belgien zu gelangen; da man ihn aber nicht versteht, so wird er mit der 
schlesischen Eisenbahn spedirt, von Gaunern gerupft, hat auch allerlei 
anderweitiges Malheur und kommt endlich mit einem nnheilbareu Misstrauen 
gegen die ganze ausserhalb seines Dorfes liegende Welt zu Vater und 
Mutter zurück. 

Wie man sieht, hat Reuter die der Reis' nah Belligen zu Grunde 
gelegte Irrfahrt der Bauern schon 1847 entworfen gehabt und auch 
das Motiv fest gehalten. Vollständig verändert ist aber die Tendenz. 
Die Reis' nah Belligen ist eine rein humoristische Dichtung. Das 
von ihm 1847 geplante Gedicht wäre ein satirisches geworden, wie 
überhaupt seine vor den Läuschen entstandenen schriftstellerischen 
Versuche, die in seinen Nachgelassenen Schriften abgedruckt sind, 
die Beschreibung des gräflichen Geburtstages wie die Memoiren eines 
Fliegenschimmels, eine satirische Tendenz hervorkehren. 

Reuter scheint zuerst an ein Gedicht kleineren Umfangs, das 
in Raabes Jahrbuch erscheinen könne, gedacht zu haben. Er hat 



63 

dann seine Absicht aufgegeben und hat auch, als er seine Läuschen 
schrieb, wohl nicht geglaubt, dass er denselben Stoff in einer grösseren 
Dichtung später darbieten würde. Es ist dies deshalb zu vermuten, 
weil sein Läuschen I, 38 (Dat Johrmark) dasselbe Motiv, wie in der 
Reis' nah Belligen, zur Entfaltung bringt. Es kann dieses Läuschen 
gewissermassen als zweite Entwicklungsstufe seiner Reis' nah Belligen 
aufgefasst werden. 

Schliesslich möchte ich noch die Vermutung aussprechen, dass 
die anonymen Stücke auf S. 135 — 170 in Raabes Jahrbuch für 1847 
sämtlich Reuter zum Verfasser haben. 

Die Überschriften dieser Stücke sind: Dei Gedankensünd (Läuschen 
I, 54). Das abderisirte Meklenburg. Die Kirchenfrohne (Anekdote). 
Die Qual der Wahl (desgleichen, s. oben S. 58). Hans Dumm, der 
kluge Bauer. Wurst wider Wurst (Anekdote aus Job. Rist's Leben). 
Krakow's Götter (Abdruck eines Epigramms von Rist). Plattdeutsche 
Wiegenlieder (Abdruck von Kindesliedern). Wie Petrus den Heiland 
verleugnet (Anekdote). Drenkhahn und Broihahn (desgleichen). Offener 
Brief an die meklenburgischen Landwirthe (Eine umfangreiche Wider- 
legung des Vorurteils, welches bei vielen Landwirten gegen die 
theoretische und rationelle Landwirtschaftswissenschaft herrschte). 

BERLIN. W. Seelmann. 



Kxeellenz bi Busehen. 

Za Renters Länschen T« Nr. 46. 



In Reuters Läuschen „Wat Einer hett, dat hett 'e*', Vers 
TiCi ff. heisst es 

ik mött kuschen 
Un sitt hir liksterwelt, as Excellenz bi Büschen, 
Sitt wunderschön hir np den Drogen. 

Reuters Worte 'sitten as Excellenz bi Buschen' geben eine alte 
Berliner Redensart^) 'sitzen wie Excellenz bei Bouche' wieder und 
bedeuten 'wie ein Narr dasitzen'. 

Die heute fast vergessene Redensart war im zweiten Viertel 
des vergangenen Jahrhunderts in Geltung. Über ihre Entstehung und 
Bedeutung kann ich die folgende Auskunft veröffentlichen, welche mir 



') Als solche ist sie schon von G. F. Müller, Der Mecklenbarger Volks- 
mund Nr. 169, erkannt. Seine Erklärung, die dem Richtigen nahe kommt, ist aus 
der obigen Ausfuhrung zu berichtigen. 



64 

Herr Professor Paul Ascherson, der bekannte Botaniker an der 
Berliner Universität, nach Mitteilungen gegeben hat, welche er seinem 
längst verstorbenen Vater, dem Berliner Sanitätsrat Ascherson, und 
seinem 82jährigen Freunde Dr. C. Bolle verdankt. 

Einer der beiden Kunstgärtner Bouche, welche auf der 
Blumenstrasse Nr. 11 und 68 — 70 wohnten, pflegte zu Zeiten, etwa 
wenn die Hyazinthen in Blüte standen, seinen grossen Garten dem 
besseren Publikum zur Besichtigung zu öffnen und bei dieser Ge- 
legenheit den Besuchern durch seine Gärtnergehilfen Kaffee anbieten 
zu lassen. Einst kam auch der Minister von Klewiz, besichtigte die 
ausgestellten blühenden Blumen und bat dann um Kaffee. Der be- 
dienende Gärtnergehilfe, welchem die Gewandtheit und Dienstwilligkeit 
eines Berufskellners abgehen mochte und der vielleicht auch nur 
widerwillig solche Dienste leistete, Hess den Minister über Gebühr 
warten. Dieser beschwerte sich deshalb bei dem Besitzer, er sitze 
schon eine Viertelstunde wie ein Narr da und müsse immer noch 
auf Kaffee warten. Bouche fuhr darauf mit den Worten 'Excellenz 
sitzt schon eine Viertelstunde wie ein Narr' den Gehilfen an. Der 
Berliner Volksmund griff dieses Begebnis auf, um ein neues geflügeltes 
Wort zu schaffen, um so eher dazu bereit, als der Minister von Klewiz 
nicht gerade für sehr 'hell' galt und man seine grosse Sparsamkeit 
kannte. Dass man ihn sehr gern dem Spotte preisgab, beweist auch 
eine bösartige Charade auf seinen Namen, die man dem Kronprinzen, 
späterem Könige Friedrich Wilhelm IV., in den Mund legte. Sie 
lautete: 'Die erste frisst das Vieh, Die zweite habe ich nie. Das 
ganze ist eine Landplage.' Es wird erzählt, dass der Minister sich 
deshalb beim Könige Friedrich Wilhelm III. beklagt und dieser den 
Kronprinzen zur Rede gestellt habe. Der Kronprinz habe erwidert, 
die Lösung, welche er im Sinne gehabt habe,' als er das Rätsel auf- 
gab, sei 'Heuschreck'. 

Der Bezug auf den Minister von Klewiz giebt einen Anhalt für 
das Alter der Redensart 'Excellenz bei Bouche'. Klewiz ist 1817 — 25 
Finanzminister gewesen, wurde dann in Magdeburg Oberpräsident und 
ist hier 1838 gestorben. Heute erinnern sich der Redensart nur 
ältere Berliner. 

BERLIN. W. Seelmann. 



65 



Die niederdeutsche Sprache Berlins 
von 1300 bis 1500.') 



Die mittelniederdeutsche Mundart des alten Berlins, die uns in 
seinen Urkunden von 1300 — 1500 entgegentritt, soll hier ausführlicher 
zur Darstellung gebracht werden als es bisher geschehen ist. Das 
Verdienst zuerst über dieselbe gehandelt und bereits auf einige ihrer 
Abweichungen von der gemeinmittelnd. Sprache hingewiesen zu haben, 
gebührt Bruno Graupe, dessen Dissertation de dialecto marchica 
qmifMhuiculae duae Berlin 1879 sich in ihrem ersten Teile mit dem 
alten Niederdeutsch Berlins beschäftigt. Graupe hat jedoch nicht 
das Berlinische ausschliesslich behandelt, sondern das Märkische im 
allgemeinen, und er ist zu manchen falschen Belegen gelangt, weil 
er versäumt hat, aus den im Berliner Stadtarchive befindlichen 
Uriginalurkunden die oft sehr fehlerhaften Abdrücke der Urkunden , 
zu berichtigen. Auch hat er die Belege, die der berlinische Toten- 
tanz bot, nicht voll verwerten können, da erst später von Seelmann 
ein verlässlicher Text des Totentanzes, des einzigen grösseren Ge- 
dichtes der altberlinischen Mundart, und zugleich der Nachweis, dass 
seine Mundart die berlinische ist, geboten wurde. Ausser den ge- 
nannten bieten einige Hinweise noch die Arbeiten Tümpels, nämlich 
seine Niederdeutschen Studien und sein Aufsatz im Nd. Jahrbuch 21,81. 

Zu vorliegender Arbeit benutzte ich 

1. das Urkundenbuch zur berlinischen Chronik, hrsg. 
vom Verein für die Geschichte Berlins, begonnen durch 
Voigt, fortgesetzt von E. Fidicin 1880, 

2. das Berliner Stadtbuch, herausgegeben — nicht ohne 
Versehen — von P. Clauswitz (das Original, das auch 
durchgesehen wurde, ist nur in dem Kapitel über Ortho- 
graphie und gelegentlich bei Irrtümern, die sich bei 
Clauswitz finden, zitiert), 

3. Gustav Reinbeck |,Geschichte der Petrikirche* 1730, 
der einige recht späte Urkunden giebt, 

4. den Berliner Totentanz, hrsg. von Seelmann Nd. 
Jahrbuch Bd. 21, S. 81 ff. 



[') Die nachfolgende Arbeit ist von der philosophischen Fakultät in Würzburg 
als Promotionsschrift angenommen worden und musste in dem Wortlaute, in dem 
sie von der Fakultät gebilligt ist, gedruckt werden, ohne dass die in ihr enthaltenen 
grammatischen Irrtümer (wie z. B. in § 1 u. 2A), welche der Schriftleitung des 
Jahrbuches nicht entgangen sind, ausgemerzt werden durften. W. S.] 

Xiederdeatsche« Jahrbuch XXIX. 5 



Um möglichst sicher zu gehen, habe ich nur diejenigen nieder- 
deutschen Urkunden berücksichtigt, die entweder von den Ratmannen 
von Berlin oder Colin oder doch von einem Bürger der Schwester- 
städte ausgefertigt sind. So bei Fidicin. Vom Stadtbuch habe ich 
allerdings auch Buch III berücksichtigt, aber ich nahm an, dass, 
wenn auch der Inhalt zum Teil wörtlich aus dem Sachsenspiegel 
entlehnt ist, er doch bei der gänzlichen Umarbeitung und Eintragung 
in das Stadtbuch ein berlinisches Gewand erhalten haben wird, und 
in der Tat fand ich nichts darin, was dem sonstigen Lautstande 
Berlins widerspricht. 

In bezug auf die gebrauchten Abkürzungen bemerke ich folgendes. 
Die Urkunden aus Fidicin sind nur durch die Jahreszahlen bezeichnet. 
Sind mehrere Urkunden aus demselben Jahre vorhanden, so habe ich 
zur Bezeichnung der Reihenfolge römische Zahlen hinzugefugt. 

St. E. bedeutet Einleitung des Stadtbuches S. 1 — 4. Die ver- 
schiedenen Bücher des Stadtbuches sind nur mit römischen Ziffern 
bezeichnet worden; die dahinterstehende Zahl bedeutet im ersten 
und zweiten Buch die Seite (nach der Clauswitz'schen Ausgabe); zu- 
weilen ist im zweiten Buch noch die Jahreszahl der Übersetzung 
hinzugefügt. Im dritten Buch ist die Einleitung mit III bezeichnet. 
A bedeutet von Schuldforderungen, B Erbrecht, C von der handhaften 
Tat, Da Frauenrecht, Dh Judenrecht, E Nachtrag verschiedener 
Rechte. Dann ist die Zahl des Paragraphen und zuweilen auch die 
des Abschnitts hinzugemerkt. Im vierten und fünften Buche habe 
ich die Nummern, die bei Clauswitz stehen, und manchmal noch die 
Jahreszahl hinzu geschrieben. 

P bedeutet Reinbeck: Geschichte der Petrikirche; TT Berliner 
Totentanz. 



Kap. I. BevSlkerniig. 

§ 1. Die Sprache Alt-Berlins war, wie man weiss, und wie es 
nicht anders zu erwarten ist, niederdeutsch, die ältesten Bewohner 
unserer Stadt, wie die Sprache lehrt, zum grössten Teil Sachsen, 
zum kleineren Teil Niederfranken. Dass holländische Elemente in 
der Mark Brandenburg vorhanden sind, scheinen nicht nur sprach- 
liche Gründe zu beweisen, auch bautechnische sprechen vielleicht 
dafür. (Besonders der um die Mitte des zwölften Jahrhunderts 
auftretende Backsteinbau anstelle des früher allgemein üblichen Feld- 
steinbaus). Dazu kommt, dass Chroniken direkt von dem Zuzug un- 
geheurer Scharen von Niederländern um das Jahr 1150 nach der 
Mark melden. Vergl. Rudolph: Die niederländischen Kolonien der 
Altmark im XII. Jahrhundert. Berlin 1889. 

Hier interessieren natürlich vor allem die sprachlichen Gründe, 
die auf das Vorhandensein von niederländischen Elementen in Berlin 
schliessen lassen könnten. Sie bestehen in beachtenswerten Überein- 
stimmungen, die sich zwischen der Sprache der Berliner Urkunden 



67 

und ilor mittelniedorländischen Grammatik ergeben. Auf folgendes 
•*ei hingewiesen.^) 

A. Bezüglich des Vokalismus. 
Es wird zuweilen wie Mnl. (vergl. die Mnl. Grammatik von Franck) : 

1) germ. a zxjl e\ besonders vor r -f- <*ohs. Auch sonstige Bei- 
spiele linden sich: trerf, jwrrer, sente, untsjyennen. Vergl. § 13, i. 

2) germ. e zu u: parleUj radebraken, baren, Vergl. § 17, i. 

3) ümlaut-ß zu /; nur in schinden und Compositis. Vergl. §12. 

4) genn. / zu n: snlver, Vergl. § 21,3. 

5) germ. o zu a vor r- Verbindungen: barger, irstarffen. Auch 
sonst. Vergl. § 22,8 b; s. 

G) germ. eu = mhd. ie, mnl. ie, erscheint in Berlin stets als 
/, //, ie. Vergl. § 45. 

7) Für germ. e = mnl. ie steht gewöhnlich /; y, ie. Vergl. § 28. 

B. Bezüglich des Konsonantismus. 

1) Erhaltung des n in uns. Vergl. § 92. 

2) germ. ft > cht: echter, geMichtet, geruchte, Frisdrichsgracht 
(Name einer sehr alten Uferstrasse Berlins, im ehemaligen Kölln ge- 
legen). Vergl. § 75. 

3) Dass sich das Neutrum N. A. Sg. des bestimmten Artikels 
zuweilen ohne anlautendes d darstellt, wie noch im heutigen Berliner 
Dialekt, während das Nnl. auch het zeigt, ist wohl an dieser Stelle 
erwähnenswert. Vergl. § 61. 

C. Bezüglich der Flexion. 

1) Die Verbalendung des Plurals ist en. Vergl. § 127 ff. 

2) Der überzeugendste Beweis für das Vorhandensein von 
Niederländern ist wohl das häufige Vorkommen der starken Adjektiv- 
formen nach dem Artikel: die arme lüde, des unmündiges kiyides, der 
koningliker gewalt. Vergl, § 113, Anm. 3, 4. 

Zu diesem ganzen Abschnitt vergl. noch PauPs Grundriss 
Bd. III S. 898, wo Bremer über Verwandtschaft des heutigen Berliner 
Dialektes und Volkscharakters mit dem Rheinfränkischen (Nieder- 
fränkischen) spricht. 

Kap. IL Hochdentsclies in den Berliner Urkunden. 

§ 2. Zunächst sei hier bemerkt, dass sich auch aus der Zeit 
der höchsten Blüte, der allgemeinen Verwendung des Niederdeutschen 
einige hochdeutsche Urkunden finden, die von den Ratmannen von 
Berlin und Kölln ausgefertigt sind (z. B. aus den Jahren 1378, 1395, 
1448 usw.). Diese sind hier natürlich nicht berücksichtigt, da sie 
ja nur die Sprache des Empfängers der betreffenden Urkunde zeigen, 
nicht die der Aussteller. Aber abgesehen davon finden sich zuweilen 

*) Die Beweiskraft der oben folgenden Punkte wird von manchem Gelehrten, 
vielleicht mit Recht, angezweifelt. 

5* 



68 

in von Bürgern und Ratmannen Berlin-Köllns ausgestellten, sonst 
durchaus niederdeutschen Urkunden, die, was besonders zu betonen 
ist, oft nur für Berliner Bürger bestimmt sind, — auch im Stadt- 
buch — einige hochdeutsche Formen. Diese hd. Spuren seien hier, 
nach grammatischen Gesichtspunkten geordnet, dargestellt. 

A. Vokale. 

1) Vor Id (H) bleibt zuweilen germ. a: ho/den 1334. III 12. III 15. 
B 26. TT 199. halten 1397. alt 1334. 1381 III. 

2) hd. ist vermutlich die Form (ßetianten (Partcp. Perf.), die sich 
nicht selten findet: 1381 lU. 1391. 1401. 1414. 1436 F. 

3) Als hd. können wir auch den Umlaut nehmen, der sich aus- 
nahmsweise in der 3. Pers. Sg. Präs. findet: ni/nit A 20. he <pUl 
A 41. hegrevet C 15. hegift E 27. let I 9. A 28. Db 14. A''31. 
imlust A'12. A 22. 

4) Statt des zu erwartenden y (vergl. § 19) finden wir manch- 
mal e in: aehn 1379. 1397. 1442 I. angesehen 1381 I. Auch im 
TT 55. 90. 104 seet neben siet TT 172 'sehet'. 

5) Auch dass germ. t zu ei (ey) wird, begegnet sporadisch. 
Im folgenden führe ich alle Beispiele hi ei an, die ich fand: 

Hein (pron.poss.) 1381 I. seyn 'sind' 1381 mit fast unmittelbar 
danebenstehendem syn. sein 1414. dreihundei't 1397. seyn V 25 
(1405). zu seytie 1440 I (Bilrgereid). Einmal mifieti, zweimal meinen 
1448 IL drey 1476. seifui 'sind' 1476. teydt, tydm, seimr 1506. 
ilite = mit Fleiss, aber meiner 1537 P. — Ferner noch seyn im 
Original d. Stadtbuches Blatt 130, wofür Clauswitz syn hat. 

6) germ. ü > au; aber nur einmal: haus 1476. Sonst bis 
1537 P stets u. 

B. Konsonanten. 

1) Sporadisch erscheint inlautend b: 

a) intervokal: gescreben II 87 (1399). aber I 10. 1414. lieben 
und lewe 1440 II. gegebeti IV 20. 1442 I. 1447. 

b) nach Konsonant: d^elhe 1381. vorstorhen II 86 (1398). 
gestorbmi 1414. erben 1440 I. 

2) germ. d wird zuweilen zu t: 

a) anlautend: tragen 1334 (siebenmal). 1397. thun 1381 I. 
thetin 1397 'taten', den toden E 12,8, getan E II, gethan (dreimal), 
gedahn (zweimal) 1440 II. keysertum ' Orig. d. Stdtb. Bl. 27. teil 
(einmal), dehl (zweimal) 1440 IL dag und tagen 1476. 

b) inlautend: verbietende 1381 I. stete 1395. bestetigen 1399 L 
geboten 1442 I. ritterschaft E 26. 

nach Konsonant: suntages 1379. unter 1381 I. 1414. uralten 
1440 IL hertelosen III 1 'hirtenlos' ist in herdelosen zu verbessern, 
da im Orig. Bl. 60 ein deutliches d steht. 

3) germ. j^ wird 

a) anlautend zu pf. Nur drei Beispiele kann ich dafür geben: 
Pfleger 1381 I. pflicht 1391. pftag 1440 IL 



69 

b) inlautend zu jf (f): yeworffm 1331. dovfe 1386. scMjfer 
1381 L schaffet E 29. scJuiffen IV 2,io. öffentlich 1537 P. 

c) auslautend: ?// 1386. 1397. 1414. 

4) germ. k zu ch'^ Vergl. § 64. 

5) germ. t > z. Ich führe alle Beispiele an, die ich ge- 
funden habe. 

a) anlautend: zugeschrewen 1381 I. zu (dreimal), tu (zweimal) 
1386. zeit 1386. Vergl. auch zime 1386. zmscheii 1397. zuitmcht 
1397. tzu II 87 (1399). zum daghe E 14,5, gleich darauf tur nacht, 
zu 1414. zu^ier, tu und zu 1440 I. 

b) inlautend: setzende 1381 I. hisse 1386. munzikf dreißig 1397. 
ßizUken 1399. besitteu und besitzefi, große 1414. uHtc^ig 1451. 

c) auslautend: </ro2r 1334. ^ro^fe 1432. tV? £ ll,i. 6\v Ä 14. 
f/as 1386 (zweimal). 1397. 1399 IL St, E. Db 18. 1)6 19. E 11,5. 
A^ 14. das und rfa^ gleich oft 1440 II. Einmal das neben sonst 
stets dat 1537 P. dat holtz 1440 II. 

C. Flexion. 

1) Drei Beispiele sind mir bekannt für die längere Form im 
N. A. Sg. neutr. des starken Adjektivs: allet dat 1379. unhequ^met 
(substantivisch) 1381 I. eyn sulket 1436. 

2) Der N. Sg. masc. des starken Adjektivs zeigt zuweilen die 
Endung er: owerster 1343. ein armer II 41. I 10. Letzteres Beispiel 
gehört aber wohl nicht hieher, denn im Original Bl. 7 steht: eyn arm, 
¥An drübergesetztes e ist jedoch niemals gleich er. Es wird dies e 
vielmehr als Dehnungszeichen zu betrachten sein. Vergl. § 8,8 b. 
Weitere Beispiele: engeyner sal uven II 18. II 78. eyner E 12, i. 
E 16. eyyi f roiner man E 15. syn roter schin III Prolog, unser 
keiner 1404 I. 

3) Vereinzelt begegnet der N. Sg. eyner (substantivisch): I 26. 

I 32. Da 1. E 12. 

4) N. Sg. yener E 2. jener Db 1. 

5) N. Sg. ufiser einmal: II 38. 

6) Öfters N. Sg. der (Artikel, Demonstrativ, Relativ): 1331. 
1379. 1381 L I 32. E 1. E 12,2. E 14,3. E 27. Db 19,3. V 1489. 

7) N. Sg. u'er findet sich einmal: III Prolog. 

8) Ganz vereinzelt. kommt auch pron. pers. wir vor; so: 1397. 

II 85 (1398) steht wir und icie nebeneinander. 1414 ein irir und 
fünf ici. 1440 I einmal trir. 

9) Dass sich im TT in der zweiten Pers. PI. neben gewöhn- 
lichem en auch et findet: gy sparet TT 292. gy moghet TT 112. 
yy schult TT 63 kann hd. Einttuss sein, doch bei der Abhängigkeit 
des Berliner Totentanzes vom Lübecker liegt wohl die Annahme näher, 
dass die Formen auf et aus seiner Vorlage gekommen seien. 

10) Neben hebben und den richtigen nd. Formen kommen 
sporadisch vor: Infinitiv Juiben 1381 I. 1. Pers. Sg. Präs. habe 138G, 
hast 1448 L PL haben 1414. 



70 



Kap. III. Zar Orthographie des Stadtbaches. 

Über die Orthographie des Stadtbuches sei folgendes mitgeteilt 
(die hinter den Worten stehenden Zahlen bedeuten die Blätter (nicht 
Seiten) des Originals): 

§ 3. Abkürzungen finden sich: 

1) für 71 sehr häufig, bestehend in einem wagerechten Strich. 

a) am Wort-Ende: bmde 1; here 1, 2; we 1, 19; syne 1; )iame 1; 
late 1, 12; gi wille 1; in truwe 1; dengene 1; drage, oge 1; t 1, 3, 
32, 42, 49; mgde 1; vö 1, 51; u-ynne 2; de 2; ore scJiade 2; vrage 3; 
deil^ 3; den ratmänB 3; gefange 3; da 3\ nageschrewe 3 usw. Bei- 
spiele finden sich nahezu auf jeder Zeile. 

Gegen Ende des Stadtbuches, in der Urkundenschrift, ist die 
Kürzung nicht mehr ein wagerechter Strich, sondern ein Kreisbogen. 

b) im Wort-Inneren : früdmi 1, 3; Bräihnborch 3; gevüden 3, 47; 
mesche 3; tMet 5; pimge 6; pennlg 7; tünen 9; ngmät 13 usw. 

2) für m, doch hier weniger häufig. Die Zeichen sind dieselben 
wie für n, ein wagerechter Strich in der Buchschrift, ein Kreisbogen 
in der Urkunden schrift. 

a) am Wort-Ende: qun 3, 67; itqua 112. 

b) im Wort-Inneren: cüpen 3; krahus 11; nümer 3; neniet 15, 
81, 82; koTfien 25 u. ö. 

3) für ßr ein aus r entstandenes Zeichen, das meist ein links 
offener Halbkreis > ist, aber auch die Form <> ^ c annehmen kann; 
findet sich sehr häufig. 

a) am Wort-Ende: orf> 1, 4, 9, 22, 43, 95; iuiv^ 2; muD 4, 51; 
horg^ 6,56; egtif 7; kled^ 8; kretn> 11; hind^ 17; 7neisfi 21; d^ 23,44, 51; 
mD 57; ijTwrf) 57; imd^ 72; ftn^rf) 79; WrA^> 107; bloO 110; ey/t> 113. 

egw" 19; s//«" 10, 14, 47, 81, 90; centen'' 7; Am/i" 9; ö?r 14, 20, 
64, 66, 69, 71, 90; vorim'' 24; knig^ 19; WcA^ 64; a?r 77. 

yn/ft 1; eiri§ 33; aÄ 60, 68, 73, 87, 101; oü 74; ceynten 8; 
emm 9 *Eimer'; sgn 89. 

^ync 12, 44; vortm(t 46, 49. 

b) im Wort-Inneren: wHiche 1, 2; borg^schap 1; ianOlike 3; /r)^ 
3, 50; A>^^?i 3; «r^A:^ 3; ÄMm/>^ 7, 31; B^lin, donvhler 15; 6ö;yw 15, 
20; borgh 15; /^We 26, 55; gerne = ghie 31, 68; sirHike 45; 
schümekhrerk 45; w'>A:es 49; hHoghen 61; antirhle 65, 76; «^W^ 70 
'stirbt'; lOgewede 83; .sw;^^ 85; betehme 86. 

/rc/e 21; borgen 26; borg^meiste^n 42; «nrf'M 2; — somgewnnd 
20; — ou<^lendsr 11; Landesbcg 32. 

Dieselben Zeichen begegnen auch für re: guidemeide) = G. PI. 2. 
/re = /rere 11. vr^ 16. 73. besundern 23. f/7Kteta 12. 73. andern 
44. 70. 78. 88. an(/e>M 123. 6P(/ecM 30 'begehreu', mde'n 66 'Vätern'. 
oWe)M 66. 

Auch für vi, doch selten: b^ue 53 = t/7r6\ /7)^>c 85 'greifen'. 
p^der 104 'Priester'. 

In dem Präfix per setzt mau zuweilen für er einen Strich unter 



71 

das p z. B. in: i^aone 29. 42. j^petiium 44. ^syam G3 Tersien'; 
auch parfi« 60 'Paradies'. 

4) Für die Endung en kommt n mit einem wagerechten Strich 
darüber vor, der aber auch manchmal fehlt. Folgende Beispiele 
seien angeführt: 

ohne Strich: hehhn 1. 11. geborn 92. 

mit Strich: hebbn 17. 19. 20. 22. 24. 26. 31. 44. 52. 54. 57. 
f)3. 64. 76. 79. 81. 90. 94. 96. {ik hebbn 99). 100. 102. 125. 160. 
hf/fffl 15. g^roschn 15. 17. 20. 33. roggfi 19. lyischn 72. hemellüchfi 95. 

Zuweilen findet sich Abkürzung für die Endung et; das ge- 
brauchte Zeichen hat Ähnlichkeit mit einem z: netn^ 19. bedlg^ 70. 
llng:^ 70. antw^d:^ 77. pind^ 84. gefnak^ 110. geschind^ 110. 

6) Für die Konjunktion ^und^ steht meist vn z. B.: 1. 3. 24. 
31. 48. 60. 64. 73. 77. 88. 89. 107. 130. 

Beispiele für ausgeschriebenes und: 1. md 12, 18. 64. 159. 
rnd (mit Strich und rf) 57. 

Andere Abkürzungen für einzelne Worte kommen nur sporadisch 
vor: pew, pe 'Pfennig' 14, 19. schep 'Scheffel'. 

§ 4. Abteilung eines Wortes am Ende der Zeile ist meist nicht 
durch ein Zeichen markiert, z. B.: Hg gen 15. pa det 21; aber zu- 
weilen kommen zwei wagerechte Striche vor, z. B.: kegenwor^dkheit 
42. tu hebbe^ne 44. knoken-houivers 44; auch ein Strich: sacror 
nienta 43. 

§ 5. Auslautend e wird zuweilen höher gesetzt, z. B.: dem* 'dem' 
6. 54. 57. 78. 82. 97. 107. 116 133. 134. 152. ka?n' 23. fram* 24. 
mdman* 25. 56. vm" 25. 29. 51. wonlik' 30. di gantt* schar 51. 
irf^m* 57. vorn'' 58. A* 74. mer (Dat.) 67. radynil'' (G. PI.) 109. 
man* (Dat.) 133. vop-' = vor 152. rw 123. 151. vir hundert gar 153 
(vom Jahre 1417) hat Clauswitz mit gare übertragen; vielleicht ist 
aber hier gar zu lesen, das e also als Längezeichen aufzufasseü, wie 
auch wohl in folgenden Beispielen: wi 'wer' 52. 57. wy 'wir' 58. 127. 
fU 'Artikel' 114. wi 'wir' 128. wy = neu 134. 152. fischery 152. 
twy = zwei (Clausw. hat twye) Bl. 133. 

§ 6. germ. t und germ. iOy das in den Berliner Urkunden zu 
/, y wurde, wird vor t, d meist mit i + j geschrieben. (Clauswitz 
hat stets y.) z. B.: tijd 'Zeit' 15. 22. 24. 31. 32. 49. 53. 61. 62. 
(>3. 64. 65. 69. 72. 75. 76. 81. 82. 91. 95. 108. 155. thijt 'Zeit' 
57. 113. tijt 'Zeit' 131. tijt 'zieht' 88. geschijd 84 'geschieht'. 
ge,svhijt 88. 94. 

§ 7. Eine besonders bemerkenswerte Eigentümlichkeit des Stadt- 
buches bedarf ausführlicher Darlegung. In der Ausgabe von Fidicin 
und der von Clauswitz finden sich viele e, die im Original eigentlich 
keine e sind, sondern durchaus mehr das Aussehen eines o haben. — 
Dies Mittelding zwischen o und e — einige Beispiele dafür sind auch 
in den von Clauswitz gegebenen Schriftproben: dossis Tafel I, wort, 
gofcoldige u. a. Taf. II — begegnet für gewöhnliches e, gleichviel ob 
gleich germ. a, e, ai, ä ^ i, i 



72 

I) an unbetonter Stelle. 

1) in Präfixen: hoghi 42 'begehren', boyan 63 'begann', bodenken 
82. vnboschuldiget 95. bowisen 96. bowart 98 'bewahrt', boschuldujet 
99. boschonede 108. bouolen 'befohlen' 108. bokatide 111; — vngorichte 
66. gorichte 87. gowoldige 92. gogeuen 108. godan 112. 

2) in Suffixen: 

a) durch Konsonanten gedeckt: 

^/vj; andors 8. Hddors 84. iKidors 84. 

^r; «war 61. a/for 63. orfor 80. 82. /rorfor 76. 100. 

o/; oroZ 'übel' 93. 

^i: iywon 27. tverdon 8. ^ftwort 10. o/>oh 13. Collon 19. 
rfo^/oM 22. 87. solon 53. *y/on (G. Sg.) 60. pindon 64. /rflr/ö 73 
'Wunden'. bukekon 64. kdigon 89. hebbon (haben) 103. 111. 
benoinö 108. stm'ffon 137. 

e«: /rmo8 9. synos 60. mynos 60. tnannos 73. 76. kindos 85. 
migeluckos 88. 

^^; vindot 67. vischot, eischot 84. dunkot 100. gerouot 102. 

b) am Wortende: 

«im'o 1. tJwKo 8 'Wolle'. wi6^o (unsere) 31. /w(/o 30 'Leute'. 
t?mo 64. w/wiMo 65. ecfo 'Eide' 69. schuldo 79. rf^wo 'dem' 104. 
rjr/eX-p 79 (Adv.). jaro 82. sowo 84 'Sohn', eriio 84. <7?«rfo 85. Hüdo 
(Wunde) 88. egno 89. mogo 97. s^m/o (D. Sg.) 99. verno 107. 

3) in Mittelsilben: fiegoste 14 'nächste'. Cristonheit 60. tvedotce 
82. ando^n 88 'anderen', rechtolos 91. wayuJorde (Prät.) 104. 

4) in unbetonten Wörtchen (Partikeln). Ao^ 'hat' 20. 21. 61. 
62. 63. 64. 66. 76. 79. 82. 92. 97. 98. 104. mot 'mit' 27. 32. 87. 
93. 94. mi 'ihm, ihnen' 27. 29. 33. ome 104. on 71. 87. 96. ho 
^er' 8. 21. 23. 68. 75. 76. 77. 80. 82. 96. 97. 98. 99. 109. 111. 
dorne 'dem' 14. 62. 63. 76. 81. dorn 'dem' 60. don 'den' 15. 21. 61. 
dos = G. Sg. 19. 20. 33. 44. 64. 76. 86. 94. 108. dos (Neutr. PI.) 33. 
won 'wen' 62. wos (G. Sg.) 64. 

II) im Stamm. 

1) vor r und r -Verbindungen: jorliken 54. sworet 11 'schwört'. 
kovmit 'kehren es' 82. mor 'mehr' 109. 

schorf 1. Morte Iß, ornB 18. onien 82. horbenjet 76. jtord 
19 'Pferd', wort 48. 92 'wird', work 52 'Werk', worlt 63 (Welt). 
orvefos, Borlin 116. he storvet 11. (Hier hat auch Glauswitz das o). 

Auch nach r: rode (Rede) 109. bogropen 96 'ergrift'en'. vor- 
sproke 96. 

2) vor cht: mamlochtiger 23. knocht 41. 100. andochtige 42, 
rochtmi 60. 62. rochtelos 88. rnrochtos 96. tu rochfen 91. ochten 
93 'echten', gelocht 'gelegt' 103. 

3) vor ft: vofte (fünfte) 5. 20. goft (giebt) 5. 11. 13. 

4) vor H, st: dosser 26 'dieser', dossls 6. sos 61. 63 'sechs'. 
irosen 'sein' 82. mosser 91; — benoste 27. verrostet 76. 

5) vor ft, 6ft; p:.goae)i (geben) 67. gone (Konj. Präs.) 88. 
loiiet (lebt) 57; hobbe 74. hobben 96. schopel 1 (Scheffel), schopper 



73 

93 = Schöpfer. (Hier hat Clauswitz auch o), schope 96 = schöpfen. 
arhoperige 125. beslopt 102. 

6) Aber auch sonst findet sich dies o, so vor m, n, g, l und in 
der Verbindung o«, oy = gemeinniederdeutsch i. 

bequotnicheit 65; toftnes (G. Sg. Zinnes) 13. pon 14 (Abkürzung 
für Pfennig), pöfüge 13. 101. tvonde ß3. bekanne 80. 91 'bekennen'; 
koye 17 'gegen'. jogBivordicheit 109. wogen (wegen) 66. 76. sogger 
22. tu plogem (pflegen) 60. phge (Pflege) 100. kloger (Kläger) 
86. 99. nogestm 84. nochsten 87 = nächsten; holpe (Konj. Präs.) 87; 
rloisch (Fleisch) 74. oy (ein) 24. loid 64. doileden 96. gemoym 97. 

Dass Clauswitz dies Zeichen auch einige Mal durch o wieder- 
gegeben hat, ist schon bemerkt {schopper Db 14. he storvet A 36). 
Aber auch im Urkundenbuch finden sich Beispiele lür o ^ germ. e: 
tu icordm 1399 I. dm (G. Sg. des Artikels) 1414. Bonmbotn ist 
der Name eines Berliner Bürgers geschrieben bei Fidicin S. 185. 190. 
(im Landbuch), während in einer hochdeutschen Urkunde S. 195 
Renneboim steht. Auch für o = germ. Umlaut-e, so fro^nd 1399. 
efitfromdet 1436 I. 

Was nun die phonetische Geltung dieses Zeichens anlangt, so 
wird ö anzunehmen sein, in Präfixen, Suffixen, Mittelsilben und Par- 
tikeln vielleicht auch D. Für einen solchen Klangcharakter des e 
s])richt auch eine einmal vorkommende Schreibung. Original d. Stb. 
Bl. 92: or Ire rechter tyd, es ist also für er (= eher, vor) or mit o 
und zwar mit richtigem o geschrieben, nicht dem Mittelding zwischen 
und e, von dem hier die Rede ist. Femer sei darauf hingewiesen, 
dass in der Berliner Witzlitteratur aus der Mitte des 19. Jahr- 
hunderts öfters ö für e geschrieben wird: hörlich, mörhvilrdig (eine 
derartige Aussprache des e ist übrigens selbst heute noch nicht ganz 
unbekannt in Berlin in scherzhafter Rede), und dass in manchen 
Gegenden Brandenburgs (in der Neumark) heutzutage offenes ö ge- 
sprochen wird in Worten wie ghvt 'giebt'. stbkt bteri 'essen' u. a. 

§ 8. Häufig finden sich über den Buchstaben Zeichen. Das 
häutigste ist 

1) ^. Die Bedeutung dieses Zeichens ist in der überwiegenden 
Mehrzahl der Fälle wohl die eines i^Hakens; es scheint aber auch 
zur Bezeichnung des Umlautes zu dienen. Es steht 

a) über u = germ. 6 ohne Umlaut: 

tu 'zu' 2. 3. 14. 15. 18. 25. 30. 42. 45. 47. 49. 51. 53. 54. 55. 
5t>. 57. 58. 62. 71. 73. 88. 100. 103. 109; mut 'muss' 3. 6. 12. 15. 
18. 22. 23. 61. 62. 64 65. 66. 69. 70. 72. 73. 75. 77. 78. 81. 84. 
86. 87. 88. 89. 92. 95. 99. 100. 101. 102. muten 21. w?ä^e (Optativ) 
64. 90. 103. müste 25. 95. 96. 104. 111. musten 115, ml = wie 
(ciUs. hiro) 3. 100. w^ue 41. 45. 125; buyk 4; mder 7. 8. 9. 20. 89; 
kii 9; srhu 11. 45. 53. 96. schüineker 11. 13. 44. 115; hüue 'Hufen' 
18. 19. 20. 125. hüve 101. hüuentf/fw 26; hün 19; keys&rtüm 27. 
figedüme 32. hinHdiopdiun 62. schiUtedüm 63; behüf 29; mtsUippe 
51. cüyt 97. mt 75. mte (D. Sg.) 78. mtelos 79; vorsücht 52; 



74 

hmderschap 52. bt-uderkindtr 79. bmder 116; yenüch 53. 67. 99. 
111; güd 57. ^rörfes (G. Sg.) 93. güde 98 (Dat.); düt 'tut' 68. 101. 
dun *tun' 92. rfw (Optativ) 102; steygrüue 71; mütmllen 72. w?ö^- 
«^/% 110. wÄrfe 97. 124. oümüde 'Übermut' 98. ouamüt 111; 
annüde6^; müder 80. 83. 93. 104. 110; ruwe 51 = Ruhe; hüfyserl; 
ysenkät 7. k&t 95; nmker 94. 95; rwrfen 17. 98 'Ruten'; stül 99; 
»% 95. slüch 111 'schlug'. sM?ttr 109, dermr 109 'erfuhr'. 

b) über u = germ. ö mit Umlaut: 

Wenn man *n6mjan als Etymon ansetzt (mhd. benuomen und 
benüemen), gehören hierher die Belege: nüm^t 1. 83. genümet 26. 
bmümede 83. nümede 95. vorbenütnedm 33. 42. 132. benüme 74. 
102. nöme (Optativ) 90. 100. 124. 6e/mwe (Opt.) 97. benümet 99. 
102. mim« (Imperativ) 99. — Weitere Beispiele: füret 6. 8 'erführt'. 
ivechfüre 6. votfüref 8. y^äre^ 74. 84. 85. gefüret 26. 110. gemret 
85. ^w fürene 30. vntfüret 71. vMvüret 76. yöre» 76. 96. tt^rrf«? 
94. vürede 95; ^e* müghene 49. genügene 51. /'"wen 52 'üben', 
t^iie/^e 53. besünet 94 'versöhnt'. wrügen 96 'anklagen'. /^äre/ 
(rührt) 104. genüget 109. nöyö 'genügen' 111. 112. /cA ^>w/e 111. 
gemüget 111 'gemüht', gesurft 112; — ^•äwe 16 'Rüben'. Mwre 19. 
getnüchniase 2Q. müge 111 'Mühe', otmüdige 41. genüge 30 'Genüge'. 
.sÄ^t« (Sühne) 84. gerückte = garofti 85. 90. 103. deinüdicheit 104. 
m^e 'Füsse' 74. 91. 96. 103. 

c) über w = germ. ä ohne Umlaut: 

hüd 8. irw^ 9. mürstey 15, getnürede 17, 7/mrö 22 (G. Sg. von 
Mauer). Aä^ 11. 16. 17. 131, hüse (Dativ) 71. 112. brünsitkh 29. 
brün 88. 97. gebruken 41. ^<^ brükene 52. bütvüge 52. 53 'Erbauung'. 
</e6ö//; 134 'Bau', r/wwe 67. ^äwö (D. Sg. von Zaun) 74. sümr 88. 
sühiid 95. <<« slütene 21 'schliessen'. wo 3. 20. 60. 127. 

d) über u = germ. ü mit Umlaut: 

vorsümenisse 13. vorsüme 65. vorsümet 81. 89. 108. Ae ro/- 
sümede 109. ^Än«^ (Verbum: er zäunt) 74. 77. ^öw^i (PI. von Zaun) 
94. 125 mit th. rüme 99 'räumen'. 

e) über u = germ. kurz u ohne Umlaut: 

vorafide)'ünge 18. thefUnge 24. strafünge 31. 95. Mfordemnge 30. 
beuarünge 32. 45. 52. 65. wechuikünge 42.^ ßitünge 42. ntdrivünge 
43. tu'imllänge 48. anhengünghe 49. bestedünghe 51. bedenkünge 51. 
rorderünge 51. schikkünge 51. bedrigünghe 53. werdünghe 55. t'o/- 
Htorünge 63. marchncheidünge 72. vestünge 86. 96. rnwetünghe 104; 
— hundert 7. 9. 15. 18. 46. 48. 53. 128. M;irf (Hund) 76. gebunden 8. 
Vorbünden 31. gebunden 94. Kunden 30. 86. 89. 97. 103. 112. 
//thtrfe^ 77. getcündet 90. 103. //^mrfe (Optativ) 93. 112. ivünderllrh 
93. «ilMrf^r'l02. sÄwrfcr 42. 43. 48. 55. söwrf> 93. s^Mmfen 42. 
geründen 48. 65. 68. 71. 75. 99. 101. 112. bevünden 55. orkünde 
66; — cümpan 46. 49. ^ä;iiJ^ 48. «2/tcA 54. bedirüngen 63. r/we- 
gedrüngeti 63. funken li. stüm 79. J^iwj'e 112; — mi^ 'Nutz' 25. 
30. 33. 45. 47. 52. 53. 57. 82. 103. 108. 109. 124. 135. «m/A 
126. ni/fe 'Wolle' 10. /^u/fe 47. 89. wülwaghe 21. vmllenwener 



75 

47. 49. ivülueshud 8. ivüluesberg 18. nmlkeniarkt 16. vull 'voll' 

29. 30. 45. 81. 100. mlbringm 69. brüst 93. vulkomt 103. ml- 
kome 103. mUücht 86. 

f) über w = germ. kurz u mit Umlaut: 

vorvüllet 'erfüllt' 20. vorvulle 25. tu vorv&llem 29. nütticJmt 

30. 44. 104 'Nützlichkeit', nüdticheit 47. ww«e 'nützlich' 45. 51. 52. 
53. 74. 96. 108. 130. cht nuUeste 67. nüttet 'nützt' 33. nüttm 
(Infinitiv) 80. nütten (nützlichen) 48. nutlich 49. dri stücken 102. 
sünde 96. 110. gelücke 57. knüppelen 86. müHhe 131 'Münze'. 
lirründe (Konj. Prät.) 104. 

g) über w = germ. eu: durest 13. dürer 20. undürer 90. 
/«r/ziiVs«« 30. 55. 56. ^ucA 46. 56. 87. 103. t&gh 75. betugm 76. 
f%fe 95. r/w/te 102. 

Auch fmnd 2. 108. fmndes 47. fmnden 110. t'är« (Feuer) 

48. 95. t'< ^we vürigen bmche 95. cüät^ß/ (Teufel) 95. 

iüwe (euch) 96. 98. Neben einfach ti: truuelike 3. 51. truwe- 
/ikest 25. tnuveheit 25. in trmven 57. ^rww?« 77. 86. truwelos 85 
und eu: treuweliken 3. getreuwen 25. treuwe 31 kommt w vor: 
fnhrc 31. getmwen 56. vntt^äwelike 77. 

h) über ?/ in: swn^^ (sankt) 15. 32. rfÄw 'dann' 114. mücht 
(Prät.) 69. rändere (Rinder G. PI.) 46. ründerhtide 8. drudde 
(dritte) 56. 68. 102. 108. fiümenner 155. 

i) über u = germ. b: sdüens 26. Z^äa 104. tu heüene 26. 

Anm.: Vereinzelt findet es sich, dass der Kreisbogen nicht 
geschlossen ist, auch zwei Punkte oder Striche kommen vor; doch 
alle diese Zeichen haben mehr oder weniger Ähnlichkeit mit ° (die 
Striche und Punkte mit ganz klein geschriebenem ^) und seien deshalb 
an dieser Stelle erwähnt. Sie begegnen: 

a) über u = germ. 6 ohne Umlaut: ^tid 33. tu 'zu' 25. 26. 33. 
imlde (Dativ) 142 (vom Jahre 1472). schümaker 155. 

b) über u = germ. 6 mit Umlaut: ebenümeden 32. sluge 
104 (Konj. Prät.). behüfeden 161. tu fürene 26. tu vägetide 51. 
^^thie 84. tu genüge 141. 142 (aus d. Jahren 1461. 1472). üfen 160. 

c) über u = germ. ü ohne Umlaut: radhüse (D. Sg.) 25. bute 
^aussen' 11. 30. 

d) über u = germ. u mit Umlaut: sügenn 161 'Säue'. 

e) über u = germ. kurz u ohne Umlaut: niit (Nutzen) 142. 
If^gunde 'begann' 104. 

f) über M = germ. kurz u mit Umlaut: dünket 68. 

g) über u = germ. 6??*; betügene 26. lüden 47. 

h) über u in: süntt 'sankt' 142. siinte 155. milchten 160. 
r linderen 161 (Clauswitz hat i!) 

i) über u = germ. b (f): geüen 11. knoüelloch 11. beüollen 
25 'befohlen', bliüen 33. sweüesche 67. i/^me 67, emelos 68. drijüen 
23; //«//>;< 142. A« fe/i^e^ 142. 

Dazu kommen einige Fälle mit Strichen oder Punkten über 
einem o, aber nur in den spätesten Eintragungen, auch über y. 



76 

k) einmal über o = germ. au -+- Uml.: kö^ßen 161. 

1) über in: vor 'vor' 155. öre *ihre' 160. mögm 160. kämt 
161. Nur diese Belege. 

m) über y öfters: syn 32. by 32. y in 8«/rf 60. dryuen 23. 
fteyrfe 142. 162. breyt 160. s</, rfy 160. 

2) Ein zweites Zeichen, darüber gesetztes e, ist nicht ganz so 
häufig und nicht ganz so vielseitig; es steht: 

a) um Länge zu bezeichnen: dät 55. 67. 84. 89. 96. 103. stdt 
(steht) 72. sät 23 'Saat', jär (N. Sg.) 127; -^ ed 1. 2 (Eid), weten 9. 
het 16. 95. rU (ritt) 108; — vojn 7. 8. 12. 20. dryn 10 (Dativ), 
rfn 85. dry 127. rfryw^ 21. dryw<9» 42. vordrift 72. w^de'»* 
'meiden' 44. wiff 113 'Weib'. w^uesQl. wyue 91. t^y/e 'fünf 74. 
ryue 125. jr^w^^e^ (geweiht) 61. wis (Weise) 54. 104. s^n 128; — 
köl (Kohl) 11. köp (Kauf) 23. 95. 6Jw 21. Ion 20. rd/" (Raub) 
79. met röue 90. t>W< (Prät.) 97. öre (Ohr) 75. heröuet 109 
'beraubt'. Ws 127. 128. 138. oük (auch) 58. (Nur zwei Beispiele 
fand ich, wo die Länge des o durch darüber gestelltes o bezeichnet 
ist, nämlich ho'^ch 24. vordroH = verdross 111); — üt 'aus' 4. 8. 
13. 15. 22. 30. 93. 103. 114. 128. M 83. kruyt 67. hüs (Ac. Sg.) 115. 

Hierher gehören auch wohl Beispiele wie: vir 13. 20. 46. 57. 
62. 67. 103. 112. 127. fir 133. vire 18. (r/r mit dem ß über dem r 
steht z. B. 4. 57, doch wäre hier ja auch möglich, dass dies zu § 5 
gehörte, das e also flexivisch wäre.) virde 4. 16. 63. virteytide 17. 
virt 'ein Viert' 7. 20 21. virdel 58; — dyueryge 52. dyuesch 72. 
dyui& (Dat. PI.) 72; dyywr 20. mrdynet 68. ^^» 'ziehen' 79. 81. 100. 
102. get^n 89 'ziehen', tid 87 'zieht'. sfcA 3 'sieh', tngdet 'mietet' 6. 
styt 'stiess' 112. bestit 108. /^^ 'liess' 103. 

Einige Mal hat Clauswitz in seiner Ausgabe des Stadtb. doch solch 
e berücksichtigt, obwohl er, wie in der Vorrede steht, diese über den 
Buchstaben stehenden Zeichen nicht wiedergeben will, und zwar hat 
er das e neben das i gestellt z. B. wis Blatt 104 mit ivm {E 29) 
übertragen, tyn 79 mit tyen (ziehen), tid 'zieht' 87 mit tied usw. 

b) um Dehnung zu bezeichnen: 

vor r: dör (das Tor) 16. 18. 20. 54. 113. 

vor r -f- con,s.; arm 7. 6rt 14. 18. wört 22. 26. uärp (Prät) 111. 

in offener Silbe: 6mt (Obst) 8. 11. onst 72. omn (Ofen) 15. 
Uue (D. Sg.) 20. geb6de (Gebote) 29. mwöners 30. stMm (Städten) 42. 

sonstige Beispiele: töl (Zoll) 6. 26. 71. geböd {die Gebote) 21. 
ms 'sechs' 57. bkschöp 62. molendäm 26. näm (er nahm) 94. 114. 
rorndm 'vernahm' 110. riSmt (er nimmt) 86. (Clauswitz hat nemet), 
benemt 25. vornemt 89 'Imperativ', 92 ist dieselbe Form vonimmt ge- 
schrieben. Vergl. die vorkommenden Schreibungen : nemet 84. "twmt 84. 
fiemt 91. nymt 82. 86. 

c) über o = germ. w/o, um Umlaut zu bezeichnen. 

dorlike (töricht) 43. löfiike (löblich) 48. köre (Wahl) 61. 62. 
tölner 71. könlge 138. 

Auch über o in: körnt = er kommt. Clauswitz hat ein solches 



77 

hiHtit des Originals verschieden behandelt. Blatt 71. 75. 85. 92. 101 
hat er es mit komef übertragen, Blatt 31 komH mit kommet, Blatt 84 
mlkonrt mit rulkomet, Blatt 47. 52. 86. 126 körnt mit komt. Vergl. 
die anderen vorkommenden Schreibungen: hmt 161.. kommet 81. 85. 
bmet 68. 72. komt 76. 86. 87. 88. 92. 101. 103. kumt 62. 68. 72. 
hmt 76. 

d) über o in: 6r (Pron. poss.) 23. 42. 46. 52. 63. 91. 138. 
6i'e 29. 6rme (ihrem) 29. 6r (Pron. pers.) 82. 

e) über o = germ. an mit Umlaut: M/w^ 12 'Bäume', höf/enfe 
(hiichste) 100. 

f) über u = germ. 6, ü, eu, n, aber ungemein selten: müiler 128. 
«/«//^ 138. rorrlüke 95; vornüqet 138. voryeuüme^le 138; //w.s 115; 
/«<•// 70; />ri%« (G. Sg.) 161; nüt 127. 128. 'Nutz'. mW 138. 
suiuhr 127. 

g) über ti = germ. A; 

/«ie/irf« 'lebten' 113. he Med 127. Imet 128. /^^« 127. 128. 

h) über /, // = germ. L 

ring 7 (Fisch), i^schnarkt 21. </emnnet 45. bisHchop 62. f/«7 
(dies) 67. 

<i?nÄ (Zins) 13. 14. 15. 18. 20. 26. 56. 73. 93. myn (weniger) 
19. 101. bynne (binnen) 6. vynm 'gewinnen' 5. tu wymiene 51. 

§ 9. Zum Vergleich sei dem vorigen Paragraphen ein Abschnitt 
angefugt über die Verwendung dieser darübergesetzten Zeichen, wie 
sie das Urkundenbuch zeigt — in den Urkunden, die dem Stadtbuch 
nicht entnommen sind. Der Gebrauch stimmt im grossen und ganzen 
mit dem des Stdtb. überein, nur das e ist häufiger als ^. 

1) ^ findet sich 

a) über u = germ. 6 ohne Umlaut: müde (D. Sg.) 1331. 1374. 
/« 'zu' 1321. 1334. 1374. thü 1331. tme 1394. iru 1409 I. dun 
'im 1436 I. 

b) über w = germ. 6 mit Umlaut: benümede 1321. vorbenümede 
1374. tu nütnende 1374. genüge 1374. rornüget 1419. rermüfjheh 
1436 II. 

c) über u = germ. ü ohne Umlaut: düne 1331. büten 1334. 
mi 1383. 1409 I. vt^wen 1383. 

d) über n = germ. ü mit Umlaut: vormmen 1331. 

e) über u = germ. kurz i« ohne Umlaut : üp 1321. nüt 1381 I. 
fiutsfim 1436 I. 

f) über u = germ. kurz u mit Umlaut: stücken 1334 

g) über u = germ. et*; ftlrfen 1331. düre 1331 'teurer'. Auch: 
ffüirm 1321 'euren', yö 1321. 

h) über u in: müchteu 1321. müchte 1374. äm/w^w 1331. 
i) über w = germ. b, f: bn/üe 1334. geschreümi 1334. y(?tip^; 
f/'tiß/i; begaüen 1334. 

2) e findet sich 

a) als Längezeichen: jdrgetyd 1436 II; nött 1442 1. W^ 1379. 
hörttman 1442 I; Ms (Sg.) 1383. rathüne 1381 III. ?m 1419. 1442 I. 



78 

(h'ichte (Prät.), (Jf^hriiken 1442 I. üt 1442 I; >iyne, Brmmryr, ft/fr/hr- 
(lint/hf, Jykev mja, Uj/um, heHchrymv 1321. (h'y 1321. 1383. \lri 1899 I. 
lyms 1421. Auch: bryire 1321. bryf 1321. Iiyr 1321. r/r 1399 I. 
(jeHchyn 1321. /^lyr 1331. 

b) um Dehnung zu bezeichnen: Vor r; dör (das Tor) 1383. 
irörden 1442. 1451. (Prät. und Particip.). — In offener Silbe: auer 
1379. leuet lebt' 1381 III. yelöwe wi/ 1343. — Sonstige Beispiele: 
(juam (Prät.) 1379. nöhu 1421 oder Umlaut? 

c) über o = germ uloy um Umlaut zu bezeichnen: hön/ent 1383. 
d//^^r (über) 1442 I. over 1440. .¥(5//;i(?r 1440. Cdlhi 1440. Zd/v^ 
(Wahl) 1442 I. verhör gm (verbürgen) 1331. nakömelhige 1451. schöhm 
'sollen' 1436 IV. 1440. 1451. i^chöhh 1442 I. 

d) über o in: ^wrf^e/* 1383. 1442 I. 1451. vermöge}* 1442 I; ör 
4hr' 1331. öre 1383. ' om* 1440. 1442 I. 

e) über o = germ. au mit Umlaut: vorhöpm 1381 III. Z(>y>f^;/ 
1448 IL gröttz 'grösste' 1432. nugenödiget 1442 I. 

f) über w = germ. 6 ohne Umlaut: Mn 1331. 1379. 1383 Hun\ 
tu 'zvC 1381 III. .srM 1399 I. güdt 1442 I. (/üden 1374. 1442 I. 
f/>i} 1435. 

g) über u = germ. 6 mit Umlaut: brugen (brühen) 1331. be- 
Humede 1379. 1383. bemimen 1435. gemige)/ \37d. giähken 1442 I. 
demüdigen 1442 1. bmders 1331. 14421. f/«//f?r 1448. v'nbemrt 1451. 
t}/i?w 1452. vorbtitm 1475. 

h) über w = germ. Ä ohne Umlaut: Beispiele unter a). 

i) über ii = germ. ü mit Umlaut: sügenn 1448 IL 'Säue'. 
vorsümede 1475. 

k) über w = germ. en: tüghe 1383. Mrfm 1440. lüde 1442 I. 
1451. (7^%^ 'Zeuge' 1442 L Auch befrundeti 1442 IL fiünde 1436. 

1) über u = germ, kurz u mit Umlaut: güldene 1331. brügr/ot 
1432. 1448 II. betagehrügget 1448. düchtigen 1436 IV. /wr,s<^ 1440. 
1442 I. /är5^//Ä- 1440. "?m«ß 1442 I 'nützlich'. dünken , stücken, 
jyünktmi, büntnme, natürliken 1442 I. bürger 1448. npged rückt 1448. 
uHvormcket 1451. 

m) über ?e in: .sÄn^« (sankt) 1421. 1442 IL 1451. dün 'dann' 
1379. müchte 1435. 1442 L 1451. müchten 1451. sülke 1442 I 
'solch'; süliien 1331. demesüluigen 1435. rnlvest 1440. .<?w/m« 1442 I. 
1451. dersübwfi 1442 I. medehülpe 'Mithilfe' 1451. medehülpern 
1448; kefitnüsse 1331. drüttich 1435. r//f?rW^ 1440. ^«.W/f?/? 
'zwischen' 1447. 

n) Sonstiges Vorkommen des e: 

Über //; eigentlich nur in der Urkunde vom Jahre 1321: k^ndere, 
dync, s^nt wyllen, s^cli 'sich', itycht, efinyclt, enygher, enen- 
fwyntygsten. hylghejt, yare. 

Über in folgenden Beispielen: oft 'wenn' 1442 I. ödder 'oder' 
1451. ön 'ihnen' 1442 L öm 'ihm' 1442 I. 

Über o = germ. 6 nur in: tö 1379. dön (tun) 1442 I. 

3) Zwei Striche stehen 



79 

a) über a (ä) = germ. a und d, um Umlaut zu bezeichnen, aber 
nur in der Urkunde 1381 I: amhlcht'ujkeHf (/emeHachäffer, endrachtuj^ 
Mrinttm; — mire. Sonst nur einmal 1421; ßirliL 

b) über ofo^ = germ. ujo, um Umlaut zu bezeichnen: Kmiy/tes- 
hnrh 1338. höre 1381 I. kmnmi 1381 I. nachkömmlhif/e 1381 I. 
imh'hmUnqe 1451. .s/ö/t^ (Prät. Conj.) 1381 I. örer 1381 I. hedörffen 
1414. förderen 1421. Möller 1436 III. 

c) über o in: mö(/en 1436 III. ören 4hren' 1432. dröftig 
^dreissig' 1436 III. 

d) über o = germ. au mit Umlaut: lösen 1338. (/eböde (Prät. 
Conj.) 1381 I. 

e) über?/ = germ. w'mit Umlaut (^/() : Gadeshmer 1381 X. sümig 
1436 III. 

f) über u = germ. 6 mit Umlaut: smie 1352. genüget 1381 I. 
y^7^///- 1397 II. sühne 1397 II. hünre 1432. ftrwrfer 1436 III. rfn/^f? 
(Prät. Conj.) 1436 III. 

g) über u = germ. kurz u mit Umlaut: darümme 1381 I. stücke 
1391. brüggen 1436 I. sünderliken 1436 III. verkündigen 1436 I. 
/./V/i/lf/jr 1436 III. 

h) über ?* =: germ. eu: lüden 1381 I. 1397 II. 1436 III. 
rtnltre 1381 I. trüirm 1381 I. 1436 III. trüghe (Treue) 1397 II. 
Auch fründe 1397 II. 1436 III. früntliken 1397 IL 

i) über u in: sünkte 'sankt' 1381 I. sünte 1436 III. kenntmme 
1419. nümmer 1338. 

k) über y: fty 1374. — Meist aber Punkte (jj): tyden 1383. 
1431. 1448 II. wy 1414. 1435. 1448 II. Igen 1414. dy 1435. 
1448 II. 1453. eyghenj geschyt, meyster 1435. tryse^ eyne, yar 
1448 II. pi-yster 1453. 



Kap. IV. Laut- und Formenlehre. 

Teil I. Lautlehre. 

1. Vokale. 

A. Vokale der Stammsilben. 

a. Kurze Vokale. 

a. 

§ 10. Germanisches kurzes betontes a bleibt meist, z. B.: snl 

•soir 1272. madi 1272. halen 'holen' 1331. hedai-f A 7. 

§ 11. Das Ergebnis des ^-Umlautes ist e. Umlautwirkend ist 
das / in folgenden Suffixen: 

1) das ehemalige i der ?- Deklination: siege 1311. gense A 20. 
B 22. beige I 11. mege^e Da 1. pele 1417; aber ganse A 22. 

2) j'-Infix, besonders der schwachen Verba: gevervet II 67. 
Afjwjre/i I 29. 1476. krenken 1 34. drenket Hl 8,20. irtvelen III 3. 
drengen 1436 II. Sterken 1476. Bei starken Verben: sweren I. 1 



80 

'schwören', schepe *Opt. Präs. von schaffen^ 1343; — aber goMarkei 
IV 1,6. trandm 1440 IL Meist: pandfin 1272. IV. 5 utpanfhll 42: 
fi ist hier sehr selten: tmrpendet V 44. 

3) Der Umlaut, den die Endung der zweiten und dritten Person 
Sg. Präs. hervorrufen sollte, ist durch Analogie beseitigt: he (fraret 
A 2. mllet II 70. 

4) nisse: renrknme III 6. bekeutnifise II 43. dechtnisse II 64. 
rorf/mhiisse II 43 (1320); aber auch: hekanttm^e 1430. 1453. 1472. 
erkfuithnisse 1465 II. 

5) er: futgengar A 13. dorwerder I 20. II 91. overlender I l.'i. 
kremer I 10. koldreger I 29. hecker 1272. worstmeker 1331; — 
kelmr 'Kälber' 1448 III; aber schinmtker 1448 III. 

6) ken: veteken I 13. getzken 'Gässchen' I 22. 

7) ig: mechtig 1381 II. II 66. 1421. 1465. almechtig I)h 14. 
1451. TT 105. unmechtig B 11. rorstemlig 1381. cref'tig 1391. 
reJlig E IS, geweidig A. geweldichliken C II. alireldig TT Sl, 1472. 
gegenwerdig 1338.. jegenwerdig 1381 IIL egmlrechtig 1439. 1442 
i u. IL Selten: gewaldig 138i IL III 7. ^7,2. gegenwardig 1442 I. 
tiHdrachtig 1442 1. 

8) like(n): vestliken II 83. getitzlikmi 1334. eyndrechtigliken 
1465 II; vorgenglike II 78. degelike B 19, vordechflike E 31. ?w/^?r- 
///»•^ II 62. gremelike St E\ umchedelik 1399 II; gentzlirh H 71. 
semptlich 1506. unwrgeyicklich 1506; aber landlike IV 63. 

9) 6.s'^ des Superlativs: aflerergest II 81. lemjeM 1401. eldeaten 
1442 II; aber oWe,s^e II 86 (1398).' 1451. 1453. 

10) iscA: Sesfiisch E 18. menmhe 1272. 

11) i^rm: hestedigeyi 1399. I 41. II 44. 

§ 12. Das aus a entstandene Uralaut-e geht zu / weiter in 
schinden und Compositis: geschindet IV 2. IV 31. schind a IV 18. 
heschindet C 12. 

§ 13. a weicht sporadisch zu e, o^ m aus. 

1) zu ^. 

a) vor r, r + cows: rfei^ ^ 26. B 5. B 19. J? 15. bedcr/f 
1399. I. 33. JS 6. bederf E 27. Bei Clauswitz steht zwar E 29 
bcAlarf, im Orig. Bl. 104 aber bederf. der 'er wagt' C 18. E 1; doch 
mag in den Präterito-Präs. Umlaut vorliegen. Andere Beispiele sind : 
werf 'Mal' 1423. C 5. werff V 71. perrer 'Pfarrer' I 26. Auf der- 
selben Seite hat Clauswitz noch parrer, aber im Orig. Bl. 19: prer, 
erebeyd 1448 IIL Vergl. im Berliner Weihnachtsspiel von Georg 
Pondo S. 29: ennen 'armen'. 

b) vor W; n 4- coris: men 'man' I 27. 1451. den 1272. 1381. 
1406 L sente 1383. 1442 I. wente 1272. IV 1. henp I 21 'Hanf. 
nntspennen I 32. 

c) vor ch: echter =: after II 45. eyndrecht 1453. Auch net/her 
'Nachbar' A 24. 

d) sonstige Beispiele: sg hedden IV 15 (1399). det 1381. V 6. 
1436 P. euer 'aber' 1440 Nr. 86. 1448 IIL In einer lateinischen 



^1 

Urkunde vom Jahre 1331: ples Tlatz'. met cjewelde TT 232 wird 
wohl auch hierher gehören, da sonst hier stets a zu finden ist. 

2) zu 0. 

a) vor hl stets: hohlen 1272. 1399 II. HU E. 1442 I. 1451. 
1476. 1537 P. old 1272. TT 316. olde 1352. 1383. olt 1475. 
Men 1396. 1399. oUhrlude 1465. i^olt I 13. molt I 13. fro// 
IV 3,4 'Gewalt'. 

b) vor ch\ och TT 25. 45 neben ach TT 84:. nochtens IV 2,ii. 
/// der nacht IV 20. mochten B 16. 1440 II. brachten IV 6. />ft 14. 
mIMachten Orig. d. Stdb. Bl. 124. (= V 3. Von Clauswitz nur 
der Inhalt angegeben.) 

c) Sonstige Beispiele: dot *das' Bl. 47. (schaden Orig. d. Stdb. 
Bl. 72 (Clauswitz hat ci). dan 'dann' B 24. C 24. IV 3. 

ran ist selten, z.B.: 1272. 1343. 1397. Meist m?i: 1322. 1338. 
1391. II 86 (1398). ^32. 1439. 1442 1. 1446. 1448 III. 1451. 1452. 
14G5. V 1475. 1508. Auch im TT stets van. 

3) zu w in einigen Fällen: dun 'dann' IV 20. 1440. he hefnl 
^er befahr 1446. muchten 'mochten' 1338. 1374. I 34. IV 2. 1436 III. 
1442 1. 1453. 2'T'24. Auch in dem Lehnwort taMen^ das als solches 
z. B. Da 13,2 steht, erscheint einmal u: he tmtet an E 31, 

Ein Zeichen, das mehr u als a ist, findet sich auch im Original 
d. Stdb. Bl. 137: betulen 'bezahlen'. 152: in der fusten (= Fasten). 

Ferner steht u meist in sunte 'sankt', z. B.: 1381 IIL 1386. 
1391. 1188(1399). IV 6. 1402 II. 1405 1. 1406. 1409. 1423 1. 1424. 
1436. 1439. 1451. 1452. 1472, 1475. TT 1; doch wird dies u wohl 
als H aufzufasften sein, was auch die vorkommenden Schreibungen 
mit üj ü und ü bestätigen. 

An dieser Stelle sei auch erwähnt, obwohl es sich hierbei 
eigentlich nicht um Verdumpfung eines a handelt, dass die Kopula 
stets u zeigt; niemals findet sich ande, ende, inde, wofür Tümpel: 
Beiträge von Paul und Braune, Bd. VII S. 35, mehrere Belege giebt. 



§ 14. e ist meist erhalten, z. B.: nnddeweles 1272. 1394. 
middeireke 1475. u^ecke 1476. lUleachen 1331. eten 1381. 

§ 15. Die alten e werden noch bedeutend durch die aus / ent- 
standenen e vermehrt. Vergl. § 21. 

§ 16. Während im Alts. germ. e vor m zu / geworden ist, und 
sich selten neman findet, ist in unseren Urkunden e die Regel: nenien 
1331. III 9. B. 2. 

§ 17. Auch e weicht zuweilen aus. 

1) zu a. 

jtarlepi 1334. harende Lome ^14. radebralen C 26. rorspralr 
E 32 'Fürsprecher', das E 12 mit e erscheint (im Original Bl. 107 
und 98); plage 'Pflege' Ä 25. B 4. f/er/anen 1425 II 'gegeben'. <li 
fhitje sines larendes 1472. Ferner: im Orig. d. Stdb. Bl. 61: dan man 
'den Mann'. Clauswitz hat hier: den. 

Niederdeatsches Jahrbuch XXIX. ß 



2) zu i; doch hierfür kann ich nur ein Beispiel geben: hrike 
*3. Pers. Sg. Präs. Konj.' 1399. 

3) zu o: tu worden 1399 I 'zu werden', he starret A 36. flos 
1414 = G. Sg. des Artikels. So viel Beispiele finden sich bei Fidicin 
und Clauswitz. Doch vergl. § 7. 

4) zu u. 

Meist in snlue. salve 1409. V 1475. suluen 1331. 1431. 1442. 
(hrsuluige 1465. 1472. 1506. (fessuhren 1404. 1406 I. 1451. 1452. 
mhrest 1440 II. 1537 P. 

Belege für e sind im Stadtbuch häufig, doch auch sonst: seh<e}i 
1338. 1379. 1453. desselmn 1432. 

Stets findet sich Imljye = Alts, helpa (Hilfe). Z. B.: St, EA\1. 
II 41. E 26. E 32. IV 13. IV 20. IV 30. V 57. 

Sonstige Beispiele: luschm I 20. II 91 (1466). dusse 1343 
'dieser', diissesulve 1421. 

Gemeint wird hier der Laut n sein; vergl. die vorkommenden 
Schreibungen: sülue, sulue, Inilpe. 

5) Die Partikel ^oder^ erscheint bald mit e, bald mit a, bald 
mit als Stammvokal, mit letzterem meist. 

eder 1391. edder 1399. 1442 1. 1453. TT 60. 200. 292. ader 
II 1328. 1331. 1383. I 12. II 41. 1465. II 91 (1466). nddir 1397. 
adder 1453. oder I 1. 1409. II 87. odder 1331. 1448 III. 

§ 18. Das e des Stammes der starken Verba lautet in der 
zweiten und dritten Person Präs. nicht um: he geft 1272. tmnet 1391. 
nemt A 18. sternet 1399. brechet 1399. sterffit 1401. sprecht St E. 
tret St E. Da 1. imttet I 10. geldet und gelt I 20. steht A 14. 
brecht A 30. 

§ 19. Wenn infolge von Ausfall eines // zwei e zusammenstossen, 
entsteht /; y: geschi I 8 'geschehe', besyn 1272. syn 1409. geschin 
II 37. 1440 I. 1448 III. Ausnahme bildet teyn 'zehn', wofür niemals 
tyn steht. 

i, 

§ 20. Germ, i erhält sich als i: middeirekes 1272. 1448. diar/ 
1272.' brim/en 1432. 1442 I. misse 1338. 1394. 1406 1. 1436. 1472 
'Messe', f/erichte 1396. mit 1381 I. 1409. 1425 1. 1440 II. 1442 IL 
1537 P. TT 68. 147. 282. 314. 

Seltener findet sich y-, irynniüfg 1272. wynnet 1272. hynder I 19. 
gerycht IV 15. 

§ 21. Auch i weicht zu anderen Vokalen aus. 

1) zu e. Gewöhnlich findet sich diese Senkung 

a) in mehrsilbigen Worten, meist in oflFener Silbe, z. B. : beseqeld 
1272. geschrewen 1272. vele 1272. II 62. 7T 75. treder 1272. 'vor- 
legen 'verliehen' 1311. 1439. spelelude 1334. heinil III 1. 1446. 
landsede III 4. geschreren I 5. IV 7. 1442 I. 1448 L ive.<<e 'Wieso' 
1414. seren 1409. 1414. weten 'das Wissen' 1424. begrepen 1442 IL 
sekerheyd 1452. ersehenen 1508. ere 'ihr' 1322. 1338.' 

Doch auch in geschlossener Silbe, besonders vor r-Verbindungen, 



83 

z. B.: herse I 9. kerke 1448 III. kerkhof I 22. herde A 25 'Hirte'. 
fff^^rhennen 1414. 1440. Von /-Verbindungen kann ich nur belegen: 
rurdehjet = Alts, fardtfif/on II 37. icefkes B 20. irefkeme B 5. 

Sonstige Beispiele: gewennm V 24 (1404). hrenghet 1343. 
kmgen V 24 (1404). 

b) in einsilbigen Worten vor Doppelkonsonanz, besonders r- 
Verbindungen : wert *Wirt'. hert A 28 *Hirsch'; stets welk. 

Selten vor einfachem Konsonanten: let B 1 'Glied', schep 1453 
^Schiff, schepfart II 47. ^f?w>if^.s I 10 = G. Sg. In em 'ihnen' 1311. 
1881. 1399. en 1272. 1334 ist e die Regel; ebenso in met: 1272. 
1381 I. 1396. 1401. St E. 1409. 1425 II. 1432. 1439. 1442. 1448 III. 
1465. 1472. 1475. 1476. V 73 (1489). Auch im TT überwiegt met. 
Siemals findet sich ek, mek, sek, 

2) zu wird es nur in soren I 16. III 12. sowen 1506 und 
Ableitungen: soventig 1272. I 16. 1472. 1476, woneben sich häufig 
e findet: sevemh I 19. seventeyn V 1417; fast stets in or, oren, z. B.: 
1272. 1399. III 10. 1432. 1436. Nur vereinzelt kommt yren, ir, eren vor. 

Der Lautwert dieser o wird ö sein. Vergl. Kap. III die bei 
letzterem Worte vorkommenden Schreibungen mit 6, ö. 

3) zu h: irk wußte TjT 110. vorwußt 1446, aber wiste IV2,io. 
THlfK TT 301. du wult TT 325, aber da w'iH E 11. 1448 I. sulrer 
1421. Sehr häufig dnulde z. B. 1440 II. druddehalf 1399, aber auch 
fUidde z. B 1272. Vergleiche auch das aus ursprünglich langem, 
aber gekürztem t entstandene n in: drutteijukundert 1381 I. 1391. 
1399. eijn undructitig 1431. dnittich 1436 II, woneben aber: dritt- 
'l/tthundert 1300. dritteynde I 19. drittich I 32. drittigeste 1436 P; 
ferner das neben seltenem nimmer z. B. 1399 gewöhnlich auftretende 
nnmmer 1381 I. nummermer I 1. V 67. 77 290, auch das sporadisch 
vorkommende n in dem Suffix nisse: bekentnns 1379. gefengnnsse 14041. 
ilerkf^ftntniisse 1453. Vielleicht gehört auch runder II 67. rundershude 
l 1 1 hierher, so dass man also nicht ^hrun^is als Etymon anzusetzen 
braucht; jedenfalls findet sich auch ryndere B 22. 

Der Lautwert aller dieser n ist wohl w, für das ausser dem 
Scbwanken zwischen i und u auch die bei einigen dieser Worte be- 
legten Schreibungen mit u, ii, ü sprechen. 

ujo, 

§ 22. Urgermanisch u hat sich in allen germ. Sprachen in u 
und gespalten und zwar steht 

I) vor a, 0, e der folgenden Silbe, ausser bei dazwischen- 
stchender Nasalverbindung. 

II) u vor Nasalverbindungen und /; j, u der folgenden Silbe. 
Für Berlin gilt nun folgendes: 

1) germ. alts. o bleibt meist: oren 1272 'Ofen', höre 1272 'Hofe'. 
rhomi St E. openhar 1391. 1406. 1439. darborm 1 31. 1442 I. 
1465. f/odes 1409 1. hode A 5, wo! TT HG. 104. 107. 126. erkoren 
TT 61.' rer/oren TT 62. 

6* 



u 

2) Vor einfacher Nasalis steht o, abweichend vom Alts.: komeK 
I 1. 1394. 1442 1. 116. 1451. 1452. TT 57. 119. 287. r/ekomen B. 
k'omet 1436. somer 1381 IL i^one 1272. 1401. Nr. 79.' V 1497. 
k'oniug III 2. 1425 I. konif/ TT 219. (einmal kunhiff 1431). 

3) zu a wird germ. o sporadisch in späterer Zeit. 

a) in offener Silbe: apenbar 1343. gades 1343. 1414. 1472. 
1476. 1506. 1508. ihre = Tore D. Sg. 1475. dare im Orig. d. Stdb. 
Bl. 59 (Clauswitz hat o). hejaJen 1421. (ßelaven 1436 P. apen 1453. 
gebaren 1453. Ja^fe« 'Boten' 1453. bauen 'oben' 1472. 1476. knaken- 
'hower V 1475. ami 'Ofen' II 91 (1466). 1475. awerantirerclen 1508. 
f/ekamen 1472. V 1489. m jTmwe/i 1465 II. 

Ferner, von Clauswitz nicht gedruckt: Orig. d. Stdb. Bl. 141 
vom Jahre 1461: apen. Bl. 161 vom Jahre 1472: apenbar, (jades. 

Im TT: (fade, gades 84, 102. 134. 173. beraten 75. ' gebaren 
241. 296. 304.' apenbar 300. kämet TT 15. 

b) in geschlossener Silbe: scliak Orig. d. Stdb. Bl. 128. 137. 
wal TT 11. 197. Ferner: irstarffen Orig. d. Stdb. Bl. 137 (Clauswitz 
hat o). darne TT 187. 

4) Statt des zu erwartenden o findet sich, wie auch schon alts., 
u in einigen Worten mit Labialis: vul 7? 15. wulf A 25. widle I 11. 
irnireahicd I 11. mulkenmarkt I 22. 

5) Ferner steht u in: gehulpen IV 1,2. Stets in mik: 1322. 
I 6. II 42. II 87. 1431. 1432. 1442 L 1442 IL 1446. 1448 III. 
1488. Mit sehr selten: solch 1381. solck 1506. 

6) germ. ?/ bleibt in der Regel vor n + cons: sunder 1352. 
1374. 1397. 122. III 6. CiL 1400. 1401. 1414. 1417. 1432. 1435. 
143G L 1436 IIL 1451. 1465. 1472. 1508. 1537 P. TT 1. 312. 
besunderen I 16. sundern 1442 IL sunderUken 1374. 1439. 1442 I. 
gesund ert 1442 I. umme ^41. tunge III 6. orkunde. gesunt 1272. 
C29,9. stunde St. E. bunde St. E. s unne C ^?>onne\ unseren 1343. 
sundag 1381 I. 1448 IIL sunarend 1408 (112). 1432. sunnarend 
J)b 16. he künde 1436. 1453. sf/ künden 1423 L irunde 1440 IL 
kundt 1442 I. pund 1452. 1453.' tukumftig 1432. 1440 I. 1451. 
tokmnfftig 1465. 1508. tunne I 13. 1452. gefunden 1452. 

Beisi)iele für o sind sehr selten: sonder 1414. 1537 P. sondern 
1381 L 1448 I. tukomft III 7. können 1448 I. sonarend I 34. 
1472. Sonnabend 1272. sondages 1272. ,so;?//rfr/ öi 16. 1442 I. 

7) Einige Woile zeigen trotz ursprünglich folgenden /'s dennoch 
0, so: ovU IV 1. orel 1436. Z>a 13,8. «s/o^^/ IV 1. 1442 L rorhoget 
1 16. Vergl. auch: molenstein I 13. moJlenhofl 20. wolendam II 88. 
wo//i^r IV 26 (1402). 

8) Vor r + f'ow.<?. herrscht starkes Schwanken zwischen o und 
u\ ist häufiger. 

Beispiele für o: (/^i/;o;Y/ 1272. 1343. 1352. 1436. 1448 IIL 1451. 
1465. 1472. bord 1417. nottroft 'Notdurft' 1399. boreh 1432. 1451. 
Brandenborch 1322. 1383. dorch 1272. 1338. I 25. 1472. 1506. 
1537 P. dorg 1383. torm III 6. 1442 IL 1508. storni II 77. irorst 
(Wurst) 1331. börste B 22 = ahd. i//r,s«/. born 118. V 63 (1454); 



85 

— Imrycr 1343. 1397. 1399. SL E. I U. 1409. 1424. 1430. 1439. 
1440 1. 1432. 1435. 1436. 1442 1. 1442 II. 1446. 1447. 1448 I u. III. 
1452. 14G5. bon/enneister TT 255. vorsteu 'Fürsten' III 2. C 28. 
forsten 1391. forst II 38. forstlik 1440 II. forder 'fürder' 1442 IL 
14Ü5. 1472. 1508. vorder 1472. dorfen 1436. he beyordet 'gürtet' B 16. 

Beispiele für u: geburt 1414. bürg 1440 II. 1442 IL Branden- 
hun/ 1338: —burger II 87 (1399). IV 16. IV 21. 1401. 1404. 1419 L 
U-20 L 1423 IL 1425 I, IL 1442 IL 1448 L 1508. fursten 1431. 
1442 L 1442 IL furstUk 1440 IL fnrder 1436. 1442 IL 1465. 

Zwei Beispiele kann ich auch für a. geben: harf/f reden Orig. d. 
Stdtb. Bl. 110. bargern Bl. 116. 

§ 23. Umlaut. 

a) Umlaut des o, wie bei allen umgelauteten Vokalen, meist 
nicht bezeichnet, aber oflfeiibar eingetreten. Vergl. Kap. 111 die vor- 
kommenden Schreibungen ö) 6\ d; ferner dass einmal schettel 1381 I 
= ahd. acHzzUa steht. Georg Pondo im Berliner Weihnachtsspiel 
hat 6: öirerall S. 7. könnig S. 17. göttlich S. 27; aber auch: dreuer 
S. 20 'drüber', kennig S. 26 (hrsg. von Freybe). Im heutigen Branden- 
burgischen ist zwar die Aussprache als e sehr verbreitet, aber in der 
Priegnitz, Neumark herrscht wie im Mecklenburgischen offener ö-Laut, 
und diesen werden wir auch hier für unsere Zeit annehmen dürfen. 

b) Umlaut des u ebenfalls meist nicht durch ein Zeichen markiert: 
z. B. bnigge 1432. htstet 1436 IlL beschütten 1414 'beschützen'. 
>'i'lfnften 1436 II, doch findet sich auch ü, ü. Zwei Beispiele mit i 
kann ich geben: minte 1419 IL niet grote vngelike Orig. d. Stdb. Bl. 
112. Für unsere Zeit hier ist aber wohl noch nicht Entlabialisierung 
anzanclimen, die zwar heute in der Mittelmark und Berlin zu kon- 
statieren ist: vielmehr werden wir hier noch />• anzusetzen haben, 
das in der Neumark und Priegnitz bis heute die Herrschaft behauptet. 

. b. Lange Vokale. 

§ 24. Längenbezeichnung. 

Die Länge der Vokale wird in der frühsten Zeit meist nicht 
bezeichnet. Später kommt die Längenbezeichnung mehr in Gebrauch, 
bleibt aber doch mehr oder weniger sporadisch ; am häufigsten findet 
sie sich bei e und ö; sie besteht in Einfügen eines h, Einfügen eines 
Vokals und Darübersetzen eines Zeichens. Bezüglich des letzteren 
vergl. Kap. IIL 

Bei ä findet man: 

1) h sehr selten: dahn 1343. jahres 121. 

2) e häufiger: daet 1383. I 22. C 10,4. raedt II 91 (1466). 
'fftm TT 24. raet TT 65. Andere Vokale sind hier nicht üblich. 

Bei e: 

1) h selten: dehl 1436 IL 1440. mehr 1440. 1472. vortmehr 
V 80 (1461). Unehre IV 3,4. 

2) i oder y sehr häufig. Beispiele in jeder Urkunde. 

3) ee seltener: eed St, E. zeel I 9 'Seil', iveeten 'Weizen' I 12. 



86 

heet *hei88t' Dh 18. heede 1435. hee 1436. V 48 'er', eer TT 45 
*eher'. preest-er 1476. 
Bei f: 

1) h sehr selten: ä/ä/c 1421 'Seele'. 

2) e ziemlich häufig: riez I 10 'Reis', t'ml 'Zeit' TT 280. /r///r. 
'wir' II 87. 

Bei ö: 

1) h sehr selten: ftoZ/me 1399. doliu 1447 'tun'. 

2) e häufiger: loes 1400. /«oe^ 1453. loen II 91 (1466). doet 
TT 4. 69. 

3) / und y nicht selten: «oy^.1331. r/oy</ 1405 II. f/o// 1406. 

4) u recht häufig in den beiden Worten: ouk z. B.: II 87. 1404. 
1409, IV 14. IV 17. IV 18. IV 19. IV 20. V 40 (1424). V 67. ouch 
E 29. verhmft, 

5) 00 sehr selten: ook B 26. 
Bei ü: 

1) h sehr selten: wechfuhren I 9. 

2) y häufiger: hnyt E 8 'Haut\ kvuyt III 13. huyk I 7. IV. 

3) e: bmk l 7. huen 1414. f/w^^^i 1440 II. 

Da Clauswitz öfters darübergesetzte Zeichen danebengestellt hat, 
so seien hier aus dem Original des Stadtbuches einige Beispiele ge- 
geben, in denen das die Länge bezeichnende e wirklich daneben steht: 
daet Bl. 23. 30. 69. 73. 94. 96. raedt 59; zeel 6. hem 20. A^fc 138; 
r/>/f 'fünf 129. tkd (Zeit) 141. sieuen 'seinen' 155; loen 59. 

Der Vokalnachschlag ist also für unsere Urkunden als Quan- 
titätszeichen anzusehen, als Mittel, die Länge zu bezeichnen, denn 
nach kurzem Vokal findet er sich nicht. Wenn er sich nach ur- 
sprünglich kurzem Vokal zeigt — ich habe nur folgende Beispiele 
gefunden: keyyen 'gegen' 1379. oere^^ 'ihres' 1381 I. klelger III 10. 
vorheneymede V 25 (1405) 'vorbenannte', antael 1442 I. heyt IV 30. 
heit 1506 'hat' — so ist eben hier schon Dehnung anzunehmen, die 
ja auch sporadisch durch darübergesetztes e 'angedeutet wird. Vergl. 
Kap. III. 

Anm.: Dass i (y) und a in ei und oa nachschlagende Vokale 
bezeichnen sollen, ist wohl nicht anzunehmen; wenigstens spricht da- 
gegen, dass im heutigen Berliner Dialekt durchaus reines langes e 
und ö zu hören ist: BeUf Born. 

d, 
S 25. Langes A hat sich als solches erhalten: une 1272. A 26. 
mantid 1272. min I 9 'Mohn', war I 15 'wo'. Utten 1272. .1 19. 
• § 26. /-Umlaut ergiebt e. Für folgende Suflixe sind mir Belege 
zur Hand. 

a) er\ ntisaededer E 27, 

b) ken: streteken I 23. 

c) like: wevlike I 1. jerlik II 80. 1401. yemmerliken El, aber: 
jamavJike St. E. 



87 

d) ig: qne(Uqliken St. E. III 8. nndertlenit/ 1442 II, aber: noJ- 
Mhj 11 44 p317). mlikef/d 1436 If. umkrddniy II 43. III 4. 1447. 

e) ^-Infix in: marcyrere 1334. gogreven III 9. marggreie V 69 
(14G5), aber inarggrare II 84. 

f) Nicht lautet ä um in der /-Deklination, also: (lade II 43. II 66. 

g) Prät. Conj.: breke 1272 sete E 12. Schwächung zu * findet 
sich in: iriren 1442 I (dreimal). 

h) Aus dem Conj. Prät. kommt das e in die Indikativform, so 
dass wir die seltsame Erscheinung haben, durchaus e zu finden im 
Plural Präteriti lndic<ativi der Verba der vierten und fünften Ablaut- 
reihe: ireren III 12,5. quemen III 12,5. Da 10. geren III 12,5. 
itmen IV 11. breken IV 10. stelen IV 10. 

Beispiele für Erhaltung des d sind sehr selten: mimen IV 18. 
Mit Verdumpfung: contomen IV 3,2. 

i) Manchmal tritt auch Umlaut ein in: let 4ässt' I 9. A 28. 
Db 14. E 31. 

§ 27. Verdumpfung zu o ist selten: tcor 'wo' 1399. do Da 10. 
IV 5. IV 13. go TT 328 'ja'. Mondag 1414. one 1439. 1442 IL 

Beispiele für u: ane 1439. 1442 I. Mandag 1442 I. 1453. 

e. 

S 28. Germ, e ist in der Regel zu / geworden, auch die Schreibung 
/\ // kommt vor: hir l 14. hier TT 297. mgden I 12. I 32. E 7,4 
'mieten'; i findet sich auch in: prister, brifj apigel und im Präteritum 
der reduplizierenden Verben, deren Stamm nicht auf nn, II, u- oder 
/ -f- roHit, ausgeht. 

e ist sehr selten: breres 1381 I. breff 1414. preeder 1476. 



S 29. Langes t ist erhalten: dri 1272. tid 1272. mgden 1311. 
W I 13. sUpstein l 13. irgen 1451 'weihen', striken 1475. 

1436 III steht neben irgtfe auch /r/V-ve? 'Weise'. 

S 30. Gekürzt ist es in fefte, druttich; zuweilen auch wohl in 
dem Suffix liken, das zwar nahezu stets mit / geschrieben wird, aber 
doch vereinzelt auch e zeigt: erleken 1381 III. 



j^ 31. Germ. 6 erscheint in den Berliner Urkunden durchaus 
als w: mi^ 1381 IL SLE. I 7. 1436 P. gud 1399. ku I 12. mnder 
1 8. hun I 25. gnive I 27. stegngruven A 11. ^•/;</ II 61. III 4. 
>/y 1442 L vutstappen II 75. Ww/w^w III 10. bind V 1465; 
hUrhojHlufn II 62. schultendum III 4; /rÄw/* III 5. ijr/i?yj III 10. 
w IV 2. .5/MrA IV 21; dun 1331. 1338. 1399. 1452. 1453. dunde 
l>h 19; Silken I 33. IV 2. vorsuken I 62. 

Bezüglich der über diesem /« vorkommenden Zeichen vergl. 
Kap. IIL 



88 

Im TT: ihn 83. 102. 113. 124. 197. 190 'zu', (jud 21. 23. 51. 
muth, mnthen 44. 60. 08. 94. bmder 1. dut 211. r/etutch 245. 
stul 2. hiik 19. 40. ntpe 98 usw. 

§ 32. Manchmal ist altes 6 geblieben; häufig bei tun. 

Infinitiv: <Ion 1272. 1397. SL K I 17. I 32. Ä 13. .1 27. 1442. 
dohn 1447. dhon III 10. A 33. V 73 (1489). 1442 If. Sonstige 
Beispiele: hertoyedom III 4. eygendom 1436 III. Marf/f/rarendo/n 
1442 II. In einer lateinischen Urkunde v. Jahre 1253 (Fidicin S. 8): 

Im TT: (/od 287. hode 159 'Hut', krof/he 312. ho 324. rope 349. 

In den Partikeln „zu** und „wie*' herrscht starkes Schwanken: 

Belege für tu: 1272. 1338. 1343. 1374. III 4. B 14. 1401-1420. 
1423. 1432. 1435. 1436. 1439. 1448 III. 1451. 1475. thu 1381 I. 
1383. 1391. 

Belege für to: 1352. 1381 I. 1391. B 14. 1421. 1431. 1435. 
1440 II, 1442 I. IL 1447. 1448 I. II. 1453. V 80 (1461). 1405. 1472. 
1475. 1476. 1506. tho im TT 61. 323 neben häufigerem thu. alto 
TT 64. altomahn TT 190. 

Belege für wo: B 3. 1465 IL 

Belege für wu: K 15,4. /; 33. 1409. 1431. 1442 L 1446. 1451. 
V 63 (1454). TT 55. V 73 (1489). — Selten: tcie E 17,3. iri V 0. 
Vergl. Kap. III vorkommendes tu, um, ume, utL 

§ 33. Umlaut des 6 meist als u geschrieben: hüten, gruten. 
Beispiele mit darüberstehenden Zeichen Kap. III. — Einige Mal findet 
sich auch hier o: (jesonet A 1 'gesühnt'. 

§ 34. Bezüglich des vermutlichen Lautwertes dieser u sei hier 
folgendes bemerkt. 

1) u = germ. 6 ohne Umlaut wird einen Laut bezeichnen, in 
dem u ein sehr wesentliches Element war, vielleicht u mit nach- 
schlagendem o oder 3. Georg Pondo schreibt im Berliner Weihnachts- 
spiel stets u: rupen S. 28. (judt S. 19. wudt S. 19. Was den 
heutigen Lautstand der Mark betrifft, so herrscht in der Priegnitz ö, 
in der Neumark uo, in der Mittelmark u^, abgesehen vom Berliner 
Dialekt, der reines u hat. 

2) u = germ. 6 mit Umlaut wird dann lautlich = tV gewesen 
sein. Dazu stimmt, dass, ^währeud die nördlichen Gegenden ö zeigen, 
in der Mittelmark heute i^, in Berlin t zu hören ist. 

u, 

§ 35. Germ, ü bleibt u: dusend 1272. su I 12. hrut I 14. 
snhud Dh 19. (jehruken K 2^. ludet 1446. (jehrukeu, husfrutre 1506. 
(jebrukt 1537 F. 

§ 36. Für langes u wird in späteren Urkunden sporadisch auch 
iv geschrieben: burn 1465 IL to huiuJe 1465 II. nhw 'nun' 1506. 

§ 37. Umlaut des ü ist eingetreten und manchmal durch 
Zeichen angedeutet, z. B. siujenn. Vergl. Kap. III. Gegenwärtig 
herrscht im Süden Brandenburgs, speciell der Mittelmark, i — vom 



89 

bt'utigcn Berliniscli ganz zu gesclnveigcn, das hoclulcutscli äu ent- 
hibialisiert bat (Heisa = Häuser) — , im Norden und der Neumark 
aber noch langes ü, und diese Aussprache werden ^vir auch für Alt- 
Berlin annehmen müssen. 

c. Diphthonge. 
ai, 
§ 38. Ahd. wird germ. ai nur vor h, r und w zu e, im Berli- 
nischen wie Alts, stets: eden 1272 'Eiden', tfce 1272. etn/e 1311. 
infshet 1381 I. kleder, enen, (jemenen 1381 I. bede 1381 I. 1397. 
fil SL E. Zeel I 9. emmer I 11. eme I 13 'einem', vorledet I 16. 
W fjedan EU. brede I 23. vele II 87 'feil', bet A 41 'biss'. dref 

IV 5 'trieb' und so bis 1537: eaeUf kenerle, egne, 

S 39. Bei weitem häufiger ist allerdings die Schreibung ei, ey, 
Beispiele finden sich in jeder Urkunde, doch seien einige angeführt: 
ttfuen^ meisters, beide, gemeynheit, geheiten, vhisch 1272. .keglige 1381. 
g**ist 1394. geistliken TT 74. gegstlike TT 87. 

Da SS dieses ei, ey nicht etwa den Laut wert des nhd. Diphthonges 
f'i, sondern den eines langen e hatte, steht wohl ausser allem Zweifel. 
Abgesehen von der inneren Unwahrscheinlichkeit eines Diphthonges 
*i in Berlin, sind es folgende Gründe, die für langes e sprechen. 

1) Es findet sich neben der häufigeren Schreibung mit ei, eg 
oft e, nicht selten ee und eh. Vgl. § 24. 

2) Es wird auch für das aus a durch /-Umlaut entstandene und 
gelängte e zuweilen ei, eg geschrieben: kleiger 111 10. 

3) Auch in den Fällen, wo im Ahd. aus ai e\ entstanden war, 
steht sporadisch ei, eg: vortmeir 1400. meir 1401. 1402. 1403. megr 
TT 21 A:, eilike 1401 = ehelich, vetjde I 1 'Fehde', wegnich I 15. 
^gtrich V 24 (1404). 

4) Noch im heutigen Berliner Dialekt herrscht hier e: menen, 
trt'nen, Ben, 

Graupe meint S. 19: Cum BenjUnemea in rorabulis linc pertinen- 
ffhas abstrneant diphthongo semperque longa e utantur, mihi etiam a 
rthre dialecto diphthougm aliena ftiisse ridetnr, quamqiuim pro certo 
^fffinnare nihil possum, 

§ 40- Manchmal ist das ^ zu i verdünnt; stets in: Urintivh 
1331. 1421; nahezu stets in: irst 1331. 1423 1. 1432. 1436. 1436 III. 
1439. 1440. 1446. 1448 III. 1451. 1453. 

Beispiele für e: ernten 1440 II. 1442 I; häufig in: hileg 1338. 
1352. 1383. 1394. 1399 I. 1399 II. HL E, 1423 I. 1436 IIL 1448 III. 

Sonst selten: ggstliken 1381. tirie V 73 (1489). tfvge schock 

V 33 (1411). 

Germ, ai + w wird stets zu /, g in: sgle St. E, 1451 und den 
mit germ. aiir zusammengesetzten Worten: gmand 1272. 1311. I 22. 
I 30. nymand TT 20. ifqlirker 1421. i/nlik 1421. idik I 20. ydoch 
1404. yderman V 75 (1448). 



90 

an, 

§ 41. Germ, au wird stets zu ö, entsprechend dem Alts.: horsam 
1272. (hrlomn 1272 'erlauben', ok 1272. 1391. SL E. II 87 (1390). 
1476. corkopen 1311. II 87 (1399). 1400. 1401 II. hop 1331. 
soehkalff 1331. ogen SL E. .4 41. lof Db Id 'Laub'. /o/)6>u I 16. 
hovet Da 2. hovetman I 34. toverie, tocerighe IV 13. r/o(/m II 80. 

Sehr häufig, in manchen Urkunden ausschliesslich, ist ou ge- 
schrieben in üiik und vorkouft; aber nur in diesen beiden Worten. 

Alts, auiv wird bald als ov^ bald als ouw geschrieben: knoken- 
hover I 18. knokenhoiurer II 82. aftuhouwen I 29. 

§ 42. Umlaut. Die Bezeichnung desselben ist sehr, sehr selten. 
Vcrgl. Cap. 111. Meist steht nur o z. B. groter 1272. anlwrer II 44. 
gehören I 25. wederstromich 1272. höhne 1399. schofien 1 15 
'schönen', eyiiogich I 30. ror^r III 9. 

Was die phonetische Geltung dieses o anlangt, so wird es 
wohl als sehr geschlossenes 8 aufzufassen sein, dass in den nördlichen 
Gegenden Brandenburgs heute zu finden ist, während in Berlin und 
Umgegend wie der Mittelmark e gilt. Bei Georg Pondo begegnet 
neben schön j skone usw. auch einmal gleweth S. 9. 

eu. 

§ 43. Germ, eu ist Alts, in tu und eo gespalten; es wird zu 
in vor i(j)n der folgenden Silbe, zu eo vor a^ e, o der folgenden 
Silbe. Dies eo ging schon in alts. Zeit gewöhnlich zu io über, wo- 
neben sich in Hei, M uij in HeL ie häufig findet. 

Diese Scheidung dauert in der Sprache unserer Urkunden fort, 
indem im ersten Falle hier u, im zweiten i steht. 

§ 44. Germ, eu > Alts, in > berlinisch u: sukeb&Me E 26. 
sukede A 9,?. B 4. unkmcheit Da 3. E 31. dusche III 3. diute^sch 
III 5. dugtz E 2. dufte Ä 15. A 26. lüde 1311. 1331. 1381 II, III. 
1399. I 7. durest I 17. durer I 26. tugen E 27. 'zeugen', tugh 
A 27. belügen 1399 IL II 66. beduden 12. 

Aber dgresch A 17; alts. ni(u)iri ergiebt stets nge, selten 
nige I 11. 

Bezüglich der über dem u vorkommenden Zeichen vergl. Kap. IIL 
Der Lautwert dieses u wird langes ü sein, gleich dem aus ü durch 
/-Umlaut entstandenen. Auch die heutigen Mundarten der Mark 
zeigen hier ü im Norden, im Süden (Mittelmark) i; der Berliner 
Dialekt hat ei 

§ 45. Germ, eu > Alts, eo, io (ia, ie) > berlin. ?: kgsen 1272. 
B 28. kiesen 1381. gelnden 1272. dgr A 28. genitm St. E, dynen 
St. E. dif III 2. diper A 1 'tiefer', unbgden 1397. anhuhn II 79. 
corlisen Da 6. ti/en IV 24. 1423 I. schiten E 12. /// St. E\ III 8. 
lief 1338. live 1*436 P. TT 285. /y/* TT 200. 

Einige Male steht auch e statt des zu erwartenden i, y; doch 
ist das sehr selten: kesen 1442 I (dreimal), leu^e 1440 IL leue 1448. 
!/T 57. 70. lere 1436 Z^ und wohl, ebenso wie das sporadische Vor- 



91 

kommen von o für germ. ö, nicht eigentlich Berlinisch, sondern Nach- 
ahmung der anderen nd. Mundarten. 

§ 40. Durch Analogie ist im Sinfi^ular dos Präsens der Verben 
der zweiten Äblautreihe sehr häutig der Vokal des Infinitivs ein- 
getreten: schit C 10. rlit C 10. voriiset B 17. C 12. Da 3. Da 17. 
ii'k rorbide III 10. 

Beispiele für u: sehnt *schiesst' A 18. vorUust 'verliert' A 12. 
.1 22. B 4. E 17. /; 28. corluset E 21. rorluHit E 24,3. dnt 
*Hiesst' A 15. man f/ebudet A 35. bnthit IV 2,8. 

>{ 47. Zwei Wörter seien hier für sich behandelt, die zwar im 
Alts, in zeigen, deren Diphthong aber nicht auf germ. eu zurückgeht. 

Got ßjand^. A\U. Jiund > vieud l\ 20. 1440. vi/md IV 30. 
/7V;i//c 1440 II. Neben hier durchaus herrschendem ie kommen auch 
vereinzelt Schreibungen vor wie vi/ajul 1448 II. nantlike III 7. 

Got. frijörnh. Alts, friunt wird stets zu fnutt: St. E, II 70. 
l.>8l III. Bezügl. der darüberstehenden Zeichen vergl. Cap. III. 

§ 48. Die Vokale der Stammsilben in uubitonton Worten werden 

1) zuweilen zu e geschwächt: 

iiftSor > seder III 2. III 5. men I 1. I 28 als unbestimmtes 
Pronomen, se A 15. A 20. TT 301 = sy (Pron. pers.) de (Artikel) 
1322. 1331. III 2. TT 18. 83. 128. tre A 34 Sver\ 

2) Manchmal fallen sie aus 

a) durch Contraktion von Präposition mit Artikel. Selten. 
ron deme > vom I 26 (geschrieben im Orig. Bl. 19: rö). tu 

dmie > thum V 70 (1475). thun 1451. tum 1442 I, II. in deme 
> Imme 1343. Im Orig. d. Stdb. Bl. 74: I dorpe, an deme > amme 
V G7. (Im Orig. Bl. 155 aber anm(^. am V 75 (1448). V 74 (1452). 
^/ der > ttir E 14. uter IV 14. ronme Orig. d. Stdb. Bl. 61. 

b) durch Enklisis bei den persönlichen Fürwörtern id, si, is. Selten. 
iaten id > latent III 2. urret 1331. I 34. V 26. wert 131)1). 

twment B 2. Neben isset A 27. V 69 (1465) auch ist II 43; so/tens 
1331. makens 1331 'machen sie.' Auch an Fürwörter angelehnt: 
tmnt A 12. het A 12. A 15. lies A 15. mans C 28,5. 

B. Vokale der Nebensilben. 

§ 49. Präfixe. 

1) germ. ar (alts. a) erscheint als er, meist mit vorgestelltem d: 
'hrhnen 1272. derwelet St. E. derbarmet St. E. detfrayen III Prolog. 
dn'faren III Prolog. 1435. derkennen 1272. 1394. 1399. deraernen 
13U7. derfuren IV 4. derkenden IV 4. derstecken IV 7. derslan 
IV 7. derneren 1452. 

Seltener als ir: irkennen I 32. irhuf HI 7. utirkoren IM 12. 
irtreruen A 1. irsfernet A 16. irstan A 22. irrjan C 19. irvrayen 
E. irfordern E 32. inviset E 32. 

2) Ahd. got. bi > be; in späteren Urkunden auch io, bu: bolesen 
143G II. bosunderen 1446. hoqueme 1465. borirhten TT 288. bo- 



92 

stellen 1472. hotivchtumf 1506 boyiftiyen 1508. — hukemwn 140G I. 
1425 I. 

3) ant wird meist zu ent: entfangen 1399 II. entßng B 5. 
entphanr/en I 3. entf/an E 27. enthodet IV 3,3. e^i^/?^> IV 5,4. eM- 
fi'omdet 1436 I. — Doch recht häufig findet sich auch unt: undixutyen 
1338. Hntli/vet I 29. untspennen I 32. untlopt A 34. luithocet 

IV 5. IV 7. untquam IV 11. untqmmen IV 12. imtfiird IV 15. 

Im Original des Stadtb. findet sich allerdings nicht ii wie bei 
Clauswitz, sondern die Schreibung mit r; vntschuldir/en Blatt 69 
(= A 2). vntsclmldiyet 103 (==:/; 29). rntgat 10. 72. rnthalden Ib. 
vntmret 76. rntscheiden 78. vntlket 108. vnteruen 82 (= £ IG). 
iVi^m'A^ 101 (= J? 23). 

4) /"ar > /br^ gewöhnlich mit o geschrieben: rorkopefi, vorUseUj 
vorbiden. 

Selten ver oder rar: rerlaten V 51 (1444). rargeladen 1436 II. 

5) got. </r*; alts. ffi wird stets f/^. 
§ 50. Suffixe. 

1) In Endungen wird 

a) in geschlossener Silbe jeder Vokal des Alts, zu e. Beispiele 
bietet die Conjugation und Deklination in Fülle. 

In manciien Urkunden erscheint auch / statt des gewöhnlichen e: 
rorderln 1352. tverdin 1352. allhi 1352. 1400. odir 1381 III. 
nemmit I 9 ^nimmt'. wendit Db 17. liehbbi IV 19. 1397. ludin 1400. 
1401. unsir II 86. (jroschln II 86. (jegebin IV 20. tuschin IV 19. 
hebbin, radifi, sullin, willin V 19 (1403). soUin 1435. (jeirordin 1432. 
1439. ireijin 1439. yo^/As 1448 III. holdin 1451. Auch im IT einige 
Male i neben sonst stets e: beidin TT 289 Svarten'. besetin TT 47. 
scheydin TT 278. 290. 

b) Auch in ofl'ener Silbe stets e; also seola > syle. umbi > 
nninie. herro > here. suno > sone. 

Merkwürdig ist, dass am Wortende häufig ein e angefügt ist, 
das keine Berechtigung hat. So findet man Formen wie : weyene 
1338 'wegen', nymande N. Sg. K 14. alle dat dar in was Db 16. 
den manne Ac. Sg. IV 19. perde Ac. Sg. IV 16. dat lande 1338. 
datjare I 32. III 12. 

Die längeren Formen auf e sind überhaupt sehr beliebt. Neben 
seltenem mit, gewöhnlichem met steht oft mede; neben af 113. are 
B 16. C 22. I 17; ute IV 14; unde 1331. 1334. 1343. 1381 III. 
I 21. 1432. 1436. 1439. 1448 III. 1451. TT 52. 64; und nb2. 1381 
III. I 1. I 21. Da 12,2. Im Stadtbuch steht meist und (bei Claus- 
witz), erst in späteren Eintragungen die längere Form, so z. B. 

V 60 (1423). V 63 (1453). 

2) Das Suffix nisse erscheint einige Mal als nusse: yefenynusse 
1404 I. derkenntnusse 1453. 

3) Das Sufiix schap wird zuweilen zu schoj>: herschop 1442 I. 
rekensrhop TT 299. 

§ 51. Mittelsilben. 

1) Regel ist der Übergang der alts. Vokale zu e, z. B. : sittende 



d3 

E 15. wonneftich III 11,6. (jegenwenhgen 1338. tu antirerelene 
K 8. (tnttrerden 1419. mrerant werden 1506. f/edelinf/ B 17 ■= alts. 
fffifiiiiinff, 

2) Selten Übergang zu t; oppinbar 1352. andirn 1352. 

3) Kürzung wird in WA*^?t anzunehmen sein, wie das Ausweichen 
des / zu e beweist. Beispiele hiefür aber selten, erleken 1381 III. 

4) Ausfall des Vokals häufig in der Bildungssilbe ig und hch. 
Zu honlch I 14 der Genetiv liongeH I 11. enge 1311 'einige', hihjen 
I 1. hUglien TT 311. diul-esch III 4, aber dusche lll 3. duytz E 2. 
Stets memche, 

5) Ein neuer Mittelvokal entsteht sehr selten: fenckenisse IV 70 
ri420). he uarep IV 5 steht zwar bei Clauswitz wie schon bei 
Hdicin, aber iin Original Bl. 111: wm*p (mit e über dem r). Das 
t' wird Dehnung bezeichnen sollen. 

2. Konsonanten. 

A. Geräuschlaute. 

a. Westgermanische weiche Verschlusslaute und Spiranten. 

b. 

§ 52. Altsächsisch ist es Vcrschlusslaut im Anlaut, inlautend 
nach w/ und in der Gemination; sonst inlautend stimmhafte Spirans, 
die auslautend zu /' wird. 

In Berlin steht 

1) anlautend stets b. 

2) inlautend 

a) intervokal meist u und r, seltener f/> am seltensten f. 

n: geqenen 1272. 1311. 1334. 1408. 1419 1. 1424. 1431. 1432. 
1430 III. i442 I. 1451. 1465. 1472. TT 53. (jenen 1448 II. 1452. 
1453. 1475. hjuen 1272. Uue^i 1439. 1452. 'lieuen 1442 I. 1465. 
/^///> TT 57 geschreuen 1272. 1432. 1440 I. schrieuen 1448 I. 
srhriuer 1406. 1420 1. sonentig 1272, erhuen 1272. auend 1331. 
niurste 1381 II. 

r: blieren \^^\. diren C ^. rororloren St. E. arer l 12. schrirer 
I 17. 1440 II. gesrhreren II 87 (1399). blioen 1419 I. gmren 1421. 
1442 II. ger/eren 1423 IL 1442 IL geven I 14. r/eve 1440 IL finen- 
^n-rn- V 73 '(1489). 

w: gegewen 1343. 1421. 1442 I. 1476. 1506. geuen 1343. 
1448 II. 1506. f/eschrewen 1343. erwen 1421. hwendich 1421. bliwen 
14 4011. 1506. leiren TT 27 (},2Sö. bawenU72. sonnmrendW 73 (USd). 

f: tofergr/e IV 76 (1423). drgfm und (ßedreuen 1432. bef/rafen 
14P.G I. //>/>;• '*Zauber' 1436 III. greifen 1440. affgedrefen 14*40 IL 
nnirwfen 'vertreiben' 1448 L linewefer, wefen, üfen 1452. gescreffen 
1453. V 77. Also A^j, ber > fen, fer. 

b) ebenso nach Konsonant: 

u: halue 1272. sUuer 1311. .W/^f?/t 1381 IL mluen 1405. 
r/vf/-// 1272. 1442 I. 1440. steruet 1399. 1453. steruen TT 50. 
r: hairm I 12. .s/^rrc^/ I 30. kormi I 14. ^yvv^// 1442 IL 



94 

/': sterßt 1401. angestorfen 1406 I. (jestorffen 1409 I. erffe 
1406. erffen 1414. 1419. 1424. Doch kommt in der Urkunde von 
1414 auch ermn vor. erfen 1439. Imlerffe 1442 I. Also: rb > rf, 

c) Vor t wird b zur stimmlosen Spirans /*: (jeft 1272. I 7. qejft 
1414. gift 1453. Ae W?/^ I 11. III 10. rordrift A 16. Neben rfrinrl 
steht ^r//"^ ^ 20. houßman IV 19. 

3) auslautend stets f: 

daraf 1272. 1472. 1476. af I 13. lif C 29,. s. /# TT 199. 
lof I)h 19 'Laub'. r///lll 9. (7 4. ro/'^RauV, /n/lV 3,4.' wiflV 15. 
Ae .srAr^ I)b 19. fVA?//* 'erhob' III 7. r/r/^/* IV 5 'trieb', i^tarf B 14. 
loffirerdig 1436 III. i'a//f 1331. A////f 1399. 1414. erffllch 150G. 

§ 53. fe assimiliert sich dem m nahezu stets in umwe. umh 
fand ich nur IV 25. darumb IV 70 (1420). 

9- 

§ 54. 

i) Im Anlant wird meist /7, selten (ßh geschrieben: godes 1272. 
gebord 1^11. gude TT 21. glledan TT'23. 

y kann ich nur einmal belegen: ifud 1506. 

Neben gegen I 22. 1436 III. 1 \\2 I, II. 1448 II. TT 64 findet 
man häufig kegen: T 18. I 22. IV 1,6. IV 4. hegmwordig II 37. C 20. 
1401 II. Auch Formen mit /; ./; // sind in diesem Wort niclit selten : 
jegenwordig II 45 (1317). g^^gen 1374. jegensterkunghe IV 1,6. gegen- 
\rordig 1381 II. jegenwerdig 1381 Il'l. * iegen 1383. 1421. jegen 
1436*11. iegen 1442 II. iegenwordlcheit 1446 111. ieghen 1453. 

2) Im Inlaut. 

a) intervokal erscheint es in der Regel als g, selten als gh: 
dragen 1272. daffe 1272. 1423 I. ogen SL K. C 22. oghe A 41. 
daghe 1401. 1436*1. 

b) vor t wird g zu rA: leckt 1311. III 4. /i; 16,8. a/fgeJerht 1374. 
r/<^/erA^ IV 5. nedergeJerht I 13. .sW^^ yl 11. gesecht III 10. 1442 T. 
^?/^rA^ i? 31. ' 

3) Im Auslaut. 

a) nach Vokal meist eh. 

a) nach hellem Vokal: irederstromich 1272. et/nogich I 30. fetfieh 
1401 I, II. wevhfnhren I 9. eirichliken 1432. /mVi T*?' 103. mechtleh 
TT 231. 

Doch ist auch g, gh geschrieben: konig III 2. TT 219. inwendig 
1409 I. pennigh 1272. 

Sporadisch findet sich auch t^ 9/:: plichtik I 2. Urid recht ik 
IV 2,2. (//*%^•, fruntligk 1436 II. 

Merkwürdige Schreibung in: negenttiachteMen 1399 II. 

ß) nach dunklem Vokal: f/arA1343. /iU. 1423 1. 1424. 7T311. 
lachlNb. IV 15. mach 1272. 1322. 1343. ii 20. 1465. vortoch Um, 
1401 II. 7>//(rA 'Pflug' A 9. dodslaeh C 23. i^ 7,4. <//r/A 'Zeuge' 
^ 27. toch 'Zug' 1423 I. A^^r^orA TT 231. 

Aber auch g: wag 1451. T?^ 85 u. s. w. 



95 

b) nach Konsonant. 

a) nach n meist g, selten c, k, gh, ch, gk: dinc, junc 1334; 
mank 1331. 1406. yunk E 11. kerkgank I 31. kmk C27; dingh 
II 77. jmigh II 82; junch E 11. ^i?r//i^A 1399 I. kerkganch II 61; 
/Mw/^Ä- 1331. 

ß) nach r meist rA: Brandenhorch 1322. koniqesherch 1338. 
Mm/daborch III 4. 6orrA 1442 I. ft^/rA /Jft 19,5. 1414.' r«rA 1419 I. 
1442 IL 

Doch kommt auch hier g vor. 

§ 55. Für gh in der Verbindung igJieit wird in der Regel rh 
geschrieben: rechticheit 1272. kef/enwordichett 1311; aher bequem ickeif 
TT 91. 

§ 56. Ausfall des g oder vokalische Auflösung desselben findet 
sich ziemlich häufig: mm/t (7 3. C 5. m^ IV 4, i. IV 8. keinwordig 
II 87 (1399). gein 'gegen' 1442 II. genwordig 1421. 1431. /y/ 
1442 II {liget 1448 I). /^rf^ I 19. uphden II 85. mfe 'sagte' IV 2/2. 
IV 13. 1440 I. seeth TT 1 'er sagt', geseet 1465. 1476 'gesagt'. 
togfueth 1472. rf/ Meid ehorchg eschen IV 2, 11. 

§ 57. // wird zuweilen als Gleitelaut nach langem Vokal ein- 
geschoben, z. ß.: sngenn V 75 (1448), Plural zu su, tinger II 82. 
1406 'zweier', driger 1408. 

d. 

§ 58. Germanisch d bleibt d. 

1) Anlautend: dra(ßen 1272. 1399. rfon 'tun' 1272. deil 1272. 
^% 1272. 1472. daet 1383. rfo7;^r 1399 II. sondag 1537 P. 

2) Inlautend: gebiden 1272. mrf^ 1272. bieden 1414. (/?///(?;•; 
fjofhs, Steffen 1506. 

Nach Konsonant: (/e/rf^^s 1272. under 1272. 1537 P. worden 
1272. i/'oW^ IV 5. 1442 I. Ist der Konsonant eine Spirans, so wird 
es stets t: irste, dridde, i^irde, vefte, seste, sovende, achtende, negende, 
f^gnde, elfte I 6. I 7. IV 2. IV 5. 

3) Auslautend: nach Vokal: süid 1272. 1405. 1409 I. brod 1272. 
fi^tfl V 63 (1454). tyd V 70 (1475). 

Doch auch häufig t: tyt 1272. tit 1331. 1406. 1409 II. rat 

1404. ratt V 70 (1475). got TT 41. 

Nach Konsonant meist t: sirert III 6. gelt 1338. olt 1403. 
1423. 1475; so auch im Auslaut des ersten Bestandteiles eines Kom- 
positums stehend: ertnke III 1. qoltstripede 1334. ratman 1401. 
1402. 1403. 1404. 1405 I. rathm 1405 II. 1406 neben radhns 

1405. 1406. 

§ 59. d wird angefügt in nymand^ ymaml, Beispiele: 1272. 
TT 20. 46. Ohne d sehr selten, z. B.: ^ 14. 

§ 60. d wird eingefügt in allery wenn es vor einem Superlativ 
^teht; in unseren Urkunden jedoch sehr selten: alderhogeste TT 65. 

§ 61. d fällt sporadisch, z. B.: lanrecht B 15. unronrinllken 
srhaiien IV 2, 1. IV 3,i. berren 'biederen' IV 4. Auch anlautend 



zuweilen beim Neutrum des Artikels: dat id land A 42 *dass das 
Land', dat id kind E 11 z= dass das Kind (mehrere Male). Im 
Berliner Totentanz 93 las Prüfer noch: m- ed ghemene recht. Seelmann 
allerdings ya een (/hemene recht. Bemerkenswert ist, dass im heutigen 
Berliner Dialekt auch Fortfall des d an dieser Stelle zu beobachten 
ist, z. B.: Jmt eat Kind jehaun *hat er das K. g,', oder: det is «t 
IMchstachsjfibeide. 



b. Germanische harte Verschlusslautc. 

§ 62. Germanisch p bleibt p. 

i) Anlautend: panden 1272. pingesten 1272. 1401. j^^-^'^ 1394. 
I 9. plichtig 1391. jyeper IV 24. plegen 1442 I. parkerke 1451. 1506. 

2) Inlautend: vorkopeti 1311. 1400. goltiitripede 1334. doper 
1399 I. scliepel I 9; dorpern 1391. dorpes 1399; opper 1399. 
hoppm I 13; untlopt A 34. lopt V 51. 

Bei kopen steht vor einem t der Endung nahezu stets f: vorkofft 
1391. 1440 II. 1446. mrkoft II 86 (1398). V 54 (1497). g(^()ft C 2. 
rorkouft 1 9. II 38. he kofte E 24. koufte 1397. koffte 1448 III. 
Stereotyp ist von 1381 an die Wendung vorko(i()ft unde rorkofmt : 
1381 1, III. 1397. 1399 II. 1400. 1401. 1402 I, II. 1403. 1405. 1406. 
1409 I, II, III. 1420 I, II. 1421. 1423. 1425 I, IL 1432. 1436 L Das 
j) hält sich, wenn der Vokal zwischen ^^ und t erhalten ist: vorkoppct 
I 10. I 11. I 15. II 69. koppet Dh 15. 

3) Auslautend: up 1272. 1476. 1537 P. grep IV 9. kamp C 29. 
dorj) 1414. warp IV 1. wederkop 1506. 

§ 63. Zwischen m und t schiebt sich zuweilen ein p ein: (oi- 
kumpt 1331. yiempt Jie Db 15. kompt 1440 IL sempt/icken 1448 I. 
nemptUch 1506. 

k. 

§ 64. Germanisch k bleibt k. 

1) Anlautend: kysen 1272. 

2) Inlautend: breke 'bräche' 1272. middoirekes 1272. broke 
1272. elike 1272. hiokenhouwer 1311. saken 1272. 1397. irakcH 
1383. bruken 1399. bukeken I 5. r/yi^/* 'Teichen' yl 14. strikcn 
1 20. 1475. */6'A-^ = Dache (Dativ) I 17. 1436 I. tritii-cken 1401 IL 
1402. eliken 1401 I, IL gnedichliken 1442 I. wr/Äw^ 1442. trekeJik 
'wöchentlich' 1451. gebruken 1465. 1472. 1506. ermkm 1506; — kerkc 
1476. parkerke 1506. 

fA ist intervokal garnicht zu finden, wohl aber häufig, wenn 

k vor t zu stehen kommt: machten 1338. sprecht II 8. II 11. /? 24. 

brecht A 31. getrracht III 10. getaucht E 1. rorsnchten II 70. 

suchten IV 2,3. vorsucht 1442 IL 1537 P findet sich auch rA in: 
kirche, welches. 



97 

3) Auslautend: 

a) nach Konsonant meist k: werk 1272. welk 1272. mlk 
1421. solck 1506; doch wird hier auch sporadisch ch geschrieben, 
z. B. : inarch 1311. marchgreven 1338. solch 1381. welch 1399. 
werch 1399. 

b) nach Yokar findet sich zwar meist auch k^ doch auch recht 
häutig ch\ manchmal beides kurz hintereinander. 

Beispiele für k\ ok 1272. III 10. £ 5. I 27. 1421. 1430. 1432. 
1436 IL 1442 IL 1448 III. 1451. 1452. 1465 IL 1506. 1537 P. TT m. 
hiik 1272. ik 1391. III 10. El. ick und ich 1386. III 10. 1537 P 
viermal ick und dreimal ich, pek I 14. sik IV l,i. IV 2,i. 1424. 
1442 IL sick 1334. lik 'gleich' 1414. glik 1432. fruntUk 1432. 
//mt IV 3,8 'brach', dack 1465. 

Beispiele für ch: och 1272. 1 9. I 19. I 21. 5 6. C 10. 11 62. 
uHch 1397. tcÄ 1374. A 27. III 10. IV 5. sich 1311. 1334. 1381. 

IV 2,5. V 80 (1461). 1465. sprach III 10. wech 'er wich' IV 3,i. 
Besonders häufig in dem Suffix lieh: nutlich 1272. glich 1381 11. 
12.^ 34. V 6. openlich 1374. gentzlich II 87 (1399). mmüich 1414. 
miturlich 1440 I. sunderlich 1537 P. 

§ 65. k fällt zuweilen in scal und scolen; vergl. die Präterito- 
Präsentia. 

^. 

§ 66. Germanisch t ist als solches erhalten. 

1) Anlautend: teyn, tid, twe, tu 1272. twingen II 82. twivel 
II 91 (1466). tu 1391. 1397. ^Aw 1401. to 1537 P. ^jVAen Z>i 19. 
tighr 1475. ^?/^cAen 1352. 1408. 1431. 1453. 

2) Inlautend, laten^ groter, geheite, gesette 1272. setten 1272. 
1334. etevisghe 1436 III. etet 1453. /a^^w 1472. gesettet 1506. 
iM'.s/«^;- 1537 P. groter 1537 P. 

3) Auslautend: dat 1272. 1400. 1476. ww« 1381. liet 1397. 
f/ro^ 1397. uth II 91 (1466). TT 19. ut 1537 P. 

Vereinzelt steht auch d: id 1272. had I 2. ici wßd. tidivgsefi 

V 40 (1424). 

§ 67. Nach f und cA fällt auslautendes t zuweilen ab: rech 1 2. 
rorkoff V 19 (1403). 1406. craff V 24 (1404). gef V 64 (1417). 
Ni/rh 1334. mcA ^ 11,9. 1476. TT 66. Doch findet sich auch 
fr 53 und 1476 nicht. 

§ 68. t ist angefügt in: rfa^ levent 1420 I. TT 81. 

^ 69. Die urgermanische Geminata tt, die Ahd. zur Affrikata tz 
wurde, wird in Berlin manchmal zu ss: krassen E 8. kloss E 26; 
auch spiss Db 19,2. plasgeld I 14. ples S. 57 v. Jahre 1331 und 
rrtishere IV 6 'Kreuzherr' seien hier erwähnt. — Auch in den Fällen, 
wo ein t des Stammes mit einem s der Flexion zusammentrifft, wie 
z. B. im Superlativ, wird nicht ts oder z, sondern nur $ geschrieben: 
/K<te 1331. 1334. I 18. I 31. IV 1,2. groste 1381 IL 1400. Doch 
kommt auch vor: grottzste 1432. grotzste 1439. 

Ki«derdeaUoh»i Jahrbuoh XXIX. 7 



c. Die harten Spiranten. 
s. 

§ 70. Sporadisch wird 2 für s geschrieben: zeel I 9. zede II 45. 
lezen V 24 (1404). rathuze V 24 (1404). 

§ 71. Die Lautverbindung sc erscheint schon in den ältesten 
Urkunden häufig als seh. 

schalen 1272 viermal, neben achtmal scolefi, geschreuen 1272. 
schal 1381 I. 1440. 1476. schanmi 1272. 1311. Schillinge 1311. 
1331. geschinde 1311. vleisch 1311. schadloß 1343. schadm I 6. 
rfwcA 1381 I. scA?i/rf I 6. II 62. 

ÄCrt(fe 1334. scenken 1334. fruntscap St. E. scepel und schepel 
I 10. 8C0Ä: und scAoi 1409. 1414. memken TT 221. menschen 
TT 61. «cofen 1272. 1311. 1381 IL St. E. 1397. 

Seltsame Schreibungen: tzarnen 1311. czarnen I 30. (^wiw I 12; 
— di^g 1334. in^s^r I 9. 1436 IIL visgh I 9. 1436 IIL harnisg I 10. 

§ 72. Sonst wird s vor Konsonant nicht zu seh; also: swer- 
licheit 1311. gesworen 1272. slachten 1331. 1448 III. thusnidm 1331. 
snitfer I 21. sniden 1399. slaplaken A 42. swellen C 8; nur 1331 
einmal schlachten. 

th, 8. 
§ 73. ^A; C wird stets zu (i, auslautend meist ^• rfmc 1311. 
edm 1272. ?6wrf 1334. med 1401 I; — jr^fcor^ 1272. teert Ä 2. BS. 
met 1272. 

/*. 
§ 74. Altsächsisch f wird anlautend meist t? und f, auslautend f, 
inlautend u und v geschrieben. Andere Schreibungen selten. 

1) Anlautend: 

V : vele 1272 'viel', vortmer, nre, vor 1272. vleisch, von 1311. 
vallm 1381 IIL veld 1399. «'eZfe 1448 III 'Felle', vel TT 23. 75. 
volget TT 52. 

f:fif 1311. fretieller 1331. /^mw'f? 1381. /'ro/n V 14 (1403). 
feste 1419. /scAew V 40 (1424). for 1442 IL /wrrfer V 69 (1465). 
friste TT 21. frolicken TT 24. 

u : uafi 'von' 1442 I. vernallen 1453. Im Stadtbuch nicht 
selten u; bei Clauswitz wohl stets durch v wiedergegeben: nolget 
Bl. 60, 78. uefte 62. mrste7i 63. uelde 78. warfer 80. Beispiele 
für V im Orig. rorsten Bl. 63. mrf<?r 80. 

ph: entphangunge 1311. entphangeti I 3. 

tr; wortmer III 13. 

2) Inlautend: 

w: 0Mi9n 1272. atien 1472. v; fenVe V 24 (1404). höre V 24 
(1404). I 18; f: kerkhofe I 18. hoffe V 24 (1404); — bedorren 1338. 
bedorfen 1436. Vor Konsonant steht /*; vefte. 

3) Auslautend: 

Ä-^rfrAo/* I 22. kerkhoff 1383. in/f V 24 (1404). 



99 

§ 75. ft wird zuweilen zu cht^ aber sehr selten: gesticktes II 61. 
geMichUt IV 1,6. 1421. achter I 19. 1465 II. echter II 45. geruchte. 
Friedrichsgracht. 

Neben der herrschenden Form eyndrechtich findet sich auch die 
mit ft: I 33. egndreftUken V 6. 



§ 76. 1) Anlautend ist vor Konsonanten das h geschwunden, 
vor Vokal erhalten; nur in herj wenn es vor Eigennamen steht, kann 
(s fallen: er 1394. V 5. ern 1401. ei' und herrn 1537 P. heryi 
V 19. Herrn 1343. 1352. her TT 15. 

2) Inlautend: 

a) intervokal ist es 

a) durch g wiedergegeben: ligen Da 11. Y 7. liget III 4. 
rorUgeti II 72. III 2. gelegefi V 6. hogm III 10. hoger 1334. 
ftegesten B, negest V 1448. gescheget 'geschähe es' 1453. 

ß) nicht selten gefallen: lien 1439. Igen 1451. vorliimg 1506. 
Stets in: teyn 1272. derslan IV 7. ,*?fert II 87 fl39S). A 36. en/an 
B 14. /?w/*^iV jB 4. sgn 1409. syen 1414. s/^ij TT 172. iJ^<?^ TT 
.55. 90. 104. geschin II 66. veide 1 1. 

b) vor Konsonant 

a) meist als ch erhalten: rmcht III Prolog, tmdracht V 70 
(1475). mcfiste IV 21; — als h in: lehn A 38. t'^/w (G. Sg.) A 25; 
als ^ sehr selten: regtiken II 79. 

ß) sporadisch gefallen: ny^ 1331. 1338. neyber A 24. kaistein 
I 20. Vor s schwindet h stets: ses 1272. 6wäs« 1322. 1399 I. wasz 
1331. roshud 111. r/as I 1 1 . tugewassen II 7 5. oss« ^ 20. 8(ws^ III 6. 

3) Auslautend wird h zu ch: 

a) nach Vokal: hoch A 24. s/cA 'siehe' St E. geschach E 7. 
IV 2. /ofA IV 7 'floh'. sacA C 29, s. Selten g: geschag IV 2.i; 
doch auch sie TT 158. ick se TT 325. Fast immer fallt A in dem 
Worte ^nach". fia 1272. V 1465. TT 52. 1476, dam« 1391, und 
in Zusammensetzungen wie: nakomeling 1311. II 86. 1381 III. namals 
1452; — flach findet sich sehr selten: 1381 III. I 7. 1400. nach- 
kömmUng 1381 I. 

b) nach Konsonant: dorch 1272 und so stets, dor ist nicht zu 
belegen; einmal dorg 1383. 

B. Sonore Konsonanten, 
a. Halbvokale w, j. 

w. 
§ 77. Germanisch fr erscheint anlautend meist als tr, selten 
als r; inlautend als u und w: mdle I 11. vif 'Weib' A 15. IV 3,4. 
«jn'Her 1451. gerwer I 14. 1451. Im Auslaut fällt es, doch verschärft 
es sich zu ff in: hieff IV 21. 

7* 



100 

§ 78. w hat sich in der Anlautverbindung wr erhalten: irrake 
I 1. wreken II 64. 

§ 79. w ist gefallen in virj vier und den ?ra-Stämmen : dy sehe 
I 25. deme sehe 1381 II. den sehe 1381. hujes A 18. Im Anlaut 
in: icht^A 1. 

§ 80. In der Verbindung kw hält sich stets das w vor i: qtievie 
'käme' 1272. 1311. queinen 1 32. IV 12. boqueine 1465. Auch im 
Prät. Sg.: quam St. E. IV 1,5. IV 2,8. IV 9. 

§ 81. w ist als Gleitelaut eingeschoben in butcefi V 63 (1454). 

§ 82. w löst sich in u auf in: tuschen 1352. IV 1. IV 19. 
1408. 1431. 1436 II. 1453. tusgen 1439 und stister B 1. 1401 IL 
1420 II. Einmal tisschen 1379. tuischen fand ich nicht, wohl aber 
swester V 33 (1411). 

Sonst hält sich w stets in der Verbindung tw und sw: twe 1272. 
gesimren 1272. 1446. swerlike IV 7. swanger IV 3,4. swert IV 3,4. 
stvinde IV 3,4. 

j- 
§ 83. Anlautend meist j, i, selten y geschrieben: Orig. d. Stdtb. 
Bl. 18: jerlike und ierlike, Bl. 20: Ja/-^?,*? und m/'^s. lar TT 21. 
y^ewA: £/ 11. g findet sich in: gemmerliken K 7. Einmal die Schreibung: 
ilierUg 'jährlich' 1506. 

b. Liquide und Nasale. 

§ 84. / ist stets erhalten; nur ein Beispiel kann ich für Ausfall 
geben: Orig. d. Stdtb. Blatt 102 steht: vnschudig (Cl. hat vnschuldig), 
Blatt 103 steht übrigens das / in diesem Wort. — Erhalten ist auch 
/ in knylen Da 2, das noch heute im Berliner Dialekt üblich ist. 
Vergl. neuengl.: kneeL ^ 

r, 

§ 85. Germ, r ist fest: dar 1272. war 'wo' I 24. dorvan 
V 70 (1475). 

§ 86. Sporadisch fällt das r am Wortende: me neben mer 
1334. hg E (Überschrift), alhie 1451. dure 'teuerer' 1331. vohiten 
1406. Auch im Orig. d. Stdtb. Bl. 124: volaten. de 1436 IV. Ferner 
Orig. d. Stdtb. Bl. 127: alle ja (vom Jahre 1400). Bl. 130 (aus dem 
Jahre 1405) dorchte 'Tochter', wofür Clausw. V 22 dochter schreibt. 

§ 87. Häufig tritt Metathesis ein 

a) in Stammsilben: bernen I 20. IV 25. 1475. mordberner C 26. 
born I 19. V 63 (1454). armborste l 31. kersten 1322; selten mit 
Stellung des r vor den vorausgehenden Vokal: nottrofft 1399, 

b) in End- oder Zwischensilben: der stad kelre IV 7. donredag 
I 25. alreleye I 21. hunre I 21. dinre 1472. 

§ 88. r ist erhalten in dem Worte yser 'Eisen': dat glugende 
yser El, dat heite yser C 4. yserdrat I 10. bogelyser, hufyser I 10. 



101 

Noch im heutigen Berliner Dialekt ist dies r als kurz a bewahrt, 
aber nur in Kompositis, z. B.: eisawän 'Eisenwaren', eisajescheft. 

§ 89. Das Pronomen possessivum miM hat meist kein zum 
Stamm gehöriges r; doch sind die Formen mit r nicht selten : unseres 
1381. umers IV 21. umeren 1343. unserme 1381 III. 

§ 90. Neben dem Dativ welkmne findet sich auch einmal 
irp/ könne III 11. 

Merkwürdig ist besonders das r in: dorchter 'Tochter' 1409 I 
und dorchtzer = deutscher 1506. Auch im Orig. d. Stdtb. Bl. 130: 
fhßre/Ue = Tochter (vom Jahre 1405). 

§ 91. Germ, ni bleibt. — Im Dativ Singularis Masculini und 
Neutr. der starken Adjektive, des Pronomen personale und des be- 
stimmten Artikels wechselt m mit n. 

n. 

§ 92. Germ, n ist meist erhalten. Als Belege für erhaltenes n 
seien hier ein paar Beispiele gegeben, wo im Original d. Stadtbuches 
das I* ausgeschrieben, nicht durch einen über dem vorhergehenden 
Vokal stehenden Strich ersetzt ist: unsen Bl. 2. unses Bl. 10. U7is 
Bl. 5. 63. Schilling Bl. 8. sunte Bl. 74. 101. 111. 128. 130. 141. 

§ 93. Ausfall findet sich 

1) des dentalen n 

a) im Inneren des Wortes. Regelmässig nur in vif; sonst 
sporadisch: t^setfi, vses 1338. reket 'rechnet' I 16. uyman neben 
trf/nman 1 16. I 17. yewordig II 1289. geyneylich 1423 I. ymat im 
Orig. d. Stdtb. Bl. 60 (Gl. hat ymant dafür). 

b) am Ende eines Wortes ziemlich häufig: me 1331. 1419. in 
deme 7iame II 1298. tve men C 22. in eynen wallende ketel C 4. 
E 1,3. gegin unse gnedige here 1446. virthe 1476. unde 1476. 
gnrese TT 16. Ferner Orig. d. Stdtb. Bl. 85: sy ere. Bl. 99: sy hüte 
•seine Bus^'. Clausw. hat in beiden Fällen das n ergänzt. 

Stets fällt n in: dorch . . . icille, z. B.: dorch kenntnisse itille 
1272. dorch vorretenisse toille IV 6. 

Ebenso im Plural des Verbs, wenn das Subjekt nachsteht. Bei- 
spiele in jeder Urkunde. 

Häufig fällt das en der Adjektivflexion, wenn der Stamm auf n 
ausgeht, di bescheiden 1397. 

2) des gutturalen n zuweilen in den Substantiven auf ning: 
p^nnighe 1272. immige I 9. I 10. 1399 I. Orig. d. Stdtb. penige, 
z. B.: Bl. 7. 10. 11. 19. 52. konig III 2. TT 219. konigk 7T129. 

Beispiele für Erhaltung des n: penninge 1311. 1331. I 9. I 21. 
1399 I. kmiing III 2. 

§ 94. Eingefügt ist w im Imperfekt der schwachen Verben, 
doch recht selten: levenden IV 15 (im Orig. Bl. 113 geschrieben: 
leiiende), vorsumenden V 50 (Orig. Bl. 139 geschr.: vorsumedeyi). 



102 

Auch folgende Beispiele seien hier erwähnt: dat gmündende ve Orig. 
d. Stdtb. Bl. 74 (= Ä 25). or vordymde Ion Orig. d. Stdtb. Bl. 81. 
Clauswitz {B 14) hat den n-Strich nicht berücksichtigt und vordynede 
geschrieben, dat gut is des mannes vordyiiende gud Orig. d. Stdtb. 
Bl. 93 (= D 12). Hier ist das n ausgeschrieben. 

§ 95. Nach kurzem Vokal wird n manchmal verdoppelt, doch 
erst in späteren Urkunden: immer, liivenn 1506. Einige Beispiele 
aus dem Stadtbuch: Bl. 6: vinkennogefi, vnnechte Bl. 89. 102. 
beydenn Bl. 155. 

§ 96. Die Lautverbindung rul wird in unseren Urkunden niemals 
zu ng; aber im Berliner Weihnachtsspiel von Georg Pondo aus dem 
Jahre 1589 ist die Erscheinung sehr häufig zu finden. 

Teil II. Flexionslehre. 
In diesem Teil meiner Arbeit wollte ich nicht nur einzelne Be- 
merkungen zur Flexion machen, sondern die ganze Flexion durch 
Belege aus den Berliner Urkunden darstellen. Sicherlich habe ich 
das nicht vollständig getan noch tun können; manche Formen lassen 
sich bei der beschränkten Zahl der Berliner Urkunden eben nicht 
belegen. 

1. Deklination der Substantive. 

a. a- Deklination. 

§ 97. Masculina. 

Sg. 
N.: hrief 1397. god St E. wert C 16. rad 1476. 
G.: dages 1272. godes 1401. TT 321; — briefs 1391. gots 1352. 

1400. gods 1272. mns I 27. ackers TT 317. 
D.: rade 1272. dage 1311. atmide 1476. vlite 1537 P. 
A.: rad IV 20. 

PL 
N.: Schillinge, penninge 1272. dage 1338. 1476. 
G.: penninge 1381 II.. knechte St. E. nakomelinge 1397. kumpane 

1399. koninge 1400. 
D.: edmi 1272. 
A.: knechte 1331. 

Anm. 1: Im G. Sg. fällt das e sporadisch. 

Anm. 2: wa-Stämme gehen ebenso; z. B. : dy sehe I 25. deme sehe 1381 IL 
den sehe 1381. 

§ 98. Neutra. 

Sg. 
N.: bir 1 27. hm I 25. hus 1393. 

G.: Werkes 1272. jares 1272. hunes I 25; /m-Stamm: knyes A 18. 
D.: huse 1383. jare II 42. 1453. 1476. wive II 80. mte I 13; — 

jar 1452. 1537 P. ptmd l 10. 
A.: werk 1272. brod 1272. geld 1397. bir IV 25. 



103 

PI. 
N.: deU 1272. >r 1374. 1381 III. 1383, 1391. 1397. 1399 IL 1400. 

1448 m. 1476. TT 263. irort C 24. ding 1334. lapid III 7. 

hiuf I 22. sivi/n I 31. ^iwwrf I 26. 
ü.: dinge 1338. III 1; — ding 1272. II 43. II 85. II 87. ivart C 24. 

land IV 2,6. 
D.: irorden 1272. //cä^^h 1399. m^ßw I 16. husen I 31. 
A.: f/iw^ 1334. swert III 1. 

Anm. 1: Im D. Sg. fällt das e sporadisch. 

Anm. 2: Ein e wird zuweilen angefügt (vielleicLt hier in Analogie nach 
der ><!• Deklination) im N. A. Sg. und PL, z. B.: N. Sg.; jare III 12. 66 wehen 
da is jare und dagh I 32. A. Sg.; lande 1338. N. Fl: jare 1272. 1311. 1381 IL 
1397. werke St. E. swerde 1 14. N. A. PI.: godeshuse III 3. gude II 61. III 4. 
Uchie 1331. 

Anm. 3; Plural auf er: cleyder 1334. huser 1381 I. huner I 26. hunre 
1 14. kinder B 1. ^</er, A;/«der £ 19. Diesem er wird noch zugefügt 1) zuweilen 
e: hindere 1899. II 78. B \. B 12. ^ 25. 1436. TT 275. (iotperc 1436. ryndere 
B 22. 2) sporadisch s: husers II 82. 

Anm. 4; Die DiminutiYsuffixe 2tn und ken nehmen im G. Sg. zuweilen noch 
kein s Ka: des bukelin I 35. stedeken II 44. 

Anm. 5; Übergang in die schwache Deklination: G. PI.: dller dyrren 
II 81 (Tiere). 

§ 99. Die Substantive auf er der ya-Stämme. 

Sg. 
G.: borgers I 20. meisters 1272. dopers 1399 II. 
Ü.: meister 1399. medeborger 1391 II. kleger II 42; — richtere 
C 9. bürgere 1400. 

PI. 
X. A.: hudere 1322. meistere 1331. II 67. 1451. 1453. borgermeistere 
II 62. 1442 I. oltschmnekere 1399. bürgere 1448 II. medeborgere 
1430. 1452. mjr^re 1436 III. inwonere 1442 I. 

beckers, borgers 1272. meisters 1272. II 72. soltmekers 
I 18. kremers I 21. schepers I 32. richters II 61. 

knokenhouer 1331. ftor^r^r /SY.i". I 22. II 85. borgermeister 
St. E. 1452. beckermeister I 30. vischer III 10. schumeker 

1448 m. 

G.: jnestere 1322. borgermeistere II 62; — dodengrerer 1 29. scÄ?«- 
i/iei-^r II 67. 1448 III. ftor^r^r 1311. knokenhoxiwer 1331. 

D.: bürgeren 1343. aS^. J?. meisteren 1399. dorwerderen I 27; — 
rorstendern 1436. bürgern 1383. II 44; — beckei'S 1272. borgers 
1272. II 85. ?we/s^ßr5 1272. II 75. ansichtigers II 37. II 44. 
anhorers 11 44. II 69. ansyners II 75. 

Anm.: Im G. Sg. findet sich nie, im D. Sg. selten ein «; Endung des 
Plurals ist e oder a oder nicht vorhanden. 

§ 100. Die Neutra der j'a-Stämme haben, wie zu erwarten, 
t im N. A. Sg. und PI. 



104 

Sg.: ffesiiide St E, gerichte III 2. III 12. 1381 IL stucke 1391. 

I 10. bedde B 19. tugnisse II 37. dechtnme II 37. hvider- 
nisse 1400. 

PI.: gerichte III 4. bedde I 11. ^ 42. 

A n m. : Übergang in die schwache Deklination ist selten zu konstatieren : 
PI. : netten III 12. stucken 1884. 1899 II. bedden B 22. koningriken III 6. 
bekentnissen I 7. 

§ 101. b. d-Deklination. 

Sg. 
N.: losinghe 1338. enunge I 7. ^y/e 87. Ä^. innynghe II 66. r/w/y^f 
^15. sukede A 9, i. borgerimie V 80 (1461). etßiunge 1448 III. 

II 84 (1466). Ohne e: eynung V 1489. 

G.: losinghe 1338. errungel 8. besnidungell 43. vorhjgunge II 67. 

tmvelunge II 72. II 77. syfe JJ 29. rfw/ie J. 26. 
D.: ere S^. JS?. jr^arfe St. E, II 39. II 66. dufte E 6. mnnunge 

1272. II 67. tubehorti7ighe 1381 II. utwisunge 1381 II. buunmge 

II 78. drivunge II 62. 
A.: syfe iS^. £". ^rat^e S^. J?. ^ra/'e 1439. (^enade I 33. uile 1399. 

wyfe II 86. ere C 11. klage II 41. i? 27. rede II 44. rfw/ife 

C 2. sukede IV 13. frundynne IV 7. empliangunge 1311. 

losunge 1343. manunge 1394. enunge I 33. II 41. winnunge 

II 70. wonunge II 61. huldunge 1440 II. Ohne e sporadisch: 

wonung 1381 II. meynung V 1489. 

PL (sehr selten). 
N. A.: umunge I 19. I 22. I 23. 
G.: overtredunge IV. stederegirunghe II 81. 
D.: geymden I 13. 

Anm.: Übergang in die schwache Deklination ziemlich häafig: G. Sg.: s^/eii 
II 86. i? 29. 1436 P. A;%«» JS; 13. D. Sg.: sylen St. E. III 1. innungen 
1452. N. PL: wonungen I 19. G. PL: eren TT 129. A. PI.: handvestungen II 39. 

c. f-Deklination. 
§ 102. Die Masculina gehen im Sg. gleich der a-Dekünation. 

Sg. 
N.: gast I 12. balg I 11. G.: hates II 67. E 18,8. 
D.: slage C 24. ^ras^ IV 9. A.: Jiat E 7,4. 

PL 
N.: siege 1311. C 9. geste I 12. fte/^/e 111. appele 111. e^>/>e/ 

I 21. ^Äewe C 22. 
G.: /wcfe 1334. II 60. luder steht zwar bei Clauswitz II 79, aber 

im Original d. Stdb. Bl. 53: veler lüde; von einem /* keine 

Spur. 
D.: luden 1334. 1391. II 62. secken 1 15. 
A.: lüde 1334. 



105 

«; 103. Feminina. 

Sg. 
S.: PMj/t 1331. nod 1397. hud I 11; werid III 10. helft II 70. 
G.: dat II 83. tid II 43. tnantid 1311; r/?/Y II 78. werlt, ivevlde 

E21,5. Schrift, schrifte II 1298. schrift 1465 II. ;>«cÄ^ 1381 II; 

st<id 1272. 
D.: untide I 32. «rf 1311. II 75; icerlde E 27. kmfte 1331. 1414. 

Hukrefte B 20. eyndrachte 1331. gehorte 1436 III; — wacÄ^ 

1381 II. I 31. ^eiorrf 1272. iJrÄr//if 111 6. gewalt IV 2. 

icerlt TT 220; 5^rf 1272. witschap 1331. wittenscap 1381 II. 
A.: «orf C 11. missedat IV 15; ^wacÄ^ 1311. II 78. IV 1. gift 

St. E. giß 1439. halft 1352. A<9//fif 1442 II. 1446; heiße 

1414. stad 1272. vruntschap 1352. 

PI. 
X.: r/«r/^ II 37. II 43. II 66. hude I 10. I 11. gerne I 21. E 20. 

^r//*s^ ^ 22. fruchte I 14. s^erf« 1381 I. 1383. schrifte II 77. 

icerlde III 7. 
G.: stede 1381 I. 

Ü.: gensen A 20. hochtiden 1334. s^^rfe« 1334. 
A.: ^/affe 1298. II 71. hude 1399. srews^ i? 22. 

Anm. 1: Im G and D. Sg. ist das e meist gefallen; nar bei konsonantisch 
langen Stämmen oft erhalten. 

Anm. 2: Übergang in die schwache Deklination findet sich zuweilen: G. PI.: 
Uden I 29. steden II 86. A. PL: ihenen St. E, 

d. Schwache Deklination. 

a. Singular. 

§ 104. Masculina. 
N.: mensche 1272. hode A 5. schade II 62. here II 84. III 9. 

he}^oge III 3. uissage III 10. 
G.: herreti 1338. II 85. IV 42. willen 1394. galgen A 19. 
D.: irillen 1386. 1399. II 86. 1401. hern 1381. schulten I 25. 
A.: irillen 1397. boden A 2. schaden A 20. namen St. E. menschen 

A 20. hertogen III 5. 

Anm. 1: « ist angefügt im G. Sg. in: Schadens, willens 1442 I. Weitere 
Beispiele fehlen. 

Anm. 2: n fallt zuweilen: D. Sg.: schade I 16. name II 37. II 41. wille 
UOl. Stets in: dorch . . . lotT/e. 

Anm. 3: In here fällt im N. Sg. das e häufig vor Eigennamen und Titeln: 
her lerkhere TT 75. 

§ 105. Feminina. 
N.: bude I 29. erde III 1. kerke A 7. frouwe 1334. jB 19. tunge 

C 22. ir^^we Da 12. .Wfe 1436. 
G.: jungfruwen 1381 III. />M/mt 1409 I. frouwen 1399. Da 1. 

siden 1397. errfew I 21. III 1. bruggen II 87. ^iwwew I 12. 

schulen, buden I 19. 



106 

D.: kerken 1334. E 25. TT 15. fromren 1397. Straten 1334. I 15. 

V 22. uaturen E 20. gniven I 27. hriKjgen 1432. 
A.: .sa/r« 1343. II 61. IV 17. strate, siile I 22. rede IV 4,i. AwA*« 

IV 21. tunne 1452. 

Anm. 1: Sporadisch fallt das n im Q. D. Sg.: der sake 1397. 1 83. strate 

I 15. ror eyner tunne I 80. 

Anm. 2: Ein Beleg für im A. Sg. erhaltenes n scheint: tunnen IV 26 zu 
sein. Aber im Original d. Stdb. Bl. 115 steht: tune. Doppolte Geltang (für n am 
Ende und zugleich im Innern des Wortes) bat solch darübergesetztes Zeichen 
niemals, immer nur eins Yon beiden. Einem demnach an und für sich noch mög- 
lichen tunen ist aber wohl tunne vorzuziehen, da in allen ähnlichen Fällen kein 
End-/i vorhanden ist. 

§ 106. Die Neutra gehen im Sg. wie die Feminina. D.: herten 
St. E. A.: herte St. E. 

ß. Plural. 

§ 107. Im PI. gehen alle Geschlechter gleich. 
N.: ossen A 28. wissagen III 1. herren 1470; — saken 1311. 

Ä 2. E 26. huden I 20. frouuen I 31. timgen III 7; — 

herten, ogen C 22. oren St. E. C 22. 
G.: kumpen 1331. I 30; tungen III 6. 
D.: eruen 1311. 
A.: erueti 1391; saken 1397. iveken Ä 3; herten St. E. 

Anm.: Sporadisch finden sich Worte ohne n: name I 85. dri froutoe Da 5,8. 

e. Reste anderer Deklinationen. 
§ 108. Als Rest der w-Deklination ist vielleicht A. Sg.: sone 

II 75 anzusprechen; sonst stets Übergang der hierhergehörigen 
Worte in andere Deklinationen. Belegt ist: N. Sg.: son E 3. G.: 
sones 1381 L II 75. 1421. D.: hand C 24. 1436 P. hant TT 329. 
A. Sg.: hand C 9. PL: hende C 22. C 29. sone 1272. IV 17. 
IV 19. V 1497. 

§ 109. Von Verwandtschaftsnamen (r-Stämmen) ist belegt 

Sg. 
N.: moder 1381. müder 1 8. vader TT 87. 
G.: vader B ß. B 12. E 3. raders B 26. E 3. Auch III 8 hat 

Clauswitz raders, aber im Orig. Bl. 64 steht kein s. 
D.: viuder, dochter B 6. snster £ 15. swester V 1411. 

PI. 
N. A.: briider B 2. brodere 1453, smteren 1409 I. 
G.: reder Db 14. D.: vadern III 12. bruderen 1436 R 

§ 110. Auch andere Spuren konsonantischer Flexion zeigen 
sich noch: virteyn nacht A 1. A 12.. PI.: radman 1322. 1334. 1397. 
1417. 1419 III. Sonst gehen die hierhergehörigen Substantive nach 
der a- oder /-Deklination: 



107 

Sg. 
N. A.: Hucht III Prolog. 
G.: Mannes A 20. E 12. 
D.: fnanne 1334. 1381. 1398. II 86. E 29. 1400. nachte IV 10. 

PI. 
X. A.: radmanne 1272. 1331. St.E. 1399. II Ü9. 1420. 1432. rath- 

mannen 1343. radmannen 1399. 
G.: drier man E 13. ratmayme 1311. I 31. IV 2. 
D.: rat man St. J?. 1424. ratmannen 1311. 1391. 1432. radmanne 

Orig. d. Stadtb. Bl. 13. 

Anm.: Bemerkt sei hier, dass Clauswitz in seiner Ausgabe des Stadtb. ein 
radman des Originals manchmal durch radmanne, so Blatt 133. 136. 152, manch- 
mal durch radmann, so Blatt 137. 153, wiedergegeben hat. Letzterem ist wohl der 
Vorzug zu geben, weil, abgesehen davon, dass es ursprünglich richtiger und zu 
erwarten ist, ein solcher Strich wohl für ein n eintritt, aber, soviel ich gesehen 
habe, sich keine anderen Beispiele dafür finden, dass er auch für ein End-e stehen 
könnte; — radmanne mit e kommt allerdings auch vor, so Blatt 141. 

§ 111. Partizipialstämme. 

Sg. N.: frund IV 1,4. G.: frundes II 70. C 10. IV 1. D.: 
fnntde 1381 III. IV 1; — PI. N. A.: frund I 1. frunt E 31, i. 
V 64 (1417). frunde 1397. viende IV 20. 1440. ße7ide 1440 II. 
G.: frund II 1328. vrunt II 41. frunde I 1. D.: frunden 1436 P. 
rienden IV 20. 

2. Deklination der Adjektive. 
§ 112. Starke Flexion. 

Masculinum. Sg. 
N.: tre/k 1272. cerstendig 1381 I. iud)eruchtiget 1399. elirsam 

1537 P. 
G.: irelkes B 20. gudes 1436 F. ivelckes 1537 P. 
ü.: welkeme B 5. gantzeme 1430. gudeme TT 2i}S\ allem 1381 II. 

opem 1 383. gudem 1391. icolbedachtem 1 39 1 . hogem TT 123; 

engen 1272. trolbedachten 1331. gemeynen 1334. endrächtigen 

1381 I. 
A.: trütcen 1381. neynen 1399. c7^<?ne/t 1381 III. sülten 1331. 

engegnen I 9. 

Femininum. Sg. 
N.: </eyM 1334. egn I 8. 
G.: hahier, eiriger 1381 II. 

D.: «ri>^r 1311. ggstliker 1381 I. ym/^r 1436 P. 
A.: /a/i^ß 1272. enge 1311. engeyne I 12. Aa/2(<? 1452. 

Neutrum. Sg. 
X. A.: Jungk U^\, nutlich 1212. groz UU. o/M399. half lllb. 
I 16, gesuntj eynogich, lam I 30. kleyn IV 6. 



108 

Plural (für alle Geschlechter). 
N.: nighe 1399. elike 1272. olde 1352. 1381. 1383 II; gude icerke 

SL E. rechte uic/it I 2. mlde dyr A 28. alle rechte II 44. 
G.: gewonliker 1381 II. berlinischer 1381 II. geistliker 1394. 6e«fer 

1399. re/er II 66. 
D.: allen 1331. . 
A.: beide 1272. aWe 1331. 

A n m. 1 : Im N. Sg. fem. tritt zuweilen ein e hinzu ; andererseits fehlt es 
manchmal im A. Sg. : 

N. Sg. : halue, geyne 1884. eheliche 1881 11. welke frouwe Da 1. hoghe 
frowe TT 208. 

A. Sg. : eyn Jwind E 7. eyn wedewe Da 12, 2. 

Anm. 2: Das Plural-e fallt zuweilen: gekoren clderlude 1311. syn hilgen 
St. E. A 27. min eruen 1394 II. ander lüde IV 1,6. ander dinge II 44. or 
Herten St, E. Im appositiv nachgestellten Adjektiy stets in der Wendung: wy 
radmanne old und nye: 1272. 1381. 1394. 14i20. 1476. 

Anm. 8: Die Endung en wird bei Wörtern, deren Stamm schon auf en 
ausgeht, fortgelassen, also D. PL: gesworen 1272. vorgangen 1448 III. 

Anm. 4: Die Adjektive der t-Stämme bewahren noch das End-e:. eyn rike 
kremer I 10. eyn kleyne plaa I 15. he sy grot oder kleyne I 29. rike odet^ arm 
I 30. reyne, gemeyne III 14. il 27. 

§ 113. Schwache Flexion. 

Die Endung ist hier e im N. Sg. masc. fem. neutr. und im 
A. Sg. fem. neutr.; sonst en. 

masc: gesw 
grate, erste St. E. 

A. Sg. 
fem.: olde Db 14. neutr.: halue II 70. vorgenante II 66. 

Schwach gehen die Adjektive nach dem bestimmten Artikel, 
nach eyn ausser dem N. Sg. masc, nach desse, nach den besitz- 
anzeigenden Fürwörtern, nach alle, nach persönlichen Fürwörtern und 
meist, wenn sie im Vokativ stehen. 

Beispiele: 

1) nach eyn: von eynem grotmi sak I 12; aber eyn arm kre^ner 
I 12. eyn ehrsam rad 1537 F. 

2) nach desse: desse kegenwordige brif II 44. deses oppenen brevem 
1381 I. dessis jegenwerdigen bryiies 1381 III. in dessen yegenwordigen 
open briue 1388 lt. dcAisen openen briff 1381 III. d^isser kegenwordigm 
tid 1381 II. desse vorgenanten saken 1311. Mit Ausfall des w: dssser 
geschinde ding 1311. Ferner: desse selve iinse giß II 46. 

3) nach Pron. poss.: na diner olden sede TT 316. myner jtmghen 
ioget TT 322. 

4) nach alle: alle guden lüde 1409. 



N. Sg. 
masc: gesunde 1272. fem.: bederre 1.399. erste III 4. neutr.: 



109 

5) nach Pron. pers.: ick arme man TT 72. 273. gi erliken 
buk in Prolog. 

6) Vokativ: live E 32. leite TT 57. kluke,teise TT 39. leveste 
TT 70. o live hilge geist St. E. gtide dod TT 21. ersameti hereti 
Jinen besufideren gunstigen frundeti! 1430. Aber: ersame tvise heren 
1447 (Boytin's Brief). 

Anm. 1: Die Adjektive, deren Stamm schon auf en endigt, nehmen häufig 
kein flexivisches «n an: 6. Sg. : open 1891. D. Sg. : bescheiden 1400. A. Sg. : 
(ypem 1432. PI.: bescheiden 1374. 1897. di gefangen l 3. 

Anm. 2: ander Terliert meist das e der Endung: N. Sg. masc. : ander I 25. 
IV 20. fem.: di ander I 22. A. Sg.: andirn 1852. andern 1381 III. Manchmal 
faUt auch die ganze Endung: tu dem ander male II 80. A. Sg. : den ander C 24. 
PI. : di ander Unenwecer I 32. di ander lüde B 1. G 28, e. 

Anm. 8: In der Endung en fällt das n zuweilen: in der handhaftige daet 
A 4. met der vorgenglike tid II 44. siner elike husfrouwen V 36. 

Folgende Formen können auch stark sein: dy gemeyne kumpen 1272. dy 
negeste huser I 19. di wiae lüde 1398. di vorgenante schumeker II 67. di mensch- 
Itke dade II 43. dy gemeyne inwoners II 1317. di inwonende joden II 44. di 
arme lüde IV 17. dy gnante visgere 1436 IV. di ersame lüde 1409 I. 

Stehen zwei Adjektive yor dem Substantiv, so fällt das n manchmal bei 
einem: dy genanten erlike lüde 1381 IL di bescheiden frome lüde 1399. sine leve 
tniwcn Patronen 1436. 

Anm. 4: Wirkliche starke Flexion statt der zu erwartenden und auch ge- 
wöhnlichen schwachen findet sich zuweilen, namentlich in den Fällen, wo der dem 
Adjektiv vorausgehende Artikel oder das Pronomen auf r endigt, also im G. D. Sg. 
fem. and G. PI. aller Geschlechter: 

desser geschinder ding II 44 (1317). tu eyner vulkomener bekentnisse 1381 II. 
iceder der kristenliker e III 14. tu der koningliker gewalt A 9. (Im Orig. Bl. 70 
geschrieben: koniglikcr). mct syner rechter hand Ä 21. met syner durer marter 
Dh 14. in der rechter hand E 27,4. (Im Orig. Bl. 103: recht'), siner eliker 
hu.<fro(u)wen 1403. 1409 III. 1425. Auch starker G. Sg. masc. neutr. findet sich 
zweimal: disses keinwordiges briefes II 87. des unmündiges kindes B 20. (Im 
Orig. 82: unmvidiges). 

Anm. 5: Sporadisch kommt es vor, dass das Adjektiv, das appositiv nach- 
steht, schwach ist: toy Badmanne dd und nygen 1381 IL toy Badmanne alden 
und nygen 1381 III. 

§ 114. Komparation. 

Der Komparativ wird gebildet auf er, der Superlativ auf est. 
Beide Suffixe bewirken Umlaut. Zuweilen fällt das e in est; wohl 
stets, wenn der Stamm auf r, sporadisch, wenn er auf t endigt. 

Beispiele: sterker II 45. lenger 1390. Da 2. 1537 P. lenghev 
rr 69; groter 1272. hoger 1334. diper A 9. durer I 26. diire 1331. 

lengliest (Adv.) 1381. 1401. 1425. eldesten 1442 II. aber oldesten 
ß 12. li 86 (1398). lest 1331. 1334. groste 1381 IL 1400. gro- 
M^ II 86. (1398). 1399. oversten 1381. 1391. I 34. niedersten 
1391. I 34. upperste TT 256. jungesten 1331. junggeste B 12. 
nJMyeest II 39. wisesten II 86 (1398)! hogeste 1399. nutteste III 13. 
fnuj*tste 1421. schoneste TT 280. allerbeste III 13. 

Partikel nach dem Komparativ ist meist wen 1334. I 30; sel- 
tener denne C 17. C 29, i. 



110 

3. Adverb. 
§ 115. Abgesehen von den Adverbien des Komparativs und 
Superlativs, die keine Endunp; haben, z. B. myn I 11, hat C 29,4. 
had 1452. bed V 1424. irers C 29,4; nuttest 1338. durest I 17. 
truweUkest I 34. 1430, werden Adverbien im Positiv gebildet 

1) auf e: opmhare 1334. 1442 II. vaste 1352. II 83. stsde 
1352. HL E. II 88. 1399 II. dicke 'sehr' 1381 IL echte III 12. 
unedde C 25. spade Da 7. se^^e St. E, E 31. TT 64. reyne V 1489. 
geniG TT 286. 1537 P. Sporadisch mit Umlaut: feste 1397. 1419. 
Zuweilen fällt das End-e: rast II 86. 1406. openbar 1391. /r/;?// 
1391. stark unde faste 1453. ewig 1476. ^ne? TT 19. 

2) auf like}i: erßicken 1311. bosliken 1311. gentzliken 1334. 
eyndrechtigliken 1381 II redeliken 1381 II. 1399 II. fredeliken 
1381 II. Jmneliken 'heimlich' I 31. frilntUken 1397. schemeliken 
C 24. vestliken II 83. swerliken 1430. wilUgliken 1436 P. gutliken 
1442 II. frolicken TT 24. ewichlikm TT 42. snelliken TT 73. 

Anm. 1: Dass da8 n fällt, ist selten: fredelike V 6. vrolicke St E, Spo- 
radisch fallt auch noch das e: ^m^ZiA; 1397. 8ne//tA; TT 198. 

Anm. 2: Häufig wird der Genetiv des Substantivs adverbial gebraucht. 
Bemerkenswerte Formen sind: des nacktes I 28. des pingeaiens I 25. rfcs winter- 
tides I 29. «yws t*c/e« IV 8. 

4. Zahlwörter. 

§ 116. Cardinalia. 

1) eyn 

N.: ^n für alle - Geschlechter. Im Fem. findet man auch e: eine 
tunne I 9. Sogar eyne kleyn budeken, dat I 18. 

D.: eyneri 1381. eyme 1383. 11 86 (1398). IV 14. eme I 10. 
eynem I 12. I 13. eyneme TT 2. 

A.: eynen 1272. einen St, E,; eyn C S. E 11^ i. fem : efw 1381. 

2) ^«'6 für alle Geschlechter: masc. 1331. I 9. fem. I 22. 
neutr.: I 23. 

G.: twyer 1381 I, III. 1404 I. II 87. fwier A 25. V 1419. tuiger 

II 82. 1406. 
D.: thiree^i 1381 I. twen I 16. I 27. II 69. 

3) dnf, dri für alle Geschlechter: ^ 13. ^ 24. 1399. 
G.: dryer 1400, rfn^r II 86 (1398). driger UOS. 

D.: dren 1334. 1399. I 27. dryn I 14. I 15. 

vir 1331. I 13. vif 1272. ses 1272. 1476. siven 1397. soveu 
I 16. acht 1338. biegen 1399. tey^i. elf U7ß. tu elf 1 11. virteyn 
1338. ses^^n 1272. achteyn II 75. tuintich B 20. 1421. eyw^//- 
twintich 1331. 5^ wnrf tuintich 1391. i>es wnd drittich I 32. virttich 
1334. t>tr^«cA 1423 II. tvr% V 75 (1448). m% 1421. twe und 
soventigh 1381 II. virundeachtentig II 80. drihundert 1394. dment 
1311.* drittenhundert, drutteynhundert 1381 11. 1391. 1399. 

Anm.: Die Zahlen von 4—12 werden substantivisch häufiger, adjektivisch 
selten flektiert: vire schok 1379. vire aaken Ä 2. vife I 20. vt^e 1436 II. 
sesse IS34. l 25. 1436 IL acfUe Schillinge Ä d. E 27, lo. achte deil B 12. achte 
pund IV 2,6. Dativ: viren B 9. rtV^ V 7. 



111 

§ 117. Ordinalia. 

träte IV 2. (nur sporadisch erste, z. B.: III 4). ander IV 2. dridde 
1272. IV 2. rirde, fefte IV 2. /'^/fXe 1423 I. veße 1423. I 18. 
sf.<tey sovefide, achtende, negende, teynde, elfte IV 2. elftende I 19. 
^/r^//if« I 23. twelftende I 19. I 23. drittende I 19. nrteynde I 19. 
fftei/nde, sestsijndej soventej/nde I 19. ses imrf drittigeste 1436 P. 
siftbefUigist 1379. ^y» wwrf achtentigste 1381 II. negentigste 1391; 
— anderthalff 1343. virdehalf I 16.' druddehalf 1399. 

§ 118. Wiederholungszahlen. 

^^n^cS I 32 'einmal', ^tr/e I 32. ^wV(/ß I 30. rfm I 32. rfr/(7f? 
rr 100 'dreimal', dry stund III 11. E 7. anderwerf C 5. r/>w/f 
V 71. .sor^« irrt// soven = 7 mal 7. III 12. tu rirden male I 32. 

5. Pronomina. 
§ 119. Personalia. 

1. Pers. Sg. 
X.: ick 1537 P. D. A.: my 1391. IV 70. TT 21. 64. 74. mik 
oder mek kommt nicht vor. 

1. Pers. PI. 

X.: tri, tcy, tcie (Beispiele in jeder Urkunde). G.: umer. unser eyn 
I 34. unser keiner 1404 I. D. A.: uns 1338. 1397. 

2. Pers. Sg. 

N.: du St. E. D. A.: dt, dy St. E. TT 58. 

2. Pers. PI. 

N.: gi St. E. III Prolog. E 7. D. A.: juwe St. E. E 7. iuw 
1448 II. iw 1447. TT 17. 

3. Pers. Sg. 
masc. 

X.: he 1272. IV 1,2. IV 1,6. IV 2,8. hee V 73 (1489). Sporadisch 
findet man /// z. B.: III 2. IV l,i. IV 2,3. ht/ IV 1. G.: siner 
1394. D.: em 1331. TT 4:8. en 1338. A.: «n 1331. em III 10. 

fem. 
N. A.: sy II 41. D.: meist or Sf. E. Da 4. Da 6,2. IV 3,4. Selten 
ir: 1334. IV 21. ere Da 3. 

neutr. 
N. A.: id 1272. I 22. et I 14. ed TT 200. 326. 
G.: es 1338. f^ (7 15. D.: e/w 1381 IL 

3. Pers. PL 
N. A.: sy, sye IV 5,4. sie TT 276. G.: yrer 1331. her 1399. 
Auch: e/-^ 1338. ir 1352. or^ 1401. 



112 

D.: etn 1311. 1381. 1399. St. E. en 1272. 1334. 1381. V Uli. 
Einmal ehn V 73 (1489). 

Aum. 1: Im dritten Buch des Stadtbuches fiadet sich auch: i/me A 1. 
yni A 1. 111 16. ine A S. yne III 14. in = Dat. PL Ji 26. neben gewöhnlichom 
em A2. A 6. A 12. — öw, 6w steht 1442 I. Vergl. auch § 7. I. 4. 

Anm. 2: Einige Male wird sy zu se geschwächt: ^ 16. ^. 20. TT 301. 

§ 120. Pronomen reflexivum ist sik, sich; häufiger ist letztere 
Schreibung. 

§ 121. Pronomen demonstrativnm. 
1) Artikel, Demonstrativ und Rehitiv. 

Sg. 





masc. 


fem. 


neutr. 


N.: 


di 1272. 1476. di/ TT 1. 


d^ 1334. 


dat 1272. St. E. 




11. 12. die TT 256. 280. 




TT 14. 


G.: 


des 1272. 


der 1272. 


rfes 1272. 


D.: 


deine 1272. den 1338. 


der 1272. 


den II 62. 


A.: 


den 1272. 


di 1272. 


rf«< 1272. 1391. 



PI. 

N. A.: rfy TT 56. 295. rfye IV 2,8. G.: der 1334. 1391. I 25. 

D.: den 1404 IL 

Anm. 1: Das i wird zuweilen zu e geschwächt: de 1322. 1331. de oren 
St. E. de III 2. TT 18. 83. 128. aUe recongnidonea dy de etat V erste Zeile. 

Anm. 2: Im D. Sg. hält sich deme bis zuletzt: 1272. 1338. 1343 1381 IL 
1383. 1397. 1398. II 86. 1400. 1453. TT 159 und noch 1476 ist es zu finden. 

Anm. 3: Die Endung en im demonstrativen Pronomen kann ich nur einmal 
belegen: vor allen denen die 1404 (Herzberg). 

2) jener. Belege sind mir zur Hand von folgenden Formen des 
Sg.: ^.: jefie A l. A 12. A 37. yene A 7. gene III 15. G.: jenes 
A 15. III 15. D.: jetieme A 1. yenen A 15. Da 12, E 14. 

3) diejenigen (der Sg. ist nicht belegt). N. PL: dygene I 1. 
digene I 32. dijene 1411. dygetien IV 30. dieienen 1448 II. G.: 
dergenm V 62. D.r dmgenen St. E. II 81. II 82. A.: dt/gene I 7. 
1432. digene 1394 III. 

4) dieser. 

Sg. 
masc. 

N.: de^^se 1394 I. dusse 1343. 

G.: desz 1331. des 1352. deses 1381 I, II. dessis 1381 III. dhsrs 

1391. dis 1399. 
D.: dessen 1272. (/e^ew 1338. dessem 1383. V 63. desseme TT 

284. rfß.s?we II 86 (1398). II 88. 
A.: dessen 1272. dese7i 1338. c//,^8f?w 1391. V 21 (1403). 1436. 

dnssen 1404 I. 1453. 



N. 

ü. 
I). 
A. 



l univerg; , , 



fom. 
//^.s^N*^ 1379. tliu^e 1421. 
/fe6\s^r 1397 I I 33. 1425. dmer 1390. 
rfew 1381. 1425. <tewr TT 220. 
//e^*9 138«. </Ä.^.Kfj 1400. (lise 1352. </mf? IV 14. 



neutr. 
N. A.: Meist dlt II 1298. II 37. 1334. 1338. I 8. I 21. Ä 27. B 22. 
IV 1. IV 30. II 91 (1466). dyt 1436 P. Doch findet sich 
auch sehr häufig den^ wenngleich es in manchen Fällen zweifel- 
haft sein kann, ob es nicht Genetiv ist. 

Beispiele für den: 1331. 1334. 1399. we,H ny kauften, den sint 
stj rorrallen I 31. rorgeve ymatul des I 31. yeschehe des II 42. 
hf des nicht mrkoppet FI 67. und scolen des nicht taten II 85. des 
ntdftrf he nicht yeren, he hehhe de>s B 22. en wofds des nicht seygen 
IV 1,3. he traf de de^s nicht don IV 2, i. he wolde des nicht bekennen 
IV 1,5. Zu letzterem Beispiel vergl. aber: der dufte hekanden st/ 
IV 10, 

PI. 
masc. fem. 
N. A.: desse 1272. 1311. I 7. I 11. I 17. disse IV 25. V 54 (1497). 
G.: desser, D.: dessen 1391. 

neutr. 

Ebenso. N. A.: dssse diny 1322. 1328. 1394 IL II 42. II 62; 
dfsse sez punt 1381 II, doch steht in derselben Urkunde auch: des 
sfz punt; andere derartige Beispiele fand ich nicht. 

Anm.: Das t im Stamm herrscht bei desse durchaus, % und u sind selten. 

§ 122. Pronomen interrogativum. 

1) wiy wnt, das nur substantivisch gebraucht wird. 

masc. fem. 
N.: iri 1272. 1383. 1399. Im dritten Buch des Stadtbuches, aber 
nur hier, steht auch we, z B. ^1 34. G.: ires 1272 uez 1399. 

D.: ireme I 16. II 86. A.: wetne I 33. III 3. 

« 

neutr. 
X. A.: irat III 1. IV 21. V S. 255. 1414. 1453. 

Anm. 1: wi ist auch Plural: tri dar breken desse Statuten dy sollen . . . 
i:*a4. ici di negesten syn B Einleitung. Sogar ein D. PI. lässt sich belegen: wem 
oler wenn . . . dem odder den . . . 1489. 

Anm. 2 : Im N. A. neutr. findet man sehr häufig wes 1 27. wts des anderen 
^Jf gefi . . • 1 21. wes di rad up eyn druck, dat warp he umme IV l,s. he nam 
dar perde und wes he fand lY 22. nemen em wes he hadde IV 20. wes geschyn 
t>, dal is . . . 1436. und alles wes daran to bwnde werd syn 1465 II. 

2) trelk, nur stark flektiert und adjektivisch und substantivisch 
gebraucht; letzteres z. B.: 1401. 

Niederdeutsche» Jahrbuch XXIX. g 



Il4 

v^ 123. Pronomina possossiva. 

Sie worden wie die Adjektive stark und schwaoli dekliniert. 
Die starke Flexion sei durch Belege dargestellt. 

Sg. 
masc. 
N.: si/n 1307. or B 10. V 27 ('140(»). tutse 147fi. 
(i.: inhieH 1301. dipm TT 317. .sv//jtÄs 1381. x/m^s- IV 25. ins 

IV 10. /ow^s« 1399. *S7. K, fuh^ers IV 21. 
D.: Hi/nem 1381. ,s-y///^ I 32. II 80. A 8. H IT). IV 2i. 1400. 

t/ren 1334. /VmY^ V 24 (1404). ornia IIF 12. //;m// 1272. 

)ni.seme 1300 II. 1442 II. nnaent IV 17. IV 18. V 10 (1403). 

iuireme TT 243. 
A.: si/nen 1381 I. nmen 1430. 

fem. 
N.: apie 1300. w/w/? oft 1G,3. Gr. Nnsfir 1272. 1381 II. 147G. 
b.: ww.sßr 1272. .syw^r 1307. jtrer K 22. /////w 7T 320. 
A.: r/m .S7. A\ ore 1272. /m.s« 1272. IV 4. 

neutr. 
N. A.: .vy/i 1272. er 1338. or 1331. B 14. .;> /: 32. G.: sv/m-.s 
1470. ///i,s^.s IV 25. D.: Hijnem 1331. o/vw<> 1383. ifmi V 2.S 
(1408). //u,^r^/i II 30. 

PL für alle Geschl. 
N.: m/m 1307. /V^ ///er/ IV 21. G.: syner B 15. orer 1381 III. 
/o/i*«r 1381 II. 1383. D.: oren 1272. IV 3,4. //mf 1334. iren 
1399. ?m^fj/i 1272. IV 32. A.: nujm 1391. or« Nif./;. IV 2,3. 
nnse 1331. 1381 III. iuwe SL E. 

Anm. : Im A. Sg. fem. fehlt sporadisch das End-f: Mjn 1381. or eigen 
ioonunge II 61. Ebenso im N. A. PL: «i/n hilgen St. K. min erven 1894 II; or 
herlen St. K. ir cleijder 1334. 

6. Konjugation. 

§ 124. Ein Unterschied zwischen starken und schwaclicn Verhen 
besteht nur noch im Imperativ Sg., im Präteritum und Particip 
Präteriti. 

§ 125. Der Infinitiv endigt unflektiert auf eyi: taten 1272. 
hrehen II 41. heinhn II 36. werken TII 10. bringen A 4. 

Wenn tu vor dem Infinitiv steht, wird er in den ältesten Ur- 
kunden stets flektiert: tu drayene 1272. besittene 1311. hebbene 1311. 

Später beginnt das e zu fallen, andrerseits ein d eingeschoben 
zu werden, so dass der Infinitiv dem Particip Präsentis gleichlautet. 

Beispiele: tu hMen 1381 IL 1414. to t/iun 1381. tu holden 
1394. I 28. 1442 T. tn rorkopen 1397. 1475. tu drm/en B 19. tn 



115 

ihuf 1404. tu hetftfm 1405. fn l/OHtrm 1419 TL fu htm 1430. io 
liehntkm 1442 IT. to ttratjen V 1475. U) lerm TT 102. 

tu hhulenuh TT 1328. tu bittende 1383. to ermnerndey (jeueruley 
thunitk, fatmde, üetzenile, rerh'mhnde 1381. /// betafende 1381 ITT. tu 
ttrinqfrmfe TT 82. to fjrarend^ 1421. tu dunde 1430. ^/< höhlende. 
1482. 1435. ^?* .smr/^ 1*435. to holdende 1442 T. 1448 T. tu be^teUen^ie 
1430. to rerte/lend^i 1442 II. ^o bermnde 1475. rf<9« rorgand^ und 
hindenjande.% im dttende V 70 (1475). to sterkende, nerende 1470. 

Daneben ist jedoch stets bis zuletzt der flektierte Infinitiv 
auf me zu finden: to holdem 1442 T, TL 1476; so dass also in 
manchen Urkunden, so z. B.: 1442 T, nebeneinander alle drei Formen 
ties Infinitivs vorhanden sind; -aber auch schon im Stadtbuch, z. B. 
I 20: in striken, tu arbeM-ende, tu bernene, 

§ 12(>. Das Particip Präsentis endigt auf ude: stände, Hittende, 
ilnufie E lo. ridmide A 13. 

§ 127. Präsens. 

a. Indikativ. 

1. Pers. Sg.: irk bekenm 1386. 1404. mvkope 1391. rade 
\\\ Prolog, meyne C 29. hege ITT 10. TU 14. bidde E 7. geue 
1421. nente TT 20. rupe TT 98. 

2. Pers. Sg.: du swerest St. E. Da 19. aprechst E 11. komst E \2, 

3. Pers. Sg.: 1) auf et: winnet 1272. geuet 1334. nemet 1391. 
///•///// I 9. nemmet I 12. Da 10. hesyet 1272. lebet 1381. imchet 
1381 IL nuttet 1381 IL icotiet 1383. volgit 1399. s^r««^ 1399. 
tmkei 1399. sterret I 30. AoWe^ I 7. /jre/r/<9^ T 20. bringet, vorkoppet 
I 18. erret I 30. 5 4. gebreket IT 37. kommet Ä 2. /'o/-«8«^ 5 17. 
/M 3. /^lierf 1400. /a^ei 1430. helpet TT 43. />^r;/6J//^ 1475. etet 
1453. ?n^«^^ I 10. 

2) auf t: geft 1272. 1311. T 9. IT 91 (1466). komt I 14. IT 70. 
k'iwt TU 4. mücnmpt 1331. lecht 1311. ror//*.s^ A 20. 5 4. Wi/if 
III 10. begript C 1. ilit C 10. A-o/>^ 1311. rorkouft 1 9. 

3) ohne Endung: Mt I 6. r//i^ I 8. '(/elt I 20. TT S2ß, geld 
1 82. fc^ I 9. ^31 Mässt'. oi)ertret TT 67.' tret St. E. kost I 29. 
Mio/d B 4. Mwrf £^ 14. wert 'wird' 1476. 

1. Pers. PL: wi geuen 1272. bekennen; heite m 1311. bekenne 
fri 1331. 1436 P. beplichte wi IT 86. 

2. Pers. PI.: gi liden IV 5,5. geataden E 7; /orc <// St. E. 
M'-ijue gy TT 101. kmie gy TT 297. 

3. Pers. PI.: gebiden, eruen 1272. hören 1381 TL .sz/^m 1381 IL 
^iin 1399. ^rerrf^yi 1436 P. ateruen TT 56. 

Anm. 1: In der dritten Pers. Sg. ist sehr häufig die Endung nur t. In 
dickem Fall wird u, v des Stammes zu /, g zu eh. Die Verben, deren Stamm 
ftnf d, t endigt, haben sehr oft keine Endung. 

Anm. 2: Das Plural-» fällt stets, wenn das Subjekt hioter dem Verbum 
steht: schale dt meisters 1272. Dass in diesem Fall wirklich kein n vorhanden 
var und nicht etwa das § 3 erwähnte Zeichen für n nur vergessen ist, wird, ab- 
gesehen von der Konsequenz, mit der der it-Strich in derartigen Beispielen fehlt, 
auch durch einen Schreibfehler bei dem obigen Beispiel erwiesen, das sich im 

8* 



116 

Orig. d. Stadtb. Bl. 49 ündct. Der Schreiber hatte hier versehentlich ÄrWe ge- 
schrieben, dann aber den Strich wieder durchgestrichen. Krhaltnng des n nur 
sporadisch: bekennen iry 1436 III. II 85 steht zwar auch bekennen tr/r, aber das 
Original Bl. 57 zeigt deutlich nur bekenne. 

An in. 3: In der 1. und 3. Pers. Sg. tritt in der Hegel nicht i-IImlaut ein. 

b. Optativ. 

3. Pers. Sg.: trlnne 1272. 1452. sie 'sehe' 1322 trerfie 1311. 
1451. (/eliiste 1399. h'ome I 10. I 31. (/ere I 31. hfirf^ II 07. st/ 
K 14. 'lese 1470. 

3. Pers. PI.: syen III 8. 

Das e ist gefallen in help I 1. I 2. 

§ 128. Imperativ. 

I) Sg. 

a) stark: i^prek St. E, E 12, i. help TT 60. 02. ;/yw TT SU. 
laeth TT 290. (feff TT 09. ghef TT 323; aber auch beide TT 58. 
helpe TT 277. 

b) schwach: nume E 14. merke J)b 18. sterke St. E. friste 
TT 21. leffi/he TT 319. spare TT 322. 

TI) Pi. 

fegget St. E. TT 19. koint III 8. leitet E 7. rorkopet TU 12. 
roniemet Da 5. E 22. beirisit 1430. kämet TT 15. rolget TT 52. 
.srAWg^ TT 52. ror.s<*A-«^ TT 114. spriiighet TT 304. 

§ 129. Präteritum. 

a. Indikativ, 
a. starke Verben. 

1. Pers. Sg.: id- wart E 11. sprak V 1405. 

2. Pers. Sg.: r//t /o^^-s-^ C 24. sprekest T 24. 

3. Pers. Sg : .*<^^/w^'lV 2,8. hrak III 1. 

Plural: 1. Pers.: Ute wi IV 2. 2. Pers.: — 3. Pers.: irorden IV 5. 

ß. schwache Verben. 

1. Pers. Sg.: mitrhte ick TT 84. iroMe ick TT 85. 

2. Pers. Sg.: dfi mochtest 1448. Aa^W^f^j^ jT^ 318. 

3. Pers. Sg.: he makecle III 1. kempeds E 7. spehde IV 5; 
A*o/i^ E 24; mishandelde 1453. rmbilligde 1465; mit //: //« musten 
IV 31; doch es ist das einzige derartige Beispiel. 

Plural: 1., 3. Pers.: enigeden 133. lereden 1401. khigeden IV 3. 
wy danckeden 1436 P. eyschedsn 1430. makeden 1379; makten 1379. 
rorsHchten IV 2, .3. .sy .sf?^/^// IV 1,«; legden FV 2,r>. sanden 1379. 
IV 2.8. bekanden IV 2,«. bekemlen IV 2,8. derkeaden IV 4. 

2. Pers. PI.: .<7t muchten 1430. «// r/fv/ßw TT 209; //f/cA/<^ y// 
rr 222. 282. rordruckede gy TT 232.' 

b. Optativ. 

Es ist nur die dritte Person Sg. und PI. belegt. Beispiele: Sg.: 
fjNeme 1272. breke 1272. 6r^rA^« 1334. sete I 37. /W« II 70. 



117 

HNtie II 75. V 1461; befand^ I 30. dencunne II 75. PI.: gebin 
18!) 7. qu^tnien I 32. 

Süiiid <i im Stamm, so ist der Umlaut deutlich ; aber auch sonst 
zeigen sich sporadisch Zeichen des Umlautes, z. !>.: geböde 1381 I. 
.</ow 1381 I. drüge 1436 III. Im Orig. d. Stadtb. ül. 104: shige, 

^ 130. Das Participium Priitoriti der starken Verben endigt 
anf eu; das der schwachen auf et, t (d\ 

cerbofht 1272. gehinderet, bestedtg.t 1331. betrachtet 1381 I. 
l/mtikfit I 13. 1472. unrorsereget II 44. II 76 gesehickct II 6ü; 
W//<?/r/ 1272. tmtfurd IV 15; //<jAor^ St. E. vorhofft II 86. f/«/.Y^///if 
E 24; mnrracht III 10. C 11. gebracht 1448 IM. Mit Rückumlaut 
in: gebraput St. E. f/ebrant IV 5. qeicant 1381 II. 1401. genannt 
1381 II y^.^«^ -S7. >;. I 17. A 7. 1436 III. mmi^ A 26. i/6^.srt/i^ 
IV 1. IV 2. behaut II 72. «/-Ay//*^ 1381 I. getvandet 1401). benanut 
1476. Doch auch 5r6'.s^« 1381 II. bekent Da 12. benennet 1476. 
[fcmmwt 1476. 

Geht der Stamm auf t aus, so fällt häufig die Kndung: bericht 

I 32. geric/it IV 3. IV 4. gekost IV 4. 6(?/mM/^ 1453. ght.- 
uiitirfrt 1453. 

§ 131. Zusammengesetzte Zeiten. 

1) Als Futurum wird neben dem Präsens häufig ngn mit dem 
l^irtizip. Präs. verwendet: sy sgn tukomende. so sint iri donde 

II S2. Auch Hcolen und willen: wi scohn don 1328. gi icil an- 
'fnpni St. E. 

2) Perfektum. 

ick hebbe rorkofft 1391. gfdtat 131)6. sgn koinen 1452 'sind ge- 
kommen'. 

3) Plus(iuamperft?ktum. 

hadde geferkent l)b 19. hadde gesant IV 2,7. hadde gedan 
IV 2, n. hidde gestroren IV 1,3. 

4) Passivische Formen. 

a) Präsens: dat irort wert gehört St.E. sg werden gekoren II ö5. 

b) Imperfekt: he wart gesant IV 1,4. tnird gehangen IV 26 
Ml()2). uart gericht IV 4, i. worde wi gewarntit IV 4, i. 

c) Piusquamperf. : he was gekoren IV 1. 

S 132. Die Ablautreihen. 

I) üerm.: f, ai, i, i. Berlin: /; e, c, e. 

Inf.: sn t/den 1399. gripen 1399. IV 17. drgren I 32. ligen 
I :]3. biten Ä 41. bestigen B 19. riden 1322. ri/den 1394 III. 

Prät. Sg.: schmf, snet I)b 19. leed III 12.' red IV 2. m7 
IV 16. fm7*IV3,i. KrAr^// IV3,4. dref IW b. bet A U. grej) lY d. 

Prät. PI.: grepen IV 4. 

Partizip. Prät.: gescrenen 1272. roricgin 1298. gdegin V 14. 
^'^f/irjKn II 70. gc(/repen IV 19. tnigesncflen B 22. gesneden Db 15. 

Prät. Opt: Äe y/YJ^^e 1399. I>a 13. /^f/e 7M 13. >Y?^/e C 23. 



118 

II) Germ.: eu, au, u, a (o), Berlin: i (u), o, o, o. 

Inf.: wrlhen Da 6. rorbyden 1399. tyn IV 4. thyn 1436. 
fjenyten 1419. tu slutem I 2vS. 

Prät ^g.: gebot lll 10, olotDbl^,^. ßochlYl, gemdVfl. 
oorhs IV 5. jvordrot IV 5. toch IV 13. 

Prät. PL: togepi III 16. hoden IV 2. 

Partizip. Prät.: gekoren 1381. II 84. koren 1453. verloren 1399. 
(/eboden I 34. II 83. vorboden II 61. gitogen II 44. II 62. beafoten 
l)b 16. V 1461. ^mo^^/8 1419. entsproten 1421. 

Prät. Opt.: 8cÄo^e C 23. 

III) Germ.: e (i), a, u, u (o). Berlin: 1) /, a, n, n, 2) e, a, o, o. 

1) Inf.: winnen 1391. springhen TT 11. be(/ynnen TT 72, st/m/hen 
TT 85. 

Prät. Sg.: ander nant III 6. began III 7. ghecan E 18. /r/z/f 
IV 5. m;irf E 14. 

Prät. PI.: dwungen III 6. ttrungen IV 19. runden IV 3, i. 

Partizip. Prät.: wunnen 1331. gefunden II 70. A' 14. gewannen 
Ä d, A 27. 1399. gebunden A 4. gesangen 1436 I. ungedwungen 
IV 70 (1420). ungetwungen 1446. 

Prät. Opt.: drunge 1397. derwunne II 75. befände I 30. 
berunde E 31. 

2) Inf.: Äe;//>6>;< III 9. frerj^m II 78. 

Prät. Sg.: war^ II 61. Ä 16. /i* II. .slJ(/r/ i^ 14. 7>a 11. /m/7> 
IV 1. IV 2,9. M> IV 13. V 25. 

Prät. PL: worpen III 12. worden IV 5. 

Partizip. Prät.: gestorven I 30. B 10, erworoen II 77. geworden 
A 23. worden I 33. (/ewarden 1476; aber (/ehulpen IV 1,«. 

Prät. Opt.: 8^onV II 86 (1398). 1399. ' worde C 29. 1436 I. 

IV) Germ.: e, a, li, o, Berlin: e, a, e, o. 
Inf.: stehn. komen St. E. I 34. 1395. 

Prät. Sg.: stal IV 16. vornam IV 3; sprach III 10. brak III 1. 
IV 5. sprak 1465. 

Prät. PL: stelen IV 10. breken IV 10. quemeu TV 2. ror- 
nmnen IV 4, i. Aber wi rornoinen IV 3, 2. spraken und spreken 1379. 

Partizip. Prät.: berolen 1311. III 8. befolen 1343. geboren 
B \. B 10. II 75. r/65^/^/« IV 26 (1402). gelcommen III 19. £ 5, 
E 27. IV 1. komen B 20. /; 7. E 12. .^ff;*«///^?;« I 22. II 69. III 6. 
A 27. gebroken I 1. gesproken I 2. 

Prät. Opt.: miw« '11 75. V 1461. gebreke III 9. quente IV 3. 

V) Germ.: e, a, cc, e, Berlin: e, a, e, e, 

Inf.: geuen. treden A 27. TT 280. den A 41; — bid^/en 130. 
//f?.s//M 1272. II 67. syn 1409. .svyr^/t 1414. 

Prät. Sg.: gaf III 10. IV 5. bat E 31. plach C 28. r/escharh 
E 7. IV 2,1. yi)Y(/.f/ 1440. betrat IV 3. /r/r// IV 5. ad IV 13. 

Prät. PL: geren III 12,5. plegen Db 19. /We/? IV 1,5. seten 
IV 4,1. ' 



119 

Partizip. Prät: gegmien 1272. 1311. 1334. beseiten 1381 II. 
qele.^en TT 45. affgetredeth 1436 P; — hesyn II 67. geschin II 37. 
11 47. II 66. A 26. 1440 I. 1448 III. 

Prät. Opt.: hede II 70. Da 13. E 31. nete E 12. (ßesehege 
W 87. r 25. 1399. belege E 31. if<9.7e III 10. betrede Da 13. 
Wmfe« 1448 IJI. 

VI) Germ.: a, 6, ö, a. Berlin: a, u, tt, a, 

Inf.: backen 1272. varen B 13; shti IV 5,4; .wc^m/ IV 2. 

Prät. Sg.: schup III 12. mr III 10. f/^rr/^r IV 2,9. mmr 
IV 2,8. ////w/' III 7. f/rM6-A IV 1. nhich IV 21. ,s^/(/<r/ ß 24. 
^tniit IV 1,8. 

Prät. PI.: deifuren IV 4. .s%e/< IV 12. 

Partizip. Prät.: gewaschen I 11. geladen Ä 1. 1430. gisUtgen 
IV 5. V 1406. (lerslan IV 7. ndfaren V 1489. Aber stets gesworen 
1272. II 67. 5 10. IV 1,8. 

Prät. Opt.: singe (' 27. druge IV 8. ronfrnge (■ 23. </rÄy«f 
1436 P. 

§ 133. Die reduplicierenden Verba. 

1) Im Präteritum haben t (häufig steht ie, uni die Läugo zu 
bezeichnen) 

a) die im Gotischen e und ai, im Altsächsischeu d und e im 
SUmm zeigen. 

Inf.: hten 1311. B 6; A6>/7e/^ IV 2,3. scheidin TT 290. 

Prät.: liet 1397. //Y«?// IV 2. liefe TT 233; A/< III 5. III 12. 
hit^n IV 1. 

Partizip. Prät.: geraden IV 1,2. beraden 1451. gelaten IV 2, 7. 
1446; geheiten 1352. II 66. gescheiden II 81. enUclieden V 64. 

b) die Verben mit dunklem Stammvokal (germ. f/ 4- //, ri/<^ 0). 
Inf.: affhonwen IV 18; A>/>6';i I 16. II 82. stoten 1417; 

'«/>^/< 1430. 

Prät.: A/«/jriV 21; entlip IV 5,4. /^/^ß/* IV 15 (r{99). Optativ: 
/V' /; 31. 

Parlicip. Prät.: gehonnen A 14; rorhpen 1146. gcstoten A 25; 
'f'r*ipj)en 1442 I. angenipen 1452. 

2) Im Prät. haben kurz / die Verben auf nn, lly l oder /* -h ^<>/'**. 
Weil / kurz ist, findet sich auch Senkung zu e, 

Inf: fallen 1399; holden 1399 II; entfamfen 1399 II. /'(*////«/« 
IV 18. e/*^/;^!// B 14. 

Prät: re/ IV 21. V Seite 209; hild IV 5,*. hilde IV 2,ii. 
^^hildm III 5. A/W«/« 1436 P; vinq III 12. e/i^rm// B 5. /e/*r/ 
IV 15 (1399). fengen IV 25; y///(/ III 6. gingm IV 1. 

Partizip. Prät.: mrbannen J^29; norrallen 131. rernallen 1453; 
'/^Wr/^/< .SY. E, gerangen III 12. gehangen 1383. IV 26 (1402). 
mffangen St. E, nndmngen 1338. 



120 

§ 134. Übergang von den starken zu den schwachen Verben 
ist selten: begunde 1399. E 31. trefed^ E 12, i. getret A 22. 
Ä 25. geschinde 1311. gerafft IV 34. geweset I 7 (1409). IV 1. 
gewesset 1440 II. gewest I 7. 1436 III. 1442 II 1453. 

§ 135. Präterito-Präsentia. 

I) ick iveth 1447. du weist St, E, he wet III 8. B 5. weit 
E 12. PL: tvete gi St, E, Imperativ: wetet 1448 II. Prät.: wiste 
E 1. l\ 2,10. wtistefi 1408. 

II) sg dogen II 80. 

III» a) he kan 1272. wi können 1448 I. konen I 34. 1394. 
1399. gi konen TT 54. 

Prät.: kioid^ 1394. I 17. C 20. IV 1. 1423 I. 1430. kinide qg 
TT IGl. konde TT 5, aber TT 286 ist es gereimt auf stunde, 

b) Äe; 6erf^// A 7. W^r/f 1399 IL tvg derfen 1442 II. In- 
finitiv: dürfen 1436. Prät.: rfor/if« 1446. 

IV) i€k sal III 10. TT 25. 75. r/w salt St E, E 27, 12. du 
scolest E 14,8. A« sal: fünfmal 1272. 1322. 1334. 1394. 1397. 1400. 
St, E, Im Stadtb. ist es das Gewöhnliche. 1475. V 14S9. 1506. 
he schal 1331. 1440. 1453. V 1461. 1476. sol 1334. scol 1338. 

Plural: scolen 1272. 1311. 1381 II. St. E, 1397. III 11. III 15. 

V 6. gi scolen St, E. E 14. 

schollen 1272. 1383. 1397. 1399. 1436 P. 1446. 1448 III. 1472. 
1476. TT 18. 138. gi schollen 1440 II. 1453. TT 138. 

solefi 1334. 1381. 1383. 1397. 1436. soln 1506. sollen II 87. 
E 17. 1442 IL V 63 (1453). V 1475. 

snllen 1374. II 87 (1399). III 9. V 13. 1400. 1401. 1402. 
sulle gg TT 14. gg schult TT 63. 

schalen I 20. 1439 I. sch^k wg V 1411. schallen V 25 (1405). 
Ferner im Orig. d. Stadtb. lil. 123 steht schule wg, wofür Clausw. 
schulen trg. 

Prät.: scolde E 12. sc holde IV 5,5- schulden 1451. soldfi 
1379. III 6. /;i2. IV 2,1. IV 5,5. V 6. 1399. m07. sglden 1379. 

V) he mach 1272. mag TT 85. 1. 3. Pers. PI.: mögen 1272. 
13^1 IL 1394. 1506. mögen 1383. 1393. mugen 1442 IL ' y/ mof/fm 
I 2. rr 112. 276. moghet gg TT 112. möge gg TT 246. 

Optativ: möge A 25. 

Prät.: mochtest 1448. w«c//^6' 1399. IV 1. IV 4. TT 24. 26. 
42. 84. machten 1338. 1374. I 34. 1436 IIL 1442 L 1453. 

VI) iH' muth TT 60. du mu-st TT 315. he mut I 16. lll 1. 
PI.: muten E 27. c/i muthen TT 44. 68. 

Opt: mute lÜ 8. 

Prät: muste I 35. musten 1430. 1440. 

§ 136: haben. 

Inf.: hebben 1272. 1381 IL 1397. 1414. 

Präsens: ick hebbe 1404. 7T 45. 1537 P. ick hMen E 13, 1. 

V 24 (1404). du hest St, E, E 14. hefst du TT SOI , he het 1272. 



121 

1379. 1394. II 42. 1400. 1440. 1442 I. 1446. 1448 III. 1465. II 91 
(1466). 1476. 1537 P. het/i 1472. heii 1506. heß 1381 I. II 86. 
1398. 1399 I. 1400. 1409. 1442 I. Plural: hebbe^i 1272. 1476. (/i 
hehben I 1. 1447. 77173. liebhe (ji TT 67, Optativ: he hebbe 1399. 

Präteritum: hadden 1331. 1397. 1424. Optativ: Ivedde 1331. 
Partizip. Prät.: gehat II 45. 1381 IL 1386. 1391. 

§ 137. sein. 

Inf.: 8ijn I 1. I 32. TT 280. uemi I 32. 1401. 1453. 

Präs.: ick bin TT 20. 65. 1537 P. du bist St E, E 11. 
TT 59. Iie w 1272. 1383. 1399. >S7. A\ II 42. II 61. 1401. V 1454. 
1476. isH 1343. //.s TT 22; int 1331. 1381 I. 1440 Nr. 88. 1506. 
Plural: 1. Pers.: icy aint II 37. iri .sin III 1. sint iri III 6. 2. Pers.: 
/// sint SL /;. TT 276. 291. snn SL E, st/n E 7. 3. Pers.: si sint 
1334. 1381 II. 1394. St, E. l 18. I 25. III 4. C 25. V 1475; st/n 
1381 IL 1391. 1395. 1399. C 28. 1436 P TT 61. 1476. .s/// II 41. 
III 4. 1423 IL Optativ: 3. Pers. Sg.: st/ St. E. B 10. 1399. 1451. 
PI.: sijn 1343. 

Imperativ: syd III Prolog, syet TT 172. west TT 66. 

Prät.: was, ireren III 12,5. IV. 1448 III. Opt.: irer I 14. 
»rnr. 1448 III. 1537 P. PI.: trerm, nere gy TT 343. 

Perfektum: ick bin ghewesen TT 298. is getreset I 17. I 33. 
tri syn geireset II 37. syn gewesen 1391. /// sint geicese TT 16. 
sint tresen TT 221. hebbe gy gewesen TT 259. Die schwache Form 
ffewest scheint häufiger zu sein als die starke. 

§ 138. tun. 

Inf.: dun 1322. 1331. 1338. 1399. 1452. 1453. don St, E. 
I 17. I 32. Ä 13. .1 27. r 29,9. 1442. dohn 1447. dhon III 10. 
-1 33. 1442 IL V 1489. 

Präsens: ick do 1447 (Bovtin's Brief), he dnt A 1. .1 20. 
TT 211. deyt 1430. deit 1331." 1399. B 20. 

PI.: dun 1331. don Da 11. Optativ: he ^/« I 17. I 31. i^ 20. 
A' 15. do C 20. 

Präteritum: PI.: deifen IV 1. 1440 IL TT 269. 

Optativ: rfe^/^ 1399. IV 5. dede wi IV 2. 1442 IL ^A^////// 
1397. Partizip: gedan St, E, 1394. 1432. ghedan TT 23. 

§ 139. gehen und stehen. 

Inf.: gan 1272. I 32. stan 1272. 

Präsens: du engeist E 13. he (/eit A 9. 1399. sfrit 1272. 1894. 
.i 3. III 10. 1400; geyt 1334. stfit/t V 63 (1454); f/at St, E, lIl 
11. .4 14. 1448 III. stat T 22. 

Plural: stan St, E, I 15. I 18. 1399; gi gan I 2. ga gy TT 
o45. Optativ: ron>'t<t A 23. 

Präteritum: .^^ow/ III 6, B 24. IV 2,8. IV 9,8. stunt TT 257; 
t/iiik IV 2,7. tvrgink III 6. Opt.: rorginge 1399 IL 

Perfektum: //«/ //f.s^r/// II 1328. gy hehben ghestan TT 173; 
hl gegan V 6. IV l,i. sy hehben gegan V Seite 256. 



122 

§ 140. wollen. 

Inf.: irUlen IV 2,«. 

Präsens: ick wil E 13. 1447. TT 17. GO. (hi inU E 11,5. 
1448 I. walt TT 325. tie icil 1272. 1399. 

Plural: wl willen 1381 I. 1397. 1401. 1402. 1403; tri woihn 
1381 IL 1401; tville tii 1383. ud mi 1272. 1394. e/i willen I 1. 
nil gi St, E. E 7. si willen I 33. V 1439. 1476. 

Präteritum: woldestu TT 110. he wolde 1379. II 67. IV 1,3. 
IV 2,1. IV 2,6. IV 1,5. IV 61 (1416). TT 85. 

Plur.: Wühlen IV 1. IV 4,i. /// wolden TT 280. 

Optativ: wolde I 35. wolden 1399. 

Seltene Formen sind: wilden 1436 P. weiden 1379. Im Original 
d. Stadtb. Bl. 115: weide, Bl. 123 walde, (Clausw. hat in beiden 
Fällen o). 

BERLIN, Max Siewert. 



123 



Zunn Braunseh^veiger Sehiehtspiel 
und Schieb tbueh. 



Im zweiten Bande der Chroniken der Stadt Braunschweig hat 
der Stadtarchivar Hänselmann das Pfaffenbuch, das SchichtspieP) 
und Schichtbuch in musterhafter Weise herausgegeben, wofür ihm 
auch von seiten der Sprachforscher voller Dank gebührt. Dem Text 
ist ein sorgfältig ausgearbi itetes Glossar beigegeben, das zwar 
manches Fragezeichen enthält, woraus jedoch dem Herausgeber kein 
Vorwurf gemacht werden darf und soll. Anmerkungen unter dem 
Text enthalten ausser Erläuterungen teils abweichende Lesarten, 
wenigstens was das Schichtbuch anbetrifft, teils nicht korrekt er- 
scheinende Formen, wofür die richtigen vom Herausgeber in den 
Text gesetzt sind. Doch scheint hier des Guten bisweilen etwas zu 
viel geschehen zu sein. Die nachfolgenden Bemerkungen sind rein 
sprachlicher Art. 

S. 118, 27. ine dut volk rar ende such 
to lojjen in dut Af erhoff, 
Statt to lopen hat die Hs. do lepen, das ich in do lopen ändere. 
S. 142, 46. he begunde sik to rormeten, 

Das in der Hs. fehlende to braucht nicht ergänzt zu werden, 
nach beyhinen steht der Infinitiv mit und ohne to. Mnd. Wb. I, 18G. 
S. 146, 67. dachte velen nicht tvesen quadt 

d^n dat ghelt wolde beachj/mmelen 
in der kesten, eer se hynnnelen. 
Das Verb hynnnelen, das sich nur an dieser Stelle findet, ist 
im Glossar mit einem Fragezeichen versehen. Nun ist es zwar im 
Mnd. Wb. nicht belegt, aber im Mhd. findet sicli ein hinielen, und 
zwar im Passiv, in der Bedeutung 'in den Himmel aufgenommen 
werden' (Mhd. VVb. I, 686), und in den heutigen niederdeutschen 
Mundarten kommt es mehrfach vor: Woeste, Wb. der westfälischen 
Mundart: hieniehi, sterben. — Mi, Wb. der Mecklenburgisch- Vor- 
pommerschen Mundart: hinnneln, in den Himmel gucken, mit Ver- 
zückung. — Dähnert, Platt-Deutsches Wb.: himmeln, die Augen gen 
Himmel schlagen. In letzten Zügen liegen.^) — Schütze, Holsteinisches 
Idiotikon: henhimmelny aus der Welt hinaus in den Himmel hinein 
kurieren. — In der Cattenstedter Mundart giebt es ein rorhinuncJn, 
sich gebärden, als ob man sterben soll. 



') S. 86 ist Sehiehtspiel statt Schichtbiich zu lesen. 

') Mit ganz derselben Bedeutung verzeichnet das Mnd. Hand Wörterbuch ein 
himmelen. Woher? 



124 

Au unserer Stelle luiIte ich hymmeleu für .dasselbe Wort in der 
Bedeutung ^sterben'. 

S. 159, 8(). Itlikn Hpeelluda siuif/hern 

miß pi/pen uncfe hunghen, 

se hadden dar neynen rrochtetty 

da se den dwis hiir anbrochteu, 

soj/ten ladt gifft wol vadderp/te: 

desgheliken deden ok de. 

se snngheu alg/telike: 

Uce uferen ok gerne ryke\ 
Im Glossar ist unter Vadderphe bemerkt: 'Vaters (Gevatters?) 
Vieh. Der Sinn des Verses an sich ist klar: ;,das Vieh des väter- 
lichen Hauses hört Jedermann gern, am liebsten. Laut geben"; nicht 
ebenso klar aber der Zusammenhang. Am nächsten liegt wohl, in 
diesem Verse eine phantastische Motivierung von V. 1784 zu er- 
kennen: se (die braunschweiger Pfennige) sochten ores rader kmt ; 
uneründlich aber ist das tertium comparationis zwischen diesem 
Tierlaute und dem Lockgesange der speellnde (V'^olksverführer: V. 178G) 
V. 1892 flV 

Zunächst ist zu bemerken, dass rader *Vater' von radder 'Ge- 
vatter' zu unterscheiden ist, wenigstens ist mir kein Beispiel bekannt, 
auch das Mnd. Wb.- hat keins, dass Vater radder geschrieben wird. 
Daraus ergiebt sich, dass der Sinn des Verses nicht der vom Herausg. 
angegebene sein kann, denn „süssen Laut giebt wohl Gevattervieh" 
wird kaum jemand für verständlich halten. Hinzu kommt, wie der 
Herausg. selbst bemerkt, dass das tertium comparationis zwischen 
diesem Tierlaute und dem Lockgesange der Spielleute unerfindlich ist. 
Ich vermute, dass nach braunschweigischer Dialekteigentümlichkeit 
a für e steht, vgl. z. B. das mehrfach im Schichtbuch begegnende 
mich für trecli^ und dass radderphe für redderphe 'Federvieh' steht 
analog dem heutigen ßadd^rmtXs 'Fledermaus' in der Cattenstedter 
Mundart.*) Mit radderphe sind m. E. die speellnde in V. 178ü ge- 
meint. Wie ich höre, werden noch heute die Spielleute beim Militär, 
namentlich die Trommler und Pfeifer, Federvieh genannt. Sicher 
bezeugt ist dieser Ausdruck für Göttingen, Magdeburg und Blanken- 
burg. Diese Deutung beseitigt alle Schwierigkeiten. 
S. 184, 99. Bonihanwerf dn bist gewanf^ 

uns haddestn loret beroren 

anders, do dn nordest ghekorn. 
Im Glossar ist genant an dieser Stelle nicht berücksichtigt, 
auch das Mnd. Wb. bietet keinen entsprechenden Beleg. Da nun 
wenden 'sich wenden' heisst, so übersetze ich die Worte dn bist genant 
'du hast dich geändert'."^) 



*) Als ick den Artikel bereits geschrieben Latte, fand ich, dass schon das 
Mnd. Handwörterbuch fragt, ob viuhkrphe = vedderve sei. 

') Das Mnd. Ilandwb. kennt ein rell. wenden, sich ändern. 



125 

S. 299, IS. (h hMm f/od hi/ff. 

Das lis. (/ofifffi war nicht in f/od zu ändern. Der Nominativ 
und Akk. lautet oft </o</«. Heimen Kotes ßoek van veleme Rado im 
Nd. Jahrb. IG, S. 11,' V. 49: Jfehhe (jinh Jeff; S. 13, V. 125: Dat gy 
tjfufe Inflm; S. 22, V. 124: hehhet </mle. ror 0(/heM. Dat nve sciüp van 
Xarragonien V. 395: Fruchte (/ode. Andere Beispiele sieh im Mnd. 
Wb. II, 135. 

S. 302, 25. 1>o heinan de, f/ildemester mi/t oren Urolffen uiuh. 
hfl 1 1*^19 ore SHuderfike laijhe. dem linde towetUhreii, nnde ategen hi des 
httdfüi fratere nnde leten darin ne ft/Hsrhen, tnide nloyen mm up, nnde 
tntr ae dem Rade kondea irat fotredderen dott, dat deden se mi/t erneute 
und f. frereJe. 

Statt rum hat ßl. dicke^ das der Herausgeber = dyke fasst. 
Wie das Glossar richtig angiebt, bedeutet mm Raum; aber die 
Wendung mm npnlan vermag der Herausg. nicht zu deuten, ist auch 
im Mnd. Wb. auflTälligerweise nicht verzeichnet,*) die Übersetzung 
iiaum aufschlagen' giebt jedenfalls keinen befriedigenden Sinn. Dass 
mm ein Synonym zu dykj Teich, sei, lässt sich nicht erweisen; auch 
ist nicht ersichtlich, wiq der Sing, mm durch den Plur. dyke wieder- 
gegeben werden kann. Zweifelhaft ist ausserdem, oh dicke wirklich 
dasselbe ist wie dyke, Mhd. upa/an bedeutet auch ;, Aufwand machen, 
es hoch her gehen lassen*' (Mnd. Wb. V, 132), und npHlag mdken 
bedeutet heute „Aufwand machen, sich in grosse Unkosten stecken, 
viel aufgehen lassen, z B. bei einem Gastmahle^ (Schambach, Wb. 
der nd. Mundart der Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen); 
dicke npH/an kann daher auch heissen „es oft hoch her gehen lassen". 
Diese Deutung findet vielleicht eine Stütze in der heute in Cattenstedt 
üblichen W^endung en (gröfen) räum opach/an 'viel Wesens, Rühmens, 
Prahlens machen, dick tun', die ich sonst nirgends belegt finde. 
niuiu, das in Cattenstedt nur in dieser Verbindung vorkommt, ist 
sehr wahrscheinlich das hd. Wort Ruhm — Schambach hat a. a. 0. 
rnum, der Ruhm — und lautet mnd. rom. Nun ist es jedoch sehr 
wohl möglich, dass mm für rom steht, da ja im Mnd. u für o mehr- 
fach erscheint und gut für got im Schichtbuche, wenn ich nicht irre, 
sogar Regel ist. Aus Hänselraann, Mittelniederdeutsche Beispiele im 
Stadt-Archive zu Braunschweig, Nr. 5 führe ich genughen an. Mnd. 
nun bedeutet ausser Ruhm auch Piahlerei. Ich vermute, dass mnd. 
rum upslan dasselbe ist wie das heutige räum opt^chlan^) und ähnliche 
Bedeutunfic hat, die dem Zusammenhange nach sehr wohl passen 
würde. Vgl. auch S. 336, 29 : .sv? risclieden in des Rade»^ watere, se 
makeflen rele bylagey unde lepen schoduvel etc. 

S. 308, 25. Ahe se in de horch kernen unde esscheden den hreyff, 
do rorschrark de hertoge unde sprack to one: ^he hedde den breyff nicht 
by der haut, sunder he irolde one geren eyne hantneste so lange dat se 
df^n breyff schulden ircMerkrigen unde toriten\ 

^) Auch ini Mnd. Handwörterbuch fehlt sie. 

'') In Benzingerode am Harz rum mähen, wie ich neulich hörte. 



126 

Statt Kiiile Un'Uan in Bl. hat die Hs. HHtorMen, L(*tztoros lialto 
ich dem Zusammenhange nacli für richtig. 

S. 331, 3. inifle, (h papen iit/i der horch alle tut den maiiffk au- 
tohemnde umtue loff unde ere f/odde^n muhi detne jMtronen der stad 
Bnmsirick. 

Die Hs. hat (/odde statt f/odde.<, was wegen des folgenden und/i 
deine painmen riclitig sein dürfte. Vgl. Urkundenbuch der Sta<lt 
Goslar II, Nr. 292, G: tu eren uuda dor tucht allen den^ de . . 

S. 332, 15. si/nea fHidem art d/tt roret one. 

Das hs. vader statt raders war nicht zu ändern, vgl. S. 150, 84: 
He sor/den ores rader laut Hänselmann, Mnd. Beispiele, Nr. 2: hufaft 
sines rader huse; Nr. 4: sines rader unde siner nioder erre\ Nr. 11: 
dre ran rader unde dre ran moder wef/ene; Nr. 14 dreimal ran radffr 
uef/hene. Mnd. Wb. V, 189: ^Der Genetiv schwankt schon früh 
zwischen rader (der gewöhnlichen Form) und raders. Am längsten 
blieb das genetivische s weg in Verbindungen wie: in sities rader lant, 
sines rader hüs u. a." 

S. 333, 10. unde kostede merhiick f/elt deute Rade, fruu'ol bifff 
dt', horch unrjewunnen. 

Das Glossar kennt wuwol nur in koncessivem Sinne, es hat aber 
nicht selten und so auch an unserer Stelle die Bedeutung 'gleichwohl, 
trotzdem'. Sieh auch Mnd. Wb. V, 757. 

S. 334, 4. het so lange dat de Rad dem schaden nakenie. 

Statt dem hat die Hs. des, was beizubehalten war; fudomen 
regiert oft den Genetiv, s. Mnd. Wb. HI, 153. 

S. 338, 23. Sta up hör. 

Im Glossar ist hör als Dreck, Mist erklärt, aber in up hör ist 
hör = hof/er und heisst 'zurück, aus dem Wege' und ist ein oft 
begegnender Ausruf. Mnd. Wb. II, 299. Seelmann, Valentin und 
Namelos, S. 127. 

S. 340, 2() konnte hs. nicht statt nichte^s beibehalten werden; 
hetenifen regiert den Akk., z, B. S. 301, 4: trat betenfjen. Der Akk. 
nicht steht z. B. S. 301, 15. 

S. 345, 29. hcckinf/, 

Anm.: 'I uckin g undeutlich': Hutkeni<i"(^ Beide Formen sind auf- 
fällig, es ist sicher mit dem Mnd. Wb. II, 757 lutting zu lesen. 

S. 349, 10. Wan d^i katte des lauuen torne rorni/mpf, so tliut 
se den stert mangk de hegne unde logpt uppe den honen, unde kau dar 
affschulen ander dem- hanehende. so most du, arme slyme essele, d^it 
kattentorh holden, wan du iia der molen gegst, so warstu geMagen 
und^ ror jaget: dat is denne altomalen diu schult^ dat du de katte uppc. 
des lauwen stol liest ge/lreren. 

Das Wort katfentoch ist im Glossar nicht erklärt. Das Mnd. 
Handwb. fragt, ol) dat kattentoch holden = d^i katten hohlen, gefangen 
sitzen, sich in Geduld fassen. Da toch auch 'loser Streich, Schelmen- 
stück, Tücke' bedeutet, so fasse ich kattentoch als Katzenstreich, vergl. 
hmnertoch S. 160, 99 und Oldenhorger toge, Mnd. Wb. unter toch, 



127 

und ühorselze holden mit auslialton = büsson für, vgl. S. 458, Anin. 2: 
ihr :iht<lt aliete hott Ich. 

S. /54!), 18. nnfhi alle flejenne tlede des aaseUer sf/Hj d^< (/an 
dartnuler her. 

Mit dem Mnd. Wb. balte ich die hs. Lesart eyn ansettev für 
richtig und ebenso das hs. (/üijd für (/an. Die 8. Pers. Phir. Präs. 
endet im Schichthuch mehrfach auf t, z. B. S. 320, 10: brhif/et, we(/et. 
S. 4(il), 17: t/hat. Was das ij in (/aijd anbetrifft, so vgl. S. :U9, 11 
U^i/ld statt lapi; S. 302, lü koi/p;' S. 304, 30 ffj)lot/2}; S. 320, 12 
Imperativ f/ni/t = (/at. 

S. 360, 14. nnd^i J Foliant kam nn/t den (/ildemesteren nedder ror 
dm Ilatij so dat de Rad dar moste dat reress saferen to holdende. Dar 
irart anyelufnged der stad (/rote inf/esegyelj nnde aller (/ilde ore hif/eaeyf/ele 
fH'k, niule der horetlnde d^iHf/eliken. ande nu/eden nnde ho(/eden an dem 
hret/re alse de jodden an dem spLssen hode.^) 

Das Mnd. Wb. II, 280 (1876) fragt, ob h(ß(/en, welches ^erfreuen, 
trösten** bedeutet, an dieser Stelle die intransitive Bedeutung ^seine 
Freude äussern, jubeln** habe. Im Glossar unter liof/hen heisst es: 
^sich freuen, seine Freude haben*: de f/ilde dro(/(m den hruthbal, daran 
.</' <//> ho(//ieden al 110, 85; schmunzeln? nu/eden nnde hogeden an dem 
hreyre alse ds jodikn an dem spissen hode. Oder wäre //. hier „er- 
liöhten" (die im Recesse gewährleisteten Forderungen)? S. nhjen,^ 
l'nter niyen heisst es: ;,sich neigen? neuern? S. unter hoyen." 

Hänselmann, Das Schichtbuch. Geschichten von Ungehorsam 
und Aufruhr in Braunschweig 1292—1514. Nach dem Niederdeutschen 
des Zollschreibers Hermann Bothen und anderen Überlieferungen 
bearbeitet. 1886, giebt S. 119 die Stelle folgendermassen wieder: 
„Und nachdem der Rath seine Eide geleistet hatte, wurden der Stadt 
i:jrosses Insiegel, die Siegel aller Gilden, der Hauptleute ihres an die 
Briefe gehängt. Und war doch nur ein Tandwerk, und damit des 
Wunderspiels noch lange kein Finde.. Denn nichts desto minder 
Heuerten und höheten auch nachher die weisen frommen Leute an 
selbigem Recesse, wie die Juden an ihrem Spitzhut.** 

Aus mehreren Gründen trage ich Bedenken, dieser Deutung 
Hänselmanns zuzustimmen. Zunächst fragt es sich, was hoyen an 
heisst. Dass es S. 110, 85 „seine Freude äussern, jubeln*' bedeutet, 
ist doch nicht ganz sicher; denn wir wissen nicht, was (se) droyen 
den brtffhlxd heisst. Das VVort hrntJdxil ist weder im Mnd. Wb. noch 
Handwb. verzeichnet, und von den Idiotiken hat nur Berghaus' Sprach- 
schatz der Sachsen hrndhall, Hochzeitsball, aus Firmenich III, 119. 
Aber was heisst dro(/en'^'^) Wenn ich früher, als ich nur Scheller's 
Ausgabe des Schichtbuchs kannte, vermutete, dass ho(/en für hoyen 
verschrieben sei, so spricht das zweimal belegte hoyen an entschieden 
dagegen, und ich glaube jetzt, dass hoyen an sich freuen, jubeln be- 



') Die Hs. hat an den hrei/ff und den spissen hod. 
*) £8 kann *tnigen' und 'betrogen' heissen. 



128 

deutet, vgl. hoi/ey Freude, Fiöhlichkeit. Doch sclieint /////<?// ntifhi hnffnt 
synonym mit nhjen undt'. botjen zu sein. 

Das Verl) niye.n haben die Bearbeiter des Mnd. Wb. oH'enl)ar 
in der Bedeutung ^sich neigen*' gefasst. Während Hänselmann im 
Glossar die Bedeutung von nUfen und hogen zweifelhaft lässt, über- 
setzt er sie in seiner hd. Bearbeitung des Schichtbuchs mit 'neuem' 
und 4iöhen' und sieht allem Anschein nach in der Stelle einen Hin- 
weis darauf, dass später (1490) dieser Brief vernichtet und durcli 
einen neuen ersetzt wurde. 

Gegen diese Auffassung spricht einmal, dass uiffen in der Be- 
deutung *neuern, erneuern' im Mnd. Wb. nur einmal, und zwar aus 
den Lüb. Chr , belegt ist, während das Handwb. diese Bedeutung 
überhaupt nicht kennt, und im Schichtbuch S. 384, wo davon die 
Rede ist, dass ein neuer Brief hergestellt wird, nicht nitjen, sondern 
das übliche rornhjen steht: So leihen se eynen niyen breyjf maken, dar 
iraH de olde hreyff mede inyetoylien. nmle den wähle de Rad yekißUen 
hehhen und rorniyet myt niyen artikehn, de luddeu aldn^s. Bis jetzt 
berechtigt nichts, niyen mit *neuern' zu übersetzen. . 

Sodann ist der Ausdruck df<n bmyff hoyen „den Brief erhöhen*' 
auffällig, zumal wenn niyen ^sich neigen ** bedeutet, wie ich annehmen 
muss, und könnte doch nur den Sinn haben: „die in dem Briefe 
gewährleisteten Forderungen erhöhen*'. Aber sie worden gar nicht 
erhöht, und wie passt das zu dem Vergleich mit dem Spitzhut der 
Juden? Was soll das heissen: Sie höheten den Brief, wie die Juden 
den Spitzhut, sc. höheten oder höhen? Etwas Näheres über das 
Höhen des Spitzhutes von seiten der Juden weiss man nicht, und 
doch lässt der Vergleich vermuten, dass es etwas allgemein Be- 
kanntes war. 

Was ausserdem sehr gegen Hänselmanns Deutung zu sprechen 
scheint, ist, dass meines Erachtens dem Zusammenhange nach die 
Worte unde niyeden unde hoye/len an dmi breyff nicht auf einen Vor- 
gang in späterer Zeit bezogen werden können, sondern sich unmittelbar 
an das Vorausgehende anschliessen. In diesem Falle giebt die Über- 
setzung „erneuern" und „erhöhen* keinen befriedigenden Sinn. 

Holland und sein Anhang hatten ihr Ziel erreicht, nämlich den 
Rat genötigt, den Recess zu beschwören. Dass sie darüber jubelten, 
ist erklärlich. Ihre Freude oder Schadenfreude äussert sich meines 
Erachtens darin, dass sie niyeden unde hoyeden an den breyff. Der 
Sinn des Zusatzes alne de jodden an den spissen Aorf ergiebt sich, wie 
ich glaube, aus folgender Stelle in der Protestantischen Glosse zu 
Reinke Vos III, 3: »J^!/^' entsrhuldiyet ayck Reynke raischfik, rorkofft 
denie Koninye einen spyfjshoed, d<it //.s% he bedrurhi und rorforet en 
durch de nieldinye der erdichten Klenode*". Jemandem einen Spitzhut 
verkaufen bedeutet demnach, jemand überlisten, betrügen. „Spitzhut 
gilt als Zeichen eines hinterlistigen, schmeichlerischen Menschen, 
eines Mantelträgers; daher s^jitzhot = Betrüger, Schmeichler" (Mnd. 
Wb. IV, 333). Vermutlich hat sjntzhof auch geradezu Betrug, Über- 



129 

li>tung bedeutet. Daher erkläre ich die Stelle so: sie neigten sich 
und hatten ihre Freude an dem Briefe wie die Juden an dem Spitzhut, 
den sie verkaufen, d. h. an der gelungenen Überlistung. 

S. 378, 27. Ikit trarde wente to annte Nyclaus rim/e, er se des 
dorsfett yenefßhen. 

Das Verb <je)ie(jheH ist im Glossar nicht verzeichnet, auch im 
Mnd. Wb. und Handwb. nicht belegt. Da nun Bl. betengen statt 
Iff'neyhen hat, so vermute ich, dass gened(h)en *wagen', (alts. nathiau) 
/u lesen ist, das im Sündenfall mehrfach vorkommt. 

S. 382, 12. dar onie de ses marck yeldes inne roraef/yelt iveren. 
Statt ueren hat die Hs. iniSj die Änderung in ireren erscheint 
nicht geboten. Wir haben hier eine vom Hochdeutschen abweichende 
Ausdrucksweise, die im Mittelniederdeutschen nicht selten ist und 
auch heute noch vorkommt. Lübben in seiner Ausgabe des Reinke 
de Vos v. J. 1867 bemerkt zu dem Ausdruck Id is tvol seuen yar in 
Vers 234: „Das Verb, im Sing, (besonders wenn es vorangeht) das 
Subj. im Plural (namentlich bei Zahlbegriffen) ist nicht selten im 
Niederd.* Ähnlich äussern sich Schröder und Prien in ihren Aus- 
oiaben, doch trifft diese Auffassung nicht ganz das Richtige, wie ich 
iu der Ztsch. f. d. Philol. 24, 487 bereits bemerkt habe. In der 
angeführten Stelle des Reinke Vos ist nicht seuen yar das Subjekt, 
sondern der nachfolgende Satz mit eft; seuen yar ist Akk. der Zeit. 
So sagt man heute noch: et is al ses jdr, dat . . . Mir will es 
«scheinen, dass der Hochdeutsche mehr nach der grammatischen Form, 
der Niederdeutsche mehr nach dem Sinne konstruiert. So ist in 
unserem Falle im Schichtbuch nicht ses marck, sondern gelt, und zwar 
im Betrage von sechs Mark, das Wesentliche und darum als Subjekt 
gefasst. ses marck geldes ist ein Begriff. So sagt man heute noch: 
firm meter holt jift nwh vel asche. hundert dälder is kein jelt, d. h. 
kein hoher Preis. Ob diese Erscheinung von Nissen, Forsog til en 
middelnedertysk Syntax, 1884, genügend erklärt ist, ist mir unbekannt; 
aber wie sie auch zu erklären ist, es möge genügen, darauf hin- 
zuweisen, dass die Hs. des Schichtbuches in solchen Fällen meist das 
Prädikat im Singular hat und darin mit der mnd. Schriftsprache 
übereinstimmt. So steht auch S. 383, 31: dfir ome de ses marck 
(/eides was in vorseggelt, wo gleichfalls der Sing, nicht in den Plur. 
zu ändern war, und S. 373, 1 : unde den wart rerteyn dage dnch 
*jpg^repi. 

Die in Betracht kommenden Fälle sind jedoch nicht alle gleich- 
artig, ich will sie darum gruppenweise behandeln. Die Beispiele aus 
Reinke Vos mögen als Norm dienen. 

1. V. 284. Id is toöl seuen yar, Eft . . 
V. 4579. Id is nu iweij yar, alze . . 

2. Glosse 1, 4. In dessem capiüel is gheleret sunderlyken III stucke, 

„ 1, 22. In dessem capittel wert hewyset itoey stucke, 

„ 1, 84. In desseme capittel is sunderlyken to merken dre stucke. 

„ 4, 2. In desseme capittel is gheleret IUI stucke. 

Niederdeutsches Jahrbuch XXIX. 9 



130 

V. 54G7. My höret to de veer vothe. 

V. 3290. Alie was en boden ghesant. 

V. 3376. eft ycht were dar inne Tekene des Ictiendrs. 

V. 6074. Wo duncket yw ere kinder to malen? 

3. V. 4453. Ja, were unser ock noch vyue, 

V. 4676. ünde der wulue quam dar drey. 

V. 6121. ya were der ock teyne, 

V. 6779. Der lool vertich was in deme talle. 

Zu diesen von Lübben angeführten Fällen bemerke ich, dass in 
V. 5476: My höret to de veer vothe, und V. 6074: IVo duncket yw era 
kinder die Formen hont und duncket jedoch auch die 3. Pers. Plur. 
.sein können und also nicht mit Sicherheit hierher gerechnet werden 
dürfen. Die 3. Pers. Plur. Präs. auf et ist zwar nicht sehr häufig 
im 11. V., kommt aber vor, z. B. V. 2461 staet. 

Zu Gruppe 1 scheinen sich im Schichtbuche keine Beispiele zu 
finden. Zu Gruppe 2 gehören folgende: S. 311, 11: dnt ran homode 
unde hate dusse dinge [dut dingej hitma heschreven schach,^) 

S. 321, 28. dar inne stunt de wapen d^r fursten to Brunswick, 
wapeuy Wappen, erscheint im Schichtbuch als Neutrum, z. B. 
S. 479, 26; S. 481, 2. 

S. 337, 1. unde alle de dmise unde speie de geschach [gesche<jhenj , 

S. 339, 10. HO tvart [worden] hy ome gemimleji mische icichtc, 

S. 391, 29. Ock Hcholde [scholden] alle radeslage are sin. In 
diesem Beispiele ist der Sing, nicht völlig sicher, da in der Hs. viel- 
fach am Ende der Worte ein n fehlt, das notwendig zu ergänzen ist. 

S. 392, 9. unde ane tvart [worden] du-sse rorschreren artikele 
rorgegeven. 

S. 425, 22. Do nu dusse gesette gesät wart [wesen]. Aus Hermen 
Botes Boek van veleme rade (Nd. Jahrb. 16, S. 24/5) führe ich noch 
an: Wol dat dysse mff rade, dat rinde gy wis, Nicht in eynes anderen 
stede bequeme is,^) 

Beispiele zu Gruppe 3 sind häufiger. Ich gebe zunächst einige, 
in denen der Herausg. mit Recht den Sing, nicht in den Plur. ge- 
ändert hat. 

S. 302, 9. so dat erer twolffe was, 

S. 404, 4. der was seven, 

S. 448, 13. der wart geslagen twolffe uppe den gülden. 

S. 443, 23. der wart geslagen sesundedrütich. 

S. 489, 10. der was veerundetwintich tosamede. 

S. 471, 6. unde der kappeÜen is twey. 

Aus Hermen Botes Boek van veleme rade (Nd. Jahrb. 16, 
S. 32, 72) führe ich an: so wert der schelke dre. Aus dem Urkunden- 
buch des Klosters Ilsenburg I, S. 246: IUI morgen darvan in dat 
westcM, der ys II grass. S. 247: // morgen henedden der hoge und ys 



>) Die vom Herausg. vorgenommenen Änderungen habe ich in Klammern 
gesetzt. 

*) Die folgenden Verse 45 — 48 sind in Klammern zu setzen. 



131 

t/t'fiss. II mor<i(in tnuf j/a fune (tnßiref/fie. Aus den Mittelnicdor- 
doutschen Beispielen, Nr. 12: (liisser hreoe irafi twe. 

Hiernach war der Sing, des Prädikates nicht zu beanstanden 
S. SfJS, 6: fffir scfußh/e fschoMen] ri/re sin. S. 346, 10: des [der?J mts 
/w*^r^nj sestet/ne uth (lerne Haffen. S. 419, 23: dar tvas [werenj sesse 
n'nt/er tvan de krasse. S. 428, 9: dat der krassen kam [kernen] XXXIII J 
iippe den gülden. 

Eine besondere Gruppe bilden Sätze, in denen statt eines Zahl- 
wortes rele steht. Mnd. relj rele; mhd. Hl ist ursprünglich ein Sing, 
und kommt im Mhd. der guten Zeit nur unflektiert als Neutrum vor 
und hat das Prädikat im Sing, bei sich. Im Alts, und Mnd. steht 
das begleitende Verb teils im Sing., teils im Plur. So auch im 
Schichtbuch. Wo also der Smg. des Verbs in der Hs. steht, konnte 
er unbedenklich beibehalten werden, z. B. S. 312, 22: wente dar was 
fireren] rele gunners. S. 370, 12: (her der was [werenj ve/e. S. 391, 1 : 
MWi .so hleff [bleren] arer rele ta Hehnestidde. S. 421, 9: do kam 
f kernen] d^fr rele lierrare. S. 449, 14: aver der was [weren] rele rer- 
smnlten. S. 456, 7: wente der brere was [weren] vele. 

S. 387, 26. Orer neyn de dat helt. 

Statt arer hat die Hs. die Form ar, die ohne Bedenken ist. 
,Der Gen. Plur. arer, erer lässt auch die Kontraktion in ar, er zu.^ 
Mnd. Grammatik, S. 107. Besonders häufig erscheint die Kürzung 
vor juwelk und negn, so auch im Schichtbuch S. 328, 30 und 329, (> : 
or [orer] juwelck; S. 379, 1 1 : ar [arer] negn. Zugleich sei hier be- 
merkt, dass auch die Form ar für are des Possessivpronomens oft 
begegnet, z. B. im Sündenfall, und daher auch im Schichtbuch bei- 
behalten werden konnte. 

S. 393, 30. Alsa schalde dmse npsate angahn. 

Das hs. dut für dnsse war nicht zu verwerfen; npsate hat 
wechselndes Genus, s. Mnd. Wb. V, 125. 

S. 408, 16. unde hMent skk gans sur taten werden. 

Die Hs. hat hebhet, das wird richtig sein; die 3. Pers. Plur. Präs. 
endet mehrfach im Schichtbuch auf et statt en. Ein et = es braucht 
nicht notwendig ergänzt zu werden. Zwar hat das Mnd. Wb. diese 
Redensart überhaupt nicht verzeichnet, aber aus Dat nye schip van 
Narragonien, V. 4682 habe ich mir angemerkt (de emete) de arbeydet 
mtde feth sick u erden sur. 

BLANKENBURG a. H. Ed. Damköhlep. 



^* 



132 



Zur Geographie 
der >valdeeksehen Mundarten. 



In seiner Einleitung zu Bauers waldeckschem Wörterbuch kommt 
Collitz u. a. auch auf die Einteilung der waldeckschen Mundarten 
AVL sprechen. Nach ihm zerfallen dieselben je nach der Art, wie der 
germanische lange Vokal ö und der germanische Diphthong ai sich 
entwickelt haben, in drei Unterdialekte, in die nordöstliche oder 
Rhodener, die nordwestliche oder Adorfer und die südliche oder Cor- 
bacher Mundart. Als zwei durch besondere Eigentümlichkeiten auf- 
fallende Dialektgebiete führt er noch das ;,Rote Land** und das 
^Upland*' an, im übrigen scheint er der Ansicht zu sein, dass ron 
geringfügigen Ausnahmen abgesehen die in der Lautlehre zusammen- 
gestellten Eigenheiten sich gleichmässig über das ganze Gebiet des 
waldeckschen Niederdeutsch erstrecken. Indem ich mir eine aus- 
führlichere Abhandlung über die Dialektverhältnisse im Waldeckschen, 
die auch den niederdeutschen Teil des Kreises Frankenberg mitberück- 
sichtigen soll, vorbehalte, will ich im Folgenden an einer Reihe von 
Beispielen ganz kurz zeigen, dass in Wirklichkeit die Verhältnisse 
zum Teil doch wesentlich anders liegen. 

Was zunächst die Entwicklung von germ. ö anlangt, so erscheint 
dasselbe in Wörtern wie Buch, Fuss u. ä. 

1. als 6 und zwar a) in einem abgeschlossenen Gebiete im 
Süden, dessen nördlichste Grenzorte Goddelsheim, Immighausen, 
Thalitter, Obernburg, Alraft und Sachsenhausen sind, b) in einem 
schmalen Streifen, der von den 8 Orten Vasbeck, Gembeck, Mühl- 
hausen, Twiste, Braunsen, Volkhardinghausen, Buhle und Lütersheim 
gebildet wird, und der sich nach Osten in den Kreis Wolfhagen fort- 
setzt, c) in der Stadt Rhoden; 

2. als au in einem Gebietö, dessen nördlichste Grenzorte Neerdar, 
Böhmighausen, Rhena, Lelbach, Corbach, Berndorf, Oberwaroldern, 
Elleringhausen, Dehringhausen und Freienhagen sind, sowie im Kirch- 
spiel Usseln^) d. h. im Uplande — in Willingen wird das au mit 
hellem a gesprochen; 

3. als OH, d. i. offenes o -+- u in den Kirchspielen Eimelrod,*) 
Heringhausen, ^) Adorf,*) Flechtdorf^) und dem Filialdorf Helmscheid ; 



>) Usseln mit Rattlar, Schwalefeld, Willingen. ') Eimelrod mit Hemmig- 

hausen, Deisfeld. ^) Heringhausen mit Ottlar, Stormbruch. *) Adorf mit Wirmig- 

hausen, Rhenegge, Giebringhaiisen, Siideck, Benkhausen. ^) Flechtdorf mit 
Schweinsbühl. 



133 

4. als OH, d. i. geschlossenes o + ;4 in dem Gebiet, das sich 
nördlich von dem unter !*> aufgeführten Streifen erstreckt, mit Aus- 
nahme eben der Stadt Rhoden. 

Aus praktischen Gründen bezeichne ich im Folgenden die Ge- 
biete la und 2 mit Ausnahme des Uplandes als Südmundart, 3 als 
Nordwestmundart, 1 b., 1 c. und 4 als Nordostmundart. 

Die Wörter Kuh und Schuh weichen insofern ab, als sie auch 
im Uplande, in der Südmundart und in Helmscheid auf ö auslauten. 
Üer Infinitiv tun, der im übrigen zu Buch stimmt, w^eist Verkürzung 
des ö auf in einem Gebiete, das im Norden durch Hillershausen, 
Eppe, Lengefeld, Lelbach und weiterhin durch die vorhin unter 2 
genannten Orte begrenzt wird. Zum Umlaut von germ. ö sei hier 
nur erwähnt, dass die Form für Kühe in Oberwerba, Alraft, Sachsen- 
hausen und Freienhagen kbwe lautet. 

Germ, ai zeigt in einer Reihe von Wörtern eine ähnliche Ent- 
wicklang wie germ. ö. Es erscheint als e in dem erwähnten Streifen 
und in der Stadt Rhoden, als äi im Nordwesten und et im Nordosten, 
als ai im ganzen übrigen Gebiet, also auch in dem südlichen Teile, der 
bei ö Monophthong aufweist — in Willingen wird das ai mit dunklem 
(i gesprochen. Hierher gehören u. a. ein, zwei, heiss, Weizen, heim, 
klein, Eiche, Bleiche, Zeichen, Teig, weh ; ferner Vieh, Wiege, er, sie, wer. 

Während Vieh vollständig zu den vorhergenannten Wörtern 
stimmt, weicht Wie(/e im Süden ab, indem hier in einem Gebiete, 
dessen nördlichste Grenzorte Rhadern, Fürstenberg, Thalitter, Obern- 
burg, Alraft und Sachsenhausen sind, der Vokal e erscheint. Er und 
sie lauten in Goddelsheim, Immighausen und den südlich gelegenen 
Orten he und fe. Die Form w^ für wer ist nach Norden vorgedrungen 
bis Goldhausen, Lengefeld, Corbach, Strothe, Oberwaroldern, Nieder- 
waroldern und Dehringhausen. Freienhagen hat mn bewahrt. In 
Oberwerba, Alraft und Sachsenhausen herrscht wie im ganzen Bezirk 
Vöhl die hochdeutsche Fonn w^r. 

Iax. heisa ist zu bemerken, dass in Rhadern und Fürsteuberg, 
im ganzen Bezirk Vöhl, sowie in Oberwerba, Alraft, Sachsenhausen, 
Meineringhausen und Höringhausen die dialektische Form auf z aus- 
lautet: haiz. 

Eine andere Entwicklung zeigt germ. ai in einer zweiten Gruppe 
von Wörtern. Es erscheint in der Südmundart mit Ausnahme von 
Elleringhausen als ai, im Uplande ausser in Willingen, das ebenfalls 
fti hat, als eY, in der Nordwestmundart als äi, in der Nordostmundart 
als e7, das in Buhle zu e geworden ist^ Eine Ausnahme bildet ein 
kleines Gebiet im Norden, das die Orte Herbsen, Hörle, Schmillings- 
hausen und Ammenhausen umfasst, und das wiederum ai aufweist. 
Ich bezeichne dieses Gebiet im Folgenden als Hcrbser Mundart. 
Hierher gehören u. a. reisen, Heide, Wei<h, beide, Ei, schief, rein, (jeht, 
•^ff'ht, srhUitjt, zehuj SensCj warten (= beiden). 

Im einzelnen wären hier eine Reihe von Besonderheiten zu er- 
wähnen. Ich will nur anführen, dass das Zahlwort zolrn in Schweins- 



134 

buhl und Helmscheid sowie in der Südmundart ausser in Ober- 
waroldern, Niedei*waroldern, Dehringhausen und Freienhagen den 
Vokal ö aufweist, und dass die Form für schlägt nur im Uplande im 
Westen und im Bezirk Rhoden, d. i. in den Kirchspielen Rhoden^), 
Helmighausen*) und Schmillingshausen^), im Norden diphthongisch 
erhalten ist, während sie sonst allgemein kurzes e aufweist. 

Zum Teil verwickelter liegen die Verhältnisse in einer dritten 
Gruppe von Wörtern, die auf germ. ai zurückgehen. Hier finden 
wir in der Herbser Mundart helles a =z t (doch scheint in Ammen- 
hausen und Schmillingshausen in einigen hierher gehörigen Wörtern 
ai aus dem Hochdeutschen einzudringen), während sonst allgemein 
oder von nachher zu nennenden Ausnahmen abgesehen in der Regel 
ai vorherrscht. Ersteres gilt u. a. für Wörter wie brdt, Kleid, 
Schweiss, allein. Leihen (^= lainen) heisst in Corbach, Lengefeld, 
Lelbach und Rhena Wnen^ in Oberwerba, Alraft und Sachsenhausen 
Immen, Reh heisst in Helmscheid und in der ganzen Südmundart 
rö, doch spricht in einigen Orten des Südens die ältere Generation 
noch rai. Noch weiter nach Norden ist nai (nein) durch nS, verdrängt 
worden. — Lehm (= laimeyi) und Mistgabel (= graipe) weisen in 
Usseln ebenfalls ä auf, und dies scheint dort die regelrechte Ent- 
sprechung in dieser Gruppe zu sein. — Klee heisst in Usseln, Schwale- 
feld und Rattlar sowie in Elleringhausen kls'L — Seife und Teii 
lauten in der Nordwestmundart fäipe und däil, in Vasbeck, Gembeck 
und Mühlhausen PBpe und delj in Usseln rt.pe, aber dail. — Mieten 
heisst in demselben Gebiete im Süden, in dem Wiege als w^ge er- 
scheint, msde)i. In der Nordwestmundart überwiegt äi, in der Nordost- 
mundart erscheint et nur in Landau, ö in Mühlhausen, Volkharding- 
hausen. Buhle, l in Helsen. — Die Form für Zehe lautet im allge- 
meinen auf -n aus, im Kirchspiel Usseln sowie in Neerdar, Böhmig- 
hausen, Rhena, Lelbach, Corbach, Alraft, Oberwerba und allen südlich 
gelegenen Orten auf -wen. Der Inlaut ist in Usseln &, in Allering- 
hausen, Lengefeld, Rhena, Lelbach, Corbach, Goldhausen, Nordenbeck, 
Ense, Goddelsheim, Immighausen ä, in Fürstenberg ^, sonst ai. — 
Sichel (= fuiipe) heisst in Münden, Dalwigksthal und Fürstenberg 
fekkel, in Mühlhausen und Twiste ßkkele, in Gembeck, Mengering- 
hausen, Helsen, Kulte, Wetterburg, Lütersheim, Braunsen und Ellering- 
hausen he'tpe, in Usseln, Rattlar, Schwalefeld hkpe, in Willingen hi^pe. 

Der Umlaut von germ. a erscheint in Wörtern wie Käse, Schäfer, 
Schere, spät in Willingen als ä, in Usseln, Schwalefeld und Rattlar 
als ä, in der Herbser Mundart ebenfalls als ä. Im übrigen hat Käse 
in der Nordwest- und Nordostmundart, sowie in Berndorf, Ober- 
waroldern, Niederwaroldern, Strothe, Ilöringhausen, Meineringhausen, 
Alraft, Oberwerba und Sachsenhausen ai, während sonst ä erscheint. 



*) Khoden mit Oqiethal, Wrexeii, Wctlieii, Dehauseu, Ammenhauseu. ■) llel- 
migbauseii mit llcspriughauseu, Ncudorf, Kohlgruud. ^) tScbmilliugshauseu mit 
llcrbseu, llürle. 



135 

Ebenso geht mehr, nur finden wir hier in Corbach m%,v, Schäfer 
weicht insofern ab, als es in Berndorf ällf in Corbach, Lengefeld, 
Goldhausen, Nordenbeck, Ense und den südlich gelegenen Orten & 
aufweist. Schere hat in Helmscheid und in der ganzen Südmundart 
ä, ei» gilt hier ebenfalls das bei Reh gesagte. Spät heisst nur im 
Kirchspiel Eimelrod spaide, sonst allgemein spSide, bis auf den Bezirk 
Rhoden, der die Form lote bewahrt hat. 

Der Umlaut von germ. au erscheint in der Herbser Mundart 
als ä, im übrigen in der Nordwest- und Nordostmundart sowie in 
Elleringhausen und Dehringhausen als ai, sonst als diL Die Aus- 
sprache ist abweichend in Freienhagen «/V, in Usseln, Schwalefeld 
und Rattlar ungefähr ku. Willingen hat ai. So gehen u. a. Bäume, 
träumen, taufen, glauben, sowie Gänse, Kaufen zeigt die Besonderheit, 
dass es im Westen in einem Gebiet, dessen östlichste Grenzorte Nie- 
derschleidern, Alleringhausen, Rhena, Flechtdorf, Wirmighausen, Adorf 
sind, keinen Umlaut aufweist. 

Germ. ^ und io erscheint als äi in den Kirchspielen Hering- 
hausen und Adorf mit Ausnahme von Benkhausen, als ei in der 
Nordostmundart ausser Rhoden, das wie der gesamte übrige Teil e 
aufweist. Willingen hat ä. So gehen u. a. drei, vier, lieh, ßief/en, 
Spief/el, Brief, Dieb, sehen, ziehen, (Die beiden letzteren Wörter heissen 
in Goddelsheim fe>ann, teann). Hierher gehört auch Schnee, Ziegel 
ist im Norden in einem Gebiet, das im Süden durch Ottlar, Benk- 
hausen, Wirmighausen, Mühlhausen, Twiste, Braunsen, Lütersheim be- 
grenzt wird, wie ein Wort mit altem kurzem i behandelt worden : tiggeh. 

Germ, a erscheint durchgängig als rö, nur in Willingen als ö. 
dehn, stehn, schlagen und getan weisen im Süden verkürzten Vokal 
auf in einem Gebiete, das von Neukirchen, Münden, Goddelsheim, 
Goldhausen, Lengefeld, Lelbach, Gorbach, Strothe, Höringhausen und 
Freienhagen begrenzt wird. Wo heisst ausser in Willingen auch im 
Süden bö. Grenzorte sind Goldhausen, Lengefeld, Corbach, Strothe, 
Oberwaroldern, Niederwar oldern, Volkhardinghausen und Landau. 

Germ. I, ü, ü (iu) erscheint diphthongiert im Uplande, in der 
Nordwest- und Nordostmundart ausser in Buhle, ferner in Ellering- 
hausen und Niederwaroldern. Der Diphthong besteht durchweg aus 
offenem i, u, il und dem entsprechenden geschlossenen Laute. In 
Willingen wird l zu offenem u -{- i, im Auslaut beinahe zu geschlos- 
senem ö mit Nachschlag von e, ü zu offenem / -f- «, ü zu Ö. — Der 
Inlaut von trocken entspricht im grössten Teil des Gebietes altem Ü, 
im Süden jedoch in einem Gebiete, das durch Niederschleidern, Ei)pe, 
Immighausen, Dorfitter, Obernburg, Alraft und Sachsenhausen begrenzt 
wird, dem Umlaut von germ. au. 

Kurzes /, u, ü in offener Silbe erscheint im Süden in einem 
Gebiet, das im Norden durch Khadern, Fürstenberg, Thalitter, übern- 
burg, Alraft und Sachsenhausen begrenzt wird, als kurzes geschlos- 
senes e, Oj ö, in einem nördlich anschliessenden Gebiet, das bis nach 
Niederschleidern, Alleringhausen, Rhena, Lelbach, Corbach, Strothe, 



136 

Meineringhausen und Freienhagen reicht, als it, ho, tw, im übrigen 
als geschlossenes i, ii, ä. Hierher gehört auch ffut. 

Etwas verwickelter liegen die Verhältnisse bei germ. e und e 
in offener Silbe und vor r. Legen wir zunächst die Entwicklung von 
e in besser zu Grunde. Es erscheint als kurzes offenes e in demselben 
Gebiete, in dem i als e erscheint. Die nördlich anschliessenden Orte 
weisen einen ganz kurzen Nachschlag von a auf. Der erste Teil 
dieses Doppellauts geht allmählich in geschlossenes e und weiterhin 
in offenes i über, während der zweite Teil sich dem ä nähert. Eine 
genaue Abgrenzung anzugeben bin ich zur Zeit nicht in der Lage. 
Ebenso gehen u. a. ^wölf, Wetter, Begeti, dreschen. — Löffel, Kessel, 
Becher zeigen im Norden eine andere Entwicklung, indem sie in 
Helmighausen, in den Kirchspielen Rhoden und Schmillingshausen 
sowie in Eülte und Lütersheim kurzes geschlossenes / aufweisen. — 
Essen, messen, stechen, brechen, Zähne weisen im Süden ä auf in einem 
Gebiet, das durch Niederschleidem, Eppe, Goldhausen, Corbach, 
Meineringhausen, Höringhausen und Freienhagen begrenzt wird, 
stimmen aber sonst mit besser überein. — Esel stimmt im Süden zu 
essefi, im Norden zu Löffel, ebenso Woclie, nur hat hier Höringhausen 
ebenfalls Doppellaut. — Pfeffer stimmt zu essen im Südwesten bis 
Corbach, im übrigen zu Löffel. — Die Wörter sagen, tragen, legen, 
fegen u. ä. weisen allgemein ä auf bis auf das Kirchspiel Helmig- 
hausen, das iä hat. Willingen hat ä. 

Analog liegen die Verhältnisse bei germ. o in offener Silbe und 
bei und u vor r, bezw. deren Umlaut. Im einzelnen gilt Folgendes; 
bei Kohlen finden wir ä nur in Meineringhausen, Alraft, Oberwerba, 
Sachsenhausen und Freienhagen, bei kochen, Knochen, gd)rochen in 
demselben Umfange wie ä bei Woclie, bei gestohlen im Upland — 
hier hat Willingen ö — im Kirchspiel Eimelrod, sowie in einem 
Gebiet, dessen nördlichste Grenzorte Schweinsbühl, Lelbach, Corbach, 
Strothe, Höringhausen und Freienhagen sind. Wurst, Würste, Bürste 
weisen in demselben Gebiete, in dem Löffel % hat, geschlossenes ü 
bezw. ü auf, Durst und Brust dagegen nur in den Kirchspielen Rhoden 
und Schmillingshausen. 

Der Anlaut von dreschen erscheint als dr im Süden in einem 
Gebiet, das durch Goddelsheim, Immighausen, Dorfitter, Corbach, 
Strothe, Oberwaroldern, Niederwaroldern, Volkhardinghausen, Landau 
und Buhle begrenzt wird, sonst als r/-; der Anlaut von Bru^t im 
selben Gebiet und ausserdem in Goldhausen, Nordenbeck, Ense als 
br, sonst als b-. 

Hart heisst in ganz Waldeck harte. Schwarz weist kurzes a 
auf bis auf ein Gebiet im Süden, das nach Norden bis Niederschlei- 
dem, Goldhausen, Meineringhausen, Höringhausen, Sachsenhausen 
reicht, und das kurzes o hat. Warze hat in einem kleinen Gebiet 
im Süden ebenfalls kurzes o, im übrigen allgemein d. 

Alle heisst olle in einem Gebiete, das im Süden durch Ottlai', 
Giebringhausen, Benkhausen, Flechtdorf, Heinischeid, Berndorf, Strothe, 
Dehringhausen und Buhle begrenzt wird, im übrigen alle. 



137 

Frau heisst in demselben Gebiete im Süden, in dem Buch bök 
lautet, frogge mit geschlossenem o (denselben Laut weist hier hoggen 
hauen auf), sonst frugge. 

Der Vokal in Schule fällt ganz mit dem von Biich zusammen, 
anders verhält es sich mit Krone und Böse, Krone weist im Uplande 
und im Kirchspiel Eppe^) au auf, die ganze übrige Südmundart und 
einige Orte der Nordwestmundart haben ö aus dem Hochdeutschen 
übernommen, im übrigen geht es wie Buch. Rose zeigt im Uplande 
und in der Südmundart au, in der Nordwestmundart au, jedoch in 
beiden Gebieten auch verschiedentlich hochdeutsches ö, in der Nordost- 
mundart auffälliger Weise d, 

Kiwpf heisst im Bezirk Khoden, im Uplande und im Kirchspiel 
Kppe noch allgemein knaup, als veraltet gilt diese Form in einigen 
Orten der Nordwestmundart, im übrigen herrscht allgemein knap. 

Uns erscheint im Bezirk Rhoden sowie in Kulte, Wetterburg 
und Lütersheim als us, sonst als um bis auf Münden und Ober- 
werba, die uns haben. 

Euch erscheint in den Formen jtich im Norden und uch im 
Süden. Die Grenzorte für das ju<^h'GGhiei sind Ottlar, Eimelrod, 
Neerdar, Welleringhausen, Alleringhausen, Lengefeld, Corbach, Strothe, 
Freienbagen. 

Inlautendes d nach langen Vokalen und Diphthongen fällt im 
Bezirk Rhoden aus. Inlautendes Ul wird in der Regel zu U assimi- 
liert, doch heisst es im Uplande und im Kirchspiel Eimelrod halden, 
aiffe, kaUh, während haUle auf das Upland allein beschränkt ist. 

Die Pluralendung des Präsens lautet im Norden et, im Süden 
m. Die Grenzlinie verläuft nördlich von Niederschleidern, Lengefeld, 
Leibach, Corbach, Strothe, Oberwaroldern, Dehringhausen, Volk- 
hardinghausen und Landau. Nördlich dieser Grenzlinie lautet der 
Infinitiv haben hawwen, südlich derselben hann. Eine Ausnahme 
macht nur Niederschleidern, das ebenfalls Muncen hat. Dort heisst 
auch der Plural Präsentis von haben und sein hatt und ritt. 

Die Vorsilbe ge- reicht im Norden bis Niederschleidern, Lenge- 
feld, Lelbach, Helmscheid, Berndorf, Twiste, Mengeringhausen, Helsen, 
Elleringhausen, Volkhardinghausen, Landau, Lütersheim; in Fürsten- 
berg, Sachsenhausen und Mengeringhausen lautet sie je-. Im Norden 
ist sie als e erhalten, das sich eng an das vorhergehende Wort 
anschliesst. 

Das Pronomen wir hat im Norden den Anlaut u-, im Süden 
den Anlaut ///-. Letzterer reicht bis Niederschleidern, Alleringhausen, 
Uhena, Lelbach, Helmscheid, ßerndorf, Elleringliausen, Landau und 
erscheint ferner in Mengeringhausen. 

Heute heisst im grössteu Teil des Landes dünddcli. Diese Form 
reicht nach Süden bis Hillershausen, Epj)e, Lengefeld, Lelbach, Bern- 
dorf, Oberwaroldern, Niederwaroldern, Elleringhausen, Braunsen, 
Lütersheim. Südlich von dieser Linie finden wir hödde, hüödde, hfldde 



*) Eppe mit Hillershauseu, Niederschleidern. 



138 

in Gebieten, die sich nacli dem oben über die Entwicklung von ü in 
offener Silbe Gesagten ergeben. In Mengeringhausen, Massenhausen, 
Helsen und Wetterburg erscheint die hochdeutsche Form, nur mit 
niederdeutschem Vokalismus : hüüte. 

Die Form ivl für wie ist nach Norden vorgedrungen bis Gold- 
hausen, Corbach, Strothe, Oberwaroldern, Niederwaroldern, Volk- 
hardinghausen, Landau, erscheint ausserdem in Mengeringhausen und 
Helsen. Sonst herrscht bü, das in den üblichen Grenzen diphthongiert 
ist. Lengefeld hat bö. 

Warten erscheint im grössten Teil des Landes in der hoch- 
deutschen Form warten, die noch jetzt die verschiedenen Synonyma 
siegreich verdrängt. Beiden ist nur noch in Mühlhausen und Twiste 
als veraltet bekannt. Toilwen findet sich noch im Bezirk Rhoden 
sowie in Kulte und Lütersheim — in Rhoden und Lütersheim in der 
Form t&wen. Wachten herrscht im üpland, in den meisten Orten der 
Nordwestmundart und einigen südlich angrenzenden Orten. Eine 
genaue Grenze ist nicht anzugeben. 

Die vorstehenden Ausführungen dürften genügen, um zu zeigen, 
dass die Dialektverhältnisse im Waldeckschen doch wesentlich anders 
liegen, als es sich Gotlitz in seiner Einleitung zu Bauers waldeckschem 
Wörterbuch träumen lässt. Mögen sie den Fachgenossen als kleiner 
Beitrag zur Geographie der waldeckschen Mundarten willkommen sein. 

Als praktisches Hülfsmittel empfehle ich die im Verlage von 
Carl Nelle in Corbach erschienene Karte vom Fürstentum Waldeck. 
Massstab 1 : 200000. Preis 0,40 M. 

MARBURG. Emil Maurmann. 



139 



Versuch 
eines Quedlinburger Idiotikons. 



Der verstorbene preussische Kultusminister Robert Bosse be- 
merkt in den soeben im 62. Jahrgange der „Grenzboten^ erscheinenden 
Erinnerungen ^Aus der Jugendzeit*^ S. 718 über die Mundart seiner 
Heimatstadt folgendes: ^In meinem väterlichen Hause und in Quedlin- 
burg wurde in meiner Jugend noch viel Plattdeutsch gesprochen. 
Niemals freilich in der Familie oder gar bei Tisch oder in der 
Gesellschaft. Da galt das Plattdeutsche für ordinär. Aber die 
kleinen Leute, die Arbeiter, die Dienstboten unter sich, und namentlich 
die vielen Landleute von auswärts, die in unser Haus kamen, sprachen, 
obwohl sie auch hochdeutsch verstanden und sprechen konnten, mit 
Vorliebe und fast ausschliesslich plattdeutsch. So habe ich denn 
auch als Kind ganz von selbst das Plattdeutsche verstehen und ge- 
läufig sprechen lernen. Unser Plattdeutsch war nicht die wohl- 
klingende, feine Mundart, wie sie in Mecklenburg und Pommern 
gesprochen wird und später durch Fritz Reuter im ganzen Vaterlande 
so beliebt geworden ist. Unser Plattdeutsch klang viel härter und 
eckiger als das Reutersche. Es entsprach mit seinen harten Formen, 
wie eck, deck, meck oder gar ecke, decke, mecke statt ick, mi, di usw. 
mehr der im ßraunschweigischen, Hildesheimischen und Kalenbergischen 
gebräuchlichen Sprechweise.*' Wie ich höre, hatte Bosse, der während 
seines ganzen Lebens mit unbegrenzter Liebe an seiner Vaterstadt 
hing, die Absicht, ein Idiotikon Quedlinburgense zu verfassen, ist 
aber auch in der kurzen Mussezeit, die ihm nach einem rastlos 
tätigen Leben gewährt war, nicht dazu gekommen. Doch bringen 
seine Erinnerungen, die ich mehrfach anführen werde, auch in sprach- 
licher Hinsicht manches Bemerkenswerte. Da ich, wenn auch etwa 
zwanzig Jahre später in Quedlinburg geboren, unter ähnlichen Ver- 
hältnissen aufgewachsen bin, wie der verstorbene Staatsminister, habe 
ich es auf die Anregung meines Freundes Seelmann unternommen, 
aufzuzeichnen, was mir von mundartlichen Ausdrücken aus meiner 
Jugendzeit noch erinnerlich ist. Als Grundlage zu meinem Versuche 
konnte ich Aufzeichnungen von Johann Chr. Friedrich Guts- 
Muths*) benutzen, die in der Bibliothek des Dorotheenstädtischen 
Realgymnasiums zu Berlin aufbewahrt werden (vgl. John Koch, Die 
Berlinische Gesellschaft für deutsche Sprache, Progr. Nr. 94 von 1894 

') Guts-Muths, der den Kuhm hat, der „Vater der deutschen Turnerei" ge- 
nannt zu werden, ist am 9. August 1759 in Quedlinburg geboren, besuchte hier 
das Gymnasium, studierte 1779—82 in Halle Theologie und kehrte dann nach 
Quedlinburg zurück, wo er Hauslehrer im Vaterhause Karl Ritters wurde, der 



140 

S. 32 Nr. 13). Wie sie manchen Ausdruck enthalten, der in meiner 
Jugendzeit in Quedlinburg schon ausgestorben war, so werden Jüngere 
auch unter den von mir verzeichneten Worten manche finden, die 
ihnen nicht mehr bekannt geworden sind. Man möge deshalb ihren 
quedlinburgischen Ursprung nicht ohne weiteres bezweifeln. Für 
jede Berichtigung und für jeden Nachtrag zu meinem Wörterverzeich- 
nisse würde ich dankbar sein. 

Berücksichtigt habe ich auch das Quedlinburger Hochdeutsch, 
das, wie auch Bosse richtig bemerkt, manche charakteristische platt- . 
deutsche Worte und Wendungen aufgenommen hat. 

Zur Aussprache ist zu bemerken, dass der plattdeutsch redende 
Quedlinburger und mancher, auch wenn er Hochdeutsch redet, statt 
ü ein /, statt ö vor gedecktem r ein ä, in den übrigen Fällen e^ 
statt anlautendem g ein j sprechen. Die Endungen -neff 4er (Tischler, 
Kellner u. a.) haben betontes ä. Der Quedlinburger und auch die 
Bewohner der nächsten Dörfer sprechen anlautendes s in st, hI, sp in 
hochdeutscher Weise wie scL Nur die Ditfurter hatten in meiner 
Jugend die alte niederdeutsche Sprechweise bewahrt. Sie wurden 
deshalb (s. den Artikel speukeivinkel) und wegen der scharfen Aus- 
sprache des ,s vor Vokalen verspottet. 

Da die Vokale in den betonten offenen Silben stets lang sind, 
konnte die (übrigens nur für die Stichworte durchgeführte) Länge- 
bezeichnung im Allgemeinen auf die geschlossenen Silben beschränkt 
werden. Doch sind die Gutsmuthschen Idiotismen genau so abgedruckt 
wie sie hsl. vorlagen. 

Während des Druckes erhielt ich Nachricht, dass Minister 
Bosse Aufzeichnungen über Quedlinburger Idiotismen hinterlassen 
hat. Herr Professor Dr. Kleemann hatte die grosse Freundlichkeit, 
mir diese zur Verfügung zu stellen. W^as daraus aufgenommen ist, 
wurde durch [Ä] bezeichnet, während die Zusätze Kleemanns durch 
[KL] kenntlich gemacht sind. 



abeee, das Alphabet, abeceschole, die 
Eleme7itarschule. Die Kinder singen : 
Abece, De katte leip in' sehne; äs se 
wedder rüt kam, Hett se witte 



ackemiUuneken, die Bachstelx^^ (mota- 

cilla). 
adamsappel w. der iiervoriretefide obere 

Teil des Kehlkopfs bei Männern 



stäwweln an. ! (nach dem Volksglauben ein Stück 



durch ihn die ersten Anregungen zu seinen geographischen Studien erhielt und 
den er 1785 auf die kurz vorher von Salzmaun begründete Erziehungsanstalt in 
Schnepfental geleitete. Als Lehrer derselben ist Guts-Muths 1839 gestorben. 
Seine Vaterstadt hat sein Andenken durch eine Gedenktafel an seinem Geburts- 
hause und in dem Namen der Gutsmuths- Realschule geehrt. Vgl. II. Kümmel, 
Allg. Dtsch. Biogr. 10, 224 f. 

Die aus Guts-Muths handschriftlichem Idiotikon Quedlinburgense über- 
nommenen Idiotismen und Erklänmgen sind durch nachgesetztes [6^.J gekenn- 
zeichnet. 



141 



des iXiii Adam heim Sihidenfall 
f/eH0.9sene n Apfels) . 

adder, Ringelnatter und Kreuzotter. 

adebör, rfer Stojrh. Die Kinder singen : 
Adebör Ester Bring mir ne kleine 
Schwester. Adebör Uder Bring mir 
en kleinen Bruder. 

»der f. Karnnhre, \0,] 

iesi oder äesige /". 1. Unrat, Un- 
reinigkeit. sei en Minsche de Aesige, 
.sW* ein Mensch den Schmutz. 
2) Menge. dat is enne Aesige 
Arften, da.^ ist eine Menge Erbsen. 

vk äfeschern, sich abqtiälen; von 
einem, der sieh durch starkes Laufen 
ei'hitxt hat, sagt man: he hett sek 
äfeschert (ScJiambach S. 58 exern, 
extern, Danneil S. 45 eckstern). 

iffallcii, mager werden. 

äfgeknablieltes kerschk^mgesiehte, rohe 
Schelte. 

äf holen, abhalten; wird gebraucht, 
wenn man kleine Kinder veranlasst^ 
ein yaturbedürfnis ^u befriedigen. 

ifkaLisehen sw. v. derb durchprügeln. 

äf karten, heimlich etwas mit einander 
rerabredeyi. 

äfkimen, die Keime der Kartoffeln 
entfernen. (Krbl. XXI, 91.) 

ifklaTieren sw. v. jemanden abkanzeln. 

äfknnbheln, das Fleisch von einem 
Knochen mit den Zähnen abnagen. 

äfkvraBzen sw. v. tüchtig ausschelten. 

äf Uppen sw. v. jemand ausschelten. 

äflaehsen, einem etw. jemand listiger 
Weise um etwas bringen. 

äfnuurmchen v. r. labore cmificere ab- 
arbeiten, sek afmarrachen,,/?;^;/^ ab- 
arbeiten. [Q.] 

<«k äftnnddeln s. muddeln. 

ähnnrksen, erdrosseln. 

äftiisehen, dbprügeln. 

äf^en, abschälen. 

äfpnlen, mit einem Messer Fleisch 
vom Knochen lösen. 

äfeehilwem sw. v. abblättern der Ober- 
haut, X. B. nach übei'standener 
Masemkrankheit. 

äÜBehnunmen, weggelien. 

äf sin. Wenn man beim Spiele ge- 
schlagen ist und zeitweilig aus- 



sehe idei, so ist man alt. ek bin 

ganz äf ich bin völlig ermüdet. 
äfsoeken, rasrh fortgehefn. 
äl, Jauche. 
Aleke f. Schinipf^eort : albernes Mensch. 

[G.\ _ 
alen, mit Jauche düngeii. 
alfanzerie f. Narrheit (Brem.Wb. I, II). 
all adv. schon. 
alläben, ganz so, wird bei stark be- 

jaJienden Behauptungen gebraucht. 
allau! Ausruf des Srhjnerxes und 

Erstaunens. \B.\ 
alldag m. Wochentag. 
alldagsch, a. klec, Werktagskleid. 
alle, verbraucht, verzehrt, dat geld 

is alle. 
allebot adv. allemal, hei kimmt allebot 

nm 5, er kömmt allemal U7n 5 Uhr. 

\o.\ 

alleheüe adj. ganz und gar. et degt 
alleheile nischt, es taugt ganz und 
gar nichts. \ Q.\ 

allehope (alle zu Haufen) alle zu- 
sammen. 

allewile, gerade jetzt: allewile is he 
hir west. 

alwern, sich albern betragen. 

amhachtsdamen, nach Zedlers Beal- 
lexikon Bexei^hnuyig der Kamma'- 
danien der Äbtissin von Quedlin- 
bnrg. 

ampeln v. a. wonach trachten. Vor- 
züglich wenn unmündige Kinder 
mit Händen und Füssen wonach 
trachteti, so sagt man sih wie et 
ampelt. | G. | 

änbenten, Feuer anzünden. 

seek änbucken sw. v. bncke deek an! 
sagt die Mutter zum Kinde, da.^ 
sie in der Mantel hat. 

änebolt m. der Amboss. [G.] 

angel in schmirangelj lusangel (s. Krbl. 
XXIV, 13). 

i&ngrepsche wäre, gesuchte, teuere Ware. 

anhosen, anziehn (Bosse, S. 719). 

anken, stöhnen. 

änkoijelren, anfahren. \B.] 

änkriden, vom Wirte gesagt, der die 
Zeche mit Kreide aruichreiht. 

änlntelien v. a. unrd gebraucht von 
kleinen Kindern, no Intche dek an, 



142 



le,(j f/ich an und fichlaf! \ 0.] 
SrMmt in neiwrpr Zeit nicht in ehr 
bekannt. Man geln'ancht in gleicher 
Bedcntung sek anbacken. Backe 
dek an! sagt die Wärterin zum 
kleinen Kinde. 

nnnerthalf, ein und einlialh. 

anpnrren, jem. antreibe?i. 

änpatz^'n su). v. betrügen. 

änraii/i«ii, jem. mit raiihen Worten 
anfahren. 

änrökern sw. v. betrijgen. [B.] 

ansacken, jem. mit groben Worten an- 
fahren. 

änschiten, beitn Handel betrügen. 

änsdittnnen, anreixen. 

änsehwelg:en wird vom Anschlagen 
der Wellen und des Wassers gesagt, 
(lat Water schwelget an d Euwer, 
es schlägt an's Ufer. — ebber- 
schwelgen, überschwelgen, über- 
strömen, [G.\ 

änslttgseh. hei hett en änslägschen kopp. 
er lernt leicht. 

äntleken, sanft mit der Fingerspitze 
berühren. 

sek änTCttermicheln, sich anschmeicJieln. 

änworf m. Art eiserner Haken , womit 
man die Kren zuhenket statt der 
Riegel \ O.] 

äpe «?'. Affe, ein bekanntes altes deut- 
sches Wort, das man als Schimpf- 
wort gebraucht. [O.] mölenape. 
Das Gesicht eines Affen aus be- 
maltem Holze, welches früher in 
Mühlen vor der Öffnung angebracht 
war, aus dem das Mehl heraus- 
.strömie. 

apendink n. ein eingebildetes Mädchen. 

appelgrnanst m. Kernhaus des Apfels. 

ApriU. Die Kinder singen: An ersten 
Aprill kann man Narren schicken 
woben man will. 

arften, witte ut'n arften! ruft man 
einem Kinde zu, das ein Kornfeld 
betritt. 

arschkerbe, ein schmaler Weg zwischen 
zwei Felsen beim Gottesacker der 
St. Servatiigetneinde. 

ort lett nich von arfc, der Apfel fäüt 
nicht weit vom Stamme, et geit't 
dat so'n art het, es geht vortrefflich. 



ai*ten. et artet sek nich, es gedeiht 
nieht. [B.] 

atteiigT) empfindlich, leicht aufgeregt. 

ätsch, Ätsch rufen die Kinder, wenn 
sie sich beschämen wollen, indem 
s-ie mit dem Zeigefinger dei- linken 
Hand 7nii dem der rechten streichen, 
s. ät&tschen. 

awent, Abend, et is en schenen awent 
hide awent van awent; ek mechte 
en mal bi dage sein. 

ftwwer. mi is dat äwwer, ich bifi es 
überdrüssig. 

Uwwer enn, aufrecht, in die Höhe, sett 
dat brett äwwer enn, stelle das Brett 
so, dass es seiner Länge nach steht. 

HwiTcrfall m. hei hett en ganden 
äwwerfall, d. h. er kann viel Ge- 
tränk auf einmal zu sich nehmen. 

ttwwerkSpsch, hochmütig, stolz. 

awwerlelich adj. u. adr. überflüs.sig, 
mehr als genug. 

Uwwertoch, de?- Ueberzug vom Bette. 

Hwiverwentllch wird es genannt, wenn 
Stücken Zeug erst oberflächlich mit 
„gi'ossen Stichen'' zusammengenäht 
werden. 

bäbä. Wenn man kleimn Kindern 
bedeuten will, dass etwas nicht zmn 
Essen taugt, so sagt man: Das ist 
bäbä! 

bäbä f. die Wiege in der Kitulersprache. 

bäbel, oller b., altes, unbrau>cJtbares 
Gerät, x^erschossene Kleider u, dergl., 
davon Tcrbabeln (vgl. engl, baable, 
Tand). 

backeberen (eigentlich gebackene Bir- 
nen), geringe Habseligkeiten. 

bttcker. Von einem Brote, in dem 
sich viele Höhlungen finden, sagt 
man: de bäcker het sine frn dorch 
jagt. 

bäckerflechte f. bei den Bäckern häufige)' 
Hautaussddag. 

backmoUe f. der Backtrog, 

bake f. Diekbein, Lende. Bloss von 
diesem Teile einer Gans gebräuch- 
lich^ und zwar nur wenn er ge- 
räucJiert ist. Meist bloss so viel 
als geräucherte Gans. \G.] 

bakel m. Prügel. 



143 



iMikeMl n. {fr\. Imgatelle), eine Klphiiij' 
kril, (lat 18 en baketell for'n kar- 
ferscbten, eine R(la.\ die wohl noch 
ans der Zeit stammt, als Kursachsen 
die Vogtei über das Stift Qtiedlin- 
hnrg hatte, 

baiamni v, 1) Scha flamm, 2) dymnier 
Mensch. 

Mberen. äwwer den leppel balbereD, 
übervorteilen, betrügen. 

Mf, kleines Kifid (im Unwillen oder 
Scherx gesagt), pl, bälger. 

iMülem, icie/Jerholt schlagen, 

iMüIsttoigT) störrisch, unbändig, [B,\ 

iHüstenuirke f. Pastinake (pastinaca 
sativa). 

iHuunelii sw. v, baumeln, frei schweben, 

iHUBiBelotten pl. en pär b., ein Paar 
Ohrringe. 

bäne latQke! wer nieh wegr 8:eit, krigl; 
wat op de sehnnte. Ausruf der 
Kinder auf der Schliiterbahn, eine 
Aufforderung zum Ausweichen, 

ban^btt^hse f. ängstlicher Mefisch. 

busen, aufschichten, von Holx^ Torf 
usw., davon: 

bane f. up de banse gan (vgl. Krbl. 
XIII, 39, 40, 52, 60). 

barbeinlgT) mit blossen Füssen, nur in 
der Zusammensetzung barwet nn 
barbeinig. 

Urenmitesigr. er hat b. viel Geld. 

bann m., bllmie f. Hefen, Satz bei 
oberjährigem Biere. 

baimeu su\ v. jammern, klagen, 

banidi adj. rauh, grob, unangenehm. 
Von allen Zeugarten, dem Weiter, 
der Lufl und moralischen Hand- 
lufigen gebräuchlich. [Q.\ 

barte f. kleines Beil [B.\ 

Bartel [der Barthohmäu^tag (24. 
August) soll von besonderem Eiri- 
fluss auf die Weinernte sein] : be 
weit, wo Bartel den most halt 

barwet adj. u. adv. (hd. barfuss), met 
barwetenbeinen; barwet lopen, eigentl 
ohne Fussbekleidung, aber auch 
Überhaupi entblösst, z. B. met en 
barweten arsch. 

bäte w. Es ist nur 7ioch wenig ge- 
bräucklich. Man sagt alle Bäte 
hllpt i. e. alle kleinen Versuche zur 



Befördei^tmg eines Dinges helfen, 
tragen zu .meiner Vollendung bei. 
[Ö.] Auch ich habe die Redensart 
in Qu, nicht mehr geJiört (vgl. Krbl. 
XXVII, 40 f., in, 78), 

battem, buttern, gehen, laufen, bei 
kleinen Kindern üblich. Et kann 
schon buttern, es kann schon laufen. 
[Q.] 

bankeekeren, 1) Bucheckern (hd. Buch- 
nüsse), 2) geringe Habseligkeiten. 

bauz! interj., gebräuchlich, wenn etwas 
niederfällt oder losknallt, \G,] 

banzen, bantsen, wahrscheinlich ver- 
wandt mit to bonnce im engl., hei^fst 
el)enfalls knallen. Es bezeichnet das 
Niederfallen eines Dinges und den 
damit veibundenen Schau. \G.\ 

benbantsen, hinfallen. \Q,\ . 

bawerlabbe, ein Mensch, der viel 
dummes Zeug spricht. \Kl.\ 

bebberloeke, ein Mensch mit sogen. 
Schmachtloclcen. 

beddel m. Sachen ohne Wert: da lit 
de beddel. 

beddelmann, in dem Sprüchwoite : 
Wenn de Beddelmann niscbt hebbn 
sali, mott 'et Brot ut den sakke ver- 
leim, d. i. wer nichts hohen soll, 
muss auch das noch verlieren, was 
er kümmerlich ei-worben Jiatte. [G.\ 

beddelmannsworscht /! StückchenWurst, 
die von den Fleischern den Bettlern 
verabreicht werden. 

beddelpatzig w^rd ein Kind genannt, 
das sich für eine Gabe nicht ge- 
hörig bedankt. 

beddelTOiii; m. Aufseher über die Beiller. 
Dieses Ami bestand in Qu. noch 
in tneiner Jugend. 

begine, biglne f. Art Pelzmütze alier 
Frauen, welche die Backen und 
Ohren bedeckt. [G,\ 

beiderwant (s. Mnd.Wb. I, 207), Tuch 
von Leinen und Wolle. 

bein n. das Bein, ek will dek beine 
maken, dich auf den Gang bringen. 

belne adj. dicht, fest, wasserhcätig, 
von hölzernen Oefässen. de emmer 
is nich beine, ick wilFn beine maken. 
[G.] (Aus bi-en, bei eifiaruler. 
Gegensatz van-en: de tnnn' geit 



144 



ganz van-en, dlo Tonne Iroehnet ganx 
auseinander, .y. Danneil S. 40). 

beiiilgr a(.lj, gut auf den Püssm, rüstig, 
hei is vor sin older noch helliscii beinig. 

beinling m. der Teil des S(7iwipfes, 
welcher das Bein bedeckt. 

belr n. Bier. 

belst «. bestia, Tier. \G.\ 

bek m. Bach, Quelle. 

sek bekladdern sw. t\ sich beschmutzen. 

sek beklikkern, von Kindern gebraucht, 
die während des Esseiis Spei^eteüchen 
atif ihre Kleide- fallen lassen. 

belifmmert de, dat is belämmert wird 
gebraucht, um die Verachtung einer 
Person oder Saclie auszudrücken. 

beQentr^der fhd. Bälgetreter), calcator. 

benaut, beklommen. 

benebettel m. hölzerner Wäscheklopfer. 

bSn^mlche f. spöttische Bezeichnung 
für die städtische „Pension"' der 
Bauer nlöchter. sei is in de ben^'iniche 
komen. 

Benewitz. Die Kinder singen: Da 
danzt Renewitz met siner leiwen frü. 

sek beplnkeln, sich benässen. 

bepladdern, nass machen, sek be- 
pladdern, sich yiass machen. [G.\ 

bere f. Birne. Eine alte an das Platt- 
deutsche gewöhite Qucdlinburgerin 
sagte, wenn sie hochdeutsch sjn-echen 
wollte, auch Erdbirne für Erdbeere. 
Met dinen knoken smite ek noch 
beren af! sagte um 1860 ein edier 
Quediinburger zu seinem Freunde, 
den er zu überleben gedachte [vgl. 
Niederd. Jahrbuch XV (1889) S.92; 
Am Urquell IV, 18]. 

beren, heben. [G.] 

beijer m. der Bürger. 

berke, Birke (betnia alba). 

berker m. Böttcher, als Familiennamen 
sclum 1583 bei Kleemcmn, Die Fa- 
miliennamen Quedlinburgs S. 197. 
Den Hammerschlägen des Böttchers 
legt man denBeirn unter: Dat berker- 
wif, dat berkerwif, dat fritt den snren 
kol int lif (vgl. Da?ineil S. 23 
unter Böttk'r^ oder: berker, berker, 
bnm bum bnm, schielt sine fru in 
hnse mm. 



bero|)fn, berufen, beröp et nich! .^agt 
man, rvenn m(in sich seines Glückes 
berühmt. 

bes(*hetten. dat is besehetten ! Ausruf 
der Verachtung. 

beschummeln, übervm'teilen, betrügen. 

beschuppen, dasselbe. 

beschlän, beschlagen, vom Glase, wenn 
es durch die angefeixte Feuchtigkeit 
tnibe wird; auch von gekochten 
Speisen, die sich mit Schimmel be- 
decken. 

beschlapen. dat will ick erst beschlapen, 
darauf will ich mich erst (eine 
Nacht) besinnen. 

beschmaddeni, sek, sich besudeln. 

bessen m. Besen. 

bessenbinner m. Be-senhinder. 

bessenrein ist ein Zimmer, da^« mit 
dem Besen gekehrt, aber noch nicht 
gescheuert ist. 

bessenstel m. Besenstiel 

b€te f. (beta vulg. C.) rode beten, rote 
Buben. 

beljen n. Bi^schen. en betjen brot, kese, 
aber auch en betjen flink. 

betrekken, anführen, hintergehen. \ G.] 

betinte, fein, behutsam, mit Manier, 
nett, du geist jo sau betinte. Es 
schliesst meist den Begriff des ge- 
zierten in sich, en betinte Mul, 
ein gespitzter bedächtiger Mund. \ G. ] 

bettspnnnig f. s. spnnnig. 

bewwer m., erkaltete und verdickte 
Brühe des Bratens, die mit dein 
kalten Fleische auf das Brod ge- 
legt wird. 

bewwern, zittern, geicöhnl. zittern un 
bebbern. 

bewwerig, zitterig. 

bibliwen sw. v. dabei bleiben, da blif 
man bi! bleibe nur bei dieser 
(falschen) Meinung. 

bikefät, Fa^s, in dem die Wäsche 
„gebikt^^ wird. 

bikken, durchbrechen, dat Ei bikket, 
da^ Hühnchen bricht sich durch. 
de Rok bikkt, bekömmt ein Loch. [ G. ] 

bilade f. ein Seitenfach in der Lade 
defr Haruiwerksinnungen. dat kümmt 
nt de kist oder de bilade, es ist gleich, 
aus welcher Kasse dies bezahlt wird. 



145 



^illenbröt n. „In Qu, gab es zum 
Fastnachisdiensiag noch ein be- 
sonderes Gebäck, kleine, runde, aus 
Kuchenteich geformte, mit Korinten 
versehene Brötchen, Billenbrode ge- 
}mnnt, Sie wurden beim Bäcker 
gekauft und kamen regelmässig, 
aber nur an diesem einzigen Tage 
auf den Frühstücksiisch. Mein Vater 
hielt darauf, dass jedes Kind sein 
Biüenbrod bekam. Wir nahmen sie 
auch der Absonderlichkeit lidlber 
ganz gern, obwohl sie bei weitem 
nicht so gut schmeckten wie eine 
Prilke oder selbstgebackener Kuchen. 
(Bosse S, 526,) Über die von B, ver- 
misste Deutung s, Krbl. XVIII, S. 43. 

bimmelkloeke f. eine kleine Glocke. 

bimmelB, mit der kleinen Glocke läuten, 

bimseD 8W. v, schlagen, s, verbimsen. 

binneke f, weisses Band. 

bint n. das Gebinde z. B. Garn, Korn- 
garben. 

bire f Bettüberzug. [G,] [£Äi. Bühre.] 

bisehlftper m. Schlafkamerad (ohfie 
übden Nebensinn). 

bisterisT adj, u. adv. verivirrt. 

We w. Bei den Bäckern der grosse 
Backtrog fiebst dem Deckel, auf 
welchem der Teig gewirkt unrd. 
[G.] [Hd. Bütte.] 

BlädeköL Onkel Bl. eine oft an- 
geführte Persönlichkeit. 

blaffen, das Bellen der Hunde. 

Uäken sw. v, qualmend brerinen. de 
lampe bläkt. 

blAkeD, die Zunge herausstecken. 

blamn, singen, schreien, laut weinen. 
Ist Ausdruck des Unurillens über 
diese Sachen. [G.] 

blisehaf • 1) das Schaf in der Kinder- 
spräche. 2) ein dummer Mensch. 

blase f. der Kessel in der Brennerei. 
blaseumädchen, blaseuknecht. [B.] 

btasepeter, der Musikant. [KL] 

blao, betrunken, jem. blauen Dunst 
vönnaken, jetnand beschwindeln. 

blauen twärn, schlechter Branntwein, 
Fusel. 

blechen zahlen. 

blek, Platz zwischen zwei Häusern. 
dat Scheblek (schiefes Bl^k) hd, 
entstellt in Schiffblek. 

Ni«d«Tdeatsohes Jahrbuoh XXIX. 



olles blök, altes schlechtes Frauen- 
zimmer. [KL] 
blenke f. ein Gestell in der Küche, 

wohl von dem darin aufgestellten 

glänzenden (blinkenden) Geschirr. 
blennen, mit Gewalt fortbringen, fort- 

stossen, schmeissen. [G.] 
blenner m. hei is eu blenner, ein 

Mensch, der durch sein Äusseres 

täuscht. 
blimmerant adj. mek is sau blimmerant, 

es flimmert mir vor den Augen. 
blinne dinger, pl. Blutgeschumre, die 

aus „heiler Haut^^ kmnmen. 
biinner Hess m. jem. der über das zu 

Beachtende hinwegsieht (bei Damml 

S. 20 mtstelU in blinn' Hecks). 
Bloeksbargr m. der Brocken, j&tn. 

7Ui'n Blocksbarge umnschen = ver- 

umnschen, 
blfibfldel m, Beutel mit Waschblau. 
boben, oben. [G.] 
bock m. äwwermorgen, wenn de bocke 

lammen = auf den Nimmermehrs- 
tag. 
Bode, alles was fliesst. [B.] 
böge f. et kimmt üt de krümme in de 

b8ge, etwa = Iid, „die Hitze geJU 

mit de?n Bauch auf, es kommt auf 

eins heraus^'. 
böken sw. v. flass boken, die holzigen 

Teile des Flachses durch Schlagen 

von den feifieren Teilen des Bastes 

absondern, 
bölken, aus vollem Halse schreien, 

meist von Kindern gebraucht, 
bollern sw, v. stark klopfen, an de d5r 

bollern. 
bollwerken sw, v, stark klopfen. 
bolfjen n. Bonbon. 
bolze m, der Kater. 
bökater m. schwarze Begenwolke. 
bömann m. Schreckgespenst für die 

Kinder. 
bömi^len, derbe ausprügeln. [G.] 

[Auch verbömölen, eigentlich mit 

Baumöl einschmieren.] 
bönenkrüt m, (satureja hortensis L.), 

Bohnenkraut, Wurstkraut, Kölle, 
bönenstifel f. Bohnenstange (zu stif, 

steif), 
bönenstrob (M.) grob wie Bohnenstroh, 
bör m. der Bohrer. 

10 



146 



borgemester m, der Bürgermeister. 
lK>i*gemesterbük nu ein dicker Bauch, 
boi*stwisch m. hd, Handfeger genannt, 
bossig adj. erbost. 
boten, mit der Egge nur einmal über- 

eggen. [G.\ 
botter f. hei steit da as botter an de 

sunne, d. h. verblüfft, beschämt. 

Hand von de botter 1 = Weg da! 

Entstellt aus hd. Hand von dei' 

Butten (s. Krbl. XXI 90; XXIII, 41). 
bottern 1) Butter machen, 2) Butter 

werden, et will nich bottern, es 

will nichts daraus werden.'- 
botterbröt m. vor'n botterbröt kBpen 

= sehr wohlfeil k. 
botterlicker m. scJierxliafte Benennung 

des Zeigefingers. 
Bottermelkschlappen, ei7ie Volks- 
belustigung auf dem „Klers'^. 
botterstalle f. mit Butter bestrichene 

Brodsclieibe. 
bottenogrel m, 1) Name des Kohl- 

weisslings. 2) eine nicht quittierte 

Rechnung. 
Boxliörenselianze f. ein Berg (Bosse 

S. 157). 
bozel f. Kugel des Kegelspiels. Qu. 

dicke bözel wird von dicke?i kleinen 

Kindern gehraucht. 
bo7ieln V. a. kegeln. \Q.] 
braken f. w. v. vom Flachse: brechen, 

brecheln. 
brake f. das Werkzeug, mit dem der 

Flachs gebrochen wird. 
brägpeii m. das Gehirn , gilt als ge- 
meine:!' Ausdruck: ek slä dek den 

b ragen in. 
bralsterigr, bransterig adj. angebrannt. 

dat äteu schmecket brausterig. 
Bräniworst f. Wurst mit Senmiel und 

Rosinen f worin das Gehirn (b ragen, 

brSm) des Schweines eingernengt ist. 
branibiren, trotzig w&i'auf bestehen 

und deswegen lärmen. [G.] 
bratsch! interj. den Schall beim Ilin- 

werfen nachahmend (vgl. Grimm, 

gr. 3, 307). 
brätworsehtfleisch, gehacktes Schweine- 

fleisch, das oft roh gegessen wird. 
breddejam m. Bräuligayn. 
bnMld^aiiisfraek m. der Frack des 

Bräutigams. 



in de BreduUe kernen, in Verlegenheit 
geraten, 

breihän m. der Brayhahn, das bekannte 
aus Weizen gebi'aute Weissbier. 

bremmeln, auf eine klagende Ari 
wogegen murren und Vorwürfe 
machen. Ein bestraftes Kind brem- 
melt, wenn es seinen Unwillen dar- 
über mit halben Worten bezeigt. 
[0.] 

brennewln m. Branntwein. 

brennewinskosehnle f. Kalte Schale aus 
Branntwein und Braunschweign- 
Honigkuchen, s. koschale. 

brien, zornig machen, necken, brie 
den Hund nich, fiecke den Hund 
nicht. [ G.] 

brilläpe m. Scheltwort für einen 
Brillenträger. 

brink m. Grasanger, hei wänt upp'n 
brinke. 

brise f. Kalbseuter. 

britjen m. Bräutigam. 

brösen, laut iveinen. 

Brühl m. (M.) (ursp: feuchte Äle- 
derung, Buschwerk in sumpfiger 
Gegend) in Qu. Name des Stadt- 
parkes. 

bnteken sw. v. husten, bei^n „Stick- 
husten der Kinder'^. 

brtlhdedenheiss adj. u. adv, einem etwas 
brühsiedenheiss wiedererzählen. 

bniken, gebraucJien. ek brüke 'n 
doktor, ich hälfe einen Arzt an- 
genommen, ek brüke wat for den 
hausten, ich nehme Arzenei gegen 
den Husten. 

bmmmer m. grosse Fliege, die beim 
Fliegen einen stimmenden Tbn her- 
vorbringt, Schjneiss fliege. 

bmmmen, itn Gefä7ignis sitzen. 

bmmmkisel m. grosser Kreisel {s. kisel). 

brfinbeir n. Braunbier, früher der 
gewöhnliche Haustrank. 

brfise f. Beule am Kopf (Krbl. XXUI 
S. 41 u. 67). 

brnstdank m. Brusttuch. 

sek bueken sw. v. sich beugen. 

buddel m. flache Schnaps flasche; auch 
die zum Saugen der Kinder, aber 
nie Weinflasclie. 

bnddcln, ein Kind mit dei' Flasche 
aufziehen. 



147 



baen, bauen. Bnen is ne last; wat 
et kost' hebb ek nich gewasst. ek 
mot an den hüse noch vel büen un 
bettern. 

bükknipen n. Bauchweh. 

bnic /' Beuky Veiiiefung in einem 
Gerät, ehiem Hui u. ä, 

bnllerieh, leicht aufbrausend. 

bnlleijän m. ein leicht aufbrausender 
Mensch. 

bullerlok n. das Grab, besonders in 
der Kindersprache, von dem dumpfen 
Ton der auf das Grab fallenden 
Erde so genannt. 

bomkeile Schilf kolben. [R] 

bommelaek m. ein bummliger Mensch. 

bommelsehottseh, ein langsamer Tanx. 
en bnmmelschottschen danzen. 

borreii^ fliegen, von Tieren, die dabei 
einen hörbaren Ton hervorbringen. 

borrkäwer m. Käfer, besonders der 
Maikäfer. 

bil en bä hei is sau bü en bä, er ist 
so unfreundlich. 

bnschkopp m. ein Mensch mit buschigem 
Haar. 

baltewennig, atiswendig. [0.] Wenn 
man jemand auf einen Fehler an 
der Kleidung aufmerksam 9juicht, 
.w sagt er wohl: Och, dat is man 
buliewennig. 

bntten, draussen. [Ö.] 

sek batzen, sich siossen. 

batzeman m. ein Kinder gespenst, wo- 
mit "tnan schreiende Kinder bedroht. 

boxböm scheiten (hd. auch : ImscJibaum 
schiessen), auf dem Kopfe stehen. 

bmen fs. Schambach S. 37) Eu^ 
phemismiis für stehlen. 

boxen pl. Hosen. 

da nieh Tor, elliptische Eda. beim Ab- 
lehnen des Dankes: ,,dafür brauchst 
du nicht zu danken!,^' 

dag ni. hei will sek von' dage dann, 
er ist so verzweifelt, dass er Selbst- 
mord begehen will. 

zwischen dag un duster, in der Däm- 
merung. 

daehhase m. die Katze; auch scherx- 
liafte Bezeichnung für den Dach- 
decker. 
daeht 7Ji. Docht, „dachte sind keine 
lichte** sagt man, wenn jemand 



sich geirrt hat und dann sagt: „ich 

dachte!'' 
daehle w. Tenne, Hausflur. [Q.] 
daesig, einfältig, albern, daher Daese- 

kop, alberner Mensch. [O.] 
dämelie f. Dumynheit. 
dämelaek m. Schelte für eifien däme- 

ligen Menschen. 
dämelklas m. einfältiger Mensch. 
dimelsaek 7n. dasselbe. 
dämlich, etwas dumm. 
dfinimern. ein betjen dämmern, ein 

wenig einnicken. 
dämmerstiinne f. Dämmet^fig, Zwie- 
licht. 
dBsbartel, m. alberner Mensch. 
dal. sett dek dal, setze dich nieder! 
dammein sw. v. tänddn, spielen. 
damp m. einen damp andaun, jemand 

etwas anhaben. 
dampig, von Menschen und Pferden 

gebraucht = hirzutmig , kencJiend. 
dannappel m. der Kienapfel, Zapfen, 

der den Samen enthält. 
dato = lat. datum. dat is bet dato 

(bis jetzt) nich san west 
däts m. verächtlich für Kopf: ek slä 

dek upp'n däts. 
dau m. vor dan un dach opstäu, sehr 

früh (vor dem Fällen des Frühtaus 

und Tagesanbruch atifstehn (s. Krbl. 

XVI, 78). 
daukmäker hiessen die Tuchmaclier- 

gesellen in den grossen Fabriken. 
debbel m. (hd. Döbelt leuciscus cephalus, 

der gemeinste der Eltfische. S. 

Brehms Tierleben, kl. Ausg., Bd. 

3, 326. 
debheln, im Ringkampfe bezvAngen. 

Ein Knabe sagt zum andern: ek 

will dek schon debbeln (s. Krbl. 

XVni, 78 ti. 91). 
decke! m. 1) Deckel eines Qefässes. 

op en scheiwen pott findt sek ok en 

deckel, sagt man, wenn ein häss- 

liches Mädchen einen Mann bekommt. 

2) Mütze. 
deckein, die Mütze oder den Hut 

ziehen. 
defftig adj. derb, defftige kost. 
deichäpe m. scherzhafte Bezeichnung 

für den Bä/;k£r. 
demi)en sw. v. die Kehle zudrücken. 

10* 



14S 



Aensehpl. denscherte, Sperlifig (neuerer 
jbisdruck). fR] 

dermank, darunter j daxwischen. [O.] 

dicht, bei is nich dicbt, er ist nicht 
ehrlich. 

dichte bl, 7iahe bei: dat is dichte bi. 

dick, dat aiiit dicke päden, dicke früDne, 
intime Oevattern, Freunde. 

dicke dorch. bei is dicke dorcb, er hat 
sein Ziel erreicht j oder: er hat eine 
Gefahr überstanden, immer dicke 
dorcb, mine herren! d. h. durch 
dich wid dünn. 

dickdrSwlsch, dreist. 

dikkepotc w. Irrlicht y Irrwirsch. [G.] 

dikkeboten odei' dikkepoten heisst in 
der Ökonomie die Für dien wieder 
abpflügen, die der Nachbar xumel 
weggepflügt hatte. Der Aberglaube 
sagt von dem letzteren, er müsse 
nach dem Tode als Diltkepote (Iir- 
licht) spuken. [G.] 

dickkopp m. Schelte für einen hals- 
starrigen Menschen. 

dickpanzen ?«. Sclielie für einen dick- 
bäuchigen Menschen. 

dimen (mnd. vimen^ grosser auf freiem 
Felde aufgehäufter Getreidehaufen. 

diiig:erieh ?i. ein unbestimmtes Ding, 
(Vgl. Schmeller, Bay&r. Wb. I\ 
521, 1417.) 

discher m. Tischler. 

docke f. ne docke side, twärn, ein Ge- 
binde Seide, Zwirn. 

docke f. Puppe, wi ne docke dasitten. 

död m. de död löppt äwwer min graif 
sagt der, den ein eisige)' Schauer 
überläuft. 

Dodenkopp m. Das Hospital St. 
Martin in Qu. wegen eines über 
der Tür angebrachten Memento 
mori. sei wont upp'n Dodenkoppe. 

dodenköppig adj. dat liebt brennt san 
dodenköppig. 

dodenköppigr. bei sfibt so dödenköppig 
(ynager, elend) üt. 

dodsterbenskrank, xum Sterben krank. 

dSschen, dreschen; afdöscben, durch- 
pt^ügeln. 

äMg adj. verschlafen. 

doe^esen, auch doewen, toben, Lärm, 
machen. Bei dem ersten ist mehr 



Jjustigkeit, bei dem zweiten Zorn 
die Ursache. [(?.] 

döf, taub. 

döfsinnig adj. dumm. 

döwe nettel, der Bienensaug (lamium 
albnm). 

dogenicht m. ein Taugenichts. 

doktern, eine Kur gebraucJie7i : ek 
bebbe lange doktert. 

dollendorich m. Schelte für einen un- 
ruhigen und XU bösen Streichen 
aufgelegten Knaben. 

dorchdr^wen, durchtrieben, eu d. bengel, 
einei', der sich auf lose Streiche 
versteht. 

dorchg^nger m. ursprünglich vom 
Pferde, dann auch von männlichen 
und weiblichen Wese7i gebraucht = 
einer, der leicht durcligeht, über die 
Stränge schlägt. 

dorchmarsch m. die hd. als „D^irchfaW^ 
bezeichnete Krankheit. 

dorchschlach 7n. eine AH Sieb in der 
Küche xum DurchquetscJien von 
Kartoffeln, Obst u. dgl. (s. Mnd. 
Wb. I, 547). 

dorchwammsen, durchhauen. 

dörtute [auch dörndnte] m. u. f. Eifi 
hölzerner Hahn xum Abxapfen, be- 
stehend in Röhre [tute] und Stopfen 
[dorn] davor. [(?.] (Noch um IST 
gebraucht.) 

draeht f. ne dracbt bolt, eine Last 
Holx, soviel man mit einem Male 
XU tragen vermag, ne dracbt scbläge. 

drägbant n. pl. drägbänner, die Gurte 
xum Tragen des Ti'agkorbes, 

drägkorf m. der auf dem Rücken ge- 
tragene Korb. 

dralle. 1) De twern is tau dralle, der 
Zivim ist XU sehr xusammen- 
gelaufen. 2) nett artig ra^ch, 
en dralles maeken, em rasches, 
munteres Mädchen. Kleidungs- 
stücke sitxen dralle, wenn sie gut 
passen und ein nettes Aussehcfi 
geben. [ G.] 

drilne w. (hd. entstellt Träne) bei is 
ne dräne, er ist ein langfveiliger 
Mensch (vgl. Danneil S. 39. dräöner, 
wer eintönig oder nicht mit der 
nötigen Überlegung spricht). 

draesen m. Ladentisch. [G.] 



149 



dnmire adj. u. adv. eng, dicht hei 
einander, 

dnink m. Tele awine maken den drank 
döDue d, h. wo viele Kitider sitid, 
werden die Mahlzeiten knapp be- 
messen; auch von einer Erbschaft, 
an der viele teilnehmen, 

drit m. 1) Faden, siehe pekedrät. 
2) Geld, 

drebenkll m, Schambach S, 4S: ,dri- 
benkil („Treib den KeiV^J ein alle 
Rücksichten auf das Schickliche utid 
den Anstand aus den Augen setzender 
Mensch.'' 

drebiseh, dreist, keck. 

I>refeant m. Triebsand, vom Wasser 
angetriebener Sand, 

dreikSsehoeh m. scherzhafte Bezeich- 
nung für einen kleinen Knaben 
fs. Brem, Wb II, 762), 

drell w. mit drei Fäden gewebtes 
Leinenxeug, 

drewet m. Dreifuss. [G.] 

drier m. der Dreier, eine Kupfer- 
münze. 

drillen, plagen, quälen, f 0.] 

drinken n, Dünnbier, [R] 

drippen, lecken, in einzelnen Tro])fen 
herabfallen lassen, ein emmer, fett 
u. dgl, drippt. 

driwweliren sw. v. jem. beständig an- 
treiben und dadurch in Aufregung 
bringen. 

drizen sw. v. fortwährend reixen. 

dröge, de kan is drOge, wenn sie keine 
Milch mehr gibt. 

drSpen, afdrOgen, trocknen, 

drocseken, sich im Mittelzustande 
zwischen Wachen und Schlafen 
beßtiden, £k sleip nich, ek drösse- 
kete mans, ich schlief nicht, sondern 
war nur zwischen Schlafen tmd 
Wachen. [G.] 

dröm, m. der Irrtum, na bin ek üt 
minen dröme sagt man, wenn einem 
plötzlich die Erkenntnis über etwas 
aufgeht 

droppeil, m. et is en droppen up'n 
heiteu stein, d. h. es hilft wenig, 

dracksen, zögern, zaudern, nicht mit 
der Sprache herauswollen, 

drap. et was drnp un dran, es war 
nahe daran. 



drttppel, m. de b8me stän up en 
drüppei ~ die Bäume stehen eng 
zusammeng^flanzt auf kleinem 
Raum. 

drusseln ^k;. i'., indrusseln bezeichnet 
den Übergang vom Wachen in den 
Schlaf 

dnbbelt hfilt better, mit doppeltetn 
Zwirn hält die Naht besser, auch 
gesagt von dem, der ein zweites 
Glas trinkt, 

sek ducken, sich beugen, Dacke dich, 
liebe seele, es kommt ein platzregen! 
sagt der TrinJcer, bevor er ein Glas 
Branntwein, Bier hinuniergiesst. 

dueknaekig. hei geit sau dncknackig, 
vgl, dosenackig. 

dnckser m, pl, duckserte. dax, spenr- 
dux. [B,] Der Sperling, wohl 
wegen seiner Fechheit und Ver- 
schlagenheit 80 genannt; vgl. dnckes 
= Duckmäuser (Kelirein, Volks- 
sprache im Herzogt, Nassau, Weil- 
burg 1862, S. 119); dux, ein arg- 
listiger, tückisclier Mensch, ein 
Tückebold (Scliambach S. 53). 

diiff adj. matt, von Farbeniöfien. 

duken sw. v. tauchen. Däke dek mal! 
Damit fordert man beim Baden 
jemand auf, den Kopf unter- 
zutauchen. 

dull. vor dnll un blint lopen = über 
Hals und Kopf laufen. 

dumm an albern, verrückt; et is tau'n 
dumm un albern werden. 

dmnmbart. Die Mutter nennt lieb- 
kosend ihr Kind kleiner dummbart, 
au^h dummpatz. 

duuc, betrimlcen, ohne Besinnung, [B.] 

dunen, etwas schmerzen. De täne 
dunen, die Zähle schmerzen ein 
wenig. [G.] 

dunnerkll! Ausruf des Erstaunens. 

danner krengel an tweiback! Desgl. 

dttnnige f. Schlaf, pl, düunigen, Schleife. 
bei het mek in de Dünnige stott. [ G.] 

duren sw, v, währen, et dürt nich 
lange. 

dusenackig, hei geit so düsenackig, 
er geht so gebückt, mit vorgebeugtetn 
Nacken, 

dufiseln, taumeln, schwindlicht seiii. 
Ut den schlape updusseln. [G.] 



150 



dusseldier 7i, Schielte: ein Mensch, der 
in einem steten Taumel ist und 
nicht weiss, was er tut, 

dnsselkopp m. dasselbe, 

dust TW. bezeichnet Körper, die keine 
feste Consistenx hohen. Mit engl, 
dust Staub verwandt. Ein mürber 
verlegener Zeug[stoff] heisst Dust 
und man sagt van ihm et is pure 
Dust. Hauptsächlich gebraucht man 
es in Vergleichungen x. B. vom 
Fleische, Zeuge, Holze, Papier, 
Leder sagt man et is wie Dust. 
Meines Wissens legt- man aber 
keinem Dinge diesen Namen eigen- 
tümlich bei. [0.] 

datte f. (so auch mnd.) albernes, 
dummes Frauenzimmer, nur in der 
Verbindung 'ne dumme dutte. 

dntten m, 1) ein Klumpen verworrener 
Sachen x. E. en dntten Garn, Hede, 
Flass, Lumpen. 2) ein zu grosser 
Bissen Fleisch, Brot u^sw. dreihe 
nich saune Dutten 'nin, stopfe nicht 
solche grosse Bissen hinein, [6r.] 
in dutten gän, entzwei geJien; alles 
in dutten schlän. 

dutzbrauder fn, einer xu dein man 
„Du" sagt: liei is min dutzbrauder. 

dflwel m. der Teufel, Ritt sei denn 
der düwel?! Sind sie denn besessen? 
'n dummen düwel, ein dummer 
Meyisch. 

Sbenmäte, ebenmätig, ziemlich er- 
wachsen, xiemlich gross, [(?.] 

ecker f, die EicJiel und Buchnuss. 

eckerken üt'n holte! Au^'uf eines 
Kartenspielers, wenn er viel 
„Eicheln" bekommen hat, 

eddelmann m, adliger Grundbcsilxcj-, 
In Qu, sagt man: Wer's haben 
kann un lebt nich urie en Eddel- 
mann, der is selber schuld daran, 

egal, dat is mek egal, das ist mir 
gleichgültig, 

eichelingen, n-eii. [G,] 

eien sw, v. liebkosend über die Backe 
streichen, von Naturlaut ei, auch 
verdojYpelt eiei, den die Kinder dabei 
sprechen: eie mek emäl. Auch Er- 
wacJisene eien die Kinder, 

elerfläden (hd.). Zu Osteini unirdcn 
neben dem übliclien Kuchen auch 



noch ganz dünne, süsse Eier/laden 

gebacken (Bosse S, 526). 
eierkauken m, Eierkuchen, da »int 

ein back eierkauken, die Jialten fcM 

xu^ammen, 
elke f, die Eichte, Davon das adj. 
eiken. eiken br^der. 
elkappel m, kugelige Geschwulst auf 

Eichblättern, Gallapfel, galla. 
eikerig, zänkisch, eigensinnig, weiner- 
lich, [G,] 
eikem, eigensinnig zanken, unwillig 

sein durch zu grosse Empfindlichkeit. 

hei eikert immer, zarikt gern. Ein 

Kind eikert, es befindet sich nicht 

wohl und ist deswegen eigensinnig, 

weinerlich, \ G,] 
einschenker m. Beim Ballsehlagen 

derjenige, welcJier dem Schläger den 

Ball zuwirft. 
eisergarn n. Eisengarn. [Ä] 
ekel, oller e. Schelte, 
elbe, die Zahl elf, dat duert von elben 

bis middage d, h. gar nicht lange. 

Früher nahm man in Qu. itn Sotn- 

mer das Mittagsmahl schon um 11 

Uhr ein, 
elbisch, elwisch sifid Schafe, wenn sie 

die Drehkranklieit iiahen, Menschen, 

wenn sie dumm sind, [G^ 
ellbogen m. Auf die Frage: will wi 

faren? gibt man ablehnend die 

scherzJiaße Antwort: met de baut 

äwwern ellbogen. 
elderen pl. die Eltern, 
flenne adj, elend, Jcränklich, schwach, 

hei süht ellenne ut. 
^leniilg adv, ellenig umkommen. 
eller f, die Erle (alnus glutinosa L.) 

davon 
alleren adj, elleren holt. 
emmer m, Eimer [alts, embar von 

en mid heran, was mit einer (Hand) 

getragen wurde], 
enanner. üt enanner gän, auseiiuinder 

(entxivei) gehen, bi e. stän, hinner 

enanner gän. 
engel m, (hd.) der heilige engel, der 

Büttel, Gei'ichtsdiener, 
engiTerkläwe f, ein Stück Ingwer, von 

der Ähnlich Jceit mit einer Klane. 
enkc m, der Kleinknecht, p^reeuke 

(der Pferdeknecht), messenke. Über 



151 



das Ncujahrsknallen der enken s. 
Bosse, 

enaeken n, das Eiulchen, ein Idemer 
ResL en enneken worscht u. a,, von 
einem kleinen Kinde tvird gesagt: 
et is man sau'n enDeken. 

entenplan m. Name eines Platzes. 

entstellen su\ v, lät mek dat nich en^ 
gelleu, trage mir das nicht nach. 

?re f. die Erde, der Boden, et is up 
de ere follen. 

erfrattem, erunschen. [G.] 

ergistem adv. vorgestern. 

erkner m. Ericer. [B.] 

erpel 7/1. der Entrich, das Männchen 
der Ente. 

erster däg^, nucJistens. 

enriseh m. das Irrlicht, bei is en 
erwisch, sagt man von einem un- 
rtMgen Kinde. 

fstrieh (}id.) Fiissboden ans gegossenem 
Chjps. 

etepntete, geziert, zimperlich. 

ttewäre f. Esswaren, Lehensmittel 
jeder Art. 

etterbetseh, zanksüchtig. [G.] [Vgl. 
etterigr, JJ eiterig; 2) sehr empfind- 
lieh, etwas zänkisch. Schanihach, 
S. 58.] 

faekeln sw. v. immer mit dei' Ncge- 
gation. hei fackelt uich lange, seine 
Heftigkeit, sein Affekt briclit gleich 
in Tai aus, er schlägt gleich los. 
[G.] 

faeken adv. oft, schnell. 

fieksen pl. lose Streiche, Possen. 

Tadder m. Gevatter. Eda. wat fadder, 
wat fründ! gelt her! 

bdendree, fadentrocicen ist etwas Ge- 
waschenes, wenn nur erst die aussen 
liegenden Teile der Fäden trocken 
sifid. [G.] 

fadeDgrade adj. ein Mensch, der ein- 
fach, offen und ehrlich ist. 

faetem^ neugierig. [G.] 

fakoken^ nur Plural, Betrügereien, 
Faknken maken, Betrügereien, Vor- 
spiegelungen macheti. [G.] 

faL<ieh, erzürnt, hei is hellisch falsch 
op mek. 

fäm*n, Infamen sw. v. einfädeln, de 
neinadel infam'n. 

ßrig adj. zerstreut. 



farwe 1) Farbe. 2) Färberei: tüg ua 
de farwe drägn. 

Fa&telawent^ Fastnacht (über die Feier 
s. Bosse S. 526), 

fäten^ sich fassen, ringen, se hehbeu 
sek fatt. 

fäibinder m. der Böttcher, hei löppt 
wi en fatbinder, d. h. sehr schnell. 

faatiappen, spöttische Bezeichnung für 
gekochten weissen Kohl (Lappenkohl). 

feeken^ schaukeln, vermittelst einem 
Seile oder Balken. [G.] 

fetee f. Müller stube. [B] 

fcld. 7)06' Feld hat eine eigne Be- 
deutung in der Bedensari: ebber 
fehl gähn, d. i. über Land gelten, 
eine kleine Heise machen. [G.] 

feldherren, Bürger, die ^ur Über- 
wachung der Felder bestellt tvaren. 
[B] 

ferne, enne ferne vull, eine Hand voll, 
[Kl.] 

fengen sw. v. (Feuer) fangen, dat 
licht fengt nich, das Licht u'ill nicht 
brennen, dat is ein, met den man 
de andern fengen kan = er taugt 
nicht viel. 

fensterterluken, abgekochte, im Scherz 
(Krbl. XXIII, 87). 

sek Terftniiem sw. v. 1) heiraten. 2) 
vom Gesinde: eine andere Stelle 
annehmen. 

yerbäbelt, verscJiossen, von Kleidein 
(vgl. engl, bauble?/ 

yerbellen sw. v. sek de hant verbellen. 
Bei schweifen k^irperlichen Arbeiten 
erleidet der muskulöse Teil der 
Hand (der Ballen) oft durch Jieftige 
Dröhnung eine Anschwellung, die 
sich erst langsam wieder verliert. 

Terbmken sw. v. verbrauchen, ver- 
brüken Se't gesunt! sagt der Händlci', 
wenn der Käufer nach abgeschlos- 
sencjn Kaufe den Laden vcrlässt. 

yerbumfldeln sw. v. veiprügeln. 

verbui^Jaeken, sw. v. verjmigeln. 

verdeffenderen, sek (defendere), sich 
entschuldigen, rechtfertigen tvollen. 

Terferen, erschrecken, sek verferen. [G.\ 

Tergneisen, in Schimitz umkommenj 
durch Unreinlichkeit ungesund 
werden. {U.\ 



152 



verhimmeln, verzweifeln. [G.] 

ferken n. Ferkel [B.] 

verkiinkeln sw. v, heimlich vertauschen 
oder verkaufen, 

verlöf m. die Erlaubnis, met verlof ! 
mit Erlaubnis, Beim Kriegenspielen 
das ,mäl", der Platz, auf dem 
niemand „angeschlagen" werden 
darf, 

verlnstiren, lu^stig machen, [O.] Ge- 
wöhnlich sek verlastiren. 

Terpnsten sek sw. v, wieder zu Atem 
kommen, ek mot mek erst ver- 
pusten sagt jemand, der stark ge- 
laufen ist. 

verquäsen sw. v. im Übermass und 
unnütz etwas verbrauchen, 

vertoeh m. ein verzogenes Kind, et 
is en lütten vertoeh. 

verunkunstfeilen, verderben. Bloss im 
Scfierz. [G.] 

venreisen, nicht schonend und vor- 
sichtig womit umgehen. Hei ver- 
weiset alles, er vei'dirbt alles. Daher 
auch der Name Weisenprange oder 
Weisenpilz, eines Menschen, der 
durch Unvorsichtigkeit alles ver- 
dirbt. [G.] 

veriät n, ein Viertelscheffel, Gemäss 
für trockene Diiige. 

verkantig: adj. wird von einem h-eit- 
schulterigen Menschen gebraucht. 

fiddelAimfei. Nachahfnung de^ Tones 
der Geige. 

fikfakkerle, Betrügerei, [G,] 

flkke w. Tasche. [G.] 

flkkel. 1) Ferkel 2) ScMte für 
ein Kind, das sich beschmutzt oder 
etwas unanständiges gesagt hat, 

fieken sw. v. den concubitus begeJien. 

flkkenmesser n, Taschenmesser (Bosse 
S. 520), 

vimareht m. der alljährlich im Anfang 
Oktober auf dem Klerse abgehaltene 
Vieh- und Krammarkt. 

ümmein, sich mit Meinen künstlichen 
Sachen abgeben. Kleine Mädchen 
fimmeln Mützen, Röckchen ti, dgl. 
für ihre Piqypen. Ein Ungeübter 
fimmelt und fimmelt und kann 
doch keinen Faden durch die Näh- 
nadel bringen. (Anm, von fummeln, 
lier^um fühlen.) [G,] 



flmmeiei, finzelei ist BescMftigung 

mit finzelichen Sachen. [G.] 
frnseh, boshaft. 
finaseln heisst ebensoviel als fimmeln. 

m 

flnzelieli, subtil, fein, geringfügig. 
Mnzliche Arbeit, wozu viel Geduld 
gehört, [G.] 

fipperigr, ein iipperiger Mensch, ein 
Mensch wie ein Schneider, 

flpsen. Ein Spiel, welches kleine 
Mädchen mit fünf Steinchen spielen, 
die sie geschickt in immer steigendem- 
Anzahl au^ der imieren Seite der 
Hand auf die äussere werfen-, und 
indess die in die Höhe geworfenen 
zurückfallen, andere noch stehende 
auffassen; daher fipssteine. [G,] 

flpsen, Zeitwort, 1) Fipsen spielen, 
2) Ein Mädchen fipst, wenns die 
Kokette agirt, durch Gang und 
Kleidung zu erobern sucht und 
fleissig umheiläuft, herumfipsen 
heilst in dieser Absicht umher- 
laufen und fipschen, fipstrine i^t der 
Name eines solchen Geschöpfs. [G.] 

flseniatenten pl. listige Ausflüchte, 
Finten. 

fltten pl. Fittige der Vögel. 

fltzebone f, grüne Bohne, 

fizzenfei, keck, naseweiss bei gefähr- 
liclien. Dingen oder dummdreist. [ G. ] 

flabbe f. die herabhängenden Li}ypcn. 

fladderig, flatterhaft. 

fladderselilbe f. eine Scheibe an der 
Vogelstange, nach der geschossen 
wurde (s, Krbl, XXIII, 87, Bosse 
S. 536). 

fladdfise f. komische Bezeichnung der 
blftrrmütze, einer weiblichen Kopf- 
bedeckung. 

fltfmiseli adj. ungeschliffen. 

flaps m. ungeschliffener Mensch, dawn 
das cuHj, flapsig. 

flass m, der Flachs, 

fläts m. ein Flegel, Grobian (vgl. 
Krbl. XXIV, 8 f.). 

flätsig adj. flegelhaft (vgl, Krbl, XXIV, 
8 f.), 

sek henflätsen, sich wie ein Flegel 
hinsetzen (vgl, Krbl, XXIV, 8 f). 

flau adj. schwach im Magen, mek is 
sau flau. 



153 



flause w. Lüge, Windbeutelei [G.] 

flcfef her m. (hd,). „ Da kuckt de fleischer 
rät" sagt nian, wenn das Fleisch 
durch den xerrissenen Strumpf 
.sichtbar wird. Deutlicher in der 
AUmark: Fleschers dochter kickt üt 
strnmpweber ün finster. 

Seiten ssn, wie hd, flöten gehen, ver- 
loren gehen, 

fleHJe f, Flöte, fleitjenpipen! neckende 
Abweisung, 

flef^ea sw. v. auf den Fingern pfeifen. 
[Kl] 

flikke, von jungem Federvieh, soviel 
als befiedert, essbar, zum Ausfliegen 
bereit, flügge. [G.] 

flitQeii pL Flügel. 

flitzbogen m. der Bogen, womit die 
Knaben Pfeile schiessen. 

flitzen, schnell laufen: da flitzt he henn! 

fletten pL Flottweiden. [B.] 

flflehter m. 1) Taube, welche nicht im 
Schktge gefuttert wird (Feld flüchter) ; 
2) leichtsinnige Weibsperson, die 
sieh herumtreibt. 

flunen, flomen, das Bauch- und Nieren- 
fett der Schu?eine und Gänse. 

flink m. der Vogelfittich, im Scherz 
aueli von dem Arms des Menschen: 
hei hett en lämen flank. 

flinkem sw. v. nicht der Wahrheit 
getreu bleiben, aufschneiden. 

flottseh f. herabhängende Lippen, en 
flansch mäken als Zeichen des Un- 
uriüens. 

flisielieii sw. v, dat fluscht better, die 
Arbeit geht so besser vorwärts. 

foeken sdiw, v. schnell laufen. 

ftfelktaif (hd.) der Bestemaun beim 
Vogelschiessen (Bosse, S. 536). 

Torbwrir f (mM. yorbarc, sabarbium 
Lexer III, 462). Name eines be- 
stimmten Gehöftes. 

ßre f. die Ackerfurche. 

Torf ötseh, eigentl. vor den Füssen weg, 
der Reihe fiach. 

TorMlen sw. v. frisch brot holt uich 
Tor, tmrd schnell verdaut. 

forke /*. die Mistgabel. 

f«nelie /. (frz. foTce), Körjyerkraft: 
hei hett grote forsche. 

T«nreik n. 1) ein zu einem grösseren 
Gute gehöriges GeJiöft, 2) auch von 



jedem geräumigen Hause oder Ge- 
höß unrd gesagt: et is en grotes 
Vorwerk. 

frachter 1) Frachtwagen. 2) Fracht- 
fuhrmann [B.] 

fräk, altes Gerumpel 

fninjen pl. Fransen als Schmuck, auch 
Fetzen am Kleide. 

frete (e une ae) tv. Maul. [G.] 

freie (e wie in Seele), ziemlich hera?i- 
geivachsen. Gebräuchlich von Leuten 
xwisclien 8 — 18 Jahren alt. Ek war 
en f reter Jnnge, en fretes Mäken. 
Auch von Tieren gebräuchlich. [ G.] 
Vgl. mnd. wret. 

fr^tegr^ni m. einer, der gern isst, ein 
Nimmersatt, besonders im Scherz 
von Kindern gebraucht. 

ft^tewäre. Voti Kindern, die gern 
essen, sagt man im ScJierzc: dat 
is fr?tewäre. 

fr^tsack m. (hd. Fresssack) Vielfrass. 

frien sw. v. freien^ heiraten. 

TTiheit f. ein Asyl (vgl. Mnd. Wb. n, 
532): ek hebbe mek up de vriheit 
koflft sa^t j&fnand, der sich in ein 
Hospital eingeJcauft, d. h. durch 
Zahlung einer bestimmten Summe 
das Recht auf Aufnahme in das- 
selbe erworben hat. 

frQät f. die Freite, Brautwerbung. 
hei geit np de frijät. 

frikkeln, hin und her bewegen, um 
etwas los- oder aufzumachen. Man 
frikkelt an einer Tür, einem Schlosse, 
um aufzumachen, an einem Pfahle 
oder Nagel, um sie herauszuziehen. 
[0.] 

Fritze, Fntz. Nerkreim: Fritze, Stige- 
litze, din Vogel is dot, Hei singt 
nich, hei drinkt nich Un fritt ok 
kein bröt (s. Krbl. XX, 41). 

fresterkatze f. jemand, den bei geringer 
Kälte fröstelt. 

frosterkettel m. ein Mensch, der bei 
der geringsten Kälte friert. 

frostern, frösteln. 

fro8terig adj. frostig. 

fucheler m. lietrüger. 

fucheln sw. v. (Danneil, S. 59: 
fnscheln) betrügen, besonders beim 
Kartenspiel. 

sich fuchsen, sich ärgern. [B.] 



154 



fudikänt Intet'j. aus fu (2)fuiJ dik 
(dich) an xusamviengeset^t : Pfui, 
schäme dich! 

f fllen {mnd. vulen), einen unhärbaren 
Wind (crepitus ventris) streiclien 
lassen, 

fülle f. eine in das Wasser hinein- 
gebaute Vorrichtung zwn Spülen 
der Wäsche usw. (besonders bei 
Färbern und Gerbern) und xuju 
Wasserschöpfen. 

fülpanzen m, Schelte für einen faulen 
Menschen, 

fummelholt, Oläithoh. [G.] 

fiimmell f, unordentliche Arbeit. 

ftimmeln sw, v. mit Licht und Feuer 
spielen. [B.] 

fummeln, glätten^ bei den Schustern 
das Leder, [G.] 

funke m. ein durchtriebener Mensch, 

funkelnagelnl adj, ganz 7ieu (eigentl. 
funkelnd vrie ein neugeschmiedeter 
Nagel), 

funzel f, eine schlecht bre7ine?ide La^npe, 
de olle funzel brennt nich. Konipos, 
trän-funzel. 

Oallberg, der Galgenberg. [B.] 

gallem sw, v, (dorchgallern) prügeln, 

galstrig, gralsterlgr adj. ranzig, be- 
zeichnet den Nachgeschmack nach 
fetten Speisen, ek hebbe son' gal- 
strigen smack in' manne. 

gandert fn. der Gänserich, 

gängeln v, a. Mit Gewalt schnell von 
der Stelle bringen. Den Ball gän- 
geln, ihn weit fortschlagen. Jetnanden 
zur Tür hinausgängeln, ihn zur 
Tür hinausstossen, [G.] 

gltnseströte (hd.) f, Luftröhre der 
Gans, s. atröte. 

gilnsewein m, (hd,) scherzhaße Be- 
zeichnung des Trinkwassers, 

gaesseln s, ein junges Gänsclien. 
Pipgaesseln, ein kränkelndes kleines 
Mädchen, [G.] 

gast m. für Mensch: hei is eu schönen 
gast (iron,), 

gastkammer (M.) Fremdenkanifner 
(Bosse), 

gaetlieh, passend, beqitem. Bloss von 
leblosen Dingen, [G. 

galt s. die Posteriora. [G.^^ 

gatase f. die Gasse, 



gaus f, die Gans, 

gausefell f. die (gebratene) Haut der 
Garus, dat feil von der gaus gilt 
als Leckerbissen, 

g^lrip, soeben reif: g^lripe bönen. 

gemeehte n. die männlicfien Scham- 
teile. 

geschrlehte n. lautes Geschrei, mak 
doch nich san'n geschrichte. 

gespän. Fracht fuhnnann, aber er muss 
einen blmien oder weissen Kittel 
tragen und 7iur mit einem Karrn 
fahren wie in Thüringen utid 
Westfalen, [G.] 

gest m, Bierhefe, [G.] Hefe über- 
haupt. 

gibbein sw, v, heimlich, versteckt 
lachen. 

gilte f. hd. Gelte, Gefäss für Flüssig- 
keiten (s. Kluges Etymol. Wtb.) 

ginselgel, auch gaesselgel, hocJigelb, 
[Q.] 

gtper w. unwidersteJdicfies Verlangen. 
ek hebbe 'n giper op'n süren bering. 

gistern adv. gesteim, 

gfzhacke, gizhämel, glzkragen m. Geiz- 
Jials (s, Krbl. XIII, 7, 44, 88), 

gizmagen m. dasselbe. [B.] 

glimeker m. Ein Mensch, der dumm 
aussieht, aber, um man sagty es 
hinter den Ohren hat. [G.] 

gUbberlg adj. wegen einer schleimigen 
Oberfläche leicht aus der Hand 
gleitend, z, B. von Fischen, 

gllk, gliks adv, sofort, 

glime f. der Engerling. [B.] 

glitsehen sw, v, gleiten s, üt-glitschen. 

glfl adj. glühend, glüe ögen. glüe 
sepe, h-eisse, flüss^ige Seife, näbersche, 
borgt mek doch en betjen glae sepe. 

glttekshafen m. Glückstopf, woraus bei 
Glücksspielen die Gewinne gexogen 
iverden. So namüe der Quedlin- 
burgei' Barnieske seine Spielbude, 
mit der er um 1860 die Jahrmärkte 
und Schützenfeste bezog. 

glüpen, von unten auf od, von der 
Seite sehen, daher: 

glupsch, adj, heimtückisch, hinterlistig, 

glfistern, 7nit blinxelnden Augen genau 
wonach sehen, [G.] 

gnarren sw, v. weinen (nur von Kin- 
dern gebraucht). 



155 



fnuitlem, sirh gleich ärgern. [G.] 

^matterif ist wer sich leicht ärgert 
und dann viel Worte macht, \G,\ 

^nu&tz m. Haut- oder Kopf ausschlug, 

pmatzfliike m, Geixhals. 

pnatzf^ adj, schäbig, geizig, 

siutzkopp m, GeixJuds. 

siuuipelieh adj, tvird vo7i einem Ge- 
aif'hte gesagt, das von Pockennarben 
cntstelU ist, 

^nukwvrlg adj, geizig. 

^neckem sw, v, über jede Kleinigkeit 
seine Unzufriedenheit zu erkennen 
geben, 

cneiren, schmeicheUiafte Mittel an- 
wenden, um von dem Essen eines 
anderen etwas zu ei^halten, so wie 
dies vorzüglich bei Kindern statt- 
findet, afgneiren, abschmaroxzen. 

/'■] 

puhheUgadj. eigentlich : „abgeknabbelt" . 

cvie«^ ni, Schmutz z. B. am Treppen- 
geländer, Körper, [Ö.] 

SBifsehig* adj, wird von Menschen ge- 
braucht, die ihre Unzufriedenheit 
und ihren Neid durch spitze lieden 
ui erkennen geben, 

snltte f. stechendes Insekt, 

forre, gurre w, altes abgelebtes Ge- 
schöpf, Iiauptsächlich von Pferden, 

'/'■] 

i^M^nstein m, (hd, entstellt aus nd, 
gösten, Gussstein), Vertiefter Sand- 
stein zur Abführung von Flüssig- 
keiten aus der Küche, die durch 
ein Loch in der JVand nach aussen 
ynündeti. 

sote f. Gosse, Wasserrinne, 

Totenpaul m, Gossenschlamm, 

mbbeln siv. v, in'n drecke grabbeln, 
im Drecke wühlen. 

mbelmit n, Ackerstück, bes, zum Bau 
ron Kartoffeln, 

snbeii sw. v, 1) graben, 2) begraben. 
Ick hebbe 'n kint graben laten. 

rrlrnis n, Begräbnis, . 

enunpel, grobes Scheltwort. 

rruidigr adj, kiesig. 

rransen sw. v, Iieftig weinen. 

mnt m. Kies, 

emppen, Grillen, seltsame Einfälle, 
(^ppen in koppe hebben auch = 
eingebildet sein (s. Brem. Wb, I, 536), 



grapsehen (Br, Wb. grapsen, engl, to 
grasp^ hastig und gierig xugi'eifcn. 

gmshUpper m, die Heuschreclce, 

grastorf m. pl, grastörwe. Dünne 
Basenstücken, die im Frühjahr, 
wenn das Gras noch kurz ist, aus- 
gehoben und besotulers zum Belegen 
von Gräbern verwandt werden, 

Graulsbarg f. das Gefangenhaus auf 
der Weberstrasse, weil der erste dort 
Inhaftierte Graul hiess. [B.] 

grebe oder grewen w. ausgebratene 
Fetibissen, die beim Ausbraten des 
Schiveineflcisches übrig bleiben, [ G.] 

grelen, laut schreien, [G,] 

grepe /'. (messgrepe) Mistgabel. 

griff lachen sw, v, heimlich und iiöh- 
nisch lachen, 

grinefisten, sch7nunzeln mit herge- 
wiesenen Zähnen; oft aiu^h mit 
verzogenem Gesichte weinen. [G,] 

grineken sw. v. grinsen. [B.] 

grinen sw. v. lächeln. 

gripps m. Begriffsvermögen, Verstaml. 
de jung' hett gripps. 

gHpschen sw. v. stehlen, 

grls adj. grau, grise lennewant, un- 
gebleichtes Leinen. 

grobejän m, der Grobejan. 

grobsaek m. grober Mensch. 

groff, grob: bei is groff nn gesuut. 
groff as Bonstro, sehr grob. 

groffbrot 7i. Schwarzbrod. 

groin. Bei Fischen (bes, Hering) be- 
zeichnet es den Gegensatz zu ge- 
salzen oder geräuchert, 'n groin' 
bengel ist ein jutiger unreifer 
Bursche. 

grossmi^or in. Bcxeichnung eines 
prahlerischen Menschen. 

grötschnute f. Grossmaul, Prahler. 

gi*udc f, ein ausgemauertes tiefgehetulcs 
Loch im Feuerherd, in dem Mohn- 
slroh verbrannt 'wurde. In die 
„Glut'' wurde das Kochgeschin- 
gesetzt und die obere Öffnung fest 
verdeckt. Dies Kochen in der 
„Gnide"' ist ausser Gebrauch ge- 
kommen. Davon: gradeesse, grude- 
loch, eingruden. [B.] 

sek griilen sw. v, sich fürchten, 

gnilig. ek bin nich grulig, ich fürchte 
mich nicht. 



156 



gi'üllg: adj, gräulich j dient auch xn,r 
Vcratärkung : grülich gröt, überaus 
gross. 

gTunimehi sw, v. schwach donn&iii; 
auch V07n dröhnenden Schmerx gc- 
braticht: et grummelt mek in den 
tänen. 

gnimpen 7;/. grote grunopen in'n koppe 
hebben, eiiigebildei sein. 

gruiid f. die Tiefe. [KL] 

gros 7?i. xermabtite und in ganz kleine 
Teile xemeboie Gegenstände, %. B. 
Kohlengrus. 

grfisen (hd. grausen). Der „braune 
KohV wurde ..gegraust", d. h. ober- 
flächlich abgekocht, um ihm den 
grusigen (herben s. Danneil, S. 71) 
Oeschmark zu nehmen. 

grlltt f. Grütze, grütt in kopp, Verstand. 

gfllleii, golden. en*n gülleue bärge ver- 
spr^ken; eu güUenes nixchen (nichts) 
an en silbernes warteinweilchen. 

giin^n sw. v. gönnen, hei günnt em 
nich dat witte in *t öge (gar nichts). 

garke. 1) die Gurke; 2) nn ScJierz: 
die Nase, sure gurkentit, stüle Ge- 
schäftszeit, 

habbern bezeichnet die Eigenschaft 
böser Siebenen und Hunde, die 
immer das letzte Wort behalten. 
Statt habbern sagt man auch zabbern. 
Ein Hund habbert, wemi er un- 
ablässig belferty eine Xantippe, wenn 
sie mit erbossten Gesichtszügen und 
allen Gestus des Rechthahens un- 
ablässig foi'tschreiet. [G.] 

hablt n. eine mit der hinten zu- 
geknöpften Hose vereinigte Jacke, 
Knabentracht. (Bosse S. 289.) 

Hack un Maek, Gesindel (s. Krbl. 
V, 70). 

hader w. Lumpe, schlechte Kleidung. 

[ß.\ 

hHke f. eine vor der eigentlichen Haus- 
tür befindliche halbe (rittertürj welche 
während die Haustür selbst zurück- 
gelehnt ist, den Eingang ins Haus 
versperrt und, wenn sie geöffnet 
ist, von selbst wieder zufällt 
(Scliambach S. 77). ein up der 
hake Sitten, besonders von Kindern 
gesagt, die immer hinter der Mutter 
tind ihr dabei hinderlich sind. Sie 



sagt datin wohl: gä mek von der 
h&ke! (s. Krbl. XXIV, 48). 

Halbe, Halwe f Seite. Wenn der 
altstädtisclie Bürgermeister- Christia n 
Georg Schwalbe am Ende des 
achtzehnten Jahrhunderts mit Pe- 
rücke und grossem spanischen Rohr 
auf dem breiten Steine in der 
Mitte der Strasse zum Bathause 
ging, so war er von zwei „Liktoren'' 
begleitet, die vor ihm Iwrriefen: 
Gat op de halbe. 
Jetzt kimmt der borgemester 
Schwalbe! 
(Bosse S. 169). 

halfsehitee f. Imlbe Chaise, Imlbbedeckter 
Wagen. 

hallwiige (wörtl. Jialben Weges), ziem- 
lich, et geit so hallwäge. 

hals m. dat is jo kein hals äff, da^s 
ist ja nicht so gefährlich. 

halsfrese f. eine Art „Boa'^ der Frauen 
aus woUigem Stoff. 

hämel m. Schmutzrand, bes. an 
Frauenkleidern. 

hämhöleii, Statid halten, nicht ent- 
laufen, haiii halten bei der Arbeit 
heisst statuihaft dabei aushalten. 

hammiehel nennt man einen aic/cen, 
stäynmigen Menschen, der etwas 
durch Körperkräfte prästiren kann. 
\ G.] [ Hannmichel = Johann Miciujel 
(Danneil S. 74)]. 

hampelmann m. 1) Gliederpuppe. 
2) kleines bewegliches Kitui (s. am- 
peln.) 

hamschper m. Hamster. [B.] 

handgebare n. übertriebene unjjosslirjie 
Handlungsgestu^, unschickliches Be- 
nehmen bei einer Handlung. ebber 
dat Handgebare! d. h. wie linkisch 
du dich bei der Sache benimmst! 
[G.) 

hanebaiken. l) der Firstbalken. 2) der 
obei'ste Teil des Haukes, hei wont 
in'n hanebaiken. 

hänebänken adj. von der Hagebuche, 
auch Bezeichnung eines derben 
Menschen. 

hänebutte f. die Hagebutte, Frucht de^ 
wilden Rosenstraucfies. 



157 



hanendreier m. entstellt aus hänrei. 
ein'n taa'n hanendreier maken, jetn, 
mtfxielien. zum Besten Ruthen. 

hiineii-slän n. eine Volksbelustigung 
auf deni Kkers, 

hänewaekel m. ein derbes FrüJistück 
nach durckschtvät-niter Nacht (s. KrbL 
XVI, 15, 20, 25, 42). 

IluijSri: (Tan auf dei' erstell Silbe) 
= Hans Jürgen, Scheltwort für 
einen albernen MenscJien. 

Hans Baken sin Lock, eine Höhle an 
der Altenburg, in der Hans Buk 
(ein Sonderling oder Einsiedle)) 
gewohnt haben soll. [B.] 

Hans Qnast« da bist en H. Q. d. i. 
ein Possenreisser. 

Hans Ungesehlckt. „Hans ungeschickt 
lässt grüssen', sagt man, wenn 
jemand sich bei einer Arbeit be- 
scm/iers eingeschickt zeigt. Höchst 
wahrscheinlich ist dieser Hans U. 
identisch mit dem auch in Oöthes 
Fau4it 1836, m Hanswursts Hoch- 
zeit und son^t erwähnten Hans 
(Arsch oder Dnmm) von Rippachy 
über den ausführlich in Weigands 
iUutschem Wörterbuche /», 763 ge- 
handelt ist. Auch O. lässt die 
zechenden Gesellen in Auerbachs 
Keiler (s. Faust /, 1840) durch 
MephistopheUs angeblich als seilte 
Vettern grüssen. Auf ihn dürfte 
auch die verächtliche Bezeichnung 
, Jeder Hans Arsch^' = jedermann, 
die ich ebenfalls in Quedlinburg 
geJiört habe, zurückzuführen sein 
(Meklenbnrgisch Hansors .<?. Krbl. 
IX, 82). 

luusehen, hanschken de^n. hänscbken, 
pl. Handschuhe, davon: füsthanachen 
sind Handschuh, an denen die 
Finger ausser dem Daumen nicht 
abgesondert sind. 

Häuschen im Sehomst^in. Von diesem 
im KrbL HI, 72 ff. in mehreren 
Fassungen mitgeteilten Volksliede 
wurden in Quedlhiburg die fol- 
genden Verse gesungen: 

Manschen sass im Schornstein 
Und flickte seine Schuh, 
IJa kam ein muntres Mädchen 
Und sah ihm fleissig zu. 



Mädchen, willst du fnen, 
So warte noch ein Jahr; 
Wenn die Kirschen blühen. 
So werden loir ein Paar. 

hapern, tws Stocken geraten. Eine 
Sache hapert, gerät ins Stocken. [(?.] 

happelbart m. spitzer Kimibart. 

kappen m. Bissen, Mund voll. [G.] 

happig. 1) gietig, liabsüchtig. 2) dat 
is mek tau happig sagt man, wenn 
einetn ein zu holier Preis für einen 
Gegenstand abverlangt wird. 

harseh, rauh, grob, steif, harsche 
Leinwand. Fleisch und Gemüse 
ist harsch, wenn es sticht ganz weich 
gekocht, sondern noch etwas härtlich 
ist. [G.] 

beharschen heisst von der Laß oder 
Hitze etwas hart oder steif werden, 
wie z. B. Brot, dessen Oberfläche 
von der Luft eticas ausgetrocknet 
wird. [ G.] (Auch von mw Wunde, 
auf der sich Schorf bildet.) 

hartfrätsch ist jemand, der im. Essen 
geringe Ansj/rüche macht. 

haselbusch m. der Haselstrauch. 

haseln adj. aus dem. Holze des Hasel- 
strauchs. 

haselnöt f. Haselnuss. 

häsenbrot n. von der Reisezehnmg 
übrig gebliebenes Brod, das man 
mit den Woiien: „dat hebbe ek den 
hasen afjagt" den Kindern gibt und 
das von ihnen gern gegessen wird 
[vgl. Krbl. IX (1884), S. 13, 57, 74]. 

hasenzwim m. starker Hanfzwirn. 

haspeln, sieh abhaspeln, sw. v. sich 
abmühen. 

haun n. (pl. häuner^ das Huhn, die 
Henne. Sprichwörtl. Eda. en klauk 
haiin leggt ök in de brennnettel. 
met de hänner to bedde gän, früh 
zu Bett gehen. 

hftaneken m. Hühnchen. Beim, den 
die Wärterinnen den Kindern singen : 
Patt, patt, pntt, min häuneken, Wat 
deist' up ansen hoff? Da plükkst 
mek alle bläameken, Damäkst et gar 
tau groff. min hänneken. Kosewort 
für ein Kind. 

hausten 5t£;. r. husten. Afit den Worten: 
„Ek will dek wat hausten' schlägt 
man spöttisch eine Bitte ab. 



158 



haweipke w, Ilamhuttc. haweipken- 
busch, Hanibuitensiraucli. \ O.'] (Mtid, 
wepeke; ha xtisammcjigexogcn aus 
hage). 

hebben, haben, hebbe dek man ni<-h 
sau! stell dich nur sticht so an! 
äussere deinen Schmerz nicht so 
sehr! 

hecksel m. der Häckerling, 

liede w. Werg vom Flachs. [ G.] Eine 
alte Qtiedlinbur gerin, die xivei 
Töchter besass, sagte, als sie die 
ältere, Jiässliche verheiratet hatte: 
„De hede bebbe ek verkofft, den flass 
(die jüngere, hübsche Tochter) will 
ek schon noch anbringen. 

hehl, heimlich, hehl halten, verfieim- 
liehen. [ Q.'\ 

heichebild n. Heiligenbild aus Oelatim, 
das sich beim Anhauchen krümmt 
(s. Krbl XXIV, 47). 

heiehen sie. v. hanchen, änhächen, 
ayihauchen. 

hcldi gän, davon gehen, wegfliegen. 

hell, ganz, de heile Tag, der ganxe 
Tag. [(}.] 

helle helle kUtzken, werde iredder gaut! 
Sjrruch beim Besprcclicn von Ver- 
letzungen. 

helmekenfenger m. ein heimtückischer 
Mensch. 

lioisch adj. heiser. 

heister f. die Ehter. 

heller m. kiirsäclisische Münze vom 
Werte eines halben Pfennigs, lida.: 
bi heller un pennig betälen. 

helliseh adv. sehr, dient xur Ver- 
Stärkung von Adjektiven. 

herken, fiecken, xomig machen. [G.] 
(Schambach H. SO.) 

herkfl w. Schlag, Stoss. [G.\ (Zu 
herken sw. v.J 

herre w. der Herr, herr Je(8)! He^r 
Jesu^! Ausfi'uf des Staun&ns oder 
Schre/ikens. 

herrendolnst m. l'Vohndienst, Hofe- 
dienst. Das Sprichwort : herrendeinst 
geit vor goddesdeinst bezeichnet das 
driiclcefide dieser ehemhligen Last 
des Ijandmannes. 

hespe f. Tür- und Fensterangel, üt 
den hespen gän, auseinander fallen. 



hesse w. die Hauptsehne am Hinter- 
beine der Tiere, da wo sie sicJitbar 
hervortritt und beim Sclüachten zum 
Anhängen gebraucht wird. 

hest dn nich 'cseln (hast du nicht ge- 
.sehen), schnell, eilig, he löppt hest 
du nich 'esßin. 

hickhacken sw. v. streiten, zanken; 
davon: 

hiekhaekerie f. Zank, Streitigkeit. 

hiekup 7«. der Schhicken. 

hille adj. u. adv. eilig, hei hett et 
hille. 

himme n. das Heynde. Ein bekannter 
Scher. \ ist folgender: Man zeigt 
mit dem Finger auf ein Kind, in- 
dem man sagt: „der hett kein himme 
an!" Geyneint ist natürlich der 
Finger. Das Kind, welches den 
Scher X, noch nicht kennt, bezieht 
aber die Worte auf sich. 

himmelangst adj. ek bin himmelangst. 

himmelhunt m. Schelle. 

hlnipen 7n. ein lialher preussischer 
Scheffel. 

hinder, hinner praep. hinter. Sprw. 
hinner^i bärge wönen ök lue. 

hinnerknstell n. das Gesäss, podex. 

hlnnerveitei n. das Hinterteil vorn ge- 
schlaehteten Tiere, auch = podex. 

hi|)ob, ein dürrer Metisch, Brust- 
knochen des Federviclis. [G.\ 

hippel, hippol! Zuruf an Ziegen. 

hissen su\ v. hetxen. met allen hunnen 
gehisst = durchtrieben. 

hitsche f. (u'ol Nebenform von hutsche), 
kleiner Schlitten ohne Lehne für 
eine Person, auf dem .^ich Kinder 
fahren. 

hochnäsig adj. stoh. 

hik'hte f. die Höhe, in de höchte 
beren, hochheben. 

llöken 7n. Strasse beim Rathau.'ie. wo 
ein.'it die hohen d. i. die Buden der 
Krämer standen. 

höher m. der Krämer. 

hökern sw. v. klettern. Das Kind 
hBkert dem Vater auf den Sehoss. 

höUe, hinder der, d. h. der Ort hinter 
dem Ofen. [G.] Die Hölle ist 
auch der Name einer Strasse in 
(.ht., auch die y,Schneiderhölle'% da.^ 
Loch im Werkti^^ch des Schneiders. 



159 



wie die Rda, „etwas in die Hölle 
fallen lassen^', d. h. vemntreuefi, 
ist dort bekannt, 

holter di polter hd. für huller di buller. 

hömester m. der Hofmeister, d, i der, 
welcher auf Oiitem die Aufsicht 
über Knechte und Mägde hat, 

hömestem sw. v. etwas tadeln und 
alles besser wissen wollen (wohl mit 
Anlehnung an hd. hofnuistem, den 
Erzieher spielen), 

höneekeln sw. v, hohnlächeln, 

honipeln sw. t\ höhnen, verliöhnen. 

hoppas! Interjekt., eine Ermunterung 
xum Sprung. 

hoppenstangfe f, die Hopfenstange, 
übertragen von ehiem lianggewach- 
senen Menschen, 

liopphei VI, (s. Danneil S, 85), Bda. 
mäk doch uich so'n hopphei, tna/^he 
doch nicht solchen Lärm, solches 
Aufsehen ! 

höre f. Hure. 

horenbaleh n. Hurkind. 

hören stv, v. gexiemen: dat h8rt sek 
nich! 

hose f. läjigliches Fass für Fassbutter 
oder Kienruss. \B.] 

hott! 7iach rechts! hü 7iach links/ 
Zuruf an di^, Pferde. 

hottep^rd, hottehipert n. das Pferd 
in der Kindersprache. 

hotto n, dasselbe. 

hüehe f. = JVifikel, Ecke, in de hüche 
Sitten ist die Stellung, wenn Knie- 
gelenk und Oberschenkel cine^i 
Winkel bilden. In dieser Stellung 
gleiten die Knaben auch auf den 
„Schlickerbahnen*. 

hucken sw. v. hüpfen, sjyringen. 

haekepaek adv. urie ein aufgehucktes 
Pack, 

hudderif adj. frostig. mek is sau 
hudderig. 

huddern siv, v. vor Kälte schauern. 

hi^anen, hojanen sw. i\ gähnen. 

hnkken, hüpfen, springen. [Ö.] 

hulen, iieulen, laut weinen. 

huller dl buller, Schallnacluihmung. 
hei löppt huller di buller de treppe 
binunner. 

humpeln sw. v. hinken; dnron 

humpelig, hinkend. 



hund 7n. (pl. hunnV der Hund. Sprich- 
wörtl. Rdarten: hei is bekannt as 
en bunten hund. — komm ek äwwern 
bunt, komm ek äwwern schwänz. — 
en huudsfott gifft mer as hei hett. 

hungergreben braden, artyi sein, nicht 
XU leben liaben. [Ö.] 

hungerpoten sugen, Hungerpfötchen 
saugen. (Von Schambach auf die 
angebliche Gewohnheit des Bären, 
a7i seinen Tatzen zu saugen, zurück- 
geführt.) 

kuppeln, hüpfen, springen. \0.] 

hurkel, horkel m. Unebenheit des 
Bodens. [B. ohne Bedeutungsangabe.] 

linrkellg, horkellg adj. uneben, %. B. 
ein hurkelicher Weg. 

hOsbacken bröt, Brot, das jetzt hn 
Hause gesäuert tind als Teig zum 
Bäcker gebracht, urspr. aber irn 
eigenen Backofen gebacken ururde. 
en husbacken minsche ist der, welcher 
nur für das Gewöhnliche Sinn hat. 

husche f. Begenschauer. „et kimmt 
ne gröte husche," sagt man, wenn 
eifi Wetter lieraufzieht. 

hfisdrauk, urspr. iin Hause gebrautes 
Bier, Dünnbier. 

hutyeputlje, Geld. [B.] 

hutscke f. die Fussbank. Von eijiem 
armen adligen Fräulein heisst es: 
Freilein von der hutschei wenn se 
varen will, hett se keine kutsche, 
wenn se riden will, hett se kein 
perd, sau'n* freilein is keinen penning 
wert. 

hutsehen sw. v. am Boden kriechen 
(von Kindern). 

Ichtens« ]) irgend. wenn*t ichtens 
möglich is, wenn es irgend möglich 
Ist. 2) ziemlich, hei is ja sau 
ichtens, d. i. er befindet sich so 
zie^nlich. [ (?.] 

Ile f. Blutegel, von einem starken 
Trinker sagt man: hei süppt as ne ile. 

Wen 2)1. umrden Würmer genannt, die 
sich in Hammeüebern finden. 

Ilk m. der Iltis (mustela putorius). 

UsebiUe, Isebille f, ein zänkisches 
Weib: sei is ne llsebille. Vgl. 
Grimms Märclie^i „von dem Fischer 
und syner Fru*'. 

inbenten sw. v. einheizen. 



160 



indttken sw, v, eintauchen. 

Infall w. Einfall hei hett infälle wi 
en olt hus sagt tnan von unpasscmirn 
Äitsserungen, 

iuliotzeln sw, v. vertrocknen, 

inkaeheln sw, v, tüchtig einheizen. 

Inkiinken sw, v, ]) von der Tür ~ 
schliessen, 2) von Menschen, Ami 
in Arm schlingen. 

iiiDiiielicln sw. v. sek, sich fest ein- 
hüllen. 

inmummeln sw, v. sek, skh dicht ein- 
hüllen, 

innewennlg:, inwendig, sek innewennig 
besein = schlafen. 

insehlacht^n sw. v, für den Bedarf des 
Jahres (ein Schwein) sdilachten, 

itsche f, der Frosch. Daher: 

itsehenst^g m, eine schmale Holz- 
brücke über die Bode, die jetzt durch 
eine steinerne ersetzt ist. 

inschtippen, eintauchen. 

itsclike w. der I<\osch. [(?.] 

sek iwern, sich ärgern. [Q.\ 

iwrigr, ztim Arger geneigt. [G.'\ 

Jaehtern, lustig fierumspringen und 
zwar in Gesellschaft, wei hebbn 
recht ejachtert, d. i. unr sind recht 
lustig gewesen, [G,] 

jaeke f, dat is ne olle jacke, eine 
alte Geschichte. 

jackeufett n. Prügel, [B.] 

jagd f, wat is dat vor ne jagd?! was 
ist das für ein tolles Gebühren! 

jagen sw, v, sich rasch bewegen, de 
lunge jöcht em sau. 

Jakkern, schnell reiten, [ G.] In einem 
Kinderverse hei'ist es: „So jackert 
der Bauer,' 

Jäkopp pl. jäköppe, Befwnnung der 
Dohle oder Tufifikrähe, mouedula 
turrium Brehm. Sie nisteten früher 
in grosser Anzahl auf dem Turme 



der St. Benediktinerkirche. Der 
Türmer Schmalz trieb einen schwung- 
haften Handel mit solclien z/um 
Sprechen abgerichteten Vögel. Bosse 
führt Jakob als Bezeichnung des 
Kollcraben auf 
jnmfen sw, v, stehlen. 

Jammer m, die fallende Sucht, Krämpfe 
der Kinder, 

Jammerscliüer n. dasselbe, 

janken sw, v. stöhnen, ächzen, 

jappen sw. v, nach Liift schnappeyi, 

jappig adj. erschöpft. 

Jaulen sw. v, anhciltendes Heulen junger 
Hwide. 

Jesus mein Beistand! Bezeichnung 
eines jetzt abgehi'ocfienen Hausen 
in Qu., wegen der über der Tür 
angebrachten Irf.schrift. Die darin 
wohnende Familie hiess: „Dippes 
in Jesumeinheistand-'. 

jiperii su\ v. 7iach etwas begierig sein, 

jlperig adj. nach etwas begierig, 

jökel in. ein schlechtes Pferd. 

jökcln su\ V. langsam und schlecht 
^ fahren, 

Jökeler 7n. ein Fuhrmann, der schlecht 
fährt, 

Jüchen, laut schreien, jauchzen, [G,] 

juchhei maken, Lärm machen bei 
Lu.^tbarkeiten. verjuchheien, sein 
Geld bei iMstbarkeiten durchbringen. 

jüche f, abgestandenes, schales Getränk, 

jüekepulwer n. ein Pulver, nach dem 
die Haut juckt 

Jumfiilje ki'lgen, Schläge bekommen. 
[B.] 

Junk. Wenn man sich über etwas 
wundert, so sagt mau: sau wat 
wert nich wedder junk! odei' san 
wat lewet nich. 

jux m, Schmutz, 



(Schluss folgt,) 



NORTHEIM. 



R. Sprenger. 



Jahrbuch 



des 



Vereins für DiederdeDtscbe SpracMorscbong. 



Jahrgang 1904. 



XXX. 



NORDEN flM LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1904. 



Ausarbeitungen, deren Abdruck im Siederdentschen Jahrbncbe 
gewünscht wird, sind den Mitgliede des Rcdactionsausschuf^ses r>-o/. 
)r HeAmam, CkurloW'nbur;/, Pestulozzistrmse 103 zuzusenden. Die . 
Zahlung des Honorars (von 32 Mk. für den Bogen) erfolgt durch 
den Schatzmeister. 

Zusendungen, deren Abdruck im Korrespondenz-Blatt erfolgen 
soll, nimmt J)r. C. Walther, Haml»n-<j, Kmyimknnp 9 entgegen. 

' Die Mitgliedschaft zum Niederdeutschen Sprachverein wird durch 
Einsendung des Jahresbeitrages (5 Mark) an den Schatzmeister des 
Vereins Herrn Joh. E. Habe, Hamburg, Gr. lieichenstr. 11 oder durch 
Anmeldung bei einem der Vorstandsmitglieder oder Bezirksvorsteher 

"''""^Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag die laufenden Jahr- 
gänge der Verainszeitschriften (Jahrbuch und Korrespondenz-Blatt) 
postfrei zugesandt. Sie «ind berechtigt, die ersten fünf Jahrbucher 
zur Hälfte, die folgenden Jahrgänge sowie alle übrigen Verems- 
Veröffentlichungen (Denkmäler, Drucke, Forschungen, Wörterbücher) 
zu Dreiviertel des Ladenpreises zu beziehen, wenn die Bestellung unter 
Berufung auf die Mitgliedschaft direkt bei dem Verleger Bkdr. holtaa 
in Norden ((Mf riesln nd) gemacht wird. 

Bis auf weiteres können die Mitglieder von demselben auch das 
Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J. ten Doornkaat Koolman 
(3 Bände gr. 8« kartonirt) für 15 Mark (Ladenpreis 44 Mark) post- 
frei beziehen. 

Bücher oder Sonderabzüge, deren Anzeige oder Besprechung 
-.ewünscht wird, sind mit dem Vermerk 'Zur Besprechung' oder dgl. 
dem Verleser oder einem der anderen genannten Herren zuzusenden. 



— y^ie^^ct^ — 



Jalirbnch 



des 



I Vereins für niederdentsche SpracMorschnng. 



Jahrgang 1904. 



XXX. 



NORDEN nnd LEIFM. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1904. 



Druck von Diedr. Soltan in Norden. 



Inhalt. 



Seite 

Versuch eines Quedlinburger Idiotikons. (Schluss.) Von R. Sprenger . . 1 

Die Yocale der oldenburgischen Mundart. Von A. vor Mohr 88 

Abschnitt I. Phonetisches 86 

Abschnitt II. Historische Darstellung des Vocalismus der Stammsilben 41 

Übei-sicht über die and. Vocale und ihre oldenb. Entsprechungen . 71 

I)ie Präposition voti in der Münchener Heliandhandschrift. Von Ed. Damköhler 74 

To Küss. Von Heinrich Carstens 76 

Sprichwörter und Redensarten aus Stapelholm. Von Heinrich Carstens . 76 

Gedichte Brunos von Schönebeck. Von F. Hreuckcr 81 

Zu Meister Stephans Schachbuch. Von Ernst A. Kock 147 

Verzeichnis der Mitarbeiter und ihrer Beiträge in Band 1—80 154 

Register zu Band 21-80.. Von W. Zahn 162 






»M. 1 

aHicIof, 



■ wen. 

III tn,) 

*leln 

■^/^^ 

»ffer , 
»*^ /«. 



Versuch 
eines Quedlinburger Idiotikons. 



Scliluss. (Vgl. Jahrbuch 29, 139.) 



knbaelie /! altes haufälliges Haus. 
kabbeln, sik kabbeln, zanken, mit 

Worten streiten. [G.] 
liabbolz scheiten, Purzelbaum spielen. 
^abböla^n siv. i\ Gegeyistände durch- 

finanderiverfen und dadurch Lärrn 

innrlicn. 
ial>el, liaoskabel, ein Stück Land. 

[abüz n. kleines Zimmer ^ ahgeschla- 
gcner Raum. 

[achelofen (hd.). jyEs ist ein Kachel- 
ofen da:' pflegt man xu sagen, 
trenn ein Kind in der Stube ist, 
das von der J Unterhaltung nichts 
Jtnren soll, schufte dek vorn kachel- 
owen, sich dich vor, es ist ein Un- 
hcrufener im Zimmer, der es nicht 
hören darf. [KL] 

;a(*kslanl m. IMa.: en kackstaul met 
lenen. 

[addeln sw. v. ungeschickt schneiden. 

:aiekeln, nakaekeln, nachsprechen, die 
Worte eines andern, imi ihn zu 
necken. [G.\ 

äf m. die Spreu des Getreides, welche 
als Schweine futter dient. 

nffeebrod (hd.Jy ein länglicher Z wie- 
bar k ron hestimniter Form. 

afTer ///. Dcrrf bewohn ei' im verächt- 
lichen Sinne. 

äk m. der I*rangei\ 

nkelieh, albetm, geschmacklos. Ein 
Mensch ist kakelich, u'enn er im 
ficden und Betragen viel Albernheit 
zeigt. Ein Kleidungsstück sieht 



kakelich aus, wenn die Farbe zu 
grell, hervorstechend oder tiicht sitt- 
sam genug ist. [G.] 

kakeln, albernes Zeug sprechen. [(j.\ 

kalch m. Kalk. 

kaldünen pl. Eingeweide, Gedärme. 

kaleb m. ein Kahlkopf (mit Anlehnung 
an den Kaleb des alten Testamentes). 

kair n. Kalb, dat kalf iu't öge schlau, 
einem etwas Unangenehmes ins 
Gesicht sagen. 

kalfaktern sw. v., mmkalfaktern, be- 
ständig in Tätigkeit sein. 

kalffloisHi n. Rda.: kalffleisch is half- 
fleisch. 

kalniiseni, nachdenken, verdriesslich 
sein. [G.\ 

kahreru sw. v. sich albern benehmen. 

Kanirad (hd.), Tan auf der 1. Silbe. 
Dem französischen Generabnursch 
legte man, wie auch Bosse S. 2S7 
erwähnt, die Worte unter: 
Kamrad, komm, Kamrad, komm! 
Kamrad, kmnm mit Sack find Pack ; 
WoWn marschiern mit Bojiepart. 

kän m. der Schimmcljrilx.. [B] 

känig adj. schimmelig schmeckend, z. 
B. von ahgestandenem Biere gesagt. 

kanker, spinnekanker m. die Spinne 
und ihr Gewehe. 

kankerbein m. ein Mensch mit langen 
Beinen. 

kankeri^ adj. dünn. [/?.] 

kanuel m. Zimt. 

kannrilck, Gesimse an der Wand, um 
etwas darauf xu stellen. [G.\ 



NieilcrdcutseheH Jahrbuch XXX. 



2 



ku|>eii, ;;/// alhrrnor Sixirrhril unch 

etwas Sieben. [(L] 
kapeniren sw. v. rerxehreyij entxwei 

machen. 
kai>eni mit laiig:en schwänzen, spafifi- 

hnfte Bexeichnung für ein ürricht 

Graupen und Bohnm. 
Kaptenarmes (mit Anlehnnny o}* fn. 

captain d'armes). hei is Kapteuarines 

un fritt den kranken dat bröt op. 
knpntt adj. eck bin ganz kapntt, rl. i. 

matt und Icrank. 
kaijolen sw. v. rasch fahren. 
kamickcl, kamineken n. 1) das Kanin- 
chen. 2) ein Mensch, der Streit 

anfängt. 
kartoffelpelle s. pelle. 
kartulTelkrieg m. ein kleinei' Krieg, in 

dem nur um geringe Di^ige ge- 
stritten wird. 
kartuflfelpnffer s. pnffer. 
kaseln, j^^^^^^^^^^ *^ Schlafe oder 

in Krankheit. [(/.] Auch verwirrt 

reden. 
kaseligr adj. verwirrt redend. 
kastenmttuneken n. eine kleine Münze, 

ein altes Zweigroschenstück. 
kastrol n. ein Küchengeschirr aus 

Blech. 
kastrolbnrsche m. scJierxhafte Be- 

"xeichnwng des Küchenmädchetis. 
kaljen s^v. v. mit einem stumpfen 

Messer schtieiden. 
katölsch, kaddölseh adj. et is taum 

katolsch (verrückt) werden. 
kanblanme f. die Kuhblume, gewöhn- 
lich Saudistel genannt. 
kanderwelseh adj. u.adv. unverständlich, 
kauen sw. v. schwätzen, dummes 

Zeug redeyi. 
kankenbUcker m. der Konditoj'. 
kaupe f. Kufe, sompkaupe, Snmpf- 

kiife. [B.] 
kedder w. der schwammigte fette Teil 

des Kinns. [0.] Da^t Doppelkvm. 

[B.] 
keddem lieisst diesen Teil (den kedder^ 

unnötiger Weise in Bewegung setxen, 

schwatzen und zwar viel schwatzen. 

[O.] 
keisken oder kaiseken, Hollundei' (Sam- 

bucas nig. Lin.), davon: 



keiKkonnians, Fliedermus. [6'.| 

keken s}(\ v. sich übergeben. [B.] 

kekehi, iinikekelu, lau wein und hin- 
fallen. 

kenzelTe /'. Wurstsuppe mit Beilage. 

k^ni pl. Samenkerne der Zuckerrübe. 

kers<*]i adj. wählerisch im Essen. 

kesc m. Kä.'ie. Kinderspruch: Biste 
bese, krup in'n kese; biste wedder 
gut, krup wedder rut (s. Korrhl. 
XXIW Hfi), scherzhaft = Ta.^chen- 
uhr. 

kesedicb. Man re.imi: Gotlieb, kese- 
dieb 

kesejunge m. beim Ballschlagen der- 
jenige Knabe, welcher den Ball ^?/- 
rückwirft. (s. Korrbl. X, 69.) 

kesematz m. Käsequark. 

kesenapp m. ein Napf zum FAnlegeii 
von Kassen. Kinderreim: 
Xip, Nap, Käsenapp, 
Morgen is es Sonntag. 
Zieh ich meine Stiefeln an, 
Reis' damit nach Kurikam, 
Von Kurikam nach Kutschkutsch. 

kes8 (schöne kess) = kh(g (iron.) [B.\ 

kesserling m. der Kieselstein. 

ketelfleiseh n. das Schweinefleisch, 
welches im Kessel gekocht wird, 
um Wurst daraus zu inachen (s. 
stekfleisch, Wellfleisch). 

Klau, kursäeh^ischer Hoftvair, Einen 
schlechten Koch nannte man in Qu. 
koch von Kian. 

kiekeriekihän m. der Hahn in der 
Kituierspraclie. 

kieme, kiemig, alt ufui stumpf, scJiwach, 
bloss von alten Leuten. [G.] 

kikel kakel goldseliau! Den Ursjn-ung 
dieses Ausspruclui weiss ich nicht. 
Man gebraucht ihn, wenn man das 
missbilligt, was der andere sagt, 
zum Zeichen, dass maus für blosses 
Geschtvätz Mit. [G.\ 

klken s. junges IlühncJien. [G.] 
Einein, der sieh verschlafen hat, 
ruft man zu: „Tritt de kiken nich 
döt!« 

idker m. Femrohr, einen up den kiker 
b ebben, jemand argivöhnijich be- 
obachten. 



3 



klk in de weit, ein jniKjer uneifalurner 
Mensrh. 

kileken w. Ij Kugeln, die von K^iaben 
nnrh hesiimmten Spielregeln in kleine 
kahlen (s. dort) geworfen werden, 
2) Grühf'hen: kileken in*n backen- 
Schelm in'u uacken. kileken im 
kinn schelm im sinn. 

kileken mv, v. mit kileken spiele) t. 

kilekenbedngper m. einer, der heim 
kileken, dann überhaupt in Kleinig- 
keiten betrügt. 

killan m. der Hanswurst an der 
Scheibe fs. Krbl. VllI, 43, 74; 
Bosse S. 536), 

ktm, pl. kirnen, Keim. Im Frühjahr 
bekommen die im Keller lagei'nden 
Kartoffeln kirnen. 

kime f. Die Fuge eines Fasses oder 
ähnlichen (iefässes, in welche der 
Boden eintritt, samt dem übe?-- 
stehenden Teile dn- Stäbe. [G.] Vgl. 
mjul. kimke, Iwhernes Gefäss mit 
einem Boden. 

klmmelterke w. eitier, dei' gern Kümmel 
trinkt. 

kimmselien (vielleicht ron Kumpan), 
Nebenmagd. [G.] 

kindermantel f. s. mantel. 

kindermutter (hd.), die Hebamnip. die 
kiudermntter von Ditfurt (Ilcxen- 
jrroxess, her. von A. Kohl). 

kinkerlizehen (qainqnaillerie), Mode- 
.^ärhelchen ron wenigem Werte. [G.] 

kinmssbatte f. ein IloUfä.sschen mit 
Kien7nss, das der kinrussbutteukerl, 
ein Hausierer, den Schuhmachern 
brachte, die den Kienru.ss wart 
Schwärzen der Schuhe gebrauchten. 

kipe f 1) der Tragkorb; 2) ein Hut, 
meist von Stroh geflochten, den die 
Bauerfrauen zu7n Schutze gegen 
die Sonne tragen; 3) der Färber - 
kessel. [B.\ 

kippelieh, nicht feststehend. [G.] 

kippeln, eine Sache, die nicht fest- 
.stehet, auf uml nieder, hin und Jier 
bewegen. kipple nich an Dische, 
bewege den Tisch nicht. [G.] \ 

kippen, umfallen tcollen. [G.] 

kirsehenstniiiss m. Kirschen und grüne ' 
Schoten auf ein Stäbchen gereiht. 



klsilti^ adj. wähleri.sch im Fs.srn. 

kisel. I) der Kreisel; 2} der Wirbel 
im Flu.sse, der Wirltel auf dem 
Kopfe. 

kiselwint vt. der Wirbelwind. 

kissenbfre f. s. bire. 

kittel fn. der geivithnliche Ktmben- 
anxug (Bosse S. 289). 

kiwweken (bloss in der Mehrxahl), 
Winkel des Mundes. [G.] 

klabastern sw. v. mit lautem Geräusch 
gehen. Ich erinnere michj dass ein 
Jugendfreund, der einen Onkel in 
Südafrika hatte, ein holländisches 
neues Testament besass, in dem es 
von Jesus Gasige nach dem Ölberge 
Imss: sin jongs klabasterten achter 
hem. 

klabbern, kleben. \ G.] 

klack m. Klümpchen. ein klack butter, 
teig. 

klaeke f. Schelte für ein ungezogenes 
Kind. 

kla<*keierkanken ?«. Wenn Eier durch 
Schutt el?i des Korbes, in dem sie 
verschickt wurden, so zerbrachen, 
dass Schale, Eiweiss und Dotter 
durch einamler gemischt sind, so 
.sagt man: dat is ein klackeierkanken. 

klaeker m. ein Fleck auf der Kleidung, 
der durch Speiseteilchen entstanden 
i.st. 

kladder m der Schmutz 

kladderigr adj. schmutzig. 

klam adj. u>ird von durch Feuchtig- 
keit geschivollerien Türen, Tisch- 
und Fensterladen gesagt, die schwer 
auf- und zugehen, hei is met den 
gelle klamme er gibt nicht gern 
Geld aus. 

klambeiig adj. ? klamberige Geschichte 

im 

klapkisel s. kisel. 

klappe! n. Spieheug für Kinder. 

klappen, in der Kedcfisart wenn't tauu 
klappen kimmt, wenns xum Treffen 
kommt. [G.] 

klap|)erpnppe f 1) eine Holxpuppe, die 
hohl und mit Erb.se n gefüllt ist, die 
bei der Bewegung klappern (ein 
Kinder spieheug) ; 2) ein mageres 
Frauen\ immer. 



klup|)erstoi*cli, 1) der Storrh ht (Irr 
Kijuhnfpmrhc ; 2) das Geschenk, 
welches die Worhfierhi vom Khe- 
manne bekommt. 

klapplt, durch gegossen er Kaffee [II] 

klappsch^vauiz m. irird ein lebhaftes 
Kind genannt, dass häufig aus dem 
Zirnmer und vneder hineinläuft und 
dabei die Tür auf- und xusrhlägt 
(klappt). 

klasatgeii gän, herumbunnneln 

klater f. pL klatern. 1) xei'setxte 
KleüJe^r, Luinpen. 2) Fh-erksamn 
am Kleide, 

klatrlg, miserabel, elend, schlecht. [R] 

klatsche f der Angeber. 

klatsehen sw. v. angeben, ein an ver- 
trautes Geheimnis verraten. 

klatselirose f. der wilde Mohn. 

klauen sw. v. stehlen. [KL] 

kledäsehe, die Kleidungsstücke als 
collectivum. 

kielen sw. v schlecht schreiben. 

kleinetseh (vo7i klein und eten es.s-enj 
ist, der wenig Appetit hat \G.\ 

klelpote f schlechte HandschHft. [B.] 

klemenzen, etwas nicht gerne a^igreifen, 
tun wollen. Man klemenzt bei 
Tisclie, wenn man langsam, nur 
zum Schein i^st, weil es nicht 
schmeckt. [G.] Auch kiemenscheu. 

kleppen sw. v. kerschen kleppen, d. i. 
vom fremden Batime nehmen. 

klers (von lat. clerus, Bosse S. 534), 
der Platz, wo das Schütxsnfest ab- 
gehalten wird, auch dieses selbst. 

Pater Kleteijän, ein langweiliger 
Mensch. 

kllk, heftig, ausgelassen, unbändig in 
irgend einem. Affect, vorxügl. in 
Freude, Zorn, Begierde. [G.] 

klingpelmann und klappermann. Volks- 
rätsei : 

Klingelmann urui Klappermann 
Gingen zusammen den Berg hinan. 
Kla})pemia7m lief noch so sehr, 
Klingelmann kam doch 7ioch eh'r. 

Auflöstmg: Pferd mit Schellen und 

Wagen. 

klink 7n. Strasse in Quedlinburg. 

klinke w. 1) der Drücker am Tür- 
schloss. 2) Kante oder Spitze einer 



Fruupnwütxeydahermwy&vVXmV^xi d. i. 
die Kante an die Müt^e heften. \(i.\ 

klint m. hügelige Erhebung, hei wont 
opp'n klinte. 

kllpiisehanle f. die Volkssrhule. 

klitern, allerlei Sachen von Floh rer- 
fertigen, ohne es gelernt xu hnhrn. 
kliterer der dergleichen Sachen \u 
machen weiss. \G.\ klUtern, wo- 
von das adj. klUterig. [B.] 

klitseliig ist Brot, das nicht aft.^- 
gebacken i.^t. 

klöbier adj. ungeschlacht, grob. 

klokkendigr adj. hei is ne klokkendige 
stunne ütblewen. 

klokkenlUder m. Glockenläuter der 
Kirchen. 

kloppen VW. v. Jcaufen. 

klopphengest m. Hengst, dem eine Ilode 
weggenommen ist. 

klump m pl. klllmpe, der Kloss. et 
is alles iu'n klnmp 'efollen, es ist 
zu sa m menge fallen. 

klunz m. pl. klttnze, Kloss aus Mehl 
und Brotstücken.. Die aus Kar- 
toffeln werden gewöhnlich hd Kar- 
toff elklösse genannt. 

klunzkanken ni. flacher Kuchen au.9 
Klossteig. 

klutenpedder w. veräehtliche Jkxeich- 
ming des Landwirts. 

knabbeln sw. v. an harten Dingen 
nagen. 

knacks, hei hett en knacks we;;, er 
hat sich, meist durch schwere Arbeit, 
ein körperliches Leiden zugexogeii. 

knackstebbel m. Schelte. [B] 

knackstebbelig adj. [B.\ 

knaekwoi*scht f. geräucherte Mettwurst 
mit dünner (kna>ckender) Schale. 

knackworschtpanzen m. so schalten 
„Münzenbei'ger^^ die Bürgerkinder. 

knaggren m. ein als Portion übermässig 
grosses Stück Brot, Fleisch (engl. 
knagj. [G.] 

knakschaellg, mager, nicht sonderlich, 
elend. Es stieltet k. mit dem Es.sen 
aus, wenn der Ti.sch mager besetzt 
ist; mit der Kleidung, wenn sie 
nicht sonderlich ist. [G.] 

knappe, kaum. [G.] 



knapphaiLS m, der Marketender y Sol- 

datenwirt, 
knaster m. ein alter Knaster, ein alter 

Mann von harter Natur fs. Brem. 

Wh. lly 820). 
knütern, sw. v einen knarrenden Ton 

von sich gehen. 
knattl m ein Knäuel. [B.] 
knautschen sw. v. zerdrücken. 
knesebeck, Einfaltspinsel mit einer 

langsamen gedehnten weibischen 

Sprache. [G.] v. Knesebeck Fa- 

niiliennanie. 
kniekebein. 1) einer, der mit hiimmen 

Knieen geht; 2) ein Likör mit 
. einem Eigelb. 
knift 8. schlechtes stumpfes Messer. 

\G.] 
Knipperdolink. hei is en Ku., ein 

(icizfials; mit Anlehnung an den 

Namen des bekannten Wiedertäufers. 
k nippern sw. v. Der Verkäufer knippert, 

wenn er row der zu wiegenden Ware 

immer noch etwas davon nimmt. 

Davon das adj. 
knipperigr, übermässig s])arsa?n. 
knippkilekeu, Schnellkugeln s. kilekeu. 
knip§en, gewöhnliclter äfknipsen, ab- 

xwacken, abziehen. Der (reiz ige 

knipst don Annen gern noch etwas 

vom Brote ab. [G.] 
knirps 7W. ein kleiner, zwerghafter 

Mensch. 
kniwel m. ein derbes Stück (Brot). 
knobbe fr. Eifie Art Pfennigsbrötchen 

j'on Mittelmehl. \G.] 
knören sw. v. 1) verdrie^sslich brummen; 

2) zerkniltei-n. [//] 
knSrensc'hild m. einer, der immer vci'- 

dricsslich ist. 
knnbbeln, z. B. am Brote, kleine 

Stückchen davon abbrechen; auch 

knanbeln. [B.] 
knulTen, mit der Fau.st seh läget i. [G.] 
kiiillle adj. betrunken. 
knnrzel //*. ein zwerghaffer Mensch. 
knurzeUfh adj. zwerghaft. 
kunst m. 1) drückt dasselbe wie knaggen 

aus; 2) Kantenstück vom Brote. [G.\ 
knfltssehen sw. v. Drücken und Lieb- 
kosen der Lieheslctite. 



knntten m. 1) Knoten; 2) kleiner 
Metisch. 

kntttten sw. v stricken. [B] 

koddelwttsche, koddenTSsche f kleine 
Wäsche, 

kodderigr adj. hei het 'ue kodderige 
seil nute, ein ungewaschenes Maul, 

koddem auch koddeln , vei'ächtlich. Eine 
kleine schlechte Wäsche anstellen, 
obenhin auswa-^chen. [G.] 

koersch, lekkerhaß, wer viele Gerichte 
nicht essen mag. [G.] 

kolTent. 1) Dünnbier (über die Ab- 
leitung s, Schambach S. 110). 
2) Volksbezeichnung der Strasse 
Couvent. hei wont iu Koffeute. 

kohrdam //., ein Gefängnis auf dem 
alten Rathause, das strengste für 
schwere Verbrechet' . Jetxt ver- 
.*ichwunden, schon früh als Cargdon 
erwähnt. [B.] 

koken, sich übergeben. [G.] 

kl$nif?sbrelhan m. ein stark eingebrautc^ 
Weissbier. 

kokein sw. v. mit dem Feuer spielen. 

köi m. der Kohl, dat mäkt den köl 
nich fett, das trägt nichts zur Be- 
förderung der SacJie bei. 

kölen sw. v. Unsinn reden. 

kolett n. einem aufs kolett steigen. 
[B.] 

königskerze f die Nachtkerze (ver- 
bascnm thapsus). 

köplfide pl. Verkäufer und Käufer. 
fördern uu beiden mäkt koplüde, 
durch fordern und bieten kommt 
ein Kauf zustande. 

kopp m. der Kopf. Redensarten: dat 
geit kopp unner, kopp äwwer, das 
geht toll her. — hei hett sinen kopp 
vor sek, er hat seinen eignen Willen. 
— hei rennt as wenn en de kopp 
brennt. — watt^n nich in kopp hett 
mott'n iu den beinen hebben, wenn 
man etwas vergisst, muss man den 
Weg xwcimal macJien. — wenn 
einer dumm wert, wert hei in'n koppe 
tauerst dumm. 

koppheister Htän, auf dem Kopfe stehen. 

koppiseh ist ein Pferd, das den Kolirr 
hat; auch von einem eigensinnigen 
Menschen gebraucht. 



koppsttlte f. Sähe aus Schweinskopf, 

körferken n. Schelte für einen 
schjnutxigen Menschen. 

kort nn kleiu. ek bin kort an klein, 
ganz erynaUet. 

kortköppsch adj. knrzköpßg, kurz an- 
gebunden. 

koschäle f. Kalte Schale aus Braun- 
hier. 

kossäte m. Be^itxcr eines Kothofes. 

köte f eine aus Birkenstämmen für 
die Holzhauer im Walde hergestellte 
Hütte, 

kövrisch, koebiscli, schwindsüchtig. 
Von Tieren, vorzüglich von Schafen. 
\0.] 

krabäten pl. kleine Kvider. 

krabbe s. kleiiies Kind. [O.] 

kraeke f. ein schlechtes abgetriebenes 
Pferd. 

ki*aeteeheln bezeichnet eine unregel- 
massige Bewegung der Beine beim. 
Gehen, die aus der Schwäche des 
Fussgelenks entsteht. Sih wie hei 
krÄtschelt. Krätschelbeine. [G.] 

krakeilen, zanken. [G.] 

krall adj. munter, lebhaft, dat kint 
hett sau kralle ogen. 

kramen sw. v. hei krämt met er, er 
hat unerlaubten geschlechtlichen 
Verkehr mit ihr. 

kränewäken sw. v. sivh in einem Zu- 
stande zwisclicn Schlafen mid 
Wachen befinden (Krbl. XIV, 81, 
XV, 7, XVI, 13). 

kraspeln sw. v. ein leises Geräusch 
machen wie Mäuse. 

krätseh m. oller kr., wertlose Sachen. 

krauss m. der Knig. en krauss beir. 

krauter m. (hd.) ein seltsamer Mensch, 

krawali m. Lärm, der von einer 
grossen Menschenmenge veranlasst 
wird, krawall maken. 

krawelmäs f. die Maus in der Kinder- 
sprache. Die Mütter oder Wärter- 
innen setzen die geynr,iztcn Finger 
der rechten Hand einen vor den 
anderen und berühren mit dem 
kleinen Fmger das Kiml, indem sie 
dabei sprechen: „Jetzt kommt 'ne 
kleine Krawelmaus in (Fritzen, Karleu) 
sein Hans." 



krebbeln pl. Das Kribbeln in den 
Fingern und Zehen beim FVo,st. 
ek hebbe de krebbeln in den fönten. 

krebsseheren (hd.) n^nnt man in Qu. 
von Frost gerötete Hände. 

kreihnoge n. (hd. Krähenauge) Hühner- 
auge, Hautverhürtung am Fusse. 

kreike f. kleine blaue Pflaume, 
Frucht von prnnns insititia, Pferde- 
pflaume. [B.] Man ey- zählte fol- 
gefides Döntjen: Ein Vater geht 
nachts tnit seinem Sohne aus, um 
Pflaumen zu kleppen. Der Sohn, 
der auf den Baum gestiegen ist, 
fragt plötzlich: »Vader, hebben de 
kreiken ok sess beine?* Der Valei': 
„Nein, min souel" Der Sohn: „Denn 
hebbe ek waraftig en schitkäwer 
gefr^ten!" 

krekeltfr m. xünkisclier Mensch. 

krempei m. altes Gerumpel. 

krempstäwvrel, krempelstäwwel, hohe 
Stiefel zum „aufkrempen", 

krengei m. gehackener Kringel. 

krepiren, ärgern, dat hett en krepirt. 

kreppein, sek kreppeln, sich zerarbeiten. 

[^•] . , . 

sek sau lienkreppeln, suli mühsam 
durchs Leben schlagen. 

kreuzfidel un puppenlustig drückt den 
Zustand grosser HeiterJceit a«*.v. 

kr^wet m. der Krebs. 

kribbelieh, zornig. \G.] 

kribbelkop, einer, der leicht zornig 
wird, [6r.] Von den vier Haupt- 
lehrern der Bürgerschule ging fol- 
gender Vei's, der auch von Bos,sc 
citiert ivird: 

Herr Thieme ist ein guier Mann. 
Ileir Kleinert, der geht auch noch an. 
Herr Scharfe i.9t ein Kribbelkopp. 
Hen- Mahleke hängt de Jungcns op. 

kribbelkSpseh adj. leicht zu erzürncti, 
lornig. [G.] 

kribbeln, zornig sein. [G.] 

krieke f InstrumoU zum Umrühren. 
[B.] musskrieke. 

krickelig adj. leicht erregbar. 

krieken um obenstele, krause Schrift- 
züge. 

krille adj. munter, lebhaft. Wenn 
jemand eine Krankheit überstanden 



hat, fragt man Um: „Eiste wedder 
krilleV' 

krimeltfite /*. DiUe mit Abfällen von 
Kuchen f die um ein Billiges von 
den j, Zuckerbäckern*^ an Kinder 
verkauft wurden. 

kHmelzacker m. Streuzucker. 

krimen sw. v. bezeichnet eine kitzelnde 
Empßndung in der Nase beim 
Genuss von Meerrettig oder Bier, 
das viel Kohlensäure enthält. 

krimi^ ist x. B. auch alter Käse. 

krlmskrams, altes durcheinander ge- 
worfenes Geiiimpel. 

krippenseiter 7«. ein Pferd, da^ die 
Vorderxähne an die Krijrpe setzt 
und daran zu nagen scheint. 

kripe m. bi'n kripse krigen, beim 
Kopfe (als Sitz des Verstandes, grips^ 
fießimen. 

krisehen sw. v. kreischen, laut schreien. 

krissein sw. v. das Selterswasser 
kris.selt in der Nase. 

kiistklnt n. wat hett dek denn dat 
kristkint broclit? 

kiistmette f der avi Weihnachtsmorgen 
in der Schlosskircfie abgehaltene 
Frühgottesdienst. 

kii^nrelii un wlwweln sw. v. von leb- 
hafter Bewegung, z. B. in einem 
Ameisenhaufen gesagt. 

krizdom m. (rbamuus catbartica L.) 
Auch in Quedlinburg glaubte das 
Volk, dciss der Kreuxdorn wegen 
der kreuzfijrtnigen Stellung seiner 
Dornen gegen Zahnweh schütze. 
Vgl. IVuttke, Deutscher Volksa bergt. 

krize n, Teil des Köipers xu Ende 
des llürkens. niek deit dat krize 
wei. ach du uiin krize! Ansinif. 

krönsbere f. die JVeissclbeere. vacci- 
nium vitis idaea. (Von krön, Kranich, 
weil sie von diesem Vogel gern 
gefressen wird.) 

kröp «. bloss in der einfaclirn Zahl 
gebräuchlkh, aber zugleich in kollek- 
tiver Bedeutung. Ileisst alle Arten 
von Vieh. Von diesem gebraucht 
.^chliesst es alHnal ein gewisses 
Wohlwollen in sich und wird hanpf- 
sächlich bei Bedauerung derselben 



gebraucht. Dat krop kann nich fürt, 
das arme Tier kann nicht fort. 
Dat krop bet nocb nischt efreten d. i. 
die artnen Tieie haben noch nicht 
gefressen. Von Menschen gebraucht, 
ist es allemal beschimpfend und ent- 
spricht ziemlich dem Pack. Am 
häufigsten sagt man dort ahrme krop, 
das arme 'Her! oder wenns mehrei'e 
sind: die ar^nen Tiere. [Gr.] 

kroppdorren, Hunger leiden. Der 
Ausdruck ist wie leicht zu sehen 
vom Federvieh hergenommen. [G.\ 

kröppen sw. v. das Stutzen der Weiden. 

kröpper w. die Kropftaube. 

kröptttch n. scherzluifte Bezeichnung 
kleiner Kinder. 

kross, kross, hart und braun gebacken. 

kmke f. Krug mit weiter Öffnung. 

krampen, z. B. Tuch einlaufen, d. i. 
eingehen lassen. [Ö.] 

kranken, krunksen sclijv. v. übei' Un- 
wohlsein klagen. 

krüpbone f nicht rankende Busch- 
bohne. 

krfipen, krieclien. \ G.] 

krapig adj. niedrig, von Bäumen, in 
denen man nicht aufrecht gehen 
kann. 

krap nnner, krfip nnner, de irelt Is dl 
gnunm! „Stirb nur, man gibt auf 
dich nichts mehi;.*' Aiwh für 
Quedlinburg gilt die Bemerkung 
Danneils S. llf): Dies Sprichwort 
hat bei uns nicht die Bedeutung 
7vic in Hamburg, sondern wird nur 
beim Tändeln mit kleinen Kindern 
gebraucht, die im Bette liegen und 
gern die Bettdecke von sich stossen 
oder die im Spiele sich das Gesicht 
verhüllen und die Hülle rasch 
wieder abnehmen (s. Krbl. XXII, 
SS). 

krasedulle f. gekräuselter Halskragcn. 

krusemirlgr adj. u. adv. übel aussehend, 
un in frieden. 

krttsel, krisel vi. kleine Öllampe aus 
Blech (s. Krbl. XXH 60, 67 f., 
83, DG). 

knLskop, eig. Kranskopf, der leicht 
zoiiiig wird. [G.] 

kuffe w. altes ban fälliges Hau.'<. [G.\ 



8 



kühle w. Loch, Vertiefung, Grube. 
Dimin. kühleken, Gnihcheyi x. E. 
im Ki7in. ankahlen, »ich anlegen 
an den Busen der WärteHn. sek 
inkühleken, sich so recht in die Ver- 
tiefung des Bettes legen und wann 
zudecken. Sandkuhle, Schinder- 
hihle, Lehmkuhle. [G.] 

kujeniren frz. coionner, schereii, ärgern. 
Süp-Spät, ei7ie bekannte Persönlich- 
keit, hörte ich xu einigen Kauf- 
mannslehrlingen, die ihn verhöhnten, 
sagen: „Verfluchten Titjendreiers, 
Luruppenpennig, wat f^llt jüch denn 
in, en erlichen berger tau kujeniren." 

ki^öu m. Schurke. [B.\ 

kulk, kolk m. die tiefe Stelle des 
Wassers vor den Mühlenrädern. 

kulpeu sw. V. schlafen. 

kulplg adj. schläferig. [B.] 

kalqaappe f. der Frosch int LaiTcn- 
zustande. 

kum mit! der Ruf der Eule ak Toten- 
vogel; auch der Vogel selbst wird 
so genannt. 

kiuikelttrsche f. ein Frauenzimmer, 
das gern kunkelt. 

kunkelfuse f. vgl. D. Wb. .7, 2650. ^ 'on 
meiner Mutter habe ich folge fides 
Döntjen: Et sat ne üle op unser 
oberöberder. De plira-plöra-plüsterte 
sek ser. Da kam de plira-plura- 
plinnenslyger un slög se op eren 
platfaut. *Hm', segg* de üle, kann 
ick 'n hir nich sitten un lusen mine 
fitten? ek sitte jo nich up dinen 
huse un luse mine kunkelfuse. 
Dies gabßn Kinder einander als 
schwere Sprechübung auf. Es 
mus.ste- sehr schnell gesprochen 
werden. Wer sich ver.sjrrach, niussie 
ein Pfciud geben. 

kniikelfiisigen, Betrügereien, Vorspiegel- 
ungen. [G.] 

kiiiikelie f. das heimliche Verkaufen 
und Vertauschen von Sachen. 

kuiikeln sw. v. Immlich verkaufen oder 
vertauschen (besonders von Frauen 
und Kindern). 

kiiiiterbuut. 1) giellbunt. 2) ni über- 
tragener Bedeutung da geit et kunter- 
bunt (unordentlich) tau. 



kuppiiiiige /*. der Kuppenmagen, grosse 
Botmirst. [B.] 

karsehmied 7n. Tierarzt. [B.] 

kuse f. der Backenzahn, sek ne kuse 
trecken laten, sich einen Backen- 
xahn ausziehen hissen. 

küz m. die xu einem „NesV* am 
Hinterkopfe aufgesteckten Haar- 
flechten, 

kuzen sw. v. vgl. änlnchten. küze dek 
an ! lege deinen Kopf an ! sagt die 
Wärterin zum Kinde. 

läbrtm, Titel eines langschenklichfen 
trägen Menschen [G.\ gewöhnlich 
langer Laban (nach detn biblischen 
Jjoban). 

lade f. die Truhe, in welcher die 
Hand wer Jcerifinungen ihre Satzungen 
u. a. aufbewahrten. 

lälatsch m. ein grosser, träger Me fisch. 

laiid n. das Land im Gegensatz zur 
Stadt, god's wort von lanne^ der 
Landp-ediger. 

lüngelang adj. ausgestreckt. 

lünkschen (ae wie e) vermutlich von 
langsam, träge in Handlungen, [(i\\ 

läppen sw. v. schlurfen, melk läppen. 

late, spät. [G.] 

lätnehen ])l. ausgetretene Schuhe, Pan- 
toffeln. 

latschig. 1) lauwarm von dsr Sonnen- 
hitze, bloss von flüssigen Sachen, 
Wein, Bier etc. 2) schlaff. P>) träge 
in Handlung, schleppend im Gange. 

lö.l 

leekarsch m. grobes ScheUivcni. f on 

einem eingebildeten Mensche fi sagt 

ynan: hei denkt, leckarsch - is sin 

Vetter. 
leddeni, jemanden mit dem Balle im 

Ballspiele treffen. \ G. ] 
leifmiinnig, schmeirJielhaft. \ G. ] 
leig, kränklich, abgezehrt, matt. [G.\ 
leppel m. der Löffel, ek hebbe et sau 

dick as wenn ek et met leppeln geten 

harre. 
leppelarften. Löffelerbsen (Suppe aus 

trockenen f nicht enthülsten Erbsen}. 
lep|>elstel. Kinderreim. ' Lirum, larum, 

leppelstel, olle wiver fr^teu vel. 
lep|)ci'schuldeu j;/. kleine Sf-huldcn, 

et leppert sek tausameu. 



9 



lese iv,, auch les (e = ae) s, (im 
engl. lace). Sehlusaband mn Heimle- 
ännel xmn Zuknöpf mi, {Q.\ 

lewedäire pl. all min lewedage, mein 
ganzes Leben. 

leweii 7i. Leben. Ausruf des Er- 
ütaunen-s: herr du mines lewens! 

liehtbnden m. der Braten, weklier den 
Handwerksgesellen beim Beginn der 
Arbeit j,bei Lichte'^ vom Meister 
rorgeset x t wurde. 

liehterkrone f ein Kronleuchter au^ 
lUech, der früher, als der Weih- 
nachtsbaum noch nicht allgemein 
Eingang gefunden hatte, in den 
Bürgerhäusern am Weihnachtsabend 
angezündet wurde. 

llnnew^wer m. der Leinweber. Sprw. 
der linnew^wer seggt: kack op't 
enne = respice finem. 

lite f. Name einer Anhöhe bei Wed- 
dersleben. 

lob s. ein Haufen, Menge, en Lob 
Nateln, eine Menge Naileln. [Q.] 

lobbe f. grosser Hund. 

loeken. Zu Hunden sagt mayi dodo 
dodo; XU Katxen Miz, Hühnern 
Pütt Patt; Oäyisen Till und Halle 
Hülle; Enten vit vit; Schweinen 
kuflf kuff; Ziegen Hippel Hippel. 

loddern, müssig herumgehen. Die 
Kleidu7ig loddert, wenn sie nach- 
lässig am Körper hängt. [G.\ 

Uffelgarde (hd.J. Mein Grossvater 
nriählte, dass man in der „Fran- 
xosenzeit*^ eine Trujype französischer 
Soldat€?i, die den Löffel im Knopf- 
loch getragen, so ge^iannt habe. 

lohm, feucht. [G.] 

löks m. Faulpelz, Tagedieb. 

löiKch adj. den Trieb der Begattung 
empfinde ful. (Von Hunden^) 

lork m. und n. 1) Kröte. 2) ein 
Jdeiner schwächlicher Mensch, im 
verächtlichen Simi. [G.] Redens- 
arten: 1) hei freit sek as en lork. 
2) hei meint hei hett en lork an'n 
stricke, er glaubt eine gi'osse Er- 
rungenschaft gemacht zu haben. 

luderjäii m. ein lüderlicher Mensch. 

lulTe f. Gebäck aus Schwarzmehl. 



luftsehauster m. Schelte für den Schuh- 
macher. 

lulel, n. lüderlicher Mensch. 

luleien s^v. v. hej'utnbummeln. 

lullen sw. v. Juirtien (in der Kinder- 
sprache). 

Inmieh m. ein Mensch^ dem man nicht 
traut. 

lummerleh adj. nachlässig. 

lumpenpuster m. Scheltwort. 

lungern. Eine Saclie mit Begierde 
sie XU liaben ansehen. Haupt- 
sächlich essbare Sachen. Hei hinge rt 
ob de Worst. Ek hingere ob greine 
Arften, ich möchte gern grüne 
Erbsen. {G.\ 

lunte raken, etwas merken. 

Luribam ?n. Diesen Titel erlialten 
einige Sachen, die in ihrer Art 
schlecht sind, z. B. Branntwein, 
Tabak. [ G.] 

Ifirlbam, ein lotteriger Mensch (wohl 
dasselbe Wort wie oben). 

lür up'n pennig m. Krämer. Ein 
Hirte soll zu seinem Sohne gesagt 
habefi: »Sllh, wenne nich wist pipeii 
an klappen leren, denn lat ek dek 
werden so'n stach indedör, so'n Inrup'n- 
pennig allen lüden tau schirap an 
schanne." 

luseknlcker m. scherzhafte Bezeichnung 
des Daumens. 

iusewenzel m. Schelte. 

lütt, klein, en lütten mattier. 

Lutterie w. Der noch jnit vielem 
Wasser vermischte Spiritus der 
beim Branntweinbrennen durch das 
erste Abziehen erhalteri wird. \G.] 

lutt€rwat-er, schlechter BrannUreiu. 
[0.\ 

maddern sw. v. mit den Händen im 
modder (Scldamm) wühlen. 

Madeborg, Volksbezeichnung für Magde- 
burg. 

niUhren, 7nit den Händen worin 
herumwühlen, mähi en durcheinander 
d. i. vermischen. Man mälirt /'/// 
Sprechen j tvenn man alles durch- 
einander wirft. \U.\ 

inUhile f. Gemisch, dat's ue hübsche 
mährte d. h. das ist eine hübsche 
Affaire, Geschichte. [G.\ (Miäke 




10 



doch nich sau'ne märte, solch (fe- 
schwäix.) 

maien pl. junge Birken^ die xu Pfing- 
sten vor die Häuser gestellt werden. 

maikatze (hd.), 1) die im Mai ge- 
borene Katze, 2) die Pei^san, tvelche 
man am 1. Mai in ähnlicher Weise 
neckt wie den Aprilnarren. 

niaikäwer m. Die Kinder singen: 
maikäwer flieg, din vader is inn krig, 
dine moder is in Pommerland, Pom- 
merlaud is afgebrannt, maikäwer 
flieg! 

maikrabbel m. der Maikäfer. 

iiialregen m. hilft zum WacJisen. 

mttkelig adj. wählerisch, mäkelig ist 
der, welcher an allem etwas aus- 
zusetzen liat. 

mäkeln, lange und unnötig worüber 
sprechen, tadeln, vot'zügl. beim Ein- 
kauf von Waren. [G.] 

mttkeii n. 1) das Mädchen. 2) die 
Dienstmagd. 

malleren sw. v. dat is mek mallert, 
damit habe ich Unglück gehabt. 

maltld, proste mältid! der gewöhnlicJie 
Mittagsgruss. Wer nich kumt ter 
rechten tid, der is der maltld quit. 

man, mans adv. nur. 

mänblHdeken n. Mohnblatt, sau dünne 
wi eu manblädeken. Auch ein dünnes 
Butter- oder Schmalzbrot wurde 
ein manblädeken genannt. 

mangel f. 1) die Zcugi'olk. 2) eine 
kleinere Rolle zum Aufrollen des 
Kuchen."^ und der Nudeln. 

mangeln sw. v, mit der Mangel auf- 
rollen. 

mank, mang, unter, zwischen. Ohne 
Zweifel ein gutes altdeutsches Wort, 
denn es ist auch im Engl., tvo 
among eben die Bedeutung hat 
[ G.] hei is immer midden mank, 
d. h. wo eine Lustbarkeit statt- 
/ifulct. 

mank f. frz. la mauque. [G \ 

nmnken frz. manquer. \ G.] 

maus, nur, bloss. ek bebbe maus 
4 breuder. \G.\ 

muns san, aus Sclicrz, Spass. Ek 
dat maus sau, ich tat c.s nur so 
aus Scher A. 1 ^r. 1 



mannzen m. Mannsperson. 

mansehen, mantsehen, sich mit nasse fi 
Sachen abgeben. [O.] 

manschetten pl. lieber dieses Wort 
lief folgender derbe Schei'z um : 
Ein Bauernjunge, der die städtische 
Schule besucht, spricht seinem Vater 
den Wunsch aus: Och, wenn ik 
doch manschetten harre. Der Vater: 
denn schitt doch. 

manschetten hebben, sich fürchten. 

mantel f. (wie mnd.J, de?- Frauen- 
mantel, in de?n die Kinder ge- 
tragen werden; auch kindermantel 
genannt. 

mantscherie, Beschäftigung mit nassen 
Sachen. [G.] 

marks n. das Mark, hei hett marks 
in den knoken, er ist kräftig. 

nmrktmeister (hd.) der Stadtbediente y 
welcher die Aufsicht über den 
Wochenynarkt hatte; er war zu- 
gleich Rathau^Icastellan (Bo.s.^r 
S. 158). 

marmel m. pl. marmeln. Schnell- 
kugel, nicht wie die kileken aus 
Ton, sondern aus Marrnoi' oder 
Alabaster. 

marren, weinen. [G.] 

marrig, weinerlich. [G.\ 

märt 7n. der AI]), Nachtalb, der nach 
dem Volksglauben die Menschen im 
Schlafe dyiickt. 

marte f. der Marder, ' Hau&mardcr, 
mustela foina. 

martenshorn n. ein Gebäck in Ifalb- 
mondform. Martin^häimer durften 
früher am 10. November in keinem 
Quedlinburger Hause fehlen. 

materie f. der Eiter. 

mntfai frz. ein Flauschmantel (Bosse 
S. 40S). 

matschweder n. Schmutxtvctlei'. 

matthaeke f. der Feigliyig. /"hacke 
scheint aus hd. hache, Bursche , 
Kerl, entstellt.) 

mattier m. kkine^s (braunschweigischcs) 
Silberstück im Werte von 4 Pfen- 
nigen. Die Kinder sangen früher: 
,en drier, eu drier, en lütten mat- 
tier!« 

matzkese, auch kesematz, Quark/Uisr. 



11 



mau adj. fhochdj mürbe. 

maoen weinen \G.] (eigentl. miauen 

uic junge Katxen). 
mauig weinerlich. \G.] 
mauke /l Ftissgeschwulst der Pferde. 
Auch V071 einem Menschen, der die 
Fu.ssgichl hat, sagt man im Scherxe: 
bei hett de manke. 
mauren, Mohrrüben, auch Möhre. [G.] 
maus n. Pflaumen- oder Zwetschen- 
fuus. Ein Herbergs^:ater stellte 
an die Gesellen, wenn sie etwas 
^H essen forderten, die Frage: 
jHebben, bebben, min sone? botter, 
8chmalt, maus? 
medspennigr w. das Haridgeld (gewöhn- 
lich ein Taler), welches das Ge- 
sinde beim Abschluss eines Miets- 
lertrages erhält. 
XeUhom. Bedensar t: Dat's en anner 

körn, se^gt Meblborn! 
melsterei f das Gehöft des Abdeckers, 
Schinders. Dieser wurde früher 
roeister Hans gefiannt. 
mese f. cunnus. 

messenke m. „Messeuken d. h. Mistenken 
hiessen in Quedlinburg die jüngsten 
Ackerknechte der Ökonomen, weil 
i^ie den Mist auf den Acker x^i 
faJiren hatten.'' (Bosse S. 719). 
mett n. das zur Mettururst bestimmte 

Fleisch, 
meade adj. müde, ek bin meude, ma- 
rode, matt an krank uu en betjen 
fttl dermank. 
measehen, misclien. \G.] 
mickeufett n. wurde im Schcrx. zum 
Einreiben schmerzender Glieder 
nnpfohlen. 
niiekerig, sehr klein, bes. von unleser- 
licher Schrift. 
uiihen, mühen, jt>mc/^^ bemihen. \G.] 
mlhaente f Ameise. \G.\ Zu und. 
migeu harnen. Weil dieses Wort 
ausser Gebrauch kam, sagte man 
nnch Piss-miänte. Die Bexeichnung 
kommt von der falschen Voi'stelbmg, 
tcelche man vom Biss der Ameise 
hat. 
iullheiser, eine gute, ältere Art weis.sa- 
Sjicisckartoffeln. (Krbl XX, 14.) 



iiiiller m. ein Maikäfer mit weiss- 
lichem Schilde. 

niilm m. alles was durch Veivnodern 
in Staub xerfällt, x. B. faules 
Höh. 

mindäge nieh, nimmermehr, niemals. 

mlnigrt, der, die, das Mein ige. dat 
minigte, 7nein Hab und Gut. 

minsehenmä^llch. is dat minschen- 
m&glich? kann so etwas überhaupt 
geschehen ? 

minschheit f. Menschenmenge, et was 
ne (grote) minscbheit da. 

mist m. Nebel (engl. mhx). [G.^ 

mistig neblicht. \G.\ 

mistküle f. die Düngergi'ube. 

mitschmSdennasN (hd.) ganx nass, 
feucht wie eine Made. 

mize f. weibliche Katze. [G.\ 

mizekatze f (hd.) die Katxe in der 
Kindersprache. 

modder m. Schlamin in stehendem 
oder lafigsam fliessendem Wasser. 

modderig adj. schlammig, uwein (vom 
Wasser). 

molle f. die Mulde. Et r^cjent met 
mollen sagt 7nan bei einem Platz- 
regen. 

möl adj. wird von überreifem Obste 
gesagt, das dem Faulen nahe ist. 
Mispeln werden nur in diesem Zu- 
stande gegessen. 

mtf lenkulk s. kulk. 

moppe f. die Ohrfeige, du krigst eu 
pär moppen. 

sek mopsen sw. v. unzufrieden .sein, 
maiilen. 

mör (M.) dentscfie Umbildung von 
moire, engl, mohaire, gewässerter, 
.schwerer Seidenstoff. Davon: die 
mörschürze. 

mörensaft 7n. wurde aufs Brot ge- 
strichen (Bosse S. 2.93), je,l\t durch 
den Saft der Zuckerrübe ersctxt. 

morgen m. ein Acker stück von be- 
stimmter Grfj.s.se, die L*e(len.sftr/: 
„auf die hundert morgen kumiueii" 
im Sinne von ,,xu Grunde gehen', 
tvei.ss ich nicht mit Sicherheit xn 
erklären. 

mui'heln, Inmuelieln, einhüllen \(j.\ 



12 



mucken jü. grillenhafte Kinfalk, 
Lau7ien, von Menschen und Tieren. 
dat p^rt hett sine mucken. 

mucken sw. v. sich durch Laut und 
Geberde widersetzen, aufmucken. 

mudde /*. dicker Schlamm, 

muddeln sw. v. das Gesicht ivaschen. 
(£k mntle Mahlen, Näss un Agen 
mit frischem Water uich met lagen. 
Wahrgilt, eine Tentsche Schäfferey. 
Göttingen drnckts Jastus Nihtmann 
1672 S. 44). 

mfietmester m. der Maurertneister. 

muffig ist das Bier, wenn die Flasche 
vor dem Füllen nicht gehöHg ge- 
spült war, vom Menschen bedeutet 
es unfreundlich in Gebärden und 
Wollen, Das davon gebildete Zeit- 
wort 

mulTen bedeutet immer unfreundlich 
sein, 

milkilsken n, die Muhkuh in der 
Kindersprache. Die Mütter oder 
I Värterinnen singen : 
Maküsken von Halberstadt, 
Bring doch unseu kinne wat. 
Wat sal ek em denn bringen? 
£n par schanh met ringen, 
£n par schanh mit golt beslagen; 
De sali nuse kinneken dragen. 
,Ja'^, rief eine Fleischers frau, die 
alte Steinbachen, aus Arger über 
den schönen Pfingstochsen eines 
Handwerksgenossen, „wenn se mal 
en stück ossenfleisch hebbeu, denn 
klappen se dorch de ganze Stadt ; 
aber wenn et heit: Muküsken von 
Halberstadt, denn schitt se der hunt 
wat!" 

muleii) maiden, nicht sjrrechen, weil 
man ungehalten auf janand ist. 

K'-l 

mülftil adj. schweigsam. 

mulschelle. 1) Ohrfeige. 2) eine Art 
Bu ttergchackenes. \G.\ 

mulsterig adj. uniufrieden. mulsterig 
ütseiu. 

murkelii su\ r. ^v>^^ Kindern gesagt y 
die kleine Tiere, wie Katxen und 
Hunde viel herumtragen und 
streicheln, wodurch sie oft au Tode 
gemurkelt werden. Vgl, Tieck, der 



Aufruhr in den Cevenneyi 2, ^(b- 
schnitt: „der . . . nimmt ihn (den 
Hund) gleich in die ArmCy sieht 
nach dem Fuss, verbindet und 
markelt sich mit dem Vieh herum /^ 

murksen sw. v, durcheinanderwühlen; 
davon das subst. 

murkserie f. 

murtgen, stehlen, wegstipitxen. [G.] 

murtjen n. das Kaninchen, überhaupt 
kleines Vieh, a^ch Ungeziefer. 

müs f. Maus, hei süt üt wl eu pott 
vull müse, er sieht aus wie ein 
Sauertopf. 

mnsehelie f. heimliche Durcfisteckerei. 

miischen n. Kosewort für die Katxe. 

mnsekettel n. Mäusedreck, 

muselig c^j. schlecht gewaschen, s. 
äfmuseln. 

mnsen, stehlen. \G.] 

mttsekenpiper, ein Mensch von albernem 
Ansehen y der's aber hinter den 
Ohren hat. [G,] 

musig, keck, dreist. \G.] mäke dek 
nich musig! 

sik musig maken, sich mehr heraus- 
rühmen als man sollte. | 6'.] 

musikant m. Wenn man an einen 
Stein stösst, pflegt man xu sagen: 
„Da liegt ein Mnsikant begraben !*" 

muskate f. Gewür^nuss, auch muskat- 
nuss. Sie wurde xur Würxe der 
Suppe bemdxt. Mein Lehrer Pfau 
pflegte häufig einen bekannten 
Spruch (s. M. Hcf/nes D. Wb. H 
H80) in folgender Form xu citieren : 
„Was nützt der knh muskate? Sie 
frisst nur baberstroh!" 

mutten liebben, trotzig sein. 

muttenkopp m. ein trotziger Men.srh. 

naelikr6[>eln (s. kröpeln). Wir wollen 
uns man aufmachen un sachten nach- 
kröpeln. W. Heimburg, Im JVasser- 
winkel S. (JOS. 

naclitwecliter ?«. ein über Nacht stelwn 
gebliebener Bierrest. 

nackedei m. ein nackendes Kind. 

nadelstfll ;;/. IVo' lügt, kommt in dir 
I Hölle auf den Nadelstuhl. 
' namiddäg vi. der Nachmittag : einen 
I saumseligen MenscJien nennt man 
I brauder Namiddäg. 



13 



NaphtnlfD met der flfatekappc, eiup. 
oft erwähnte Perfiihüirhknt. 

narrenspel n. Sprrhv\ : iiarrenspel 
will rüni hebben. 

niisewater m. ein naseweiser Mensch. 

niisewis adj naseweis, eu näsewiser 
wint, ein scharfer Wind. 

naaeh adv. genug. 

nawer m, der Nachbar. 

nawersehe f. die Nachbariyi. 

nebelkap|>e f. eine Frauemnütxe, die 
den gaincn Kopf einhüllt . 

neekel /*. Gebäck aus Weixenmehly 
paarweise xusammengereiht. 

neddertrechtigr. 1) nichtswürdig. 2) her- 
ablassend, leutselig. 

neften, immer mit wn, wo, verbunden, 
.V. wa. [G.] 

ne^aklaok adj. hd. ,,neumnalklug'^. 
So die geborene Quedlifiburgerin 
W, t\ Heimburg (Beria Behrens). 

iieixeln sw. v. .^eine Unxufried^^nheit 
äussern. 

neri^ adj. auf Erwerb bedacht, spar- 
sam. 

nest n. 1) ein kleiner Ort. Be- 
xeichnend für das Selbstgefühl der 
Quedlinburger sind die xornigen 
Worte eines Bürgers, als die Stadt 
mr weMfälisehen Zeit von einem in 
Blankenburg residierenden Unter- 
pmfekten abhängig war: „\\\ 
wollen dat nest köpen, da brnkeu 
wi nich raer hentogan!" 2) rund 
xusammengelegte Haarflechten am 
Hinterkopf (s. küz.) 

nestkiken w. das jüngste Kind der 
Familie. 

Xiekelmann m. der Wassergeist d^r 
Bode. 

Niekelmannshäre pl tverden lange 
Wassergewächse genannt. Man 
sagt den Kindern, dcuss sie der 
Xiekelmann daran ins Wasser 
liehe, wenn sie ihyn xu nahe 
koinmeii. 
nleren, begierig auf eine Speise, dana . 
bin eck recht nieren, dazu habe ich 
starken Appetit. [G] 
nlmmermersta^ f. anf den nimmer- 
mehrstag = ad calendas graecas. 



niinmeniiieht'eni adj. n. adr. mek is 
sau nimraernttchtern sagt man heim 
Gefühl des Hungers. 

niiMJ. 1) genmi hei sah nipe tau. 
2) Ein CM andern Sinn Imt es wenn 
man xu jemand sagt du sihst ja 
sau nipe ut und hat dann, wenn 
ich flicht irre, Beiug auf Mienen, 
Anstand oder Gemütslage, auch 
wohl Kleidung. [G.\ 

nipp 7n. ein Schläfchen. en nipp 
mäken. 

nippen sw. r. ein wenig schlummern. 

nitschen adj. u. adv. niedlich; nur 

von Kindern gebraucht, et süht 

sau nitschen üt. 
nö! uö! Ausjuf der Verwunderung. 

„NoI no! soll ich vielleicht du 

drüben Schon einen Platz für 

dich belegen?" J. JVolff, Till 

Eulenspiegel rediinvus 6. Aufl. 

S 1.91. 
n<k'keiig adj. seine Unxu friedenheil 

äussernd. 
n($ekern (gnöokern). Über alks seine 

IJnxufriedenheit äussern. 
nölen, langsam reden und hamieln. 

nöle nich sau d. i. fnache fort. [G.] 
nölig, langsam. \ G.\ 
nölpeter yn. ein Mensch, der über- 

mä.'isig langsam .spricht. 
nonnenferzclieu pl. kleine Küchelchen 

aus Hon igkuchenteich. 
noppen sw. v. das Zupfen der Wolle 

bei den Tuchmachern. 
nöten (sjyr. nö-äe-ten) n. Mädchen, 

bloss gemeine Mädcheii (ist 7nehr 

im Halberstädtischen gebräuchlich). 

[G.] 
nuckeln sw. v. saugen. 
uUeken pl. hei hett sine nUcken d. i. 

Launen. 
nulle (nille) s. die Harnröhre. 
nuppel, nnppelt, Schelte, besonders für 

iveibliche Personen. (Vg. nuppen, 

Eigensinn, ^iätrigkeit, Tücke. Vil- 

mar, Kurhess. Idiot. S. 287). 
nilschiren, niedseliieren^ neugierig. [ G. \ 
nusseln sw. r. undeutlich sjwechen. 

in den hart nusseln. 



14 



iiu1s4^1i VL kkimr Snvrjheulely fhr den 
Kuidn'u in den Mund grsiprki 
irirdy damit sie ruhig bleiben. 

«kle adj. u. adv. langweilig. 

ol?<5tze m. ein dummer ^ tölppUiafter 
Mensrh. da stan wi en olgotze. 

oldwiwersiimmer m. im Herbsfe um- 
fliegende Spinngewebe (s. Kluge, 
Efgwol. Wb. S. 12). 

ölle, der, der Vater, der Dienatheir, 

ollsehe, de, die Mutter^ die Frau des 
Dienstherren. 

opberen sw, v. aufheben. 

opbiirren, auffliegen. [G.] 

opdauii sw. V. (Speisen) aufgeben, an- 
richten, 

opdrög:en su). v. abmag&tm. 

sek opflien sw. v. sich aufputzen. 

opgr^wen, aufgeben der warmen Speiseöl. 

ophebben su\ v. verzehrt haben, ek 
hebbe mia eten a1 op 

opli^gren sw. V. aufheben, aufbeivahren. 

ophueken sw. v. aufladen. 

opkniipen,. sw. v. aufkniipfen, auftun. 
knöpe de ogen up. 

obkrateen, herausputzen. [G.] 

opgekratzt adj. u. adv. luMig. 

obkreien, sterben. [G.] 

opkrempen sw. v. den mitcren Teil der 
Ärmel oder Beinkleider umschlagen. 

opkrempeln, da.^selbe. 

opmangeln sw. v. (Kuchen) mit d&tn 
MangellwH glätten. 

opmutzen sw. v. einem etwas zum 
Vonvurf machen. 

opiiestelii sw. v. ein Gewand auf- 
schnüren, losmachen. 

opi*ebbeln sn), v. deu strnmp oprebbelu, 
den geMrirkten Strumpf in Fäden 
auflösen. 

sek opspelen sw. v. grosstun, prahlen. 

o|)st«rnätseh adj. hal.ssf-arrig, wider- 
seizlich. 

opstowem sw. v. in einem Ver.steck 
auffmlen. 

opstQken sw. v. aufstossen. 

obstuzzig, aufstiUzig und krank, de 
kau is mek obstüzzig 'eworn. Die 
Kuh Vit mir krank geworden. \G.] 

optranseln sw. v. (von Geweben) sich 
nuffasern. 



obti*ekkeii, au fliehen in die Höhe 

und auferüehen. [G.\ 
örensiQl r«. ein Polstprstuhl mit hohen 

Bacicenlehnefi. (W. Ileimbtirg. J. 

W. S. 173.) 
örratsebke f. der Ohrwuryn (foriicnla), 

V071 dem fnan glaubt, dass er mit 

seinen Zangen das Trofn?nelfell des 

Ohres zerreis.^e. 
önvonn m. der Ohrumrm. hei krümmt 

sek wi eu örworm wird von einem 

Menschen gesagt, der übermä.ssig 

freundlich üt. 
osslg grott, grob ivie, ein Ochse. 
osterwasser wurde in meiner Jugend 

auch in Qu. in der Netijahrsnachl 

um 12 Uhr aits der Bode geholt 

und ihm die Wirkung zugeschrieben, 

schön zu machen. 
pack in uii denn ge, scherzhafte Ent- 
stellung von Partikulier (lientner). 
pade m. Pate, Patin. Bd. dat sint 

dicke päden, intime Freunde. 
padde f Kröte. [G.\ 
paddeln siv. v. nicht kunstgemä^i.s 

schwimm e7i (zu padde?). 
imlten m. ein grosses Stück Brod, 

Fleisch u^^w. 
paltrock w. langet' Überzieher (s. Krbl. 

XXII, 60). 
pamps 7/1. dicker Brei. 
pampüsehen pl. Schlafschuh. 
pankerott speien, Bank&rott machen. 
Pänküble hiess eine tiefliegende Wi^sc 

an der Bode vor dem Bahnhofe 

(s. kühle). 
paiinekauken m. Pfannkuclien, Eiei- 

kuchen. 
pannemann rn. Feldhüter. 
panschen in nassen Sachen umher- 

wühlen. Im verächtlichen Siyme 

heisst es backen. [ G. \ 
panzen m. der Magen, Bauch. 
panzen pl. de panzen = die Kinder 

(gilt für gemein). S. Krbl. XXIV, 3U. 
päpe m in der VoUcsspi^ache auch der 

lutherische Prediger. Kinderreim: 
Preddige, preddige» pape 
Vou einen stttcke schape, 
You einen stücke muhkaa 
Un eu stücke brot datan. 
j pil|)eligr adj. ve^'xärfelt, weichlich. 



15 



|Ni|>|) in. dicker Brei. Sprechübung: 
Hans Franz Viel f rasa frass den ge- 
butterten, gezuckerten schlipp schlapp 
papp ab. 

pappen .sw. r. essen ( Kin(lersj)rnche) . 

liappstolTel m. ungehobelter Men.^ch, 

imrre /*. das Pfarrhaus, tau'r parre 
gan, dc7i KonfirmandenuntoTichi 
besuchen. 

I«rt n. Mietspartei, in mineu hüse 
wönen sess part. 

parten sie. v. eck will nischt met 
ene tau parten hebben, xu tun hcd)en. 

passig adj. gelegen, komm ek passig? 

patsehe, patsehhand f. Hand der 
Kinder, giff mek de patsche. 

patsehen sw. v. waten x. B. in der 
göte patschen. 

patt m. der Kopfgrind. 

pattkopp, grobes Scheltwort. 

panen, weinen. [ G ] 

imiiieh, weinerlich. [G.] 

petliern, jemandeti xusetzen, aufs 
LeAer gehen, herutpechern, heraus- 
treiben usw. [G.] 

pcchhtttte /. Bda.: warten bis an die 
Pechhütte. 

peddek m. 1) Binsenmark j Holunder- 
mark. 2) der Eiterpropfen in 
Geschtviiren, 

pekeblan adj. dunkelblau (blau wie 
Pech). hei is pekeblau eschlan; 
auch von der Farbe der Glisdei- 
bei Frost. 

pekedrät m. mit Pech bestrichener 
starker Zwirn, wie ihn die Schuh- 
macher xum Aufnähen der Sohle7i 
gebrauchen. 

pelle f. die dünne Haut von Kar- 
toffeln, Pflaumen u. a. einen up 
der pelle sitten wird besonde^\s von 
Kindej'n gesagt, welche Erwachsene 
beständig belästigen. 
pellen sw. r. schälen. 
pellkartafTel /*. die Kartoffel in der 

Schale. 
pepper m. der Pfeffer. 

peppernl^te pl. Pfeffernüs.se. 

perkop. Eine Art Strohhut, der an 
die Seiten des Kopfes anschliesst, 
bis an den Höh h-ei-untergehct, und 



vorn, über das Ge^sicht hinansslehet. 
[G.\ (S. Krbl XXUI, 25). 

PQrköp m. der Pferdekauf. Rda.: 
heiraten is kein p?rkop, d. h. es 
gehört mehr Ileberlegung xum Hei- 
raten als xum Ankauf eines Pferdes. 

pert n. das Pferd. Terbrvk den p^re 
den rüggen nicli! d. h. Hege nicht 
zu grosse Erwartungen von der 
Zukunft ! (S. Krbl. XVI, SD. 
XIX, 18 f) 

p^rworm m. der PferdeiJüunn. un- 
geschickt wi'n p^rworra. 

petersi^e f die Petersilie. Rda.: em 
is de petersilje verhagelt, seine 
Absichten sind vereitelt. Mach nicht 
so'n verhageltes petersiliengesicht. 
Heimburg, Wasserwinkel S. 55. 

pettern, mit Feuer spieleri. Anbrennen 
und wieder auslöschen als kifidische 
Unterhaltung. [ G.] 

pezze f. 1) der weibliche Hund. 2) in 
der Schülersprache ein Angeber. 

piekelhart adj. hart wie ein Bickel- 
stein. 

pike f. eine picke auf jem. haben ^ 
Groll gegen jem. liegen. 

Pimpel n. pr. Se deilt et in wi Pimpel 
de preddig wird von einer spar- 
samen Hausfrau gesagt. 

pimpelkese, da^ Mark des Käsekrautes 
(malva silvestris L.). 

pingesten, Pfingsten. Kindoiied: 
Wenn Ping'steu is, wenn Ping'sten is, 
Denn schlecht min vader en bock, 
Denn danzt mine moder, denn danzt 

mine moder, 
Denn krieg ek 'n uigen rock. 

pingestosse m. der Ochse, weklier, mit 
Blumenkräyixen geschmückt, am 
,,Pfingstheiligeahend*^ von den Flei- 
scJiern durch die Stadt geführt 
wurde. Auch Bexeichnung eines 
geschmacklos a ufgeputx ten Menschen . 

pinkeln sw. v. harnen. 

pinken sw. v. mit Hülfe von Stahl 
und Feuerstein Schwamm oder 
Zunder in Brand setzen. 

pinkepank m. der Schfnied. Man 
legt die beiden Fäuste, in deren 
einer mari eine Nuss verborgen 



16 



//////, iihoreinfuuhr, urrhseJf mrhr- 

imds ihre Slflluftf/ und spn'rhf: 
„Pinkepank der Schmidt i» krank. 
Wo soll er wohnen, 
Unten oder oben?" 

J)an7i lässt man raten ^ in welcher 

Hand sich die Xuss befindet. 
pinne. 1) Schuhnagel. 2) ein ^ hnpfer- 

liehen Frauen ximmcr olle piune. 
piniionsliiger vi. der Nageüschmidt. 
pinni^ adj. ximpferlieh. 
plp als Verhöhnung vor den Namen 

eines Frauen ximmcrs geset\t, ^. B. 

de Pipmeiersche, Pipungersche. 
pipen, eig, pfeifen, heissi auch hränJc- 

lich sein. [G.] 
pipendeckel. 1) der, Pfeifendeckel. 

2) Krischan Pipendeckel, eine oft 

erwähnte Person. 
pipenschmnrgrel m. Tabakslniihe im 

Pfeifenabguss. 
pi|>enstiirl m. der Pfeife nstoeher. 
pipjBressel f. ein gegen Kärperschmerz 

sehr empfindliches Kind. 
plphän m meinh'um virile. 
pipigr, kränklich. \ G.] Auch dünn: 

ue pipige stimme. 
pTpliiigs adv. gleicJisam durch eine 

liöhre (pipe) /liessend, in einem 

Strahl, dat water leip eu piplings 

nt den male. 
pii*en, durch Gebärden starken Appetit 

wonach blicken lassen [ G. \ besonders 

von Kindern gebraucht, die, we^Di 

Erwachsene essen, gierig danach 

sehen. 
pisacken siv. v. quälen. 
pisse f. Urin. 
pissen sw. r. IVin lassen. 
pissiM)tt ni. der Nacht top f. 
pladdern, verschütten, aber bloss nasse 

Sachen, bepladdern, be^schütten. | G.] 
plan VI. ein grobes Leintuch, Zelttuch. 
planschen sw. v. die Hände im Wasser 

herumbewegen. 
plänwagen m. ein mit einem plan 

überspa nnter Lastwagen. 
pläte f. Platte ans Eisenblech^ worauf 

Kuchen und anderes Gehä/'k xu- 

bereitet wird. 
plielie, plUche wird bloss \u kleinen 

Mädchen gesagt. Kleine Plüche 



wilde Plttche heis,^t etwa .so rid 
als kleines wildes Ding. [(L] 

plTtseli adj. (zusammen gerogen aus 
politisch) klug. 

plock m. 1) der Pflock. 2) ein kleiner 
dicker Mensch. 8) der Unterste auf 
einer Bank oder in dei' ganxen 
Klasse, hei is plock, sitt plock. 

plög VI. der Pflug, dat is sin wagen 
nn plog, das ist seine Lieblings- 
beschäftigung. 

plSterig adj. ärmlich (vgl. plBrig:, dünn, 
wäs.serig. Schambach S. hlTj. 

pliunpe f. der Brunnen. 

plum|)enheinier vi. scherzhafte Be- 
zeichnung des Wassers (vgl. gänse- 
wein). 

plumpsack m. ein Tuch mit einem 
Knoten, xum Anschlagen beim 
Spiele, wobei gesungen ivird: ,ydrehf 
euch nicht um! Der Plumpsack 
geht 'rumi'' 

piani|)sen sw. v. mit lau lein Geräusch 
fallen. der emmer is in't water 
plomst. 

pluuderbr^tzeln, Bretxeln aus Mürbe- 
teich ; wurden von den Bäckern am 
Grü ndonner.slag verkauft. 

plUnnen pl. Lumpen, schlechte Klei- 
dungsstücke (Krbl. XN, 26, :W}. 

pliuischen ,sw. v. die Hände im Wasser 
so bewegen, dass ein Laut (phmscli i 
hervorgelrracht ivird. 

pluss adj. wohlgenährt, i-und. 

plnsterbacken pl. dicke Backen. 

plasteni .sw. v. Vögel plustern sek, 
d. h. sie sträuben die Federn. 

poclen, tnit dem Schabeij^en die Haare 
von der Haiti herabstossen, \ G.\ 

|)oeinnieln, etwas mit wenigem Ernste 
betreiben. Pömmele nich sau, wemle 
Ernst dran. [G.] 

pötclien ;;/. die entblätterten Stengel 
der Akaxien. Mit die^sen schlugen 
die Kindei' einander auf die Hände 
tmd riefen: „Pötcheu versteken!** 

poltern siv. v. Geschin- entxwei werfen. 

pök m. ein kleiner Junge. 

polk, ein junges V^ — 1 jähriges Schwein. 



17 



IMikaseblilehter m. ein Fleisrher, der 

nirht banktmüisifjra Fleisch rerkaufl, 

fh'rbL XXIJ, 4n, .7/, 71.) 
polken, pnlkeii sw, v. etwas mit deji 

Nägeln auskratxen. in der nase 

polken. 
Itolseh, polnisch, in'n polschen bogen, 

.An Bausch und Bogen'^. (Krhl. 

XXJIJ, 37). 
|iol1«ni. 1) polterny Lärm machen. 

2} umher, im Wege liegen, din 

Tflg poltert alderwegen hemm. [G.] 
polt^rtüg n. collectiVy alte nichts mehr 

laugende Sacfien^ hauptsäehlich von 

Uolx, Stein und festen Materien. 

\ü.\ 

popel m. verdickter Nasenschleim. 

IwiieHeh adj. scliäbig in der Kleidung. 

IMipelu sek, sw. v. den popel mit den 
Fingern ausklauben. 

poscliineilenkasten m. das Kasperle- 
theater. 

posehlnelienk^rl wi. der Puppenspieler. 

pott m. Rda.: et is kein pott so 
sclieif, et ündt sek en deckel dnip 
(l. h. auch das hässlich.ste Mädclien 
findet einen Freier, hei wont iu'n 
ollen potte d. h. in der Altentop f- 
Strasse. 

pottblnder vi. der Topfbinder, welcher 
irdenes Geschirr mit Draht über- 
xieht. 

poUdeokel m. 1) der Topfdeckel. 
2i eine alte Mütxe oder ein alter 
Hut. 

pottJän m. Schelte, ein einfältiger 
Men.tch. 

pottkanken 7w. der Topfkuchen. 

iwttkneker m. Topf kucker, Spottname 
für einen Mann, der sich um 
Küchenangelegenheiten kümmert. 

poUIieker m. der Tellerlecker, Schnu- 
rotxer. 

pottsnse f. Sähe, die in einen Topf 
eingelegt ist. 

praehem sw. v. betteln, hesondei's von 
Kifidem gesagt, die inständig ii7n 
etwas bitten. 

praekeln, viel auch wohl unnötig 
worüber sprechen, vorzüglich beim 
Handeln. Ek hebbe recht praekeln 
motten ehr ek't kreg. Praekele mans 



nich san. Sprich nur nicht soviel 
davon. \ G. \ 

prätjen sw. ?;. viel schu-ntien (he- 
so7iders von Kinder7i). 

preschen sw. v. jagen, eilen. 

priehe, Kirchenloge. [G.] (S. Krhl. 
XXI, 87, XXII, 18, ß,y 

prieheii, stark und hörbar atmen. 
WoIübeUibte Personen dürfen kaum 
einige Schritte laufen, so prichen 
sie schon. [G.] (S. Krhl. XXL 
87, XXII 6.) 

prikke, 1) genau. EtwaJi prikke oder 
tau prikke wissen. 2) fl ei. seh ig, 
fett, von Tieren. [G.] 

prUleke f. pl. prilleken, Pfannkuclie.n. 

proekeniren sw. v. trotzig widersjn^echen. 

pröppeln sie. v. schmoren und braten 
(wohl von dem Ton der kochenden 
Speisen.) sei hett immer wat tan 
pröppeln. 

proppen m. 1) der Propfen. 2) eine 
kleine dicke Person. Pda.: np'n 
proppen ruken, das Nachsehn haben, 
leer ausgehen. 

prott m. der Trotz, Übermut, hebbe 
nich saunen prot, führe nicht das 
gros.se Wort! 

pr»we f. die Präbende. de pröwe 
hebben, in den Hosjntalen (St. 
Spiritus, S. Johannis u. a.) eine 
volle Stelle haben, mit der auch 
das Recht zum Empfange von 
Naturalien U7id Geld vei'bunden ist. 

pruddelich adj. unordentlich. 

pmddeln sw. v. unordentlich arbeiten. 

pniddler m. ein unordentlicher Ar- 
beiter. 

pmmmel m. ein kleines, dickes Ki}nl. 

prttnen sw. v. unordentlich nähen. 

prampsen sw. v. weiche, nachgebeiule 
Gegenstände, wie Tücher u. dgl. 
mit .starkem IMvcke in einen He- 
liälter zwängen. 

prusten sw. v. niesen. Bei einer ab- 
schlägigen Antwort sagt man: ek 
will dek wat prusten. 

pnehe f. ein altes, schlechtes Bettstück. 

paekelblau, Schläge. 

puekeln, sek, sich mit Schneebällen 
werfen. 



Nied«rdentBohes Jahrbuch XXX. 



18 



püffelii, i'ilmmässig nrhoitp», und '\wnr 
f/robß IlnmlarheiL \ G. \ 

|miii|)e f. Schläge. FeJtbvurf Imm 
Kegeln. [ G. | 

pumphose f. pL pnmphosen, die Hosen 
der kleinen Kinder. 

püimrRcli m. ein viel Kohlensäure ent- 
haltendes Dünnbier. 

poppeiimadier m. der Theehsler, der 
höherne Pnppen anfertigt. In 
(Jnedlifdnfrg sangen die Kinder: 
„Mein Vater ist ein Pnppenmacher^ 
usw. 

paseheln str. r. heimlich mit jemand 
reden. 

liiKselken n. kleines, munteres Kind. 

pusseln, mird von kleine?i Kindei-n 
gehraucht. Sie pusseln, wenn sie 
mit kurxen Schrittchen umherlaufeyi 
und sich mit allerlei SächelcJien 
beschäftigen. Von alten Leuten 
braucht maiis hei ähnlichen Um- 
ständen ebenfalls. [G.] 

pflHtbaeke f. ein bausbackiger Mensch. 

pfisie f. der Atem. Hei is ganz üt 
der puste. 

pfisteblaume f. die abgeblühte Sau- 
distel oder „Kuhblume^^, deren 
Samen „abgepustet^' weiden können. 

puKten, blasen. [G.] „Komm her, ek 
will mal pnsten," sagt man^ wenn 
ein Kind sich verletzt hat. ,Ek 
will dek wat pusten !' iM eine grobe 
Fonn dei' Abweisung. 

pOster. ]) der Blasebalg. 2) der ge- 
meine Bovist (Lycoperdon gemmatum), 
wekher, im trocJcenen Zustande 
zerdrückt, stark stäubt. 

pilstem, mit Feuer sich beschäftigen, 
anblasen. [G.] 

pntervenTalter, junger Landivirt (vgl. 
pütjnnker, Danneil S. 104). 

putireliup! ist das abschlagende Prost 
die Mahlxeit. [G.] 

patt putt putt! Lockiiif für die 
Jfühficr. Kinderlied: Putt, putt, 
putt, min hiiuneken, wat willst up 
unsen hoff, du pittckst mek alle 
bläumeken, du makst et gar tau 
greif! 



pnUhaun. 1) das Huhn in dei' Kindn- 

sprache. 2) die Coocinelle, besonders 

die siebenpimktige. 
puttje, ja, puttje! Fm-mel der Ah- 

tveisung, besonders von Kindern 

gebraucht. 
pattjen n. kleines Kind. 
ptttljen siv. V. saufen. 
pulzebttdel 9/7. 1) Babierbentel. 2) Spilx- 

7iame für den Barbier. 
puK, pnzssen m. Puzzen riden mler 

riten, Possen reissen. {G.\ 
quackelte f Geschwätz. 
qoaekeln sw. v. unüberlegt schwatxen, 
quacken sw. v. tosamen quacken, ;;//- 

sammenfaüen, 
qnackig a^j. schwächlich. 
quadderbuk m. einen „Quadderhaudi'^ 

bekommt man, ivenn tnan zuviel 

Flüssiges genossen fiat. 
quaddem sw. v. mit Wasser oder 

anderen Flüssigkeiten Juintieren, so 

dass die Tro})fen herumspitxen. 
quäken sw. v. laut weinen^ uHmmern. 
qnakk f ein schwacher Mensch, der 

leicfü unter zu kriegen ist. \G.\ 
quakklg adj, ,u. adv. schwach von 

Kräften, 
qualm m. unnütze Beden, Aufschnei- 
derei, make doch nich saunen qualm. 
qualster m. z/ilier Schleim. 
qnalsterig adj. wie zäher Schleim 

aussehend. 
qnalsteni sw. z. zähen Schleim ans- 

speien. 
quands wise, geuxinds weise (d. h. zum 

Schein). [G.] 
quant. dat is qnant, das ist arg! 
quap|)elieh, dick, feit. [G.\ 
quarch m. Zwerg, 
qnarchkule f die Ztverghöhle, das 

Zwergloch. Örtlichkeit am Münxen- 

berge. 
qiian^ f. kleines (schreiendes) Kind. 

erst 'ne parre un denn 'ne quarre 

d. h. im allgem.: erst muss man 

eine Anstellung haben, bevor man 

lieiraten kann. 
qiurrel m. Lärm (xu quarren, mit 

Anlehnung an lat. querelaVy. make 

nich saunen quarrel! 
quarren, weinen. [G.] 



19 



i|nascii fffr. r. mit etwas rersrlnmi- 
dn'isvh umgehen, hei quast inet'u 
gelle. 

qnatseh m, dünner Koth nachdem es 
geregnet hat, [0.\ 

i|iuitsfh adj. veminn't, 

i|iiat.s(«hl||[r, koth ig, ahgeschnackt. [(x,\ 

i|iuiü«ehkop|) m. ein Mensch, dei- rer- 
frt'rrt redet. 

({ncllnborgr, Volksname von Quedlin- 
burg, Vielleicht beruht darauf die 
Vermutung des dänischen Dichtei's 
Andtrseti, der in seinen ,, Heise- 
sritatten** ( Leipzig, Larck 1S47 
S. 02) Quedlinburg als ,, Quellen' 
htirg^' erklärt, 

ihieddelquatseh, spa^shaft für Queddel- 
borch. 

qncer, xahm. Tauben, Hühner, Feder- 
vieh überhaupt, Eichhih-nchen sind 
qiieer. [O,] 

quc'ic, weich, geschmeidig, \ G.] (Auch 
xahm von Tieren.) 

i|iieke f, die Quelcenwurxel (triticnm 
repcns L.). 

qn^lholt m. ein Mensch, der sich be- 
.shindig plagt. 

i|ucl.sc*h, aufgebracht, toll, quelsch im 
Kopf sein. Wenn ek erst quelsch 
were, Wenn ich erst böse werde. [G.] 

i|U0in|Nis8. Oberkhrer Pfau in Qu. 
r-t^fVilte, dass in einigen Dörfern 
/ßci der Weihnachtsfrühviette das 
Weihnachtslied Quem pastores lau- 
clavere gesungen sei. Die J3auern 
hätten sich sehr gesträubt, als man 
den beliebten quempass durch ein 
deut.sches Lied habe ersetzen wollen. 

(|ucns^ler m. ein Mensch, der stets 
nörgelt. 

qaciiiireln sw. v. nörgeln, stets etwas 
nusxusetxen lidben. 

qiieii^lie f. das Weseii und die Hand- 
lungsweise eines quengelera. 

qnoii m, der Quirl. 

qiiCKe f, eine durch Quetschung der 
Haut entstandene EUu^e, auch biant- 
quese genannt. 2) ne olle (luese, 
ein eigensinniger Mensch. 

qnesenkopp m, ein duynmer, eigen- 
sinniger Mensch, 

qiicsifr (idj. eigensinnig. 



((uosljpii su\ r. durch unablässiges 

l'Vagen quälen, 
qnimeii, klagen, sich quälen, kränk- 
lich sein, [G.] 
quinkeliren, hoch im Diskant singen, 

von Mensche}} und Vögeln. [(i.\ 
quitsehe f. 1) die Eberesche. 2) die 

Frucht dieses Bawnes. 
qiiitsehquatsch ! Laut}nale}id. In ei}ie}n 

Goldenen Quedlinburger Abc, das 

im „Wochenblatte^' er. schien, hiess 

es: Mit quirlen rührt den qnark man 

durch. Quitschquatsch gehts quer 

durch Quedlinburg. 
qnitt adj. verlustig. Sjrrw, Wer nich 

kttmt tanr rechten tid de iä der 

nicältid qnitt. 
qnitteni, klagen über Mangel, dorch- 

quittern, sich so durchquälen. [G.] 
nibbeln sw. v. schnell und anhaltend 

sprechen. 
rächen rcird immer xusammengeseizt 

ynit reinigen und heisst dami soviel 

als köiperlich rein halte}}, %. B. 

ek hebbe't eracht un ereinigt wie et 

noch klein war un nu is*t hoch- 

meudig. [ G.] 
rackeln sw, v. met den staule rackeln, 

den Stuhl hin- und herbewegen, 
racker m, (eigentlich der Schinder) 

Schhnpfwort für miartige Kindn: 
radehacke f. Bicke, dei' Axt älmlich, 

aber mit anders gestellter Schneide. 
rftkel, ein flegelhaßei' Mensch. 
rttkeln, sek, vor FatUheit die Glieder 

strecicen, 
raincnten, nimramentcn, he}'umwirt- 

schaften. 
rammdösig, dtiinm. 
nunmein, sek sw. v. sich auf de}n 

Boden wälxe}i. 
raniören srv. v. Iärme7}d henimwirt- 

scliaften. 
nimp. in'u rampe, hn Ramsch. 
nindäl, Läriu. 
ninge f. ehie grosse fette San. Schimpf- 

wort eines Fraue}}/ximme}'s, die 

Äh}}lichkeU fnit je}}e}n Tieie hat. 

[0.] 
rangen m. eitie übermässig grosse 

Portion Brot. Fleisch. [G.] 

2* 



20 



rniikeii 7n. eiv derbes SiiirJ: Brot 
(dasselbe Wort trie rangen, nur vorn 
Ih'ole geZr.J. 

raiit m. holt den rant, halte den 
Mund! 

rappel m, du VerrücldheiL hei hett 
den rappel. 

i*np|)elko|>p, ein Mensch^ der den rappel 
liat. 

ratterig, böse, schnell %ornig. [0,\ 

re<^ken sw. v. 1) reichen, recke mek 
mal de pulle her! 2) ausreirhen. 
de botter reckt nich taun brode. 

reflf w. 1) Fallen auf der Stiiti, niake 
nich sann reff. 2) en langes reif, 
ein langet' hagei'efr Mefisch, 

rel 9n. lautes LUimen. 

relbesemmel f. eine Reihe von Seinmekiy 
die. dazu bestimmt iM, gerieben als 
2kisatz XU Klössen und dergl. ver- 
wendet XU werden. 

releii, sich begatteii. [G.] 

reise /! eine Tracht Wasser, ne reise 
water ut der Bode halen. 

reister m, ein Flicken am Oberleder 
der Schuhe (vet^nrntlich von dem 
Worte Altreis d. i, Schuh flicJcer), 

[0.] 

reistern sw, v, kochen, se reistert 
immer wat to rechte (eigentl, von 
geräuschvoller Tätigkeit gebraucht), 

repen, hernmrepen, unld, ungezogen 
umlverlaufen, afrepen, abreisseny 
X, B. das Kleid vom Leihe, aber 
bloss durch Unvorsichtigheit, [G.] 

reppeln siv. v, mit einer Baufe (repe) 
die Knoten vorn Flaclis streifen, 

resskorf m, ein runder Korb aus 
Weidengeflecht. 

rlbe, riwe, vei'schwetideri^ch, xu reich- 
lich. Si nich sau ribe met der Botter, 
geh nicht so verschwenderisch mit 
der Buiter um, riwe met den Mule, 
viel und leichtsinnig sprechend, mehr 
als man verantworten kann, [G,] 

rldel 7n, Instniment xum Losstossen 
der Erde beim Pflügen, in andern 
Gegenden Baute genannt, [G,] 

ringelringekeie. Die Kinder sangen 
sich im Kreise drehend: 
Ringelringelreie, 
Auf der Schäfereie 



Steht ein Topf voll Kleie. 
Grosse Nflsse, kleine Nüsse. 
Kickcricki. 
Bei letztem Woiie knieten sie nieder, 

rip|)eln, sek sw. v. sich rühren, be- 
sonders in der Verbindung sek rip- 
peln un rRgen (Krbl XXIV, 46), 

risse pl, leiclitsinnige Streiche, risse 
in koppe hebben. 

rit^iisplit m, Titel eines Menschen, der 
seine Kleider nicht schont, sie bald 
xerreisst. [G.] 

röb hetrmf ist bloss Verkürzung wie 
räf herab, rin herein, rüt hcran.s\ 
[0.] 

roekelör m, ein langer weitei' Tuch- 
mantel mit g^'ossem Kragen. 

roden, ro^n, gi'aben, utroen, umme- 
roön, ausgraben, ujngraben. [G.] 

rögener (gespr. r^jenär^ dei' weibliche 
Hering mit dem Bogen (Fi^cheient). 

rökloek n. Loch xum Abziehen dej^ 
Bauches, besonders Über dem Herde. 
Bda.: Dat glänzt wie karfunkelstein 
in röklocke 

röre f. Ofenröhre, ein kleiner Baum 
im Ofen zum Warmhalten der 
Speisen, 

HJrenwater n, Wasser aus Leitungs- 
rohren. Vo7i einem, der, xu einer 
Besorgung ausgeschickt, xu lange 
ausbleibt, sagt man: Hei bliflft üt 
wie rörenwater. Goethe hat die 
Bda, im 2, Teile des Faust und 
I/flayid in den Jägern I, 5 gebraucht. 

ro6ine f, Bosine. ^^hei hett gröte 
rosinen in'n sacke" sagt man von 
einem Aufschneider. Bosse Grzh. 
62, S. 773: „Ich hatte, wie man 
sich in Quedlinburg ausdrückte, 
die Tasche voll grosser Bosinen.^" 

rötöge n. die Barbe, rubecula. 

rötfeder m. ein Fisch mit roten Flos.^en. 

rötkelchen n. Bda. er liat ein Bot- 
kelchen gefangen d. h. er hat vor 
Frost eine rote Nase bekommen, 

rotz m. der Nasenschleim, rotz un 
wäter schrien, heftig weinen. 

rotzleppel, Sclielte: Gelbschnabel, 

rotznüse f, Schelte: ein naseweiser 
Mensch. 



21 



mdel, nidels n, eine Meinjc von 
Sachen, eii Rudels Pappier, Feddern, 
Beuker, Waseu, Holt. [(/.] 

n^eoiren sw, t\ etwas unliraucfibar 
machen, zcratören, 

mmradriwer, ;«. Vagabond, 

roinfuhrwerkea, sich hastig hin- und 

herbewegen, 
rundteil n. entstellt aus rundell. das 

grosse rund teil in der mitte des 

Brflhles. 
nippsaek m, ein „ruppiger*^ Mensch, 

Sf'helle. 
rasteiig:, adj, 1) rostitj, 2) russig, 
nitCriekelii, sek, sich herau^unnden, 

i. B. durch Ausreden aus eitwr 

Verlegenheit. 
sabber, sawwer tn, schaw. .artiger 

Speichel, Geifer, 
sabberietzeheii n. ein Latx, um den 

Sjteichcl der Kinder aufxufangen. 
sabbern, sairwem, geifern, Vm'xügl. 

bei kleifien Kindern, [O ] 
sftbensinnig: adj. siebensinnig d, h. nicht 

recht bei Verstände, 
saek m, der Sack, licxlensarten: band 

vou'n sacke, de häwer is verkofft! 

{cgL band von der botter!); alles, 

wat inn sack will! Ausruf des 

Erstaunens über begangene Un- 

geliäiigkeiten. 
sarkbanddrttger wi. scherzJuifte Be- 
zeichnung eines Sackträgcj's, 
sacken sw, v, sinken, sich setxen, 
saft m, der Saft der Mohrrübe. 
salät m, lida,: Da babeu wir den 

salat un keinen essig = da haben 

wir die Bescheruiig, 
salm m. tangweilige Ikde; gewöhnlich: 

'n langen salm. 
salzKelier w. der amtlich bestellte Sali- 

rerknufer, (Krbt, XXII, 27.) 
Sandmann 7n. Wenn Kinder schläfrig 

werden, so sagt man: „Der Sand- 

mami kommt /'^ 
satte f, irdenes oder gliisernes (Jefäss, 

besonders für Milch, ue satte sure 

melk. 
satz m. der Sprung, Ilda.: „Mache 

keine Sätxe!'* d, h, „Verhalle dich 

ruhig I"^ 



isaaleder n, Schelte für eine schmutzige 
Weibsperson, 

sÄnte culj, u, ade, süss. 

seliabbig adj. 1) schübig, abgeschabt, 
2) fihig, geizig j engl, scabby (Krbl, 
XXIV, 42; Brem, Wb, 6, Teil 
(IS(W) S, 2f)H, 

seliabcniack m. falscher, tückischer 
Streich, [G.\ 

seliaekelster f, die Elster, von dem 
Tone aSchack, scback", den sie hören 
lüsst, 

schftmelini adj. scJuzmJuift. 

sclianne f. Traghoh mit Ketten zur 
Befestigung der Eimer. 

sehäm f pudor. bei hett nicb schäm 
un gram, er schämt sich nicht und 
empfindet keine Reue. 

sehäpiedder n, Schafleder, ütriten wie 
schäpledder, sich eilig davon maclwn, 

sehäpmester. 1) Aufseher über die 
Schafe eines Hofes, 2) Sclielte für 
einen dummen Menschen. 

scli&iisehlnkcu ;{. ein altes Buch, 

sehä|i8dämelieh adj. dumm wie ein 
Schaf 

Hchäiwkopp m. 1} ein dummer Mensch, 
2) ein beliebtes Kartenspiel. 

Kcliäpskorinten, Losung der Schafe. 

schanverkcn sw, v, hart arbeilen, eigent- 
lich Frondienste leisten, 

sehaulappen sw, v. so auf dem Eise 
laufen, dass nur der eine Fuss mit 
dem Schlittschuh bekleidet ist, 
wäfirend man mit dem anderen 
nur von Zeit zu Zeit die Eisfläche 
berührt, 

schauster m, der Schuster, Schuh- 
macher, op schausters rappeu, lu 
Fuss, eigentl, auf dem geschwärzten 
Schuhzeug, 

schausterkugel f, eine grosse mit 
Wasser gefüllte Glaskugel, in der 
sich die Strahlen des dahinter 
brennenden Lichtes künze)drieren, 

Kcheleu, die Seife aus der Wäsche 
spülen, [ G.] 

schellbraden m, der liij/penbraten vom 
Schweine. (Krbl, XXII, 47.) 

si'lielle f. die Maulschelle, Ohrfeige. 

HC*helin, afKchelln sw, v. abschälen, 

»chelln st. v. schelten. 



22 



8clie]lribbe/*. Rippenstück des Schweines, 

(Krbl. XXII, 47.) 
Ki'lieiike f. ein Schrank auf den man 

das Trinken setzt [G.\ 
schenken, zu trinken geben. Man 

schenkt ein Kind d. i, gibt ihm 

iH irinJcen, [6'.] 
sehennebein n. das Schienbein, 
siiiepiieldi-eschcr m, ein Arbeitei\ der 

um den xchntcn Scheffel drischt. 

läia.: „essen wie ein scheffeldrescher.*' 
schopiielig: adj. is't nich scheppelig 

sau iät leppelig. 
si'heppeln siv. v. Rda.: scheppelt't nich, 

so leppelt't = Kommt es nicht in 

Sciteff'eln, so kommt es löffelweise. 
seherbildel. 1) der DabterbeuteL 

2) scherzhafte Benennung des 

Darbiers. 
»t'hesen sw. v. schnell laufen, rum- 

scliescu, schnell umherlaufen. 
»(«hetterig: rulj. ängstlich. (Krbl. XVII, 

n u. ö.J 
schettern, verHehetteni su\ v. etwas 

für einen geringen I^'cis weggeben, 

rcrschlcudcm. 
si'hewe f. Abfall vom Flachs. 
schibenhonuig 7n. Honiqscheiben. 
sc'hllle f Schelle. 
Schinken m. Rda.: dn hest bi mek 

noch *n schiuken in sölte = du hast 

bei mir noch etwas auf dein Kerb- 

hohe. 
schinn m. kleine weisse Schuppen der 

Haut tmter dem Haar, [G.\ 
schinneii, sek v. an. sich plagen. 
schiniier rn. der Abdecker. 
schinnerknle f. Erdgrube für Abfälk 

bei den Abdeckereien. 
Kchipiie f I) die Schaufel. 2) der 

verzogene Mund bei Kindern, wenn 

sie weinen wollen, 'ne schippe mäken. 

Man ruft dann auch im Scher. \e: 

„schippen und moilen köpeu!' 
fH*hlachtefest n. der Tag, an dem „ein- 

gcschlachlcV wurde, galt in Qu. 

als ein Festlag, an dem Kuchen 

gebacken wurde und Nachlmrn und 

Frewule zum styküciüch ^.v. dortj 

eingeladen wurden. Ich erinnere 

mich, daascin Mit.schüler der Quinta 

des Ugmnamims sein Fehlen im 



Unten- iM auf Befragen des Klassen- 
lehrers am folgenden Tage damit 
entschuldigte, dass et* ein Farn ilicn- 
fest gefeiert habe. Auf die weitere 
Fi-age, ob eine Hochzeit oder eine 
Kindtaufe gefeiert sei, antwortete 
ei-: „Nein, Schlachte fest! ^' 

sehlachterschöte f. die Molk der 
Schlächter. 

schlacke f. gi'osse Mettvnirst. 

schlagcdöd m, ein grosser tuü)eholfencr 
Mensch. 

schlampe f. ein schmutxiges Weib, 

schlappen sw. m, etwas Flüssigen 
schlürfen^ geniessen. 

schlappschlender f. die Schkuda- als 
Knabenspielxeug. 

Schlappschwanz m. ein Mensch ohne 
Energie. 

schlarben, schlürfen beim Trinken und 
im Gehen, wenn man die Fasse 
nicht genug hebt. [G.] 

schlarben f. alte zen-is.sene Schuhe 
oder Pantoffel. [G.] ^.ü/fÄschlorben 
gespi'ochen.) 

schleet, abgenutit, durch Gebrauch 
verdorben. Schleet nehmen, Schaden 
bekommen, dat Tüg nimt Schleet 
by der Arbeit, wird durchs Arbeiten 
aljgenutzt. 1 6'.] 

sclileks m. flegelhafter junger Mensch. 

Schlempe f. Spülicht bei der Brannt- 
weinbrennerei, als Schweinefutter 
benutzt. 

schlenkerbein m. elfter der mit den 
Beinen schlenkert. IXe Kinder 
singen: 
Hopp Marjanne Schlenkerbein! 
Kommt die ganze Nacht nich rein. 
Hat gesungen, hat gesprungen 
Mit 'n kleinen Schäferjnugen. 

seh licht mnnd m. cirkelrundes Instru- 
ment, das beim Zurichten des 
Leders gebraucht wird und eine 
scharfe Peripherie Juxt. [G.\ 

schlickerbäii /'. die But.schbahn auf 
dem Eise. 

si'hllckern sw. v. auf dem Eise dahin- 
gleiten f ohne Schlittsrhuh. 

schluck m. Branntwein. 

schlunii>c, schlainiN? /'. ein unordent- 
liches Frauen ; immer. 



23 



M'hlunsc'he f. eiti^ Schkimpc, ein un- 
(frdentlirhcs Frauen linnn er, 

sclililren pL Pantoffeln^ nieilenjctrclcnc 
S'huh. [KL] 

M'limaddenrvder n. anhaltemlcs Regen* 
iveticr, wobei die Strassen kotig 
werden, 

srhmiilt n, Schmalz. 

srhmMkesttbel m. ein Feinschmecker. 

sc*Iimede f. die Schmiede, vor de rechte 
schmede gan, »ich an die rechte 
Stelle wenden. 

sphineningeJ, schmiäxiger Mensch, 
fs. angel/ 

sfhnieren, seJimieien. 

sehmire /. Schläge. 

sehmisse pi Schläge. 

s4*hiiiök. ]J Torfmull. 2) alles Ge- 
riimpel. 

sehmOken sw\ r, Tabak rauchen, 

sehniöker m. altes Buch, 

sehniokern .su\ v. Romane lesen. 

schmuddelig adj. sch^nutxigy besonders 
von der Leibwäsche. 

schmutzHuke m. Scheltwort für einen 
sciimutxigen Menschen, 

schnabbelii sw. v. schwatx/in, 

Nchnausen .sw. t\ mit gi'osscm Wohl- 
Miauen verxehrefi; besonders vom 
Obste gehraucht, 

^•hnuckelehen n, Kosewort für kleine 
Kifuier: min schnnekelcheii! 

Mrhneeke f Gebäck in Foiiti einer 
Schnecke. 

s<-hneek9nig 7/^. Rda.: lachen wie ein 
Schneekönig. 

schnelle Katrine f Durchfall, Diar- 
rhöe. 

M'hneppel m. Die beiden abgebundeficn 
Enden einer Wtirst, von ihrem 
scfniabelartigen Aussehen sogenannt. 

sehulderkariien m, der Ileinng, (Krbl. 
XXIV, 101). 

M'hnippelei f, Handlung des Schnip- 
peins d. h, des Zci'schneidcns von 
Zeug, Papiers u. a. in kleine 
Stücke. 

schnodderig adj. verletzende, beleidigende 
Antwort gebend ^ro/i snodder, Nasen- 
schleim), 

M'hnökem sw. r. I) nach etwas 
hcnunsiwhcn, 2) naschen. 



sehniipiH; f Schnuppe, dat is mek 
sclinuppe, das ist mir gleichgültig. 

S4rlinup|>eni, die Nasenlöcher bewegen 
um den Geruch von cincfr Sarhe 
zu bekommen, auch umhcrsiiehen, 
[G.] 

schnurren, herumgehen und bettein. 
Geld tau hope schnurren, ist Geld 
zusammen betteln. [G.] 

schuui7. m, der Durchfall. 

schnurren sw. r, den Durchfall haben. 

schnute, sehnntchen, Liebkos ungsworl 
für Kinder. 

schcM'k sehwenzeleuze! Ausv-uf der 
Verwundej'ung. 

schöner, meist geliäkelle Decken, die 
zum Schonest des Bezuges auf den 
Armlehnen von Sofas und Polster- 
stuhlen 7nit Stecknadeln befestigt 
werden. 

schönfürber m. ein Färber, der Schön- 
tuch (fehm Stoffe) färbt. 

schorstein m. der Scdwrnstcin, Ramh- 
fang, 

schötentoffel m. wr.sprünglich eine 
Figur aus Lwurpen, die \um Ver- 
scheuchen der Vögel in die Schoten 
f Erbsenf eider) gesetzt wurde, dann 
im bildlichen Sinne ein Mensch, 
der wie eine Vogchclwuche aus- 
sieht. 

schötkelle f. ein mit Ketten am Fracht - 
wagen befestigtes aufwärts ge- 
bogenes Sit xgitter. 

schrapen sw, v. schaben, kratzen, be- 
sonders im Haushalt gebraucht: 
mören, kartuifeln sehr. 

schraube m. Er ist eine alte Schraube, 
d. h. ein zu Neckereien geneigter 
Mensch, 

schrauben sw. v, necken, 

schiinnen sw. v. jucken, de wuune 
seh rinnt. 

schröppen. 1) schröpfen. 2) jemandem 
sein Geld abnehmen, 

schrublieu sw, v, mit dem Schrubber 
scheuern. 

Schrubber m, eine Bürste mit langem 
Stiel zum Scheuern der Stuben, 

schnini|>clig adj, zusammcnge- 
schru mpß, verschrumpft. 



24 



sehniin|)clii, elnsehniniiielu sw. v. ein- 
schrumpfen. 

Schubbejack m. Lump, ei'hürmlichei' 
WicJit. 

Schubben, sik, sich an etwas reiben, 
scheuern. 

schüchter m. eine Vogelschenche. 

schüchteni su\ v. sciieuchen. W, Ileim- 
burg, Im Wasserwinlccl S, 25: 
uacbdem sie Heidlichs „ihre" aus 
dem Wasser geschüchtert. 

schuekehi siv. v. hin- und herbewegen. 

schnckcn in. der Schlucken. 

schuddern sw. v. schaudern vor Kälte. 

schtterken ?i. das Schäuerchen, Kram2)f' 
an fall bei kleinen Kindeim. 

schUffel f. die Schaufel. 

schnfkarrc f. die SchiebeJcan'c. 

schuften sw. v. stark arbeiten. W. 
llcimburg, I. W. S. 312. 

sc*huhut m. der Uhu. 

schnkkc f. schiikkebninnen m. die 
Pumpe. 

schnkken, Wasser aus einem Brunnen 
pumpen. [G.] 

schulen siv. v. misstranisrh ansehen. 

schulen ^än, die Schule schwängen. 

schuinmer m. die Dämmerung. Abends 
im Schummern. W. Heimburg, Im 
Wasserwinkel S. l-J. 

schummerstunne f. Dämmer stiuidc. 

schiine f. die Sclieune. 

schttnendör n. das Schetinentor. öpeu 
stan wi'n schüneudör. 

schunkel f. die Schaukel. 

schunkeln sw. i\ schau/celn. 

schup|)en sw. i\ schui>[)sen sie. v. 
stossen. 

schür n. Itcgensclmuer, Regenguss. 

schür adj. geschützt vor Unwetter. 
ek Sitte hir schür an scheue. 

schustern, sich, sich in Gwist scixcn, 
anschmcichcln. Bosse j Grc7i%b. 62. 
Jahrg. S. 761: ,, Manche Primaner 
suchten sich bei dem Direktor da- 
durch XU „schustern", dass sie 
demonstrativ lange und laut 
lachten J^ 

sehnte f. pl. sehnten, Grabscheit. 

Schutt n. das Sehnt v, die srhubtür- 
artigc Vorrichtung -.um Jlcmmen 
des xudringcndcn Wassers. 



schwabe f. 1) eine alte Schulisohle, 
die von den Schultern zur Einlage 
in neue Schulte oder Stiefel gebraucht 
wird. 2) die Scluibe, eine Käferart. 

scliwaleh m. der dicke Dampf von 
einer bi-ennenden Lampe. 

sehwalgen sw. v. „die Lampe schwalchi'* 
d. h. sie brennt so, dass sich der 
verdichtete Dampf am Lampen^ 
glase ansetzt. 

schwänz iii der Eedenai't ob den 
schwänz slan oder kloppen, heimlich 
unterschlagen, Unterschleif nmchen. 
[G.] 

schwappein, ein Gefäss mit flüssigen 
Saclien in Bewegung setzen, ebber- 
schw&ppeln, überfliessen machen 
durch Unvorsichtigkeit. [G.] 

Schwedenkopp m. eine kurze Ilaar- 
frisur der Frauen und Mädcfien, 
die auch in Quedlinburg wiUvrend 
der y.FranzosenzeiV^ Mode vmrde. 
Als bei dem Wiedererwachen des 
nationalen Beumsstseins diese fremde 
'Pracht verpönt vmrde , soll sich, 
wie mein Grossvater erzählte^ ein 
eitles Mädclum die abgeschnittenen 
langen blonden Zöpfe aii die in- 
zwisclien wieder gewachsenen Imrxen 
Ilaare Iwben anbinden lassen. 

schwelen siv. v. ohne Jielle Flamnw 
brennen. 

schwellhucker pl. Spottname für ein 
Gericht dicker Graupen. 

sehwenzelenze f. dat du de schweuze- 
lenze krigst! 

schwenzeliren, herumschwänzeln. 

schweppe f. Peitschenschnur, vor de 
Schweppe krin oder nehmen, d. i. 
brav zusetzen, anstrengen. [G.] 

schwewelbanne f. Leute, die zu allen 
Schandtaten fähig sind. 

schwewelsticken n. das Schwefelhol \. 

schwiendig? dat sali mal en schwieu- 
digen abend werden. [A7] 

schwimel m. der Wirtslmusläufcr. 

schwimeln siv. r. übermässig kneipen. 

schwimelig adj. schuindclig. 

schwimel kUtzchcn. Die Kinder drelwn 
sich im Kreise, bis s^ic schwindelig 
icei'dcn, und singen: Schwimel- 



25 



kätzcbeD, halt mich feste, dass ich 
Dich inn Bronnen falle! 

srhnlnedrlwer m, der Schweinetreiber, 
Seh weinehändler, 

schwlneken n. kleines Schwein. Beim 
WMaufen gehen die Kinder das 
Zeichen lum Auslaufen aus detn 
„A/ofe" durcli den Vers: ,Tüt, 
Schwinekeu rüt. Wer uich rüt will, 
der is!* 

sehwippelig adj. der eramer is schwip- 
pelig fall, voll zum Überlaufen. 

sehwipps m. en schwipps hebben, an- 
getrunken sein. 

sehirlSgen sw. v. mit vielen Worten 
klagen. 

sehwnlibns. er ist in schwulibus, er 
ist in Verlegenheit. 

seden, sieden. Fm, dat g^eit nich! 
alle dage gesaden un gebraden! sagte 
ein Quedlinburger Arbeitsfnann, als 
ihm seine Frau an einem Sonntage 
«gnipen an boneu", ein Quedlin- 
burger Lieblingsgericht, vorsetzte. 

sedlg, seYg, geduldig, sittsam. en 
sediger minsche, en sediges deir. [G.] 

seifhen stv. v. mingere. 

tJelenwXnner m. ein gestricktes Tuch, 
das kreuxweis um die Brust ge- 
schlagen wurde. 

semig adj. schleimig, breiig, von Kar- 
toffeln, Saucen u. drgl. 

semmelTOB m. ein Mensch, dessen 
Haar blond ist, wie der obere Rand 
einer Semmel. 

semsbUlder pl. die Blätter des Semes- 
baums (cassia senna), ein Ab- 
führungsmittel. 

sepe f. Seife. 

seufzer, Schmutzfleck in der Kleidung. 

\a.] 

sied, niedrig. Hoch an sied, lujch 
und niedrig. [(?.] 

siltug, sldeltUg n. Pferdegeschirr. 

sipern, dorehsipern, durchschtvitxcn, 
durchdringen. [ G.\ 

soeke f. 1) der Strumpf immer lustig 
op socken ! A uffoi'dej'u ng xur Lust ig- 
keit. Vgl. Krbl. XXIII, 36: ,.Wcnn 
der niederdeutsche Arbeiter hei 
seinem improvisierten Tanxc IIoli- 
schiihc anhat, so wirft er sie bei 



Seite und ianxt ausgelassen auf 
Sockcn.^^ sek np de socken uiakeu, 
sich auf die Strümpfe machen, 
eilig davonlaufen. 2) ein unordent- 
liches und träges Fraucnximyncr. 

socken sw. v. laufen. 

söle f. Sole, Salxbrühe. 

solcu sw. V, lügenhaße Geschichten 
erxähle7i. 

sonne = so eine. Ne, sonne frechheit. 

sSpke tn. der Trinker, hei is en sSpke. 

spanne möl! attende. [AT] 

sparling m. der Sperling, heit hett 
sparlinge linder der mtttze, er nimmt 
die Mütxe nicht ab. 

spassTOgel m. ein in xwei Spitxen 
auslaufendes Gebäck aus feinem 
Weixenmehl. 

speddel, Grasi'ain zwischen Acker- 
flächen. [Kl I 

spekt&kel, spitakel m. Länn. 

spellern sw. v. sj)dlten, splittern, be- 
sonders IIolx. 

sperrknekewit n. spasshafle Bexeich- 
nung des Perspektivs, Fernrohrs. 

speukeding, spük^ing n. Gesj}e?ist. 

spenkewinkel m. eiyi Ort, wo es sjmkt. 

spil n. ein xugespitxtes Stäbchen, um 
Würste an beiden Enden damit xu 
verschliessen. 

spillern adj. mager. 

spirchen n. ein tvenig. 

splre f. ein wenig (eigentl. kleine 
Sjntxe, spica, arista). keine spire, 
gar nichts. 

spItzkSppe heissen die Kätner in IHt- 
furt. [Ki] 

sprangeweit, si)eiTangclweit adv, die 
tür steht sprangeweit offen. 

sprec f. der Siaar. 

spunnig f. Bettgestell. [G.] 

sek stabbeln sw. v. sich gegen etwas 
anstemmen. Auch pflegt man, 
wenn man nicht mehr essen kann^ 
XU sagen: et stabbelt sek. 

stadt|)oete m. In meinen Kimler- 
jahr cn lebte in Qu. ein Geistlicher 
a. 1)., der bei festlichen Anlässen 
im ,, Woche nblattc'' Gedichte ver- 
öffentlichte. Ihn juinntc mein Gross- 
vater, dessen Jugendxeit noch in 



26 



das IS. Jahrhundert reichte, nur 
dm Stadt poeteil. 

staiiimerbock /;/. der Stotterer, 

staniie f/, Standycfllss für Wasser in 
der Küche. 

stake f. die Stange. 

stakig adj. lang tvie eine Stange. 

stap|>elii sw, V. mühsam gehen, 

stat^eli adj. stattlich, 

Kteckerling m, der Stichling, ein kleine* 
Bachfisch, gasterosteus acnleatus. 

stei'kuatel f. die Stecknadel, ek hebbe 
dek esocht wie ne stecknatel. 

steckriinwe /*. die Siecicrühe, Kohlrübe, 
brassica napas esculenta. 

stvkfleiseh. Das Fhisch vom unteren 
Halse des Schweines, wo dasselbe 
beim Schlachten gestoclien wird 
(s. Krbl. XXIV, 24). 

stvkworselit f, aus dem 9t?k bereitete 
Wurst (s. Krbl, XXIV, Ü, 24). 

st^ldleb m, hd, Dieb; nur als Schimpf- 
frort von Ki?ulern gebrai(€ht. 

stelhva^eii 7n, der Leiterwagen, W. 
Ileimburg, Int IVasserwinkel S, 314. 

stenzelii, mit Gewali fortstosscn. [d.] 

steuzeu sw, v. jemand dei'b zusetzen, 

Ktep|)eln s. v, Nachlese bei der Ernte 
lullten. 

steppeler m. So nannten wir einen 
Mitschüler, der seine schriftl. Ar- 
beiten aus denen seiner Mitschüler 
, , X'Usammenxusteppeln^ * pflcglß- 

Steppke m. der Teufel. 

steiisel m, kleiner Junge. 

Sterken, sterkeukalir n, ein KaW weib- 
lichen Geschlechts, ehe es gekalbt 
hat. I G,] 

stlbltxeii sw, V. stehlen. 

stlfel sw, m. hölxerne Stange xur 
lkfcsiigt(/tg von rankenden Ihhncn. 

stiiikeiiiat/im. ein übelriechender Mensch, 

stipiie /'. Brühe, Tütsche. [G.] 

stip|»eii, futschen. iiistipi^en, cin- 
tulsrhen. [G.] 

Ktipiwtörken //. kleine Gcsrhichlc, 
Seh wn nk, A nekdote. 

stitz m, das iiusser.stc Hinter teil der 
Gans, Von einem St:hwalxhaften 
sagt man, er habe vom Gänse- 
stiel IC gegessen. 



stizel m. Eine Art kleiner drei- oder 
viereckiger platter Kuchen rott 
grobem Brot oder feinerem Mehf. 
[G.] (Deinin. von stits, Scimmbach, 
S. 211), Jetxt haben dieselben ste/.s 
eine orale Form. 

stizelstrikcr m. kaukenbecker an kou- 
diter un dörbi ök stizelstnker. 

stofTel m. ein ungebildeter Metusch, 

storgpen, vertraut schwätzen. [G.] 

strakeln, henstrakehi, strec/cen, hin- 
strecken, \G.\ 

sträinel m. ein langem-, .schmaler Streifen. 

sträne f. ein Gebind, ue sträue garn. 

streker m, Landstreicher, 

stFenzelbttchse f, eine aus Holumkr- 
holx gemachte Spi'^itxc der Knaben. 

streew, stark, steif, dick. En strewer 
(8treber) Junge, ein starker Junge. 
De Deig is tau streew, der Teig ist 
XU fest, [G,] 

stilken sw. v. streiciwn, massieren. 
Zur Befreiung von Gliedeireissen 
Hess man sich, lange bevor die 
Massage aufkam, „strikeu". Es 
geschah mit Daumen und Zeige- 
finger, die durch Öl (oder bisweilen 
auch Essig?) angefeuchtet wurden y 
durch besonders darauf eingeübte 
„ Streiche fmuen bexw. -Mämwr^'. 

strote f, die Luftröhre, besonders der 
Gafis. et is mek wat in de nurecbtc 
strote koinen, d, h. in Speise- statt 
in die Luftröhre 

stnillen sw, v. iningere. 

stnimiisoeke f. das Fussemle des 
Strumpfes bis xur Ilacice. 

stninzel f. Scheltwort füre in schmutügcs 
Frauenxinmiei'. 

strätze f Ährenbündel. [KL] W. 
Ileimburg, Im Wasserwin/cel S. 10: 
ein paar kleine schmutzige Jungen 
suchen eifrig den verloren gegangenen 
Erntesegen; sie haben schon so dicke 
„ Ähren sträusse'^, dass die braunen 
unsanbern Hände sie kaum noch 
fassen können 

Stube f auf die stube gehen gebrauchte 
man von den MMvhcn, die in den 
Tuchmnchercicn arbeiteten. 



27 



stfieke n. von einem grossen starken 
Frauenzimmer .sagt man: sei is eu 
hellesches stücke. 

studeiiterie f. die Hochschule, Uni- 
rrrsiiäf (s. Bosse, Qrenxhot. Nr. 43, 
S. 409). 

stal^hreiber m. ein Schreihlehrer an 
den öffentlichen Stadtschulen, dem 
XU gleich die Abschriß der Bürger- 
briefe u. a. übertragen war. ' (Krbl, 
XXI, 00, 74 und Dähnert, Pomm- 
Büg. Wb. S. 465.) 

stör, stwr: hei sQlit mek san stur 
an; de häre stän em san stür. 

sturreln su\ v, herumstochern, x. B. 
im Feuer. 

stutt8, nur in Verbindung npp'n stutts 
sofort. 

^»nerdeie1lstizel m. Sauer teichstiexel, 
Flatlen aus Biodteig backte die 
Hausfrau mit deftn Brode. Sie 
wurden uorh ofenwarm gegessen. 

soll m, Türschwelle. [O.] Die Dit- 
furter umrden verspottet, tveil s^ie 
dieses Wmt mit scharfem s (&) 
und mit tt (nicht i) spraclien. 

snmnLs m. lännende Bede: make doch 
nich saunen sumnis. 

sUnii f. die Sünde. Bda.: et is ne 
sQnn nn ne schann! 

sfinndas;seh adj, hei hett de sUnudag- 
schen (Hosen) an. 

sminenplecken pl. Sommersprossen. 

süpeni? gesüperte knippei, Knüppel 
von geschältem Eiehenhohe. [KL] 

sfipüt ;/*. der Säufer. 

taehtel f Ohrfeige. [O.] 

taehteln sw. v. ohrfeigen. 

tiidel m, Geschwür am Finger. (Krbl. 
XIX, 86, XX, 15, XXI, VI) 

Iai^Id SU'. V. jniigeln. 

takel f. ein lotteriges Frauenximmer. 

takeltttg n. Lumpengesindel. 

taleke f. Dohle, albernes Mädchen. 
[0.1 

tälpenulk m. der Zähl-, Bcehcnp fennig y 
die Spielmarke. 

täpeii, Possen machen durch Hand- 
lung, nicht difrrh licdcn. Von 
Tieren und Menschen. Hei bitt 
Dich, hei täpt man, (/. i. der Hund 



bcisst nicht, sofuieni thut nur so, 
als wenn er beissen wollte. [G'.J 

t«|>i)8 m. Tölpel. 

Uiter m. 1) Zigeuner. 2) ein Mensch 
von gelber Hautfarbe. 

tiiterliselien f. Alädchen von dunkler 
Hautfarbe und dunkeln Haaren. 

tanbrigpe f. das was gemeine I^ulc 
xum Brot essen, z. B. Speck, 
Butter, Wurst. Eigentlich das was 
die Knechte xum Früfistück und 
Vesperbrot bekmnmen Man sjmcht 
auch aus Tauberedi. \0.] 

taabringer m. der „Zubi-^inge?-" des 
Wassers bei der Sj/ritxe. 

taamoden sw. v. xumuten. dat will 
ek dek nich taamoden. 

teckel m. Dachshund. Schelte für 
einen krummbeinigen Menschen. 

teokelbeinig adj. krummbeinig. 

teckeln sw. r. 

te m. der Tee. Bda. : driuk te, Luischen! 
d. h. „Warte ab!'' 

teiben, telwen, teben, tewen, warten y 
xögern. Teiwe en bettgen, warte 
etwas. [G.] 

teke, selmpteke f. Schaf laus. [G.] 

tekessel 7n. der Einfaltspinsel. 

tengen, beginnen, anfangen. Et tenget 
Dag tau weren, es beginnt Tag \u 
werden. [G.] 

temeidsname) Ökelname. [G.] 

ticktacken, necken (tucketacken Redent. 
Spiel 1146). 

tie m. So Jieisst der Versammlungs- 
platx der Bauaii mit frischen 
Basen und Linden vei'selien. [G.'\ 

tier. Bda.: bei mir hat das armu 
Tier geheckt, d. h. ich habe kein 
Geld im Beutel. 

tiffe f. das Weibchen des Hundes. 

tilcguiis /*. die Gans in der Kimlcr- 
sj)rache, von dem Lockrufe: tile, 
tile. 

Tilemann. Die Kinder singen: In 
Padeborn, in Padeborn da baden sek 
de gänse, da kimnit der kleiue Tile- 
mann un schleit se op de schwänze 

tlltc f. der xugc.spifitc Schnabel oder 
Seh neppe an ei nein Gcfä.ss Aum 
bequemern Ausgiessen. [G.\ 



28 



timmenuann m, der Zimtnermann. 
wisen, wo de timmermaDU dat lock 
laten hett = aus der Tür weisen. 

tipi^el m. der Ihinkt auf dem Buch- 
staben i. 2) ein einfältiger Mensch. 

tippelig: adj. einfältig, 

tippen sw. V, etwas eben berühren. 

tiss, Utt m. die Zitxe, Bnistwarze bei 
Menschen und Tieren, 'n titt g^äwen, 
die Mutterh'ust reichen, 

titsclien, eintJtselien sw, v. eintauchen, 
W, Ileimbttrg, Im Wasserwinkel 
S, 7: „Eva hat ihre langen Zöpfe 
über di^ Schultern genommen, damit 
die eingeflochtenen rosa Bänder 
nicht ins Wasser „titschen", wie 
man in Hohenburg (Quedlinburg) 
sagt, 

toewe m, Uund im verächtlichen Sinn. 
[G.] ^tewe gesprochen.) 

toffel 771. ein grober, bäurisclier Metisch. 

to höpe. alle to höpe, alle zusammen, 

toltken, die alte Mietswohnung ver- 
lassett und in eine neue ziehen. 
üttokkeu, auswichen, tokketüg, Mo- 
bilieti, die man dabei tratL^poiiiert. 
\G.\ 

tokkeln sw, v. umxicheti, die Woh- 
nung ätulern 

iöki-fgren su\ v. als Zugabe bekottimen 
beim Kaitfmanth Bäcker usw, 

tole f. ein Hund, der nicht von rcittcr 
Basse ist, 

t4>l]pHtseh 7n, ein utigeschickter Mensch. 

tolieijän m, ein Metisch von unsicherer 
Gangart. 

tolteni, hin- utid herwanketi itn 
Geheti. I G. ] 

tön w. Fussxehe. 

tör m, um'8 tor geben, citieti Spazier- 
gang um die Stadt nuicJicn. Auf- 
fällig ist der Singular, tvohl tiach 
Analogie voti vor's tor gehen ge- 
bildet. 

torkeln sw. v, stark tauttieln, 

tort m. einen 'n tort dann, jemand 
eitieti Scliadeti tun; hd, einem etwas 
kutn Toi'te = Trolx tun. 

totig aus tid, dodlg, tut, Kiti Kiitd, 
das Wurst ist, neckt nuin mit den 
Worten: „Ich würde doch kcitic 



Wurst essen, die ist ja votn totigeu 

Schweine!'' 
tralMuiten pl. kleitie Kinder (atigelchul 

an traben ?y. 
trHne f, 1) Tropfeti. ne träne brenn e- 

win. 2} ein langweiliger Metisch 

(s. dräne/ 
txunipeltier ti, (Ilttideutschung von 

Drotnedar) wird als Schelte für 

einen tölpelhaften Menschen ge- 
braucht, 
trampen, hart auftreten mit den 

Füssen. [G.\ 
tramper m. eiti Mensch, der hart 

auftritt. 
tränkttsel tti. 1) Öllatttpc (s. krüsel^. 

2) ein einfältiger Metisch. 
tränpott 7n. ein dutttmery langweiliger 

Mensch. 
transein, auftranseln sw. v, das Auf- 
gehen eitler Ä^afit, 
trine f, eiti ei7i fältiges I&auenAittttncr : 

„Du bist eine trine!" cig. Katharitic. 
trinewttsehe f. dasselbe, 
trollpapa, Bexeichnutig eines allen 

schwacfisititiigen Bierfiedlers. 
trommelbauer wi. der Trambur (Kituler- 

sprache). 
trnlen, tmmmein, fmirollcn. [G.] 

trüU m, dütiner Kaffee. 

trttndeln sw. v, zögern, laiigsatn bei 

der Arbeit sein, 
trntlisehen n. eitifältigesFrauenxitntncr, 

tiideln, xauseti, 

tnlTeln plur. Patitoffeln. 

tufrelnüi.ker, der Pantoffelmaclwr. 

tunstake sw. m. Zaunpfahl, 

tnselieln sw, v, heitnlich flüsterti, 

bnnte tute. Die Ki tider erhielleti .solche 
atn ersteti Tage, wenn sie die 
Schule besuchten (Bosse S, 2><!0. 

tlitjendreier 7w. Dütendreher, Spott- 
name des Matcrialwarenhändlcrs, 

tnttem sw. v, zögern, säutnen, hier 
werd uich getuttert! 

tiveiback /;/. hd. Zwieback, rundes 
Gebäck aus „Billenbrodcn*^ her- 
gestellt, die der Breite nach durch- 
schnitten und nochmals geröstet 
werden. 



29 



iwierblLst^r, iingpwis.9, 'xwHfdhnß, 
ek bin twierbüster, ich hin r^treifpl- 
hafl. [G.\ 

twine f. eine Art Bork für Männefr. 

nberfall m. (hd.) einen ffuten Ülyerfall 
hat, wer ein Glas Bier, Wein etr, 
üchnell leeren kann. 

übersetzeil (untrejvibar) , ein Hans über- 
selten lassen, d. h. eiri Storhrerk 
aufsetxen lassen. 

überzogen, er ist von sich überzogen, 
d. h. von sich eingenommen. Wohl 
entstellt ans iibcrxeugt. 

überznekerl. er ist von sich über- 
zuckert, dasselbe. 

nie f. 1) die Eule. 2) der Haar- 
besen. 

ulen sw. V. mit dem Haarbesen fegen. 

olenflneht f. in de ülenflucht, in der 
Dämmerung. 

nienpingesten, calendae Graecae. 

ulenpmst m. das von den Eulen aus- 
gespieene Gewölle. 

rienspeigel, der Eulenspiegel^ närrischer 
Kerl. 

ulk m. Scherz. 

ulrfeh m. vomitus. 

Bm nnd am adv. rundJierum. hei dreit 
sek umiindum. 

ttmdöpen sw. v. umtaufen, eifien an- 
deren Namen geben. 

umkekeln sw. v. umfallen. 

imkipp m. die Fehlgeburt. 

nmUppen sw. v. umfallen. 

Qmmsein. in 'n ümmsein, im Um- 
sehen, im Augenblick. 

umstttlpen sw. r. das Oberste (eines 
Gefässes) iiach unten kehren. 

nnsttst adv. umsonst, unengeltlich. 

nndek, midäg n. u. m. elender Zn- 
stand. [G.] 

nnderdaken sw. v. unteitauchen. 

nndererdiseh adj. auffallend klein. 

underkotseh adj. mit Eiter untersetzt. 

UDderlät mit vorgesetztem all = jeden 
Augenblick, häufig. 

nnken sie. r. stöhnen. „Sehen Sie 
man wieder freundlich aus und 
nnken Sis nicht so!*' W. Heim- 
hurg, Ln Wasserwinkel S. 304. 

mmulsleni adj. unzufrieden. 

Mode, ungern, ek dant unode. [G.] 



niirimlseh adj. toll. 

UH'hel m. 71. ein hässlicher Mensch. 

fitlliseken .<iw. t\ *ätsch' sagend den 
Finger stirichen, um jemand r.n 
bescliämen. 

ütbliwen sw. v. ausser Atem sein. 
Wenn ein Kind so heßig geschrieen 
haty dass der Atem stockt, .w sagt 
man: et blifft üt. 

ütbögen SIC. r. ausbiegen. 

ütdoppen sw. v. atishülsen. 

ütfallend part. adj. grob. 

fitfaren sw. r. de mund is mek nte- 
faren, wird bei einem Aw^schlage 
gesagt. 

fltferseliäint adj. unverschämt. 

ütfr^t«n wat, einen tollen Streich an.s- 
führen. 

atgabeg:eld n. TascliengeM für kleine 
Ausgaben. 

ütgeschlaiien, ganz vollkommen. Man 
sagt den ganzen utgeschlaneu Dag, 
ut geschlane Nacht. Son.st wirds 
eben nicht gebraucht. [G.] 

üthaneii sw. r. wenu't man üthant, 
wenn es (das Geld) nur reicht! 

fithunzen sw. v. herunterynachen, aus- 
sclielten. 

atkalmisem sw. v. durch unermüd- 
liches Nachsimien etwas heraus- 
bringen. 

atkeisen sw. v. ausstossen, boykottieren. 

ütkratzen sw. r. .^irh aus dem Staube 
machen. 

Qtneieii, stark laufen. [G.] 

atn^meiid adv. sehr, dat geföUt mek 
ütn^mend. 

atschelleii st. v. ausschelten. 

ntsehölen sw. v. .sjmlen, im Wasser 
ausschwenken. 

flts<'hwelen sw. v. ausräucliern, z. D. 
eifun Bienenstock. 

fltstän st. V. ausstehen, leiden, ek kan 
en v6r*u död nich ütstän. 

ütstoekeln sw. v. etwas (z. B. ein 
Vogelnest) dadurch 'xersU'rren, dass 
man einen Stock darin hemm- 
bewegt. 

ütwischen einen wat, jemandem etwas 
zufügen, mit dem Nebeyibegriff des 
Heimlichen und Hinterlistigen. 



äo 



ützipiieii Ä?/'. r. (shlir zip 7.\\)), mis- 

uzen sw, V. foppen, necken, 

wiibbellgr adj, 1) vom Fleische: fett 
und betreff licßi herabhange tul, 2) übel 
vom Gefühl des Hungei's odei- nach 
dem (reniisse von fetten Speisen. 

Waisenknabe m. ich bin ein Waisen- 
knabe fjegefi sie, sie sind gegen mich 
im Vorteil! W. Ueimbnrg, Im 
Wassenv, S. 227. 

wnisenpraiige w. ein Kind, das alles, 
was ihn in die Hände kommt, 
zerstört oder vei'dirbt, 

willig adj. jugendlich übeimütig, aus- 
gelassen, namentlich von jungen 
Leuten und jungen Pfrrden ge- 
h'aucht. 

wansehke f, die Warne. Wenn dat 
nich gaud vor de wanschken is, denn 
weit ik nich, wat better is. 

witsche f. demin. von wase, Base. 

wosserimtscherei f. das patscben im 
Wasse3\ W. Heimhurg, Im Wasssei'- 
Winkel S. 16, 

wulnot n. pl, waluöte, Walnuss, 

wtuiisen, verwamsen s%v. v. durch- 
prügeln, 

wanne, wanne! warmnder Zuruf, 

warmflasclie f. mit heissem Wasser 
gefülltes Gefäss xnm Wärmen der 
Betten, 

wärgeseggei'HC'he f, Wahrsagerin, 

warhaftigen gott! Beteuenuigsfoiifnel 

wartefrü /. gedungene Wärterin bei 
einer Wöchnerin, 

warteu sw, v. (mnd, worden^ beobachten: 
von diesem Fenster kann man die 
gauTiS Strasse warten. 

wase f. 1) Vatersschwester wid Mutter- 
schwestei\ 2) fru wase wie her 
vetter, atteh xur Bezeichnung jeder 
frewuischaftliciien Beziehung, 

WÄse f pl, wasen, Stangenholz. 

wasel, wasele f. das Wiesel, musteia. 

wassdank m. Waclistuch. 

wat, etwas. Rda,: vor wat is wat. 

wnteijnnfer f. Name der Libelle, 

waterkolk m. Aufstossen, wobei das 
Wasser aus dem Munde läuft, 

waterstanne s, stanne. 



wntei'stripe f, da- WaJtserstreif nirhi 
au.s-gcbacJcene Streifen im Brote. 

wecke f. (mnd. wegge^ grosser Kurhea 
in Keilfonn, der- xu den Fe,sttagpn 
gebacken wird. 

wedderspel n, einen dat wedderspel 
hollen, jemandes Pläne vereiteln. 

weddeniström. dn bist immer weddeni- 
Strom, eigentl. du schwimmst immer 
gegen die Strömung, d, h. dn hi.^l 
immer den Meinungen uml Ah- 
sichten anderer entgegen. 

wedderwöre pl, Widerrede, unjm.^senilp 
Verteidigu7ig. wisst de noch wedtler- 
wßre bebbenV 

wedewinde f, die wilde Winde, 

wegbliwen sw, v, (auch ütbliwen) wirrl 
vom Kinde gesagt, dem vom hef- 
tigen Schreien der Atem stockt. 

weichbite f. die Biittey in der Itei dat 
Schuhmachern das Leder eingeweicht 
tvird. 

weilfleisch (von wellen, kochen). Dn,^ 
Fleisch vom Schweine, welcltes l^ei 
den „Schlachte festen'^ zum Fnih- 
stück genossen tmirde (s. stekfleisch^. 

wendehenke, einer der den Mantel nach 
dem Winde hängt [KL] von ynnd. 
holke m, dei' Mantel. 

wlbbeln sw. v. sich lebhaß hin und 
iier bewegen^ meist in der Ver- 
bindung kribbeln un wibbehi. 

wibbelwabbelich, übel vom Xüchlerif 
sein. [ (i.] 

Wickel m, etwas zusammengewickeUcs, 
z. B, ein Zopf Haare. Rda.: einen 
bi'n Wickel krigen, jemand hart 
anfassen, 

Wicken, in de wickeu gan, vn-loren 
gehen. 

wl^n, widen, guten, ntwi«<n, ausgäten. 
\G.\ 

wihe f. der Weih (falco milvus). 

Wimen m. die Stange, auf der die 

Hühner des Nachts sitzen. 
wIn, Wein, Bei Branntweifd/renfiern 

heis,st der Branntwein bei dem 2ten 

Übergang so, der erste I'bei'gang 

gibt die Lutter, [G.\ 
Windbeutel, ein Gebäck in Beulet form, 

wurde in Quedlinburg früher am 



31 



.,i/ri.v.swi Sonn lag*' f Sonntag ?w 

Osirnij gef/psscn, 
windraATel f. Weiniranhe, 
irindselieif adj. schief, 
viplien su\ r. auf- und niederheicegen. 
wiselie f. die. Wiese. 
Uies(*lieii, Kospfonn für Luise. 
wisen sw. r, xeigen. Rda.: hei will 
sek wat wisen, er unll ,^ich \eige7i, 
grosstun. Auch hd, wird weisen 

= xeigen gebiaueht 
wiser m. der Zeigen- an der Uhr. 

haiidiriser, der Wegweiser, 
vitehen sw. v. weissen, tünchen (der 

Wände und Zinmi^decken). 
iriteher m. der TüneJier. 
wttsehen adj. u. adr. hlass. hei BÜt 

saa witschen nt. 
wittfru f. Wiitve. 
whtferwer m. der Weissgerber. 
nrittiiinnn m. Witwer, 
^iwestttek ?i. eine Frauensperson (rer- 

nchtlich). 
>riwertÜ8r n. collect, das fVauenvolk 

(verächtlich), 
woeken w. d^r Spinnrocken, 
woekenbreif m, ein U7n den Flachs 

des Spinnrockens gelegter dünner 

Pappstreifen, der auf der äusseren 

Seite verziert ist und mit einem 

Bande befejttigt wird. 
wohen adr. wohin; auch getremü. 

wo wntt de hen? 
sek wSltem s^o. v, sich wälzen. 
wolsmaek m. die Leckerhaftigkeit. 

wolsmack makt den beddelsack, L<?cA:fr- 

haftigkeit bringt den Mensclien an 

den Bettelstab. 
TToim in. hei hett wörmer in^n koppe, 

er hat Launen, grillenhafte Ein- 
fälle (vgl. mnekeny. 
^orstspil s, spil. 

wormkauken, kleine PUitxchen xum 

Abtreiben der Eingeweidewürmer. 
woimloek n, von einer derben Speise 

sagt man: dat sett sek vor de worm- 

löcker. 
worstkrflt n. Majoran und ThtputnUy 

die uir Wurst genommen werden. 
worstsuppe f. Brühe, in der die Wurst 

gekocht ist. 



sek wningen, fningren sw. r. ringen, 
sich balgen, 

wring:en sw. r. ausringen, 7tas.*ies Zeug 
stark zusammendrehen und so das 
Wa^,9er herauspressen. 

wUlwiscIi adj. wölfisch, ne wülwische 
külle (Kälte), 

wulle f die Ilaare. einen in de wnlle 

. packen, in die Ilaare fas.'ipu. 

irnllkopp m. der Krauskopf. 

wundern sw. v. beständig Bedenken 
äu.ssefi'n. 

wnnderklump ni. ein MeuJich, der .^lets 
„wundert^. 

wuneften, in welcher Gegend wnneften 
wont hei denn, d. i. in welcher 
Gegend wohnt er denn. [G.] 

wnpptich n. ein kleiner Schna2)s, der 
mit einetn Schluck ausgetrunken 
ivird. 

zabbern, vo7i Hunden, wenn .^e auf 
eine heulende Art unablässig bellen. 
Uneigentlich \anken mit rieler Ge- 
läufigkeit der Zunge. [G.] 

zadder hd. [entstellt au.s nd. tador] ein 
xähes Stück Fleisrh, da.s mit Sehnen 
durchsetxt ist. 

zadderig:, xäh, faserig (vom Fleuich). 

zagre tn. Feigling; nur in der Rda.: 
schrien wi ein zage. 

zähmen refl. r. (nd. sek tttnien^, .vch 
etwas xu gute tun, etwas auf .svW/ 
verwenden, er zähmt sich nichts. 

zapperlot! Intel j. 

zarren, necken, vexircn, [G.\ 

zaunstake f, der Zaunpfahl. 

zeit f Liebe Zeit! Au.sruf des Mit- 
leids. 

zekken, necken, vesiren, [G.] 

zerjen sw. r. in bösartiger Wei.se necken, . 
xum Zorne reizen, zerje nich hiit 
dem kinde. 

zeter mordio! Intoj. 

zetteni (mnd. seteren, wittern) in 
der Zusammen,set\ung zettern nn 
bebbern. 

zIbbe /'. weiblicJies Kanim'hen, 

zieke f. Ziege. 

ztiishän m. ein leicht erregbarer, streit- 
süchtiger Men.sch. 



32 



zi|)cn, pfeifen vk Mäuse oder Vögel, 
nneifj. jemamJen hrar ^latelxeji. 

zipp Kipp. Inierj. xur Beschämung 
kleiner Kinder, 

7\\m\. 1) Zwiebel 2) Zipfel, Ende 
an der Wurst, an Sachet , xur 
Kleidung n. dgL gehörig. [(?.] 

zippoUe f Zwiebel 

ver/Jppclii, verzweifeln. [G,] 

zippelnkSnige jy/. Spottname für die 
Gemüse batiejiden Bewohner des 
Dorfes Westerhausen. 

zi|)sersaine]i, zerriebene Zitw er iviirzel 
zum Abtreiben der Würmer bei 
Kindern, 

zisemttnneken, nass gemachtes und 
wieder hulbgetrocknetes SrMess- 
pulver, dns angezündet und xischetid 
allnuüilig verzehrt wird (ein Knaben- 
spiel), 

zitter f Kirchengewölbe der Schloss- 
kirche. (Korbt. VII, 7 f, 47 ff.) 

zolin in. Zelle \hd. aus nd. töa ent- 
stellt ]. 

zo|»p m. der Zopf. Rda.: ek will 
dek op'n zopp spucken, ich will dich 
demütigen. 

zu. ein zuer wagen (yid. en töen wagen^, 
ein geschlossen ei' Wagen. 



Zuckeltrab m. langsamer Trab (rqL 
Brem. Wh. 4, mu): der Tamviud 
erschwert den Füchsen das Ijaufeu^ 
dass sie e^ ni/'ht über einen Zuckel- 
trab bringen. W. Heiynburg, Im 
Wasserwinkel S. 147. 

znckerdlng n. Da hat 'ne Muiter 
einen Weihiachtsbaum geputzt und 
da hängt ein reizend bunteji zucker- 
ding drati. Heimburg. Im Wasser- 
Winkel S. 236-. 

zuekerguss m. In der Mitte der Tafel 
prankt das Modell der kleinen Villa 
aus zuekerguss Iver gestellt. W. Ileim- 
burg, Im Wassenvinkel S. 297. 

znekerkant m. (saccbara canda) KatuUs. 

znckerpupi^e. 1) Pu2>pe awi Zucker, 
besonders zum Schmucke des Weih- 
nachtsbaumes.^ 2) ein verzärteltes 
Frauenzimmer. Na du warst ja 
immer seine zuckerpuppe, werd' nun 
etullich mal gesund. Heimhurg. 
Im Wasserwinkel S. 126. 

zwecke f. Nagel zum Beschlagen der 
Schuhsohlen. 

zwetsche f. in Qu. au-s.schliesslich dir 
getrocknete Pflaume. 

zwiebeln (M.) quäleUj ängstigen. 

zwilliehten, Dämmerung. [G.] 

zwiselsbere f. Frucht der wilden 
Kirsche. 



NORTHEIM. 



R. Sprenger. 



33 



Die Voeale 
der oldenburgisehen Mundart. 

Vorbemerkung. 

Im folgenden hat der Verfasser das Dialectmatcrial zusammen- 
zustellen versucht, welches noch jetzt als lebendes Sprachgut anzutreffen 
ist. Von der Unterstützung, die er dabei erfahren hat, waren, 
abgesehen von der § 7 citierten Littcratur, besonders wertvoll die 
mündliche Auskunft seiner Eltern und die Franz Poppe's, des Alt- 
meisters oldenburgischer Dialectlitteratur. 

Seine Eltern haben mit grösster Freude aus ihrer Kenntuis des 
filclenburgischen Sprachschatzes beigesteuert und ihnen sei auch hier 
riffcntlich herzlichst gedankt. 

Den Dialectschriften Franz Poppe's habe ich sehr viel zu danken, 
da ein grosser Teil oldenburgischen Sprachgutes darin enthalten 
ist. Er war auch so freundlich, mir persönlich weitgehendstes Ent- 
j;egenkommen zu erweisen und aus seiner umfassenden Kenntnis des 
Diulects heraus mir auf meine Aufraffen jederzeit Auskunft zu erteilen. 

Der Dank, den ich ihm persönlich bereits aussprechen konnte, 
sei hier erneuert. 



Einleitung. 

s5 1. Zur Einleitung seien zunächst einige Bemerkungen über 
die Zusammensetzung des Herzogtums Oldenburg gestattet, (cf. P. 
Kollmann, statistische Nachrichten der Gemeinden des Herzogtums 
Oldenburg. Oldenburg 1897, mit Karte.) 

Drei Teile sind zu scheiden: 

1) das fruchtbare Marschland an der Nordsee, dem Jade- 
busen und der Weser. Die Bevölkerung ist friesischer 
Herkunft und evangelisch. Die Sprache ist friesisch- 
niederdeutsches Mischprodukt. 

2) die oldenburgische Geest, der mittlere Teil des Herzog- 
tums, in Gestalt eines Rhombus ungefähr, von dem die 
Linien Zetel — Wildeshausen, Apen— Delmenhorst die Dia- 

Xi«derdeutsche« Jahrbuch XXX. 3 



34 

goualeu bilden. Die lievülkeruiig ist säclisisclieu Stammes 
und evangelisch. Die Sprache ist aus dem Sächsischen 
hervorgegangen. 
3) die münstersche Geest oder das oldenburgische 
Münsterland, der südliche Teil des Landes (erst seit 
1803 zu Oldenburg gehörig). Die Bevölkening ist sächsisch, 
aber katholisch. Die Sprache ist ebenfalls aus dem Säch- 
sischen hervorgegangen. 

Im nördlichen Zipfel liegt das Saterland, eine 

westfriesische Kolonie, die, jedenfalls was den älteren Teil 

der Bevölkerung betrifft, ihren Dialect bis heute bewahrt hat. 

§ 2. Zur Behandlung inbezug auf den Vocalstand ausgewählt 

ist nun von den auf oldenburgischem Boden gesprochenen Mundarten 

diejenige, welche die „oldenburgische" in Sonderheit zu nennen ist. 

d. h. diejenige Mundart, die in der Hauptstadt Oldenburg und ihrer 

näheren Umgebung gesprochen wird. 

Man kann aber sagen, dass, abgesehen vielleicht von kleinen 
Schwankungen, diese Mundart koine für die ganze oldenburgische 
Geest ist, denn das dort gesprochene Niederdeutsch ist von ver- 
hältnismässig grosser Einheitlichkeit; jedenfalls sind die örtlichen 
Abweichungen nach meiner Erfahrung weder sehr zahlreich noch 
sehr erheblich. 

§ 3. In Oldenburg selbst wird reines Platt wohl nur von 
denen gesprochen, die sich seiner fast ausschliesslich bedienen; denn 
die ^Zweisprachigen" sprechen leicht sowohl das Hochdeutsche als 
das Plattdeutsche unrein, das hd. mit nd. Wörtern und Wendungen 
und umgekehrt das nd. mit hd. (^schier messingsch" der „dütsch 
ferdarwer" !). 

§ 4. Trotzdem im allgemeinen (auf dem Lande steht als etwas 
allzubekanntes die eigne Mundart in nicht hoher Achtung) der Olden- 
burger seine Sprache liebt, besonders da das grossherzogliche Paar 
als Freund und Schützer der heimischen Zunge bekannt ist, (die 
Grossherzogin ist eine meklenburgische Prinzessin) weicht das Platt 
mehr und mehr zurück. Die jetzige Jugend versteht einen Teil der 
Ausdrücke alter Leute schon nicht mehr; sie verwendet dafür Wörter, 
die im hfl. ihre Entsprechungen haben oder dem hd. nachgebildet sind. 
Verkehrsleben und moderne Erziehung, Wehrdienst etc. tragen 
selw dazu bei, dem nd. immer mehr Boden zu entziehen; das Platt- 
deutsche wird als Bildungsliindernis empfunden, stellenweise sogar 
ist auf dem Schulhof plattdeutsche Unterhaltung verboten. 

Mit einem Fremden, zumal wenn er städtisch gekleidet ist, redet 
ein Landmann eher hoch- als plattdeutsch, vielleicht z. t. in der 
Meinung, doch nicht verstanden zu werden, z, t. aus lAircht, für 
ungebildet zu gelten. 

§ .'). Das Oldenburgische gehört zu den Dialecten, die sich 
am reinsten erhalten haben, nämlich zu den nordniedersächsischen 
des linkselbischen Stammesgebietes der Sachsen. 



35 

Der im folgenden behandelten Mundart sind benachbart im N. 
das aus friesisch und nd. bestehende jeverländische Platt, im 0. die 
Unterwesermundarten des alten Stedingerlandes (Braker Platt) und 
das Bremer Platt; im S, der Dialect des oldenburgischen Münster- 
landes, der zu den hannoverschen und westfälischen Mundarten über- 
leitet, und das Saterländische; im Westen endlich die ostfriesischen 
Emsmundarten. 

sj G. Aus mnd. Zeit liegen o. Urkunden vor: 

Urkunden, von 134-5 an, in v. Halems Geschichte Olden- 
burgs I, p. 468 ff. 
Kleiner Katechismus, abgedruckt bei Schauenburg, 100 Jahre 
Oldenburg. Kirchengeschichte. Bd. 2. Oldenburg 1897, 
p. 542 ff. 
Ueber die auf der grossherzogl. Landes- und grossherzogl. 
Privatbibliothek befindlichen mnd. Handschriften cf. C. Borchling, in 
den Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften, Göttingen 
1898, Heft 2, p. 84 ff. 

5^ 7. Vom Verfasser benutzte Proben der heutigen Mundart: 
Lübben, Niederdeutsche Sprichwörter zwischen Ems und 
Jade, in den „Deutschen Mundarten *', hrsg. von From- 
mann, II 387—94, 535—43, HI 427—32, IV 141—44, 
285—88, V 427—32, VI 281—88. 
Firmenich, Germaniens Völkerstimmen I 226 ff. 
Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum 
Oldenburg (mit vielen nd. Beigaben). Oldenburg 1867. 
Ders., Die Namen der Haustiere im Herzogtum Oldenburg 

in den „Deutschen Mundarten^ III 490 — 502. 
J. Goldschmidt, Der Oldenburger in Sprache und Sprüch- 

wort. Oldenburg 1847. 
W. Rah den, Kruse Menthen, plattdeutsche Gedichte meist 

heiteren Inhalts. Oolmar 1. 0. 1808; Selbstverlag. 
O. Thyen, FiCn Johr Soldat, plattdütsche Koramisgoschichte. 

2. Aufl. Oldenburg 1902. 
Franz Poppe, Marsch un (ieost, Gedichte. Oldenburg 1879 

(jetzt neue Auflage!). 
Ders., Jan un Hinnerks gesammelte Werke. 2 Bde. Olden- 
burg 1902. 
Ders., Verstreute Erzählungen im Oldenburg. Generalanzeiger. 



3* 



36 



Abschnitt I. Phonetisches. 



1) Allgemeines. 

§ 8. Die IndiflFerenzlage oder Articulationsbasis des o. ist nicht 
die gleiche wie im hd., völlig richtiges Platt in hd. Articulations- 
basis hört sich sozusagen unwahr an. 

Es wird der Unterkiefer beim Sprechen etwas mehr nach vorn 
geschoben als im hd., sodass einem Oldenburg. Munde nicht schwer 
fallt, das P^nglische richtig zu sprechen. 

Die Lippentätigkeit ist gering und der Mund wird mehr in die 
Breite gezogen als beim hd. 

Die Zunge funktioniert ebenfalls träge und zieht sich unter 
Verbreiterung mehr in den Hinterraum des Mundes zurück. 

Die Kehlkopftätigkeit ist mittelstark, wenngleich im Anlaut kn 
und ////, kr und (jr öfter mit einander wechseln. 

Der Kehlkopfstand ist tiefer als im hd. 

Die Articulation findet also mehr im hinteren Mundraura statt 
als es im hd. der Fall ist. 

§ 9. Tonstärke, -läge, -höhe. 

1) Die germanische Stammbetonung hat im o. so reduzierend 
gewirkt, dass nur zwischen Ton und Tonlosigkeit zu scheiden ist. 

2) Die Tonlage ist in der Regel wie im hd., d. h. der Stamm 
trägt den Ton. Abweichungen sind nur einzeln, .s-A/^^r^;?, Schlagfittich. 

Bewahrt, im Gegensatz zum hd., ist der Ton auf der ersten 
Silbe in tMvy Zigeuner, Tartär. wdßnhfömf), Marienblümchen. 

3) Musikalische Modulation ist im o. nicht vorhanden; die Rede 
läuft, abgesehen von Affektzuständen, ziemlich eintönig. 

§ 10. Quantitäten. 

1) der Vocale. Länge, Überlange, Kürze, Überkürze sind wie 
im hd. zu scheiden; ausserdem noch Halblange vor dehnenden Con- 
sonanten. 

Im folgenden wird jedoch der Einfachheit wegen nur nach Länge 
und Kürze geschieden, zumal auch diese Unterscheidungen in zusammen- 
hängender Rede nicht aufrecht erhalten werden. Kurze Vocale sind 
immer offen, etymologisch lange geschlossen ausser ä. Etymologische 
wie Ton- und Ersatzlänge werden durch dasselbe Längezeichen — 
wiedergegeben. 

2) der Consonanten. Wie kurze und lange Vocale, giebt es 
kurze und lange Consonanten. Letztere sind jedoch im o. nicht mehr 
vorhanden; an ihre Stelle sind die fortes. getreten; wirklich lange 
Consonanten zeigen sich im o. nur da, wo zwischen zwei gleichen 



37 

Consonanten, von denen der erste lenis oder fortis sein kann, der 
trennende Vocale Syncope erfährt. 

vj 11. Kehlkopfverschlusslaut. 

Betonte Vocale im Anlaut werden wie im hd. mit vorhergehendem 
Knackgeräusch, dem Kehlkopfverschlusslaut gesprochen. In zusammen- 
hängender Hede geht er jedoch oft verloren, besonders bei den im 
Satztiefton betindlichen Encliticis, z. B. fibf, sagte er. cek aus cedik 
aus ret ik, weiss i(jh. 

§ 12. Aspiration von Consonanten. 

Die velare, labiale und dentale Tcnuis werden im o. wie auch 
sonst meist in Deutschland mit einer Art Aspirierung gesprochen, die 
im o. Auslaut am stärksten ist. Dieselbe bleibt in dieser Abhandlung 
ohne Bezeichnung. 



2) Verzeichnis und phonetische Darstellung 
der Laute. 

§ 13. Massgebend für die Wahl des phonetischen Trans- 
scriptionssystems ist die Absicht gewesen, möglichst genau den Laut 
wiederzugeben, dabei aber nicht durch viele diakritische Zeichen zu 
verwirren und denselben Laut stets durch dasselbe Zeichen wieder- 
zugeben. 

L Vocale. 

i^ 14. Je nach der Stelle, wo die Zunge das Gaumengewölbe 
berührt, sind die Vocale zu scheiden nach velaren, palato-velareu 
und palatalen Lauten, je nach dem Grad der Zuugeuerhebung in 
hohe, mittlere und niedere Vocale. 

Nach der Lippenarticulation ist zu scheiden zwischen schwach 
gerundeten und ungerundeten Vocalen. 

Ohne Lippenrundung. 

A. einfache Vokale, a) velare. 

§ 15. a, ü. Der mittlere Vocal a unterscheidet sich nicht vom 
hd. kurzen a. Ein dem hd. langen a entsprechendes orales langes 
'/ findet sich im o. nur, wo kurzes a durch Schwund nachfolgender 
r-Articulation Ersatzdehnung erfahren hat. Seine phonetische Wieder- 
gabe ist = ä. 

b) palatale. Hier ist zu scheiden zwischen hohen, mittleren 
und niederen Vocalen. 

§ 16. 1) hohe Vocale: /; i. Das ohne Spannung des Zungen- 
muskels gesprochene / ist vom hd. kurzen i nicht verschieden ; ebenso- 
wenig das gespannte i vom hd. langen i. 



38 

§ 17. 2) mittlere Vocale: e, i, e. Das kurze e jeder Herkunft 
ist ein ungespaimter Vücal, gleich dem hd., vor r -J- Cons. wird es 
zu einem etwas gespannten, halblangen engen e = e. 

Stärkere Spannung zeigt das etymologisch lange e in enger 
Aussprache = e. 

§ 18. 3) niedere Vocale: äf ä. e vor r + Cons. wird oft zu 
einem breiten Laut, der an Lippenöffnung und Kieferwinkel = hd. ä ist. 

Das tonlange e im o. zeigt denselben Laut, nur lang. Seine 
phonet. Wiedergabe = ä, 

§19. c) palato-velare: ^. Ein Mischlaut aus guttural-palataler 
Zungenhebuug ist das überkurze e = 9. 

B. Diphthonge. 

§ 20. Ungerundeter Diphthong ist im o. = ai, lautend wie 
hd. ai, ei. 



Mit Lippenrundung. 
A. Einlache Vocale. 

1) Velare. 

§ 21. äy ä. Der Laut, der durch d wiedergegeben wird, ent- 
spricht dem o im frz. encorc; es fallen in ihm zwei etymologisch 
verschiedene Vocale zusammen: 

1) üj das vor r -|- Consonant unter Rückgang der Zungen- 
hebung ä wird. 

2) Of das ebenfalls vor /• + Cons. oft diesen Laut annimmt. 
Den gleichen Laut, nur mit langer Quantität hat fl, das für 

etymologisch wie tonlanges mnd. a und tonlanges mnd. o heute ein- 
getreten ist. 

§ 22. Oj Oy ö. Das kurze ungespannte o ist vom hd. nicht 
verschieden; desgleichen das etymologisch lange o = ö nicht, das 
wie alle etymologischen Längen, ausser ä eng gesprochen wird. 

Halblänge, doch gleiche Qualität wie ö, hat o in manchen Fällen 
vor /• + Cons. = d. 

§ 23. ftf ü. Uf offen wie alle Kürzen, ist vom hd. kurzen u 
nicht verschieden, ebensowenig das geschlossene lange a = ü vom 
hd. langen u. 

2j palatale. 

S 24. oe, a, m vereinigt die Zungenstellung von ä mit der 
Lippenstellung von ö\ es ist ein breiter niederer Vocal, gleich dem 
in frz. Oeuvre. Er vertritt den Umlaut von d aus o vor /* -f- (-ons. 
und hat wie dieses Halblänge. 



39 

Die gleiche Lautfarbe zeigt die Länge S\ sie vertritt die Umlaute 
1) von tonlangeui w, 2) von etymologisch laugem a und 3) von ton- 
langem 0. 

S 25. öf Oy o. Gleich den zu Grunde liegenden o-Lauteu ergeben 
sich; Kurzes, oft'enes ö als Umlaut von o, ist vom hd. kurzen ö nicht 
verschieden. Die Qualität von o und o ist dieselbe, die des engen 
rV-Lautes des hd. langen ü. Der Quantität nach hat o als Umlaut 
von 6 Halblange; ö als Umlaut von etymologisch langem o Länge. 

§ 26. y, //. Die im o. vorkommenden kurzen und langen ü 
sind vom hd. nicht verschieden; f/ = dem hd. kurzen, ;/ = dem hd. 
laugeu ü. 

6. Diphthonge. 

S 27. (iK, oL Gerundete Diphthonge des o. sind an und sein 
Umlaut oif der allerdings hier und da durch Entrundung mit al 
wechselt, an = hd. au, ol = hd. äu, eu. 

II. Cousouanteii. 

Da die Consonanten in dieser Arbeit nicht behandelt werden, sei 
hier nur über die das Nötige gesagt, welche entweder ein besonderes 
phonetisches Zeichen erhalten oder welche vom hd. abweichen, damit 
das Lesen der später zu verwendenden Consonanten in der Material- 
aufzählung ermöglicht wird. 

§ 28. Die Verschlusslaute, volare wie palatale, labiale wie 
dentale weichen im allgemeinen nicht von der gemeinnorddeutschen 
Aussprache ab; genaueres darüber gehört in eine Abhandlung über 
die Consonanten. Einer besonderen phonetischen Bezeichnung bedürfen 
sie daher nicht. 

§ 2*J. Für die Laute mit Mundöfinung, also den Hauchlaut h 
und den Kehlkopfverschlusslaut (cf. J; 11 dazu) gilt das nämliche. 

§ 30. Ueber die Reibelaute ist einiges zu bemerken; je nach 
der Stelle der Enge im Mundraum teilen sie sich in: 

1) Velare. 

55 31. a) stimmlos, x. Dieser Laut entspricht hd. ch nach 
Velaren Vocalen. Seine Intonation ist besonders im Wortauslaut 
ziemlich energisch. 

55 32. b) stimmhaft. §. Stimmhaften vclaren Reibelaut hört 
man im allgemeinen im o. nur uoch hier und da bei älteren Leuten; 
die Gemination wird individuell von ihnen noch lang gesprochen, 
z. B. in Wörtern wie hryg^y Brücke, rog^, Roggen. 

2) palatal. 

v$ 33. a) stimmlos, c c vertritt im o. denjenigen Laut, welcher 
hd. ch nach hellen Vokalen entspricht. 



40 

§ 34. b) stimmhaft, j. Der dem c entsprechende stimmhafte 
Laut kommt im o. an- wie inlautend vor; er ist = hd. j. 

3) labiale. 

§ 35. a) stimmlos. Der labio-dentale Reibelaut /"ist gleich hd. f. 

§ 36. b) stimmhaft, c, u\ c vertritt den stimmhaften labio- 
dentalen Reibelaut, der in hd. Orthographie durch w wiedergegeben 
wird. Der bilabiale stimmhafte Reibelaut w findet sich im o. nur 
noch nach einem Consonanten im Anlaut. 

4) dentale. 

§ 37. a) stimmlos, s. Das stimmlose ö- findet sich in Ver- 
bindung mit Consonanten. (Ausnahme stimmhaftes .s vor Cons. = 
Hrüly schwül.) 

§ 38. s. Dieser Zischlaut wird jetzt meist wie hd. seh arti- 
culiert; nur bei älteren Leuten kann man noch hören, dass die 
Articulation, wenn auch nur schwach, mit h beginnt und mit ch auf- 
hört, d. h. dass noch eine Gren:«e sich findet und der Laut bei ihnen 
noch eine Lautgruppe und nicht ein einheitlicher Zischlaut ist. 

s^ 39. b) stimmhaft. C. Das stimmhafte .s findet sich vor 
Vocalen wie im hd. Bei Schimpfwörtern aber wird es auch an dieser 
Stelle stimmlos. 

§ 40. S. Stimmhafter Zischlaut findet sich nur in Fremd- 
wörtern, = frz. j. 

§ 41. Der r-Laut des o. ist nicht mehr nur Zungen-r, sondern 
es dringt stark das uvulare /* oder Zäpfchen-/' ein, besonders in der 
Stadt. Die /-Artikulation des o. ist sehr schwach; nach a vor /' 
-J- Cons. schwindet sie ganz; ausser im reinen Anlaut wie nach 
Consonanz im Anlaut wird r eigentlich stets semivokalisch gesprochen, 
es beginnt mit einem dumpfen e-Laut und endet mit einem schwachen 
Versuch der /-Articulation. 

Seine phonetische Darstellung ist in diesen Fällen = r. Den 
gleichen Laut zeigt im o. die Partikel as. for- far- mnd. vor- o. fr- 
z. B. in frläbi, verlassen. 



Bemerkungen: 1) In der folgenden Beispielaufzähluug 
wird das Geschlecht der Substantive nur dann besonders ver- 
merkt, wenn es vom hd. abweicht. 

2) Eine Inconsequenz im phonetischen Trausscrii)tions- 
system ist, dass für die zu ä gehörende Kürze das Zeichen 
(je substituiert werden musste. 



41 



Abschnitt II. Historische Darstellung des 
Vocalismus der Stammsilben. 

A. Regelmässige Entsprechung der alten Laute. 

1) Kurze Vocale. 



§ 42. aud. a, mntl. a, gcrin. a hat sich im o. iu geschlossenen 
Silben in ein- wie melirsilbigen Wörtern vor ein- wie mehrfacher 
Consonanz in der Regel unverändert erhalten. 

Beispiele: diu^ Tag. drafj Trab, y^'^ify Grab, ijf'iti^y Grass 
(daneben yre^)^ glas, Glas, rat, Rad. slaj-^ Schlag, staf, Stab. 
fi/y all, schon, an, an. rf.sy als. (lau, dann, daty das, dass. fuH, 
von. knaj), eng, kaum. jhU, Fussweg. {fötpat.) fak, Fach, faf, 
Fass. f/(ity Loch, saj), n. Schrank. katHy Kamm, ral, Wall, bla/c, 
Tinte. y>a,S; recht, passend, (cht knint ml tö paa, das trifl't sich gut 
liir mich.) hamj m. Wiesenland. hak, Schüssel. Jan, Johann. 
korljuiiy Zaunkönig, lak, lose, unbefestigt. ßai<, Flachs, duk. Dach. 
hify Spreu, msy Wachs, stap, Holzgefäss {meikstap), apat, m. Fuss- 
krankheit der Pferde, kiak, klakf<, kleiner Schmutzhaulen. kak, m. 
einzelnes Excrement. sjjan, Gespann, (spati pdr, Gespann Pferde.) 
ßftj'j eine Strecke, z. B. des Weges = n ffax lum. Pak um pak, Sack 
und Pack, smuk, Geschmack, smtut, f. Hunger. swaÄ:, schwach. 
s/ap, schlaff*, nat, nass. f/fat, glatt, kas, stark, nap, Napf, api, 
Apfel. kra/y pnä, dral, dick und stramm. maly böse, verrückt. 
{ma! mal, f. Caroussel.) mty locker, undicht, .^nl, soll, max, mag. 
iimtsy Dreck, pant, Pfand, {axtrpant, Hinterteil.) kamp, m. ein- 
gefriedigtes Stück Land, kalf, Kalb, (kahvvivy albern.) ratsy Riss, 
onomatopoetische Interjection und Narbe einer rissartigen Ver- 
wundung. iKiti^, Schlag. (IhiU (im öniy Olirfeige.) hiysy entlang. 
ffiyky lang, (/rußy f. Graben, nh man töy immer zu, fortwährend. 
Amrffifdy Ammerland, kahy hdy Katze, axh-y hinter, pl^^f^fj Erd- 
scholle, Rasenstück. Cakr), sinken. Ä'/yy, liängen. {h/*/i(iyy hllbmy 
hängen bleiben.) rfdr^/icy weich, schwammig. (jntpsHy gierig nach 
etw. greifen, gral^htj herumtasten, (ßmpm, I.,aunen. pfadrn, kladruy 
klatschend regnen, hapmy Bissen haph-y gierig, ludxdy Ferse, Hau- 
instrument, dvaxty Tracht, dampy Dam})f. praxry Bettler; Schimpf- 
wort, .strupm, kleine Stücke, z. B. von einem Faden, knnu/frß, Haken. 
kraks, Mähre (Schimpfwort). pan<)y Pfanne, ptnaiy pfänden, panrortfhy 
Rührei, klatnj Kleiderfetzen, khitci) pnuiderH, naseweises Mädchen. 



42 

pfaktjf Flecken, hakdh, Gehacktes, haldh, Gebacktrs. rapaln, viel 
schwatzen. {rapUasi^j rapikatmi, Schwatzliese.) rrintf Raud, Mund. 
kanti)^ Ecke, kant uy k/dr, fix und fertig, kaidhäktjf Ilaken. {bni 
kanthäky krhjtjy jeind. ergreifen.) takyf Zacken, Zweig. Ufpm, Zai^fen, 
zapfen, knaf/y, ilickes Stück, fik sniinmj sich ritzen, snipuij kratzen. 
srapdi^y das aus dem Topf Gekratzte. {srapsRrn, Siebensachen.) 
am;, anderer, dan^y Tanne, bdlky, Balken, Boden des Bauernhauses. 
sHHifj Scliande. sadttj Schatten, i'dkr, Schlingel, (uh-y Schlange. 
ha tan, Gesässhälften. krahm, kleine Kinder, krabbln, kriechen, kuansns^ 
gleichsam, bahiln, viel und undeutlich reden, apa/ky, Funken; mit 
Armen und Beinen herumschlagen. faHläbmf, Fastnacht hanicy sehr. 
l/ranif'y geizig. inayk, zwischen. ta/toric, zerfetzt. i'ukr, tüchtig. 
t/HHiCf stark, fast, fest, atirs, sonst. rajd hebiUy verrückt sein. 
il'fayy, gespannt sein auf. paxtHy pachten, /lajrjjaxfty ausser Atem 
sein, ba/ruy laut klingen, (balrbf/ks^, Polterer.) balsffy laut dröhnen. 
fiicabrfhiy sich auf und nieder bewegen. kwahtr, zäher Schleim. 
{kirafsfifrn, ausspucken.) frapnty mit den Füssen laut auftreten, fah/y, 
flach pHügen. frampm, herumbalgen, kahduy zanken, fahfln, sich 
mit Speichel verunreinigen. sakf-Ny laut lachen, {ß^ikrpofjyy Frösche.) 
(jnantifrn, knirschend fressen, slakruy unreinlich essen, (slakrbdrfy 
unreinlicher Esser. slaki'dök, Serviette.) klabasUiUy geräuschvoll 
laufen, klapm, klatschen; in Ordnung sein, stimmen, jffpffi, nach 
Luft schnappen, gähnen, knap/n, onomatopoet Bildung = „kttap" 
sagen, s/apniy geräuschvoll trinken, z. B vom Hunde; vom Säugling 
= tld alap/H. dauiSy Tanz, (dansny tanzen.) jajclruy wild herum- 
springen. klatsrd(jy, Kutschewagen. 



e. 

Zu scheiden ist zwischen altem e.y and. germ. e und dem jüngeren 
py dem Umlautsproduct von a. 

g 43. Altes ey mnd. and. e, germ. Cy i hat sich im o. in ge- 
schlossenen Silben in ein- wie mehrsilbigen Wörtern vor ein- wie 
mehrfacher Consonanz erhalten. 

Beispiele: recy Weg. kek^ krek, keck. /(>•, sechs, sue/, schnell. 
'Sjtek^ Speck, bret^ I^rett. hp^ Galopp, Lauf, fei^ Fell, hell. kweksterL 
Bachstelze, nedn, J^tmUL unten, hinten, (fed^ Hefe, Gest. fdt^ Feld. 
lelt^ Welt, nrt an alect, recht und schlecht, knect^ Knecht, (fjt'öt-, 
litrAnect^ Gross-, Kleinknecht.) Mt, Zelt femp^ Senf. helpai. 
helfen t/ein, gelten. resi^/u^ wechseln. n%sf, Wechsel. smcltn^ 
schmelzen, schmilzen. . ßcctn, flechten, kcln^ schmerzen, ßdr^ Feder. 
leer* Leber. ,«fW//, schelten. /«A\s<^, Schulaufgabe, Züchtigung, {finrf 
lekiirf krlf/y.) leky^ lecken, fekiffs, Leckbier, rannmtrn^ lärmen, rediyy, 
zittern. Auch in ledic, ledig. Mi^ric^ schmutzig. 

§ 44. Das Umlauts-^^. mnd. e, and. a konnte sicli ursprünglich 
nur in zwei oder mehrsilbigen Wörtern einstellen. Durch Syn- oder 
Apocope wurden aber manche alte Zwei- oder Mehrsilbler im Lauf 



43 

der Zeit zu Einsilblern; ausserdem griff durch Analogiewirkung der 
Umlaut weiter um sich, in Einsilbler wie z. B. fjves neben gras^ Gras. 
Im ü. findet sich also Umlauts-^? in ein- wie mehrsilbigen Wörtern 
und da die umlauthindernden Consonantengruppen des and. ihre 
Wirkung eingebüsst haben, vor ein- wie mehrfacher Consonanz. 

Beispiele: elk^ jeder. 6?/?, Ackerland, mest^ Messer, het^ Bett. 
met. Fleisch, net^ Netz, tel in der Redewendung nie hm tel fin. 
nicht mitgerechnet werden, lek^ leck, Leck, eh^ Schusterahle. Cet^ 
Mass, z. B. nCet = eine Strecke Wegs, eine Zeitlang. M^ irdenes 
Haches üefäss, das bei der Milchwirtschaft gebraucht wird, hek^ 
Gitter, menic^ manch, mertic^ mächtig. Itels^ heL^n^ sehr; eigen tl. 
höllisch, wird aber nicht mehr erkannt. teln, zählen. {frldn. 
erzählen.) frkuentrn, in Kleinigkeiten viel vertun, hebw, haben. 
A'f/y, legen, fegy^ sagen. ri4ft^ setzen. b<*stenk\ be&tändig. (lefth\ 
tüchtig, haltbar. d^oky, denken jjetn, [min. Schritt für Schritt 
gehen, (klütnpedr^ Ackerschollentreter, Schimpfwort.) velfni^ sich 
wälzen. Hk frletn, sich aufhalten, kentrn^ umschlagen. fiTusn^ 
wichern. hekt) in üthekrf^ etwas aussinnen. (hresn, neben (Itrtfsn^ 
tauen. . Imlni^ eifrig reden, zanken, niesn, mästen, reafn, rasten. 
fykh Fussknöchel. lienic^ bequem. crJs in ölfreLs, altmodisch, fren.^ 
in oiffrens, altmodisch. (Ton beide Male auf o.) stenr^ Ständer. 
(f/irr,st4*Hr^ mittlere Pfeiler der Dieltür.) fhm(p)s^ dämpfig, engbiüstig, 
von Pferden. leiin\ Lämmer, hlemri^ minderwertig, unangenehm. 
V^'//r, Gänserich, edlinan, Edelmann, ey^hmiin^ Engländer (engl. Schiff 
und eine Art Schraubenschlüssel), redo^ Wette, lelsap^ Gesellschaft. 
/Vw/, junger Mensch (tadelnd) {lok ml (h fent^ eau de Cologne.) kreifipi, 
Trödel, fan en bet tö ren, von a — z. töles, zuletzt, anrles^ (uirhaii^ 
zuletzt; kürzlich, reun^ wenden, netl^ nedl^ Nessel, akrn^ Eicheln. 

i. 

§ '45. and. /, mnd. germ. i, ist im o. in geschlossenen Silben 
in ein- wie mehrsilbigen Wörtern vor ein- wie mehrfacher Consonanz 
in der Regel unverändert geblieben. 

Beispiele: vit^ Ritt, {tqnn rit Hn = tadelnd, viel unterwegs, 
wenig zu Haus sein.) srit, Schritt, sip, Schiff. atnit^ Schmied. 
spif^ Spiel, (spih'dk^ eigentl. Spielwerk, in abgeblasster Bedeutung 
meist = Ding, Sache.) pik^ Pech, dik, dick. fin^ Sinn, .s/////, 
schlimm, in^ in. U, neben e(^ (gebräuchlicher noch einfach ^'s. 
/V, ist. /A*, ich. fik, sich, sprik^ Reisig, rik^ Gestell, hlik^ Blech, 
blechernes Gefass. ,^ik =z rechte Form, (f/öt np sik fin^ in rechtem 
Zustande sich befinden; wohl, gesund sein.) fit, Fingerglied. //////, 
wenig, slik neben s/tk, Meerschlamm, hrik Gestell, auf dem Garn 
gewunden wird. ?/y>/// />/•//*, genau, spit in tdrfspit^ Torttoch. /////, 
eifrig. /«\s, Hetzruf. 

i in Vorschlagssilben: 

snikfifiak^ Gewäsch, rikraky, hin und herschaukeln, von schwer- 
fälligem Gefährt gesagt, kishfif] albernes Kind, Schimpfwort. sUknp 



44 

hebm^ schluckseii. (slikup iin ik gnyk ärrn stäc, slikup fidt rin un 
ik guyk rec, Spruch zur Abwehr des Schlucksens.) ßikßojjve^ flit- 
ßdf^ree^ üewäsch, Schwätzerei, Schimpfwort, frklikrn^ vertun, inw^ 
Biene, imkr^ Bienenzüchter. ////V/i?, Mitte, ////y, liegen. rihrK Rippe. 
kritfk^ Kreis. /vV?, gerade, aufrecht. ^/^, Zitze f^tiky^ rifstiki), 
Streichholz, cipm, auf und niederbewegeu. lipttt^ tiky^ leise anrühren. 
{tikai^ Kinderausdruck für ein Ei, neben tukiti) timpm^ Zipfel, Spitze. 
f/isfrn^ gestern, ///fo, Boden über dem Kuhstall, kipm, umwerfen. 
krilrday prickeln, nlhaln,, zaghaft und wenig geniessen. kriinyln nn 
iifHr}/n^ Durcheinanderlaufen von kleinen Tieren, von Farben. //nV««, 
entbehren, sfiijjdln^ in kleine Teile zerschneiden, {sniplbönn^ Gericht 
aus in der mlplmäl kleingeschnittenen Bohnen.) i^p^'ikr^ Reisig. 
{i^priklfyr^ Reisigfeuer.) hinn^ innerhalb. ///<> fln^ zu Hause sein. 
simp^ Schimpf. dnyky^ trinken. r/.%», gewiss, järisy^ ja gewiss. 
timm^ zimmern. b'nJu^ bitten. finn^ finden. hvih^ Gesässhälfte, 
Ausschnitt des Abtrittbrettes. (khu' mit clln krirt reke fdr fh briln^ 
eigensinnige Kinder bekommen welche hinten vor.) Htripui*^ Schläge. 
kriihUr, launisch. /?Av;, Tasche, ßkl^ Ferkel, Scheltwort gegen kleine 
Kinder, kliykr^ hartgebrannte Ziegel, kiiykrn^ hell klingen. pryAn^ 
binh)ln, läuten, silt^ bilt^ Bild. (J^ihrätsi^n, Ton auf r?, Wandbilder.) 
.<•//;•/<, Schildwache stehen, dann auch einen Stein so tiach über die 
Wussei Oberfläche schleudern, dass er mehrfach wieder abprallt. 
npvisn^ Ton auf up-, aufrichten, plykl., Wurst aus Speck, Grütze und 
Hirn. ßHi^dbagy^ Bogen aus W'eiden. ßinfn, düime Scheiben, z. B. 
von Brot. kirikv. huitkirihf, Hacke zum Hei^leumreissen. yrint^ 
Ueberbleibsel beim Mahlen. knih\ knikl^ kuipl, kleine Stein- oder 
harte Lehmkugeln für Kinderspiele, (knipaln,) gnikrn, heimlich in 
sich hineinlachen. stiptH^ Gesichtsausschlag; eintauchen. stipds, 
Specksauce. sj)iyk.dn sagt man vom Haar, das sich mit weissen Fäden 
durchzieht. kibJ/it, zanken, di.^r, Tischler, riky^ wahrsagen, ((btt 
rik ttl riky^ das will ich Dir sagen. rikrA.f, Wahrsagerin.) dtkrth^ 
Kaffeedick, hlky^ mit dem Schnabel hacken. //////>.>, lose Streiche. 
hinn^ hetzen. kiti)lu^ kitto/n^ kitzeln, finic^ leise, sachte. ////.s^<//'/r, 
nebelig, spi/beiit, dünnbeinig. .s7//>///, Rockzipfel, pfiykogy^ zwinkern. 
.s/w/Äv, das letzte, düime Ende an der Peitsche. knip*f^ geltknip^^ 
Portemonnaie. kfiit^r'u\ unzufrieden. spHufritakt^ ganz nackt. U'f/fipith 
verunglücken. itikopm^ nicken. stilky, leise, heimlich, blikadern^ 
Blitzmädchen, tadelnd und lobend, .s/r////, Schwindel, priky, stechen, 
z. B. Würste; Aale ^priky**, Aale fangen. trÜM/n^ in kleinen Schritten 
gehen. f/rlnfn, unzufriedene Laute von sich geben. (// drinln kö kric 
inir rat^ eine unzufriedene brüllende Kuh bekommt immer etwas. 
riefe, f. Richtweg. .siiki'n, naschen, stint^ kleiner Fisch, {stintsiirfi, 
Aprilschauer.) kitivn^ kitdfbfnn^ mit Ton auf ii, Gefängnis. Ititifj 
Hitze, "ftriyy^ schwingen, an fitni fhtf zumuten. /*i*.sv, Wiese, tri/ft^ 
zittern. -^ipn^^ ^'^^ ^^^' fahren. f^fp^/^ Seemann, lihriv^ schal, 
schwach von Getränken. imtd, Frühstückszeit. jif'<*l^, Gezänk. 
/is^>/yr, in einem fort, ßikrn^ flackern, bigy^ kleine Ferkel, //////ö.s-, 



45 

mit Willen, absichtlich, hibdn^ nicht von der Stelle kommen mit der 
Arbeit (Eigenname hihdler^ Hibbeler). sHpm lätii^ entgleiten lassen. 
mit hl ,<ilcy (Ton auf />«-), sich mit an den Tisch heransetzen, bisn, 
wild werden von Kühen, bei Bremsenstich, hriyk^ eigentl. Hügel, 
Ackerstück, bnykntr, kleiner Bauer, pihj, picken, {hömbikr, Specht.) 
himinnj Mass für Früchte, i^nigd^ Schnecke. {sni(j9 fmw /ö, kleine 
oder magere Kuh.) kinlber^ Kindtaufe. kHky^ Dohlen. 



§ 46. and. o, mnd. f>, germ. o oder n vor suffixalem a ent- 
sprechend, hat sich im o. in geschlossenen Silben unter den gleichen 
Bedingungen wie die bereits behandelten Kürzen in der Regel 
unverändert erhalten. 

Beispiele: o/*, ob, oder, hof^ Hof. gvof^ grob, sot^ Schliess- 
klappe. lof^ Lob. f/otJof, gottlob! to.r^ Zug. hlok^ tro.r, Schweinetrog. 
///O.S-, Moos. (moH'iminj Moosbienen.) fvom, fromm, ruhig, besonders 
vom Pferd gesagt, /b.s-; stark, adv. dop, Eidotter, toi, Zoll, dox, 
doch, noxy noch, kroty Jvurz, stämmig, hol, hohl. r(dj wohl, fok, 
Loch, i^wopj Bund Flachs, drok, eilig, (drokf^, eilige Zeit) hop, 
hot! Antreibeiiif für Pferde, rechts zu gehen, {de en^ ril hot^ de anr 
r/7 h^!) stok^ Stock, pot, Topf, kop, Kopf, krop^ Kropf, fos, 
Fuchs, fop^ Spitze eines Mastes; Hühnerkamm. .sVo/, Schloss. hof\ 
Gel)ot bei Auktionen, stof, Staub, holt, Holz, kost, Logis, kodher, 
Hochzeit, {iy kost fln hl, wohnen bei.) kolk, Teich. os9, Ochse. 
i<opy Suppe. foJk, Volk, Gesamtheit des Gesindes auf dem Hof. 
doxtr, Tochter. (foH, Gold. kloh), Uhr. klopm, klopfen. i^opw, 
Scliuppen, Seidel, mopm, kleine runde Kuchen, stopm, stopfen; Halt 
machen, {holt stop! halt an!) stopmful, bis an den Rand voll, holstr, 
kleiner Knabe, {holstrhnk, ebenso, scherzhaft.) snot^),, Nasenschleim. 
{snotläpl, Schimpfwort wie grüner Junge.) polevst kön, Huhn ohne 
Schwanz, dolnfiyr, Finger wie Pflöcke, kopl, Anzahl, {n heh kopl, 
sehr viele.) stop»l)i, Stoppeln. stoplhdrt, stacheliger Bart, hodn, 
Boden, hopm, Hopfen, rofe, Ratte. ho7iic, Honig, pofp, Frosch. 
)t<tgyi<töl, Pilz, fopin, necken, ßoky, Flocken, dobni, Sumpfland, 
sumpfige Wiesen, Strassenname in Oldenburg f'oky, Flachs am 
Rocken, nokrn, nörgeln, ßoyr, Dreschflegel, hoft, eingefriedigter 
Hof. holsn, Holzschuhe, mola, lange hölzerne Wanne, rotls. Eis, 
unter dem kein Wasser ist. {npt rotls fani, jemd. aufs Glatteis 
fuhren.) l)olt)i, Bolzen im Plätteisen. ^Wrj;^ Pocken, hotr^ Butter. 



§ 47. and. //, mnd. h ist in geschlossenen Silben vor ein- wie 
mehrfacher Consonanz in ein- wie mehrsilbigen Wörtern im o. in der 
Regel erhalten; gleich a und / kommt es sehr oft vor. 



46 

Beispiele: nity und. npy auf. hnty plunip, roh. .supa, Stoss. 
I'uly voll, hukj Bock, lasj sonst, hlukj Schluck. .s/wA-, IScbnaps. 
kiify L'»ckruf für Schweine, nie knuf nox knaf fegy, kein Wort äussern. 
huky (i lass. (litcdt hukj kleines Haus, geringschätzige Bezeichnung. 
swlnehuk, Schweinestall.) put, Knochenmark, nmi, Staub. nni/Hy 
stauben. Uwt, Zucht, rulf] Wolf, smu/, Rauch, Qualm, htxt, Luft. 
/iul un knuly Unebenheiten. 

In Vorschlagssilben: putpatn, stupsfctpm, trippeln von kleinen 
Kindern, humbam, alles Avas sich hin und her bewegt, Schaukel. 

auhln un stuhdu, herumstolpern, mudr, Morast. nuuivMär^lu, 
Moraststiefel. luMnij lauschen, zuhören, supun, stossen. unr, unter. 
{unrslax, Raum im Bauernhaus rechts und links von der Feuerstätte. ) 
juyfolk, die junge Welt. Hiur, sondern, ohne, tuye, Zunge, puh^ 
Flasche, tufu), Tonne. suh% Schulter, huky, bücken, (ambuky, Ton 
auf a, sich anlehnen.) ßuyk, Flügel, ßuykni, lügen (scherzhaft). 
(/runi9hi, donnern, klumpm^ eine Art Holzpantoffeln, klutuföf, Klump- 
fuss. stuhm, Baumstumpf, stump, Stumpf, stumpf, knupm, Knospen. 
knnhriCf ruh)ric, uneben, srupiu, sruhm, scheuern, s'rupr, .^nihr, 
Scheuerbesen, hud/, Flasche. snukrn, schluchzen. puAI, Rücken. 
puk9Ue, verwachsen, hukapak rl^n, auf den Schultern oder dem Rücken 
reiten, hitksu, stehlen, de heb ruud, alles zusammen. bul(/y, Wellen. 
puUn, klatsclien, vom Wasser. puUair, faule Eier, hulrrty rollendes 
Geräusch machen, (l)ulrhuj', Eisenbahnzug. Kinderausdruck.) huxtru, 
in Erwartung herumlungern, npduj't^nty lang aufgeschossen. (Ton 
auf up,) upHtumj jetzt. IntntsI, Gebinde, mul.^, durch Feuchtigkeit 
verdorben, smiky, Heidschnucken. tuky, zucken, vus^dn, rascheln. 
kuwhrutf weisser Kragen, katuf^du, Kartoffeln (auch tufdln, ft/frdk»s). 
puU^Uf gehen (von kleinen Kindern), mulsf^irir, verdriesslich. dupiUy 
tupfen. struyk9lN, strumpahi, straucheln, kumm m. Wasch-, Ess- 
schale, hrudic reim, brütend heiss. trmudln, trommeln. Ju-sfi)^ gerade, 
adv. kluhf, Bruthenne, (klnkyy Lockruf ausstossen.) buyky, grosso 
Knochen, puhn, rasieren; auch Drohung: //• ril jö pufsn, quos egol 
puts/tufis, Rasiermesser, ruh, Wolle, ruhlky, ruht, wollen, muiuiduy 
murmeln, sfruhi, harnen, kuky, sehen, pudie, rundlich, weich, von 
Kinderarmen. >tnnuh'n, langsam regnen. jnnjdln, kleine Säcke 
puyhhröt, Blutwurst in Leinonsäcken. jfutsir, sonderbar, muykidic, 
düster. luoisu, jammern, heulen, pukrn, Klopfen vom Herzen, du^^dn, 
im Halbschlaf sein. dusl, Schimpfwort, juffru, weinen, heulen. 
tinruhi, dampfen; von schlecht brennendem Feuer, liufs niif^ utufs^ 
Hals über Kopf, kudlmudly durcheinander, tunr, Zunder. Co mwr 
(IS tunr, mürbe wie Zunder.) hutur}, kleines Haus, verächtliche Be- 
zeichnung, muh, Mutterschwein, fruhnrn, verrotten. muWp, Fluss- 
fahrzeug, futnkväiu, Flickwerk. futUd, trübe Lampe, ßutru, flattern. 
^ub^/u, von schlechtsitzender Kleidung gesagt, die sich hin und her 
schiebt, ^uhyak, elender Kerl, aiuyk, Gurgel, (btu siuyk krlgy, 
jemanden ergreifen, gebräuchliche Redensart, dubdlt, doppelt, puml, 



47 

kleines, dickes Kind. klußtc, schlau. (juhh, Schmutz, pultpif 
poltern. hihinnH/dn, kopfüberschhigen. kti/ni, rollen. {kubrat, 
Spielzeug.) sinn(h/ir^ schmutzig. Uthnfs, scherzhafter Ausdruck für 
Barbier. 

Anm. frdumf, verdammt hat u statt ö in Anlehnung an 
flnm, dumm. 



2) Lange Vocale. 

a) Einfache Vocale. 

§ 48. and. (1, mnd. ä hat, was die Quantität betrifft, sich im 
o. in der Regel unverändert bewahrt, sei es dass es alter Länge 
entspricht, wie in den meisten Fällen (II), sei es dass es späteres 
(vontractionsproduct aus -(fhu', -(uh- ist (I). Die Qualität hat sich 
dagegen geändert, ausnahmslos ist ä eingetreten. 

L .^fdii, schlagen, ntä/, Stahl, wd/, Ziel bei Kinderspielen. 
(Kigenname Mähtet j Mahlstedt.) trchtdf Träne. rJ, Segelstange, 
Rahe. iHkf^ Adelheid. 

II. äs, Aas. häi^kevl, tüchtiger Kerl (meist ironisch), hräm(s). 
Ginster, ilät^ Tat. drät, Draht, (jäny gehen, stän, stehen, kräm, 
Kram, {krärnrnulkt, Krammarkt, Ilauptmarkt in Oldenburg, kräntfröy 
Wöchnerin.) tä, zähe, afnäf/rä, nachgerade, här, Haar. Jä/% Jahr. 
//«J/, Mahl. (wä/tU, Mahlzeit.) ÄVJr, klar, nuln, Mohn, Mond (auch 
mänt.) mänty Monat, mäty Maat. (.yV//i wät, Matrose, Seemann; 
Jan häyl un Cin mäf, Krethi und Plethi.) jhH^ Pfahl, pä/% Paar. 
prät, bereit, kträt, böse, räry selten, fät, Saat, säp^ Schaf, släf, 
moorige Vertiefung in der Heide, s/äp, Schlaf, stät mäky, Aufwand 
treiben, strär, schwer, tirärit, zwar, rän, Wahn, rar, wahr, ä/, 
Aal. (hlk, Nebel, prävi, flaches Lastschiff. rälrysN, Walküren, 
Elfen, Hexen, Alpdruck verursachend. kwäi, Qual. mät, Mass. 
wJ.s*, nachher. Mh, Sehale. b/ä(/9, Kind, Scheltwort, spräh), Sprache. 
Ijäk9, Bake, Seezeichen. )iähr, Nachbar, dräb), Drachen, ahmt, Abend. 
(fntiähmt, heute abend, nähmt, guten Abend, harn, Sense schärfen. 
/dtn, lassen, aussehen, (dat /et (jöt, das sieht gut aus.) fi'ärn, ver- 
derben, hldfu, blasen, hnhu, Braten, braten, dtt}, Atem, strafe, 
Strasse, srdt/opr, Schrägläufer, term. techn. beim Kegeln, md/n, 
malen, mahlen, häky, haken, räi^^n, raten, rädis, Rätsel, dnrär, 
Unwetter, ddkic, nebelig, frdwdlt, verwirrt, dar, dar. 

55 49. and. e ist entweder germ. e (I) oder es ist Contraction 
aus germ. ai (II). Beide ^ sind im o. erhalten. 

Das erstere zeigt sich nur in wenigen Wörtern, und die sind 
noch fast sämtlich Fremdwörter. 

L hvef\ Brief. teyl, Ziegel, speylj Spiegel. fevr, Fieber. 
{köle ferr, kaltes Fieber, eine früher in den Marschgegenden oft vor- 
kommende Krankheit. 



48 

stiulern, studiereu. kureni, heilen, balbern, rasieren, {halbenfr, 
Barbier.) /'rdeßmiern, verteidigen. waykeni^ mangeln, rejohert, 
entschlossen, rdimjerny reinigen. 

Im Infinitiv: meQny mieten. 

Zu den Praeteritis: hetf hiess. let, Hess, rep, rief, lepj lief. 
slep, schlief. 

IL let, leid, Leid, lep^ schlimm. inevy mehr, hrefj breit. 
repj Tau. swet, Schweiss. me, Schnee, pe, Nachtgewaftd der Kinder 
(auch ji>l genannt), kinr im pe^n^ kSnt de ök fre^n'^ Die noch Kinder- 
nachtgewänder tragen, können die sich auch mit Liebe befassen? 
hen, Bein, apredäk, eigentl. Spreizdecke, Schutzdecke für das Bett. 
ke, Kuhkalb, (keman,) es, ens, einmal, hei, heil, ganz, hei tö mäK 
allzumal.) I^in, Lehm, spekd, Speiche, hetj heiss. {het un fof, 
Braunbier, das am Herdfeuer gewärmt wurde.) rek, weich. fle/, 
Teil, mef., weiblicher Vorname. f/esnuKjrBt, Vorname, der oft als 
leichtes Scheltwort gebraucht wird, er, früher, {f'oler,) fe, See. 
fe, Zehe, dec^ Teig, s/ef, Schöpflöffel, Scheltwort, sfen, Stein, ef, 
Eid. JfeA, Fleisch, k/en, klein, kfet, Kleid. re, weh. re, Reh. 
hfek, bleich, [hlekd, Bleiche, hieky bleichen, frhleky, verbleichen.) 
reu (neben gebräuchlicherem rain), rein, frei, ausgezeichnet, frefhht, 
vom Roggen z. B. heisst ausgezeichnet stehen, en, ein. tire, z\vei. 
dre, drei, (pmen, gemein, leutselig. (Hk fpmen nulky, leutselig sein.) 
dehif teilen, inetni, meinen. lenH, leihen ^^Ay, Zeichen, ef/y, eigen. 
ieni, lehren, lernen, kern, kehren. kfe9H, im Schmutz spielen, Kinder- 
ausdruck, kie'rfii, kleiden, {afklenuy Ton auf a, abkleiden, abtrennen.) 
retn^ Weizen. fe(j9^ zum Tode bestimmt, fevr^ Speichel, Geifer. 
alen^ aletnc^ allein, -sei in uurAet^ Unterschied, aßet, Abschied. 
halßet^ Hälfte. heTr^ /lestrir^ heiser, se/rtn^ scheiden. (seJrätr, Scheide- 
wasser.) f^efjfn, weigern, eh^ Eiche, (eky^ eichen.) katehdky, Eich- 
hörnchen, kirefn^ Schwielen; nörgeln. {kirefnkofK Nörgler.) refp, 
Reihe, renn, weinen, refrn, wüten, kfenim, mit Lehm beschmieren. 
fr.^ern, misslingen. (fed, Gaumen. kfen\ Klee. ßk frfern^ sich 
erschrecken, (fest, Geest, hetn, heissen. emka, Funken. eläU, albern (V). 

Weiterhin e in den Praeteritis der L Ablautreihe: dref ivi^h. 
(jrep, griflF. IMef, steckte an. hlef, blieb. srej\ schrieb, sfee, stieg. 
bet, biss. (fiel, glitt, frs/ef, verschliss. stnet, warf, srei, schritt, 
re/, ritt. 

§ 50. and. /, mnd. ?, germ. l {i vor Nasal -|- Spirans f) hat 
si(^h im o. 

1) meist unverändert erhalten. 

nun, mein, din, dein, fln, sein, tlf, Zeit; fmi, der Plural 
davon bezeichnet Ebbe und Flut, fff, Leib. ri/\ Weib. sfrU, Streit. 
strifsö, Schlittschuh. Ait, Ausruf der Verachtung. snin, Schwein. 
rlp, reif, rtk, reich, drlsf, dreist, drutr, adv. dreist, ruhig; auf- 
munternder Zuruf. /////", gleich, lim, Leim, kwit, ledig, frei. spn\ 
Spitze von Aehren, Halmen; dann geringe Quantität bezeichnend. 



49 

.v/r, rein, dlk, Poich. 6?/, Beil. flU, Fleiss. grls, grau, ris, Reis, 
r//, weit, rii im fU^ weit und breit, sf'ff^ steif ^•^w, ^«/;«, keiner. 
,sirif, stark, schlimm. A//, Keil, /r/m, Keim, (klmm^ keimen.) twJr^ 
Zweig, r//*, Wein. sM, Uferscblamm. mt, Neid. ?2*^ (/>/«^ stark, 
heftig, r^s*, weise, (vlsnäs^ Naseweiss.) im knlp fitn^ in Bedrängnis 
sein, kmf^ Messer, lirndrair^ Orgeldreher, dipm^ schleifen, {sllp- 
stef'i.% mit eingezogenem Schwanz; slip üt^ Ausruf zum Verspotten.) 
/i/w, Leine. /*?</<?, Seite, Seide, strtky^ streichen, sich herumtreiben. 
sirtmaln^ die Nächte durchschwärmen. {swlnwlanf! Ton auf (f.) 
kirihi^ Speichel fliessen lassen, bei kleinen Kindern, hlmm^ pfeifend 
atmen, kwiky^ Quieken der Schweine. rltn^ reissen. (rUmpfU^ 
tadelnder Ausdruck; einer, der viel ruiniert, ritatiky^ Streichholz.) 
risbesn^ Reiserbesen, wric^ eifrig. kip9^ Korb, prlcl^ Empore in der 
Kirche. stiv9ls, Reisstärke, f^'^^^^h tadeln, blstr, wirr, böse im 
Betragen, (fik frhistpi^ sich verirren.) ptprn, piepen, pfeifen, Bein- 
linge, (byksnplpm !) ncl^ Weidenbaum, pitl^ kleines Haus, pll^ steil. 
/•i/>*, aufgehen, vom Gebäck, spltyi^ ärgern, {sptts^ ärgerlich, bissig). 
tiilu\ trächtig. Zr/fe, kleiner Holzofen zum Wärmen der Füsse. nr^^ 
verschwenderisch, snmi^ schneiden, (snl/äd^ Schneidelade.) sjnkr, 
Speicher, auch Nagel. Mldcer^ Seitentür. munt im fis ten^ den 
Mund verziehen, fis fln^ albern sein. w«r/y, harnen mlcemkQ^ 
Ameise. knipm^ kneifen, grlnn^ weinen ftte, Leiche, atripm^ 
streifen, Streifen tmpln^ zweifeln, pvlmm^ Tabak kauen. M'/lm, 
anstecken (von Krankheiten). 7nU9^ Milbe, ri/)*, zeigen, pifaky^ 
quälen, fisn^ Bauchwind fahren lassen, frlrn^ reiben, bitn^ beissen. 
r//«, reissen. Mn^ scheissen. pUi'pätrn^ Kauderwiilsch reden, vigl- 
rd(/if/N^ hin- und herschaukeln, bllbm^ bleiben, rimm^ Wiemen, Holz- 
ge.stell zum Aufhängen der Räucherwaren, auch der Hühnersitz wird 
so gerannt. trim^ Scheltwort, aus katnne, Ifn, eisern. {tCrapl^ 
Paradiesapfel.) hfe^ leise, fffy^fn^ greifen, (grfpsklau^ Scheltwort, 
Habgieriger.) kivn^ keifen, kmnn^ kränkeln, tllok^ Flugloch der 
Bienen, klky^ sehen {klk! interj. sieh! bnklk späln^ Kinderspiel.) 
finnbönn^ Rosinen. .Einholt, Glühholz. 

Anm. Angeschlossen seien hier gleich die Einsilbigen, 
deren in den Auslaut tretender Vocal Länge erfuhr: r7, wir. 
ji, ihr. wn, mir. r//", dir. /4, bei. 

2) in einigen Wörtern ist im o. e an die Stelle von f getreten: 

fre^ frei, (freait^ Freiheit, frenn^ freien, fret-^^ Brautfahrt.) 
spe9n^ speien. de9n^ deihen. {apet de kim% det de kinr, speien die 
Säuglinge, gedeihen sie.) vec/y^ neigen, reky, weichen, ßen in: dik 
upßen (Ton auf ?/.'), Deich reparieren (?). botr f/en^ Butter durch- 
arbeiten. kresH^ kreischen. 

§ 5L and. ö, mnd. ö entspricht entweder germ. ö (I) oder 
germ. au (II). Ein drittes, aus altem a oder ä hervorgegangenes 

Niederdeutsches Jahrbuch XXX. 4 



50 

mnd. ö, von Seelmann Jahrb. XVIII p. 141 anomales ö genannt, im 
o. ebenfalls als ö erbalten (III). 

I. /rö, Kuh. koföt^ Gewehr, Hebel, pö/, Pfuhl, Teich. Jiöf^ 
Flut. 7töx^ genug, krös^ Krug, Steinkrug, kröjr^ Kiug, Dorf Wirtshaus. 
stöl, Stuhl, dök^ Tuch, bök^ Buch, brök^ Bruch, sumpfige Niederung. 
(lön^ tun. klök^ klug, glöt^ Glut, hön, Huhn, so, Schuh, rö, 
Rute; Längenmass. divö, Lehmboden, piöx, Pflug, tö, zu. f/öt, gut. 
höt^ Hut. /br, trocken, dürr, möt,, Neigung, (möt hehm tö, Lust 
haben zu.) föt^ Fuss. ?/?ör, Moor. /Vir, Futter. /ör>?, futtern. 
höstn^ husten, Husten, inödr, wör, Mutter, .s/^ö/, Spule, suöpm^ 
naschen. bö9l,% römi böds, rote Farbe, brör, Bruder, knößn, scliwer 
arbeiten. />ör<?, Bube, gröptnkdr, Mistkarre, sösfr, Schuster. (.vö.s/r//, 
schustern.) ßjöh, Veilchen, jöln, laut schreien, wiöi, schön, swößpi^ 
schwanken. .<ö/aw, sich heimlich vorbeidrücken, röpn, rudern. (Jöjdn^ 
Schuhe von den Füssen schleudern, vorn, brüllen. 

II. /rö, Frau, Bäuerin, röm. Saum, .s/ö, schlau, smök, Rauch, 
Qualm, (ßi'öt^ gross, löp, Lauf, töm, Zaum, höx, hoch, döf^ taub. 
löf, Laub, s^ö^, Stoss. röi, Rauch, öi, auch, iö/, Kohl, knöp, 
Knopf, klöt, Kloss, Hode. {klöt sein, Kloot schiessen; ein Spiel in 
der Marsch.) lök, Lauch, (hüslök, donrlök,) föt, Brunnen, auch 
Russ. .^öf, I3und Stroh, döt, tot. blöt, bloss, .s'ö/, Schoss. (Aötfei^ 
Schurzfell.) nötholt, Sargholz, ör, Ohr. röt, rot. klön, Rolle Garn. 
bös (un aimni), Grannen der Gerste, ßömm, Nierenfett, drösl, Drossel. 
stöni, ein Gericht mit Milch bereiten, (gastöfta bann.) fö9H, födn, 
Torfstück, böiil, Kugel, {bösdln, kegeln.) pöts, Pfote, löpm, laufen. 
höpm, Haufen, köpm, kaufen, ögd, Auge. grötn m. alte olden- 
burgische Münze, höpman, Hauptmann, ävrhöpt, überhaupt, brö^n^ 
brauen. {brökätl, Braukessel; hägd inn brökätl, grosse Hochzeit.) 
glövn, glauben, Glauben, stötn, stossen. 

HL frö, froh. rö, roh. strö, Stroh. spök^ Spuk, kröm, 
Krume. .s;;öw, Spahn. /*ö, so. ?'ö, wie, wo. dö, damals, da. .;ö, ja 
(nicht die Bejahungspartikel!), röx, wog. 

In tröi)7i, trauen, tröuyk, Trauung, trörn, trauern, (trörir, traurig) 
ist ö aus and. ü kaum zu erklären. Liegt hd. monophthongiertes (fH 
zu Grunde? 

§ 52. and. ä, mnd. ä, gcrm. ü oder u vor w -f- Spiranten ist 
im 0. unverändert erhalten. 

Beispiele: üt, aus. knit, Kraut, kms, kraus, rüm, geräumig, 
Raum, buk, Bauch. j>w/ in mörpüt, eine Art Moorfisch, //wr, Bauer. 
nrül, schwül, püs^ Schmeichelwort für Katze, (püskat.) püsbaky, 
Pausbacken, dicke volle Backen, ör, ülir. /wZ, faul, hüt, Haut. 
tun, Zaun, inüs, Maus, küm, kaum, brüt, Braut, füst, Faust, lüt^ 
laut, strük, Strauch. «<j/?7r, schwer. Cur, sauer, knü!^, Brotende. 
{lusknits = erstes, bruniknüs =z letztes Stück.) dün, betrunken. 
dän bi, dicht bei. atms, Strauss. nts, eine Weile, bmn, braun. 
sür, Schauer, rün, Wallach, tak, genau, lüs, Laus, süni, Schaum. 
füs um bnls, Saus und Braus, snüt, Schnauze, knlp, Halsbräune. 



51 

A7ii/^, Erdscholle, {klütnpedr, Schimpfwort.) stütn^ feines Weizenbrot. 
jtnsfi^ blasen, hlh^ Grube, üh, Eule (Vogel, und kleiner Handbesen). 
s/ttki)^ schhicken. kmh)^ irdene, dickbäuchige Flasche, lüke^ Klappe. 
fitluky, auszupfen, iiülic^ heimisch, heimlich. süln^ hinschleichen. 
rüjcsnüt^ Schimpfwort, eigentl. rauhe Schnauze, rüxför^ grobes Futter 
(Heu, Stroh etc.). hütn^ draussen. (fam bütn rätn^ auswendig können. 
bütnhlnh ausserdem.) röAV, stürmisch. Püdlielt^ Marktzelt, fütrn, 
schimpfen (frz. foudre?). fükdln^ betrügen, rüxsn^ seufzen, {fuxsr^ 
Seufzer.) glüpm, heimlich blicken, schielen, smüsirlaxn^ schmunzeln. 
hüh^ Beule, tütn^ blasen; Papierdüten. lüthals^ aus vollem Halse. 
krüthof^ Gemüsegarten, düky^ tauchen, sülmi^ schieben, tüstdric^ 
zersaust, r/wrw, dauern, südrn^ schaudern, dümm^ Daumen, dum- 
kraft, Winde, Hebel. di^ß, eine Hand voll, küfn, Backenzahn. 
{küfnptn, 'kalt, Zahnschmerzen.) fTknüfn, gebraucht in der Redensart 
NU* ffknüfn kann, nicht leiden können, frsmüfn, verschmausen, slütn, 
schiessen, fff^tüky, verstauchen, jüxn, juchzen. hüCn, hausen. düv9, 
Taube. füTd, füfo, Einschläferungsworte. jm/«, klauben. {püHgd 
iVß<iit, mühselige Arbeit.) /m/w, heulen, müln, maulen. gmCn, grausen. 
düpsnt, tausend, gddüs, gedrückt, kleinlaut, lürni, lauern; Windeln 
kuKolürn, lauern, vom Blick, füpm, saufen, püpm, Kinderausdruck 
für den Stuhlgang, kmmi, kränkein. pfwn, Hautausschlag. piüst9ric, 
zersaust. {plfistrkoj), Schimpfwort.) hüsköl, eine Kohlart. rütn, 
Fensterscheiben, p/ünw, Pflaume, i-üky, riechen, spmtnköl, Knospen, 
Sprossenkohl, klüdrhän, Puter. 

Anm. 1. krüpm hat analogischns ü; es findet sich auch 
die richtige Form krejmi, kriechen, kmpr, kmphönn, eine Art 
Bohnensorte. 

Anm. 2. u im Auslaut Einsilbiger ist gelängt: nü, nun. 
r/ö, du. 

b) Diphthonge. 

Ein Characteristicum des o. Dialectes ist seine Diphthongen- 
armut, Armut im Verhältnis zu der reichen Diphtongonentfaltung 
westfälischer Dialecte. 

§ 53. and. ei, germ. ai vor j entsprechend, hat sich im o. 
erhalten, sein Vorkommen ist aber begrenzt. (I). Gebietserweiterung 
hat es erfahren durch jüngere Contraction aus ä -{-j und — egi — . (H). 

Beispiele: 

I. ai, Interjection der Liebkosung, aisn, aiky, streicheln, lai, 
Schiefertafel, swai, albern, dai. Wiege, ßaidic, schneidig, ai, Ei. 
ai — bai — holrbröt, sagt man, wenn man einen Stein flach über 
die Wasseroberfläche schleudert, filainic, boshaft. (Weiterbildung 
von filou?) 

Anm. Hd. Vocal zeigen: rain, rein, (rainover, adv. wirklich, 

tatsächlich, rainojern, ai mit Nebenton, reinigen.) tivai, entzwei. 

vaid^, Weide, haid^, Heide. n/?7^. Reise, baidi), beide etc. 



52 

II. Constractionsvocal ist ai 

a) aus ä -+- ./•" 

mai, Mai. maihnky^ beim Geben mit den Knöcheln auseinander- 
scblagen. drami^ drehen, vaiim^ wehen, rahnnt^ Triebsnnd. klamt^ 
kratzen, mami^ mähen. /hr<>n, säen. nai9n^ nähen, krabn^ krähen. 
krai, Krähe, brami^ stricken, {härn hrahn^ Strümpfe stricken.) 

b) aus — ajf?, — egi: 

Cailn^ segeln, losstürzen, faisd^ Sense, tain^ Zehn, haisfr^ 
junge Buche; Stock. kophaiHtr^ Kopfschuss. kranshaisfrn^ abkanzeln. 
haistr, Elster, cmmn, Grannen. ai,% hässlich, böse unartig. 

Desgl. in den Verbformen: slaiH(t)^ shif, schlägst, schlägt. 
gms(t)^ f/ait^ gehst, geht. stais{t)^ stait^ stehst, steht. Darnach auch 
dais(t)y daif^ tust, tut. 

§ 54. and a?f, germ. an vor n\ hat sich im mnd. als aw, oti 
und o. als au erhalten. (I.) 

Zuwachs hat an bekommen durch Contraction aus d + ?r. (IL) 

Beispiele: 

I. glau^ klug, (glam ögy,) gau^ schnell, nau, gdnan^ geizig. 
janifln^ heulen, weinen, hoyiant^ beklommen, snamn^ anschnautzen. 
rau nn räk, Ruh und Rüste, raimi, ruhen, r/a?^, Tau. daudyt^ tauen, 
verdauen, fdr dan nn dajr^ früh morgens, gnaumi^ gnamln^ nagen, 
knabbernd fressen, anlam^ Ziegenlamm, w/aw, Aermel. ßan^ schwach, 
ohnmächtig. hau9n^ hauen, .^anon, schauen. {vüfsausn^ warnen. 
Ton auf a.) kaimt, kauen, draudu^ drohen. 

II. grau^ grau. blan^ blau. lanrk, Lerche. klau9^ Klaue. 
{klausn^ stehlen.) krnn^hi^ kriechen, klam^^ Eigenname. 



B. Wandlung der alten Laute. 

1) Lautwandel, der durch Consonanten bedingt ist. 
L Kurze Vocale. 

a) Einfluss von r + Cons. 

§ 55. Der Einfluss von einfachem wortauslautenden r in Ein- 
silbigen ist unter den Tonlängen behandelt. 

Hier sei von den mannigfachen Einflüssen geredet, die r -f- 
Cons. auf den vorhergehenden Vocal ausübt. 

Teils ist Vocalbrechung hervorgerufen, teils nach Schwund des r 
(und wenn r -f- Cons. = rr^ nach Schwund von rr) Ersatzdehnung 
eingetreten. Weiterhin hat r H- Cons unter Halblängung des vorher- 
gehenden Vocals einmal Verbreiterung, zum anderen Verengerung 
der Aussprache desselben bewirkt. Diese verschiedenen Erscheinungen 
seien hier jetzt einzeln vorgeführt. 



5» 



1) Brechung. 

>5 56. Bei der Behandlung der Einwirkung von r -|- Cons. 
auf i ist zwischen einer älteren (A) und einer jüngeren Erscheinung 
(B) zu scheiden. 

A. and. i erlitt bereits im mnd. vor r -+- Cons. Brechung 
zu e. Im o. nun ist dieses e weiter zu a entwickelt und letzteres 
hat, nachdem r in der Aussprache gefallen war, Ersatzdehnung zu a 
erfahren. 

Beispiele: käh^ Kirche, bähv^ Birke, {bakvmair^ Eigenname.) 
cttst^ wirst, vdbl^ Wirbel, Türriegel. Mit Verlust der Ersatzlänge 
kasbern^ Kirschen, kasbörn^ Eigenname, rat, wird. 

Der gleiche Uebergang von l zu a resp. a zeigt sich, wenn die 
Gruppe r + Cons. erst durch mnd. Metathese entstanden ist. 

(Idfhy dritte (mnd. derde; and. thriddio). 

kdatu (auch mit Schwund der Ersatzdehnung vor Doppelkonsonanz 
kctstUj k(i.*tti), Christian. 

(latic (mnd. dertich, and. thrltig) dreissig. 

B. Der hier in Betracht kommende Lautwandel ist jung; die 
Sprache der älteren Leute zeigt ihn oft noch nicht. Das i ist 
articulationsschwach geworden und hat den Lautwert e angenommen; 
zugleich tritt Halblänge auf. 

Beispiele: serfn^ onomatopoet. Bildung; sausendes Geräusch 
machen, (he serst dr hen^ er saust dahin; Aepfel „serTn^ auf dem 
Ofen.) 

Hierhin gehört die Aussprache hd. Lehnwörter wie z. B. kersn^ 
Kirschen, hers^ Hirsch etc. 

§ 57. Aehnlich wie i verhält sich u vor r -4- Cons , ebenfalls 
ist hier nach älterem (A) und jüngerem o. Lautwandel (B) zu scheiden. 

A. and. u erleidet bereits mnd. vor /• + Cons. Brechung zu o. 
o ist im o. erhalten, doch ist seine Qualität verschieden 

1) o in enger Aussprache = ö zeigen Wörter wie lörm^ Wurm. 
törn^ Turm, snörky^ schnarchen, törnn, turnen, störbm, gestorben. 

2) o in weiter Aussprache = ä, kdrt, kurz, scirt. Schurz, 
Schürze, kelrna^ kürzlich. //<^?/'^ Grütze, sfdrtti, stürzen, bdrx^ 
Burg. f(^fkiß, Forke, dclrst, Durst. (f/drsti(\ durstig.) Bdnihdrst^ 
Name einer Bauerschaft bei Oldenburg. W/'Ä\ Schlingel; eigentl. 
Lurch. tärf^ Torf, bdrstif, Bürste, {bdrstn, bürsten.) 

3) Der Vocal ist o, r ist gefallen ohne Compensation infolge 
von Consonantenhäufung votl^ rodl, Wurzel. bost^ Brust (nach r 
Metathese!) dost^ dostic neben ddrst^ ddrstic. 

Anm. u ist geblieben infolge von einem ursprünglich in 
falgender Silbe stehenden /, indem r an d assimiliert wurde 
in: /Wr, fürder. 

B. Durchgehend ist in der jetzigen Aussprache 6 eingetreten 
für u: hörk^ gekrümmte Haltung, {im kork /Un, gebückt sitzen, 



54 

hörhj.) porn, purren. {ampörn [Ton auf nj, anpurren, sich um 
etw. bemühen.) knorn^ fff^orn., knurren. sörßmörß^ Mischmasch, 
Gesindel, sorn, schurren, mörtcsn^ murmehi. snörn, Schnurren. 

2) Ersatzdehnung des vorhergehenden Vocals 
infolge Schwund von r, rr, 

§ 58. In der Lautgruppe ar Cons. schwindet in vielen Fällen 
das /' unter Ersatzdehnung des a zu d. Dabei ist es gleichgültifj, 
ob a altes a ist oder altes e, /, das vor /• -f- Cons. a geworden ist. 
Im letzen Fall schwindet r regelmässig; nach altem a fällt r aher 
nur in manchen Fällen. In dem Fall, wo r -+- Cons. = rr ist, 
schwindet rr, nachdem es gleiche Wirkung hervorgerufen hat wie 
r +• Cons. 

a) in folgenden Wörtern erfährt altes a Ersatzdehnung: 

swätj schwarz. Mj)^ scharf, hat, hart. 7nal\ Mark, stak, 
stark, äm^ arm, Arm. majdnblötm, Murienbiümchen. M/w, warm. 
(vamtd, Wärme.) to/w, Lärm. ktvak^ Milchkäse nuls^ Marsch. 
maml^ kleine Steinkugel. Aafo, Harke, Rechen, (haky,) fak^ Sarg. 
fac9, Farbe, dx, arg in der Redensart kin ax üt, keine Ahnung von. 
agrn, ärgern. gav9, Garbe, abait, Arbeit, pät^ Teil in (ixti^pat, 
Hinterteil. 

Anm. Die Länge ist verloren gegangen in spatin, spadln, 
zappeln aus spartelen. 

b) altes e wird, nachdem es zunächst vor r -f- Cons. zu a 
geworden, infolge Schwund des /• durch Ersatzdehnung d: 

hat, Herz, smatn, schmerzen, Schmerzen, bastn, bersten (nach 
r Metathese!), frdahm, verderben, Verderben, kdnic, kernig, vak, 
Werk, (vakstä, Werkstätte.) cabm, werben, vaf, Werf, räft, Werft. 
ticax, Zwerg, kamt, kamen, Butter bereiten, {kdmelk, Buttermilch.) 
hax, Berg, xyapmdikl, Perpendikel. 

Anm. Geschwunden ist die Ersatzdehnung vor mehr- 
facher Consonanz in: gasn, Gerste. {siUjasn, Schellegerste.) 
basn (neben bastn) bersten; infolge satzunbetonter Verwendung 
wohl in duas, dwas, quer. 

c) Umlauts-e wird unter gleichen Bedingungen a in: 

jaric, fertig, dnid, Ernte, maky, merken, (jatm, (jdbm, gerben. 
hüfs(t), Herbst (auch hast), Harn, Hermann, ami, abm, erben, afn^ 
afky, Erbsen. tdc/y, necken. iians, nirgends. hahax, Herberge. 
(haUujy, her bergen.) bagy, bergen, span, sperren. 

d) rr fällt nach vorhergehendem a und verursacht Ersatz- 
dehnung: 

na, Narr, {nan, narren, näs, närrisch, nare, schwerer Nebenton 
auf rt, Narretei.) ha aus harre aus hadde, hatte, han^ hatten, knan, 
knarren, subst. = grosses Stück, blau, weinen, ßan, schwatzen. 
{ßare, schwerer Nebenton auf a, Geschwätz.) gnan, knurren. 



55 



3) Verbreiterung der Vocalaussprache. 

§ 59. Im Gegensatz zu dem im vorhergehenden Paragraphen 

behandelten d erfälirt altes a vor r +• Cons. in manchen Fällen unter 

Rückgang der Zungenhebung Quaiitätsänderung zu d\ r wird semi- 

vocalisch = r. 

Beispiele: rdrt^ Enterich, mdrin^ Marder, kdrl^ Karl. Aw'fo, 

Karte, bdrt^ Bart, mdrs^ Arsch, ärt^ Art. tdrt^ Torte, fdrt^ Fahrt. 

set'^ härnsdrt^ Schiess-, Hasenscharte, swdrt^ Schwarte. 

§ (>0. Altes vor r + Cons. hat oflFeue Aussprache angenommen 

in Wörtern wie: 

rdr(j9^ Sorge, ^ndrgg^ Morgen, (famdfn, heute morgen.) ddrp^ 

Dorf. AY/f/, Korb, drdl, dryl^ Orgel. drdH^ beim Essen verschütten. 

hfirstn. Borsten, drdr, iiefehl. ddrnan, Stube. 

Anm. Schwund des r und Reduction der Länge vor mehr- 
facher Consonanz zeigt sich in: bostn, Borsten. o</f, Befehl. 
donsn^ Stube, sosten^ Schornstein, dosn^ dreschen; mnd. dorschen. 

4) Verengerung der Vocalaussprache. 

S öl. and. e nimmt vor r -+- Cons. im o. die Aussprache e an; 
r wird r. 

Ä'^r, Reihe, Mal. (Ute her (/an ^ aus der Richtung gehen; Umweg 
machen, er, Erde, (ertnät^ ertußln, ertapAn^ Kartoffeln, ertbärn, 
Erdbeeren.) ßrn^ fern, stern^ Stern. (J^rn, gern, hert^ Herd, vert^ 
Wirt, certsupy Wirtschaft, berfn, sich herumtreiben, henb^ Herde. 
stert, Sterz, twern, Zwirn, (fötstert, Pumpen-, Br^innenschwengel.) 
stertc<^n, mit dem Schwanz wedeln, um jemd. herumschmeicheln. 
[uxtr an stertcon^ Ton auf an; die. gleiche Bedeutung.) t'^/vi, werden. 
ernst^ ernst, Ernst, ers, Arsch, {draierfn, swlperrn, scharwenzeln.) 
,</e>n, Stirn. 

§ (>2. and. o, mnd. o hat im o. vor r -+- Cons. in folgenden 
Wörtern die Aussprache ö angenommen: 

atdpn, Sturm, pört, Hafen, hörn, Hörn, (ä/liorn, Ahlhorn, 
o mit starkem Nebenton ) körn, Korn, Roggen, vört, Wort. d<)rn, 
Dorn, fort, Sorte, bort, Borte, Bord, nordn^ Norden, fors, sofort. 
fort, fort, ort, kleines üemäss. halvn ort, Schuapsghis. vorn, 
geworden, kort, Kord, Konrad. 

^) Einfluss von Labial + Consonant. 

§ 63. and. a vor l -{- d, t ist bereits im mnd. o geworden. 
o tritt auch im o. an dieser Stelle auf, doch ist nach seiner zwei- 
fachen Qualität eine Scheidung zu machen zwischen dem o aus a -f- Id 
und dem aus a -f- lt. 

1) altes a -f- Id. 
a hat in diesem Fall den Laütwert ö angenommen: 
6lt, alt. rolt, Wald, (cölt/nan, Eigenname.) kolt, kalt, kohsdl, 
kühlendes Getränk, z. B. Buttermilch.) 



56 

Die flectierte Form von költ in kobMl zeigt Schwund des 
Cons. d wie uocli: liölii^ halten, f'öln^ falten, t kob, das kalte Fieber. 

Anm. Abweichende Quantität vor Gonsonantenhäufung 
und damit verbundene Wandlung von d zu o zeigen die Eigeu- 
namen: Olnhärx^ Oldenburg. Oltmam. Olibjohans (Ton auf u), 
OlnköL 

Infolge Satztieftonigkeit unter Assimilation des rf an / tritt o 
statt 6 auf in hol, bald. Infolge echter Syucope zeigt sich o in hols^ 
hältst, holf^ hält, unter dem Nebenton in enfoltic^ einfältig. 

2) a + ft. 

In diesem Fall hat a den Lautwert der Kürze o angenommen: 
folt^ Salz, smolt^ Schmalz, molt^ Malz. 

§ 64. e-Laute, gleichviel welcher Herkunft, erfahren vor labialer 
Consonanz meist Rundung (1 — 3), doch findet auch Uebergang zu / 
und y statt (4 — 5). 

1) altes ö erfährt nach echter Vocalsyncope Rundung zu ö in 
röUjif^ selige; and. schon gekürztes ehemals langes e in ölhm^ elf. 

2) altes e wird ö: 

hölky^ brüllen, rülpsen, dröps^ dvöpt^ triflfst, trifift (daneben auch 
drejjüy drept, drops^ dropt), 

3) Umlauts-c wird ö: 

twölbm^ zwölf. ö7r, öhb^ älter, älteste, ölrn^ Eltern, rönn 
(auch ronn), rennen, Rennen. 

slöps, slöpt^ schläfst, schläft. 

4) e wechselt mit / vor II: 

(filn^ laut schreien, kiln^ schmerzen, siln^ schälen. 
Vor mm: stinw^ Stimme. 

Anm. mnd. steht bereits i statt and. e in hillc^ heilig. 

5) y ist eingedrungen in: 

ff/lfs, rylbrn^ selbst, smyltn^ schmelzen. 

§ 65. i-Laute erfahren vor Labial -|- Cons. verschiedene Be- 
handlung. 

1) and. i ist durch vorausgehende und folgende Labialis zu u 
verdumpft: 

rumpl^ Gebinde Flachs, fuimhi^ herumtasten. 

2) verbreiteter und daher wichtiger als die unter 1 und 2 
behandelten Uebergänge ist der von / zu y, welcher sich in erster 
Linie vor aber auch nach labialer Consonanz findet: 

Ärryfe, Krippe. {krypinCetr^ 'i^~^^l\ Krippensetzer, -beisser.) Cylvr^ 
Silber, ylk^ Iltis. 

Nach labialer Consonanz: 

Ucyän^ tyän^ zwischen, fydr^ Schwester, /y/. Schwelle, 

§ 66. and. o ist im o. vor labialer Consonanz durchweg in n 
übergegangen. 



57 

dul^ toll, rwfo, Rolle, {ndböm^ Rollschranke, nilkr)^ sülzen- 
ähnliches Gericht.) srub^ Laune, kulbm^ Kolben, vulh)^ Wolke. 
snh^ Scholle, knuln^ grosses Stück, kruln^ Locken, {krulköky^ runde 
Kuchen.) vnl^ wollte, ffbulgy^ unartig knuhh füst^ geballte Faust. 
kamfrmei'n^ confirmieren. kumplment (Ton auf e)^ Compliment. 

Weiterhin tritt dieses ti in den Participien der U. Ablautreihe 
auf. swuhi, geschwollen, hulpm^ geholfen, smultn^ geschmolzen. 
mulhj^ gemolken, (jidn^ gegolten, äuln^ gescholten, hiln^ geschmerzt. 

Anm. das über a aus ä entstanden ist, wird n in 
hrumlbärn, Brombeeren (mnd. brämberen). 

Y) Einfluss von Nasal -f- Consonant. 

§ 67. e-Laute zeigen das Bestreben, vor n -f- Cons, in i über- 
zugehen. 

1) altes ^, das bereits vor mnd, Zeit gekürzt wurde, zeigt schon 
mnd. i; den gleichen Vocal hat das o. in: 

Uvintic^ zwanzig. Himrk^ Hinrich, Heinrich, im^ is^ einmal. 

2) altes e wird /; 

ßndr^ Fenster, piykstn^ Pfingsten. 

tifisn zeigt wohl hd. /, da es wie der Anlautconsonant zeigt, 
Rückbildung von Zinsen, lat. census ist. 

3) Umlauts-e wird gleichfalls i: 

/w/w.s^, Mensch, (min mini, meine Frau.) hiyst, Hengst, briyy, 
bringen. 

§ 68. altes o wird vor Nasal -4- Consonanz im o. u: gunn, 
dort. (guntslL) munstivi, mustern. 

II. Längen. 

§ 69. Die Einwirkung, welche Consonanten auf alte Längen 
ausgeübt haben, seien diese einfache Vocale oder Diphthonge, ist 
meist die Kürzung. Die Consonanten, die hier in Betracht kommen, 
sind alte Reibelautverbindungen oder jüngere Consonantengruppen, 
die infolge echter Syncope ursprünglich trennenden Vocals entstanden 
sind; einige Male auch r, / Ableitungen. Mit der Quantitäts- ist auch 
Qualitätsänderung verbunden, da alle Kürzen offen gesprochen 
werden. 

a) Einfache Längen. 

§ 70. and. a hat vor Spirans -4- Cons. Kürzung, in einigen 
Fällen auch zugleich Verdumpfung erfahren: 

1) Kürzung: 

ffijrti^, sanft, sachte. (/Jw.s, adv. wohl, vielleicht; im Sinne des 
obd. halt.) (iaxtif^ dachte, klaftr, Holzmass, Klafter. 

2) zugleich Verdumpfung: 
broxt^^ brachte, doxt, Docht. 



58 

§ 71. and. e^ germ. a/, hat Kürzung erfahren: 

1) vor Spiranten: 
ecty echt. 

2) vor r, l Ableitungen: 

ledr^ Leiter (oft auch verdumpft zu hulf). emr^ Eimer. (ofnr.J 
elr^ Erle, mesir^ Schullehrer. (Handwerkertitel ist maistr,) hestr^ 
junger Baum, dann Stock. 

3) vor sonstiger Consonanz : * 

eykdlt^ einzeln, fet^ fett, rentlic^ reinlich. (prempAu^ schön 
schreiben, sticken etc. von preu, Pfriem oder verderbt aus prenten, 
drücken, drucken, schreiben?) 

§ 72. and. l wird zu i gekürzt: 

1) vor Spiranten: dlct^ dicht, lict^ leicht, (llcfaric^ leicht, nicht 
der tadelnde Sinn des hd. leichtfertig! ßlict^ vielleicht, lictn^ auf- 
heben.) bietn, beichten, gnißaxn^ schmunzeln (von mnd. grItiachenV). 
kif in unrkif^ Unterkiefer. 

Mit der Kürzung ist Verdumpfung verbunden: foftd^ fünfte. 
foftain^ fünfzehn. 

2) infolge echter Vocalsyncope in der 2. 3. sing, praes, der 
1. Ablautreihe: blifs^ blift^ bleibst, bleibt. b9kHft^ steckt an. silcs^ 
stict^ steigst, steigt. bits^ bit^ du, er beisst. slity schleisst. .v/Y, 
scheisst. smit^ wirfst, rit^ reitet, drift^ treibt, yt-ipt^ greift, krlc(t)^ 
bekommt. 

3) in einzelnen Wörtern wie: vit^ weiss. {vitd^ Eigenname.) 
Unn^ Leinen. 

§ 73. and. ö (germ. ö und germ. au) erfahren in gleicher 
Weise Kürzung. 

a) and. ö, germ, ö vor mehrfacher Consonanz, die infolge echter 
Syncope entstanden ist in den Praeteritis und Participien: 

hodd^ hütete, hot^ gehütet. Woffo, blutete, blot^ geblutet, iofo, 
heizte, bot^ geheizt, grot^^ grüsste. grot^ gegrüsst. foxts^ suchte. 
Poxt^ gesucht. In /wosfo, musste, ist ebenfalls Kürze durchgedrungen, 
wie in sämtlichen anderen Formen des Verbs: ik mot^ du mosty he 
mot, ich muss, du musst, er muss. most^ gemusst. (Im sing, noch 
gebräuchlich möt und mot, ich, er muss.) lu 2. 3. sing, präes. rops^ 
ropt^ rufst, ruft, hots^ hot^ hütest, hütet, bots^ bot, du, er heizt. 

b) and. ö, germ. aw, ist gekürzt: 

1) vor Spirans: hoxtit, Hochzeit. 

2) vor spirantischer wie anderer mehrfacher Consonanz, die 
infolge echter Syncope entstanden ist in praet. und part.: kofto, koft, 
kaufte, gekauft, glofto, gloft, glaubte, geglaubt, rfo/fe, doft, taufte, 
getauft. — 2. u. 3. sing, praes. kofs, koft, kaufst, kauft, glofs, gloft, 
glaubst, glaubt, dofs, doft, taufst, tauft, lojjs, löpt, läufst, läuft. 
stots, stot, du, er stösst. 

§ 74. and. ü erfährt Kürzung: 

1) vor Spiranten: fiui, feucht, (f turtle, wütend, erbosstV) 

2) vor anderer Consonanz: liistrn, lauschen, horchen. 



59 

3) in den Verbformen: dujci^ diixb^ däucht, däuchte. ///xs, fiixt, 
saugst, saugt, snufs^ snuft^ schnaubst, schnaubt, ^nfs^ siift^ schiebst, 
schiebt. slutSy sliU, du, er schliesst. ruks, rukt^ riechst, riecht, krups^ 
kruj)tj kriechst, kriecht. 

b) Diphtonge. 

§ 75. and. io wird, nachdem es zunächst mnd. zu e monoph- 
thongiert worden war (darüber cf. § 76), gekürzt: 

1) vor Spiranten: 

Zu e: lect^ Licht, hell. (Zu i: nie, nicht, jic^m^ irgend, je.) 

2) vor mehrfacher Consonanz: 

Zu /; fidl^ viertel, {ßdlstunn^ Viertelstunde.) niks^ nichts, iinr^ 
immer. Zu y (u): nums^ nf/ms, niemand. Jy^wf, immer. 

§ 76. and. iu erfährt nach mnd. Monophthougicrung zu // 
(cf. § 77) Kürzung zu y: 

1) vor Spiranten: lijctn^ leuchten. It/ctQ, Laterne, Leuchte. 
(lantijvin, Laterne, aus lantiirns -4- Ujcid?) 

2) in den Verbformen vor mehrfacher Consonunz, die infolge 
echter Syncope entstanden ist: bodrt/cs^ fmlrt/ct, betrügst, betrügt. 
/l/rs, lijct, lügst, lügt, ßijcs, flyct, fliegst, fliegt, (jyts, gyt, du, er 
giesst. 8yts^ syt^ du, er schiesst, bddyt^ bedeutet etc. 

2) Lautwandel, der nicht durch Consonanten hervorgerufen ist. 

L Monophthongierung von and. io und and. iu, 

§ 77. and. io, schon mnd. e, ist ebenfalls im o. e und unter- 
scheidet sich nach Quantität und Qualität von den anderen e nicht. 

let^ Lied, dep^ tief. /e,. Vieh, demt^ Dienst, {demtn.^ Dienst- 
mägde.) dern^ Mädchen, fer^ vier, {fertain^ vierzehn.) vet^ Unkraut. 
re./w, jäten. ßet^ Bach. lef^ lieb. def^ Dieb. l^y^^ Lüge. 
(f^gi)', lügen.) kne^ Knie. denn^ . dienen. remm^ Riemen, bcitn^ 
bieten, getn^ giessen. Irsdregy^ betrügen. (Imlregr^ Betrüger.) setu^ 
schiessen, ßegy^ fliegen, y/eyy, Fliege (auch kleiner Bart an der 
Unterlippe), fi'l^ph ffl^^fi, verlieren, frern^ freCn^ frieren, teon, 
ziehen, stefmödr^ Stiefmutter. hei\ Bier, gduetn^ gemessen, hegy^ 
biegen, hest^ Biest, (bedmelk.) dert^ Tier, lep^ schlimm, ne^ neu. 
krepm, kriechen. frdrefn^ verdriessen. (frdretlik^ verdriesslich. 
frdret^ Verdruss.) grebm^ Nierenfett. ße<fH^ fliehen. 

Dann gehört hierher der Vocal der praet. der 3. Ablautreihe 
ursprünglich reduplizierender: rep^ rief. lep^ lief, sret^ schritt. 

§ 78. and. iu ist ebenfalls mnd. bereits monophthongiert; im 
o. steht ein einfacher langer Vocal, y, 

fyr, Feuer, dyr^ teuer, styr, Steuer, (fityrn, steuern, styrman^ 
Steuermann.) hyrn, mieten, (hypnan, Heuer-, Mietsmann.) dyts^ 
deutsch, dyrl^ fffß'V'i Teufel. %r//, byl^ Beutel. /^>, Leute, tyv^ 
Zeug, dydr^ dunkel, {pik-^ balkydystr, sehr finster.) g^^hyr^ geheuer. 



kyb^ Keule. ky^D^ Küchlein, hidf/dn^ bedeuten, fyniyk, h]nie<fpi^ 
Sperling. %fo, Beute. Ajyfo, heute, tyr/y, zeugen, Zeugen, (tycnis^ 
Zeugnis.) yyky^ (neben ruJiy)^ rieclien. {ryklbiis^ Blumenstrauss.) 
äys9lk, scheusslich. pyynn^ unordentlich nähen. 

II. Wechsel von / und y. 

§ 79. Das o. giebt dem i oft eine mehr oder minder starke 
y-Färbung; auch im hd. der Stadt Oldenburg ist diese Neigung zu 
konstatieren. Oft hat labiale Consonanz diese Entwickelung begünstigt, 
aber die Erscheinung ist zu allgemein, als das man immer die labialis 
als Ursache der Rundung verantwortlich machen kann. cf. z. B. 
dyi^^ neben dm^ dieser, (frdysn, aus for dissen sc. dage, unlängst.) 
dt/t^ neben dit. yystrn^ gestern, dnjda^ Nebenform von düd<f^ dritte. 
slyyl^ Schlingel, lyys^ links. 

III. Übergang von i zu e, 

§ 80. Ebensowenig wie in § 78 lässt sich hier bestimmte 
Consonanz als Ursache des Übergangs feststellen. 

cf. siccmm^ schwimmen, bhyky^ blinken, i^eyky^ winken. ren<f, 
Rinne, f^leyy^ Uferbefestigung aus geschlungenem Buschwerk, krempin^ 
krimpfen. melk^ Milch, kremm^ sich in die Brust werfen? mes^ Mist. 

In den einsilbigen et — it^ es. ern^ ihm. het^ bis. hen^ hin, 
lässt sich das e durch satztieftonigeu Gebrauch der Wörter erklären. 

IV. Tonlängung. 

§ 81. Die Tonlängung hat eine bedeutende Veränderung im 
Vocalbilde hervorgerufen, indem sie Quantität wie Qualität der o. 
Vocale völlig umänderte, d. h. lange Vocale in breiter Aussprache an 
Stelle der alten Kürzen eintreten Hess. Die Wirkung der Tonlängung 
trifft auch schon im mnd. jeden in offener betonter Silbe stehenden 
kurzen Vocal. Im o. hat sie durch Analogie noch weiter um sich 
gegriffen; hier sind die Einsilbigen auf liquida zu nennen. Die Ab- 
leitungssilben -el -er -en haben das Eintreten der Tonlänge meist 
verhindert {edlman^ f^^^Ti '^^'^^^/'^ Edelmann, Feder, unten). 

§ 82. and. a, das mnd. Tonlängung erfuhr, zeigt im o. denselben 
Lautwert, der Quantität wie Qualität nach, wie etymologisch langes a, 
nämlich den «-Laut. 

a) lautgesetzlich : 

1) in der Bejahungspartikel: jä^ ja. 

2) in folgenden durch unechte Syncope einsilbig gewordenen 
alten Mehrsilblern: näkt^ nackt, änt^ Ente, stätn^ statt. .s/(7/.s', statt- 
lich, häfk^ Habicht, snäks^ witzig, sicälk^ Schwalbe. 

3) in den durch Apokope einsilbig gewordenen: kän^ Kahn, wäk^ 
Mache, {im wäk hebm^ bearbeiten.) fffnäk, Liebling, äj)^ Affe, päp^ 



61 

Pfaffe. f/J/, Diele. /«/, spät, sjyäkj Feuchtfleckigkeit. snäk^ Schlange. 
jondm^ zumal {ä unter starkem NebontonI). 

4) in den flcctierten Formen derjenigen Einsilbigen, die auf 
einfache Consonanz ausgehend, bei flexivischem Silbenzuwachs diese 
nicht geminieren. Die flectierten Formen sind aber im o. wenig 
mehr im Gebrauch. 

<1ä(j9 von (lax. (famlä(jf9^ heute.) gräi^ von graf^ Grab etc. 

5) hauptsächlich tritt ä bei den Mehrsilbigen auf: drä, von 
drade, schnell, c/rä^ grade. .^r5, mager. Ja, Jade, fäffr, fär, Vater. 
t/rdrn, traben, hä/n, holen, hämr^ Hammer, fäky, oft. fätn^ fassen. 
f^^^^ffV-^ Hagen, häffl, Hagel, hätilnät, Haselnuss. säinrn, schamhaft. 
{säimn, schämen.) stäky, Stange. (stäkbent, langbeinig.) sfäkrn, 
grossspurig gehen, klätn, Fetzen, {klät^ric, erbärmlich.) läky, Tuch. 
pläh^ Platte, räky, reissen. (af-räky, abmühen.) fäg9^ Säge, /iite, 
Sache. fik bofäky, sich verhalten. späkic, feuchtfleckig. stäpl, 
Haufen, htäln, bezahlen, räky, wachen, rchm, dauern, (värapl^ 
Winterapfel.) fik rärn, sich inachtnehmen. t^ätr, Wasser, drägy, 
tragen. kldc/y^ klagen. Mm, schaden, Schaden, jänn, gähnen. 
(hö'jänn, Ton auf ö.) jäpm neben japm, offen stehen, kämr, Kammer. 
liäiih^ baden, grährn, graben, Graben. 7nänn, mahnen, /ädl, Sattel. 
hdr9, Hase. V^ägy, Magen, fik fätn, fädn, sich zufrieden geben. 
pdlrn in pUrj)ätrn, Kauderwelsch reden. räiv, Rabe; Eigenname. 
snüH, Schnal^el. fäfdln, unsinnig reden. brdk9 in Jlashrdko, f. Flachs- 
brecher, brähv f., vom Seeeinbruch zurückgebliebenes Wasser; davon 
der Ortsname Brake an der Weser und das Adjektiv brdkic, faul, 
gesagt vom Geschmack stehenden Wassers. brdkfelic, baufällig. 
jtdsair, Ostereier. {pd.Htlt, Osterzeit.) krdky, kränkeln, stdmrn, stottern. 
.s7rtr;i, schwer arbeiten, i^pdon, Spaten, sdpm, geschaffen, in recMpni, 
rechtschaffen. rdnMptn, verrückt, fi'kfdnmi, steif werden vor Kälte. 
{kldmric, frostig.) sträky, streicheln. (strdkQln.) gldrn, schimmern. 
rdnjdi-9, Flegeljahre, tdkltyc, hergelaufenes (iesindel. slhrdthi, kleine 
Wandbilder, tdtpi, Zigeuner, Tataren, (tdtrn, schnattern, Kauderwelsch 
reden. M/rAöfcöLc, Zigeunerherberge.) krdSd, Mut. (wö< heisst Neigung.) 

b) analogisch: 

däl, Tal, adv. nieder, läl, Saal, tdl, Zahl. (Es existiert auch 

noch die Form tal\ pl. taln, Zahlen.) tdm, zahm (daneben noch tarn), 

kdt, kahl, tan, Zahn, smdl (smal), klein, grdm^ Kummer (adj. gram). 

Anm. d fiel zwischen liquida und Vocal und ermöglichte 

dadurch Tonlängung des a in dnr, seltsam (mnd. ardich). 

gdrn, Garten. 

5:5 83. Altes e hat unter gleichen Bedingungen wie a Tonlängung 
erfahren; es erhält im 0. den Lautwert ä. 

a) lautgesetzlich : 
1) in der Negationspartikel nä (zu grösserem Nachdruck wird 
manchmal nahä daraus, besonders bei Kindern), 



62 

2) in ehemaligen durch unechte Syncope einsilbig gewordenen 
Mehrsilblern: hlr (neben gebräuchlicherem le^fh^*)^ Leder. .<<?//, Unter- 
schied. M/^, Schmerzen. (^•^>/>-, ItilftdäH, Kopf-, Zahnschmerzen.) 
v(7r^ Wetter, {rürkatn^ die flimmernde Luft, rärfi/rtn, Wetterleuchten.) 

3) in den flectierten Formen: vägo (adv.) fort, von r^c, Weg. 
{fain^ göt tö rägd fin^ sich gut befinden. unrvä(j9)u% unterwegs.) 

4) in den Mehrsilbigen: släpm^ schleppen. {släp9^ Schleppe.) 
sarn^ scheeren. Aärgdrn^ eine Art Tuch.) hägr^ Häher, häihln^ 
betteln, {bädlman, Bettler.) twään, Zwillinge, ätti^ essen, (af äin^ 
mit dem Essen fertig sein.) fäimln^ viel und langweilig_ reden. 
fäf-rfät^ Zittwersamen. säfn^ Unterschied machen, (dnt frMH niks^ 
das schadet nichts.) räky^ rechnen, rähj fm, gut imstande sein. 
bläky^ die Zähne zeigen, fägy^ fegen. (fäg9fs. Ausgefegtes), ktväne^ 
junges Rind, stvähi^ versengend brennen, smärn^ schmieren, {smarlap, 
Schimpfwort.) räfn^ röw, sein, gewesen, väfjräk^ Anwesen, hrägy^ 
Hirn, rävn^ rasen, phantasieren. lä<1ic^ gewöhnlicher ledic^ ledig. 
äbm^ eben, läbm^ leben, Leben, swävl^ Scliwefel. {i^icävhtihj^ Streich- 
hölzer.) näbl^ Nebel, häni^ Himmelsgewölbe, fäkr^ sicher. frtarH, 
verzehren, plägy^ pflegen. Uvägy^ bewegen, rägy^ regnen, Regen. 
gräTn^ Grauen, (de köln gräfn, der innere Schauder. gräHc, schreck- 
lich.) knä$H^ kneten, spräky^ sprechen, äml^ Milbe, hmky^ gelbe 
Wucherblume, Unkraut. Mfo, Kehle. käk^hi^ zanken. (kilkhr. 
Zanker. käklrem^ zänkische Zunge.) suämi^ .schweben. */*%/, Sogel. 
prmllgy^ predigen, {prädkt^ Predigt.) frlwht^ verflossen. tmdl^ 
Zettel, haitstäfke (ä Nebenton), Heidegrilhv päp7% Pfeffer, sklky, 
stechen, {in-stäkohy Eingemachtes.) stäkliyk^ Siichling. illmmy ziemen. 
tämUk^ fämdk, ziemlich.) gärf^ Giebel. 

b) analog: 

mäl^ Mehl, gäl^ gelb, smär, Schmeer, Fett, dwdr in dwärnnt, 
Wirbelwind, här^ her. tär^ Teer. 

§ 84. Umlauts-^ verhält sich genau wie altes ^, die Tonlänge 
ist unter gleichen Bedingungen eingetreten. Es steht ä: 

1) vor unechter Synkope in pärt^ Pferd, und in dem durch 
Ausfall von intervokalem d einsilbig gewordenen stä.^^ bockbeinig. 

2) als Pluralvokal in hlädr^ blär, Blätter, fäfr, Fässer etc. 
täH3^ Zähne, /Sfo, Säle zeigen, dass der Umlaut älter ist, als der 
Wandel des Singularvokals a zn ä. 

3) in Mehrsilbigen: bäfr, besser, gnätrn, knattern, (gnätrswat, 
pechschwarz.) nälky^ Nelken, -fäbdln in smek-fäbdln^ geräuschvoll 
und viel essen, rf^fc?. Decke, äh^ Elle, äht^ durchprügeln. %?, 
Egge, läpl^ Löffel. Hk hägy, sich freuen, kägl, Kegel, fpägy 
(neben frrägy)^ kühn, verwegen, bärn^ Beeren, [kröns-^ .7«w,s-, stik-, 
Krons-, Johannis-, Stachelbeeren, bakbärn^ Siebensachen.) bäk^^ Bach. 
räkl^ langer Mensch. (Hk räkdih) Pik hiHÜlon^ sich vermieten, ver- 
heiraten, afävic^ stämmig. .sV7y>/, S(heff"el. (i^tTpfhi, sich anhäufen.) 
kwä/n, quälen, drdgy neben drägy, tragen, mäky^ Mädchen, besonders 



63 

Dienstmädchen. <fä<iy^ jägy^ (/%yi entgegen, {hdgägn^ begegnen.) 
hähiht^ hecheln, äfl^ Esel. M//, Kessel ;?<?//, Nessel, räln^ wählen. 
/Vi/w, fehlen. 

§ 85. and. i ist bereits im mnd. zu einem tonlangen e geworden. 
Im o. hat dieses e dieselbe Quantität und Qualität wie die beiden 
bereits behandelten ä; es tritt auf: 

a) lautgesetzlich: 

1) in durch unechte Syncope einsilbig gewordenen: rät in vätkM^ 
Witwer, vätfrö^ Witwe, var^ Widder, bäts^ bissig. 

2) durch Apocope einsilbig gewordenen: /i?/, viel. Id'vfäf^ gleich 
viel, smät, Wurf. i<j)hV, lliss. sfräk, Strich. M/, Schiss. stak, 
Stich, bat, Biss. är, ihr. trä. Tritt, sttä, Schnitte, frä^ Frieden. 
.sv//<J, Schmiede. {mnäly, Schmiede, pl. m.) rät^ Riss. {fäfbret, 
Sitzbrett.) 

3) im Plural Einsilbiger mit dem Stammvokal i, die auf organisch 
einfache Consonanz ausgehen: ,<äp9^ Schiffe. knäp9, listige Streiche, 
Kniffe. 

4) hauptsächlich in den Mehrsilbigen: späln, spielen. fäln, 
Pferdegeschirr, ^a?^, Hündin, bäbm^ bärrn, därrn, beben, swäkij, 
schwanken. läi-rn^ liefern. %/, Igel. (.wln-y fümujl, Schweine-, 
Zaunigel; Taugenichts.) läfn, wissen, (ipräln^ Gewissen rätnstip, 
Wissenschaft.) räfl., räMk, Wiesel, rdh)^ Woche, nldm^ Schlitten. 
.sV7/w, Schiene, sträp^fn^ streifen. länn, lehnen, stvap^^ Peitsche. 
kilhln, kitzeln, bäkr, Becher, päkldrät, Pechdraht, stärl, Stiefel. 
{lö^'i'iiCiitävdhi, fortgehen.) 

b) analog: 

späl, Spiel (aber noch spilväk). stäl, Stiel. 

§ 86. and. o hat unter den bekannten Bedingungen bereits im 
mnd. Tonlängung erfahren, diese zeigt sich im o. mit dem Lautwert ä, 
d. h. der Lautwert des tl. o ist im o. völlig gleich dem des tl. a 
geworden. Der Weg war nicht gross; beim offenen o braucht nur 
noch ein wenig die Hinterzunge gesenkt und gleichzeitig zurück- 
gezogen zu werden und es scheidet sich kaum noch von tl. a •= ä. 

ä, and. o, zeigt sich: 

a) lautgesetzlich : 

1) in dem durch Syncope einsilbig gewordenen faxt, Gerichts- 
vollzieher (jetzt nur noch als Eigenname Vogt). 

2) in den flectierten Formen Einsilbiger auf organisch einfache 
Consonanz: M?^ von hof, llof. .^ätn, pl. von i^ot, Klappe, gräm, 
acc. von grof, grob. 

3) hauptsächlich in den Mehrsilbigen: bäbm, oben, dvr, ober.' 
(än'lftnr, bähmlanr, Oberländer, Hochdeutsche.) dräpm, Tropfen. 
fdhi, Füllen; gebären von der Stute, äbnit, äni, Ofen, bdgy, Bogen, 
fäifi, Sohlen, frfäln, verprügeln, gäh, Gasse. Ao/w/, hoffen, käbm, 



64 

Schweinegelass. därn^ toben. Äyfe, kleines Haus MAy, kochen. 
käkbrmn^ herumkochen, häfn^ Strümpfe. k)uU')j, Knochen. 

Weiterhin in den Participien der starken Verben II. Ablautreihe : 
(h'äpm^ getroffen. Hfäluu, gestohlen. Ifäi'n^ geboren, (lätn^ gegossen. 
kräpm^ gekrochen, räpm^ gesoffen. ßä<jr)^ geflogen, fägy^ gelogen. 
täijijy gezogen, frhibn^ verboten etc. 

b) analogisch: 

In den Einsilbigen /Sr, vor. häi\ Bohrer. 

§ 87. and. u kommt für die Tonlängung nur in einigen Wörtern 
in Betracht, da es vor folgendem i zwar blieb, aber zu y umgelautet 
wurde, vor folgendem a, e, o dagegen meist o wurde, abgesehen wenn 
Nasal dazwischenstand. In den Fällen, wo u in offener Tonsilbe 
blieb, erfährt es dann im mnd. Brechung zu o und Tonlängung. Im 
o. ist dieses mnd. tl. o ebenfalls zu ä geworden. 

kämm^ kommen, gekommen, ränn^ wohnen, nämm^ genommen, 
auch in fägl^ Vogel. 

V. Umlauterscheinungen. 

§ 88. Gleich wichtig in seinem Einfluss auf die Umgestaltung 
des Sprachbildes wie die Tonlängung ist der Umlaut. Im and. und 
mnd. ist graphisch nur der Umlaut e von a bezeugt. (Collitz im 
waldeckschen Wörterbuch will auch den Umlaut von tt fürs and. 
ansetzen.) Doch ist wohl die durchgängige Meinung die, dass bereits 
das mnd. die Umlaute ö, ü und oi gesprochen hat. In der späteren 
Mundart kommt noch die Erscheinung des analogischen Umlautes 
hinzu, der besonders zur Plural-, Comparaliv- und Deminutivbildung 
verwendet wird. (Der Umlaut bei der Deminutivbildung ist im o. 
allerdings nicht sehr häufig, da die Deminutivbildung nicht sonderlich 
beliebt ist.) 

a) Umlaut der Kürzen. 
§ 89. and. o ist zu ö umgelautet. Entsprechend den Laut- 
werten, die and. o im o. angenommen hat, ist auch die Qualität und 
Quantität der Umlaute verschieden. 

1) ö zeigt sich in Wörtern wie: köHtr^ Küster, köstrakawp^ 
Kirchhof kröcn, husten. fröstoric^ leicht frierend. Pik frniktrn^ 
etwas geniessen, frühstücken, und in den Pluralen: /öät, Löcher. 
döki^ Stöcke. kö})9^ Köpfe, /o.s^, Gespann von fuchsfarbenen Pferden. 
pöt9^ Töpfe. (1öcti\ Töchter. töpQ^ Hühnerkämme. f>lkr^ Bienen- 
schwärme; auch verächtlich Menschen, Leute. 

In den Deminutiven: p('jfk9n^ kleiner Topf köpk^n^ kleine Tasse. 
löksl-ou., kleines Loch. 

2) der Umlaut von and. o vor r -f- Cons. = ä im o. (cf § 00) 
ist (je: (h'rpr, Dörfer, hvrt'ü^ Körbe. (Analog steht auch der Um- 
laut in den Singularen diri'p^ krrrf und in t(X'rf^ Torf) 



65 

3) der Umlaut von and. o vor r •+- Cons. = (J im o. (cf. § 62) 
ist o: hopiSy Hörner. bgrtn, Borten, (o steht auch im sing, analog: 
/lorw, bo7'L) vor. Worte, frtorn. erzürnen. 

Anm. Der Umlaut von and. o, das vor Labialen im mnd. 
und 0. u wurde, ist y: kryln^ sich kräuseln. 

§ 90. and. w, das Brechung vor r -{- Cons. erfuhr, zeigt im o. 
die Umlaute: 

\) ö (r ist fortgefallen): döstic^ durstig. (Im Singular analoges ö: 
fiißst neben dost, ddrst, Durst.) vöst9, Würste. 

2) o: mpnr, Würmer, tgrm, Türme. 

3) meistens ce: losrkr, Schlingel (pl.). koertr, kürzer. (Der 
Positiv zeigt auch analoges oe: koert, kurz). §(jeMn, Schürzen (neben 
sdrtu). stcertn (neben stdrtn^ stürzen), hwrgr, Bürger, bwrstn (neben 
hdrstn, bürsten, Bürsten). 

Analoges oe zeigt sich in goert, Grütze (neben gärt), tosrf, 
Torf (neben tärf), 

§ 91. and. w, das erhalten blieb, wurde zu // umgelautet: 

1) in den apocopierten alten Mehrsilblern : nyt, nütze, pyt, 
Pfütze, ym, um. 

Analoger Umlautvocal steckt in den Einsilblem: jyk, Abteilung 
Land, fy», sonst, (umfys, umsonst.) jry^, Milchguss. 

2) in den Mehrsilbigen: knytn, knoten, lytk, lytcet, klein (daneben 
litc9t). fyn3, Sonne, Sünde, (fik fynn, sich sonnen.) byks9, Hose, 
wy//^, Mücke. bryg9, Brücke. hyj)k9n, hüpfen, sydn, sydoln, schütten, 
schütteln. (Aytkopm, mit dem Kopf schütteln.) gynn, gönnen, .^y^, 
Schaufel, (^yp^n^ schaufeln.) mynic, mündig, nyky, böse Launen. 
hryln, brüllen, tymin, langsam sein, dyctic, tüchtig, plyky, pflücken. 
amyki), schmücken, lystn, gelüsten. knyHc^ dick; betrunken, drypdln, 
tropfen, byltn, Haufen, fynrhär*, sonderbar. (b9fynrs, besonders.) 
frfydrn, in Unordnung bringen, (tyderß [Ton auf ^], wirres Knäuel.) 
^pytrn, speien; leise regnen, iyfe, Kälte, {ßk frkyln^ sich erkälten.) 
synn, anreizen, ßyg^^ flugfertig, fyltnkop, dicker Kopf, Schimpfwort. 
(jryp9, Graben, sprytn, spritzen. fyk9, solche (daneben Zofe.) knykaln, 
zerbeulen. 6yfe, ßöcke. tryg9, zurück, lyftic^ kühl, plynn, Lumpen. 
khjydiic, erbärmlich? knypl, Knittel. styml, kleiner Stumpf, stylpm, 
hastig aufsetzen, {fyr^tylp, Instrument, um das Feuer zu ersticken.) 
nysQhi, saumselig sein. knysBln, herumarbeiten (zu mnd. knuster, 
eiserner Beschlag?). 

b) Umlaut der Tonlängen. 

§ 92. Umlaut von ä findet sich selten; er ist a. 

.snätrn, schwatzen, klätaric, erbärmlich. 

§ 93. Der Umlaut von 5, and. o, findet sich zahlreicher; sein 
Lautwert ist von dem im § 91 behandelten Umlaut nicht verschieden. 

1) in den o. Einsilbigen: .*»/jra/-, Spruch, r/a/, Eidotter, bräk, 
Brüche, Strafe, krät, kleines Kind. 

Nied«rd«aUehet Jahrbnoh XXX. 5 



66 

2) in den Plural- und Comparativbildungen: trägd^ Tröge, här^^ 
Höfe, gräif^ gröber (neben grävr). 

3) in den Mehrsilbigen: kätr^ kleiner Bauer, Köter. häh% 
Höker. iiäv9^ Staub, Kopfschinn. äfl^ glimmender Docht, fdrätshi^ 
verschleudern, stätrn, stottern, hävl^ Hobel, gräln^ laut singen, 
arr, über. [ävT-blift^ üeberbleibsel; -üt^ überaus, -flodic^ überflüssig. 
-däric^ übermütig, -/«fw, repetieren, recapitulieren.) stafk»^ kleines 
Holzgestell mit Kohlenfeuer zum Füssewärmen, dasselbe Instrument 
wie läke, stäfksnrnäkr^ Scherzwort für Tischler, bärn^ heben, tragen. 
däfkd^ kleine Pfeife, stäkpt^ stochern, bräfl^ kurze Pfeife? nnäfl^ 
unmässig, gross, stänn^ stöhnen, siiäfl^ dummer Junge, kiäfut^ 
plaudern. M/w, Kohlen. ^'JA-j;, jucken, fcj//, Schiss. knärl^ Knöchel. 
kräksln^ kränkeln, käfl^ Kreisel, kärn^ sprechen (von Kindern das 
erste Lallen).. älj9^ Oel. jäkl^ in is-jäkl^ Eiszapfen. 

§ 94. Umlaut von ä, and. ?/, ist ebenfalls im o. ä. Er be- 
findet sich: 

1) in 0. Einsilblern ehemaligen Mehrsilbern wie: snäf^ Schnupfen. 
fän, Sohn, päl, Pfuhl, Bettkissen, äät^ Schuss. f/Jr, tüchtig. Ä'J/w, 
Kümmel, mnl, Mühle, bän^ Boden, mär, mürbe, dar, Tür. f(h\ 
für, vor. fäijär, Frühling. 

2) in den Plural: fägl neben fägels, Vögel. 

3) in den Mehrsilbigen: bragam, Bräutigam, wägy, mögen. 
{mäg^lk, möglich.) ävl, übel, Uebel. kann, können, känic, König. 
dränwlu, langsam sein. kräj)l, Krüppel. Mfe, Küche, (käk^^, Köchin.) 
häga, Hochzeit, tägl, Zügel, bägl, Bügel. täg9 in nüntäg9, Narren- 
streiche, drävn, dürfen, dägy, taugen, (tni-därt, Taugenichts.) däHr, 
dumm, {ddskop, Dummkopf.) slätl, Schlüssel, slärn lätn, etw. ver- 
nachlässigen, seinen Gang gehen lassen. 

c) Umlaut der echten Längen: 

1) der einfachen Vocale: 

§ 95. and. ä erfuhr bereits and. Umlautung zu «. Dieser 
^-Laut ist im o. erhalten und nach Qualität und Quantität von den 
anderen etymologisch langen ^-Lauten nicht verschieden: 

kes, Käse. ^^p?', Schäfer. nBgr, näher. necst9, nächste. 
Ie(f9, niedrig. slBpr, Schläfer. sUpnc, schläfrig, leite, selig, spre, 
Drossel. 

Anm. Junger, secundärer Umlaut zeigt sich entsprechend 

der zu ä veränderten Qualität des ä als ä: päb, Pfähle, .vräruf^, 

schwerste. 

§ 96. Der Umlaut von and. ö ist im o. o: 

1) and. ö, germ. ö zu o. 5: 

mo, müde, hö, Hüte. rosf, wüst, fot, süss, gvon, grün. 
(gr&nts, grünes Laub, Grünfutter.) mof, Begegnung, {im mSt gäu, 
motu, begegnen.) dSkj', Tücher, klokv, klüger. ki'og9, Krüge, Dorf- 



67 

Wirtshäuser, krofd^ Bierseidel, stoh^ Stühle, honr^ Hühner, /ofe, 
P'üsse. hoky^ buchen, Buchen, frr&n, brüten, rofäljd, ßüböl. röv9^ 
Rübe, floijl^ Flügel. drog9^ trocken, gdblot^ Geblüt, hlodic^ blutig.) 
floky^ fluchen, motn^ müssen, vbhi^ wühlen, otyr^ Ufer. b9roky^ 
besuchen, ftffnogy^ Vergnügen, vergnügen. l)adroft^ betrübt, (droffdl, 
Trübsal.) g»7not^ Gemüt, moickait^ Müdigkeit. A&n, hüten. (in-hSanj 
das Haus bewachen.) fogy, fügen, for^ Fuder, spörn^ spüren, ro^m, 
rühren, spohi, spülen, homiy brauchen, rommy rühmen, rogy^ rühren. 
/Sr/i, führen, snorn^ schnüren, fffoky^ versuchen, bomrn^ polieren. 
tomi^ warten, {töf! Interjection, warte, halt!) koln^ kühlen.) koUc^ 
kühl, rfo/ä, Dose. 

2) and. ö, germ. aw, o. o: 

äoHy schön. 6/5, blöde, dor, merkwürdig, unvernünftig, not, 
wehmütig, brnm. Bäume, knopd, Knöpfe, toim, Zäume, fero, Brote. 
hofto. Köpfe. Qiahn hoftd, halbe Schweinsköpfe.) lop9, Läufe (Beine), 
.«fo/*^, Bunde von Stroh, dronw, Träume. (drSmm, träumen.) hogr, 
höher. klStn, Hoden. nBdic, nötig. nMigy, einladen. lov9, Laube. 
glorn, glauben, fflof, Erlaubnis, Urlaub. 8l5p9, Schleife. äofl, 
Schaufel, {sofdln, schaufeln.) hotn^ heizen, s/o^w, Schornstein reinigen. 
knopm^ knöpfen, rokrn, räuchern, fögy, säugen, fogo, Sau. bSgy, 
beugen, gdbod^, Gebäude. ^&n, scheuen. hopi, hören. gSkdlB 
(o Nebenton), Gaukelei, smoky, rauchen, nomm, nennen, kopm, 
kaufen (neben köpni), sldpmdni^y Herumtreiber, oklnäm, Spottname. 
hocti) (neben höct9), Höhe, ffhogy, höher machen, erhöhen. 

3) anomales ö: 

gofd, Gänse, s^pok, Spuk, (spoky, spuken.) spSm, Spähne. 
kromm, Krümel, krümeln, (rat int 7nös tö krömm hebm, vermögend 
sein.) 

§ 97. and. ü erfährt Umlaul zu y: 

1) in 0. Einsilblern: 

wyr, Mauer, {inyrman, myrkr, Maurer.) .^yr, Scheuer, kryts, 
Kreuz. dryt, altes Weib. {trytco, Hexe, Schimpfwort; auch 
Heimchen.) 

2) in den Pluralbildungen: Ay/^, hyfr, Häuser. myCd, Mäuse, 
/y.s'fe, Fäuste, ^trykr, Sträucher. 

3) in den Mehrsilbigen: 

krydkär^ Schiebkarre, hyßyk, Raum zwischen zwei Häusern. 
klgtrn, kleine Tischlerarbeiten machen, pysffj Flinte, bypi^ Bett- 
bezüge, m-dyän, einschlafen. §ymm, schäumen, hyvd^ imin-hyv9, 
Bienenstöcke. drys9ln^ sticken (bei Krankheiten). dyßc^ b9dyst, 
betäubt. Zyan, läuten, stryhn, sträuben. klytcdn^ kleine Klösse. 
(/ifc klytc$n, sich mit Schneebällen werfen.) dypi neben dürn, dauern. 
(g^dgr, Geduld.) kryTl^ schlechte Lampe. {tränkryTl,) bry^n, necken. 
ytsd^ Frosch, klamysdrn, herausfinden, -tifteln. Hk myTtc mäky, sich 
unnütz machen, kyiyn, Kübel, kryfeln^ kräuseln. kryTlbräariy Nacken- 
braten vom Schwein, ^yrn, scheuern, strykaln, straucheln, kytbytn, 
Tauschgeschäfte treiben von Kindern? fyn^t böse, wütend? 

5* 



68 



2) der Diphthonge. 

§ 98. Es kommt nur au in Betracht, dass sich vor w erhalten 
hatte. Sein Umlaut ist oi: froün, freuen frokh^ Freude, äoi, Heu. 

Mit Entrundung treten diese Wörter auch auf: fmhn, fraub, hat. 

Zu diesem Umlauts oi tritt im mnd. und desgleichen im o. ein 
Ol, das aus ö -f- ^" sich entwickelt hat; besonders bei den verbis 
puris: 

blowuy blühen, moian^ mühen. {nmt9^ Mühe.) gloidu, glühen. 
{gloinic^ glühend.) 

Im Plural: koi^ kotd^ Kühe. 

Femer zeigt sich oi, mnd. oi in: froisdln^ sich scheuern (von 
Pferden im Geschirr), /ot, faul. {Joivams^ Faulpelz.) hoilcQ^ Schäfer- 
raantel. /b/rf/, Wischtuch, (foid^bi^ aufwischen.) ßoitß^ Flöte, (floitn^ 
flöten, ßoitceptpm^ Ausruf spöttischer Abwehr; desgleichen foit dl rat 
und ik vil dt vat floitn. 

Sämtliche genannten Wörter zeigen im o. auch den entrundeten 
Diphthong a/, wie auch schon mnd. oi und ei wechseln. 

Anm. oi ist aus -or/-, -org- entstanden in dem Be- 
grüssungswort moin^ morgen (aber zu jeder Tageszeit geboten !). 



II. Vocalismus der unbetonten Silben. 

§ 99. Bei der Darstellung des Vokalstandes der Nebensilben 
in den heutigen Mundarten wird die verheerende Wirkung, die das 
Prinzip der Stammbetonung zur Folge gehabt hat, stets stark hervor- 
treten. Man kann im o., wenn man von den zusammengesetzten 
Wörtern absieht, nur von Ton und Tonlosigkeit reden. Im mnd. 
war bereits eine starke Verkürzung der and. Wortformen eingetreten; 
im o. hat die Verkürzung noch bedeutend grösseren Spielraum ge- 
wonnen, was ja bei einem nur gesprochenen Idiom, das des den 
Verfall der Formen hemmenden Einflusses einer Schriftsprache 
ermangelt, nicht wunder nimmt. 

1) Vocalismus der Präfixe. 
§ 100. and. bi-, gi-, mnd. be-, ge-, erscheinen im o. 

a) als fe-, gd-: bdtäln^ bezahlen, gsnetn, geniessen. 

b) 9 ist auch gefallen: Imtn^ draussen. böln^ behalten. 

§ 101. and. for-, far-, mnd. vor- tritt im o. als /?•-, vor 
Vocalen als fr- auf: fflätn, verlassen, frätn, fressen. 

§ 102. and. te-, ti-, mnd. to- ist im o. so gut wie völlig 
untergegangen und wird durch das adv. twai ersetzt: mnd. tovallen, 
zerfallen, o. Uraifaln. mnd. tostotn, zerstossen, o. twaiMotn, Poppe 
schreibt noch hier und da Formen mit tö-, 

Anm. In dem Fremdwort c.apahle ist m- als Präfix an- 
gesehen und durch das bekanntere con- ersetzt: kinnpäbl, fähig. 



69 



2) Vocale der Suffixe. 

a) der Substantive: 

§ 103. and. -skap, -skepi, mnd. -schap, -schop, -schup, ist im 
o. meist zu -äiq) geworden; felsiij)^ Gesellschaft, fryniiup^ Freund- 
schaft, Verwandtschaft. 

Es ist jedoch zu bemerken, dass das hd. -schaft stark ein- 
gedrungen ist. 

§ 104. and. -ing, -ig (wenn die Silbe mit n begann), mnd. 
-ing, ist im o. 'iyk^ -ic: petihjky penic^ Pfennig. 

§ 105 and. -unga, mnd. -unge ist o. uyk: häpnuyk, Hoffnung. 

and. -inga, mnd. -inge, o. iyk: hyßyk, Raum zwischen zwei 
Häusern. 

§ 106. and. -nissi, -nussi, mnd. -nisse, o. '7m: gllkniSy Gleichnis. 

§ 107. and. -het, mnd. -heit ist auch im o. "hait: götliait^ 
Güte, helhait^ ünversehi-theit. 

and. -ec, + het, mnd. -cheit, o. -kait: grötmectickait^ Gross- 
spurigkeit. 

§ 108. and. -döm, mnd. -döm ist o. unverändert: ^gydöm^ 
Eigentum. 

§ 109. and. -äri, mnd. -ere erscheint im o. nur noch mit dem 
Lautwert des semivocalischen r = r; fiär^ Fischer. §nvry Schreiber. 

b) der Adjective: 

§ 110. and. -llk, mnd. -llk, lieh erscheint im o. als -lik^ -lic^ 
-rtlk: frgntlik^ frynük\ fnjmlk^ freundlich. 

§ 111. and. -Ig, mnd. -ich ist o. -ic: sglk\ schuldig. 

§112. and. -isk, mnd. -isch, -esch hat im o. seinen Vocal 
durch Syucope verloren: helä, höllisch, sehr, dytä, deutsch. 

§ 113. and. -haft, mnd. -haft hat seinen Vocal verloren in: 
ect aus ehaft,. echt. Es wird im o. gern mit -ic erweitert gebracht: 
.^pokhaftic^ spukhaft. 

§ 114. and. -sam, mnd. -sam hat im o. als Einsilbiges, auf 
liquida endigend, Tonlänge angenommen: laysäm^ langsam. 

3) Vocalismus vor- und nachtoniger Silben in Fremdwörtern 
oder in zusammengesetzten Wörtern. 

a) Syncopeerscheinungen : 

§ 115. Syncope von a findet statt in den Compositis: dmn^ 
flraf^ (Irup^ (frin, daran, darab, darauf darin; in den Fremdwörtern: 
jfi'ät^ parat, klenr, Kalender, slät^ Salat. 

§ 116. Syncope von ß, einerlei wessen Schwächung e ist, 
hat statt: 



70 

1) in den Mittelsilben mnd -el, -em, -en, -er, o. /, w, i/, r: 
bädlr, Bettler, ätlpot, Esstopf, egydöm^ Eigentum, grlpm^ greifen. 
2nlrl Pfeiler, 

Anm. Sehr frühzeitige und starke Reduction zeigt haiiin^ 
holän, Hand-, Holzschuhe. 

2) durch Contraction ist e gefallen: lürn^ aus luderen, Windeln. 
Dirk aus Diderk, Dietrich. 7iälkff aus negelken, Nelken, düvok aus 
duwenwocke, Ackerschachtelhalm, ndm aus nergens, nirgends. 

3) sonstig: pryk aus Perrücke, ufidäxt aus undoget, Taugenichts. 
näkthait aus nakedicheit, Nacktheit. imtU aus immet tit, Imbisszeit, 
Frühstückszeit. 

§ 117. erfährt Syncope: trygd^ tolrügge, zurück. Jan aus 
Johann. 

In den Fremdwörtern: pllU aus politisch? pfiffig. krinUi^ 
Korinthen. 

§ 118. w fällt fort in den Fremdwörtern: klor^ Farbe. (Herz 
im Kartenspiel) aus Couleur, krääd^ Mut, Courage. 

b) Apocope. 

§ 119. Die Apocope ist im o. sehr beliebt; ihr sind die aus- 
lautenden e jeder Herkunft zum Opfer gefallen. 

sträk aus streke, Strich, ärapdls aus schrapelse, das aus dem 
Topf Gekratzte, fän aus sone, Sohn, ärä aus schrade, mager, stä 
aus stede, Stätte. 

In Compositis fällt das auslautende e des ersten Bestandteils: 
krulköky aus krullekoken, Rollkuchen, likmüln aus lickemülen, mit 
der Zunge lecken. 

Anm. Ganze Silben sind fortgefallen in : töhj aus tökämende, 
Zukünftige. D^most (Ton auf o.'), Delmenhorst. 

c) Einige Kürzungs- bezw. Schwunderscheinungen: 
§ 120. ä zu a: varaftic^ wahrhaftig. 

• ö zu a: pl^fer^ plaisir, Vergnügen. 
doßrdnanr^ durcheinander. 
ü zu ^, dann gefallen: fiäbr^ Nachbar. 
tweandatic^ zweiunddreissig. 
tribdlern^ quälen, tribulieren. 
pdteljdu^ Flaschen, Bouteillen. 
spikdUrn^ herausfinden, herausspeculieren. 
zu o: potjentr naxtigaln^ Butjadinger Nachtigallen, 
scherzhafte Bezeichnung für Frösche. 

d) Verdumpfungserscheinungen : 
§ 121. a zu r; frmöst, famos, 
zu o: poplr, Papier. 



71 

e zu a: jan^vr^ Schnaps, Genever. vaxolr, Wachholder 

(aus wehhalder). 
er zu r: ärfant^ Sergeant. 
o zu a: äakdlä^ Ghocolade. 



Übersicht über die and. Vocale und ihre 
0. Entsprechungen. 

Kurzes a in geschloss. Silbe . . a, § 42. (Umlaut e, § 44.) 
a vor r -|- Cons. . . . d, § 59. 
a vor r + Cons. wenn r 
fällt (resp. rr) . . . <X, § 58 a, d. 

a Tor Mj It <5, § 63 1,2. 

a in dem Präfix far- cf. 
§ 101, in den Suffixen 
-skap § 103, -haft § 113, 
-sam § 114. 
a zur verdumpft cf. § 121. 
Kurzes a in offener betonter Silbe ä^ § 82. (Umlaut J, § 92.) 
Etymologisches langes ä . . . 5, § 48. (Umlaut ^, § 95. ä, Anm.) 
«H -H s J ergeb^^^ ano- J ^^ ^ ^^ „, ^Umlaut 5, § 96s.) 

-ahu-, -adu-, werden kon- 
trahiert zu ä, § 48l. 

ei bleibt «?, § ö3l 

'äj' ergiebt at, § 53 IIa. 

-agi'j -egi ergeben . . . ai, § 53 IIb 

au bleibt aw, § 54 1. (Umlaut oi, § 98.) 

Ä + «c? wird aw, § 54 II. 

a vor Spiranten. . . . a, o, § 70. 

a in dem Suffix -äri cf. 
§ 109. 

a vortonig verkürzt cf. 
§ 120. 

£l, a sjmcopiert cf. § 115. 
Verdumpfung von ä 
§ 121. 
Kurzes e in geschloss. Silbe . . ^, § 43. 

e vor r + Cons. . . . ^, § 61. 

e vor r + Cons. über a 
nach Schwund des r . ö, § 58 b. 
Umlauts-« vor r -f- Cons. desgl. . ö, § 58 c. 



72 



e vor Nasalen oft /, § 67, 1,2. 

Umlauts-e desgl /, S 67,3. 

e vor Labialen ö, / § 64 1,2,4. 

Umlauts-« desgl o, § 64 8. 

e in dem Suffix -skepi cf. § 103. 

e in oflfener Tonsilbe a, § 83. 

Umlauts-e desgl <f, ij 84. 

Etymologisch langes e . . . . e § 49i, ii. 

-egi' contrahiei-t zu r//, § 53 Hb. 

ö vor Consonanz gekürzt . . . f?, (a)^ 55 "^l. ^>, § 64 1. 
e in dem Suffix -het cf. § 107. 
e syncopiert § 116, apocopiert 

§ 119, verdumpft § 121. 
Kurzes i in geschloss. Silbe . . /, § 45. 
i vor r -{- Cons. über 0, a 

nach Fall des r . . . <z, (a)^ § 56 a. 
i vor r -{- Cons. (jüngerer 

Übergang) e § 56 b. 

* vor labialer Consonanz ?<, //, § 65. 
/ übergegangen zu e . . e, § 80. 
/ in den Präfixen bi-, gi- 

§ 100. ti- § 102. 
/ in den Suffixen -ing, -ig 
cf. § 104. -nissi § 106. 
-isk § 112. 
Kurzes i in ofifener betonter Silbe 

über e «, § 85. 

Etymologisch langes i ....«, J^ 50. 
l vor Consonanz gekürzt /, 0, § 72. 
l in den Suffixen -llk cf. 
§ 110. -Ig § 111. 
Kurzes in geschlossener Silbe . o, § 46. (Umlaut ö, § 89 1.) 
vor r 4- Cons. ... (5, $5 62. (Umlaut 0, § 89 3.) 
vor r 4- Cons. ... rf, § 60. (Umlaut o?, § 898.) 
vor labialer Consonanz «, § 66. 
vor nasaler Consonanz /«, § 68. 
in dem Präfix for- cf. 

§ 101. 
und ö syncopiert § 117, 
verdumpft § 121. 
Kurzes in offener Tonsilbe . . «, § 86. (Umlaut ä^ {$ 93.) 
Etymologisch langes . . . . ö, § 511, IL (Umlaut 5, § 96 1,2.) 
ö gekürzt vor mehrfacher 

Consonanz 0, § 73. 

ö in dem Suffix -döm cf. 
§ 108. 



73 



Kurzes u in geschlossener Silbe . 
n vor r -f- Cons. . . . 
K vor r -h Cons. . . . 
u vor r -H Cons. nachdem 

r gefallen d, 

jüngerer üebergang von u 

vor r -h Cons. . . . 

u in den Suffixen -unga cf. 

§ 105. -nussi § 106. 
u syncopiert § 118. 
Kurzes n in offener Tonsilbe über 

o zu 

Etymologisch langes u . . . . 
u vor mehrfach. Consonanz 
u gekürzt in zusammen- 
gesetzten und Fremd- 
wörtern § 120. 
io erfahrt Monophthongierung 
io erfährt Monophthongierung und 

Kürzung 

in erfahrt Monophthongierung 
zugleich Kürzung 



it, § 47. 
6, S 57ai. 
57 A 2. 



«, ^ 



^ 57 A3. 
6, § 57 B. 



(Umlaut y, § 91.) 
(Umlaut 0, § 90«.) 
(Umlaut oß, S 903.) 

(Umlaut ö, § 90 1.) 



ä, S 87. 


(Umlaut ä, § 94.) 


ü, § 52. 


(Umlaut y, § 97.) 


u, § 74. 





e, § 77. 



h y 

§ 78. 
§ 76 



§ 75. 



GÖTTINGEN. 



A. vor Mohr. 



74 



Die Präposftion von in der 
Münehener Heliandhandsehrifi.') 



In der älteren, dem 9. Jahrhundert angehörenden Münchener 
Heliandhandschrift, die von Anfang bis zu Ende von ein und derselben 
sauberen und deutlichen Hand geschrieben ist, kommen die beiden 
Formen fon und fan nebeneinander vor, doch so, dass einerseits fan 
häufiger ist als fon, andrerseits bis Vers 1264 fon allein erscheint. 
Von Vers 1497 ab, wo die Präposition erst wieder begegnet, findet 
sich fon nur noch fünfmal, nämlich V. 1547, 1628, 1902, 1903, 3634. 
Im ganzen erscheint fon 66 mal, und zwar von V. 124 — 1264 61 mal, 
nämlich V. 124, 163, 166, 181, 213, 249, 258, 275, 278, 295, 325, 
339, 342, 348, 351, 356, 366, 397, 411, 434, 459, 484, 528, 532, 
557, 558, 559, 566, 568, 574, 593, 600, 625, 636, 710, 833, 836, 
859, 864, 872, 910, 911, 919, 924, 933, 960, 983, 986, 989, 990, 
992, 1007, 1071, 1072, 1074, 1107, 1116, 1203, 1245, 1246, 1264. 

Die Form fan kommt im ganzen 114 mal vor, und zwar zuerst 
V. 1497 und 1525, dann nach zweimaligem fon (V. 1547 und 1628) 
wieder in V. 1684. Es ist wohl nicht notwendig, alle Stellen, wo 
sie sich findet, zu verzeichnen. 

Woher stammt die Form fon'^ Ist sie hd. oder nd.? Gehört 
sie dem Dichter oder einem Abschreiber an? Das sind Fragen, die 
sich aufdrängen. 

In dem Aufsatze über die Mundart der Urkunden des Klosters 
Ilsenburg und der Stadt Halberstadt in der Germania 35, 129 fi. 
hatte ich S. 153 behauptet, dass mn Entlehnung und von der Mundart 
des Gebietes der Urkunden angehörig sei, während Tümpel, Nieder- 
deutsche Studien, S. 14 van für das Ursprüngliche und von für hd. 
Entlehnung hält. Nebenbei möge bemerkt werden, dass die nd. 
Partien in den Schauspielen des Herzogs Heinrich Julius von Braun- 
schweig, die Tümpel a. a. 0. S. 14 berücksichtigt, für den vorliegenden 
Fall nicht verwertet werden dürfen, weil sie nicht im Braunschweiger 
Dialekt geschrieben sind. S. 132/3 dagegen erklärt Tümpel, dass er 
durch Jostes Saxonica, Ztschr. f. deutsches Altertum 40, S. 173, an 
seiner Ansicht irre geworden sei. Jostes sagt a. a. 0.: ,,von ist 
übrigens gut sächsisch, wenn auch schlecht westfälisch. In den 



') Ich eitlere nach Behaghels Ausgabe in der Voraussetzung, dass der 
Text richtig ist. Heynes Ausg. weicht gerade, was fon anbetrifft, mehrfach 
von ihr ab. 



75 

Lokalurkunden von Magdeburg, Halberstadt u. s. w. kommt es von 
Anfang an neben van vor, ja selbst die Form vun, tun ist gar nicht 
selten.*' Für meine Ansicht war nicht der Umstand massgebend, dass 
von neben van von Anfang an in den Lokalurkunden vorkommt — 
nach meiner Auffassung enthalten die Lokalurkunden keineswegs nur 
Formen, die der Mundart des betr. Ortes angehören, wohl aber ent- 
halten sie vieles aus der Mundart des betr. Ortes, was festzustellen 
Sache derjenigen ist, die der heutigen Mundart des Ortes mächtig 
sind — , sondern die Tatsache, dass die heutige Mundart nur die 
Form von kennt. Es ist mir durchaus unwahrscheinlich, dass in 
einem Gebiete etwa von Magdeburg bis Göttingen ehedem mn die 
Tolksmundartliche Form gewesen und dann durch das hd. von gänzlich 
verdrängt sei. Sodann glaube ich, dass in diesem Gebiete wie heute, 
so auch im Mittelalter, nur eine Form üblich gewesen ist, nämlich 
ron. Nur so vermag ich mir neben dem schriftgemässen van die 
zahlreichen von zu erklären. 

Wenn heute in einem nicht kleinen Gebiete nur fon herrscht 
und in den mittelalterlichen Lokalurkunden dieses Gebietes von fast 
ebenso häufig ist als van, so glaube ich nicht nur der mittelalterlichen 
Mundart dieses Gebietes die Form von zuweisen zu dürfen, sondern 
trage auch kein Bedenken, fon im Heliand für sächsisch zu halten, 
dessen Schreiber aus einem Gebiete stammte, dem fon eigen war. 
Wer die Richtigkeit dieser Ansicht zugibt, darf aber daraus noch 
nicht folgern, dass, wie Jostes meint, „das Wörtchen von allein schon 
hinreicht, um die Heimat des Gedichts in den Osten zu verlegen*'; 
denn es bleibt noch zu untersuchen, ob fon der Mundart des Dichters 
oder eines Abschreibers angehört. Tümpel erwähnt zwar S. 14 den 
Wechsel von foji und fan im Heliand, umgeht aber die Frage, ob 
fon als hd. Entlehnung anzusehen ist, und entzieht sich damit den 
Boden für die Beurteilung des mnd. von. 

Wenn fon der Mundart eines Abschreibers angehört, so darf 
dessen Tätigkeit unbedenklich von V. 85 bis 1234, resp. 1496 
angesetzt werden, bis wohin nur fon erscheint. Von V. 1235, resp. 
1497 ab müsste er von einem andern Schreiber abgelöst sein, der 
entweder fan sprach oder wenigstens das hs. fan nicht änderte. Aber 
dann lässt sich nicht erklären, wie der nachfolgende /hw-Schreiber 
dazu kam, noch fünfmal fon zu schreiben. Hatte aber die Vorlage 
durchweg fon, so ist begreiflich, dass dem /a/*-Schreiber bisweilen das 
fon der Vorlage in die Feder kam, zumal im Anfange seiner Tätig- 
keit, V. 1547 und 1628. Diese Annahme ist mir auch deshalb wahr- 
scheinlich, weil auch der Cottonianus, soweit ich aus Behaghels 
Ausgabe ersehen konnte, vereinzelt fon hat, z. B. V. 63, 66, 3480, 
3972. Von V. 5275 b— 5967 kommt in C nur fan vor. Auch die 
Vorlage von G scheint fon gehabt zu haben; ob diese Form vom 
Dichter herrührt, geht jedoch daraus noch nicht hervor. 

In dem Artikel ;,Zur Vorgeschichte des Münchener Heliand- 
textes" in der Zsch, f. d. Philol. 28, 432—436 ist Klinghardt zu dem 



76 

Ergebnis gekommen, dass sich offenbar drei Schreiber nacheinander 
abgelöst haben bei der Herstellung einer der Vorlagen, entweder der 
nächsten oder einer dieser voraufgehenden. ;,Als 'Leitfossil', dessen 
wir uns bedienen können, um die Grenzen des von dem einzelnen 
Schreiber hergestellten Textteiles zu bestimmen, lässt sich vortrefflich 
der Akk. Sing. mac. des bestimmten Artikels (bezw. Pronomen demon- 
strativums oder personale) benutzen, der bei dem Schreiber von 
V. 85—1791/1858 thatia heisst, bei dem von V. 1859—4923/25 
thene, und bei dem dritten, von V. 4926 ab [thena].^ 

Hieraus scheint sich soviel zu ergeben, dass der von mir 
angenommene /bn-Schreiber nicht zugleich der von Klinghardt an- 
gesetzte ^Aa/?a-Schreiber sein kann. Seine Heimat verlege ich in das 
Gebiet, das heute noch vo7i hat. 

BLANKENBÜRG a. H. Ed. Damköhler. 



To KÜSS/) 



Abel: Dag Lischen, sett di! 
Lieschen: Dank Abel, wullt mal smökenV^j 
Abel: Ach, dat lät mi. 

Lieschen: Diern Abel, du weets ja wul recht vel to vertelln vun 
Dreesohm') sien lustige KüssV 
Friedag, do weer's ja wul op dien beste LustV 
Abel: Dar weer dat moje,*) dar kann ikk di'n Döntje vun vertelln. 
De Ol stell sikk wruksch*) un geef mi'n ganze Wannsputt®) 

vull Schell. 
Ikk sä: Ole Schapskopp, gab hin un sadel den ölen Swarten 

op, (du schass weten, wi sünd dar hin reden), 
's Morrns Klokk fief jag ikk em forts bi sien Bart;^) . 
un ikk weer ok ganz snükkern®) op min Art. 



*) Dieses Gespräch ist mir vor Jahren von einer entfernten Verwandten aus 
Deloe, Kr. Norderdithmarschen, in die Feder diktiert worden. Es durfte von einem 
unbekannten Verfasser stammen, und verdient wegen einiger altertümlicher Aus- 
drücke gedruckt zu werden. Die Überschrift stammt von mir. ') Das Rauchen 
seitens der Frauen kam vereinzelt vor in Stapelholm und Dithmarschen, und soll 
noch stark im Schwünge sein in der Gegend von Seester und Seestermühe. 
2) Dreesohm = Andreas-Ohm. *) mo-i, moje, sonst nur gebräuchlich vom schonen 
Wetter, hat hier die Bedeutung von schön, hübsch. *) wruksch = mürrisch, 
brummig. ') Wannsputt soll wohl heissen Kannsputt d. i. ein Topf, der eine 
Kanne Flüssigkeit fasst. ') d. i, er musste sich rasieren. ») snökkern = 
hübsch, fein. 



77 

Ikk harr min nie dretrittn ^) Jakk an un min breetstreken Rokk 
un min Snipp^^) mit min Tonderschen Spitzen un min 
hellblaue Hasen ^^) un min smärleddern Scho 

un do pass ikk ganz däsig^^) darto. 

Un Hans, de weer okk ganz moi op sin Wies; 

he harr sien fiefkampn^^) Jakk un sin hirschleddern Büx an, 

dat seet em so moje un he schien as de Blix. 

Dat weer mi okk achter op'n Sadel so hart. 

Ikk sä: Hans, seet ikk man weeker. 

He sä: Lat du din Rükken un Biikken an kehr di an nix, 

un hol di man fass achter an min leddern Büx. 

Wi redn äwern son ol'n Dwägel, ^*) 

de Swart gef sikk en beten op'e Siet, 

un ikk füll koppheister dal in'e Schiet. 

Min Snipp weer so swart as'n Krai, 

un min Bakken un Lippen weer'n twai. 

Ikk sä: Hans, nu is gude Rad dür, wat fang wi nu an? 

He sä: Blief du man an'e Eer un lät di man Tid. 

Ja, harr ikk dat eh'r dän, weer ikk ni fulln. 

Ikk gung' na de Gröv hin un wusch mi so got aflF, as ikk kunn, 

un nehm min Hasen un Scho in'e Hand, 

un drei mi so kort, as en Lus an'e Wand. 

Um Middag keem wi okk in Knalsdörp^^) an. 

De Lud, de glupen wul ut de Luk:^®) 

Ach, sieh na de ol Abelmeddersch, is se ni so smukk as n' Brut? 

Do gung ikk liek rin na Dreesohm sin Dar 

(bi Dreesohm sünd wi okk grot bi in d' Bok). 

weh, wat liet he vel vun uns hol'n. 

Bi Dreesohm würrn wi okk ganz fründli empfung'. 

De Muskanten de spePn, de Knechts un Dierns de Jüchen. 

Dat dur okk ni lang, do gung't to de hillige Fier. 

Ikk weer hungeri un dösti, ikk dach man an't Eeten. 

Diern, Lieschen, wat hefF ikk freeten: 

Stuten un Ries, un Wiensupp un Braden; 

ikk löf,^^) ikk heflf mi gar de Mag äwerlad'n, 

Dat dur okk ni lang, gung't to fröhlichen Danz. 



•) Eine Art eigengemachtes Zeug, djessen Name offenbar mit den 3 Tritten 
beim Weben zusammenhängt. *^) Snipp ist ein weisses Stirnband der Frauen. In 
der Sage vom Untergange Alt-Tellingsstedts heisst es: Sie legten ein Schwein in's 
Bett, kleideten es sogar aus und banden ihm auch eine „Snipp'' vor. **) Hasen 
= Strümpfe. ") däsig, däsi, sonst ungefähr so viel wie dumm, schwindelig, 
hier aber soll es das nachfolgende Wort „darto" verstärken. ") Eine Art eigen- 
gcroachtes Zeug, das den Namen hat nach den Kämmen, womit es gewebt worden. 
") Dwägel? Jedenfalls eine Stelle, wo der Weg sich teilt, die Gabelung. 
"i Knalsdurp wohl fingierter Name. Vielleicht in Anlehnung an Kanal für den 
Ort, wo es gut zu sein ist, wo eine Festlichkeit gefeiert wird. S. Korrcspondenzbl. 
VI, 2, 72; VH, 30, 76. ") hinter den Fensterläden herausgucken? ") löf, glöf 
= glaube. 



78 

Ikk seet mank de Dierns un lur op min Hans. 

De leet okk ni lang' op sikk lurn. 

„Wat's dat vun ol Bläs,^®) wem hört de ol Mär/^) 

hett ja'n Snut as'n Prökkel,^^»^ sä dr' ol junk Blaff. ^^) 

Do min Hans ni to ful 

un gef den Flaps ^^) een an dat Mul: 

„Kiek in de Welt, Grönsnawel! ikk will di wat Anners vertelln.*^ 

Un ikk fung' okk noch mit an to scheirn, 

un du weets, Lieschen, ikk kann okk noch orri'n beeten vertelln. 

Un do danz ikk un min Hans polsch") ganz patent^*) un nett 

un do wakkeln wi inhi to Hus un to Bett. 

DAHRENWURTH b. Lunden. Heinrich Carstens. 



Sprieh^vörter und Redensarten 
aus Stapelholnn, 



Achtein Handwarken un negentein Ungelücken. (Vgl. Schuf ze. 
Holst. Idiot. IV, 255: Tainerlei Handwark un hunnerterlei Unglück. 
{Kremper Gege^id.) Achteinhunnerteen, as de Düwel en lütt Jung' 
weer. ( Süder stapel.) Auch: Da's 'n Weller as 1801, as Steenbock^) 
vor Tonn leeg un Grotmoer in'e Pesel scheet. (Drage in Sfapelholtn.) 
Achteinhunnert un 'n Kruk, as de Bodd'r no ni weer. (Siiderstapfl 
in Stapelholm.) „Allans in Ordnung l** sä Kroger, do wur he rut- 
smed'n. (Erfde.) Kroger war Arbeiter in Erfde. 

As de Ol'n sung'n, 

So pip'n de Jung'n, 

So huppet dat Stech;*) 

Grotmoer het 't seggt. (Drage.) 
„Alles Gude kummt vun haben*, sä de Jung'n, awer wat vun 
Moer kummt, is doch beter; do har de Krei em wat op't Bodderbrot 
makt (op't Bodderbrot scheten). (Drage. Auch in Dithm. W. Schrödm-, 
Spriikwörder- Schatz G40.) 

Bi St. Peter is de Welt mit Bred tonagelt. Gemeint ist Sf. 
Peter in Eiderstedt. ( Süder stapel.) 



^^) aufgeblasene, aufgedunsene Person. ^*) alte Mähre, eigentlich ein altes 
Pferd. ^) Kröte. ") Blaff, Blaffert, eigentlich ein Hund der immerfort blafft 
oder bellt. *•) Flaps von Flapp, Mund, Maul. ") polnisch. »*) patent = vorsichtig. 

^) 1713 lag der Schwedengeneral Steenbock vor bezw. in Tönning. ') Welches 
Stech? Das Steg der Violine? 



79 

^Büst ni klöker'^, seggt Hans Kroger, ^den muss ja wat in'e 
Kök ed'n.*^ (Säderstapel.) 

Dar kummt en Schipp mit sure Appeln. Da kmnmt ein Regen- 
üchaner^ eine Böe, dithm. Bü, am Himmel herauf. (SüdßrstapeL Vgl. 
au^h Schütze, Holst. Idiotikon /F, 52.) Dar kummt en Snid'r in'n 
Himmel. Wenn es beim Somienschein regnet. Aiwh: De Diiwel het 
sin Grotmoer op'e Bleek. (Bergenhmen.) 

yjDdX stimmt!* seggt Blaas. Diese Red^isart bietet ein treffliches 
Beispiel, trie Red^isarteti entstehen und sich verbreiten. Ausgang der 
f}Oer Jahre hörte ich diese Redensart wn einem Wirte Blaas bei Brecken- 
darf in den Hüttner Bergen; und überall hiess es rfa; ^Dat stimmt!'' 
seggt Blaas. Anfangs de^' 70er Jahre traf ich denselben Wirt in Erfde 
in Stapelhobn und von hier ist die Redensart nach Süderstapel gekommeti. 
Von Erfds zog Blaas nach Hamdorf b. Rendsburg, und wahrscheinlich 
stimmt dort nun auch Alles. 

„Dat weer en anner Korn*, sä de Düwel, do bet he en Mus- 
kötel dör. Oder: Da's 'n anner Slag Korn*, sä de Möller, un har 
op'n Mnskötel beten. (Drage. Vgl. W. Schröder, Nr. 318.) 

Dat geit, as wenn de Düwel Plumm schiitt. Sehr geschtvind. 
(Drage.) 

„Dat weer een!* sä de Düwel, do greep he 'n Snied'r, un as 
he recht toseeg, do weert en Linnwewer. (Drage.) 

Dat was aan, sä di Düwel, an grip an Skruder. (Nissen, Find- 
linge I, 10.) Wenn man en Snid'r, en Wewer un en Moller in 'n 
Sack stickt un dal 'n Diek trünnelt, so liggt jümmers en Spitzbov 
bab'n. (Dithmar sehen. Ur-Quell IV, 258,) 

De Möller mit sin Mattfatt, Wewer mit sin Spolrad, SnidV mit 
sin Snipelscheer — wo kamt dre Dewe her? (Willem Schröder, 
Nr. 747.) 

Dat geit as de Swin to Holt, lütt un grot. (Drage. Schütze, 
Holst. Idiot. II, 75: Grot un lütj, as de Swien to Holt loopt. 

Dat sünd Lud vun Mitteln, hebbt en Ars vun veer Vitteln. 
Vornehme reiche Leute. (Süderstapel.) 

Das 'n Leben as mern in 'e Masch. Ein schönes, heimliches Leben. 

De Död de is keen Speimann, de kummt ni aniiedeln. (Erfde.) 

De Fasslab'ndsstot deit menni ol Pag den Dod. (Drage. 
Schütze, Holst. Idiot. III, Hl: Lichtmessenstot, deit de ollen Pagen 
den Dod.) 

De Hahn kreit em dulsten op sin eg'n Miss'n. (Drage.) 

De leew'r Gott bewahr mi vor Rat un Recht, vor Afkat'n un 
Schinnerknechts. (Drage.) 

De rugsten FahPn werd de glattsten Pär. (Vgl. Schütze, Holst. 
Idiot. III, 319.) 

De Möllerknechts slat sik. Es schneit. (Süderstapel.) 

De Düwel wet Alln's, blots ni, wo de Fruns eren Wettsteen 
hebbt. Welcher Wetzstein ist gemeint i^ Womit sie ihre Zunge wetzen i^ 
(Drage.) 



80 

De Grasbock stött. Wenn' die Arbeiter in der Mäherzeit nadits 
im Schlafe zucken. (Drage.) 

De Diiwel makt jümmers wat bi den grötsten Barg. (Vgl. Bremer 
Whch VI, IUk) 

De Swien drägt mit Stroh, dat ward reg'n. (Sudei'stapel, 
Schröder, 346: Dor kumt Wind, de Swin drägt Strohspiern.) 

De Wind weit will Sandbarg'n un Sneebarg'n tosam'n; awers 
man keen dick'n Mars. (Drage. Vgl. Urdsbrunnen 1 V, 199. Schrikler 
Nr. 221.) 

De erste Fru is en Lust, de twete en Muss, de drütte en Ver- 
druss. (Drage.) 

Dör de Blöm snacken. Auch: Dör de Eilerbecker Blöm snacken. 
Verblümt etwas sagen. Gemeint ist Ellerbeck bei Kiel. (Bergenhusen.) 

Dun Lud un nüchtern Kalwer, de fallt sik niks to scband'n. 

En unrechte SchüUnk verteert en rechte Daler mit. (Drage. 
Fregbe, Leben im Hecht S. 205: Ungerechter Heller frisst einen Taler.) 

En dune Fru is en Engel in't Bett. (Sand schleuse bei Meggerdorf.) 

En verschüllte ßur is to hölpen; man ni en verhungerte. (Drage.) 

En hungerige Lus bit scharp. 

Ers en Gawel, den en Mess, den en Lepel un den en Koh; 
un den na't Tochhus to. (Drage.) 

En Lus kumt alle morrn sör (sörre) nägn to Hus. FAne Laus 
vermehrt sich jedsn Morgen um 9. (Drage.) 

Fragen steit fri un de Antwurd d'rbi. (Drage.) 

Gab na de Mand un plück Stierns! auch: Gab an'e Mand un 
pliick Stierns. Abfertigung. (Silderstapel. Auch in DithmarschePi 
bekannt.) 

Gab mit Gott un nimm de Diiwel op'e Nack; den begegnt he 
di ni. (Silderstapel.) 

Gift Gott en Seel, so gift he ok en Deel. (Drage.) 

Geld und Gut macht Mut, Mut macht Übermut, und Übermut 
tut selten gut. (Drage.) 

Handmanschetten un keen Hemd. (Sildei'stapel. Schütze, Höht. 
Idiot. IV, 203.) 

He smart uns Hönni um^n Bart un gift uns Schiet to freten. 
Schmeichelt. (Süderstapel. Schütze II, 153.) 

He steit sik in't Licht. Nimmt den eigenen Vorteil nicht für 
sich wahr. 

He gut dat schidige Water weg, ehr he rein Water weller bot. 

He gript na't Ei un let de Hahn liegen. Nimmt den kleinen 
Nutzen und lässt den grössten ausser acht. Tut sich Schaden. (Drage.) 

DAHRENWURTH b. Lunden. Heinrich Carstens. 



81 



Gedichte Brunos von Schönebeck. 



In seiner Abhandlung über die ^ Reim vorreden des Sachsen- 
spiegels*' S. 38 Anm. 1 spricht Roethe von anonymen Gedichten eines 
üöttinger Codex, als deren Autor er Bruno von Schonebeck vermutet, 
nachdem bereits W. Meyer diesen Namen in einem der Gedichte auf- 
gefunden hatte. ^) An die verheissene nähere Untersuchung der Autor- 
schaft ist Roethe nicht getreten; die philosophische Fakultät der 
Universität Göttingen stellte deshalb die Aufgabe: ^Die anonymen 
Gedichte, die im cod. gott. theol. 153 fol. 211 ff. stehen, sollen auf 
ihre Sprache, ihre Quelle, ihren Zusammenhang hin untersucht werden 
und insbesondere geprüft werden, ob sie ein Werk Brunos von Schone- 
beck sein können.^ Ich machte mich an die Aufgabe und rundete später, 
nach mehreren und längeren Unterbrechungen, die Arbeit ab.*) Jener 
cod. gotting theol. 153 (s. Wilh. Meyer: Verzeichnis der Handschriften 
im preussischen Staate, Göttingen Bd. II) stammt aus dem 15. Jahrh. 
und ist gebunden in einen Pappband des 18. Jahrh., auf dem als Titel 
„Auctoritates Biblie et alia Manuscript.* aufgedruckt ist. Eine Hand 
des 15. (?) Jahrh. schrieb auf die Fussseite des Bandes: theo[lo]gia (?) 
jus (?). Trotzdem auch vor dem jetzigen gemeinsamen Einband die 
einzelnen Teile schon zusammengelegen haben, und zwar in einem 
Teil Umschlag, wie sich deutlich schliessen lässt aus der starken Yer- 
gilbung der rechten Hälfte von fol. 1 r und der linken von fol. 220 v, 
zerfällt der Codex in zwei Teile, fol. 1 bis 158, fol. 159 bis 220, 
die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten und nur, weil von 
annähernd gleicher Grösse (folio), in denselben Band gebunden sind. 
Denn es sind deutliche Spuren des Verstaubens und Vergilbens sowohl 
auf fol. 1 wie auf fol. 159 wahrzunehmen, sodass beide Teile längere 
Zeit einzeln und offen gelegen haben müssen, ausserdem findet sich 
in Teil I keinerlei Lagenbezeichnung, dazu ist eine weitaus sparsamere 
Verwendung von roter Tinte im ersten Teil zu konstatieren — nur 



*) Die Gedichte selbst folgen zu Schluss. 

') Die in der Arbeit gebrauchten Abkürzungen sind: H = Brunos 'Hohes 
Lied' ed A. Fischer in Stuttgarter litt. Ver. 1894. — P = Cod. gott. theol. 153, 
fol. 211 ff. — Th = 1. Ged. in F, über Thcophilus. — U ^ Rekonstruktion aus 
Th und der Theophiluserzählung in H. — A = 2. Ged. in F, über Almosen und 
Gebet — M = 3. Ged. in F, über minne (charitas). — Me ^ 4, Ged. in F, über 
die Messe. — Se — 5. Ged. in F, über die Seligpreisungen. — L = 6. Ged. 
in F, über Leib und Seele. — G. Ab. — Germanist. Abhandlungen ed. Wcinhold VI 

S Abhandlung von A. Fischer über H). — Ferner P -^ Wolframs Parzival. — 
' = Titurel. — Wh = Willehalm. — Martin : Wolframs von Eschehbach : Parzival 
und Titurel, 2. Teil: Kommentar. 

Niederdeutsches Jahrbuch XXX. Q 



82 

fol. 80 bis 97 (das Evangelium Nicodemi, s. W. Meyer a, a. 0.) 
zeigt häufigeren Gebrauch, aber auch nicht so ausgiebigen wie im 
zweiten Teil. Hinzu kommt das andere Papier und der andere 
Schreiber (s. u.). Mich kann demnach nur diese zweite Handschrift 
angehen. ^) Sie besteht aus fünf Lagen, und zwar 4 Senionen (159 — 70. 
171—82. 183—94. 195—206) und einem Septenio (207—220). Auf 
fol. 159 (Anfang der 1. Lage) und fol, 207 (Anfang der letzten) 
fehlt die Lagenbezeichnung, Lage 2 und 3 haben dagegen ausser 
der lat. Zahl in der oberen rechten Ecke noch die arabische Zahl 
in roter Schrift in der unteren rechten P^cke. Die Blätter, 283/84 mm 
hoch, ca. 205 mm breit, haben als Wasserzeichen einen Stierkopf 
mit gestieltem Stern, (der 1. Teil des Codex hat einen ganzen Stier 
0. a.) und sind durchgehend zweispaltig geschrieben. Im allgemeinen 
sind die Spalten (von .sehr ungleicher Breite, Minimum 60, Maximum 
88 mm) von Vertikalen in schwarzer Tinte umgrenzt (über die der 
Schreiber aber doch sehr häufig herüberschreibt); konsequent in den 
zu untersuchenden Teilen; in den vorhergehenden fol. 159 ff. fehlt 
die senkrechte Abgrenzung 169 r— 180 v, 181 v, 183 r, 184 r, 201 v 
rechter Rand, 210 v Mitte. Auf fol. 194 r II, v I und Mitte, 195 r 
Mitte, V Rand, V. 1 bis 12, 202 r I die letzten beiden Zeilen, II und 
V I Rand und Mitte sind die Ränder durch krumme Linien verunziert. 
Horizontale Abgrenzung fehlt meist, sie findet sich 159 r oben, 182 ff. 
oben und unten, 184 r oben und unten nur punktiert, 184 v — 188 v, 
194 V und 195 r nur oben und wenig angedeutet, 208 v nur unten; 
fol. 211 (Anfang der zu untersuchenden Gedichte) nur oben, sonst 
nicht mehr. Die Zeilenzahl pro Spalte ist schwankend. Die 1. Seite, 
fol. 159 r, ist in sehr breiten Zwischenräumen beschrieben, auf den 
übrigen ist das Minimum 32 Z. (175 r II, 184 r I, v I), das Maximum 
44 Z. (nur 160 v I, II), gegen P^nde ist die Durchschnittszahl niedriger 
als zu Anfang. Die Zeilen selbst sind nirgends liniiert. Wie in der 
Haupths. von Brunos Hohem Lied (Rhedigersche Hs., Stadtbibl. zu 
Breslau) und dem Casseler Fragment (Zs. 40, 101) sind mit roter Tinte 
geschriebene Verse, meist lat. Zitate, unregelmässig eingestreut; in 
gleicher Weise ist der Anfangsbuchstabe jeder Zeile rot durchtrieben; 
Absätze (Anfang von Gedicht I, II, IV, V, 13, ausserdem A 138, bei 
Beginn der Jonas-Erzählung) sollten angedeutet werden durch grössere 
Initialen, deren Ausführung aber unterlassen wurde, so dass hier 
jedesmal ein freier Raum blieb, in oder neben dem der auszuführende 
Buchstabe mit schwarzer Tinte vornotiert ist. ^) Eine einzige Initiale, 
sehr roh ausgeführt, steht am Anfang der Sterbeworte des Almosen- 
spenders A 103. Eine besonders grosse Initiale war zu Anfang der 
Hs., bei Beginn des Viridarium beatae virginis beabsichtigt, eine 
gleich umfangreiche auch fol. 211 r bei Beginn unserer Gedichte. 

») Für die erste Hs. vgl. W. Meyer a. a. 0. S. 383. 

^) Die gemeinschaftlichen Züge aller drei Hss. lassen es ziemlich wahr- 
scheinlich erscheinen, dass Bruno selbst seine Handschrift in ähnlicher Weise 
angelegt hat. 



83 

Von fol. 211 ab fehlt eine so bestimmte Andeutung inhaltlicher 
Scheidung. 

Fol. 159 bis 210 enthalten den „Wurzgarten" Konemanns, den 
Borchling Nd. Jahrb. 23, 115 ff. bespricht. Auch über die Vor- 
geschichte der Hs., soweit sie mit dem Konemann in Verbindung 
steht teilt B. einiges mit. Jos. Christ. Herscnius hat nach B. eine 
Abschrift vom „Wurzgarten* genommen; offenbar aus unserer Hand- 
schrift, denn dem Codex gott. ist ein Brief vom Oktober 1736 Acad. 
Julia (Helmstedt) vorgeheftet, in dem Hersenius das „Viridarium 
illud Konemannium b. Mariae Virginis" mit Dank zurücksendet; wem, 
wissen wir nicht, einem, der angeredet wird: Vir Reverendissime 
Doctissime Fautor Colendissime: Borchling vermutet mit Wahrschein- 
lichkeit den Helmstedter üniversitätsprofessor Hermann v. d. Hardt. *) 
Ein Verwandter von ihm wird Ant Jul. v. d. Hardt sein, der sich 
auf der Rückseite von fol. 1 unseres Codex als Besitzer nennt: „Ex 
Bibliotheca Ant. Jul. van der Hardt d. 3. Oct. 1786.'' 

Die zu untersuchenden Gedichte werden fol. 21 1 r eingeleitet durch 
ein mit roter Tinte geschriebenes, nicht ganz genau wiedergegebenes 
Zitat aus St. Bernhard (Migne Bd. 183 S. 430 C) über die plenitiHio 
Mariae (Zeile 1 — 10) mit anschliessender deutscher Übersetzung 
(10 — 19). Zitat wie Übersetzung stimmen mit H 4175 — 88 überein. 
V. 20 giebt in roter Schrift den Inhalt der folgenden Verse an: 
Wo theoßlns wart irlosL Diese Theophiluserzählung (I) umfasst 
(einschl. der vorher erwähnten 19 Vv., die ich für zugehörig zum Th 
halte, 8. u.) 212 Vv. In V. 176 nennt sich der Verfasser: van 
Schonebecke Brune (s, Roethe, Reimvorreden S. 37 Anm.). Alle 
folgenden Gedichte sind anonym. Die nächste rote Überschrift, fol. 
212 V I: „van der almissm^ (II) giebt nur einen Teil des Inhalts der 
folgenden zu einem Gedicht gehörigen Verse wieder: eine allegorische 
Verzierung der Wirkung des Almosengebens, dazu ein Beispiel aus 
den Vitae patrum, fol. 212 v II (A 58) und eng daran anschliessend 
zwei^) Beispiele aus der Bibel von der Kraft des Gebets: fol. 213 v I 
und fol. 213 V II. Das ganze umfasst 216 Vv. Das nächste Gedicht 
fol. 214 r I (III) 138 Vv., eingeleitet durch ein lat. Bibelzitat, lässt 
sich in Parallele zu Gedicht II nennen: von der minne: es erzählt 
eine Episode aus dem Leben des hl. Goar, ist aber in Einleitung und 
Schluss verstümmelt überliefert. Die Erzählung selbst ist im grossen 
und ganzen vollständig (s. u.). Mitten in den Übergangszeilen zu 
einem neuen Thema, über die l)armherticJieyt (V. 138), von der schon 
in den fehlenden Versen am Anfang die Rede gewesen sein muss, 
bricht das Gedicht ab. Das IV. Gedicht, fol. 215 r I, ist gleichfalls 
am Anfang unvollständig. Es handelt von dem reuigen Ritter, der 

*) über H. v. d. IL s. Häberlin, „Geschichte der ehemaligen Hochschule 
Julia Carolina in Helmstedt« (1876) S. 83, auch W. Meyer S. 385, der meint: 
„vorher besass die Handschrift jedenfalls II. v. d. Hardt, der viele Hss. hatte, in 
denen Akten des Baseler Konzils vorkommen.« 

*) nicht eins, wie W. Meyer a. a. 0. angiebt. 

6* 



84 

sich dem Teufel verschriebeD, und dem gottlosen Bauern, der aus 
Verachtung der Worte Gottes sein Seelenheil an den Ritter verliert 
und statt seiner durch Selbstmord büsst; 116 Vv. Das Gedicht hat 
einen glatten Abschluss. In roter Schrift folgen dann, fol. 215 v II, die 
sieben Seligpreisungen (V), lat., daran schliesst sich eine Paraphrase, 
die aber nur bis zur vierten Seligpreisung kommt und plötzlich 
abbricht. Auch im Innern finden sich erhebliche Lücken: s. u. 
Erhalten sind 551 Vv. Den Schluss der Hs., fol. 219 v I, bilden 145 Vv., 
die erzählen, wat de mifusche si/, scole werden; sie handeln von der 
Natur des Menschen, von Leib und Seele und ihrem letzten Streit. — 
Der Schreiber der Hs. — ursprünglich haben wir es nur mit einem 
in unseren Partien zu tun — schrieb sorg- und gedankenlos ab. Er 
war ungebildet, wie die zahlreichen Entstellungen namentlich der lat. 
Worte zeigen. Über seine Vorlage für die Gedichte von fol. 211 ab 
lässt sich wenig mit Bestimmtheit sagen. Die hd. Sprachreste sind 
so zahlreich, dass eine hd. resp. md. Hs. vorgelegen haben muss. 
Andererseits würde ein Lesefehler wie koracker (Th 198) statt wraker 
eine nd. Hs. postulieren, wenn eine sprachHch einheitliche Vorlage 
sicher wäre. Da aber ein Magdeburger wie Bruno bereits hd. und 
nd. mischen konnte, so ist die Forderung zweier älterer Hss. keines- 
wegs sicher. Unsem Schreiber korrigierte später ein gebildeterer 
Mann, der offenbar nur Leser, nicht planmässiger Korrektor war und 
der das falsche creatmion Th 4 zu curationem verbesserte, statt ysaiaa 
Se 78 das richtigere escm einsetzte, u. ä. Aber eine eigene authentische 
Quelle, nach der er berichtigte, hatte dieser Leser scheinbar nicht, 
sonst wäre nicht esau^ sondern richtiger esam korrigiert worden,*) 
was noch aus der Verschreibung durchscheint. Dieser Korrektor 
gab sich Mühe, den Inhalt der Handschrift möglichst zu verstehen, 
wobei er freilich dem Dichter nicht immer gerecht wird, z. B. A 10. 
151. Se 357, vor allem L 43 (s. u.). Eine noch spätere Hand — 
das zeigt der Ductus der Handschrift — verbesserte in L 85 das 
falsche meyster zu mynsche. Ob noch ein dritter hineinkam und zu 
Th 205 in ungeschickten Zügen god hinzufügte, ist unsicher; möglich, 
dass es der erste Korrektor war. 



Der Theophilns in F. 

Man kann den Th. in F, so wie er überliefert ist, überhaupt 
nicht verstehen, und auch der, den Bruno in seine Paraphrase des H 
einflicht, Vv. G203 ff., vermag, wenn er auch äusserliche Abrundung 
erhalten hat, philologischer Kritik nicht standzuhalten. Beide wirken 
unbefriedigend. Ihre Mängel, und deren Erklärung und Beseitigung 
ergeben sich aus der Untersuchung des Verhältnisses der beiden 
Theophiluserzählungen. Ich gehe dabei aus voä den grösseren, ganz 
oder fast ganz übereinstimmenden Partien in beiden: 



^) Flüchtigkeit anzunehmen, hat man keinen Grund. 



85 

F 1—19 = H 4175-88. 

F 44-46 vgl. H 6313—14. 

F 80—88 = H 6283-94. 

F 107—12 vgl H 6278-80 -f 6283—4. 

F 144-5 vgl. 3692-3. 

1. Zunächst Vv. Th 107 ff. und H G278 ff.: 

Ik bin et sonc de dy ghebar, (alsus sprach dl reine giUcr) 

Ik Iryt smahciji mennich iar gedenke sun, ich bin din miäer, 

Dorrßi dek an erlrike, du sogest 7ni)ier brüste mamme, 

fihedenke sone gnadenrike^ ich was din muter und amme, 

Ik icas din maier unde din ammCj ich bin din tochter und muter , 
Dik nerede myner brüsten mamme. du min sun und vater guter. 

gedenke waz ich leit im ertriche 
durch dich sun genadsnriche. 

In II stehen die Vv. am Anfang einer Bitte, die wie bei anderen, 
z. B. Wolfram P 323, 16, Ulrich v. Z., Lanzelot 973, gern mit gedenke 
beginnt: vgl. H 6252 dese rede sprach her alda: gedenke . .; hier in 
F steht es als einziges ghedenke in der Rede erst 12 Zeilen nach 
Anfang. In H ist der Gedankengang verhältnismässig gut geordnet, 
in der Hauptsache chronologisch: ich bin deine Mutter — du sogst 
an meiner Brust — (drei Flickphrasen) — durch dich litt ich (später) 
auf Erden. F dagegen setzt zwar zunächst ganz chronologisch ein: 

F 103 Ik wart von Bethlehem ghesant 
Myt dy in Egypten lant 
Dorch koning Herod^ mort 
Unde legt mennighen kummer doi't, 

dann aber in den gemeinsamen Vv. springt der Gedankengang plötz- 
lich zurück: ich habe dich geboren — ich litt Schmähung manches 
Jahr (was schon F 106 gesagt ist), — dann das oben besprochene 
ghedenke — dann die muter und amme: was alles an den Anfang 
gehörte, wie in H. Andererseits ist der folgende V. 113 Mg was 
frdesch vroude dnre eng an 106 gebunden durch die negative Wieder- 
gabe desselben Gedankens; was dazwischen steht, hemmt und hat in 
II eine viel passendere Stelle: der gedankenlose Einschub aus ü ist 
evident, die Vv. gehören nur in H hinein. 

2. Vv. 143—145: 

Scajfe moder leve wat du wilL 
Sone, so wert Satltafms beinlt 
An du^seni anevalle blot 

Diese Verse verlangen einen weiteren Umweg. Bei Paulus Diaconus 
Hebt Theophilus Marien an erstens um Fürsprache bei ihrem Sohn, 
so dass schliesslich Maria erklärt: ego rogabo pro te et smclpiet te 
(Abs. 11) und Abs. 13 erklärt sie: Snncepit enim Dominus lucrgmas 
tnas usw. Dann erst bittet er sie zweitens jube nt recipere ponsim 
Krecrabilem illam (dnwgationis chartulam atque nefandam cautionem 



86 

signatam, ah eo qui (lecepit ine, diaholo}) So auch in allen ein- 
schlägigen Legenden; vgl. z. B. Hagen Ges.-Ab. Nr. 80 V. 60 ff. 
Bruno hat die Reihenfolge umgekehrt, Maria hat die Handfeste zer- 
rissen (V. 58 und 73), als sie vor Christus tritt. Sie bittet ihn, V. Dl, 
dat du np on vortu/est, Unde on von allen sunden rrigesf, De he ja 
weder dek droch; und dem Thcophilus hat sie nichts zu verkündigen 
als .\ft/n Zone hat up di/k vorteyhen 151. Also hat auch Christus 
nichts weiter zu erklären als seine Verzeihung. Das tut er in den 
Vv. 135 ff. mit dem tönenden Schluss: Ik do se f/hetveldirh an dem 
frone. Darauf kommt die überraschende Wendung : 143 Schaffe moder 
lece wat da wilL Sie will aber doch weiter nichts! Das folgende 
(144/45) Sone so wert Sathanas bevilt an dnssem aneralle hlot — das 
ist ja bereits (s. o.) geschehen; zu Fall gebracht hat sie ihn schon 
lange. Hier sind die Vv. also sicher unpassend, und wenn die 
Wendung 144/5 gleichfalls in H 3691 ff. zu belegen ist, so ist 
wiederum die Einführung aus H — und zwar falschlich — sehr wahr- 
scheinlich, Aber damit ergiebt sich auch für den Th in H eine wert- 
volle Beobachtung. Es wäre doch wunderbar, wenn nach V. 6326 
Christus Marien wirklich kein Wort der Zustimmung entgegnete. 
Maria verlangt 6318: Du solt mich senden und 6326: Dine rehte haut 
si mine pßetje. Und gleich darauf: Maria do in dt helfe rnr — V 
Bruno bei seiner Breite und seiner Vorliebe für direkte Rede über- 
lässt es dem Leser sicher nicht, sich die Antwort selbst zu sagen, 
nein, 143 bis 145! das ist seine Autwort: Hcaffe moder lece wat dn witt 
in schöner Kürze, Und siegesgewiss antwortet Maria: Sonn so wert 
Sathanas bevilt An dnssem anevalle hlot! Gefestigt wird diese Inter- 
pretation — wenn auch Bruno Wiederholungen liebt — noch dadurch, 
dass die in H fortführenden Verse: Maria do in di helle vur, / also 
mir hie di schrift swur fast genau schon in der Einleitung des Th 
stehen: 6195 di in der helle grünt vur / rechte also mir di schrift swur. 
An unserer Stelle sehen die Verse direkt eingeflickt aus, so gut wie 
die beiden folgenden Verse, denn nirgends ist von ohirmutiger bracht 
und noch weniger von minnicidicher ge^selleschaft die Rede gewesen, 
nur dine rechte haut si min pßege hat Maria zuletzt 6326 gebeten, 
also auch hier ein Widerspruch; und ebenso wenig wird von bracht 
und geselleschaft geredet in der kurzen Rekapitulation 6380 bis 88. 
Es ist demnach sicher: an dieser Stelle, nach H 6325 -|- F 143/5 
ist ein Bruch. Nun setzt die Handlung von F inhaltlich genau hier 
ein, denn V. 54 finden wir Maria, dem Teufel oi)ponierend, sicher 
in der Hölle: 

yyWo et umnic dussc rede slc^\ 

Sjrrak Maria o vertut, 

„Thcophilus' ijs mgn Icve trui 

TJnde hat mij ghedcnct vil; 

Mit rechte ik tcvcicn wil 

Der hantvcstcn icken al dar/* 

') vgl. AugUa VII, 68. 



87 

Weiter. F V. 30 fF. beginnt mit einer Bewunderung (wenigstens 
scheint mir das die richtige Interi)retation der schwierigen Stelle) 
der Güte Marias, in diesem Augenblick, wo Maria um einen reuigen 
Sünder selbst in die Hölle fährt, wohl angebracht und für Bruno 
nicht unwahrscheinlich. Dazu binden sich beide Stellen F 145 An 
fluifsetn aneiHiUe blot und F 30 Wart harminge ju so gvot ungezwungen 
durch Reim. Hier muss zusammengeschweisst werden. Dass 31/32 
(s. 0.) schlecht verständlich und verderbt im Reim sind, bestärkt nur 
die Annahme eines Bruches auch in der Handschrift an dieser frag- 
lichen Stelle. — So stünden denn die ersten 29 Verse isoliert. Es 
ist doch nicht zufällig, dass im Anfang des Th in H dasselbe Reim- 
wort erscheint wie in Hs. : H 6201 der ivart ie lonei< gewert j F 24 
TheophilHs des wart ghewert; V. 6202 in H: also tet hie di vrowwe 
tnrt sieht man den Lückenbüsser für F 23 Dem dort gnade wert 
h'schert jetzt sofort an. Nicht H 6200 — 2 sind die ursi)rüngliche Ein- 
leitung zum Theophilus, sondern F 21 — 29. Nur V. 25 do sek sin roff 
irkande macht dabei Schwierigkeiten. Was ist sein Inhalt? Da F 161 
(im ioden den liegdefi den puhlimne ohne jeden Zweifel beweist, dass 
Bruno ganze Verse aus Wolfram abschreibt (s. u.), die Anlehnung 
au ihn auch andere Vv. mit Wahrscheinlichkeit zeigen, so halte ich 
auch V. 25 für Wolframisch. In Wh 68, 28 (derselben Stelle, die 
die ganze Sterbcscene in A hergiebt! s. u.) heisst es von Tismas, 
dem Schacher am Kreuz: Jesus an im wol horte / daz in sin rnof 
n-knnde. Für Bruno lag nahe, was Wolfram vom Schacher, hier von 
dem ebenso grossen Sünder Theojihilus zu sagen, von Maria, was da 
von Jesus. Dann ist aber das reo. pron. sek falsch, ein acc. prou. 
pers. muss es sein, und da die lat. Apostrophe vorhergeht, so 
wird auch hier die zweite Person, also dek (das am leichtesten durch 
den Eiufiuss des *• im folgenden sin zu sek verschrieben werden konnte) 
gestanden haben. Die Apostrophe selbst aber (1 — 19) stand an der 
Spitze des ganzen Theophilus, denn sein Inhalt ist deutlich ein Bei- 
spiel des Allvermögens, der plenitudo Marias, und der Held selbst der 
Typus für alle aegri, mptiri, tristes, peccatores, denen von Maria Hilfe 
zuteil wird. Die Apostrophe ist zwar aus St. Bernhard genommen, 
aber auch Paulus Diaconus hat in ähnlicher Weise nnicersale auxiliftm 
*i parata protectio ngilantinm ad eam Christianoruni, vernm confugium 
(fd tie roHcurrentinm, errantium via, et redemptio captivonim, tenehrosorum 
himen, verissimum afflictorum confugium et tribfdantium consolamen 
(Abs. 0), vgl. auch Abs. 11. 12. 13 bei Paulus Diaconus. 

3. F 82—88 (= H 6288— Ü4), sind auch sie aus H fälschlich 
eingedrungen? V. 88 sagt Maria: ik hulpe om gherne ut den schämen, 
das kann sie nicht mehr sagen, wenn sie des Theophilus Handfeste 
vernichtet hat wie in F, sondern nur vorher, wie eben in H. Also 
auch diese Verse müssen fallen, ja auch 80/81, denn sie sind nur 
eine Variante zu 6285 — 7. Dann fehlt aber der Anschluss, da neben- 
einander stehen : 70 sprak: ril lere sone goder / 81) Ik hidde dorch des 
hiodes dot. Der zu goder in 79 fehlende Reim wird moder gewesen 



88 

seiü, im fehlenden Vers mag Maria nochmals ihre Mutterschaft be- 
tont haben. Zu got gekürztes godei' stellt den Reim nicht her, da 
89 (lot = mhd. doz ist und dies auch schon durch got = goz ge- 
bunden ist. 

4. Wie steht es endlich mit Th 45/46: Do he de werden makede 
sunt, I In der sulven stiint — H 6313 daz gelohete Ich zur stunt, / do 
ich Adam machte gesnnt — ? V. 44 mit seinem sin weist auf Christus, 
wie das folgende verlangt, ohne dass von Christus bisher die Rede 
war; also hier muss eine Lücke sein. Ausserdem ist niot kaum 
richtig, nmnt wird gereimt haben, in der sulven staut ist später 
hineingeflickt, nach H 6313. 

5. Dass sich der Teufel auf sein Versprechen beruft, ist 
zweifellos, aber Theophilus gegenüber? Wie kommt Theophilus in 
die Hölle? Er passt durchaus nicht hierher, F 41 — 43, in den Disput 
zwischen Maria und Satan. 

Schon E. Sommer ^j „De Theophili cum diabolo foedere" S. 36 
hat bemerkt: Theophilum a diabolo ullo modo adiutum esse poeta non 
refert. Nicht bemerkt aber hat man, dass die einseitige Verschreibung 
doppelt in H erscheint, einmal vom Dichter erwähnt 6210 — 13 und dann 
direkt, nur 12 Vv. weiter, zitiert: 6223 — 25. Ferner ist sehr auflfallend, 
dass deutlich im folgenden Vers von gegenseitiger Abmachung geredet 
wird: ditz was ir zweier leinkoufe (mhd. litkouf) — danach müsste 
doch ein gegenseitiger Vertrag dagestanden haben: das ist eben F 
36 — 40! stant in 36 verrät noch das stunt in H 6222, tme ist leichtes 
Verschreiben aus inne, vielleicht auch beeinflusst durch F 39. 

F 36 Dar vuie stunt: du bist mm vat 
Tfieojyhüus mit sele unde live, 
To der helle ik dy scrive, 
Dar um7>ie gef ik dg rikedom, 
An yneniger werde hegen rom. 

(F hat in der 4. Zeile gaf. Auch die 5. Zeile wird schlecht über- 
liefert sein; vgl. Hartmann „Glouben" 1930 daz er ime gebe rtchtuom / 
grözen werltlichen ruom, dazu vgl. werde für werkle Me 12). Das in 
6221 zu raz passende Reimwort liegt auf der Hand. Für Sathan 
stand Sathanas, eine Form die auch F 75 reimt, tubel wird man 
streichen dürfen (vgl. Zs. 40, 67), also 6220 eine hantveste und gaf j 
si deme leidigen Sathanas, / dar inne stunt: du bist myn vaz usw. 
(Über den Reim z : s s. H. Einl. LVI.) H V. 6226 fällt natürlich 
auch mit der Ausscheidung von H 6222 — 25, er ist überflüssig und kann 
eine Lücke nicht rechtfertigen; doch vgl. ;, Theophilus" der Stock- 
holmer Hs. V. 272: So wil ik einen lyköp mit dy anegdn, F 35 ist 
eine plumpe *) Versflickerei, blofs um Reimverbindung herzustellen mit 



*) ebenso Ettmüller Theophilus S. 30 f.; der aber einige Zeilen weiter die 
falsche Bemerkung hinzufügt, dass Christus Th. vor der Beschaffung der Handfeste 
begnadigt habe (vgl. o. S. 80). 

2) Die Handfeste soll noch von blöde nat sein, nachdem Th. dem Teufel 
viele Jahre (vgl. F 67) gedient hat. 



89 

dem folgenden Vers. Deshalb wird auch nicht an V. 6222 rlitz sinnt 
tj0\^rhrehen rfar an festzuhalten sein. An sich könnte man F 36 (hf 
hiüt min rat ruhig streichen, auch dann wäre die Verschreibung noch 
durchaus vollständig. 

6. F 41 f. sieht aus wie eine Anrede; dann geholzte der Vers 
wie auch V. 36—40 nicht hierher. Gäbe es aber überhaupt eine 
Stelle, wo diese Anrede des Teufels an seinen Ikhen knecht Th passteV 
Weder in H noch in F. Nun sind in der Hs. verschiedene Male 
kleine Wörtchen ausgefallen (M 55, 80; Me 8, 88; L 13 usw.), hier 
also mit einiger Wahrscheinlichkeit is, das dt/ in der folgenden Zeile 
ist dann unhaltbar, es muss ersetzt werden durch dem oder im (om), 
so dass also des Teufels Rede von Maria nachher im Anfang variiert 
wird — für Bruno nicht unwahrscheinlich: F 41 Theophilus ys myn 
fere knecht / 56 Theophilus ys myn leve trat. F 44 mot aber wird 
nicht richtig sein, müt hat dagestanden und reimte zu V 45, so dass 
wenigstens eine kleine Umformung gegenüber der Parallelstelle vorher 
da war. mot wird durch yot nicht gestützt, da ja zwischen beiden 
eine Lücke festgestellt worden ist. 

7. Bei Eliminierung der Vv. 143 — 45 aus F (s. o.) ist bisher 
nicht der Anschluss zwischen 142 und 146 berücksichtigt worden. 
Zunächst fehlt die zum V. 146 reimende Zeile — aber nicht mehrV 
Von den vier Personen der Handlung sind Maria, Christus und Theo- 
philus abgeschlossene Zeichnungen. Nur der Satan ist noch nicht zu 
Worte gekommen. Beide, Maria und er, sind sie vor Gottes Angesicht 
getreten, noch dazu auf Betreiben des Teufels — sollte er nun einfach 
vom Dichter vergessen seinV Das Kompositionstalent Brunos hat 
sich uns bisher in günstigerem Lichte gezeigt, als wie H oder gar F 
den Anschein geben. Mir ist kein Zweifel, dass eben hier, zwischen 
142 und 146, eine Lücke klafft und dass eben hier auch die Figur 
des Teufels ihren Abschluss erhalten hat, wie sie musste. Das wird 
umso sicherer, wenn sich zeigt, dass nach dem Schluss der Theophilus- 
erzählung in H der Satan ganz so auftritt, wie er sich bequem hier 
einfügen Hesse; etwa 

6355 da ir gewalt sack dcfi" ttibel, 

ich meine Satlian der^) übel, 

tuid dar widir nicht mochte tun, 

her begunde s^ich sere ^nun, 

in mm xorne der tubel sjyrarh:^) 
6364 7nich rnuwet alle des in tach 

di scJiame di ich lide, 

houbetscJuinde ich nicht mide. 
Vielleicht verrät auch F 142 yheuxldich und H 6355 (jewalt die 
ursprüngliche Ideenassoziation. Möglich ist, dass nach diesen Versen 
auch Maria noch einmal mit kurzem Dank zu Worte kam, wie in 



*) H den. 

') 6360 -f- 6863 dürften zerrissen sein aus einem Verse, der etwa wie oben 
lautete. Vgl. F 167 -f- 172 zu H 4926 4- 28. F lOb— 10 zu U 6283/4. 



90 

„lütter und TeufeP, Laßberg „Liedersaal^ Nr. 206 V. 377 f.; aber 
nötig ist es nicht. Dies der Scbluss. Aber auch der Anfang des 
ursprünglichen Theophilus lässt sich noch ausbauen. 

Bruno beginnt die Legende in H: „Einmal verführte der Teufel 
einen Mann namens Theophilus zu einem Gelübde. Wie es dahin 
gekommen war, das habt ihr ohne mich vernommen, doch wärs nicht 
gut, es zu verschweigen." Demnach müsste folgen: ^trie iz dur nryp 
körnen*^, d. h. die Vorgeschichte des Paktes — es folgt aber der 
(halbe) Inhalt des Paktes selbst, der mit wenig veränderten Worten 
gleich nachher zitiert wird: hier gehöii; er nicht hin. Nach 6208 
scheint mir also ein Bruch vorzuliegen, 6217 schliesst an 6208 gut 
an. Der Inhalt von 6209 — 16 muss ursprünglich erwähnt worden sein 
in der Vorgeschichte, in dem, was Bruno — trotzdem er sagt: doch 
irere iz nicht gut vorsivigen — dennoch ausliess. 

Was ich mit diesen Untersuchungen erreicht zu haben meine, 
ist der Nachweis und die Rekonstruktion einer im grossen und ganzen 
zusammenhängenden und abgeschlossenen, neuen — und nicht der 
uninteressantesten — Fassung der Theophiluslegende, von Bruno 
von Schonebeck, die sich so zusammensetzt: 

(F 20). F 1—19. Lücke. F 21—29 Lücke. H 6203-9. (II 6210-16.) 

116217-21. F 36-40. U 6227-6326. F 143— 45. F 30-34. Lücke. 

F 41—43. Lücke. F 44—79. Lücke. F 89—106. F 113—142. 

H 6355-8. H 6360 + 63. H 6364-6. Lücke. F 146 -Ende. 

Ich zitiere diese Fassung künftig mit U. 

Es entsteht nun die Frage: haben wir in der Überlieferung 
von H eine Lücke zu sehen? oder war es des Dichters Absicht, nur 
das zu geben, was H bietet? Bruno schaltet die Legende da ein, wo 
er Cant. 6, 9: Quae est ida, quae progrcditur quasi anroni consurgcnsj 
pnlchra nt luna, eiecta ut sol, terribilis ut castvonim acics onUnaiif'^ 
umdeutet auf Maria, der bei ihrer Höllenfahrt die Teufel eutgegen- 
schreien: zeter quae est ista (6198), und fährt dann fort: 

wei' ir ie dinte tiach lone, 
der wart ie lones gewert, 
also iet hie di trouwe wert. 

Da setzt die Erzählung ein: iz geschach zu einer stunde — . Darnach 
kann Bruno, um im Rahmen seines Leitzitats zu bleiben, nur bis 
dahin in der Legende gehen, wo die Teufel in der Situation seines 
Theophilus Quae est ista schreien — das ist gerade an der festgelegten 
Bruchstelle, nach 6326; und bis dahin geht er auch nur, denn den 
Versen 6327 — 37 sieht man deutlich an, dass sie nur ein schnell 
erledigter Verlegenheitsschluss sind (s. o.); und vor allem, unmittelbar 
nach der erledigten (6334 — 36) Legende fangen ja die Teufel erst wirklich 
an zu schreien: 6337 ff. Also weiter als bis dahin will Bruno nicht 
und kann er auch die Legende nicht gebrauchen. Damit ergiebt 
sich, diiss 1. Bruno früher Gedichtetes ruhig in Späteres cintiicht, 
2. Th ein älteres Werk als II sein muss; denn Th muss Bruno doch 
vorgelegen haben, und zwar vollständig, d. h. in unserer Rekonstruktion; 



91 

sonst würden vor allem nicht H 6355 ff., die in den zweiten Teil (F) 
gehören, dem H eingefügt sein. Zu Punkt 1 treten im einzelnen 
noch andere beweisende Stellen: F 1 — 19, die Bruno einfügte in II 
als 4175—88, femer vgl. F 89/90 mit H 8236/7 und F 167 -h 172 
mit II 4926 + 28. 

Wie der Dichter dazu kam, statt des wirklichen gegenseitigen 
Paktes in V. 622Ö f. eine blosse Wiederholung von 621 — 23 zu geben, 
lässt sich schwer erklären, wenn es nicht Mangel der Überlieferung 
ist. Glaubte er, durch Weglassung der Gegenleistung des Teufels 
eher zu einer Abkürzung der Legende berechtigt zu sein? Der 
2. Teil hat ja als wichtigstes Moment die Opposition des Teufels und 
seinen Appell an den höchsten Richter, was sich beides natürlich nur 
auf ein unanfechtbares Recht stützen durfte. Dies Recht mag dem 
Dichter nicht mehr als unanfechtbar gegolten haben, sobald die 
Handfeste nur eine einseitige Abmachung enthielt — und damit 
konnte ihm auch die Opposition als hinfällig und der (fehlende) 
'2. Teil als ausscheidbar erscheinen. So gäben die fraglichen Verse 
vielleicht ein weiteres Kriterium für die systematische Beschneiduhg 
des ganzen Theophilus (U). 

Wie aber ist F entstanden? Es ist ganz undenkbar, dass die 
starken Abweichungen, wie in F 36, 39, 41 ff., die falschen Stellen, 
besonders 143 — 45, auf Rechnung des Dichters zu schieben wären. 
Hier ist nur eine recht schlechte Überlieferung zu konstatieren. Der 
Schreiber stellte sich offenbar ein Gespräch des Teufels mit Th in 
Gegenwart Marias vor. Sollte er dazu verfährt worden sein durch 
eine Vorlage, die bereits denselben merkwürdigen Fehler hatte, wie 

das Promptuarium Discipuli des Joh. Herolt: B. Virgo 

roNocuvit filii sui imaginem in altari et una cum Theophilo diabolum (!) 
mint V vgl. Wilh. Meyer ;,Radewin^ S. 62 in Berichte d. Münch. 
Acad. f. Wiss. hist.-phil. 1873, der hinter diabolum ;,lies Christum^ 
in Klammem setzt. 

Quelle. Die direkte Quelle lässt sich, wie bei mancher anderen 
Th-Legende, auch bei der Brunos nicht feststellen. Ich beziehe mich 
in meinen Erörterungen im allgemeinen auf die Hauptquelle der Th- 
Legende, die lat. Fassung des Paulus Diaconus (ASS. 4. Februar). 

Schon von W. Meyer, „Radewin^ S. Gl ist die Berührung des 
Bninoschen Th mit der Militariussage hervorgehoben worden, die 
ßlutverschreibung schon von E. Sommer. Über die Zerreissung des 
Briefes vergleiche man H Einl. XVI. Nach Wiederherstellung des 
Ganzen zeigen sich aber noch andere auffallende Einzelheiten. Wie 
bereits erwähnt, findet sich — und zwar unter den bekannten Th- 
Legenden allein bei Bruno — die merkwürdige Umdrehung der 
Reihenfolge der Bitten des Theophilus (s. S. 86 f.). Neu ist im 
Rahmen der Th-Sage auch die Berufung sowohl Christi wie des 
Teufels auf einen zwischen ihnen abgeschlossenen Vertrag. 

Möglich an sich wäre, dass die Weigerung Christi zu begnadigen 
aus Übertragung von Marias anfänglicher Weigerung bei Paulus 



92 

DiacoDus herrührte: Quid sie o hämo postulans permanes teinerc 
fastidioseque nt te adjuvem hominem qni ahnegnsti filiuui meinn Sal- 
vatoreni mundi et we'^ Aut quoniodo 2>ossum postuhirti eiim remitfcrc 
tibi mala qiiae gessisti? — : Iz ist nngevog, muter, daz ich bitte 
vor^) den man, Der mir so ril lasters hat gedan. Aber Deben dem 
sicher der Militariussage eigenen Motiv nunquani eam negabo zeigt 
auch die ganze Partie in F 79 — 142 so viel Ähnlichkeit mit der 
fremden Sage, dass auch hier diese die Quelle gewesen sein wird. 
Man vergleiche nur mit diesen Brunoschen Vv. die deutsche Dar- 
stellung vom ;,Ritter und Teufel** in den Vv. 356 — 376. Auch in 
anderen Zügen könnte man Übertragung wittern. Wenn Theophilus 
bittet accedo postulans benig nam misericordiam tuam nt dexteram mihi 
protectionis im pender e et indulgentia peccatornm largiri digneris, so 
erinnert das an Marias Bitte : dine rechte hant si min pflege. Acccflo 
et rogo illum pro te provoliUa pedibus ejus quatenus te suscipiat könnte 
für F Ü7 Maria bot sek to sinen roten die Quelle sein, aber auch hier 
wird wieder Militarius zugrunde liegen. 

Komposition. Brunos Fähigkeit zu komponieren ist unzweifelhaft 
grösser, als sie sich in H zeigt. Der StoflF der Cantica canticorum 
war gar zu spröde. Hier, wo der Dichter fortlaufend erzählen kann, 
verrät er mehr Talent, als ihm der Herausgeber des H zugestehen 
will und kann. Aber auch Fischer hebt schon Brunos „Selbständigkeit 
in der freien Gestaltung** seiner Stoffe hervor. Nirgends in den 
Theophilus- oder Militariuslegenden erscheint ein Vertiag zwischen 
Christus und dem Teufel. Dass er in Brunos Vorlage gestanden 
hätte, glaube ich nicht. Gewiss, vorgefunden hat Bruno diesen Zug 
in irgend einer anderen Erzählung — aber dass er hineingetragen 
wurde in den Th, das wird Brunos Leistung sein. Es ist zuzugeben, 
dass dem modernen Gefühl nach durch den Ausgang des Streites 
dem Teufel ein Unrecht geschieht. Das Ma. war naiver, wie schon 
die Existenz der Militariussage beweisen kann. Und so wird man 
auch kaum des Satans resigniertes Aufgeben seiner rechtlichen An- 
sprüche vorm Stuhl Gottes für einen Kompositionsfehler Brunos an- 
sehen dürfen. Aber wir wissen ja überhaupt nicht mit unbedingter 
Sicherheit, ob Bruno nicht doch in U modernerem Gefühl gerechter 
geworden ist, als ich anzunehmen mich berechtigt glaubte (S. 93). 
Sicher ist, dass Bruno nicht, wie das Fragment in F den Anschein 
erweckt, seinen Teufel zuletzt einfach vergessen hat. Die Einfügung 
des Vertrages ist recht geschickt: Christus deutet ihn nur an, erst 
Satan pocht auf ihn in breiter Darlegung. Aber durch sie kommt 
auch dramatischeres Leben hinein: ohne diesen Vertrag würde nicht 
nur die Figur des Teufels*) verblassen, auch Maria verlöre etwas 



') Durch die Konjektur ghcve dy statt bidde vor (siehe unten Aum. zu 
Th 95) fallt obige Vermutung zusammen. 

-) der bei Paulus Diaconus nach der Abschwörung überhaupt keine Rolle 
mehr spielt und in den Th-Legenden sonst nur im Sommerschen Th S. 21 IF. 
V. 286 if. und in den dramatisierten (nd. und fr.) etwas hervor tritt. Viel mehr 
ja in der Basiliussage. 



93 

von ihrer Wärme, die sich zuletzt fast bis zur Leidenschaft steigert. 
Kölbing „Beitr. zur vergl. Gesch. d. romant. Poesie u. Prosa des Ma.'' 
(ISTG) 8. 3(> sagt: ;, Dagegen macht sich die sonst ganz übergangene 
Verhandlung der Maria mit dem Satan wegen Zurückgal)e der Ver- 
schreibung recht gut; ob R[utebeuf] diese Scene frei erfunden hat, 
wird zweifelhaft, wenn man die ähnliche Situation mhd. (Sommers 
Th in 'De Theophili cum diabolo foedere' S. 21 ff.) V. 282 ff. ver- 
gleicht.*' Auch die von W. Heuser kürzlich aufgefundene me. Version 
der Th-Sage (herausgeg. in Hoops Engl. Studien Bd. 32, 1 ff), in 
der wir die Blutverschreibung und den Streit Marias mit dem Satan 
(vgl. E. St. S. 3 f.) wiederfinden, berührt sich mehrfach mit Rutebeuf. 
Bruno ist hier der vierte, und er giebt von allen vieren bei weitem 
das Beste und Ausführlichste und ist in dieser Scene der Dramatischte. 

Wegfallen mussten die langen Erwägungen des Th, an wen er 
sich eigentlich in seiner Sündhaftigkeit wenden solle und dürfe, denn 
in der Militariussage ist Maria selbstverständlich die naheliegende 
Hoffnung und Zuflucht. Dass Th in U ursprünglich trotzdem ein 
(lebet an Maria richtete (nach H 6209), ist nicht ausgeschlossen. 

Vor allem sind alle Nebenpersonen gestrichen: der Jude, der 
Bischof und mit ihnen die Scenen und Verhältnisse, die Theophilus' 
Blutverschreibung einerseits, seiner völligen Freisprechung von ihr 
andererseits voraufgehen resp. nachfolgen. Das ganze strebt nach 
Konzentration, trotz der Breite, besonders in Marias Reden, die doch 
durch die lehrhaften Teile von H weit überboten wird. Die Handlung 
spielt sich wesentlich in Reden ab, wie ja auch die ersten tausend 
Verse von H in ihrer epischen Einkleidung mehr Frage und Antwort 
fz. T. in Briefform) als wirkliche epische Handlung geben. Selbst 
der Pakt mit dem Teufel ist so gehalten, als ob der Teufel ihn 
spräche, und diese Art der Wiedergabe wird mit Schuld tragen an 
den argen Entstellungen in F. 

Die anonymen Gedichte. 

Es wäre an sich denkbar, dass die dem Th folgenden 5 anonymen 
Gedichte, gleich den ihm vorausgehenden Gedichten, Konemann ge- 
hörten, so dass also nur der Th sich als ein versprengtes Stück 
Brunoscher Dichtung eingedrängt hätte ; aber von vorn herein spricht 
gegen Konemann, dass in den anonymen Gedichten der für Konemann 
charakteristische Dreireim durchaus fehlt, dass für Konemann charakte- 
ristische Wörter und Reime (z. B. kyven) garnicht mehr auf- 
tauchen, dass überhaupt das nd. Element hier bei weitem geringer 
ist als bei Konemann. Ich versuche im folgenden nachzuweisen, 
dass diese fünf Gedichte wie der Th aus der Feder Brunos von 
Schonebeck stammen. 

Eine Zusammengehörigkeit der einzelnen Gedichte (Th, A, M, 
Mc, Se, L) lässt sich aus inhaltlichen oder sonstigen Kriterien nirgends 
zwingend dartun. An verschiedenen Stellen drängt sich sogar die 
Vermutung auf, als ob diese anonymen Gedichte auch in sich 
zusammenhanglose Vorübungen, lose Aufzeichnungen seien, die später 



94 

in ein Ganzes hineingearbeitet wurden oder werden sollten. So wird 
sich bei mancher Lücke nie sicher bestimmen lassen, ob der Dichter 
oder die Überlieferung da abgebrochen hat. Um aber greifbare 
Resultate zu gewinnen, ist prinzipiell so zu verfahren, als ob die 
Gedichte einzelne, nur in sich zusammenhängende Ganze gewesen seien. 
Ich beginne mit dem umfangreichsten Gedichte, der Paraphrase 
über die sieben Seligpreisungen. Das Gedicht ist unvollständig; mit der 
4. Bitte bricht es ab. Der letzte V.: Jo hchI htj rechte sin der 
barmherticheyt . . . sollte überleiten zur 5. Bitte über die miserirordia. 
Merkwürdig ist, dass auch Me abbricht mit dem Worte harmherfir/ieii, 
der jetzt der Dichter to (jripen will, aber irgend eine Kombination 
zwischen beiden Gedichten zu stände zu bringen, ist nicht möglich. 

Seiigpreisnngen. 

L Es reimt (vom mhd. Standpunkt) 

ä : a — 8/(7i : hegan 25. — gedcin : hegan 40, .* man 100. 454. — 
war : rar 130, : nar stf., 518. 

e : ei — vorhele : sele (dat. ntr.) 348. 

i : i — shi : begin 144, doch s. S. 99. 

i : e — verde : ghererde 175, doch s. S, 96 — et : bet 258. 

6 : — hövde : orde 470, : trorde sst. 528. 

(B : 6 — beschonen : Salomonen 422, s. S. 97. 

6 : uo — ttm : to 80. 312 (der Reim kann aber rein sein, da 
es auch mhd. zwuo giebt). 

u : uo — son : don 380. 

iu : ü — ruire : buwe 185. 

iu : ie — bedudet : gebndet 124. 

Die konsonantischen Verhältnisse im Reim führen ins Mittel- 
deutsche. Ild. ausl. c : ch — lach : ungemach 110. — slarh : gemach 165. 

Ausl. h (ch) : nd. k — schach : nngemach 134. .s/7.* (vide) : ih 172. 

Intervok. h fällt aus — vortie : rn'e 50. 

f : pf — krujye : dupe 61. 

tz : zz — nette : vorgette 372. 

Hd. verschobenes t reimt nur zu verschobenem t 42. 54. 122. 
130. 211. 219. 229. 233. 241. 458. 538. 548. Sicher beweist hd. 
Lautstand des t = z strris : nt 211. Das nd. Charakteristikum ft : cht 
haben wir in craft : macht 239. Überschüssiges n im Reim : sprungev 
(part.) : junge (fem. sg. nom.) 92, nnmen (pl.) : lichame (no. sg.) 292. 
Über den Reim bekort : wort 462 s. S. 97. 

Flexion im Reim, shi: dreimal (203. 250. 294) erscheint ist 
neben zweimal is (243. 262). — Mn 1. u. 3. sg. nur in hd. Form: 
Ik han 391. er hat 281. 520. Auch wohl er hete {: dede) 472 (nd. 
heddcj hadde), Bruno reimt hete und hete s. H Einl. LI. 

stän: die 3. sg. in hd. Form dreimal: er stat 30. 487. 521. 

sagen: Sicher belegbar ist vom part. nur die hd. Form geseit: 
37. 255*. 265. 321. 509; ebenso in 3. sg. prs. seit 380. 



95 

lujen: Es erscheint zweimal die mehr hd. Form 3. sg. prs. 11t 
(LS. 306. 

legen: Im Reim nur die hd. kürzere Form (jeleit 105. 140. 222. 
Den nd. Autor verrät der Dativ mich : rieh 4GG. 

Wortwahl. Es finden sich nebeneinander hd. ast 350 und ent- 
sprechendes nd. W.S' 443. seil 348 und ivide 354; koniny : ding ist 
mehr nd., ebenso das konjizierte hiM 228. irede = rreide 547; 
krnpe (md. krufe) statt hd. krieche 61. getalt {: gemdt) 432 hat 
mehr hd. Form. 

II. Einzelbeobachtuugen. 

25 began : s{ln. H scheint das Prät. began wie hegmide im 
Reim zu meiden, nur einmal (10860) taucht began : man auf. Die Se 
haben noch 1}egan : man 400; ; gedan 40. sän reimt H 26 mal, davon 
sechsmal auf ä (14 mal sä). — 29 sUU : dat ebenso 487; und 
'.hat 520 ist Brunos vorherrschende Form (23 mal). (Daneben 
sechsmal steit 2593. 3204. 3219. 3730. 4411. 5191 und zweimal 
-itei :jet [v. jelienl 2365. 3131, falls die Überlieferung nicht jet aus 
mt = saget geändert hat). — 59 kamel : schwiel. Ist der Reim so 
intakt? Man müsste dann schemel lesen (< scamellum) wie kamMe : 
schemele in H 10602, vgl. das mittel- und oberrheinische schawell, 
schabell (< scabellum) s. Kluge Etym. Wb. s. v. Schemel. Aber ich 
halte auch den Reim in H nicht für ursprünglich, denn H reimt 
zweimal schemil : hemil (1784. 4698), also wird auch H 10602 und 
Se 60 schemele j schemel und entsprechend keme/e, k^mel zu lesen sein. 

— 61 krupe : slnpe. krupe ist nd. gegenüber hd. kriechen, Bruno 
hat es als krufe 1079; slupe ist slupfe, sliipfe. — 74 ich ste : e, 
Bruno reimt stS und stä s. u. — 76 loch : vloch. Daneben Se 
342 so : vlo, H rlog : zog 11116. ^- 82 mynnichlik : ik ; geistlik : ik 
161, dem gegenüber -Itke : rike adj. 138. Dieselben Verhältnisse in 
II, z. B. 7156. 8865. 10031. 3725. 5482 u. s. f. und 910. 1202. 
8265. 8903. — 86 to : zwo (fem.) = 312. In H erscheint ein einziges 
m2L\ zwo (f.) im Reim: also 10555 (also : zo 790. 3116). — 109/10 
Do he sach lya lygen / An sinem arme besloten lach. Auffällig ist, 
dass auch in H 4220 lach Schwierigkeiten macht; es als sst. = 
Lagerstätte aufzufassen, geht in Se nicht, da ligen schwerlich das vb. 
sein kann: rrlen : Ugen ist undenkbar. Wahrscheinlich bedeutet Lya 
und Ligen dasselbe, also ist Lya zu streichen, weil miss verstand lieh 
vom Schreiber eingeführt. Am Anfang von V. 110 muss, wie an 
anderen Stellen sicher, ein kleines Wörtchen ausgefallen sein: De, 

— 117 Lya:sa. 117 sa = sach erscheint in F nur hier, sach 
dagegen zweimal in M 94. 122. Auch H hat überwiegend sach: 
16 mal gegenüber dreimal sa 5399. 10538. 12620. Der Ausdruck 
Ik ml in dm* scrift ist zwar auffällig und Roethe schlägt vor zu 
konjizieren 116/7 Ik meyne Rachille und Lyas : las^ aber ich wage 
nicht am Text zu ändern, wenn H 12620 zeigt: als ich in Isaia 
ifeschriben sa, 5399 wie ich neste geschriben sa / Li dem propheteii Isaia, 
Der auffällige Ausdruck scheint mir im Gegenteil ein Zeugnis für 



96 

Bruno zu geben. — 124 hedudet : (jehndet. Ein charakteristischer 
Reim Brunos: H 4313. 5450. 10605. — 144 sm „esse^ ; beijin s. S. 99. 

— 172 ik : spL sek könnte pron. refl. sein, besser passt und bei 
Bruno sehr häufig ist flickendes sih = ridf\ — 175 ret'de (quartus) ; 
Ifoch gheverde. Der Sinn von 176 könnte sein: ^das giebt der Seele 
hohe Fahrt, oder hohe Erscheinung^ usw. s. Wbb. s. v. Dann hätten 
wir nd. Reim von hd. i (e) : e zu verzeichnen; aber die Möglichkeit 
ist nicht abzuweisen, dass der Vers entstellt ist aus hoffhe werde 
(= mrde). — 196 warn : träne, traue ist PI. unura gelautet; Bruno hat 
meist den Umlaut von li, doch auch Ausnahmen, s. H. Einl. XXXI. 

— 202 f. Zu Rmvich trau du rorinnmst scheint ein Vers zu fehlen: 
V. 202 taucht noch auf nach 214. Wo steht er richtig, wo ist zu 
streichen? Man könnte verführt werden, V. 214 mit dem passenden 
Reim heraufzunehmen und hinter 202 zu setzen; aber die Anrede 
Vrunt . . . passt absolut nicht in die Anapher Ruwich trän hinein, 
während sehr wohl als Überleitung zum neuen Thema V. 215 f. eine 
Anrede an den Leser gebraucht worden sein kann. Zwischen 213 und 
215 muss man also eine grössere Lücke annehmen, sowohl zu 213 
wie zu 214 sind fehlende Reime zu ergänzen. — Zu 202 dagegen fehlt 
der Reim und Vers wohl nur scheinbar. Ich glaube, dass 202/3 zu- 
sammenzuziehen sind, umso mehr, als H ganz ähnlich hat 5209 h 
ttriufjet den, der untirinf/enlich ist liutnch trän wäre zu ersetzen durch 
?>; (/ar zu streichen, sodass ein stramm gefüllter Vers herauskäme. — 
239 macht : kraft, H dreimal 5492. 7533. 9069. F noch in A 30. — 
256 bome : drome. boiim liebt in H das Reimflickwort (/onm zu binden 
(12 mal). Nur je einmal trouw, souni 8. u. — 258 et : bet verrät 
wie V. 174 den nd. Autor. Es ist hd. Reim von i : e, der nur nd. 
korrekt ist. de 259 ist dek: ;,stärke dich mit deinem Brote, denn , , ,^ 
Sek bet maken = sich stärken. — 316 cjent : lat. lugent vgl. Reimvorr. 
38 Anm. 1. Van der drofhet ist ausserhalb des Reimes . stehende 
Überschrift oder Randglosse, wie ganz sicher L 17/8 trat . . . und 
auch A 1. Der einzige Reim für 3. pl. praes. von Jehen in H 2095 
an ganz ähnlicher Stelle hat jen : also di pf äffen jen; aber auffiillig 
ist, dass wiederum auch in H der Reim nicht unbedingt sicher ist.^) 
Da Bruno einmal 3. pl. hdnt hat : geschant 7566, so ist auch hier 
jent als Reimwort nicht gegen Bruno, jet : drofhet wird um so un- 
wahrscheinlicher, als sich in H kein einziges sicheres -het unter den 
mehr als 120 Reimen auf -heit findet. — 344 rede (: dede) ist raie, 
ein selteneres Wort, was aber auch Bruno bekannt ist, z. B. H 668(), 
wo der zugehörige Reim sete von Fischer (H Einl. XXVII und Gloss.) 
als ;, Sitte" aufgefasst worden ist. Aber der Reim i : ä^ ist bei Bruno 
kaum möglich, dazu müsste sete hier als einmaliges fem. neben un- 
zähligen masc. gedeutet werden: H Gl. 425 b. sete ist hier zweifellos 



*) Trotzdom wird die normale md. i)l.-Endung hier richtig sein : das unerklär- 
liche anthroponecten halt ich für avOpcoTTOY&vviv acc. sg. m. und beziehe in 2096 
auf : fnenschen, wie ja für microcasmua 2098 aus 2097 heraus sicher ist. 



97 

pl. von sät: gleich im folgenden V. soll die Tat hermide vrucht bringen! 
Ebenso ist 5574 nicht „ Sitte ^ sondern ^Saat'' vgl. 5572, also dme wohl 
snire. Nebenbei: vielleicht muss man auch das auffällige zil (; Gabriel, 
Einl. XXVn) bessern zu sei < ahd. silo; zil reimt sonst zwar oft, 
aber nur zu vil (fünfmal) und teil (13 mal); ;,der Rede Band^, wie 
er wenige Verse darauf (2730) von seinem „garn" spricht. An sich 
wäre natürlich der rede zil unangreifbar. — 358 David : sprikL Bruno 
reimt 11 mal quit, 4 mal gü, also ist wohl quit einzusetzen: vgl. A 
207, G. Ab. 84, H Einl. XL VII. — 368 nicht : tvicht. mcht im Reim 
erscheint H 1024. 1469. 3101. — 390 ich hau : ane van. H hat 
19 mal ich hau, 6 mal ich habe, F kein ich habe, abe : grabe reimt 
A 195, sonst fehlt in F der Reimtypus -abe völlig. Die kontrahierte 
Form vdn (die Wolfram überhaupt nicht hat) belegt z. B. H 3810. 
5730. 8884, vgl. H Einl. XXXI. — 404 koning : difig. Bruno hat 
stets nur koning. — 410 vorsecht : nicht, vorsecht ist sicher falsch; 
ich setze vorgicht (z. B. H 695), ebenso in Me 108. Die unzähligen 
Reime mit nicht in H reimen nur auf guten -fcA^-Typus, auf gicht 
allein 30 mal. — 422 beschowen : Salonw. besch. steht für beschoiien, 
das verlesen ist aus beschonen, davor kann it ausgefallen sein, vgl. 
durrJischonit H 1754. Das umlautlose 6 passt vollkommen zu Bruno: 
H Einl. XXXIV. — 424 dar 'nach : geschacfi. In H steht nach : na 
= 8 : 13. F hat nur zweimal 7iach: hier und Me 57. — 432 gewalt : 
gezalt. H hat gezalt sechsmal, daneben die nd. Form gezelt nur 6936. 
— 438 began : an. Die kürzere part. Form began = begangen be- 
vorzugt H, vgl. H Einl. LH. — 452 -bar : tvär. Bruno hat neben- 
einander 'bare und -beere. — 462 bekart : irort wäre ein für Bruno fast 
unmöglicher Reim. Er kommt noch einmal in F vor, A 183; es 
scheint mir nicht zufällig, dass beide male der V. Unsicherheit in 
der Überlieferung verrät, in A 183 ist On zu Vn verändert, in unserem 
Vers hat das k in bekart eine von den sonstigen abweichende Form. 
Hier wie da muss bekort eingesetzt werden, das sich der Dichter aus 
Wolfram (P 14, 29) holen konnte (s. u.). Der Sinn des Verses ist: 
^Und hatte grosse Reue kennen gelernt, empfunden*, s. Sommer zu 
Fleck V. 2618. — 512 herre : ik ghere. H hat dreimal herre im Reim: 
8456 :tochtere; 1148, 2310 : gewerre, verre. — 544 oge : löge. H 
reimt oitge nur zu tougen 22 mal, wie auch Se 218. sunder louge(n) 
mag Entlehnung aus Wolfram sein, der einige male dm lougen ver- 
wendet. — 466 midi : rieh. Auch Bruno verwendet zuweilen die acc. 
Form des pers.-pron. statt des dat.; s. H Einl. LV. — Für die in H 
beliebten Mehr- und rührenden Reime hat Se als Beispiele 46 — 49 
annode : gode : armode : gote. 63, 268 : rike. 



Stil und Komposition in Se. 

A. Wörtliche Übereinstimmung zeigt Se 226 mit H 11438. 
23 f. verrät gleiche Technik wie H 1924: Eyne rede ik tvol rragede, / 

Nitderdentsohes Jahrbuch XXX. 7 



98 

Of neynman des betrac/erJe, / War umnie got . . . vgl. H eine rede 
wüste ich gerne, / di stet mir nicht zu rorberne: / welcher iris Joseph 
were .... Wie in Se das Kompositum spisehrot hat Bruno in H 
992 das in der Dichtung sonst unbelegte redewort gebildet. Die 
bescheidene Auffassung vom eignen Wissen und Können, gepaart mit 
einem hartnäckigen ^trotzdem^ (44) entspricht ganz Brunos Per- 
sönlichkeit; vgl. 5436 were so wise nu min munt, / so weide ich uch tuhen 
kiint, . . / doch wil ich nicht vorzeigen, / ich ml uch di warheit sagen. 
Überhaupt vollständig dieselbe Technik Se 42 Van dem armode spreke 
ik hat, I Konde ik ofte wiste wat, / Doch saghe ik in . . . wie H 5721 

von dem tram spreche ich baz, / ab min sin / doch sage 

ich . . .1 (Die in H kurz darauf folgenden Verse 5732 ff. sind Se 206 
verwandt.) Vgl. ferner H 94—6. 312. 1439. 1820. Dass der Dichter 
;,sagen will, was er weiss^ (229), deckt sich fast wörtlich mit H 7279: 
und wil sageti wetz ich wez^ vgl. auch 458. Das vorwiegend nur 
flickende Gerne hedde ik (to ende bracht) entspricht in H 2401: gerne 
woste ich (diser worte site), Dass Bruno seinem Gewährsmann dankt 
wie Se 514: Mester A. hebbe dank zeigt 12458 dafig luibe des heldes 
munt, I der mir di rede tet kunt, / iz was Heinrich . . . Die Über- 
leitung durch ghelikerwis V. 30 entspricht H 3413. Das bei Bruno 
häufige jo mit Inversion findet sich Se 458. 526. 551. Das bei 
ihm beliebte cond. ofte = ab erscheint sechsmal: 74. 125. 214. 
426. 529. 224; der letzte Vers 224 ist im ganzen übereinstimmend 
viermal in H belegbar: 4850. 9097. 11475. 12050: ich tobete, ab icliz 
rorhele. Wie Bruno in seine Verse, streut auch Se lat. Zitate reich- 
lich ein: 14. 33. 56. 141. 152. 187. 244. 249. 266. 324. 490. 502. 
522; und entsprechend dem Th fehlen sie aber ganz in den erzählenden 
Partien. Wie Brunos Verse werden die der Se durch Fragen belebt. 
Der Dichter selbst fragt: 318 Wo sal ik d-en iHsen luden I Dat wort 
„lugent^ beduden? 401 Wilgi hören, wo de bref began? Auch 352 — 4; 
oder gleichzeitig höflich sich entschuldigend, wie Bruno es liebt (G. 
Ab. VI, 73), fragt er: 422 War umme scolde ik (it) bescotien . . vgl. 
M. 125. — Auch sein Publikum lässt der Dichter Fragen stellen: 
115/6, vielleicht auch 122 und 334 Dorch wat het got uns drorich 
wesen? / Ich han doch an den boken lesen — vgl. H 3449 herre wie 
mag daz wesen ? / ich han in Johanne gelese7i — Ferner Se 530 Hei'e 
saghe wat is rechticheyt? / Gerne ik do hir eyn underscheyt In dem 
Dialog mit dem Publikum 508 ff. legt der Dichter in seiner Antwort 
einen Accent auf ik\ Accentuierung in ähnlicher Weise hat auch 
Bruno: vgl. 4350. {wie) 6556. 6649. Auch die dreifache Frage 
386— -90 entspricht Brunos Stil. Doppelfragen hat er z. B. 4316—20. 
6065 — 70. 6491 — 3, doch auch grössere Häufungen (hauptsächlich dann 
aber in anaphorischer Verwendung): 2606—14. 2075—84. 10289 ft\ 
Dass aus dem vorhergehenden Satz der Eigenname (oder ein Wort 
sonst) herausgenommen wird und zur Erklärung an die Spitze des 
folgenden gesetzt wird wie: 121 Dat Lya wart to bedde bracht. / 
Lya — wat sprokes is dat¥ entspricht in H 2378; vgl. auch 5445, 



99 

3G43. 9176. (9672). Die Zeitbestimmungen 392 In dm siilven tiden 
— 424 Over lange tu darnach sind Anknüpfangsmittel, die in der 
Quelle fehlen: 2 Reg. 11, 1 und 12, 1. In gleicherweise hat Bruno 
in Th wahrscheinlich H 6238/9 erfunden. Die Redewendung 548 
Mi/ duc/ite, god hedde hat / Der scriven recht ghenotnet hat lässt sich 
in H vergleichen 6005 her tnochte baz dese wort algater / han ge- 
sprochen zu shmn vater. Das distributive 278 Wg genesen oder sterven 
deckt sich mit H 5779. Zu der Anknüpfung da by in 337 Ik saghe 
eine Holte mere da by vergleiche 6537 eine rede sage ich da bi. Der 
schwache Versuch einer alliterierenden Annomination in recht mhtere 
431 entspricht etwa 6047 rechte recht das ist recht. (G. Ab. 77.) 
Die Rekapitulation des in einem Absatz Behandelten am Schluss 
haben Se in 40. 270. (auch die Erzählung von Jakob und Laban 
wird in ähnlicher Weise eingerahmt vgl. V. 72 u. 135), im ersten 
Fall mit der bei Bruno häufigen Beteuerung der Wahrheit oder 
Richtigkeit, im zweiten mit dem einleitenden Nu han ich . . . wie 
H 4081. 4399. 4563. 5871. 7160. 10816. Die sich anschliessende 
rhetorische Frage We hedde (uns des hericht), En h^dde tvy , . . 
272 entspricht technisch der Frage H 8204 sprich, wer nimj)t dich in 
sine pflege, / is entu di barmherzige muter. Die Schlusswendung 144 
De rede tat ik alle sin / Und iKille weder an myn hegin lässt sich in 
dieser Formulierung nicht bei Bruno belegen, der Reim s^n : begin, 
obwohl Bruno i : i genug reimt, fällt auf, da H shi nur reimt zu 
mm, din achtmal, -Im siebenmal, schhi(e) dreizehnmal, pin zweimal, 
fem. sst'Endung -in dreimal, win fünfmal, lat-in zweimal, also wohl 
ausnahmslos auf i; andererseits reimt begin nur auf I; 26. 2265. 
6971. Auch der Ausdruck falle uf min begin überrascht und hat in 
H nichts Vergleichbares. . Das Ganze als ein Argument gegen Bruno 
aufzufassen, halte ich bei der schlechten Überlieferung für unberechtigt; 
mir ist sehr wahrscheinlich, dass Textverderbnis vorliegt; es ist zu 
bessern mit Anlehnung an H 2265 dese rede tun ich allis hen / und 
kere wider uf min hegen, — 281 Hie mede de rede ein ende hat: 
hie mede als Einleitung zur Schlussformel hat auch H einigemale, 
engere Berührung zeigt die Schlussformel 2391 hie mete si desir rede 
ein ende. Die rhetorische Frage mit beginnendem waz vgl. M V. 129. 
Die Schlussformel 312 Sus hastu der salicheyt two entspricht in H 
(auch bei einer Aufzählung) dem Schluss 12183 sus liabe wir der 
runf sinnen dri. Wie Bruno abbricht H 7765 do wirt nicht me ge- 
sprochen abe I wen, wer wil . . . , der — so hier 179 Dar van sage 
ik nicht 7ne7'e / Den, wer got wil , . , . , Der .... 

Die Flickphrasen in Se — zahlreich wie in H — bleiben durchaus 
im Rahmen derer, die Bruno anwendet. Zum grössten Teil decken 
sie sich, die übrigen berühren sich stark. Zum Vergleich ordne ich: 
1. Verba des sagens, Sprechens, berichtens etc. 2. Verba des wissens 
und nichtwissens. 3. Verba des Schreibens, lesens, findens. 4. Verba 
des hörens, Vernehmens. 5. Verba des beweisens, bedeutens, unter- 
scheidens etc. 6. Sonstige Verba. 

7* 



100 

I. sagen: 

1. (37 = 321) Sus ys my t^orwar geseit — H 12051 ja ist mir iHjr war 
gesell, 

2. (380) so me seyt — H unzählige Beispiele. 

3. dal sagJie ik — H 376. 502. 740. 967 etc. 

4. Ik saghe, what . . 345. 229 — H 4448. 4592. 4806 etc. 

5. Ik saghe de mere als ik las 360 — H 2428 ich sage also ich han 
vomomen. 

6. My saghede eyn meisler niciU eyn kini 225 — H 11438 mir jach ein 
meister nicht ein kint 

7. Ik saghe als ik in der scrift sa 117 — H 5399 ich sage wi^ ich 
neste geschriben sa. 

8. Dal ik ju saghe dat is war 131 — H 4610 waz ich dir sage da^ 
is war, 

9. Ik sage umme . . vorbat 242 — H 5104 ich sage von . . vort. 

spreeheil : 

1. Dat sprikt h&afig. 

2. 42 Von . . spreke ik bat, Konde ik usw. = H 5721. 

3. Ood sprikt uns xo einei* stunt durch des Ewangdisten mimt 532 — 
vgl. H 6056. 

4. Lya wat sprokes is dat 122 — vgl. H 1839 waz ist dax gesprodien ? 
sprich! 

rede; mere: 

1. Wat dusse rede sy geseit 509 — H 2273 waz dese rede mochte sin. 

2. Ik sage eyne stolte mere da by 337 — H 6537 eine rede sage ich da bi. 

3. Off ik de rede rechte vorste 74, Off ik de rede rechte horde 529 — vgl. 
H 2493 als ich rechte han gehört. 

kund, erkunden: 

1. orkunden: auch Bruno hat dies vb. einmal im Reim 10034, häufiger das stf. 

2. Uns dot de scrift dat kund 301, Dai wort ik van gote künde 357 — 
vgl. H kunl tun sehr häufig 120. 522. 679. 915. 991 u. f. 

nomen: 

Dat nenie ik ul to latine 150 ist schlecht verständlich und in H nicht 
zu belegen, neme ist sicher nome (vgl. 243), ut aus vch verderbt, so 
dass die Phrase entspricht H 10839 den man also nante zu latine. 

berlehten: 

We hedde uns des bericht — 272, berichte mi einer mere 430 — vgl. 
H 6504 des hat J. uns bericht u. f. 



leren: 
Jehen : 



To de/tn 1. (3.) male larde sus ... ib. 314, Dus larde got 330. 504 — 
leren in H z. B. 3438: als mich di udsen haii gelart. 

Also di Schrift vorjicht 410 — H 695 desir worte uns di schrift 
vorgicht oder 2651 also mir di schrift vorjach. 

TL wizzen: 

1. Ik sage dat ik dar af weyt 229 — H 7279 und wil sagen wax ich 
wez (: Mz), 1082 — — also ich iz weiz. 

2. Ik weit dat wol — 288 — H 1003 daz wez ich wol (2206). 

3. Ik enweit, wo (= ob) — H 601. 478. 641 u. f. 



101 

Tergezzen: 

1. Ik saghe er ik dat vorgelie 373 — vgl. H 4029. 4856 vil note ich da% 
vorgexe. 

2. Ik hebhe der ial scape vorgeten 434 — vgl. H 2611 des , . . han ich 
nicht vorgezen 6665. 1356. 1299. 3009. 

wenen : 

1. . . . wen ich . , . oft. 

2. Ik wem dat id der sulve was, von — 247 — H 2473 s. o. 

liegen: 

Mek cnhchhe den de scjHß gelogen 97 — vgl. daz ist war und nicht 
gelogen H 4101. 9503. 

sin, sinnen: 

1. Vrunt oftu dik nicht vorsinnest 214 — vgl. H 1815 ab sich min mut 
mit tcitxe v. 

2. Nu saghei mg de sinne myn 468 — vgl. H 5231 sus sagen mir 
mine sinne. 

Ich zähle hierher auch Formen des vh. sein: 
Dat is war 88. 519 — H sehr oft: 2679. 2893 etc. als et is 243 — 
H oft: 1938. 2580 etc. Des is tit 307. H 3389 wenne so ix xit ist. 
446 , . , , dat is recht, i^l . , . . dat is siecht, vgl. H 6034 nu wil 
ich mit orteile daz ist siecht vor din kiyit komen durch min recht. 

III. sehrlben, fM;hrlft: 

1. De Schrift secht — hftnfig. 

2. Dar van keft uns de scrift gheseyt 265 (171) — H 3041 davon seit 
di Schrift . . 

3. X scrivet uns dat — H 3350 X um allen schribet daz. 

4. X schrivet uns dat minnichlike 140 — vgl. H 2856; 3290 so schreib 
X toundirliche. 

lesen: 

1. also ich las Sb — zahlreich in H. 

2. Wy lesen an der alden e 1b — fl 9839 als ich las in der alden e. 

3. Von den ik an dem boken ^ 248 — = H 4156; 1544. 596. 4833 etc. 

4. Ich saghe als ich gelesen Jian 391 — H 1891 . , . als ich gelesen han 
(: man) 921 als ich gelesen habe (: ahe). 

5. Do enhorde ich lesen noch singen 493 — H 9040 Da von di pfaffen 
lesen u, singen, 12256 also wir lesen und sifigen. 

rinden: 

Als ich vinde an dem boken myne 151 — vgl. H 3322 daz vint ir an 
den buchen wol, 

IV. hören: 

1. So du hordest nu 13 — vgl. H 1507 hievon habit ir nu gehört. 

2. Höret wat X geschach 425, Höret wat an den boken stat 487 — vgl. 
H 3237. 3251. 3360. 4356 u. f. 

3. Höret wat min munt quit 359 — vgl. H 3168 ir herren seht so spricJiet 
der munt 

Tomemen : 

X sprach . . , ais ich vomam 474. 501 — H 1473 , , . als ich futbe 
vomomen 4511. 6090 f. 



102 

Y. bedinten : 

1. Here wat bedudei de ftame 115 — H 3861 sage wax bedutei dax, 

2. We dudet my den namen baz 123 — vgl. H 1244 sol ich iz bax fioch 
beduten, H 4396 ich enweix wie ichz bax bedute, vgl. 4311 — 6! 

3. Wo scal ik den wisen luden I Dat wort — bcdvden 318 — vgl. H 
1439 konde ich den werden reinen luten I dise spehe rede wol beduien, 

bei^isen: 

Dat bewiset uns aldics / Ein bok 322 — vgl. H 5169 dax wH 

ich mit reden bewisen, anch 5352. 

bescheiden: 

Als ich iu bescheiden wil 363 — = H 2439 (3388). 

underscheiden : 

1. han underscheit 320 — H 4543 der name hat vil ufiderschcit, 

2. We gift_ ein underscheit, / Vorwar i<^h geve ein underscheit 508 — vgl. 
H 6908 wer ist der dax undirscheide, wegen der Parallelität in Frage 
nnd Antwort vgl. mit H 12204 wa>s mein^ite her do mele, sprich? / her 

meineie, dax . Qeme ik do hir egn wnderscheit 531 — vgl. H 

1871 wie tun ich den ein undirscheiden, 

VI. grlfen: 

Hir grip ik den meren tho (: two) 87, Ik gripe der , . , to SIS — Das 
gripen belegt H nicht (s. u.), wohl aber das nachgestellte to: H 11286 
mit vorchten xuJiet her uns im xu, 9594 min lib hat mir gcsproclien 
XU, auch 2160. 2248. 9230. 

sin lazzen; beginnen: 

De rede lat ik alle sin / Unde volle weder an min begin 144 — vgl. 
H 2391 hie mete si desir rede ein ende, j xu mime begin ich mich 
wende, u. H 8883 di rede lax ich hie bestan, / (daz irste mere wil ich 
anvan), vgl. besonders oben 8. 99. 
geben: 

1. gift my god der salden heil 45 (512) H 1334 git fnir got des geluckes heil. 

2. Vaderlike got gif uns den mot 483 vgl. H 2658. 

Die Höflichkeitsphrase Off iuwe {tucht) dat gebudet 125 ist = H 4313. 

An Anreden finden sich 

Iiere 17, Oy heren 65, 148, 328, Vrtmt 214, die alle drei leicht ans 
Fischer G. Ab. VI in H zu belegen sind. Vaderlike got 483 steht in 
H 10348 veterlicJier got. 

Au beteuernden Fliekformeln finden sich 

1. sunder wan 81 — H 2995 awe wan. 

2. sunder löge 544 — H 4127 sundir luch, vgl. Wh 189, 15 u. T 74, 2 
äne laugen, das auch sonst zu belegen ist. 

3. sunder spot 170 — H 1165. 4011. 6491 usw. 

4. mit gewalt 206, 432 — H 1459, 7634 

5. sunder vot und ane schamel — H stinder .... anc 4301. 7136. 7152. 
5888. 7055. Über sunder schamel s. unten. 

6. eyn meister nicht eyn kint 225 — H 11438. 

B. Die Absicht des Dichters ist, eine Paraphrase der Selig- 
preisungen, also, wie Bruno in 11, ein Werk vorwiegend didaktischen 
Charakters zu geben. Didaktisch sind Zweidrittel des Gedichtes: 



103 

V. 1—74. 136—254. 261—336. 352—359. 468—473. 481—557. Die 
monotone Aufzählung in 156 S, liegt ganz im Stile Brunos, der 
solche Numerierungen, die bis zu 15 Gliedern steigen, besonders 
liebt: H 1420. 1582. 1935. 1975. 2115. 2452. 3204. 3721 u. s. f. 

Erträglicher ist der Gebrauch der Anapher, die gleichfalls zu 
Brunos bevorzugten Stilmitteln gehört, wie 6. 2683. 3473. 4050; 
294 (27 Glieder in 48 V.!) 898. 1588 u. s. f. Besser als irgend wo 
in H trifft in Se 274 — 7 die reiche Anajjher den emphatischen Ton. 
Die Einförmigkeit der Deutung und Belehrung wird unterbrochen durch 
eine Reihe von exemplifizierenden Erzählungen, grösseren und kleineren, 
die an Umfang nicht hinausgehen über die, die in H — freilich in 
grösseren Zwischenräumen ^) — eingestreut sind. Dass die Erzählungen 
zuweilen weit vom Kern der Darstellung abweichen, ist hier wie da 
charakteristisch; s. H Einl. XIV. Die Erzählungen in Se halten sich 
im allgemeinen ziemlich eng an die Bibel, fast wörtlich sind die paar 
Zeilen über Adam 474 f. (vgl. 1. Mos. 3, 9) tibersetzt. Wörtliche Über- 
setzungen sind auch die beiden Verse 258 u. 260 vgl. Heliu statu up 
Hilde et: 3. Reg. 19, 7 ... surge c&mede; 260 Dt/ kumt eyn swar 
weg to hande: 3. Reg. 17, 7 . . . grandls enim tibi restat via. 

Die Geschichte von Absalon gibt nur einen Auszug aus 2. Reg. 17,14. 
Was hinzugefügt wird, ist ganz allgemein oder von realistischer Färbung, 
die gut zu Bruno passt: z. B. dass sich Achitophel aufhängt mit 
einem Seil an einem hohen Ast. Wie H zuweilen ganz unpassende 
Zitate einfuhrt (H s. XVIII), so zwängt in Se der Dichter den Betrug 
Labans an Jacob hinein, um ein Beispiel zu geben von — der 
Hinterlist des Teufels (vgl. V. 72 u. 135). Der Dichter war wohl 
selbst nicht recht überzeugt, dass Laban = Teufel sei und spricht 
deshalb ^egen Ende der Erzählung noch schnell von Laban de diivel. 
Auch hier geht es, wie im Absalon flott zum eigentlichen Thema der 
Erzählung, die Vorgeschichte wird nur sehr kurz gestreift, das zarte 
Brunnenmotiv der Bibel, der schöne Zug et videbantur Uli pauci dies 
prae amoris magnitudine sind ausgeschieden. So wird auch — 
vgl. Th! — der Personenapparat möglichst vereinfacht: Rebecca, die 
zur Flucht trieb, scheidet aus, auch die turha amicorum, die die 
Hochzeit mitfeiert, selbstverständlich die ancilla filiae; dafür wird die 
Situation durch neue Züge plastischer: Um die Sonnenwende spielt 
es, im dunkeln Zimmer, wo Jacob freudig aufgeregt seiner Braut 
wartet. Da hat die Quelle nur: Et vespere Liam fiUam introdiixit 
ffd mm. Es entspricht diese Ausführung ganz der „freien Aus- 
gestaltung^ Brunos: H XVI. — Die längste und interessanteste 
Krzäblung ist die von David und Nathan (vgl. 2. Reg. 11 u. 12). 
Die Geschichte beginnt mit „es war einmal" wie Th, wie A 59, M 7, 
Me 8, Se 432, wie in H noch die Geschichte vom „keii am back". 



I^As erklärt sich wohl daraus, dass in Se die Geschichten alle aus der 
Bibel genommen sind, also leichter zur llaud waren, in U keine der heran- 
gezogenen, ausser U 73 ff. 



104 

Die knappe Erwähnung der Quelle 2. Reg. 11, 2: erat autein muUer 
pulclira valde schwellt der Dichter auf zu 8 Versen; der Reim blick : 
rtrick in der Schilderung von Frauenschönheit ist allgemeines Mittel 
(Q. F. 4, 84), so auch H 2653 tnit vrouwe, miner vroudeti strick^ / 
diner minnichliken wangen blick, und H 10336 duz ich durch mancher 
hande blicke / gevallen bin in dine stri^^ke, in Se vielleicht mit Anlehnung 
an Wolfram (s. u.). Die Gewalt der Liebesleidenschaft findet ähnlichen 
Ausdruck in H wie F: Se 376 So dat om dat sulve tcyff / Levede so 
sins sulves Uff. In H 170 i?n libeten ie di wer diu mp / rechte alsam 
sines selbes lip, und Se fährt fort: Ore leve on so sere twank, / Dat he 
rorgat eten unde drank, / Om enhalp nemet, so me seyt, / Weder got 
{noch) sin wysheiL Das ist, mit einer banalen Erweiterung in 379^) 
einfach H, drei Zeilen zurückgegriffen: H 167 wibe minne in betwang, I 
duz im alle sine msheit nicJit / gehelßn mochte so man spricht. Mit 
V. 392 lehnt sich die Erzählung wieder enger an die Bibel an: 
2. Reg. 11, 1. Der tragische Zug, dass der üriasbrief per ^nanum 
Uriae gesandt wird, ist weggefallen, vielleicht um nicht zuviel Schatten 
auf David fallen zu lassen. Der Brief selbst ist das Interessanteste 
an der Erzählung. Die Bibel sagt 2. Reg. 11, 15: scribens in epistula: 
Ponite Uriam ex adverso belli ubi fortissimum est proelium et dere- 
linquite eum ut percnssus intereat, also Se 405 — 9. Vom Eingang 
des Mordbriefes fehlt in der Quelle jede Spur: dagegen war er 
ständige Formel im Liebesbrief! (s. u.). Der Eingang des Auftrags 
selbst: Joab schaffe alle mine ding fehlt in der Bibel und ist reim- 
flickend übernommen aus A 178, wo es dispone domui tuae passend 
übersetzt (Jes. 38, 1). 

Dass der vir pauper als armer Ritter erscheint und dass er 
einfach niedergeschlagen wird (Bibel nur: tulit ovetn paupeins) könnte 
aus dem Zeitbild genommen sein, das ganz gut zu Bruno stimmen 
würde: vgl. H Einl. XX. Die Wirkung von Nathans Worten (die 
Bibel nur: Et dicit David ad Nathan: Peccavi Domino, 2. Reg. 12, 13) 
V. 462/3, und seine Bitte sind schablonenhaft gegeben, wie ihre grosse 
Übereinstimmung mit A 183/4 und A 194 zeigt. Miserere mei deus 
ist häufiges Psalmenmotiv z. B. Ps. 50, 3 : Miserere mei Dens secundam 
magnam misericordiam tuam. Nur eine kleine aber charakteristische 
Übereinstimmung: Nachdem Nathan den David über sich selbst das 
Urteil hat sprechen lassen und ihm dann seine Sünde vorgehalten 
hat, sagt der Dichter von David: 452 He swech. Dar na sprak he 
apenbar . . . Von diesem Schweigen sagt die Quelle nichts. Und 
ganz denselben Zug, ebenso knapp, in ähnlicher Situation verwendet 
Bruno in H 357: do di vrouwe den brif gelas, / und sack waz dar 
inne was, / si sweig, an den hemil sarh si ho, / zu dem boten sprach 
si do . , . 

Da Th gezeigt hat, dass sich Bruno ausschreibt, und zwar nicht 
nur wörtlich, sondern auch Eigenes variierend, so sprechen auch die 



») vgl. Wolfram P 813, ^ f. 



105 



grossen Übereinstimmungen neben den kleineren Änderungen in der 

Apostrophe an die reuige Träne stark für Brunos Autorschaft. Man 

vergleiche 

Se 202 f. mit H 5209/10 

Jktwicfi trän du vorwinnesi ix (die Träne) iwinget den der un- 

Den de gar unvorwinlich ist, tvnngenlich ist, 

Tran du biddest Jhesum Crist ich meine den herren Jfiesum Krist. 

den folgenden Vers 
Se 205 

Rnwich trän du bist so ghestalt 



Se 206 

Du gheyst to gode mit gfiewalt 
Se 207 

Unde stillest siiwn grölen tom 

Se 209 

Ruvnch trän wo kleine du bist 

Se 210—12 

Kumestu an egn heiie mit list, 
Du enhumpst nimmer idel ut, 
Du erwekest lowen unde strus, 
Were noch so grimmig sin sede. 



H 5737 

trän du bist also gestalt (H 5738 
vgl. Se 211). 

H 5729 

daz dine gewall den twingen kan, 

H 5732 

trän du bist so hoer art 

daz du den gotis zorn weichest, 

vgl. H 5728 

wol dich einvaldiger ruwetran 

H 5738—40 
htnimest du an ein Jierze mit gewcdt, 
du kummest nimmer itel uz, 
diner gewalt glichet sich der sti'uz, 

H 6384—86 
äwä loset si di sele dar uz, 
daz der lebe und ouch der strux 
si dar an nicht mochten itren. 



Endlich 
Se 217 

De dar here vielen ghetogen 
Van den herten dorch de ogen 

und etwa 
Se 236/7 

Dorch dal de sele werde irluchtet 

Unde an den ruwen irvuchlet, 

Unter demselben Bilde erscheint das Sterben in 
Se 277 XL. H 6898 

Wenne wy scolen in dat eilende wen tvir in daz enelende 

dort suUen (mit angesle vam). 

Und ganz ebenso — denn die Konjektur (von R^) in Se 282 
scheint mir zweifellos (s. Anm. zu Se 282) — beginnt das ab- 
schliessende Gebet an Maria in 



vgl. H 5717 

di von dem herzen tougen 
her vlizen durch di ougen. 



vgl. H 8149 

di ruwige sele irluchtet, 

daz si an siner genade irimchtet. 



Se 282 

Help mi, wen so {s)ik scheyde 
Min Uff unde sele beyde 
Maria henimelsche vrowe, 
Dat — 



wie Th 207 
Help Maria, wen sik scheide 
Min Uff myn sele beyde, 
Dat — 



') Ich bezeichne Konjekturen von Roethe mit B, von Schröder mit S. 



106 

Leib und Seele. 

I. Es reimt 

k: a. — ds : las 32 (= H 9497). — sdm : (/nun 21. 

e : so — sere : mere 11. — lere : uere 19. 

u vor rd : — borden : geworden 76. 

Inl. g : ch — boke : kloke 66. 

Ausl. h : ch (nd. k) — sich : ich 48. 

Überschüssiges n in orkunden (inf.) : sunde 89. 

Es sind dies alles Erscheinungen von nd. Färbung, die sich auch 
md. belegen lassen. Einen Schluss ex absontia auf hd. Tendenz lassen 
die Reime 74. 93. 130. 136 und 126. 134 zu. Die erste Gruppe 
reimt festes t ausschliesslich mit festem t, die zweite verschobenes 
nur mit verschobenem. Die Flexion neigt mehr zum hd.: Es reimt 
nur sei/t (nd. segget) 30. 56. 91, nur ist (nd. i.s) 70. Mehr nd., doch 
auch md. ist qtiele {zu quäl) 116. Auch in der Wortwahl steht hd. 
und nd. nebeneinander. Mehr hd. ist dutke (nd. vaketi) 60. Die Form 
undotlik 80 deutet auf Bruno mit seiner Lust an Bildungen dieser 
Art, vgl. Zs. 40, 68 und H 9681. 10078. Ausserhalb des Reims 
fällt 86 rede = riete (zum st. f. rat) auf, das Bruno einmal belegt, 
und zwar wie hier nicht in der üblichen Formel; s. o. S. 96 zu 
Se 344. Auf Bruno weisen Reime wie quele : sele 116. (Bruno hat 
viermal diesen Reim 4836. 5789. 11607. 12374, nur einmal qndle : 
male H 345), noch mehr entnichtet : berichtet L 36 (vgl. denselben 
Reim H 10396, ausserdem mitnichtet (Zs. 40) ; berichtet V. 6510), 
trotzdem es ein litterarischer Reim ist. Das vb. entnichten erscheint 
nur zweimal in Mai und Beaflor, einmal in Herzog Ernst B, einmal 
in HMS (Nithart) und zweimal bei Wolfram: P 15, 27 (: berihtet) und 
P 314, 29. Von ihm hat der Dichter natürlich den Reim, s. u. 
Den wichtigen Reim kloke : boke 66 hat auch Bruno: H 3882. 

IL Einzelbeobachtungen. 

42 berest : iverest ist schwer zu beurteilen. Ich habe konjizicrt 
verest Aber was ist es für eine Form von varn'i iverest ist der 
conj praet. 2. sg. weres, das entsprechende Reimwort könnte nur 
veres sein, wäre also nd. Dehnform für vers zu vären statt varn wie 
Bruno auch 1932 (nach Bechs sichrer Konjektur) raren : verkam 
reimt. — 74 got : ghebot. 75 giebt keinen Sinn; vn ghebot scheint mir 
Entstellung aus an d^ bot zu sein, das gut zu Bruno stimmte, der 
es in H auch einmal flickend gebraucht, 10822, und bei dem auch 
das dat.-e des masc. nach muta wegfallen kann, s. H Einl. LIII. — 
97 steyt : legt Wien ist unmöglich, also einzusetzen stdt : Idt; 
Bruno bevorzugt im Reim dieses kurze Idn gegenüber läzen. — 112 
allent le : vorste, allent le ist Verderbnis des Schreibers, der das Wort 
vielleicht für ^allerlei" hielt (vgl. Th. 84!). Das Wort muss dieselbe 
Bedeutung haben wie egn egnich dot (L 110), denn 108 — 10 ist Frage, 
auf die 111/2 eine bejahende Antwort giebt. Nun Hess sich allent 
leicht aus all ein verlesen, wie aus Se 147 (ent- < ein-) deutlich 
hervorgeht. Umso leichter, wenn dem Schreiber das folgende Wort 
schon unverständlich war. Das war offenbar re = Tod: auch Bruno 



107 

reimt es einmal: H 2472! — 114 karde : harde. H hat nur gekart : 
hart 9150, femer harte slAy. : swarte, fem., 6217; : siverte ntr. 8988; 
da harte als adj. unmöglich ist, mnss reimen kerte : herte, vgl. H 882 
kf^rte : geverte. H meidet die Doppelformen lerte, larte, kerte, karte, 
denn mit Ausnahme des zitierten Beispiels zu Beginn von H (882), 
findet sich weder von leren noch keren ein Perf. Ähnlich bei senden, 
Iwkemwn, tiennen: nur einmal sicheres sande : lande (undTh in F 26!). 
Beliebt bei Bruno sind mehrfacher und rührender Reim, so hat 
er auch die in 85 sy : by : sy : iry. 99 to hant : haut. Der Reim- 
typus ^>^ :\.s^ (L 140) ist nicht selten in H, beim selben Wort 
sende : ellemle H 6897. 

Stil und Komposition in L. 

An einleitenden und weiterleitenden Conjunctionen tritt heraus 
das für Bruno charakteristische ^a c. invers. 11, auch wohl noch 40, 
vf]^!. 11246 noch ist ein angest, ferner 302. 435. 8771. 9036. Mit H 
stimmt wörtlich das flickende 23 Also saghet my myn beste sin vgl. 
II 4459. Von anderen eigentümlichen Redewendungen deuten auf 
engere Berührung 5 De schult hat ir wol vornomen, vgl. H 1329 
daz hat ir an mir wol vornomen, auch 2507. 6183. 6521. 19 Uns 
srrift eyn meyster an siner lere, 70 Aristoteles scrift uns an siner list: 
die Berufung auf einen meyster z.B. H 435: noch schreib ein meister 
sunder list. Dieser Vers lässt zugleich Verderbnis in V. 70 vermuten, 
wahrscheinlich ist an siner verderbt aus ane oder sunder: vgl. H 
3190. 7324. 7347. 8443. 11483. list fasst H (ausser in 1144) im 
nhd. Sinne H 9505 des vuhsen listen, 10621 des tiibels sitze ratsche 
list, vgl. femer 2739. 3390. 5764. 10654. Vielleicht wurde der 
Fehler hervorgerufen durch das an sinei^ in V. 19.*) Flickendes lere 
im Reim erscheint in H ein paarmal. Vgl. besonders H 10565. 
Beziehung zueinander können auch verraten 64 Dat Uff unde sele syn 
ein, des / Hat my berichtet Aristoteles, und H 7121 hie von sich so 
manet mich des / in elmnentis Aristoteles . . Das starke Enjambement 
ist bei Bruno nicht aufifällig: G. Ab. S. 87. Die für Bruno typische 
Vorliebe für Einstreuung von Fragesätzen zeigt sich auch in unserem 
Gedicht. Der Leser (oder Hörer) fällt ein: 28 So macht nnse Uff 
uns sulven leiden? oder 52 Seal de sele dort pine, entfan, / Dat her de 
Uff hat missedan? Und der Dichter setzt die Antwort ein mit ja, 
wie Bruno häufig. 

Noch mehr verraten Bruno solche Fragesätze, die eine Ellipse 
des Hauptsatzes enthalten: 56 War umme sint de sele id leyt, / Dat 
dat Uff misdot so me seyt? 108 Saghe Uff unde sele voruar / Sint 
de twe eyn also eyn har: / Off se denn eyn eynich dot sceyde? Dem 
Dichter wird der Einwurf gemacht 11 Jo so wundert mek eyner mere, / 
Ihrrh icat . . . und er antwortet: Ik saghet om trol is he my by, 
ganz entsprechend in H 5843 ja wundirt mich des . . . oder 6513 
y^ztrar noch wundirt minen sin^ • • • / „vrunt min duz mache ich dir 



^) Man könnte aber auch an sunder dne denken. (S.) 



108 

vnä^ vgl. auch 11882. Für is he my by 14 vgl. H 12039, Jn shi 
auch 261. 6926. Als ik my vorste 113 deckt sich mit H 1678 als 
icliz vorsta\ my ist vom nd. Schreiber vermutlich eingeschmuggelt. 
Die Wendung 101 Van . . . inag sprekmi berührt sich mit H in 
8505. 1819. 7933. Das Gedicht schliesst ab mit Hir heft dut dichten 
ein ende wie in H 1054 Jiie han zwei stncke ein eyide; vgl. auch H 425. 
Aber das ist ganz allgemein und nichts beweisende Formel. Ebenso 
Formeln wie 29 (vgl. H 4142. 5491), 37 (vgl. H 10397), 79 (ziemlich 
= H 1197), 81/2 (vgl. H 2341), 103 (vgl. H 1878), ferner L 10. 102. 
Doch sichere Versübereinstimmungen fehlen nicht; auch hier 
zeigt sich, dass nicht immer wörtlich die Verse herausgenommen zu 
werden brauchen: 
48 vgl. H 1177 

Sprek to dinen gheseUen: sich, got sprach zu sinen jungem: sich. 

Bat du886 was dat bin ich owir vride dax bin ich. 

L 35 vgl. H 10331/2 und 10396 

Als eyns groneii bmnes loff, min lob ist als ein loub vorlorben, 

Dat eyn starmwint entnichtct, dax ein starg wint fiiderreret. 

Alsus bin ik berichtet. (werden di vir elemente) entnichtet, 

seht alsiis bin ich berichtet. 

Das Bild 58 ist dasselbe wie H 6522 

Li/f und sele samcn ys eyn, dax got und gut si dl ein, 

So de sunne de hüte scheyn also di sunne di hüte schein, 

Unde vorwandelt doch dicke di ouch undirwilen vil dicke 

Sine(s) lechten (schines) blicke. verwandilt ir lichten blicke. 

Bruno gefiel das Bild oflFenbar, denn 4423 steht es auch schon : 
daz di dri genannt sin ein, 
sam di sonne di hüte schein. 

(Genommen ist es aus Wolfram, s. u.). Noch lässt sich vergleichen 
L 80 u. H 6810 

Van dem geyste sy wy undotlich von dem vleische ist her totlich, 

von der sele ist her unsterbelich. 
untotlich kommt 9681 lind 10078 vor. 

Das lat. Zitat Cant. 1, 5 in V. 104/5 hat Bruno in H dreimal 
übersetzt: 613, 8958 und 8965, die letzte Übersetzung ist auch die 
in L. Die ganze Partie in H 8963—9023, die gleichfalls vom Streit 
zwischen Leib und Seele resp. in Anlehnung an das lat. Zitat vleisch 
und geist (caro, spiritus) handelt, verrät ganz ähnliche Gedanken 
und Vorstellungen und klingt zumteil auch direkt an. 

115 vgl. H 8988 

. . . dat nu {= nie) schieden so harde di dru rechten also herte, 
worde so . . . dax mit spere nodi mit swerte 

nie liertir strit gevochten wart. 

93 vgl. H 8969 

De xwe hcbben mennigin grotefi strit di vechten mit einandir scre. 

94 vgl. H 11100 

De is gewescfi van ajibeghinne der xit . . . di hat her von anegenges xite. 



109 

Der sermis H 9008 kehrt, wenn auch in ganz anderer Ver- 
wendung, wieder in 98 sealk. Auffällig ist die Verwendung von aL'io 
ff/n har 109 adv. im Sinne von ;, genau, ganz und gar, aufs Haar.** 
Sie ist so nirgends zu belegen — nur bei Bruno: H 86 der sich 
glichen künde sam eyn har. s. H Gloss. 402 b. 



Almosen und Gebet. 

L Es reimt 

ä : a — begän : inan 59. — sUtn : man 199. 

6 : — icort : ghehort 131. 

1:86 — wege (= Wiege) : plege (pkbege) 159. 

ü : iu — dachte : luchte 26. 

uo : 6 — almosen : nosen 16 (nd. Reimung, hd. Wortwahl!), 
: ir losen 171. 

uo : u — don : son 32. 

Die konsonantischen Verhältnisse im Reim zeigen scharfe 
Kontraste: während grell nd. craft : macht 30 ist, auch sochteti 
(sinfteti) : ambochtefi (ambahten) 161 (s. u.!), ist nd. unmöglich 
gheschach : sprach 101. Nur nd. Reim ist auch sj^rak : sak 149. Die 
Reime auf t und auf z werden streng geschieden, sodass die eine 
Ausnahme schat : dat 22 beweisend für Md. sein muss. Ebenso 
gheschach : duch 79 (hd. h : c). Mehr md. ist auch twegne : beyne 12. 
Apokope des auslautenden n zeigt makede : krakede 155, wahr- 
scheinlich auch wendet (dat. pl.) ; henden (acc. pl.) 181. Über den 
Reim bek(yrt : wort 183 s. S. 97. 

Flexion. Durchgängig hd. flektiert stdn; conj. sta 84. stat 86. 
.^tan 199. Auch 147 besande ist mehr hd. (.-schände). Auch hier ist 
die hd. Tendenz vollkommen durchsichtig. Tendenz! denn seine nd. 
Herkunft verrät der Dichter- deutlich in to mich (.-ich) 193. Die 
Apokope in dat. sg. ntr. gratw (; hen abe) 196 entspricht Brunos 
Reimgebrauch s. H Einl. LIII. Wortwahl. Stark hd, Tendenz: 
almosefi (; irlosen) 171 (wie 16, s. o.) statt almi^sen, da (; sta) 83 statt 
dar. alt (: ghestalt) 63 statt olde. Ins nd. weist nur echt (= wieder) 
210, ausserhalb des Reims auch witte 31: vgl. Zs. 40, 90 und H 8431. 
Der Lautstand entspricht dem Brunos. 

n. Einzelbeobachtungen. 

Als Brunos Reime sind anzusprechen: 

A 119 vloghel : bogel vgl. H 4157.^) A 40 vorwirdet : lyorschirdet 
= H 5484 (8487).^) A 65 kästen (st. kesten) : rasten = H 11858. 
A 121 vlegen : begen muss emendiert werden: rlien : begien und weist 
direkt auf Bruno: = H 7796. Man vergleiche auch nose : almose 16 
mit H 5034; beredet : bespredet 103 mit H 1308. — 26 dnchte : luchte. 



>) Bechs Konjektur hagele : vögele Zs. 40, 88 ist abzulehnen, die in 8487 
(Zs. 40, 91) sicher anzunehmen. 



110 

Auch Bruno hat Monophthongicrutig des mhd. iu vgl. H Eiiil. XXXV. 
— 42 rlot : f/of. In F folgt 43 unmittelbar auf 41, sodass das 
Reimwort zu 43 fehlt. Andererseits ist 46 strot völlig unverständlich, 
der ganze Vers sieht interpoliert aus; wahrscheinlich hatte der 
Schreiber V. 42 hinter 41 vergessen; als er es merkte, bei V. 45, 
konstruierte er schnell einen reimenden Vers hinzu, und so geriet 47 
an die falsche Stelle. — 50/1 vgl. Text; die Entstellung ist charakte- 
ristisch für die miserable Überlieferung. Es ist selbstverständlich nach 
H 3691 zu bessern (vgl. auch Th 144 ff.). Anzunehmen, dass auch 
hat in 50 aus hant resp. hat entstellt sei, ist die Möglichkeit, aber 
kein Grund vorhanden, denn auch der Schild (als Konkretum für 
„Widerstand*^) kann „vellen^. Dann spricht aber unsere Stelle gegen 
Bechs Konjektur Zs. 40, 75. — 57 scriptum : patrum. In den deutschen 
Text eine lat. Vocabel einzufügen, entspricht Brunos Manier (vgl. H 
Einl. XIX), die Konjektur Ss. screven : vader leven ist freilich ver- 
lockend, da aber Ungeschicklichkeit eines Anfängers vorliegen 'kann, 
wag ich nicht zu ändern. — 59 man : begän. Die Erklärung der Verse 
60/1 ergiebt sich aus Konemann cod. gott. theol. 159 fol. 162 v. II 
Zeile 20 : Als Adam von Gott aus dem Paradies gestossen wird. Dar 
moste he sik began j Alse eyn ril arme man / Mit himmer ui%d arheydi, 
„der mit Mühe seine Tage fristete in manchem Kummer und mancher 
Klage^ vgl. 73. — 73 arbeyde \ legde; an godes leyde muss heissen: 
„um Christi Leiden willen^. S. vermutet für leyde bule, für arbeyde 
armude. Aber Konemanns myt kummer und arbeyde (s. o.) scheint 
mir unseren Beim zu stützen. — 83 sta : da. Dass Bruno im Kon- 
junktiv auch sta reimt, beweist H 3608. Später findet sich nur einmal 
ein e-ßeim: 9038; so auch Th 54. Entsprechend stehen auch die 
Infinitive mit sicherem e erst 7162. 7789. Aber einen chronologischen 
Wink aus solchen Kriterien zu gewinnen, gelingt nicht, st^tn : man 
199. Auch Brunos Form ist stdn (mit zwei Ausnahmen*) 7162. 7790: 
Jen, Infinitiv). — 89 bedes : dedes. Auffällig ist die Form der direkten 
Frage : Wat du dedes. Man könnte konjizieren gebete : he de^ie (in- 
direkte Frage: getan hätte). — 148 schände : sande. Brunos d-Form 
ist sicher in Th 25 und in H einzig 10828, indifferent nur einmal 
sa7ide : bekande 4280. Sonst fehlt bei Bruno im Beim jedes Praet. von 
Verben wie senden, w^enden, bekennen, manen (vgl. M 86). Es 
scheint darin ein absichtliches Meiden dieser Praett. vorzuliegen. — 
159 wege : pleghe ist aufzufassen als wige : pflwge. 161. In der Hs. 
steht sachten : am bockten; die schöne und zweifellose Konjektur ist von S. 
Es ist ein derb nd. Beim sochten für siuften, ambochten für ambahttn. 
Der Reim verrät stark den nd. Anfänger. — 165 rage : rrage. rag* 
ist sicher Rache, i^rage giebt keinen Sinn. Ich vermute b für v, 
also brage = brache „das Abbrechen, Aufgeben (für gew. brieche)^ 
„Da das Gebet, infolge ihrer Heimkehr (zu Gott), den Sünden ....** 
vgl. brechen = sich hingeben in H 2481 und H Gl. s. vb, und 



') Damach ist H Einl. LH („nie im Reime sten^) zu verbessern. 



111 

Passional ed. Köpke S. 100, 11 u. Gl. S/707a. Es übersetzt oflfcn- 
bar vonrerM in Jonas 3, 10: Et rldit Dens opera eorum quia eonrerai 
an/tt de ria >??/« mala. Derselbe Reim findet sich bei Konemann 
cod. gott. theol. 153 fol. 164 r 2: Nu ys den zH (Hs. fiü) mynev 
irrake, / Xu wil ik don nach dyner brake / Evenwechtighe pyne, vgl. 
auch dort fol 175 r 1: sunder brake. Auch dies umgelautete a 
passt gut zu Brunos Sprache (H Einl. XXV). — 199 stdn : ich man. 
Die 1. sg, praes. ind. reimt in H nur einmal, freilich auf (hi(e). A ist 
nur korrekter und das einmalige Zeugnis in H besagt nichts, zumal 
Formen der Praepos. wie äyie mit e in H vereinzelt (4927, Th 171) 
vorkommen. 

IL Stil und Komposition in A. 
Wie in H und Se sind auch in A zahlreiche Flickphrasen ein- 
gestreut, allgemeine wie 30. 36. 58. 125. 127. 131. 176. 207 ergeben 
nichts. Beteuerung der Wahrheit durch orkunden und arkunde 144 
hat Bruno auch: vgl. H 12080. 10034. Wörtlich übereinstimmen 
die Phrasen 10 mit 4964, (die Anrede vrunt ist sehr häufig bei 
Bruno, ebenso der Anruf: höret: s. G. Ab. S. 74) und 170 mit 4383. 
Die Zweifel ins eigene Wissen setzenden Phrasen 26. 30 liegen ganz 
in Brunos Charakter, speziell die mit off eingeleiteten (132) liebt er. 
In V. 31 weist schon wüte = wete auf ihn, s. o. Mit Umdrehung 
der Tempora giebt H die Phrase 210: dat »prak ik er unde npreck 
fi echt wieder in 2671 und 7356: daz sprech ich nu und sprach iz e. 
A 137 Bedes craft saghe ich to stede vergleicht sich H 1161 JJaz saghe 
ich hie nach zu stete. Aber nicht nur Flickphrasen, auch ganze Verse 
stimmen wieder überein: 
A 5 vgl. H 5832 

Or hoghe an den hemel gan ir hoe bix an den Jiernel gat. 

A 40 vgl. 1. H 5483 

De (almisfie) noch vormdet noch ir genaue vorwirdet nimmer sich, 

vonverdet, also der cedrus nicht vortvirdet 

Ahnissen sehai sek nicht vor scher dct noch vorvulet noch vorschirdet, 

also vorwirdet nicht ir Um. 
2. (8488) 
daz (Holz der Cypresse) vorwerdet 
noch vorvulet. 
A 49 vgl. 1. H 3691 

Almisse ys der besten schilt, dese hant ist des wedis schilt, 

De den durel dicke hat bevilt di den tuhel dicke bevilt 

An sineyn ane volle bloL an sinme angevalle ouch blox 

2. Th 143. 144 

Scaffe moder leve wat du will. 
Sorte so wert Sathanas bevilt 
An dussem anevalle blot. 
A 111 H 10103 

Des mynscheit an dem cruxe starff, do got an dem vronen cruxe starb 
De wns den seghestrid. invarff und unsir allir Jieil irwarb. 

V. 68 vgl. H 6547. 



112 

Die flickenden Formelft simder nchamen 126, surider schände 147 
sind Gemeingut; dagegen weist die Formel durch iiokc(n) 128 direkt 
auf Bruno H 6708 mit suche. 175 To kerken unda to stegmi erinnert 
an 1569; 153 To water unde to brode ist volkstümliche Redensart, 
deren Bruno verschiedene hat. Brunos Geschmack an Aufzählungen 
verrät sich nur leise und angenehmer als in H in A 161/2. Zu seinem 
Stil gehört auch die Anwendung der Anapher (s. G. Ab. S. 77); ähnlich 
ungleichmässig wie in 39 fl*. ist die Anapher gebaut in H 294 f. 
898 f. 2625 f. 3654 f. usw. Gut zu Bruno passt der mit Dat 
beginnende Erzählungsabschluss. 136 Dat don de goden mit orem 
bede — 213 Dat iras ein wunschlik teken. Man vgl. H 6334 daz was 
Theophiliis gelucke — und H 1333 duz was Salomones irste orteil . 
Dass diese Formel Bruno als Abschluss besonders nahe lag, beweist 
H 6334 deutlich dadurch, dass in U der Vers garnicht gestanden 
hat, nur in H, wo Bruno gewaltsam abbricht (s. o.). — 

Das Gedicht ist abgeschlossen und hat im Inneren nur wenige 
sichere Lücken. Es besteht aus zwei Teilen: über die Macht des 
Almosens (vgl. V. 30) bis V. 116 und über die Macht des Gebets 
(vgl. 137). Der Kern in beiden Teilen sind die Erzählungen, im 
ersten eine, im zweiten zwei, denen allgemeine Belehrungen vorauf- 
gehen. Diese sind für den ersten Teil im grossen und ganzen 
zusammengestellt aus Zitaten über Almosengeben, teils aus der 
Bibel, teils aus den Kirchenvätern oder unbekannten Quellen, Zitate, 
die in ihrer Behandlung; deutlich auf Brunos eklektische Manier weisen : 
in H 5483 wird von der Gnade gesagt, was hier in A 40/1 von den 
Almosen, in H 3691 von der Hand, was in A 49 wieder von den 
Almosen (s. o.); — für den zweiten Teil gehen die Belehrungen in 
kürzerer Form aus von einer einzelnen Bibelstelle (Matth. 11, 12). 
Beide Teile werdien zusammengehalten durch die aus Kirchenvätern ent- 
lehnte Vorstellung, dass Almosen und Gebet zwei Flügel sind, die 
ins Himmelreich tragen, z. B. Augustin bei Migne 36, 2312: alae 
dune quibus in coelum toUimur duo praeccepta charitatis . . . Die 
erste Erzählung giebt die Vitae patrum als Quelle an. Ich habe die 
Stelle nicht finden können und halte nicht für ausgeschlossen, dass 
der Autor die V. P. fingiert hat. Der Stofi' ist so einfach, dass er 
gut vom Dichter selbst sein kann, zumal der Schluss, die Sterbe- 
scene, direkt aus Wolfram stammt (s. u.). Die Pointe, dass 
Almosen selbst Vernachlässigung der Fasten und des Messgangs zu 
sühnen vermögen, kann aus eigener Überzeugung des Dichters her- 
rühren, s. u. Die Schilderung 67 f. kleidet sich in Formeln, 
die Me 26/7 wiederkehren. Das erste der Beispiele von der Kraft 
des Gebetes ist Jonas entnommen. Wie Bruno die Geschichte vom 
„Juden^ 9783 — 9824 einfügt mit von des cnizes kraft sage ich ein 
mere, so heisst es hier: Bedes craft saghe ich to stede. Die Über- 
setzung hält sich meist gut an die Quelle; an Zufügungen sind 
erwähnenswert: 152 rasten dre dage to water unde to brode giebt 
jejunium Jonas 3, 5 wieder (statt des hierher gehörigen 3, 7 non 



113 

tfiistent quidquam nee jxfscuntur et aguani non bihent)\ die drei Tage 
haben sich verirrt aus Jonas 3, 3 et Nhnre erat civituH mafjna iti- 
)H*re tri um (Herum, (vgl. auch Se 254); 158 JMtr radeda pert, ac/iajj, 
re unde hon / Unde ok dat kint in der weyhe giebt Jonas 3, 7 Homines et 
Jumenta et bores et pecora, kombiniert mit a majore usque ad minorem 3, 5; 
in den Abweichungen sind beidemal die Zufügungen platt-volkstüm- 
licherer Art, die trotzdem eine gewisse Anschaulichkeit nicht verleugnen. 
Ximis, den die Bibel überhaupt nicht kennt, wird aus Wolfram 
P 102, 11 sein — aus derselben Stelle, an der auch Balduc erwähnt 
wird, dessen Ixtruc (P 563, 5) Bruno in H verwendet. — Die Quelle 
der zweiten biblischen Erzählung, die bei Bruno 37 Verse umfasst, 
Jes. 38, hat nur 5 Verse (1 — 5): vgl. Marias lange Erzählung in Th, 
bei der die Quelle sicher auch nicht von dieser Ausführlichkeit war. 
Wie in der Uriaserzählung wird der verkündende Prophet nur all- 
gemein eyne ste^npne genannt, und die Verkündigung selbst beginnt 
wie der eigentliche Befehl im Uriasbrief: A 178 Schaffe halde dine ding 
— Se 405 Joab scliaffe alle myne ding; sogar die in beiden vorher- 
gehende Zeile stimmt überein, wenn sie auch syntaktisch verschieden 
benutzt erscheint. Aber das Schema geht noch weiter. Heisst es von 
Jacobs freudiger Stimmung (s. o.) den vorgat he vil der sorgen, so wird 
hier von Ezechias, dem Todgeweihten, gesagt: 180 Des gheivan h^ vil 
der sorgen; und ganz wie David Se 462/3 Grot rnwe hadde he bekort, / 
AI wenende sprak he de wort ... so Ezechias 183 Jfnde hadde grote 
rtare bekort, / Wegnende sprak he dusse wort . . . Etwas positive An- 
schauung kommt nur hinein, wenn Et fent flstu imigno übersetzt 
wird: Dicke want he sine hende. Das, was die Erzählung gegenüber 
der Quelle so aufschwellt, ist das Gebet: ein Vers in der Bibel, 25 in A. 
Es hat sich nicht nur in der Ausdehnung, sondern ebenso sehr im 
Charakter geändert. Der Ezechias der Bibel zeigt keine Spur von 
Tleue, er weiss auch garnicht, was er bereuen sollte: memento quueso 
qiwmodo ambularerim coram te in veritate et in cor de perfecto, et 
quod bonum est in oculis tnis fecerim. Den König Brunos aber 
packt grosse Reue (183), er bittet nur für sein Leben, um seine 
Sünden büssen zu können: (204 — 6) — man könnte fast auf die Ver- 
mutung kommen, dies wäre des Theophilus Reüegebet, von dem Bruno 
nur sagt: 6268 und mante den trechtin, / daz her im genedig were. Das 
Gebet selbst giebt deutliche Kriterien für Brunos Autorschaft. Wie 
Bruno in H den U ausschreibt, so schreibt er hier beides aus: Gleich 
der Anfang 185 Syn trost kome my to tröste, / De den puplicanum 
irhste entspricht Brunos eigener Bitte: Th 208/9 Dat din trost my 
kome to tröste, j De Theophilmn irloste, — Verse, die alleinstehend 
wenig beweisen würden; aber es geht weiter: A 187 .. . brachte / 
Ut ran der sundichlikmi achte — Th 33 . . . brachte / Ut van der 
endelosen achte. Die folgenden Zeilen sind Übersetzung aus Ezech. 
33, 11. Brunos beliebtes conditionales off drängt sich hier cha- 
rakterisch hervor: es steht für sed ut, was z. B. Konemann im 
Kaland korrekt wen daz übersetzt: 694 Ich wille nicht des 

NiederdentBohes Jahrbach XXX. 8 



114 

sfmders not / ire?i das he sich hekere. Nach p]rwähnung der Wieder- 
erweckung des Lazarus (Job. 11) hoisst es: 200 D^r .wlven (jn(i(h ik 
dij man wie H 1139 mhies lohes ich dich ntane, auch im Gebet. 
Darauf 201 Lctt mek leren hir so lange / An vii/nes lires (fhefwantje 
wie H 8249/50 hete gevristet also lange / hie an dises libes fwange. 
Über den Sehluss der Erzählung s. u. S. 125. 



Minne. 
I. Quellen Untersuchung. 

Ich gebe für dieses Gedicht zunächst eine Quellenuntersuchung 
und weise dann erst Brunos Autorschaft nach. 

Das Gedicht beruft sich auf die Vitae Patrum. Es findet sich aber 
nichts dort (Migne, Patr. lat. Bd. 73/4), was herangezogen werden könnte, 
für den ersten Teil des Gedichtes höchstens cap. XXXII lib. IV, aber 
des Dichters Quelle war das sicher nicht. Es heisst da: Cum de 
Syriae partibus Aegypti provinciam petissemus, quidam monachus senex 
probatissimus gratifice nos suscipiens, refectionem nobis ante con- 
stitutam horam jejunii praeparavit. Percontantibus ergo nobis cur 
ante canonicam refectionis horam nos prandere cogeret, respondit 
et ait: Jejunium, fratres, semper est mecum; vos autem continuo 
dimissurus mecum jugiter teuere non potero. Itaque Christum in 
vobis suscipiens reficere eum debeo, et cum vos deduxero, districtionem 
jejunii in memetipso potero compensare. Non enim possunt filii 
sponsi jejunare, donec cum illis est sponsus; cum autem discesserit, tunc 
licito jejunabunt. In ähnlicher Weise behandelt das Motiv des Fasten- 
brechens die Spyridonlegende, die Sozomenos ;,Ecclesiastica historia^ 
(ed. Hussey) I, 52 erzählt: "Ottw? Se SUxeiTo xepi t«; ^e^ia><;&i^ töv- 
^evci)v, ivreOÖev i<rrsov. "HStj t?I; TeGdapajcocr^; £v<rra<Tyi; r.jce Tig ?7po; 
aOTÖv i^ öSotropJac ev ai; eia>0£i (ASTa töv oixeicov iTuwJuviwreiv tt.v 
vyi<TTe£av, jcal et? pviTÄv ri[jL£pav ys^s^^^ äfftTOc xa^ iv (jlsgü) Sia[X£vcöv 
iSüiv TÖV ^evov [Aaix xexjJLYixÖTa, aye Sf[, Trpö? tt^'^ öuyaTspa ä^Yj, ottwc 
ToO avSoö; Toug TToSa? vtJ'Yic, xal ^ayetv aurw TrapaÖs^. EtTTOUGTi^ §£ 
T"?!^ Trapöivou j;.v;Te ÄpTOv eivai, (XT^Te a^-^ixa, TueptTno vap 'f\ to'jtwv Tuapa- 
fTAVsti Äia Tif)v vy)(rr££av eu^aj/evoc TwpÖTepov xal GUYYvwpt.viv aiTTicac, 
ix£>.eu<je rij 6'JYaTpi, xp£a üeia STrep l'VJjt t?I otxia TeTaptj^sujjieva e^J^elv. 
'EtcsI Se ri^TjTO, xaötaa; &jwt auTö töv ^^vov wapaTeöevrcov töv xpecov 
•^<j6te, xal TÖV avSpa xapexaXst auTÖv [jLi[jLsi(;Oat. IIapatTou[jt.evov Se, xal 
>v£Y0VTa Xpwrrtavöv iauTOv, TauTYi (jloXXov, £^r„ oO TrapaiTTQTeov. IlavTa 
yap xaOapa toT< xaOapoT; ö 8eTo? aTm^rivaTo Xöyo?. TaSe j/iv TTcpl 
SrcupiStovo? 

Für die beiden letzten Teile des Gedichtes, 85 ff., ist eine aller- 
dings sehr moderne Parallele vorhanden: W. Buschs „Der heilige 
Antonius von Padua*'.*) Es lag nahe, auf dieser Spur weiter zu 



^) Ich zitiere darin die Seitenzahl nach der 13. Auflage. 




Rehen, ^) sie verlief aber im Sande. Nicht St. Antonius, sondern 
St. Goar ist das Vorbild des armen i)rei>ters gewesen.^) Seine Vita 
steht in den Acta Sanctorum Julii (6) tom. II. 333 a if. 

Einzelne kleinere Züge in der Erzählung machen es wahr- 
scheinlich, dass die Vita Sancti Goaris mindestens nicht allein 
und nicht direkt Brunos Vorlage gewesen ist. Arw. Fischer 
(Einl. zu H) weist ja mehrfach Brunos kompilatorische Tätigkeit 
nach: sie ist auch hier anzunehmen, — wie sie in U sehr wahr- 
scheinlich ist. Aber die tatsächlichen Übereinstimmungen von Vita 
mit M sind so gross, dass, solange keine genauere Vorlage Brunos 
zu konstatieren ist, die aus einem Vergleich zwischen Vita und M 
sich ergebenden Vorzüge oder Schwächen in den Versen nicht einer 
hypothetischen Zwischenvorlage, sondern dem Autor direkt zuerteilt 
werden müssen. 

Das Gemeinsame in Vita und M sind: I. im grossen und ganzen 
die Charaktere der Hauptpersonen und die örtlichkeit. II. Der 
Wechsel im Schauplatz: 1. 30 — 42 beim Priester, 2. 45 — 50 beim 
Bischof, 3. 52—81 beim Priester, 4. 82—136 beim Bischof. III. Die 
Reihenfolge der Hauptereignisse : 1. Die Gastfreiheit, 2. Denunziation 
beim Bischof, 3. Des Bischofs Auftrag, 4. Ausführung des Auftrags, 
5. Zwischenfall auf der Heimkehr, 6. Berichterstattung der Aus- 
pjesandten, 7. Erstes Wunder, 8. Zweites Wunder, 9. Ausgang. 
IV. Der grösste Teil der Hauptereignisse auch inhaltlich, nur 5 zeigt 
sehr starke Differenzen, 9 geringere. — Wie stellt sich im einzelnen 
Bruno zur Quelle? Das Gedicht macht den Heiligen zum Priester, 
die ecclesiola dementsprechend zur armen Kirche. Der breite Strom 
Hess sich leicht abstrahieren aus der Stelle: (caput I, 1) Hicque in 
Germanorum oppida conveniens super fluvinm Bhmum infra termimim 
Vuasaliacinsem suburbano Treverico, tibi fluviolus Worica vocabatiir. 
Tbt'que ipse Vir Dei .... ecclesiolam fecit. Die Nebenbeschäftigung 
in M als Fischer und als Fährmann lässt, glaub ich, versteckt noch 
erkennen, dass in des Dichters Vorlage nicht der Priester stand, 
sondern eben der Klausner Goar, oder mindestens .eine dem Goar 
nach dieser Richtung hin äusserlich näher stehende Figur; die 
uiertje (24) muss den Esel wiedergeben, auf dem Goar sich aufmacht, 
der Citation des Bischofs zu folgen (V G.*) 7). Die Armut des 
Mannes (M 7. 19. 21) wird in V G. nicht besonders betont, sie 
verstand sich für einen Vir Dei von selbst. Dass er von besonderer 
Barmherzigkeit und Gastfreundlichkeit war, wird auch in der Vita 

>) Ich habe denn auch, als ich dasselbe Thema, sogar von Tizian behandelt, 
auf einem Wandgemälde in der Scuola di San Antonio zu Padua entdeckte, nach 
Tizians Quellen geforscht : ohne viel Glück. Auch das letzte der neun Hochreliefs 
von Antonio Lombardo (1505) in der Capella dei Santo in San Antonio behandelt 
(nach S ) denselben Stoff mit Antonius als Helden. 

') Die erste Spur auf den richtigen Weg erhielt ich durch eine freundliche 
Mitteilung von Prof. Bolte, dem ich an dieser Stelle zu danken mir erlaube. 

^) Die Zahl hinter V G. verweist auf den in der Vita mit gleicher Zahl ver- 
sehenen Absatz. 

8* 



116 

vor der eigentlichen Handlung besonders erwähnt: Pereffrhtos quoque 
qni ibidem per illam sewitam pergehant, libenter i^Hsripiebaf et a/f'bat 
eo>i ibidem voluntarie cum hUaritate secundnm vire^n i^ua^s (V G. 3). 

1. Die Gastfreiheit des Helden ist das erregende Moment. An 
sie wird hier wie da angeknüpft. In V G. von .den legatis Eplscopiy in 
M ganz unbestimmt von den gesten, dem rolk, was den Priester auf- 
sucht. Die legati spart sich M geschickter Weise für den eigentlichen 
Auftrag des Bischofs (3.) auf. Die Zuspitzung dieses Teiles durch 
die Antithese des Priesters: ;,Die charitas isst, nicht ich*' Hess sich 
leicht herausschälen aus dem Gebet St. Goars vor dem Bischof: .... 
quia non pro gula sed pro eharitate hoc feci (V G. 12). — 2. Ent- 
sprechend den Abweichungen in 1. geschieht die Denunziation in V G. 
durch die legati j in M durch das volk, in V G. durch falsa et iiianis 
loquela, in M wohl durch einfaches Hörensagen. (: Dusse mere vor 
den Biscop quam.) — 3. Da in V G. der heilige Goar die Boten des 
Bischofs schon vom 1. Male kennen muss, auch der Bischof schon 
genügend Schlechtes durch die legati erfahren hat, so ist der Auftrag 
und das Verhalten der Beauftragten ein anderes in V G. als in M. Die 
legati geben vor, der Bischof wolle mit St. Goar über irgend eine 
Frage Rat pflegen, deshalb solle er mit ihnen kommen. Bruno nimmt 
an, dass der Bischof durch das Gerede der Menge noch nicht allzu- 
viel erfahren habe, deshalb muss er zunächst Boten senden, die 
überhaupt ausforschen, was an dem Gerede wahr und nicht wahr ist. 
Ob die Dreizahl der Begleiter des hmppeii in M, von denen V G. 
nirgends etwas weiss, mit der Dreizahl zusammenhängt, die beim Alter 
des Kindes in V G. (was M wieder nicht hat) eine Rolle spielt, lässt 
sich nicht entscheiden. Auch cervae sind es drei (V G. 9). — 4. Dass 
der Knecht beim Priester nun nicht verrät, wer er ist und weswegen er 
gekommen, entspricht in V G. dem ersten Teil, wo die Gesandten nou 
simplici corde sed quasi speculatores kommen, nt ibi aliquam rem noram 
vel inanem invenire potuissent (V G. 4). Erst in diesem 4. Teil spielen 
in V G. die geste = peregrini eine Rolle, etwas nebensächlicher als in 
M vorher (V G. 6). Die legati sind weit vorsichtiger als der knechf 
des Gedichtes. Die legati wagen nicht mit dem hl. Goar zugleich 
dasselbe Unrecht zu begehen, der Knecht in M isst ruhig auf die 
Einladung des Priesters. Er sagt nur: Ik en sal nicht breken juive 
recht, Etet gy here dorch juue ghebot (64/5). Die legati weisen es weit 
von sich : Nee tu benefacis qui ita agis fiec nos tibi in hoc consentientea 
erimus (V G. 6). Deshalb müssen in V G. eben hier die beiden 
peregrini eintreten, mit denen statt ihrer der heilige Goar charitatem 
fecit. M ist einfacher, eliminiert die beiden Hilfsfiguren und lässt 
den Priester antworten: War mynne is got u. s. w. vgl. V G. 8: 
JJeus charitas est. St. Goar sagt ziemlich farblos: Mala domus 
est in qua Dominus non timeretur. Si Deum timuissetis, forsitan 
charitatem non recusaretis. — 5. Das nun folgende Stadium der 
Handlung ist am schwersten zu identifizieren. Die Übereinstimmung 
von M und V G. besteht eigentlich nur darin, dass die knappen ebenso 



117 

wie die legati auf der Rückkehr eine wunderbare Beschränkung ihrer 
körperlichen Funktionen erleiden: in V G. verschwindet Speise und 
Trank, sodass die beiden legati schliesslich entkräftet von den Pferden 
fallen, in M wird der knappe mit Taubheit, die knepelin mit Lahmheit 
geschlagen. Ein Zusammenhang besteht auch hier wahrscheinlich 
zwischen V G. und M, eine besondere Quelle hier zu erschliessen, ist 
nicht unbedingt nötig. — 6. Die Vita lässt den hl. Goar erst, 
skut solitus erat, um alle Kirchen herumlaufen, damit die Boten 
während dieser Zeit dem Bischof ihre Ergebnisse mitteilen können; 
M hat das nicht nötig, da ja der kriecht noch nicht den Auftrag 
gehabt hatte, den Priester mitzubringen, er kann ruhig, als er heim- 
kommt, dem Bischof berichten, natürlich muss jetzt der Bischof eine 
besondere Vorladung an den Priester ergehen lassen, die aber M 
ganz schnell abmacht: Erer eyn den papen do mande, / De biscop 
na dem prestere sande, / He quam to hove — — . Sie entspricht in 
V G. der Vorladung, die schon im Stadium 3 der Handlung erfolgte: 
1{aec audiens episcopus Treverorum statim et sine mora jubet ipsos 
legatos ad Dei hominem reverti et rinim Dei sanctum Goarem cum omni 
celeritate s^ibi praesentan praecepit. Der Bericht der legati ist jetzt 
ganz allgemein und kurz abgetan (V G. 10): mmtiaverunt ei omnia, 
qiuie eis cantigerant vel quod factum viderunt de ipso sancto Viro. 
Ausführlicher hatten sie bei ihrer ersten Rückkehr (V G. 5) erzählt: 
omnia ei narrant qiiae veyienoso animo confinxerant simulque asserunt 
se alia atque alia midta reprehensabilia mdisse apud eum vel quod ad 
pai-tem paroeciae Trevericae nihil profecisset nisi ad maliim exemplum. 
Die knappen erklären den Priester für einen Zauberer, in V G. 
spricht der Bischof die Vermutung aus: inquirere debemus quae sit 
rtiHsa vel religio quod haee fecit: si ex parte Dei fiat an ab adver sarii 
(V G. 10). — 7. Wie in M 88 — 91 der Priester nicht weiss, wo er 
sein getcede hinhängen soll, so in V G. : coepit praevidere locum, tibi 
discipulus suiu^ stare potuisset vel ubi cappam suam pendere vel abscondere 
li misset; et vidit de angulo domus per fenestellam exire radium solis, 
.... ibique pependit cappam suam, et ministrum suum ibidem stare 
praecepit. M streicht aber den discipulus, ebenso die Bemerkung 
hinter radium solis: et verum est ei vel manipulo suo quasi fustis 
esset roboreus\^) endlich auch, was man am ehesten vermisst, die 
Angabe, dass der Sonnenstrahl de angulo domus per fenestellam 
drang.*) — 8. Vor das zweite Motiv schiebt sich in der Vita eine 
überflüssige Rede des Bischofs und eine Goars, die M beide streicht; 
desgleichen streicht M die Erfindung, es sei bei den Trierern Sitte 
gewesen, dass arme Frauen ihre Kinder in die concha marmorea vor 



') Vgl. Busch S. 40 : „Flugs nimmt Antonius seine Haube Und hängt sie, wie 
an einen Pfahl, An einen warmen Sonnenstrahl.'' 

*) Vgl. Dasent „Theophüus in Icelandic ....'' S. 80: Es war einmal ein 
vornehmer frommer Herr mit Namen Diter Bernhard, so fromm, dass er seine 
Kleidung in die Sonnenstäubchen hängen konnte, ohne zu furchten, dass sie auf 
die Erde fiel u. s. w. 



118 

der Kirchentür niederzulegen pflegten und es der Kirche überliessen, 
für das weitere Schicksal des Kindes Sorge zu tragen. Die V G. braucht 
das, damit der j}2^er rfe clero mit dem Kind in seinem Arm auf- 
treten kann. Bruno vereinfacht: kennt offenbar die Sitte nicht; 
er lässt das Kind mit der eigenen Mutter zufällig vorbeikommen.^) 

In beiden folgt nun die Aufforderung des Bischofs: Modo 

ostmde nobis, opera tua st vera sint an falsa: si verum est, per 
obediefitiam verum jubeo tibi, ut facias istum infantem innotescere 
nobis genitorein suum, simüiter et genitricem. Si haec facere pote^ 
credimus tibi et tuas virtutes (13); M 109 De biscop sprak to ont 

mit walt: / Siyit gy van der waren leve saget, (Lücke!) / 

Hetet dat kint spreken dat, / We sin vader sy, / Eder jmce kerke mot 
wesen vry. / Die Androhung einer Strafe im letzten Vers hat in der 
Vita der Bischof schon vorher in seiner Rede an den clerus erwähnt. 
Et si hoc facere iwnpotest, capitali vertatur sententia (V G. 12). In V G. 
seufzt und betet Goar erst, dann fragt er (wozu?), wie alt das Kind sei. 
Und nachdem maus ihm gesagt hat, ruft er: Trinitas sancta te invoco, 
atque te infans in nomi?ie Trinitatis conjuro, ut mihi genitoris tin 
nomen ^^aw^fas similiter et genitricis time. Brunos Priester ist gleich 
bereit: 114 De prester sprak: Sint dat was / Jo de wäre mynne ala 
ik las, I Ik bede dy by den sulven namen, / Kint, dat du nomest allen- 
samen, / Nicht vorholne men apenbare, / Van wes samen dyk dyn moder 
bare. — Hespondit autem infans et dixit: Iste est pater mens Bmticu^s 
Episcopus (et mater mea Äflaia nmwupatur): M 120 Dat kint rep Imfe 
dorch den hop, / Here min vader ys de bisop! — Qiiod andiene liusticus 
Episcopus cecidit ad pedes sancti Goaris dix^ens . . . und er gesteht 
seine Schuld. M 122 Do de biscop horde unds such, / Dat dat unvor- 
nufte kint sprach, / He vel neder uppe des paves vot / (Mit orlove ik 
sus spreken mot), j Sin herze was so eyn bly, / He sprach: domine 
peccavi. 9. Der Ausgang der Erzählung ist wieder etwas abweichend. 
In der Vita ist bei dieser Offenbarung auch Sanctus Goar obstnpe- 
factns. Dann aber redet er ein auf den Bischof: Noli esse desperatus 
sedfidenter attende dominica praecepta (V G. 15). Er will gar seinerseits 
für die Sünde des Bischofs sieben Jahre Busse tun: Ego enim secundum 
parvitatem meam in qimntum pietas dmna nie examlire dignahiiur, 
Deo mihi vitam concedente, pro te Septem annis poenitentium facere 
cupio. Davon nichts in M. Es geht gleich zum Schluss. Der Priester 
begiebt sich wieder in seine Pfarre und übt seine Barmherzigkeit 
weiter. 

11. Reimuntersuchung. 
Es reimen kurze und lange Vokale: 

a : ä — lach : wddi 8 (doch die Länge etwas unsicher, vgl. 
Mhd. Wb. s. V.) — nar :jär 10. Ferner reimt 



') Noch mehr vereinfacht Busch S. 41: „Nun spielte da im Sand herum 
Ein Findelknabe taub und stumm, Und keiner hatte je erfahren, Wer Vater oder 
Mutter waren." 



119 

äj : e — mere : sere 48. 

Festes t und verschobenes reimen nie ^) zusammen, den ursprüng- 
lichen Lautstand verrät noch der Reim 56 its : strus. Mindestens hd. 
Tendenz verrät auch der Reim 122 sprach : sach, der nd. sprak : sach 
wäre. — Der Lautstand widerspricht dem Brunos nicht. 

Einzelbeobachtungen. V. 17 achterwege wird vernieder- 
deutscht aus undmvege sein. Die ganze Phrase belegt H 2 mal: 
7*J53 ich ILz , . ." undirwege {: pflege\ 8150 .. . und lezet alle ding 
undincegen {: pflege). — V. 32 ghesten : besten. H reimt gast 1 mal: 
geste : obiiieste 10810. — V. 39 sunderUngen ebenfalls 1 mal in H 
Reimwort 4190. — 50 Die hd. Deminutivendung 4in hat auch H, 
2 mal im pl. wie hier H 7603. 11667. — 54 bisen {: tcisen) ist ein 
charakteristisch nd. Wort, in H unbelegt; vgl. Köpke, Passional 
Gloss. 704b. — 60 vlete : enbete entstellt überliefert: hd. vltze : imbize; 
.SK'A vlizen hat H 4784. — 90 gewede : dede belegt H 11920. — 
104 Gegangen : unlangen. H hat nur sicheres gegan, denn auch das 
einzelne gegangen : gehangen 9938 könnte gegän sein. Andererseits 
aber hat Bruno entpfangen neben mehr md. entpfän (3986: zangen) 
und angevangen neben angevän (9630: slangen). — 110 saget : dat. 
Vielleicht steht dat für unverstandenes unvordaget. — 118 -bare : bare 
ist 'hvre : bwre^ vgl. oben S. 97. 

III. Stil und Komposition. 
Satzbau und Stil sind einfach wie in U, anscheinend sogar noch 
einfacher, aber man wird bei der schlechten Überlieferung auch hier 
für manches satzbeginnende Subjekt, speziell hcj ein ursprüngliches 
;,und" oder ähnliches annehmen müssen. Die Überladung mit relativem 
do in der Partie 72 f. entspricht ganz Brunos schwerfälligem Stil, 
der z. B. in der erzählenden Partie 820 ff. des H do mit gleichem 
Ungeschick häuft: 820. 831. 838. 847. 862. Zahlreich sind auch die 
einzeiligen Sätze: 4. 5. 6. 11. 17. 41 usw.; auch da wird die Über- 
lieferung übertreiben. Die direkte Rede, deren Beliebtheit in ü 
besonders deutlich ist, steht auch hier im Vordergrund: 35 — 8. 40. 
45—8. 60—3. 65/6. 66/7. 85. 96. 97—101. 110—13. 121. 127. Die 
Einmischungen des Dichters sind gering: 6. 10. 18; 91. 125, und sind 
meist allgemeine Phrasen, die zur Identifizierung wenig beitragen 
können. Nicht vorholne men apenbare (118) ist allgemein gebräuchlich 
(H 5372), ebenso mit gewalt (H 1459. 7634). Wichtiger sind: 125 
Mit orlove ik sns spreken mot: auch Bruno bittet um Erlaubnis .oder 
Entschuldigung, vgl. G. Ab. 73. 137 Ik han van der minne noch 
(=. genuoc) seyt bricht ab wie H 1854 hie von ist genug gesagt. Die 
Versübereinstimmungen sind — wie auch in U — gering und meistens 
unsicher, doch verrät es gleiche Technik, wenn M im Schluss der 
Erzählung reimt 133 De prester volgede der mynne spore / IJyide levede 



') Denn V. \6 gheheten ist sicher gheseten, wie Sinn and Erzählungstechnik 
verlangen. 



120 

)ia alse vore und H 349 den Brief endet mit tind volge nach dinem 
sj)or I hindenach und omh cor. Deutlich zeigt auch den gemeinsamen 
Stil die Vergleichung von H 405 + 407/8 (406 ist flickend) und 
M 82-4: 
H 405 Mit vrouden her xu lande mir M 82 Mit torne reden so do weder 

407 und sageten dem konige di mere, 83 Unde sagJieden dem byscope sider, 

408 wie ix im ergangen were. 84 Wo or tuch dort irgangen were. 
Man vergleiche auch M 93 Des scal men der loarm mynne gimmn 
mit H 7332 des sal min tumbheit in wol gunne^i. An weniger 
geläufigen Ausdrücken, die auch Bruno anwendet, sind zu erwähnen: 
Achtirivege laten, entsprechend H 7954. 8151 undinvegen lazen. 
Simderlingen 39 vgl. H 4190. Die Zeitbestimmung 30 Des morgens, 
er de dach up drunge Unde .... entspricht ziemlich der in Gedicht 
II des Anhangs zu H: 19 Des morgens, do der tag irsch / eimind .... 
und wie hier das Gedicht schliesst mit 52 Ditz was Salomonis irste 
orteil so in M 136 Das was der mynne sculde. s. o. S. 112. 

Ebenso wie bei Th findet sich in M als Einleitung ein lat. Zitat, 
das auch in H 8121 wiederkehrt; wie dort ist es hier nur fragmen- 
tarisch erhalten : V G. 3 giebt keinen Sinn, da er bedingt aufFasst, was 
in V G. 2 schon als tatsächlich ausgesagt ist. Das off kann nur dem 
si des lat. Zitats entsprechen, also fehlt hier der Schluss des lat. 
Zitats nach si: siquis andient vocem meam et apertient mihi jammm, 
intrabo ad illum et cefiabo cum illo et ipse mecum (Apoc. 3, 20). Gerade 
in diesem si-Satze sind erst die Punkte, die das Zitat mit dem folgenden 
logisch verknüpfen. Also müssen notwendigerweise wie der Schluss 
des lat. Zitats auch die entsprechenden deutschen übersetzenden 
Worte fehlen. — Die Art und Weise der Benutzung der Quelle ent- 
spricht durchaus der, die aus U zu erschliessen ist. Der Dichter 
führt die ganze Geschichte — vgl. Se 435/6 mit der Bibel — in 
realere und gegenwärtigere Verhältnisse; die Zeit der Heiligen lag 
auch Bruno wohl schon etwas fern; so ist ihm Theophilus nur: ein 
man, den nante man Th, san. Er greift irgend einen armen Priester, 
der vor Armut im Winter frieren muss (21 f.), und setzt seine kleine 
Kirche in ein Dorf am breiten Wasser und umgiebt sie mit einer Wiese, 
auf der des Morgens das Gestampf (55) und Gebrüll (56) des Viehes, 
das ihm klingt wie „driff us^, die Gäste im Pfarrhause weckt. Diese 
Stelle verrät unzweifelhaft Geschick des Dichters für ländliche Bilder. 
Auch in H zeigt sich diese mehr oder minder selbständige, wenn auch 
nictt tiefe Naturbeobachtung: Bruno will seine Rede mit Glossen 
schmücken, wie wenn an einem kühlen Maienmorgen die Sonne eine junge 
Rose entfaltet; was er erlernt hat, will er geschäftig hervorholen wie 
die Ameise, die, wenn sie etwas in der Erde verwahrt hält, alles bei 
Sonnenschein ans Licht trägt. Man glaubt in sein Haus und Hof 
geführt zu werden, wenn er in H von seiner Hecke spricht, über 
die ihm die Guten neuen Segen werfen sollen, wenn er, sehr drastisch, 
nicht ohne Humor behauptet, Eva hätte mit ihrer ersten Sünde guten 
Kohl für die Nachkommen gekocht (vgl. Magdeb. Schöppenchronik 



121 

'277, Z. 16/7). Zu diesem realistischen Zuge in Brunos Charakter — 
der sicher auch hervortritt in der Schilderung von Th. Reue (U 81 — 91), 
wo weder Paulus Diaconus noch sonst die Th-Legenden derartiges 
Detail geben — passt denn auch gut, wenn der Dichter des armen 
Priesters Einkünfte durch Fischerei und Fährmannsdienste aufbessert. 
Desgleichen die Erwähnung, dass des Priesters Kleid recht dünn 
war: dem Autor hätte es wohl zu unwahrscheinlich geschienen, ein 
schweres Gewand durch Sonnenstrahlen festgehalten zu sehen. Eine 
ähnliche Überlegung machte vielleicht das Kind von drei Tagen zu einem 
von einem halben Jahr. In derbes Milieu rückt in M die Erweiterung, 
dass des Knappen Begleiter den Priester wegen seines Verhaltens 
ihrem Gefährten gegenüber „wolden hebben howen". Vgl. den ähn- 
lichen Zug in H 6470: und mich der tubel solle blouwen / mit siner 
fffangen iserin. Die Legende zeigt — wie zuweilen auch die Er- 
zählungen der Se gegenüber der Bibel, s. o. — in unserm Gedicht 
eine meist geschickte Vereinfachung und Konzentration. Vgl. für 
Th S. 93. Der Dichter strich jeden Eigennamen bei Person und Ort; 
jede überflüssige Figur — dem hl. Goar nahm er seinen discipulus, 
wodurch einmal die Armut des Priesters wahrscheinlicher werden soll, 
dann aber auch die Situation vor dem Bischof wesentlich geschlossener 
wird; auch die Situation im Hause des Priesters erhält so einheit- 
licheren Charakter. Die beiden legati werden hinreichend ersetzt 
durch nur einen Knappen. Die Einführung der drei Begleiter andrer- 
seits soll vielleicht einen Kontrast herausarbeiten zwischen der Figur 
des mächtigen Bischofs und der des armen Priesters. Für Brunos 
Absicht, von der minne zu schreiben, war das intrigante sei es der 
hgati, sei es des Rusticus nur etwas ablenkendes, drum scheidet es 
aus. Einfacher wird die Situation auch durch die Elimination des 
pner de clero. Dadurch ist es dem Dichter leicht, die ganze für 
seine Zwecke überflüssige Erwähnung der Trierer Sitte zu streichen. 
Dass dafür die Mutter des Kindes eingesetzt wird, ist ein geschickter 
Griif ; jetzt kann der Bischof nicht mehr nach beiden Eltern fragen. 
Die Pointe spitzt sich noch mehr zu, das Unerwartete wird noch 
erhöht.^) Der Komik der Situation ist die Gegenwart des clerus 
zwar nicht ungünstig, aber notwendig ist sie nicht. Der Dichter 
erwähnt die bischöfliche Umgebung garnicht.^) Auch die beiden 
l>(ihgrini lässt Bruno weg; er gewinnt damit neben der einfacheren 
Situation die Pointe: War mynne is got und die leise Ironie in den 
Worten: De segene uns dnsse npine beiden. Dass dann der Knecht 
ruhig mitisst, verrät ein freieres Schalten mit den Personen und eine 
freiere Auflassung, die am stärksten bei der Person des Priesters zu 
Tage tritt. Der Priester besitzt eine Freiheit des Handelns und 



') Aber auch Busch hat beide Eltern: „Antonius sprach: 'Sag an mein 
Kind, Wer deine lieben Eltern sind?'" Er bringt jedoch dann nur den Bischof 

allein in der Antwort des Kindes an: 'Der Bischof Kusticus, der ist ' 

'Ps--8 — 8— s— s— s— stü! Sprach der Bischof, es ist schon recht.'" 

^ Aach Busch hält ihn für überflüssig (41/2). 



122 

Denkens, von der die Vita keine Spur hat. Gewaltig ist der Unter- 
schied, dass der Priester sogar vor der Messe mit seinen Gästen 
isst (30 — 33), gegenüber dem ausdrücklichen postquam in der Vita (6) : 
Mane vero postquam psaltermm vel cursum complevü, coepit etiam 
Missarum solmnnia celebrare. Cum totum Officium suum completum 
habuisset die illa, dimt ad puerum suum: Fili fac nobis ds pau- 
pertaticula nostra aliquid u. s. f. Man wirft ihm auch nur vor 
(V G. 5), sine temperamsnto mane gegessen und getrunken zu haben. 
Auch der Bischof sagt nur (V G. 11): Mane comedit et bibit. In der 
Vita scheint das Treibende eine gewisse Gehässigkeit des Episcopus 
Rusticus (V G. 4), bei Bruno eine auffällige Freiheit des sittlich guten 
Menschen, des presters — entschieden ein Vorzug unseres Gedichtes. 
Es liegt auch darin eine geschickte Steigerung der Handlung und 
der Charakterzeichnung des Helden. (Diese Absicht der Steigerung 
lässt sich ja auch in Th unbedingt konstatieren.) Fast kommt einem 
die liberalere Anschauung zu ketzerisch vor bei einem Mann wie 
Bruno, der in H sich so oft vor den wiseti pfaffen und vor den 
Satzungen der Kirche verneigt. Der Priester ist unzweifelhaft mit 
Liebe ausgeführt; mit Recht werden die langen Reden des Rusticus 
teils unterschlagen, teils bis aufs nötigste beschnitten. Das gleiche 
geschieht mit den Berichten der legati, die M zusammenfasst in den 
einen Vers: 8 Se spreken: et ys ein toverere. Mit gutem Grunde ist 
der Schluss geändert; die weihevollen und versöhnenden Worte des 
Geprüften und die feurigen Kohlen, die er sammelt, passen Bruno 
nicht mehr in den Rahmen seiner Erzählung. Er findet es an- 
gemessener, den Bischof zwar auch Pater peccavi gestehen zu lassen, 
im übrigen aber bereitet dem das geschwätzige Söhnchen weiter 
keinen Schaden; er bleibt nach wie vor des armen Priesters Vor- 
gesetzter. Mit einer gewissen Schalkhaftigkeit wird abgebrochen: 
Wat mochte de biscop mer don? All das gedrängt in wenige, zum 
Schluss eilende Zeilen. 



Misse. 

I. Reime. 

Auch hier Bindung von langem mit kurzem Vokal, stau : an 76. 
— ■ bic/ite : richte 18, gehört : wort 91. Das nd. Charakteristicum 
cht : ft auch hier andacht : craft 99. Doch da nirgends verschobene 
und unverschobene Cons. wechseln, kommen wir wieder nach Md., 
denn hd. Lautstand verraten noch Formen mit ei (nd. e) 80 ff. 72. 
In der Flexion wiegt hd. vor: 40 (78) geseit, 73 gheleyt. 

IL Einzelbeobachtungen. 

4 roke : boke reimt H nur 7362. In F noch M 14. — 8 v^ilde : 
Schilde, guter Brunoscher Reim: 9841. 9871. (7226. 8754. 10992). — 
14 Site : mide. H hat nur mite : site (13 mal); sUe reimt nur auf i 
(9172. 10728. 10144), also ist sUe schon deshalb sehr unwahrscheinlich; 
durch die Konjektur von R ist der alte gewöhnliche Reim site : mite 
gesichert. — 18 richte (; bichte) ist st. f. und auch H bekannt, wenn 



123 

auch nur ausser Reim belegt. Mit richte ist gleich geläufigerem inrichte 
{cnricht^i): „alsbald, eben*', also = nest V. 5. — 32 getruwede : rmvede 
in H unbelegt, kann vom Schreiber um d^ verlängert sein, getrimve : 
rimce in W 119, 3. — 39 eit:geseit; flekt. Formen von eit hat H 
zweimal im Reim: 6303 beide, 10798 heiden, vgl. Konjektur zu V. 78. 
— 45 haret. Verderbte Stelle. Es fehlt der zugehörige Reim und 
Vers, der (45) sinen (wohl Christi) erläutert und zugleich doch wohl 
auch auf den aßat weist — allein oder mit noch mehreren fehlenden 
Versen. Oder steht yjlichnam haben^ in irgend einer Beziehung 
dazu, dass später der Ritter das Kleid des Bauern erlangt? ir habet 
ist in H durch Reim nicht belegt, ir hat H 3240. Vielleicht reimt 
zu diesem hat statt havet in 46 tnnitat statt drevaldicheyL spein 
(46) steht in F schon V. 45, aber getrennt vom übrigen durch 
den Winkel (p), der das Wort zu 46 stellt. Ich setze spein in 47, 
weil ich seyt für sprikt vermute, als Reim zu 46. In 48 müssen 
Verse fehlen, die etwas vom Teufel und seinem Kampf um die 
ihm verfallenen Seelen gegen Gott und seine Scharen sagen. — 
51 zu sacrament fehlt das Reimwort, ich vermute etwas ähnliches 
wie das auffällige bekennt für bekannt (; sacrament) in H 6852, was 
dem Schreiber anstössig oder unverständlich sein konnte. Jedenfalls 
merkwürdig, dass wie hier, ebenso (und entsprechendes bei Se 110) 
auch H beim selben Reimwort Schwierigkeit macht. — 55 Welche 
^snlke ding^? Stecken sie in den unverständlichen oder verlorenen 
Partien von 37 — 48? 46—51 sprechen offenbar vom Kampf der 
Engel und Teufel um die Seelen Verstorbener. — 62 gegangen : stangen. 
H hat nur sicheres gegän s. S. 119, und da die Situation in Me 63 
ganz unverständlich ist, vermute ich auch hier wie entsprechend 
M 105 eine Textverderbnis durch Schreibermisverständnis. Unser 
Text hat noch -an Form 109 dergen : besten. — 78 ghesaget : des 
dages ist natürlich Verderbnis, gesaghet findet sich in F nur an 
dieser Stelle. Es reimt in Misse noch; eyt 40, in Th; -heit 159, in 
Se: 'keit 37, 265, ; underscheit 321, ; bregt 254. H hat 24 mal sicheres 
geseit, gesaget reimt zu sicherem -aget etwa in vorzaget 12010. Unsicher 
sind: vordaget 3546. 7094. 8728. dUO^ : behaget 1854, ausserdem: 
tnaget 4562. 6472^ : gemaget (s. Zs. 40!) 11150. Demnach ist geseit 
hier ohne weiteres einzusetzen, zu dem clegt das passende Reimwort 
ist. Dann ist des dages als Schreiberzusatz zu streichen. — 82 seile : 
deile. seil ist hd. Vokabel, die wiederkehrt in Se 348. Das ent- 
sprechende nd. Wort auch da: 354. Bruno kennt gleichfalls beide: 
H 3968 geseilet 4448 seil, ivide 2812. 11982. 12102. — 108 vorsieht 
s. 0. S. 97. 

Stil und Komposition. 
Versübereinstimmungen oder Anklänge ausserhalb der Flick- 
phrasen sind kaum zu notieren. Etwa: 69 nu saget vort vgl. H 9309 
fnit bnle nu saga mir vort. 73 — — myn kleit Dat an myn Uff 
tjs gheleyt vgl. H 8298 — — daz kleit daz um mich tvaz geleit. 
Me ist besonders schlecht überliefert; so ist gleich der Anfang, wie 



124 

Th und M unvollständig, die Einleitung war aber, wie bei M, ein 
allgemeiner Ausspruch, worauf die versprengten beiden ersten Verse 
mit einiger Sicherheit schliessen lassen. Des Ritters Zerknirschung 
wird passend angedeutet durch seine knappen Antworten, meist nur 
in einem Vers. Zuerst kurzes seiden oder nummer, dem sich freilich 
drei Zeilen anschliessen, in denen der Ritter Entschuldigung für sich 
sucht. Dann aber einzeilig V. 40, ebenso 54. 66. (70.) 71. Man 
könnte als entsprechend aus Th in H etwa V. 6246 und 6266 an- 
führen, beide Vv. geben nur das abgerissene Flehen ave gehenedite 
Maria! ave reine vrucht Maria! auch 6252 gedenke edele Maria, / rte 
du ie der sunder trost tvere. Im Gegensatz dazu breite Reden derer, 
die Rat oder Hilfe erteilen, dort Marias und Jesu, hier des Pfarrers. 
Freilich auch Minne kennt diese knappen Worte (40. 121), aber 
auch da ist es Absicht: V. 40 und 121 sollen pointieren. Ebenso 
ist V. 85 auf Wirkung berechnet. — 

Es liegt im Charakter der beiden letzten Gedichte, besonders 
des über die Me, dass sie weniger greifbar die Kriterien für Brunos 
Verfasserschaft bieten. Aber selbst das wenige ist beweisend, wo 
nichts dagegen spricht, besonders da beide eingeschlossen stehen 
zwischen anderen Gedichten, deren Autor nach den Untersuchungen 
mit Sicherheit der Magdeburger Bruno von Schonebeck ist. — Die 
Quelle zu finden ist mir nicht gelungen. 

Metrische Untersuchungen der Gedichte zu geben, darauf 
habe ich von vornherein verzichtet bei der Unsicherheit der Über- 
lieferung und der lockeren Technik Brunos. 

Der Einflass Wolframs. 

Wie in H (s. Einl. XIX), ist auch in F die Bekanntschaft mit 
Wolfram zweifellos. Ganze Verse hat Bruno ihm entlehnt. In Th 
sicher: Th 161 Den joden, den heiden, den puhlicane aus Wh 162, 30: 
Juden, heiden, puhlicdne^ vgl. QF 4, 84; vielleicht auch Th 25 Do dek 
sin roff irkande aus Wh 68, 29: daz in sin ruof erkande s. o. S. 87. 
Th 82 Nu gs dat komen an dat til aus P 194, 27: nu ist ez mir 
komen an duz ziL Th 146 Theophilu^i dede mennighen stot / Sinetn 
herzen, dar he lach aus Wh 65, 4: des herze tet inl manegen sfoz. 
In A ziemlich sicher: A 77 Et teere vlesch kese eder brot (vgl.^) dem- 
gegenüber P 191, 2; Otto ;,Eraclius*' 535). Auch diese Entlehnung 
wäre ein kleines Kriterium für Brunos Autorschaft: wie in Th, so 
auch in A die Neigung, distributive Aufzählungen zu annektieren. 
Ferner A 101 Do de rede von im gheschach vgl. P 746, 1 Do disiu 
rede von im geschach, auch P 389, 3 do diu rede von in geschach. 
Eine erstaunliche Entlehnung ist aus Wh 68 (und gerade mit 
Willehalm hat auch Bruno ^^manches gemein^! vgl. Zs. 40, 91 zu 
V. 8688 und 8694), aus dem auch für Se 168/9 die Verse 7/8 her- 
halten mussten. Man vergleiche 



') vgl. auch Vie de St. Alexis ed. Gaston Paris str. 45 e : pain et chair et vin. 



125 

A 105 f. mit Wh (68, 18 f.) 

he iriilen myne seien ledm (min imsclmldecVich rrrf/ilt// 

Ilen ul (lussevi arbei/den, soJ mir die sflle leiten 

AI dar se stede vroiide vindet, ü% disen arbeiten j 

Wei} mik de dot enhhidet, aldd si i-uowe v^ifidet, 

ob mich der tot enbindei — 

und weiter — fast möchte man glauben, dass in dem dot von A 

noch eine Spur des doch steckte — 

A 110 vgl. Wh 68, 23 

Dot mek sinen licham lier, doch gip mir stn Uchnainen her, 

Des mynsclieit — des mennischeii — : 

da kam etwas, was unser Dichter nicht verstand, und eigenes Flick- 
werk wurde eingesetzt: 
A 111 vgl. H 10104 

Des mipischeit an dem enize starff, do got an dem vronen cruze starb 
De uns den segliestrid irwarff und wisir allir heil irwarb. 

Aus demselben Abschnitt Wh 68 f. ist auch deutlich 69, 10 do er:: 
fnpßenc, shi junge2 leben / erstarp: sin htchte ergienc doch L Vorlage 
für A 113/4 Do he d&n licluxm entpfengj \ He starff, sin leren geng . . . 
und selbst in A 85 de hichte ghift der sele rat möchte man bei dieser 
ausserordentlichen Abhängigkeit von der Sterbescene Vivianz' eine 
Suggestion vermuten von Wh 65, 14 spnerh du Witet" gap dir rät . . .; 
desgleichen in A 115/6 De sele ror (ro7') de trinitat j Des engeis Cheruhins 
rat eine Berührung mit Wh 65, 12, 13, 8: 12 du mit diu sele diu 
sol komn 13 mit freuden für die Trinitat? {: rdt) 8 als in der engel 
Keruhhi . . . Über Ninus A 147 s. o. S. 113. In M verrät sich 
Wolfram vielleicht in M 129 Wat mochte de biscop mer don? vgl. 
P 387, 10 wa;s; mohte Meljacanz nu tuon . . . vgl. auch Se 386/7 
und P 383, 6. Sehr charakteristisch ist in Se die Entlehnung 
Se 401/2 Wil gi hören wo de breff hegan: / Dy enhot al leff und god 
aus P 76, 22 weit ir nu hoeren tvie diu (schrift) sprach? / Ulir 
enhiutet minne unde gruoz . . vergl, dazu Veldekes Eneide 10792 weit 
ir nu hören, wat si skreif / in schönem latine: / et enbudet Larine / 
Enease dem riken / her dienest inneliken und auch Wolfram P 55, 21 

Ilie enhiutet liep ein ander liep, / ich bin Dass F von Wolfram, 

nicht von Veldeke hier abhängig ist, beweist die unmittelbare Auf- 
einanderfolge der beiden Zeilen, während sie Veldeke durch 10793 
in schönem latine trennt, ferner der Briefanfang dir enhiutet gegenüber 
et enbudet in Eneide, auch wohl hoeren wie ^ schrift tqs^. brief gegen- 
über Veldekes Hören wat + schriben. Dazu scheint in leff noch 
Wolframs minne durchzuschimmern, wenn nicht leff überhaupt, wie 
in M 110 sicher, vom Schreiber verändertes minne (vgl. M 115) ist. 
Das god könnte erinnern an Wigalois 8706 — 8 efd)6t er . . , j sinen 
gruoz und allez guot. Interessant ist, wie der Dichter das, was dem 
Stil des Liebesbriefes angehört (s. Ernst Meyer : Die gereimten Liebes- 
briefe des Ma. Marburg Diss. 98. S. 43 f.), ohne weiteres überträgt 
auf einen rein befehlenden Brief, den ein König an seinen Hauptmann, 



126 

und dazu in einer Mordsache, sendet. (Vgl. noch Klage 1812. 1471). 
Se 98 De dach Itadde ende nnde (piam de nacht ist wohl Umformung 
aus P 19G, 2 diu naht het ende und kom der Uic, vgl. auch Wh 103, 22 
der tac het ende und was nu naht. Auch Se 132 Ilodet dat in Lia 
nicht hone, / Wen gy umme Rachelen schone / Denet also . . . wird 
Wolframs Einfluss verraten: durch P 514, 17 hüet daz iuch iht gehoene t 
mhier fron wen schoene, und Se 168 Dat dridde hrot j Is gut vor der 
sele dot durch W^h 68, 8 (!) ... ein hrot / daz guot ist für der seh 
tot In L ist L 58/9 Lijf nnde sele samen ys eyn / So rff sunnc de 
hüte scheyn / Unde .... sicher aus P .173, 1 man und aij) diu sinf 
<fl ein; / als diu snnn diu hiute schein / und ouch . . entlehnt, mit 
dem Praet. schein statt des Prs. hier wie da, s, Martin zu P 173, 2. 
Von den zahlreichen Flickphrasen in F lassen sich nur wenige mit 
Bestimmtheit auf Wolfram zurückführen. Am sichersten (s. Martin 
zu 7, 26) Se 87 Hir gripe ik den meren tho auf P 433, 16 d^n selben 
nueren grifet zuo\ wohl auch Me 78 Tk saghe als my wart ghesaget 
auf P 631, 22 ich sag in daz mir wart gesagt Se 214 (Vrunt) ojffn 
dyk nicht vorsinnest: P 719, 28 ob er sich versinnet. 

Alles folgende ist mehr oder minder Gemeingut: Se 31 Otmot 
sy an alder oder cm joget vgl. P 574, 26 du habest alder oder jngent 
Se 97 Mek enhebbe den de scrift gelogen vgl. P 224, 26 Mich enhtfb 
diu ärentiure betrogen und Wh 275, 6 mich enhab diu Civentiure betrogen. 
Se 144 De rede lat ik alle sin: Wh 74, 2 die rede Idzen wir nu stn. 
Se 301 Uns dot de scrift dat kunt vgl. P 565, 6. 589, 30. Zu Se 
446 dat is recht vgl. Martin zu P 662, 25. Se 257 Id enschach om 
nicht an etjyieni drome ist ebenso reimflickend wie P 782, 13 ich 
ensprichez nicht üz eime troum. s. Martin zum V. Die Flickformel 
sunder rot und ane schemel, die an sich an der Stelle sinnlos ist, 
wird stammen aus P 89, 3/4 si huop Kaylet der degen wert / sunder 
schamel iif ir pfert — 

An Bildern und Vergleichen führen auf Wolfram in Th 169 Vnde 
hat up sik gewokert de sorgen / gheladen avent nnde morgen aus W^h 
164, 15 und den wuocher der sorgen / den äbent und den morgen. Sicher 
A 42 der sesten vlot: vlot in übertragener Bedeutung nur bei Wolfram 
und seinen Nachahmern: Martin zu P 49, 2. A 167 den sunden ntat 
sprechen: vgl. Wh 343, 8 diu gCtb al mhier freude mat und mhne höhen 
prise sprach. Der meyen blick Se 370, vom Antlitz gesagt, kann sich 
berühren mit Tit. 32, 2 er kos si für dss meien blic. In Se 397 — 
Eynem ridder ghenomet cdso Also om de rater sin den namen gaff 
mag der ziemlich missglückte Versuch einer poetischen Umschreibung 
sein, deren Anwendung W^olfram besonders liebt. Der Teufel als tote' 
(Pate) der Sünde L 131 ist sicher W^olfram entnommen (s. Martin 
zu P 461, 10), der P 461, 10 von midier sorgen tote redet; wahr- 
scheinlich auch struchen L 2 in der Bedeutung hinsinken, sterben: 
vgl. Martin zu P 144, 25 u, 409, 4. vlotj mat, meienblick^ tote, struche, 
sind zugleich entlehnte Reime; zu diesen kommt als sicher hinzu 
L 36 enUiichtet : berichtet s. o. 106, A 8 sneWche (s. Martin zu P 60, 3), 



127 

auch wohl Se 95 vngelfrhe c. dat.: vgl. t/em doch nach inKjeliche mit 
V 704, 27 (hm (jeMrt er uHf/efwhe. Auch in A 183 und Se 4G2 kon- 
jiziertes Miort und ebenso auch konjiziertes re = Tod L 112. (/(fst 
cum gen. in der Bedeutung ;,beraubt, ledig* Se 351 gebraucht 
Wolfram häufiger als andere. 

Eine ganz entschiedene Abhängigkeit auf syntaktischem Gebiete 
liegt in der Neigung des Dichters zu Fragesätzen im allgemeinen, 
und im besonderen zu unvollständigen Fragesätzen, die mit „oh^ 
(off, ah) beginnen. Diese treten besonders häufig in H auf: 1487. 
2087. 3521. 4038—40. 4758. 7086. (7235), aber auch in F waren 
sie bei den einzelnen Gedichten zu belegen. Für Wolfram vgl. Förster 
Diss. Leipzig 1874 und San Marte Parz. Studien III 240 f. — 

Das Bild des Dichters, wie es sich in H heraushebt, wird aus 
den handschriftlichen Gedichten durch neue Züge wertvoll ergänzt. 
Bekannt war schon vorher, dass die ^Cantica canticorum* nicht Brunos 
einzige Dichtung waren; sein ^Ave Maria'' lässt sich zwar auch in 
F nicht entdecken; aber wir haben wenigstens von den „tele (/edirhtes^, 
die die Magdeburger Chronik kennt, ein halbes Dutzend, „f/ude^ 
(iedichte sollen es sein: jedenfalls reicht an die Güte des H jedes 
unserer 6 Gedichte heran, am wenigsten das letzte in seiner geistlosen 
Kompilation von Zitaten über Leib und Seele. Am umfangreichsten 
ist das unvollständige Gedicht über die „Seligpreisungen''; die 
Fragmente lassen schlicssen, dass es ein selbständiges Werkchen von 
sicher über 1000 Vv. werden sollte. In seiner Art ist es dem H 
von allen am meisten verwandt, aber weit anregender durch Brunos 
offenbare Freude am Erzählen, die in H gewaltsam in Fesseln ge- 
halten zu sein scheint. Auch das deutet für die Gedichte auf eine 
frühere Entstehung. Die Anzahl der in das Fragment mit einem 
halben Tausend Versen eingestreuten Episoden ist fast ebenso gross 
wie die der Episoden in 12 000 Versen des H. Die Quelle dieser 
Erzählungen in den Se ist die Bibel, was Bruno nicht hindert, ihnen 
durch kleinere Züge hier und da Gegenwärtigkeit zu verleihen. Das 
wertvollste Gedicht, an sich und für die Auff*assung der dichterischen 
Persönlichkeit, ist der Theophilus. Die spärlichen, zerstreuten Episoden 
in H verrieten wohl, dass in der erzählenden Dichtung ein wirkliches 
Können Brunos durchscheine, aber gerade die ausführlichste Episode 
in H, der Theophilus, drückte, solange er als ganzes gelten musste, 
notwendig das Urteil über den Dichter, denn die Komposition zeigte 
sich an verschiedenen Stellen mangelhaft, die Charaktere blieben 
zumteil unfertig, der Abschluss erzwungen. 

Mit dem Nachweis einer selbständigen abgerundeten Theophilus- 
dichtnng, aus der nur Auszüge in H hinein geraten sind, fallen diese 
Vorwürfe zum grössten Teil. A. Fischers Urteil: ;,er reicht als 
Dichter an die Mittelmässigkeit kaum heran'' ist durchaus nicht zu- 
treflfend. Brunos Fähigkeit zu kombinieren und zu komponieren 
zeigt sich sowohl in Th (s. o. S. 92 f.) wie in M (s. o. S. 120 f.) 
in höherem Masse, als irgend eine günstige Beurteilung von H sie 



128 

hätte erwarten lassen können. Man könnte einwerfen : die Fähigkeit 
kann nicht so stark sein, wenn man sieht, wie Bruno ganze lange 
Sccnen nicht nur dem Sinne, sondern auch den Worten nach 
fremdem Schatz entlieh. Aber wer war der, von dem er lieh? Und 
wir wissen doch, dass dem Mittelalter der Begriff des „geistigen 
Eigentums*' fehlte; der Vorwurf des. Plagiats wäre Anachronismus. 
Es ist schliesslich nur eine zu weit gehende Rezeptivität, und dass 
sich Bruno da den grössten seines Dichterstandes zum Spender wählte, 
und dass er gerade zu dem mit allzu offenen Händen kam, ist an 
sich auch kein Zeichen von mangelndem Geschmack und innerer 
Mittelmässigkeit. 

Mag endlich auch die lustige Pointe in M billig sein: ist es 
nichtssagend oder zufällig, dass er in der Wahl des Stoffes sich 
begegnet mit dem genialsten Humoristen unserer oder kurz ver- 
gangener Tage? 



la. Die Theophilnsfragmente des eod. theol. (jott. 153. 



1 (n)E plenitudine 
tua, beata virgo, 
universi aegri 
accipiunt curatio- 

5 nem, tristes conso- 
lationem, pecca- 
tores veniam, justi gratiam, an- 
gcli laetitiam, tota trinitas gloriam, 
persona filii carnis substantiam. 
10 Dat sprikt: Maria, van dincr vollichhcyt 
Dg seke suntnisso entfeyt, 
Dem bedroveden herten kum(c)t trost, 
De vangeue van dy werdet irlost, 
Du ghifst den sunderen ruwc til, 
Dc(n) guden gnade, heil(e)s vil, 
Den engele(n) vroude unde wunne. 
Oft ik icht me saghen kunne, 
Jo an dyk licht der trinitat wcrdycheyt, 
Got van dy entfeyt (de menschcyt). 

Wo Theophilus wart irlost. 
Wol om, wol om, wol, 
Sint ik sus spreken schol, 



15 



20 



Dem dort gnade wert beschert! 

Theophilus des wart ghewert, 

Do dek sin roif irkande, 

Van der endelosen schände 

üt der helle grünt vesten. 

Dar den buren unde den gcsten 

Is kummer sorgen, husghenot. 

Wart barrainge ju so grot, 

So din goto dar beginc, 

De den duvel bant unde vinc, 

Wente he de hantveste brachte 

Ut van der endelosen achte: 

De was dennoch van blöde nat. 

Dar inne stunt: „du bist myn vat, 

Theophilus, mit zele und live, 

To der helle ik dy scrive; 

Dar umme gef ik dy rikedom, 

An meniger werde bogen rom." 

„Theophilus, myn leve knecht, 

I)y enthelpt gnade, went myn recht 

Is so vuUenkomen unde so got. 

Dat sprak sin warhaftich munt, 



30 



:■}•) 



40 



1 Die Naaahtriche werden in den Loa. nicht verzeichnely ebensowenig andere 
allgemein in Hss. gebräuchliche Abbreviaturen. Runde Klammern deuten Zuzu- 
setzendes, eckige zu Streichendes an. 1 — 19 vgl o. S. 83 und S. 87. 5 c. r. ist in 
F ausgefallen. 10 vgl. Jf 4180. 11 sele. sachtnisse. vgl. // 4180. 13 vangccn. 
14 truwel. 17 künde, vgl. 4186 u. 5596. 19 vgl. H 4187. 25 sek s. o. S, 87. 
31 ligent oder ligenc: „Wie Deine Güte sie übte" (R). 32 vcngit. 86 umme s. o. 
S. 88. 38 dor st. der {so mehrere Male). 44 mot s. o. S. 89, 



129 



Vt Do he de werden makcdc sunt 
|In der sulven stunt], 
Ik mene Eva unde Adamen, 
l>e nicht enwas van minschon samcn: 
Wort icht an de helle scot 

50 (Stolen) unde royn husghenot, 
Eder aus mit ghelovede behaft, 
Dat were myner selschaft, 
An orlosunge nummer me." 
„Wo et umroe dusse rede stc" 

:)5 Sprak Maria overlut, 

^Theopbilus ys myn leve trat 
Unde bat mygbedcnet vil; 
Mit rechte ik tereten wil 
Der hantvesten teken al dar". 

m Do de davel wart des ghewar, 
He scbrey lüde unde ramph, 
Ile sprak: „unser rede kamph 
Mot vor Jhesum dinen sone komen, 
Er my Theophilus werde nomen. 

t)5 Dar schut wol half recht. 

Jo hat Theophilus, myn knecbt, 
My ghedenet mennich jar, 
Beide vorholen unde apenbar, 
Dar id din gute nu irhoff. 

70 Myt miner rede ik dat schoff, 
l)ät he loukede dines kindes 
Tnde al sines hemmelschen ghesindes. 
Mit eynem breve wart he des gewert, 
Den iiat dyu haut my tozert; 

75 Mit sinem blöde he ghescreven was " 
Do ging Maria unde Sathanas, 
Dar Got sat an sinem richte. 
Maria to Godes anghesichte 
Sprak: „vil leve sone goder, 

80 Du sprikst, we dine moder 
Erde, de dende dy vil. 
Nu ys dat komen an dat til, 
Dat Theophilum des duvels kunst 
Hat ghevellet, der mir vil gunst 

s5 (Det, sone,) mit daden hir bevoren. 
To (eyner) vrowen hadde he my ghekoren 
Unde erde ho mynen namen; 
Ik hulpe om gheme ut dem schämen. 
ik bidde dorch des blödes dot, 

!»0 Dat din liff an dem cruce got, 
Sone, dat du up on vortigest 
Unde on van allen sunden vrigest. 



De he ju weder dek droch." 

Got sprak: „et ys unghevoch, 

Mod !r, dat ik gheve dir den man, 95 

De my so vil lasters hat ghedan." 

Maria bot sek to sinen voten 

Unde sprak: „gif dorch ruwe boten, 

De beghert de sundiglie knecht. 

Gnade ys beter dan recht, lOO 

Dat horde ik yo lange sagen 

Eyne rede wil ik nicht vordagen. 

Ik wart van Bethlehem ghesant 

Myt dy in Egypten lant 

Dorch koning Herodes mort 105 

Unde leyt mennighen kummer dort; 

Ik bin et, sone, de dy ghebar, 

Ik leyt smaheyt mennich jar 

Dorch dek an ertrike. 

Ghedenke, sone gnadenrike, lio 

Ik was diu moder unde din amme, 

Dik nerede myner brüsten mamme, 

My was erdesch vroudc dure, 

Armode gaf my to sture 

Vil smaheyt wart an my geroken; 115 

De joden hadden mik vorsproken 

Rechte so eyn armes wiff. 

Gif ik ju, sone, dinen soten liif 

Dorch leve umbeveng mit armen, 

So lat dek Theophilum irbarmen 120 

Unde denke vorbat mere, 

Dat mit ruweliken sere 

Myn herte dedeme mennigen suft; 

Do dek de joden dorch or guft 

Ghar sunder dine schulde vengeu 125 

Unde an eyn cruce hengen, 

Do wart so ghequelet myn liflf, 

Dat et beyde mannen unde wyif 

Mochte to sende vordreten. 

Ut van mynen ogen geten 130 

Begunde eyn vlot van mennigen tränen. 

Ik was aller vrouden ane, 

Dorch dyk leyt ik dyt unghemak." 

Got do myt sachter gote sprak: 

„Meter, ik gheve dy den man, 1.S5 

Unde wo he my vil leydes het ghedan, 

Des enwil ik nummer denken, 

Ik enscal nicht dyn denst krenken. 

Jo scolen, moter,*dine denere 

Hebben lang liff unde ere 140 



48 stamen. 49 ok st. icht. stot st. scot las der Schreiber und strich deshalb 
im folg. V. das ParL 53 An = „ohne'*. 58 bereden. 69 Dat. nu = yynie" vgl. 163, 
A 65. 79 sprek. 80 /. s. o. S. 87. 84 dor meghede g. s. li 6290. 85 s. H 6291. 
8H de vgl. // 6294 u. HS. 423 ft. 95 bidde vor st. g. d.; vgl. V, 135 u. s. o. S 92. 
100 vgl Iwein 172 u. Konemann cod. gotting. theol. 153 fol.' 164 » I: Gnade ys beter 
den recht: melier est enim gratia quam justitia. 102 vordragen, vgl. H 6842. Nach 
102 steht, kombiniert aus 107 + 110 (ier durchstrichen e V. Ik bin id sone gnaden- 
rike. 107 ff. s. 0. S. 85. 112 merede. 115 v. s. steht ätuö xotvoO wie 172 Marion. 
122 sere über durchstr, swere. 125 ff. vgl. H ßOl2 ff. 131 eyn eyn. 132 aue. 

Niederdentsobes Jalirbuch XXX. 9 



130 



Van my to leve imde to lonc; 
Ik do sc gheweldich an dem trone." 
„Scaffe, moder leve, wat du wilt!" 
„Sonc, so wert Sathanas bevilt 

145 An dussem auevalle blot." 

Theophilus dcde mennighen stot 
Sincm herten, dar lie lach 
An siner venic. Maria sprach: 
„Stant up balde, TheophilusI 

150 Id ys ghegangen dy alsus, 

Min Zone hat up dyk vorteghen." 
„Gnade Maria! ju sy ghenegen 
Dinen guten, de mek han irlost. 
Du bist allen sunder en eyn trost 

155 Unde eyn vat aller gnaden vol. 
My dot wol, dat ik leven sol. 
Vrowe hemmclsche keyserinne, 
Du bist eyn war sonerinne 
Twisschen gode unde der kristenheyt, 

160 Din hulpe neyman wart vorseyt. 

Den joden, den heydeu, den publicane, 
Du bist eyn vullenkomen mane, 
De nie noch wandel gheleyt, 
Din gote hat neuen uuderscheyt, 

165 Din gote ys jummer an der niwen 
Den, de dek menen mit truwen. 
We mit missedat vorladen sy, 
Deme de sunde swere so eyn bly 
Unde hat up sik ghewokert de sorgen, 

170 Oheladen avent unde morgen, 
De rope myt Theophilo ane 
Marien he bidde unde mane, 
So wert siner swere eyn ende 
Ghegeven sunder misghewendo. 

175 Ik enroke, Maria, wcs me rune; 
Help my van Schonebeke Brune, 



Sint du bist der gnaden stech, 

Dat my de gar cnghe wech, 

Vrowc, dort weit gherumct, — 

Wor ik han al hir vorsumct ISO 

An junger joghct myne jar, — 

Dat ik mit dy schine an der schar, 

Dar me gibt, du sist, vrowc, 

Eyn spcgel an der schowe 

Unde der engele luchtevat. 1^5 

Maria moder, ik bidde dat, 

Dat du my sendest dinen sogen, 

So dat myncr ogen regen 

Dorch leve begheten de wangcn, 

Unde de ruwe mit ir taugen VM) 

Middeu an myn herte taste. 

Sint my de twe vaste, 

So mach ik mit Theophilo nesen. 

Maria, du scolt myn gheleide wesen; 

Lat dinen trost an my gheschen, 195 

Wen myn zele scal ghen 

To ordele vor de trinitat, 

Dat de wraker der missedat 

My werden mote gnedichlike, 

So dat ik blive an dem rike, 20O 

Dar de enget singen: hagios 

Doxa, roma, theos, 

Sanctus deus dominus sabaoth. 

Maria, dat is dyn sone gheweldich got, 

An dren personen eyner, 205 

Et newidcr groter noch kleyner. 

Help, Maria, wen sik scheyde 

Min liff, myn sele beyde, 

Dat din trost my kome to tröste, 

De Theophilum irloste, ' 210 

Unde myt my sterke den roflf. 

Den Gabriel dy to grote scoft. 



Ib. Theophilas. 
(Rekonstruktion aas den beiden Teilen in H nnd F.) 



(F 20^ 



(F 2 



8 



Wie Theophilus wart irlost. 

De plenitudine 
tua, beata virgo, 
universi aegri 
accipiunt curatio- 
nem, captivi redemptionem, tristes consO' 



lationem, pecca- 

tores veniam, justi gratiam, angeli 
laetitiam, tota trinitas gloriam, 
persona filii carnis substantiam. 

Maria, von diner volheit 
der siehe suntnisse entpfeit, 



10 



142 do > ho (bogen)? 143 ff. 8. o. S, 85. 144 s. Z$. 40, 75. wert ist Indic. 
8. 0. S, 86. 145 dusser ane vellet st. d. anev. 8, If 3691 /. u. Zs. 40, 75; vgl A 50. 
149 vgl. H 9235. 152 G. elliptisch, s. Mhd. Wb. «. t?. S. 389*. n. = danken. 
153 g. ist plur. vgl. Mariin zu P 493, 24. 156 loven. 158 söüer. 160 neyne 
mäne. 163 me. 165 an. de. iuwen. vgl. Chron. d. deutsch. Städte 4, 105, 6, auch 
Walther v. d. V. 17, 30. 168 sweue, über dem Str. noch r. vgl Krone 2526. 175 
roke. rime. 176 brime. 178 Dar. 179 gherimet, übei' i ein v. 183 gect. 192 dy de. 
198 koracker (ko < co < w). 201 ayos st. h. (E). 202 romathios (R). 204 Vgl 
M S. 1)^ II, 249 u. 257, auch Scherer, L. O. d. 11. u. 12. Jhdts. S. 58 /. 



131 



dem sencndcn herzen knmpt trost, 
der gevangene von dir wirt irlost, 

15 du gebist den sondern ruwc zil, 
den guten genade und heiles vil, 
den engelen vroude und wunne. 
ab ich me sagen kunne: 
ja an dir leit der trinitat wirdekeit, 

2\) got von dir enpfing die menscheit. 



(F 21 f.) 



Wol im, wol im, wol, 
Sint ich sus sprechen schol, 
]>cm dort gnade wirt beschert 
Theophilus des wart gewert, - 
2') Do dich sin ruf irkande, — 
Von der endelosen schände, 
Uz der helle gruntvesten, 
l>a den buren und den gesteu 
Ist knmmer sorge husgenoz 



?>^) iz geschach zu einer stunde, (II G'203 f.) 

daz ein tubel vorschunde 

uf ein gelobede einen man, 

den naute man Theophilum san. 

wie iz dar were komen, 
:;5 daz hat ir ane mich vornomcn, 

doch were iz nicht gut vorswigen 
(Theophilus hete vorzigen (6210 f.) 

der trinitat mit irre kraft 

und allir hemelischen geselleschaft 
40 lind des kristen gelouben gemeine; 

wenne Marien alleine 

her wolde sich vorzien nie, 

daz im sint zu vrouden irgie.) 

der tubel twank in also harte, (6217 f.) 
45 daz her gewan blut uz siner swarte 

und schreib durch der rede urhaf 

eine handfeste und gaf 

si deme leidigen Sathanas. 

Dar inne stunt : „du bist min vaz, (F 36 f.) 
50 Theophilus, mit sele und libe, 

Zu der helle ich dich schribe. 

Dar umme geh ich dir richtum, 

Au maniger wirde hoen rum.'' 
des vrouwete sich der tubel sere, (H 6227 f.) 
55 iz dnchte in ein michel ere, 

daz her in da zu bracht hete. 

ich sage, waz der tubel tete: 

her wände sin gar lancveste 

und nam diselben hantveste 
i>0 und vurte si al da zur stunt 

dort yerre in den hellegrunt, 

durch daz her sicher were. 



Yornemit vort diso mere. 

Theophilus lebete sus manichen tag; 

zu letzte quam iz uf den slag, 65 

daz her muste eudelichcn sterben. 

mit ruwen begunde her sust werben, 

her ging, do unsir vrouwen bilde was 

in einer kirchen, also ich las 

her Hz alle sine mcnic 70 

und vil an sine venia 

und rif an den hemil da: 

„ave gebcndite Maria!" 

sin herze was im so bitter, 

iz si der knecht adir der ritter, 75 

wer wiste dese mere, 

her mochte is haben swere. 

dese rede sprach her alda: 

„gedenke edele Maria, 

daz du ie der sunder trost were " 80 

di ruwe twank in so sere, 

daz her gar sundir zarten 

sin har zoch uz siner s warten 

und uz den vingeren di nagel. 

sine vroude hete ein hagel . 85 

nidirgeslagen an den grünt. 

sine zene und euch sin munt 

bcguuden di erde bizen, 

sine hende daz antlitze rizen, 

daz iz von blute hinsech; 90 

sin munt sin herze nie vorzech. 

her rif an den hemil da: 

„ave reine vrucht Maria!" 

und bat, daz si gedechte sin, 

und mante den trechtin, 95 

daz her im gcnedich were. 

wie her mit mauicher swere 
mantc heimlicher dinge Marien, 
der rede wil ich hie vorzien 
und wil sagen, wie di sonne, 100 

der rechten barmheit ein brenne, 
vor irren üben son gie 
und wie si irre rede anevie. 
alsus sprach di reine guter: 

„gedenke, sun, ich bin diu muter, 105 
du sogest miner brüste mamme, 
ich was din muter und amme, 
ich bin din tochter und muter, 
du min sun und vater guter, 
gedenke was ich leit im ertriche HO 

durch dich, sun genadenriche. 
ja sprechest du sundir schämen, 
so wer erete minen namen, 
der hete dir gedinet vil. 
nu ist iz komen uf daz zil, 115 



19 H di trinitatis. 37 s. o. S. 90. 48 (U 6221) H: tubel Sathan; a. o. S. 88. 
49 D. vme staut; H: dar an. 52 s. o. S. 88. 58 H: lantveste. vgl lancrseche bei 
' Herb. v. Fritsl, Nib. w. 8 w., auch Ä 22. 74 hin 8t. s. in H. 99 H: di st. der (S), 
113 wer so e. F: nur allgem. we dine moder; vgl. Zs. 40, 63 zu H 8753. 



132 



daz Thcophilnm des tubcls kunst 

hat gevcllit, der mir vil gunst 

tet, son, mit taten hie vorn. 

zu einer vrouwen hete her mich irkorn 
120 und erete ho minen uamen. 

ich hülfe im gerne uz sinem schämen. 

wie her sich diu vorzigen habe, 

wizze, daz ich laze nicht dar ahc, 

e ich in bringe an sin recht 
125 wider, sun, di rede ist siecht, 
do sprach got der vil guter 

sus zu siner Üben mutcr: 

„dilecta, weist du des nicht, 

daz her sich hat vorpflicht 
130 mit gelobede und mit eide? 

sich her zwuschen di beide : 

so hat Theophilus der vil ungute 

uns mit sines selbes blute 

vorkouft und hat in sinem lebin 
185 einen brif deme tubel des gegebin. 

der brif leit itzunt zur stunt 

dort verre in der helle grünt. 

iz enist euch so nicht gestalt, 

daz ich deme tubel tu keine gewalt. 
140 daz gelobete ich zur stunt, 

do ich Adam machte gesuut 

und der helle pforten zubrach; 

min munt im vor des vorjach. 

sich, wie mag ichz dan irwenden?" 
145 Maria sprach: „du solt mich senden 

in di helle mit miner kraft; 

ich werbe lichte di botschaft, 

daz sich der tubel muz Schemen. 

ich wil im den brif nemen 
150 und tilge im, daz ist gewis^ 

chirographum iniquitatis. 

son, ich vare mine wege, 

dine rechte hant si min pflege". 
„Schaffe, muter libe,waz du wiltl" (F 143f.) 
155 „Sone, so wirt Sathanas bevilt 

An disem angevalle bloz**. — 
Wart barmunge jo so groz, (F 30 f.) 

So din gute dar beging, 

Di den tubel baut und ving? 
160 Wen her di hantvestc brachte 

Uz von der endelosen achte. 



„Theophilus ist min liber knecht, (F 41 f.) 
Dem enhilft gnade, wen min recht 
Ist so vollenkomen und so gut. 



165 Daz sprach sin wahrhaftig munt, (F 44 f.) 



Do her di werden machte gosunt. 

Ich meine Eva und Adamen, 

Der nicht cnwas von menschen samon: 

Wurde ibt an der helle scoz 

gestozen und min husgcnoz 170 

Oder sus mit gelobde behaft, 

daz were minor gesclleschaft 

Anc irlosung nimmer me." 

„Wie iz um dese rede ste" 

Sprach Maria obirlut, 175 

„Theophilus ist min liber trut 

Und hat mir gedinet vil. 

Mit rechte ich zorizen wil 

Der hantvesten zeichen al dar.** 

Do der tubel wart des gewar, ISO 

Her schrei lut und rampf. 

Her sprach: „unser rede kämpf 

Muz vor Jesum, dinen son, komen, 

E mir Theophilus werde genomen. 

Dar schuzt wol halb recht. 185 

Ja hat Theophilus, min knecht. 

Mir gedinet manich jar. 

Beide vorholen und offenbare. 

Dar iz din gute nie irhuf. 

Mit miner rede ich daz schuf, 190 

Daz her lougede diues kindes 

Und al sines hemelschen gesindes. 

Mit einem brife wart her des gewert, 

Den hat din hant mir zozert! 

Mit sinem blute her geschrieben was.'' 195 

Do ging Maria und Sathanas, 
Da got saz an sinem gerichte. 
Maria zu gotes angesichte 
Sprach: „vil liber son guter (F 79) 



Ich bite durch des blutes doz, (F 89 f ) 200 
Daz din lib an dem cruze goz, 
Sone, daz du uf in vorziest 
Und in von allen sunden vriest, 
Di her jo wedir dich trug." 
Got sprach: „iz ist ungevug, 205 

Muter, daz ich gebe dir den man, 
Der mir so vil lasters hat getan." 
Maria bot sich zu sinen vuzen 
Und sprach: „gib durch ruwe buzen, 
Di begert der sundige knecht; 210 

Genade ist bezzer dan recht, 
Daz horte ich jo lange sagen. 
Ein rede wil ich nicht vordagen. 
Ich wart von Bethlehem gesant 
Mit dir in Egypten laut 215 

Durch koning Herodes mort. 
Und leit manigen kummer dort. 
Mir was irdisch vroude ture, (F 113 f.) 



118 H 6291 t. s., hie v., F 85 ä. o. 144 H 6217 wer mag iz, aber die Ils. 
von H: wy mag ys. 150 H: tilge, Hs. von H: tylge yn. 162 jf. 8. o, S. 88. 
165 sin seil. Christi. 199 8, o. S. 87. 



133 



Ariuute gab mir zu sture 
220 Vil smafaeit wart an poir gerochen, 

Di Juden heten mich vorsprochen 

Rechte so ein armes wib. 

Ab ich je son dinen suzen lib 

Durch libe ummeving mit armen, 
225 So laz dich Theophilum irbarmeu 

Unde denke yorbaz mere, 

Daz mit ruwelichem sere 

Min herze tete manigen suft, 

Do dich di Juden durch ir guft 
280 Gar sunder dine schulden vingen 

Und an ein cruze hingen. 

Do wart so gequelet min lib, 

Daz iz beide man und wib 

Mochte zu sende vordrizen. 
J35 Uz von mincn ougen gizen 

Begunde ein vlut von manigen trauen 

Ich was aller vrouden ane, 

Durch dich leit ich diz ungemach". 

Oot do mit sanfter gute sprach: 
2iO „ Muter, ich gebe dir den man, 

Und wie her mir vil leides het getan, 

Des enwil ich nimmer denken, 

Ich ensol nicht diu dinst krenken. 

Ja scolen, muter, dine dinere 
245 Haben lang lib und ere 

Von mir zu libe und zu lone. 

Ich tu si gewaltich an dem trone!" 
Do ir gewalt sach der tubel, (H 6355/8) 

ich meine Sathan der übel, 
250 und dar widir nicht mochte tun, 

her begunde sich sere mun 

in sinemzorne der tubel sprach : (H 6360/63) 

„mich muwet alle desin tach (FI 6364 f.) 

di schäme, di ich lide, 
255 houbetschande ich nicht mide." 

Theophilus tete manigen stoz (F 146 f.) 

Sinem herzen, da her lach 

An siner venie. Maria sprach: 

„Sta up balde, Theophilus. 
2(>0 Iz ist gegangen dir alsus: 

Min sun hat uf dich vorzigen.*^ 

„Gnade Maria! ja si genigen 

Dinen guten, di mich hau irlost. 

Du bist allen suuderen ein trost 
2ii5 Und ein vaz aller genaden vol. 

Mir tut wol, daz ich leben sol. 

Vrouwe, hemelsche keiserinne, 

Du bist war sonerinne 

Zwuschen gote und der kristenhcit, 
270 Din hülfe nieman wart vorseit. 



Den Juden, den beiden, den publicane. 

Du bist ein volleukomen mane, 

Der nie noch wandel geleit. 

Din gute hat neinen underscheit. 

Din gute ist immer in der, niuwen 275 

Den, di dich minnen mit triuwen." 

Wer mit missetat vorladen si, 
Dem di sunde swere so ein bli 
Und hat uf sich gewucuert di sorgen, 
Geladen abent und morgen, 280 

Der rufe mit Theophilus ano 
Marien her bite und mane, 
So wirt siner swere ein ende 
Gegeben sunder missewende. 
Ich enruche, wes men rune, 285 

Hilf mir von Schonebecke Bruue, 
Sint du bist der genaden steg, 
Daz mir der gar enge weg, 
Vrouwe, doit wirt gerumet, — 
Wen ich han al hir vorsumet 290 

An junger jogunt mine jar, — 
Daz ich mit dir schine an der schar, 
Da man gicht, du sist, vrouwe, 
Ein spigel an der schouwe 
Und der engele luchtevaz. 295 

Maria muter, ich bite daz, 
Daz du mir sendest dinen segen, 
So daz miner ougen regen 
Durch libe begizen di wangeu 
Und di ruwe mit ir zangcn 300 

Mitten an min herze taste. 
Sint mir di zwe vaste. 
So mach ich mit Theophilo genesen. 
Maria du solt min geleite wesen, 
Laz dinen trost an mir gesehen, 305 

Wen mine sele sol gen 
Zu orteile vor di trinitat, 
Daz der racher der missetat 
Mir werden muze genedichliche, 
So daz ich blibe an dem riebe, 310 

Da di engel singen: hagios, 
Doxa, roma, theos 
Sanctus Dens dominus Sababth. 
Maria, daz ist diu son gewaltig, got, 
An dren pcrsonen einer, 315 

Iz newider grozer noch kleyuer. 
Hilf, Maria, wen sich scheide 
Min lib, min sele beide, 
Daz din trost mir kome zu tröste, 
Der Theophilum irloste, 320 

Und mit mir sterke den ruf, 
Den Gabriel dir zu gruze schuf. 



249 11 6356 den (S). 



134 



IL Almosen nud Gebet. 



1 



Van der almissen. 
Möge wy dat jummer krigen, 
Dat wy hen na gode stigen. 
Jacob sach eyne leddcren stan, 
5 Or hoghe an den hemmel gan, 
De engele dar up stigen. 
Machstu de ledderen krigen, 
So kumestu vil snellicbe, 
Dar got 8i an dem rike. 

10 Vrunt, ik wil dek nicht dregen, 
Machstu nicht stigen, so lere vlegen 
Jacob was lam an eyncm beyne. 
Ik make dek vloghele tweyne, 
Dat sek din vot nicht vortrede. 

15 De eyne vloghel ys dat bede, 
De ander vloghel de almuse. 
Icht din sunde dek nicht nuse, 
An schrie got myt dem bede, 
Almissen giff mit rechter stede, 

20 So werstu van sunden irlost. 
Almisse ys ein riker trost 
Unde eyn lankwarende schat. 
Ecciesiasticus uns scrivet dat: 
Quasi Stella matutina in 

25 medio nebulae. 

Ik enweyt oft my rechte duchte, 
He sprak, de almuse luchte 
Vor gode so de morghensterne, 
Dat vordusteren wölken gerne. 

30 Ik saghe van der almissen craft, 
Han ik guder witte macht. (212 v. 
Tobias lerde sus sinen son: 
Du scolt almissen gherne don, 
Des wert din liff gheeret 

35 Und alle diuk ghemeret. 
Ok saghet dat mere: 
Eyme vroliken ghebere 
Dem sy got van herten holt. 
Almisse is eyn dure solt, 

40 De noch vorvulet noch vorwerdet, 
Almissen schat sek nicht votscherdet, 
Dat et bringet der sesteu vlot. 
Alse eyn water hete glot 
Leschet de almisse de sunde, 

45 Des hebbe wy velc orkunde. 



2) 



[Almissen ys al sulk eyn stotj 

Almisse sachtet godes torne, 

Almisse loset dat vorlome, 

Almisse ys der besten schilt. 

De den duvel dicke han bevilt 50 

An sinem anevalle ouch blot. 

Almisse ys der gnaden schot, 

Almisse lenget mennich leveu 

Leret almisse vaste gheven, 

Gy jungen, an juwer joghet, 55 

Almisse hat mennighe doghet. 

Ik vant an eynem boke scriptum, 
Dat nomet men vitas patrum: 
Et was to maten eyn rike man, 
De sek mit arbeyde began 60 

Moste al sine daghe 
An mennigem kummer unde klage. 
Wo he were van jaren alt, 
Sin leven was doch so ghestalt, (213 r. 1.) 
Dat he nu mochte vasten, 05 

Sinen munt harde kästen. 
Dat pater noster seiden, — 
Seal ik sine daghe melden, — 
Credo in unum sprak he nummer, 
Doch was sin sede jummer, 7(> 

He horde misse, wor men se sank. 
Wat sine band irrank 
Mit des kummers arbeyde, 
Dat gaff he an godes leyde 
To korken unde to Stegen. 75 

Dyt dede he mit vlite plegen. 
Et were vlesch, kese eder brot, 
Den armen vuste eten bot. 
Sint darna it gheschach. 
Et quam sines stervendes dach; öo 

Na dem prester he sande. 
Dem he siner daghe bekande; 
He vraghede om hir unde da, 
He sprak: „saghe wo din leven sta? 
De bicht ghift der sele rat". ö5 

He sprak: „myn leven also stat 
Unde hat ghestan mennighen dach, 
Dat ik vastens nicht enplach; 
Noch kleiner was min bede.*^ 
He sprak, wat he dedeV «^0 



1 V. d. a. ist Überschrift, V. 2 ist optat. Hauptsatz. 4 /. vgl 1. Mos. 28, 12. 
10 ik ist ausgestr.j dit darüber geschr. \2 Es fehlt ein verbindendes ok o. d. 
14 icht. 17 nu se, vgl Roethe ,,Reimvorr.*' S. 87 Änm. 1. 21 eyn fehU. 22 Tob. 
10, 4. 24 Eccles. 50, G. 29 verne st. g. 31 witte « wete, vgl. Zs. 40, 90 zu 
V. 8431. 82 /. Tob. 4. sin. 37 2. Cor. 9, 7. 39 Tob. 4, 12. 41 en schcdet, 
vgl. //848ß. 42 steht in F hinter 45 s. o. S. 110. 43/4 vgl. Freid. 39,6 u Ecd. 
3, 33. 51 velle ane blot, vgl T/i 144 u Zs. 40, 75. 58 s. o. S. 110. 59 un st. to, 
cgi. 60. 72. 73. 61 m. he a. 62 unde fehlt. 65 nu = nie vgl Th. 69. 67 selsen. 
68 melsen. 71 Der Zug passt nicH recht hinein. 72 hande. 76 vliter. 78 vuste 
= nd. „alsbald, sofort'^. 89 bedes. 90 du dedes st. he d. 



135 



r. 2) 



Sint ho nu saghen moste, 

He sprak: „guder dinge wüste 

Bin ich, wen dat ik gaff 

A [missen van der joghet urhaif' 

t»5 Secht, ik dede ok on ere 
Gode anders neyue mere. 
De a1 misse ys myn böte (213 

Vor missedat hen to gote.'' 
He sprak: „also du hast ghegen, 

int) Mote dy an seiden gheschen." 
Do de rede van im gheschach, 
To dem prestere de man sprak: 
,Ik se myne almissen beredet, 
Mit twen vlogelin bespredet, 

!o5 De willen myne seien leden 
Hen ut dussem arbeiden, 
AI dar se stede vroude vindet 
Wen mik de dot enbindet " 
He rep mit gaaser gher: 

HO „Dot mek sinen licham her, 

l)es mynscheit an dem cruce starif, 
De uns den seghestrid irwarff " 
Do he den licham entfeng, 
He starif, sin leven vergeng, 

U5 De sele vor (vor) de trinitat. 
Des engeis Cherubins rat, 
Hedde ik dar icht mer af gheleseu, 
i)at moste hir bescreven wcsen. 
Hir hcbbe wy eynen vloghcl, 

1:20 We Wille dorch dorch den engen bogcl 
Hen to hemmelrike vlien, 
De scal vil sere begien, 
Dat em noch eyn vToghel werde, 
Eder he blift up der erden. 

125 Ik saghe des vloghels namen, 
De het: ghebet snnder schämen, 
Van dem las ik an den boken, 
Dat gift den hemmel dorch soke. 
Beden dat ys al sullck eyn böte, 

J30 It stich myt ghewalt to gote. 
Dar van scrivet me dusse wort, 
Off ik rechte han ghehort: (213 v. 1.) 
Kegnum dci vivi patitur. 
Nod lidet godes rike, 

135 Me nemet om gheweldichlike, 
Dat don de goden mit oron bcde. 



Bedes craft saghe ik to stede. 
Wy lesen, dat Ninive de stat 

Umme ore mortlike sunde 

Got wolde senken in afgrundc 140 

Dat kundeghede on her Jonas, 

De ok eyn prophete was 

He sprak to om mit suften clageu: 

„Wetet, dat an vertich dagen 

Dusse stat scal wesen tonichtet.*^ 145 

Des wert de koning berichtet, 

Ninus, de sunder schände 

Alle sin volk besande, 

He ghebot unde sprak: 

„li^lik te an eynen sak 150 

Unde sek myt bede anklaghe." 

Ile het ok vastcn dre daghe 

To water unde to brode, 

To eren, de myt sinem tode 

Uns alle levendich makede. 155 

Van weynen vil herte krakede 

Unde seden, se woldent gherne don 

Dar vastede pert, schap, ve unde hon 

Unde ok dat kint in der weghe. 

Höret, wes men dar do pleghe: 100 

Beden, borstslan, weynen, sochten. 

Salter lesen unde ambochten, 

Got vleyn umme ore not. 

Des wart ghewendet ore dot. 

De godes torn unde rage, 165 

Dar dat bet van der brage 

Wart den sundeu spreken mat, 

Unde bleiT stände de stat 

Wente an dussen huteden dach. (213 v. 2 ) 

Vorwar ik dat spreken mach, 170 

War ruwe gift mit almissen. 

De mag ne dicke irlosen 

Unde vor dode vristen syn leven. 

Des wil ik orkunde gheven. 

Et hed oyn koning Ezcchias, 175 

Dem saghcde eyn stempne, so ik las: 

„Ezechias, vil here koning, 

Scaffe balde diue ding, 

Went du scalt sterven morgen." 

Dos ghewan he vil der sorgen, IbO 

He korde sek to den wenden, 



94 an sL van. umgaif. 95/ü Reimwörler verlauscht; vgl H 12541. „Ich 
erwies an Ehre Gott keine andre weiter". 101 ju st. im; vgl. V 746, 1. 389, 3. 
Hi3 beredet = „ausgestattet" vgl. 119. 104 vog. 110 Dat. 112 s. interessante Neu- 
Inidung nach segevacht (S). 114/5 (S). geng st. verg. ein vor erg. 116 vgl H 6736/. 
120 engel. b. im erweiterter Bed.: „Bogen^ Torbogen^ ; vgl. Luc. 13, 24 u. Matth. 
7, 13, auch H2QA4. 121 vlegeu. 122 hegen s. o. S. 109. 123 worden. 126 ghevet 
= „Gebet*'. 128 soke s. o. S. 112. 129 Gheven st, B. aus missverst. Ghevät 
V. 126. 130 my st. m 133 ^futth. 11, 12 135 „wenn man es ihm (Gott) nicht 
mit Gewalt nimmt." 138 Jonas 3, zu erg. ein V. wie H 1434, 4264 tisw. 139 
Jon. 1, 2. 140 G. fehlt. 144 /. Jon. 3, 4 /. 147 Bims. 151 se st. s. 155 Uü. 
allen st. a. 159 s. o S. 110. 162 am bochten s. o. S. 110. 166 vrage s. o. S. 110. 
172 „Die kann ihn oft erlösen." 176 /. Jesaias 38, l. 



IMi 



Dicke want he sine hende 
Unde hadde grote ruwe bekort. 
Weynende sprak he dusse wort: 

185 „Sin trost kome my to tröste, 
De den pablicanum irloste, 
Unde de dar Kananeam brachte 
Ut van der sundichliken achte; 
Got here, myn herte mik gicht, 

190 Du sprikst sulven, ik wil nicht 
Des sunders not alleyne, 
Min rike sy om ghemeyne, 
Of he sik keret to mich. 
Barmhertighe got, nu bidde ich, 

195 Sende my dinen geyst hen ave, 
De dar Lazarum ut dem grave 
Rep an dem verden daghe, 
Dorch Märten siner suster klaghe 
Het van dem dode up stan. 



Der sulveu gnade ik dy man; 

Lat mek leven hir so lange 

An myn es lives ghetwange, 

Ghiff my so vil der stunde, 

Dat ik böte myne sunde. 

Ik loves dy entruwen, 

Mik scal myn sunde ruwen. 

Dat bet horde, so me quit, 

De vil barmhertig was Davit, 

Weut vorbarmen ys sin recht. 

Dat sprak ik er unde sprecket echt 

Do irlengede got, dat ys war. 

In sine daghe vifteyn jar. 

Dat was ein wunschlik teken. 

Sus mach me got irweken 

Unde irwenden sinen tom, 

Dar to de mynsche was irboru. 



2(X) 



(214 r. 1.) 205 



210 



215 



Ili. Minne. 



1 Ego sto ad ostium et pulso. 

Dat sprikt: ik sta vor der dore 
Unde rope |off ik bin dar vore]. 

Ik saghe van der mynuen, als ik las; 
5 In vitas patrum id screven was. 
Here, hedde ik dat ok nicht vorgeteuV 

It was eyn arm prester ghcseten 
An eynem dorpe, dat dar lach 
Up eynes breden wators wach. 

10 Ik saghe des sulven presters nar: 
He helt de vischerige dor dat jar 
Sin kerke was to maten rike, 
He delde sin opper mynnichlike 
Den, de der waren mynne rokten, 

15 Dat se sine herberge sokten. 
Dat dede he mit steder plege. 
He enlet es nicht achterwege. 
Ik weyt nicht des presters namen, 
Sin armpde gaff om schämen, 

20 He hadde to der werlde cleync wunne, 
Om was sin kleyt vil dünne 
Togen des starkes winters herte; 



25 



30 



Dorch mynne sek syn gut vorterde. 

Sin redepert was eyn merye, 

He was des sulven waters veric, 

Dorch de waren mynne he desplach, (2H r, 

Dat he dat volk vorde over den wach. 

He delede on gherne mede 

Sin gut, dat was sin sede. 

Des morgens, er de dach updrunge 

Unde er he misse sunge, 

At he yo mit sinen ghesten. 

De weren arm ofte van den besten. 

So des dat volk was inspechtich worden, 
Se spraken: „wo steyt sus juwe orden? ob 
Wy weten eyn ding, dat ys sucht, 
Jo enys dat neynes presters rieht, 
Dat he ete, dar na misse singe.'' 
He sprak zo ome sunderlingen: 
„De mynne et unde ik nicht.** 
Sus worden se alle bericht; 
Dem prester worden se dar gram. 

Dusse mere vor den biscop quam, 
De biscop quam to sinem knechte: 
„Rit hen unde vorsehe my rechte, 
Wo it sta ummo des presters orden; 



iö 



45 



182 henden. 183 in F steht für d. Indic. hadde, hedde, hedde, ich normali- 
siere zu hadde. bekart: 8. o. S. 97. 190/. Ezech. 83, 11. 191 not = Tod vfjL 
Konemann cod. goit. ihcol. 153 fol. 178 r II. Vgl. auch fol 179 t> 1 «. Knland 604. 
192 on. 196 /. Joh. 11. 198 barmhertighe D.; I). ist dativ, 207 sprikt vgl. o. 
S. 97. 207/8 kifieingek. durch Reg. IV, 20, 5. 208/9 vgl. Se. 466,7. 211 /. Jes. 
38, 5; irlegede; vgl. a^jiciam, in sinen dage; vgl. super dies; doch vgl. auch li 
10350 /. 214 irweken = erweichen, vgl. H 5733, Se 208. 

1 8. o. S. 120. 7 ghehete .s. o. S. 109. 9 wech. 14 de st. der. roken. 
15 soken. 22 To gan. 23 vgl. A 101; se st. sek. 27 dat vor v. fehlt. 39 so. 



137 



So du bist des inspechtich worden, 
So bring to hoTe my de mere.*' 
De knape ret do vil sere, 

Si) Mit ome dre junge knepUn, 
De der rede tuch scolden sin. 
Ut den wesen he quam, 
To dem prestere herberghe nam, 
De andere bleven an den wesen. 

55 Des morgens, do dat ve begunde besen, 
Unde de herde rep „driif us**, 
De knape, stolt alse eyn strus, 
Orloves dar vuste gherede. 
De prester id om werede, 

^) Ile sprak: „eynes dinges ik my vlete; 
Dat he des morgens ju enbete, 
We hir benachtet, er den he rite; 
Dat was ju mynes huses site.^ (214 v. 1.) 
To om sprak des biscopes knecht: 

S5 ^Ik enscal nicht breken juwe recht, 
Ktet gy here dorch juwe ghebot!'* 
De prester sprak: „war mynne is got. 
De segene uns dusse spise beyden.** 
De knape at unde wolde scheyden 

Ti> Unde ret de wissche vaste in. 
Dar he vant de gesellen sin. 
Do he on sagen wolde de mere, 
Do wart he an der tungen swere, 
lle begunde mit dem munde bellen, 

"y 11c konde nicht tospreken sinen seilen. 
Do dyt de anderen begunden scoweu, 
Se wolden den prester hebben howen. 
War mynne do sek nu vorgat; 
Do eyn de slach even mat, 

"U Makede se om den arm als eyn stok, 
Dem anderen lam als eyn bok. 
Mit torne reden se do weder 
Uude sagheden dem byscope seder. 
Wo or tuch dort irgangen were. 

bb Se spreken: „et ys eyn toverere." 
Erer eyn den papen do mande, 
Pc biscop na dem prestere sande, 
lle quam to hove, dat ys siecht, 
lle enhadde cappelan noch knecht, 

t»o De em beiden sin ghewede. 
Ik saghe, wat de prester dede. 
lle hengede sin kleyt an de sunnen, 
Des scal men der warben mynne gunuen. 



Do de biscop dat sach, 

Wat van dem armen prester schach, 95 

He sprak: „Sint gy eyn toverere. 

Als uns saget ys to mere?'' 

Ue sprak: „Ik bin eyn man, so me sieht. 

Dem me prestere namen gicht. (214 v. 2.) 

My denet dort de wäre mynne, 100 

De holt myn cleyt dorch ghewinne, 

Went ik neynen anderen knecht han. 

Als varender have eyn arm man." 

Under dussen reden unlangen 
Quam eyn wiff herto ghegangen, 105 

De droch up orem arme eyn kint, 
Dat was noch an sinnen blint, 
It was kum eynes halven jares alt. 
De biscop sprak to om mit walt: 
„Sint gy van der waren minne saget, 110 
Hetet dat kint spreken dat, 
We sin vater sy, 

Eder juwe kerke mot wesen vry." 
De prester sprak: „sint dat was 
Jo de wäre mynne, als ik las, 115 

Ik bede dy by dem sulven namen, 
Kint, dat du nomest allensamen 
Nicht vorholne men apenbare, 
Van wes samen dyk dyn moder bare.'' 
Dat kint rep lüde dorch den hop: 120 

„Here, myn vader ys de byscopl" 

Do de biscop horde unde sach, 
Dat dat unvornufte kint sprach, 
He vel neder uppe des paves vot, 
Mit orlove ik sus spreken mot, 125 

Sin herte was swere so eyn bli. 
He sprak: „domine peccavi/ 
Dat sprikt, dat si ghekundiget: 
(„Here, ik hebbe ghesundighet.'') 
Wat mochte de biscop mer donV 
He het den prester godes son: 130 

„Yaret to hus mit suchten worden 
Unde haldet der waren mynne orden " 
De prester volgede der mynne spore 
Unde levede na alse vore, 
Wente he irwariF godes hulde. 135 

Das was der mynne sculde. (215 r. 1 ) 
Ik han van der mynne noch seyt, 
Ik gripe weder de barmherticheyt . . . 



50 knepelme. 51 sine st. s. 55 ve fehlt. 58 wüste. 60 vley sL v. 61 ju 
= jo. entbeyt, zu mhd. inbfzen. 63 an st. ju (S). 73/4 Do wart he an dem 
munde stumme, He begunde mit der tungen bellen. (S.) 78 nu = nie. 79 ene st. 
even. 80 se fehlt. 88 lecht st. s. vgl. Se 447 m. 7/ 816 3659 u. a. 90 Do. 
99 deme. gift. 101 d. gh. = „zum Lohn", 103 „als ein an fahrender Habe 
armer Mann*^. 110 leve st. m. vgl. 115. HO/, s. o. S. 119. m. fehlt. 126 swere 
fehlt. 131 Varen (S). 134 An 136 sculde = Anschuldigung. 137 noch = geuuoc. 
s. Zs. 40, 85 zu V. 6146. 



138 



IV. Messe. 



1 Mot beyde vleen unde bidden 
Mit tucht, myi kusscheyt sitten 

Unde vor den werenden dot, 
Dat he uns dar van ir]osen roke. 
6 Ik las nest an eynem boke 
Van der missen, unde vrome mere 
Sprak vor war, dat id also were. 

It was eyn ridder to vilde, 
Vrevel to spere unde to Schilde 

10 Unde to dem swerde eyn hilt, 
To aller manheyt utirwelt. 
He hedde wol der werlde gunst, 
Doch droch on des duvels kunst: 
He hedde bedreven eyne side; 

16 Do woneden om vastc raide 
Ik weyt wol welke noden: 
He wolde sik sulven doden. 
Dat bok ik las mit richte; 
De ritter ging eyns to bichte, 

20 He saghede aem prester de not, 
Wo he dicke worve umme den dot. 
Dat begunde dem prester irbarmen. 
He sprak: „denket up ink armen, 
Dat gy strevet na der vordomnisse. 

25 Saghet, höre gy icht gherne misse?" 
He sprak: „seiden eder nummer; 
Doch ys myn sede wesen jummcr 
Van kindes* tyt went an dussen dach, 
Dat ik guder' werke plach.** 

80 Sin herte he dem prestere entslot, 
Dat em de trän ut den ogen vlot. 
Do de prester ghetruwe 
Sach van naten ogen de ruwe, (215 r. 2.) 
He sprak mit ernste sunder spil : 
„Welle gy don, dat ik ju raden wil, 
Ik setto myno sele vor de not 
To pande, dat he scolde dot 
Nummer sterven an quatheyt 



35 



He sprak „des gheve ju mynen eyt.** 
40 De prester sprak: „so sy ju ghesecht, 
Ghevet almisen unde höret misse; 
Syt des seker unde wisse, 



4o 



Dat ju de duvel nicht scundeu mach 

Up al sulkes dodes slach, 

Wen gy sinen licham havet, 

Dar moghe gy de drevoldicheyt 

Spein mit aller macht so men sprikt. 

De enlet ju so nicht sterven. 

Jo enys got alleyne. 

Mit oin is al hemmelsch her ghemcine, 50 

Dar ys sin blot unde sacrament. 

De ritter sprak dem prester to: 

„Ik love ju, dat ik dat gerne do.'^ 

I)e ritter vaste to der kerken ging 

Unde bat got vor alle sulke ding. 

Höret, wat dem ritter schach. 

Over lange tit dar nach 
He reyt dorch eynen groten walt, 
Sine danken weren manichvalt, 
Wo he sik sulven wolde doden. 
De wile he was in sulken noden. 
Quam eyn bur her ghegangen, 
De droch sin cleyt up eyner Stangen. 
De ritter sach on an der tyt: 
„Meyster, war gy wesen syt?" 
He sprak: „ik do it ju ghewisse, 
Ik komme van eyner kerkmisse, 
Dar horde ik godes wort." 
De ritter sprak : „nu saget vort, (215 v. 1 > 
Wolde gy my vorkopen juwe aflatV" 70 
De bur sprak: „dorch watV" 
„Dar gheve ik umme myn kleyt, 
Dat an myn liflf ys gheleyt." 
De bur pprak to sinem unheyle: 
„Beyde, aflat unde misse ys my vele, 
Wat my seiden dar af scal entstan, 
Dat mote got juwen live leggen an " 
Ik saghe als my wart ghesaghet, 
He gafP om rok unde cleyt, 
De bur vortech sines heyles, 
Got loste on do rechtes deyles 
Dem ritter wart aflat to deile, 
De bur beug sek in eynem zeile. 
De ritter vorgat siner not 
Unde dachte nicht up sulken dot 
Nummer me went an sinem ende. 

Ik rade, dat me neue vorswende, 



55 



OO 



05 



75 



m 



1 s. 0. S. 82 II. 123; v(ß. Krone 12082. 5 „Ich las kürzlich in e. Bucht 
V. d. Messe; und fromme Märe berichtete ..." 7 Ik sprek at. S. 8 It fehlt. 12 werde 
14 bescreve (R). 15 De. 27 Dat. 32 ghetruwede; vgl. Konemann in cod, gott. 
theol. 153 fol. 160 r I. 33 ruwede. 35 iv. 38 N. a. qu. st. kesot. keset ist 
vielleicht Heimwort zum folg. fehl. Verse: = geseit; der ganze V. etwa: Dat sy ju 
vorwar geseit. st'vc = streveu? 39/40 hinter 35 zu stellen'i* 43 scede vgl. II 
0204. 62 s. 0. S. 123. 65 (S:) der Bauet kann unmögl. meyster angeredet werden, 
vi eil. steckt in diesem Wort ein Imperativ pl, den auch der Nebens. w. g. s. w. 
verlangt, 72/3 spricht der Ritter. 78 s. o. 8. 123. 79 he: der Eitler. Hinter 
cL: des dages. 



139 



Wat men in godes deoste bejaget. 
Höret, wat got suWen saget: 
Non revertetur de ore meo omme verbum 
r>at sprikt: dat mynste wort, [vacuum. 
I>at van mynem munde ys gehört, 
Seal nummer idel weder komen; 
<Bodes wort bringet vromen 
Der selc onde ok deme live. 
Van der misse ik vorbat scrive; 
Sit des scker unde wisse, 
^Velkes dages gy boret misse 
Mit rawigber andacbt, 
UO Der liilghen misse craft 
De nympt ju vil mennige not 
Tnde' wol ok den grimmigen dot, 



10 



>5 



De misse bringet riken trost. (216 v. 2.) 

Alsus wart de ritter irlost 

Van der hemliken not, 105 

De bur leyt vor em den dot. 

Hedde be sine werk vorkoft nicbt, 

Alse my dat dat bok voijicbt. 

An om were de dot nicht dergan. 

Hir mede lat ik de rede bestan. 110 

We smabeyt lidet dorch got 

Unde in allen dingen vullet sin bot, 

Wo scolde den mynschen misselingen, 

Eyn ewich vroude entspringen, 

De nummer an ende blivet 115 

Unde neyn not vor om vordrivet! 



V. Seligpreisangen. 



1 Beati pauperes spiritu, quoniam ip- 
sorum (216 r. 1.) 

est regnum celorum. Beati mites, 

(liioniam ipsi possidebunt terram. Beati 

i|ui lugent, quoniam ipsi consolabuntur. 
Beati qui esuriunt et sitiunt ius- 

ticiam, quoniam ipsi saturabuntur. Beati 
misericordes, 

quoniam ipsi misericordiam persequuntur. 

Heati mundo corde, quoniam ipsi 

deum videbunt. Beati pacifici, 
10 quoniam filii dei vocabuntur. Beati 

qni persecutionem patiuntur 

propter me. 

gOt sprak, so du bordest nu: 

Beati pauperes spiritu. 
15 To dem ersten lerde sus sin kint: 

Sellicb, de arm des gheistes sint. 

Dat me sere kum bir leve 

Unde sek nicbt to bocb heve, 

Nicbt leve an overdrancke, 
10 Dar van mynschlik herte wanke, 

Dat hat vorboden Paulus, 

De werde Christi apostolus. 
Eyner rede ik wol vragede, 

Of neynman des betragede, 
lo War umme got sine rede san 

To ersten an dem armode began. 

De wisen papen erkunden: 

llovart de sy up allen sundeo 

Wortele, eyn stam der missedat. 



Gbelikerwis an den boken screven stat: 30 
Otmot sy an alder eder an joget, 

Van der hovart steyt screven also: 
Inicium omnis süperb iae apostatare a 

deo . . . 
Hovart lenget sek van gode, 
Unde nelat sek an sinem bode 35 

Mit der waren otmodicheyt. 
Sus ys my vorwar gbeseyt, 
Seal armode by otmode sin, 
So dat se dragen eynen scbin. 
So hat god rechte ghedau, 40 

Dat he id an dem armode began. 

Van dem armode spreke ik bat, 
Konde ik ofte wiste wat, 
Doch saghe ik ju eyn deil, 
Qift my got der Salden heil. 45 

Twierleye ys dat armode: 
Eyn kumpt van des reynen herten gode 
Unde het willich armode. 
De scrift secht, dat sy gote. 
Hat men gar ledichliken vortye 50 

Unde sek van erdescher have vrie, 
Dorch dat me gode denen moghe, 
So dat id den armen seien doghe. 

Me scal der rikhevt sin had, 
De scrift uns orkundet dat: 55 

Facilius est per foramen acus transire 
camelum quam divitem potentem in- 
trare in regnum celorum. 



88 Vor godes fehlt in. 90 Jes. 55, 11. 102 wil. 108 vorsieht vgl. Se 410. 
109 dergen. 110 Hiri. besten. 114 entspringen: entfliehen, entgehen. 116 „und 
jede Not von ihm fernhält.'* 

6 q. i. 5. fehU. 13 g a. R. 17 h'e (E). labe. 18 habe. 28 vgl. 7/10065/6. 
30 ey 8t. an. 33 ois. Kccles. 10, 14. 35 nalet. an fehlt. y,und überliisst sich nicht, 
vertraut nicht, gehorcht nicht Gottes Gebot.*' vgl H 8282, 8659 37 = 321. 38 
Wenn . . . , so . . (40) *\ 47 Das dem Eyn entspr. dat ander steht erst 146. 56 
MaUh. 19, 24. 



140 



Mogheliker ys, dat eyn kemel 

60 Sünder vot und ane schemel 
Dorch eyn natelen oge krupo 
Undo myt walt dar dor slupe, 
Wen dat eyn woldiger rike 
Korne hen to dem hemelrike. 

65 Gy heren, me scal sterven, 
Umme dat ewige levent werven, 
Kicht umme de vorgangen tyt. 
By dem honige de galle lit; 
Vordecket des duvels list 

70 Sus kann de duvel läge stellen, 
Dar mede he de werlt wil vellen. 
Sin sote bringet unghemach, 
De tute teynen silver sprach, 
Ofte ik de rede rechte vorste, 

75 Wy lesen an der alden e, 

— De rede ys lank — wo sich toch, 
Dat Jacob van lande vi och 
Dorch Esaus sines broders schulde. 
He vrochte sines torens unhulde. 

80 He quam to synem ome Laban, 
De hadde twe dochtero sunder wan: 
Eyn de was ghar mynnichlik, 
De maget het Kachele, wen ich; 
De ander het Lya unde was 

85 Scheel, alse ik las. 

Labans dochtere weren two. 
Hir grip ik den meren tho. 
Jacob denede Laban, dat is war, 
Umme Rachelen seven jar. 

90 Do it quam an de sunnenwendc, 

Dat sin denst hadde den ende, (2 16 v. 1 .) 
Jacob vor mit vrouden an Sprüngen. 
He mende, dat Bachele de junge 
Ou scolde maken vrouden rike, 

05 Dem doch scach unghelike, 
Went he wart sere bedrogen, 
Mek enhebbe den de scrift gelogen. 
De dach hadde ende unde quam de nacht: 
Laban haddet so ghedacht, 
100 Jacob der lones gerende man 

Wart an eynor dusternisse ghedau, 
Dar wardede he sines herten wunne. 



lo 



11« 



Gm wart doch underdan de sunne; 
Dorch hemelike salicheyt 
Wart Lya an sinen arm gheleyt; 
Des vorgat he vil der sorgen. 
Do it kam tegen den morgen, 
Jacob beruwede sin vrigen, 
Do he sach Ligen, 
De an sinem arme bcsloten lach. 
Do irhoff sik eyn uyge unghemach, 
Dat om Laban hadde gbelogen, 
Mit siner sachten rede bedrogen, 
Om was eyn nuwe schäme. 

Uere, wat bedudet de name, 
Ik meyne Rachille unde Lya? 
Ik saghe, alse ik iu der scrift sa. 
Kachele dudet eyn sachte leven. 
Alse wy dar ane menen sweven. 
So hat et Laban de duvel acht, 
Dat Lia wart to bedde bracht. 
Lya, wat sprokes ys dat? 
We dudet my den namen bat? 
Lya sek so vil bedudet, 
Off juwe tucht dat ghebudet. 
Als eyn arbeydes leven. 
Wen wy in der sotichoyt sweven, (216 v. 2.) 
So wert uns dat sure to lone. 
De duvel lonet uns dat schone 
Unde gifft uns dat missevar; lo<' 

Dat ik ju saghe, dat ys war. 
Hodet, dat ju Lia nicht hone. 
Wen gy umme Kachelen schone 
Deuet, also Jacobe schach. 
Den or schone brachte in unghemach, 135 
Wo ik hobbe ghescreven dat. 

Me scsA groter werde sin ghehat, 
Dennoch were ik gherne rike; 
Augustinus 

Schrivet uns dat minnichlike: 
Beatius est dare quam accipere 
Id ys saligher, dat me gheve, 
Den me an dem armode leve. 

De rede lat ik alle sin 
Unde valle weder an myn bcgiu. 
Dat ander armode is gheleyt 
An des gheistes einvaldicheyt. 



IJ» 



121 



UO 



145 



59 kamel. 70 läge: Kachstellung, Hinterlist, Falle. 73 tut to eyner sideii 
Ich konj. urspr. tiu < tut {vgl. ein < ent 147, al ein < allent L 112) = seiu 
(f/Trug", 8. H. GL) = zein (ziu) 8. Zs. 40, 99. R, vermutete als Sinn ,,der Zinn 
für Silber ausgab,'^ siden lässt sich in F leicht als Verschr. aus silber erki; 
to eyuer viell. inissverst. aus mhd. zeiner, dat. abhängig von tut st. mhd. zuoze. 
78 esau übergeschr. über ysaias. sins. schulde erg. s. o. S. 84. 79 He vrochte de 
uuhulde sins torens. 81 1. 3/o«e28, 5. 82 1.3f 08.29. 83 wenich. 93 rachelen jungen. 
95 sach (R). 96 ser. 99/. 1. Mos, 29, 33/. 100 des. 103 u. = „vorenthalten" (R). 
109 Do he sach lya lygen / An sinem arme besloten lach s. o. S. 95. 114 Min: 
M u. in 1< leicht zu verwechs. schade. 119 äne. meue. „Wenn wir glauben, 
darin zu leben, so..." 125 giff vgl H 4313. 130 missewar. 132 vgl. Martin zu 
P 514, 17. 143 Für a.: almose zu lescni" 144 s. o, S, 99. 147 entvaldicheyt. 



141 



Tiy hercn, sevenleye is dat brot, 

l)at uns scal helpon ut der Dot; 
^ Dat nomc ik uch to latiiie, 

Als ik vinde an den boken mync: 

Materialis, spiritualis, sacra- 

mentalis, doctrinalis, peniten- 

cionalis, Sanctae operationis, 

5 ctcrnalis 

Set, dat erste is dat brot, 

Dat deme live hilpt ut der not 

Unde sterket minslik leven. 
Dat ander brot ys uns ghegeven 
I Spiritualis, 

Inde bet geystlik 

Ad dem dudesscben, dat sagbe ik. 

Dat schamede ys genslicb eyn doget, (2 I7r. 1 .) 

Leret gy de an juwer joget, 
9 Dat wart der sele grot ghemacb, 

Doget ys den sunden eyn slach. 
Sacramentalis : 

Dat dridde brot 

Is gut vor der sele dot, 
IB Dat gift vroude sunder spot. 

Dar van scrivet uns sulven got: 

Eyn levendich brot byn ik, 

Dat van dem hemele komet sek. 
Doctrinalis: 
B Oot is dat verde, 

Dat gift der sele bocb gheverde; 
Doctrinalis: 

Dat Bprikt de lere, 

r)ar van sage ik nicbt mere 
Den: wer got wil mynnen, 

De scal mit Witten sek vorsinnen, 

Dat he lere, wo he sek ove, 

Dat he sik an dogeden prove. 
Penitencionalis : 
5 Dit bedndet de waren ruwe, 

Dar up ik dusse rede buwe: 

Foerunt mihi lacrimae meae panes 

die ac nocte. 

Sas saget David de wise : 
Myne träne weren myne spise 

rnde myner sele eyn brot, 

Trane sint der sunae eyn dot. 

Van den tränen sprikt alsus 
^ De hilghe man Bemhardus — 
5 [Van der träne macht] 

Ik saghe nicht na wane — 

Sunte Bernhard sprikt: de träne, 

l>e ut ruwigem herten komen, 



Werven der sele groten vromcn. (217 r. 2.) 

Riiwich trän, dat rike is din, 200 

Du entslust der gnaden schrin; 

Ruwich trän, du vorwinnest, 

Den de gar unvorwinlik ist; 

Tran, du biddest Jhesum Crist; 

Ruwich trän, du bist so ghestalt, 205 

Du gheyst to godc mit ghewalt 

Unde stillest sinen groten tom; 

Tran, du vorlescest dat vorlom; 

Ruwich trän, wo kleyne du bist, 

Kumestu an eyn herte myt list, 210 

Du eukumpst nummer idel ut. 

Du erwekest lowen unde strus, 

Were noch so grimmich sin sede. 



215 



Vrunt oftu dyk nicht vorsinnest 

Gerne hedde ik to ende bracht. 

Wo so grot sin der träne macht, 

De dar here vleten ghetogen 

Van dem herten dorch de ogeu. 

Sunte Ambrosius scrift uns dat, 

Trane sunt van naturen nat, 220 

Dorch dat se afwaschen unreinicheyt, 

De an des mynschen liif ys gheleyt, 

Unde dopen anderstunt de sele. 

Ik tovede, of ik it vorhele, 

My saghede eyn meyster nicht eyn kint, 225 

De trän soltich van arde sint, 

Dorch dat se weder schowen de lust, 

De da kumt van böser kust. 

Ik saghe, dat ik daraiF weyt, 

De trän sin warm unde heit, 230 

Dat sundighe herte is kalt. 

So komet de trän mit ghewalt 

Unde irwermet dat herte, 

Dat van sunden leit de smerte (217 v. 1.) 

Unde was van ruwen al swar. 235 

De trän ys lutter unde klar, 

r>orch dat de sele werde irluchtet 

Unde an den ruwen irvuchtet. 

Dorch de werdighen macht 

Het der trän sulke kraft, 240 

Dar van de ogen werden nat. 

Ik saghe umme dat brot vorbat. 
Dat seste brot nome ik, als et ys, 
Panis sanctae operationis, 
Dat sprikt: dat brot der hilgen werke, 245 
Dar mede me de sele sterke. 
Ik wene, dat id dat sulve was, 



150 neme. ut. «. o. S, 100. 163 efi. 176 8. o. S. 96. 187 pacics. 199 
Verue = „werben, bittend erw,'' P 795, 9, vgl H 6240. 202 s. o. S. 96. 202 /. 
». 0. S. 105. 208 vorleschen vgl H 11607 m. Zs. 40, 98. 215 id. 217 vgl H 
5717,8 u. Freid. 35, 12 w. o. 223 a. d. st. = „abermals'*. 224 it fehlt; s. o. S. 98. 
228 bust (R); H reimt nur lust : brüst (7 X). 234 lit. 240 He. 241 worden. 
242 SteUung: v. u. d. b. 247 dar 8t. dat. 



142 



Van dem ik an den bokcn las: 

()l)eramini non cibum qiü perit. 
250 Arbcydet myt wervender list 

Spisebrot, dat unvorgenklik ys, 

So moghe gy myt heren scharen 

Dor de wostenige varn, 

De ys drier dachvart breyt; 
255 To Hclia wart ok siis gheseyt, 

Dar be slcp under einem bome, 

(Id onschach om nicht an eynem dromc) : 

ifllelia stant up uude et, 

Make van dinem brode dek bet, 
2G0 Dy kum eyn swar wech to banden." 

Dat sevede brot loset uns van scanden, 

Dat nenn ich, als id gheheten is: 

Panis eternalis. 

Dat sprikt dat brot der owicheyt, 
265 Dar van heft uns de scrift gheseyt: 

Beati qui manducant panem in 

regno celorum. 

Se sint salich unde rike, 

De brot eten in hemmelrike. 
270 Nu han ik ghar ghelesen, 

Sevenleye sy dat brot ghewesen. (217 v. 2.) 

We hcdde uns des bericht, 

Enhedde wy der wiseu nicht, 

Papen kregen to unseu vromen, 
275 Wen wy erst an de werlt komen, 

Papen kregen to unsen ende, 

Wenne wy scolen in dat eilende; 

Wy ghenesen eder sterven, 

So nekone wy nicht irwerven, 
2d0 Uns enkome der papen rat. 

Hir mede de rede eyn ende 

ilelp mi, wen so sik sceyde 

Min liiT unde sele beyde, 

Maria hemmelsche vrowe, 
285 Dat ik den prester beschowe, 

De mek gheve lovendich brot, 

Dat gut sy vor der sele dot. 

Ik weyt dat wol entruwen, 

Ete ik dat brot myt ruwen, 
290 My nemach schaden Sathan, 

Belfogor, Moab noch Belian. 

Dat sint duvelike namen, 

Des helpet my godes lichame. 



hat. 



Ik weyt wol, herrc Jhesn Orist, 
Dat dat brot din licham ys, 
Den an dem cruce vorbowen 
Man unde wyflf mochten schowen. 
Dat brot, dat ik hir entfe(ng), 
Is dat blot, dat ut dinem herten ghe(ng) ; 
Do du in dem cruce wordest wunt, 
Uns dot de scrift dat knnt, 
Du stundest nakct, cleder bar. 
Maria, quom ok sulven dar, 
Ik meyne to myner hinnevart 
Edele maghct van hogber art, 
Min trost an dy alleyne Ht, 
Lose mek van sorgen, des is tit, (218 r. 1.) 
Went du sachmodich eyn vrowe bist, 
So din sone Jhesus Crist 

So gheliket de ander salicheyt 
Sas de dar het sachmodicheyt. 
Sus hastu der salicheyt two. 

Ik gripe der dridden salicheyt to. 
To dem dridden male larde sus 
Dat volk de here altissimus, 
Als uns de wisen papen gent: 
Beati qui lugent [van der drofhetj. 
Wo scal ik den wisen luden 
Dat wort „lugent" beduden! 
Weyncn, droven han underscheyt, 
Sus ys my vorwar gheseyt. 
Dat bewiset uns aldus 
Eyn bok, dat het graecismus; 
Autem üeo cum lacrimas emitto, 
lugeo quando vultu tristis ero 
Ik weyne, wen myne wangen 
Mit den tränen sin bevangen; 
Gy heren, wen ik trübe, 
Went ik mit jamer claghe übe. 
Dus larde got sin kint, 
lle sprak: „selich, de dar drovich sint; 
Se scolen hir uppe der erden 
Unde an hemmele ghetrostet werden " 
Dorch wat bet uns got trorich wescnV 
Ich han doch an den boken lesen, 
Dat trorent hovetsundc sy. 
Ik saghe eyne stolte mere dar by. 

Absalom hadde eynen ratgheven. 



2*:i: 



?<Ni 



^5<>; 



SU- 



SI.: 



32( 



82o 



830 



3:15 



249 Joh. G, 27. 250 weuender (S). 251 spise br. 256 1. lieg. 19, 5. 250 
8. 0. S, 96. 262 menich: vieil. uom ich zu konj,, vgl V. 150. 266 huc. 14, 15. 
276 kome st. kr, 282 IJir mede wey so ik sceyde (K) «. o. 8. 105. 289 truwen 
vgl. Th 14. 291 su Beif. vgL 5. Mos. 4, 3 Baal-Peor u. Milchsack, Wolfenö. 
Faustb. S. LXXVI. 294 herte st. h. 3i)3 quam (Imperatin). 309 Hier eine grosse 
Lücke; von der 2. Se. nur die Schlu8svi\ 309-12 erh. 312 tw. 316 get s. o. S. 96 
u. Boethe ,.Reimvorrr* S. 38 Anm. 1. 320 h. ik u.; „ . . . sind von verschiedefiei- 
Bedeutung*^: vgl. 324/5 u. H 4543. 323 g^cismus des Eberhardus Bethunensis, 
cap. 16 V. 73: Tunc Üeo cum lacrimas emitto, lugeo vultum immanens tristem sed 
tristi maereo mente. 328 wen = conj. men, „aber''. 329 iamerclaghe. vgl H 3455. 
331 s. sin, de. 



143 



De was om Icff als siu cgcn Icven, 
1^0 It ging al dorch sioe hant; 

De was Achitophel ghciiant. 

To eynen tiden quam et so, 

Dat de koning sinen rat vlo (218 r. 2.) 

Undc lovede nicht siner rede. 
;4o Ik saghe, wat Acbitopbel do dedc. 

IIc begunde sere droven, 

Mit leyde Jammer oven. 

Wat hulpe, dat ik vorhcleV 

Hc heng sik myt eynem sclc 
;:iö I'orch leydc up oynen lioghen ast, 

IIc wart eren unde lives eyn gast. 

liCrde uns got, dat wy sus droven 

Lnde al sulken jamer oven, 

Dat wy uns hengen mit der wede? 
.r« Dyt troren gift der sele ueynen vrede. 

Me 8cal troren umme de sunde, 

Dat wort ik von gode künde, 

Also dede de wise koning David. 

Höret wat myn munt quit. 
\u) ik saghe de mere, als ik las. 
Eyn ritter de het Urias. 

Got hadde om gbeveu salden vil, 

Als ik ju bescheden wil. 

He droch sulven minnichliken liff 
>o Unde hadde eyn so ridderHkes wyff, 

Ore schone droch der mynnen vuch, 

Wat me van or salden wach, 

Dat was dar jeghen enwicht. 

Oot hadde or vorgheten nicht, 
}7o Ore antlat was eyn meyen blick, 

Ore oghen eyn hertevahender strik 

Unde mynsliker mynne eyn nette. 

Ik saghe, er ik dat vorgette. 

Mit der mynnen nette gevangen wart 
75 David de koning van hoger art, 

^0 dat om dat sulve wyff 

Levede so sines sulves liff. (218 v. 1.) 

Ore leve on so sere twank, 

Dat he vorgat eten unde drank. 
^0 Om enhalp nement, so me seyt, 

Weder got noch sin wysheyt, 

Ile enmochte dorch mynnen kummer doln, 

Om hadde bet voch vors toi n 

Ik meyne herte unde synne 



De sclione vrowe mit orcr mynne. 385 

Wat mochte der waren mynne son, 
David de koning, do tonV 
Scolde ou de mynne dodcn 
Mit also groteu nodenV 
Wo scolde he sin ding ancvan? 390 

Ik saghe, als ik ghelesen han. 
In den sulven tiden id so gheschach, 
Dat de koning orleges plach; 
IIc hadde eyn vast hus beleghen, 
So de vorsten noch vaken pleghen. 395 

Eynen breff de koning sande do 
Eynem riddere, ghenomet also. 
Also om de vader sin dep namen gaff. 
De ridder was gheheten Joab 
Unde was des heren hovetman. 400 

Wil gi boren, wo de breff began? 
„Dy enbot al leff' unde god 
Dar to eynen willighen mod 
David de vil edele koning. 
Joab schaffe alle myne ding, 4i 5 

Dat Urias der wäre helot. 
De to der manheyt was ghewclet, 
Kome in eynes stormes not, 
Edcr in eynem stride kese den dot.*^ 
Also de scrift vorgicht, 410 

Joab de enlet des nicht, 
He ensende Uriame in sulke not, 
Dat he an eynem storme kos den dot. 
Do dem koninge worden bracht der 
mere, (218 v. 2.) 

Dat Urias de helt dot were, 416 

De koning klagede in der stunde 
Uriases dot myt sinem munde, 
Unde was sin herte dar umme vro. 
Nach Urias wive sande he do 
Unde hadde mit or sinen willen 420 

Openbaren unde ok stillen. 
War umme scolde ik it beschonen? 
Se ghewan by om koning Salomonen. 
Over lange tit dar nach, 
Höret, wat koning David gheschach, 425 
Off ik rechte vorneme. 
Wo eyn stempne to om queme. 
Dar he lach an sinem ghemake 
Unde sprak: „koning David, wake, 



341 2. Beff. 16, 20. 343 2. Reg. 17, 14. 344 lovede = „vertraute", vgl 
Mariin P 499, 26 v. 2. Reg. 17, 23. 345 tophel. 353 an. 359 sprikt st q. «. o. 
S. 97. 860 Ik fehlt. 362 G st. Got. 365 redderlikes. 366 dorch. 366/7 Reime 
vertauscht: vgl. Zs. 40, 77 zu 3786. vug: H 5419. gewuk: 11 7360. tu dragen 
^'gl. Mhd. Wb, III, 69: fjhre Schönh. besass den Austand der Minne; was 
man über ihre saE^lde sagte, das war nichts dagegen. Vgl. P 187, 17. 370 blicht. 
371 vallender (R). 372 minne fehlt. 376 /. s. o S. 104. 380 nemet weder, 381 
noch /fÄft. 382 doln erg. vgl. W 371, 21 u. H Gloss. 396a 383 bet noch; bet: 
nd. Form für mit. Vgl. H 5419. 386 de st. der. 387 «. o. S. 125. 892 /. 
2. Reg. 1. 396 /. 2. Reg. 11. 402 De. s. o S. 104. 410 vorsieht s. o. S. 97. 
414 Do erg. 419 he fehlt. 420 vgl. Veld. En. F. 1917. 422 it fehlt, beschowen 
«. 0. S. 97. 423 2. Reg. 12, 16. 427 2. Reg. 12, 1. 428 Dat. 



144 



430 linde berichte my cyner mere, 
Sint du bist cyn recht richtcre: 
Id hadde eyn here scape mit gewalt, 
Ik enweyt wo mennich hundert getalt, 
Ik hebbe der tal scape vorgeten. 

435 Unde by om was eyn ritter gesetten; 

Ile sloch den armen ritter neder 

Unde nam om dat scap seder; 

Den rofT hadde he began. 

David, her koning, saget an: 
440 De dat dede, wes was he wert?'' 

„Sint du ordels hast ghegert/ 

Sprak David djs koning wise, 

„He scolde hangen up eynera rise; 

Mochte groter sin eyn not, 
445 De scolde he kesen vor den dof 

De stempne sprak: „dat is recht, 

Ik saghe dy eyne mere, dat is siecht. 

David, du bist de sulve man, 

De den roff hat ghedan 
450 An Uria, dem du den liff 

Nemest dorch sines sulves wifP." 

He swech; darna sprak he apenbar: 

„Vil hilghe liff, du saghest war. 

Ik biu de unsalghe man, 
455 De den rofT hat ghedan 

An Uria, dem vil soten; 

Wo scol ik de sunde boten? 

Vor war yo ys recht, dat 

Nu my dragen langen hat 
460 Darto alle gudo lüde." 

Dorch dat ik bedude, 

Grot ruwe hadde he bekort. 

AI wenende sprak he de wort 

Hen to synem schepper aldus: 
405 „Miserere mei deus, 

Barmhertighe got, gnade mich, 

Went du bist der gnaden rieh." 
Nu saghet my de synne myn, 

Sus heyt got dat volk drovich sin, 
470 Wente islik scal byuamen 

Sek siner missedat schämen. 

Also Adam de vil wise dede, 

Do he ghesundighet hedde. 

God sprak to om, alsus ik vornam: 
475 „Saghe, wor bistu komen Adam?" 



Ile sprak: „dyne stempne ik horde 

In des paradiscs orde 

Unde schamede mek der mere, 

Dat ik blot unde naket were; 

Des vloch ik unde hudde mek." 4.^ 

Also scal eyn yslik scamen sek, 

VVent he sundichliken dot. 

Vaderlike got, giff uns den mot, 
Dat wy vor sunden hebben swere. 
Ik saghe, dat Maria ok drovich w^crc, 4s> 
Nicht dorch keyn sundichlike dat. (2 1 9 r. 2.) 
Boret, wat an den boken stat. 
Dat scrivet uns alsus 
De hilghe man Anseimus: 
Ubi de peccatis agitur, de Maria nuUam 49 
penitus esse volo mcntionem. 
Wo me van sundecliken dingen 
Ju sprak, dar enhorde ik lesen noch singen, 
Dat Maria hadde neynen del, 
Se trorde umme unse heil, AW) 

Dat wy an des duvels twange 
Waren ghevangen so lange, 
Wente se ghebar uns to tröste 
Jhesum, de uns von droven irloste. 
Sus han ik de vrowen gheleyt •'>^*' 

Dar na sprak got, als ik vornam: 
ßeati qui esuriunt 
et sitiunt justiciam; 
Got larde de armen unde de vorsten: 
De umme de rechticheyt dorsten 5()fj 

Unde umme de rechticheyt hungerich sint, 
Dat sint salige kint. 
We gift eyn ünderscheyt, 
Wat dusse rede sy gheseyt: 
Dorsten unde hungergen na der rech- •'»lo 

ticheyt? 
Vorwar ik ghevo ein ünderscheyt, 
Gift my got myn here 
Sinen geyst, dat ik dar ghere. 
Mester Avicenna hebbe dank, 
De scrift: unser at unde drank '>l-"> 

Unde dat brode mensche leveu 
Geystliker wis is der sele gheven. 
Ir spise or gheistliken nar (2i9 v. 1.) 
Dat is rechticheyt, dat ys war, 
Unde ander tugede, de me hat. 52() 



432 m. or g. s. o. S. 102. 433 me nich. 435 Hier Lücke: 2. Reg. 12, 3. 
449 hat erg. 454 bin erg, 458 ,, Fürwahr, es ist gerecht, wenn mich jetzt die 
Leute darum hassen.*' 459 wy (R). 462 on st. he; bekart, s. o. S. 97. 475 wo^. 
480 huden nd. „sich verstecken'- s. Eoethe Iteimvorr. 94/5. 481 y. minsche s. 
484 hebbe. 486 Rieh: R u. N sind in F leicht zu verwechseln. 487 = 521. 
490 nulla. 491 penitus? 492 sunderl. dinge. 493 noch singen bildet in F eine 
neue Zeile. 495 unsen. 496 Dat > Dar? 500 gheleyt würde wahrscheinl verständ- 
lich aus dem zwischen 500/1 fehlenden. 501 Zu vornam wird justitiam das zu- 
gehörige Eeimwort sein. 503 justitiä fehlt hier und steht dafür in F vor Beati; 
hinter s steht dat sprikt. 510 In F steht in zwei Vv.: Na rechticheyt dorste got 
Uüd hungergen na d^ rechticheji;. got ist völlig unverständlich. 514 avistcfia. 
516 biode = panis oder broede. 520 tuge de. 



145 



Höret wat an den boken stat: 
non in solo pane vivit homo, sed 
in omni verbo dei. 
Dorcfa des ewangelisten munt 

5 Deyt uns got dusse rede kunt. 
Jo enlevede van brode nu eyne 
De minsche, he sy grot edef clcyne, 
He levet ok an godes worde, 
Of ik de rede rechte horde. 

Here, saghe, wat is rechticheyt? 
(ierne ik do hir eyn underscheyt. 
Got sprikt uns to eyner stunt 
Dorch des ewangelisten munt, — 
Habe ik de rede wol vornomen: — 

h Wer rechticheyt ensy bet vullenkomeu, 

' f»an der Phariseien undc der scriven, 



So moghe gy myt my nicht bliyen. 

Dat phariseien recht was hat; 

Unde der scriyen sik ok vorgat 

Eyn dorch sines tomes herten, 54( 

Dat he eynen sloch mit dem swerden; 

Dem wart to sinem unheyle 

Dat swert dorch wrake to deyle. 

Ore recht was sunder löge: 

Hant vor haut, oge vor oge, 

Ore lede vor de lede; 

Ore recht was toghedan dem vrede. 

My duchte, got hadde bat 

Der scriven recht ghenomet hat, 

Den he heyt eyn rechticheyt. 

Jo scal by rechte sin der baroiherticheyt 



545 



550 



VI. Leib nnd Seele. 



1 Nudns egressus sum de utero matris, 
nudus revertar illuc. (219 v. 2.) 

Ik kam naket van myner moder büke, 
Dorch recht ik weder naket struke. 

5 De scult hat ir wol vornomen, 
Dat wy mit sunden sint in dewerlt komeu. 
J[c svaren bort mv-ne, 
Kuroke ik; wy wal mit der moder pine 
Werden ghebom sus alghelike, 

10 Ik menc beyde arm unde rike. 
Jo 80 wundert mek eyner mere, 
Dorch wat mennich herte so sere 
Enweyt nicht, van weuncn he komen sy; 
Ik saghet om wol, is he my by. 

15 Nihil alind est homo nisi spcrma 
fctidam, saccus stercorum, esca vermiumet 
postremo pulvis et cinis (wat de 
Tnynsche sy unde scole worden), 
l'os scrift eyn meister an sinef lere, 

20 Dat de mynsche anders nicht were 
Wen eyn nnvledich sam. 
Wy werden uns alle sulven gram, 
Also« saghet my myn beste sin, 
Wiste wy, somlike beghin 



25 Uns erst to ghekoraen hat, 
fiy heren, mote wy uns bynamen 
Unser lives nature schämen, 



So mach unse Uff uns sulven leyden. 

Secht dat wil ik ju gar besceiden. 

De minsche is, als men uns seyt, «SO 

Eyn sak aller unreynicheyt. 

Dar na wert he den wormen eyn as. 

Van dem minschen ik vorbat las. 

He wert to lesten asche unde stoff 

Alse eynes gronen bomes loff, 35 

Dat eyn stormwint entnichtet ; (220 r. l .) 

Alsus bin ik berichtet. 

Sin bort wert mit groter pine. 
Mit Jammer ghan de daghe sine; 
Noch had he eyne sunderlike not: 40 

He mot sorgheii umme den dot. 
Minsche, de dar herlik verest, 
Saghe, wat du vor der bort werest 
Unde nu sist uude scalt werden 
Noch sulves hir uppe dusser erden? 45 
Off du myner rede neyne vorsmehest, 
Wor du eynen doden man sehest, 
Sprek to dinem ghesellen: „sich, 
Dat dusse was, dat bin ich; 
Als he nu lit in der erden, 50 

Scal ik an korter tyt werden.^ 
Scal de selo dort pine entfan, 
Dat her de liff hat missedan? 
Ja se mot id vil dure iramen. 
Des wil ik de guden warnen; 55 



521 = 487. 522 Luc. 4, 4. 526 nu = nie. 535 sy. Matth. 5. 20. 536 de st. 
der. 538 dat a^ hat. vgl 544. 539 Un. de (R). 544 8. o. S. 97. 545 vorhant. 546 lede » 
leid: vulnns pro vulnere, livorem pro livore 547 r'cht. vrede ist vreide. 651 r'chte. 

3 live verseht, aus buce (büke) desgl. 4 strive aus struce, vgl H 1640. 
5568. 7520 u. P 638, 1. 572, 21. d\ 7/8 (R). 7 unde pine st. mvne. 8 Roke 
«t. Enr. vgl Th. 175. wil st. wy. myne st. p. 13 he fehlt. 18 unde fehlt. 
23 «. 0. 8. 107. 24 Lücke? vgl Th 198. 28 „So kann unser Leib uns selbst 
rerhasst werden." 30 is fehlt. 36 cntmechtet, s. o. S. 106. 38 wort. 42 berest 
«• 0. S. Iu6. 46 vorsmahest. 47 saghest. 53 he dy. 54 irarmen. 

Nisderdentsohaa Jahrbuch XXX. 10 



146 



War umme sint der sele is leyt, 
Dat dat liff misdot, so me seyt? 
Liff unde sele samen ys eyn, 
So de sunne, de hüte scheyn, 

CO Unde vorwandelt doch dicke 
Sines lechten schines blicke; 
Also dot de dot unser leven, 
Dat uns allen got hat ghegeven. 
Dat liff unde sele syn eyn, des 

65 Hat my berichtet Aristoteles, 
De wyse meyster unde kloke, 
De uns scrivet alsus an dem boke: 
Quorum unde praeter altenim utro- 
bique tantum unum, dat sprikt, 

70 Aristoteles scrift uns an sinerlist: (220 r. 2) 
Wor eyn ding si, dar dat ander ist, 
Dat dar sy an beyden halven eyn, 
Liff unde sele alsus my irscheyn. 
Dat liff gaff uns dor de sele got, 

75 So scaft de sele dor dat liff an dem bot. 
Sus sint de twe eyn ghcworden, 
Se draghen ok büken eyne borden. 
De minsche hat twe stucke, den gcist, 
Dat liff, of du dat nicht weist. 

80 Van dem geyste sy wy undotlik 



Den minschen bescreff uns alsus 
De wise meyster Boctius: 
Homo est animal rationale partem 
mortale partem immortale. 

85 boetius sprikt, de mynsche sy 
Eyn der, dem rede wonet by 
Unde eyn deyl sterfiik sy, 
De ander del des dodes vry. 
Kyn rede ik wil orkunden: 

90 Van dem vlesche kumt de sunde; 
Dem geyste is dat jummer Icyt, 
Dat dat liff missedot, so men seyt; 
De twe hebbcn mennigen groten strit, 
De is ghewesen von anbeghinne der tit. 

95 Volghet de gheyst dem live icht mede, 
So vulbringet dat liff sine scde. 
Des lives orde also stat 
Als cyns scalkcs, dem me lat 
Eyn vinger bret, de tohant 
100 Wil hebben so breyt also eyn haut. 

BERLIN. 



Van dem stride mach dat liff 
Spreken, it sy man eder wiff. 
Als ik han ghehort vil e: 
Filii matris meae pugnavenint (220 t. 1.) 
contra me. 105 

Dat sprikt: myner moder kinder 
Anvechteden mek so de rinder. 
Saghe, liff unde sele vorwar, { 

Sint de twe eyn also eyn har, 
Off se den eyn eynich dot sceydeV lln 

Ik meyne liff unde sele beyde. 
Jo doet irscheiden all ein re: 
Ik saghe, als ik id vorste. 
Eyn bok ik negest umme kerde 
Unde las, dat nu schedcn so herde 115 

worde, so dat is an der quele. 
Dar sek scliedet liff' unde sele. 
De sele dorchsoket alle ledc, 1 

Iclit se iergen rowen myt vrcde ' 

Moghe, eder van ghewalde l'2( 

Vinden eyn let, dat se euthalde 
Do soken ok ut unde inne 
Des minschen viff sinne, , 

Of so iergen vinden schür. ! 

Dat sokent wert dem live sur, 12ri 

De sele drivet dat jammer grot, 
Se secht myt des geystes ougen blot, 
War an dem live hat missevam, 
Se sccht bydenthalven sek scharn 
De cngelc unde de duvele rote — 130 

Dar ys Sathan de sunde tote — 
De zu scharn geyn eyn ander blicken; 
Des mot de sele sere irscrikkeu, 
Sc lidct sorghe unde angest grot. 
Do wart dem live mannich stot, 135 

Kr dem erghe ire not. 
Dar dat lyff keset den dot. 
Dat haben vele lüde dicke gescn, 
Da minslich sterven is ghcschen. 
Hir heft dat dichte eynen ende. (220 v. 2.) IM) 
Got vore uns ute dussem eilende 
In sin ewighe rike, 
Dat wy besohowen alghelike 
Jhcsum Christum, unsen trost, 
De uns van dem duvele hat irlost. 145 

F. Breuckep. 



56 id 8t. is; vergl 91/2. 60 doch entstellt aus och? vgl H 6524. 61 Sine, 
schines fehlt, vgl II 6525 u. Zs 40, 67 eu 833. 68/9 ? 70 s. o. S. 107. 71 si erg. 
75 vn ghebot. s. o. S. 106. 79 Vor icht steht durchslr. n. 80 «. o. S. 106. 85 
mynsche übergeschr. über durchstr. meyster. 8. o, S, 84. 86 rede = ratio. 87 der 
=* Tier. 89 orkunde. 93 me nige. 95 ichtmode (S). 96 sine fehlt (S). 97 steyt, 
davor durcf^tr. stat. 98 leyt «. o. S. 106. 105 ^iVi^er me: dat sprikt. 107 Vechteden 
mek; über mek steht weder; vgl. H 8966 u. o. S. 108. 112 allcnt le s. o. S. 106. 
113 my st. id: ä. o. iS. 108. 115 nu =? „nie'*, 116 id st. is: ,,Da8s Scheiden nie 
so hart würde, wie das in der Toflesqual, wo sich Leib u. Seele scheiden." 119 rowe. 
120 eü. let = Glied. 122 De soket. 127 my de geyste 129 scharen. 132 an vor 
eyn. 136 Eyr. er ghe. 139 Der st. Da, undeutlich.' ghesen. 



147 



Zu Meister Stephans Sehaehbuch. 



1. Dat hoek schal wesen en boek der sede 
Unde ok (/er yuden werke mede, 

Den eddelen luden dat trol mach fernen 

Dat spi/lj rnde dar-by merke nemen, 

Wo dat se . . 29—33. 

Nach ScHLüTKR (im Glossar) stände dat in V. 31 proleptisch, 
„(las nachfolgende Subjekt (dat spt/l) hervorhebend". Es ist aber 
kein Pronomen, sondern die Konjunktion, welche eine im älteren 
Deutschen und Englischen nicht ungewöhnliche Stellung einnimmt: 
ein Teil des Satzes ist dem einführenden Worte vorangestellt. Also: 
„(lass das Spiel den edeln Leuten wohl zieme, und [dass sie] u. s. w." 
Dieselbe Konstruktion findet sich in V. 503: 

Dt/t is ivol recht, na dysser wyse 
Dat syk en yeu'elyk rarste pryse, 

\\o RniLOTER die ^eigentümliche, wol durch den Reim veranlasste 
Stellung" erwähnt. Aus dem Mittelenglischen kenne ich Hunderte 
von Gegenstücken. In Paradise Lost steht: 

who Jirst tanyht fhe chosen seed, 
In the beyinniny how fhe heavens and earth 
Hose out of chaos 1: 8 — 10. 

Ähnhch 1 : 611 u. s. w. 

2. Und er allen werken ist 

En bosheyt — des by-steyt ms er ist — 
Sf ranne en dorch sinne missedaet 
Ane Trachten yode ror-swaet 43 — 4G. 

ScHLt^TER übersetzt bt-stdn zweifelnd mit „zugestehen". Ich 
möchte lieber, obschon auch zweifelnd, das gewöhnliche „beistehen" 
behalten, und zwar in diesem Sinne: „hier ist Christus unsere Stütze", 
<1. h. wir können uns in diesem Falle auf Christi eigene Worte 
berufen, z. B. im Gleichnis von den Weingärtnern, welche ohne Furcht 
die Boten Gottes misshandelten und „geschmäht von sich Hessen". 

3. De ludsy de mit eren sinnen 
Doeyhet rnde ere mit rlite menen, 
Mer alle dayhe mit ratsche dencken. 
Wo se den yhenen wedder krencken^ 
De Sß myt truwen dat beste leret 

10* 



148 

Unds van den vnweghen kerety — 

De mach neronem uesen ghelik, 

De üinen meynter dogheden rik 

Senecani gaff in den doet, 

De eine doghet vnde ere hoet 49 — 5.S. 

Die ersten Zeilen scheinen unbegreiflich. Wie kann jemand 
„Tugend und Ehre im Sinne haben*' (Schlüter), und doch mit 
Falschheit denken, wie er u. s. w.? — In einem andern Zusammen- 
hange macht dasselbe Wort wieder Schwierigkeiten: 

He (die Burgfrau) leet to deme koniughe n/den 

Unde eme rraghen smuler nf/den^ 

Efte he se wolde to wyue nemen. 

He wolde dat volck also vor-vemen, 

Dat dar irere vp deme eastele, 

Dat id em trorde al to dele. 

Dar iouede de koning rnde mror, 

Men gaf de horch deme koninge rar 

Mgt den sinnen al dar-in, 

Dar he rant vil gut ghewgn 1039 — 48. 

Schlüter nennt die Stelle ;,unklar* und schlägt vor, statt sinnen, 
vinneti zu lesen. 

Ich bin der Ansicht, dass in dem zweiton Zitat ein Maskulinum 
sinne -=: Binde, „Gefolgsmann^, „Diener*', „Mann*', vorliegt; vgl. mhd. 
gesinde, m., isl. sinni, m., mit derselben Bedeutung. Das stimmt auch 
mit V. 1042 f. gut überein. P^ine andere Frage ist es, ob dieselbe 
Erklärung auch für das erste Zitat möglich sei. Es hiesse dann: 
die Leute, die bei ihren Untergebenen allerdings Tugend und Ehre 
sehr lieb haben, aber selber keine Belehrung dulden, sondern heim- 
tückisch demjenigen nach dem Leben trachten, der sie zu verbessern 
sucht. 

4. De man in mgnnichliker done 

To ghaste bot des kegsers sone 839 — 840. 

Mit Hinweisung auf hat to gliaste 4177 schlägt Schlüter vor, 
l}ot in Ijat zu bessern. Beide Verben waren in derartigen Verbindungen 
geläufig, ganz wie die mittelengl. heden und hidden, die altschw. 
bin^a und bi^ia u. s. w. 

5. De in der werlde nu so dede 
Unde na der uiszhegt also frede, 

Den scholde men rnder sgnen ghesel/en 
Dicke cor enen doren teilen 1304 — 07. 

„dicke, adv. oft; 1367 würde die Bedeutung ganz und gar 
besser passen, oder leichtlich; ähnlich auch 3012." Schlüter. 
Selbstverständlich heisst dicke wie im Mhd. zunächst „oft**, dann 
^jimmer". Schlüter selbst sagt von seiden und klene: „durch eine 



149 

gewisse Ironie nie und gar nichts.^ Auf die zahlreichen ausser- 
deutschen Parallelen (altengl. oft, isl. opt u. s. w.) braucht wohl 
kaum hingewiesen zu werden. 

6. Doch bitt he van deine koninghe leyde 
Umle wolde em dumon selten to pande, 
Dat he mochte vuren to lande 

Unde schicken stjne dynghe 1594—1)7. 

He (der Zöllner) schal de lade ivol berichten ^ 

De ene na vromeden stucken vraghen 

Unde ere gud to lande waghen 4G45 — 47. 

Schlüter übersetzt to lamle: „über Land^. In dem ersten 
Zitate heisst es „nach dem Vaterlande^, „heim*'; vgl. mhd. ze lande 
rurn Tristan 2: 1421, Parzival 2: 1183. In dem zweiten: „in das 
Land* (über die Grenze u. s. w.). 

7. Alle tcinninge schal syn gemeyne 
Und er den rid deren sunder alleyne 
De uripen, de se besundergen iceruen, 

De scholen by en besundergen steruen 1655 — 58. 

Schlüter übersetzt die letzten Worte: „mit ihnen zu Grabe 

getragen werden (?)^. Wie das mhd. sterben und das mnd. bester ren 

heisst es wohl „sich vererben^, also „Privatbesitztum werden (das 
in ihren Familien bleibt)*'. 

8. Aldus ridder ioab dede 1837. 

Aldu4$ heisst natürlich „ebenso^, ^so*. Warum es hier „die 
Bedeutung von wie zu haben scheint*', begreife ich nicht. Die Wort- 
stellung soll doch wohl kein Grund sein? Sogar in Prosa finden 
wir: Aldus hertich uilhehn . . unde de anderen heren thoghen toruggke 
Lüb. Chron. II 34: 1, u. s. w. 

9. Dat men se scholde s und er borghen 

To haut myt euer linen worgen 2053 — 54. 

„borge, f. Aufschub . .; die schwache Deklination erklärt sich 
aus dem Reim; oder soll es bedeuten: ohne Bürgen, ohne Bürg- 
schaft?*' Schlüter. — Warum nicht substantivierter Infinitiv? 
Vgl. dat speien 4919. 

10. Do qiuim de koning ende sloch se (die Mücken) uff, 
Dat se stouen alse en kaff. 
De man sprack den koning an, 
Wor-nnme he dat hadde ghedaen 
De mugghen, de dar weren rloghen 
Unde al rede weren vul ghesoghen — 
„Unde en beten my nicht mere . . ." 2227 — 33. 



150 

Wenn man, wie Sprenger Jahrb. XIV, 154 vorschlägt, statt 
ünde in dem letzten Verse De liest (also nacli (fhedacn 2230 einen 
Punkt setzt und die direkte Rede mit 2231 anfangen lässt), wird der 
Satzbau sehr einfach. Eine Möglichkeit wäre jedoch vorhanden, 
ohne der Sprache oder dem Sinne Gewalt anzutun, den Text un- 
verändert beizubehalten. Diese Möglichkeit habe ich durch die obige 
Interpunktion ausdrücken wollen. Die Worte dat . . glmhien hiessen 
so viel wie äff gheslaghen. In der letzten Zeile spränge die indirekte 
Rede, wie oft in älterer Literatur, plötzlich in direkte Rede über. 

11. Do se (die Unzufriedenen) des honinyes wysheyt horden, 
Kre herte se myt viisten rorden 

Unde V eilen in gnaden 

Unde leten vort den koning raden 2259 — 62. 

Im Glossar steht: „nahmen ihre Zuflucht zur Gnade (?) oder 
fielen zu Füssen (?); vgl. mhd. an sme venje Valien^. — Entschieden 
das letztere. Venie auch im Mnd. ; vgl. LüBBBN-WATiTHER \Vb., 
Leitzmann Gerh. v. Minden (Halle 18ü8) S. 281, Kück Wolfenbütt. 
Benediktinerregeln (Wolfenbüttel 1903) S. 122 {sick strecken in de 
langhen venien, prostratus jacere). 

12. Xu ml ik scriuen ran der rynnen, 
De vor deme riddere sfeyt rnhynnen 

To des koninges vorderen hant 2637 — 39. 

Vnhynnen ist dem Verf. des Glossars unbegreiflich geblieben. 
Es ist jedoch recht einfach. In dem dritten Buche, von den Bauern, 
wird zuerst über den [rechten] Turm-Bauer gehandelt, der ja auf 
der äussersten Reihe des Schachbretts steht. Innerhalb, auf der 
zweitäussersten Reihe, steht der Springer-Bauer. (Nebenbei sei be- 
merkt, dass riddere ^Springer^ heisst; aus Versehen steht im Glossar 
nur „Ritter".) 

13. He (der Schmied) schal in siner vorderen hant 
Hehhen enen hamer, ane quant 2647 — 48. 

Die gesperrten Worte dürfen gewiss nicht mit ;,nicht zum Schein" 
übersetzt werden. Sie sind formelhaft und mit ane list, sunder wan 
u. s. w. zu vergleichen, also: „wahrhaftig", „gewiss", „sicherlich" 
(halb pleonastisch). 

14. 0, dede men nu also in der werlt, 
Mennich seghel worde also gheverlt, 
Dat dat gynghe sinen ganck 

To rechte sunder nindes dwanck, 
Dat nu moet krupen in den loef, 
Des menneghen hüte is behof 2953 — 58. 

„In den loef krupen, gegen den Wind ankämpfen." Schlütkr. 
„Der Gegensatz des Laufens unter nicht gerefften Segeln ist aber 



151 

nicht völlig klar, denn das Schiff mit Yollen Segeln an den Wiud 
gebracht kriecht nicht, läuft aber Gefahr im Sturm zu kentern." 
Kbausk Korr.-BI. XIII, 5. Ich habe mir eine andere Erklärung 
gedacht, weiss aber nicht, ob meine eigenen Erfahrungen aus der 
Schulzeit hier verwendbar sind. Wenn wir in unsrem kleinen Segel- 
boote den steifen Wind nicht länger aushalten konnten, pflegten wir 
das Boot ganz gerade gegen den Wind zu steuern — wobei das 
Segel locker flatterte, und das Boot nur noch einige Meter weiter 
j,kroch^ — um das Segel herunterzunehmen. Also: mit einem ge- 
reiften Segel hätten wir weiter fahren können; so aber mussten wir 
„krupen in den loef^. 

15. Ghmcheyt dat ht en ff her e: 

Jo men dar waters in ffhut were, 

Jo id sik den wateren bat sere 3445 — 47. 

^Habsucht ist ein Stück Zeug (?)". Schlüter. Nach Korr.-Bl. VI, 71 
heisst der Stadtgraben an der östlichen Seite von Stralsund, welcher 
zur Aufnahme vieler unsauberer Flüssigkeiten diente, der Gierffraben; 
im 15. Jh. wurde er de ffijr genannt. Vgl. altfrics. yere^ Jauche, 
u. s. w., Korr.-Bl. VII, 6. Bis dass ich eines Besseren belehrt werde, 
übersetze ich hier ykere mit ^Abzugskanal^, ;,Kloake". 

16. De (den Bauer vor dem linken Läufer) wil ik enem 

taueniere 
LikeHj myt enem herber ff here 4031 — 32. 

Ich setze das Komma nach Liken, um meine Auffassung der 
Stelle anzudeuten. Die Präposition myt ist nicht von dem Verb liken 
abhängig; bei diesem Verb steht regelmässig der Dativ, um zu 
bezeichnen, womit man jemand vergleicht; so auch in V. 4032. 
Myt ist comitativ und heisst ^nebst", oder, wenn man so will, ;,und". 

17. t>e mochte dicke de yenne vor-nemen. 

He schulde sik rrnchten vnde Schemen 4478 — 79. 

Was das Glossar bietet (de yenne = mancher) ist sprachlich 
nicht exakt, obschon die Bedeutung des ganzen Satzes ist: diese 
Warnung vernähme wohl mancher, der sich fürchten und schämen 
würde. De yenne heisst „ein solcher*', und dicke heisst hier „oft" 
(nicht „stets**; vgl. Nr. 5). Um den hier vorliegenden Zusammen- 
hang der Sätze auszudrücken, benützt das Niederd. vier Konstruk- 
tionen, welche, in die Sprache Stkpiians gekleidet, so exemplifiziert 
werden könnten: 

a. alsnfke lüde, dat sik Schemen schulden (Konjunktion); 

b. afsn/ke hule, dat se sik Schemen scholden (Konj. -+- Personale); 

c. ahulke Inde, de sik Schemen scholden (Relativ); 

d. alsulke hide, se scholden sik Schemen (Personale). 

Die erste Konstruktion kenne ich nur aus dem And. (Hei. ed. 
Heyne 1658, 4247, 5011, nach meiner Auffassung auch 26). Die 



152 

zweite und die dritte sind die gewöhnlichsten. Die vierte ist hier zur 
Anwendung gekommen. Ein anderer Beleg ist der folgende : Ok vi/nt 
me wol alsiilke Itule, se snyden'n (den Hut) in stucke utid mengen* n in 
krude Jahrb. II 55 : 38. 

18« So hilft diit ryke al niffhedeylet 
IJude dat gud al vnghetveglet, 
Unde sinen namen beholt dnt rike 
Myt anderen heren al ghelike 52G8~71. 

Die Stelle wird im Glossar (unter mit) als ;,unklar^ bezeichnet. 
Ich übersetze sie: (Wenn die Diener des Königs überall uneigennütz 
handeln,) ;,so bleibt das Reich ungeteilt . . , und das Reich behält 
seinen Namen (seinen guten Ruf, seine angesehene Stellung) unter 
anderen Herren (Reichen) zugleich*. Reich und Herr (König) werden 
hier gewissermassen identifiziert. Der Dichter selbst scheint eine 
Motivierung des Ausdruckes für nötig gehalten zu haben; er fügt 
darum hinzu: 

Wente de koning ins en here 
Unde en honet, myt g roter ere, 
Alle ainea koningrikes, 

19. Ifir-nnme, myt deme ersten toghe 
Mach he, rolghen in sinem r log he) 

Uppe de drudden linien springhen 5418 — 20. 

Vgl. Korr.-Bl. XIV, 4 (falsch ist XIII, 94). Dass in V. 5419 
ein Fehler steckt, ist recht wahrscheinlich. Unbedingt notwendig ist 
jedoch diese Annahme nicht. Das schwierige volghen steht vielleicht 
für volghende; vgl. Redent. Osterspiel 84 Aum., Wolfenbütt. Benedik- 
tinerregeln 23, 7 (mi/^ na-volghen voten) u. s. w. Der Ausdruck 
„folgend*' wäre insofern berechtigt, als ein Bauer doch stets zuerst 
hervorrücken muss, bevor der König von der Stelle kann. 

20. Holt he (der König) sine nidersaten cor nicht, 
It sehnet vil dicke, des sit hericht, 

Wanne se scholen niesen vlugghe, 

Dat se keren achter rugghe 

Unde laten den heren in der not. 

Dar he moet knmmer liden grot. 

„iSpreck des landes koninge to!" 

Wanne de here denne steyt also, 

Dat he . . 5482—90. 

Die Interpunktion soll ein Erklärungsversuch sein. Im Glossar 
steht für V. 5488 bloss ein Fragezeichen. Selbst habe ich die Stelle 
lange für verzweifelt angesehen. Sollte wohl V. 5488 als ein Ruf 
gemeint sein, der aus dem feindlichen Heere herüberschallt? -^ ein 
Ruf des feindlichen Königs zu einem seiner Mannen (denn selbst 
kann er es ja nicht tun): ,Gieb des Landes König Schach!* Wegen 
to-spreken, ^^zureden*, für ^^Schach bieten* vgl. 5460 — 63: 



153 

Uppe des siilueu schakes speie 
P/echt men ok to spvekende vele: 
„Sclmek, liere koning, here gud!^ 
So spreckt de koniny wedder: „biit!^ 

21. Ik ne mene de heren Glicht, 
De ere lade myt rechter plicht 
Dwingeiij eren vnde voren, 
Unde vnrechticheyt vor-storen. 

Ik mene de yenne, de . . 549G — 5500. 

„Die Stelle ist, wenn man eren hier = eren, *eliren\ nimmt, 
unverständlich. Auch voreri passt in der Bedeutung 'führen' nicht in 
den Zusammenbang. Sollte es zu vore^ 'Furche', gehören?* Spkknoer 
Jahrb. XIV, 155. Schlüter Korr.-Bl. XIV, 6 gibt ihm im ganzen 
recht, fügt jedoch hinzu, dass i^oren vielleicht „Mist fuhren* bedeutet. 
Wie schön, wenn ein König die Bauern zum Mistfahren zwingt und 
— die Ungerechtigkeit niederschlägt! Das Verb dtdngen steht indessen 
bei Stephan nicht mit reinem Infinitiv; nach V. 2182b, 2194 zu 
urteilen, müsste es hier heissen: dar-to duingen, dut se erefi vnde voren 
oder ähnl. Ich übersetze nach wie vor: „ich meine die Herren 
nicht, welche ihre Leute mit gerechter Verpflichtung zwingen, sie in 
Ehren halten und leiten, und Ungerechtigkeit niederwerfen; ich meine 
diejenigen, die u. s. w.^ Wer etwa meint, „ehren '^ sei kein an- 
gemessener Ausdruck, wo es sich um das Verhältnis des Lehnsherrn 
zu seinen Untergebenen handelt, vergleiche eine andere Stelle bei 
Stephan, wo dasselbe von dem Herrn der Herren gesagt wird (2477) : 

God ere den giiden acker-man, 

De desse mod^r (d. h. die Krde) onen kan! 

Recht überzeugend wirkt auch eine den besprochenen Zeilen sehr 
ähnliche Stelle (2959—63): 

Ik mene nicht de giiden heren, 
De ere dynge hanteren myt eren. 
De ere scriuere dur-to holden, 
Dat se yo des rechten ivolden, 
Ik mene de u. s. w. 

22. Wor-vmme dat se, de rechten saken 
Uli ik iw nii kundich maken 551G — 17. 

Das heisst: ^den rechten Grund, warum es so ist, will ich 
u. s. w.*' (also nicht: „warum das das Richtige ist, will ich u. s. w."). 
Die Wortfolge hat wieder den Herausgeber des Glossars verleitet. 
Vgl. Nr. 1 und die Wortfolge in: Des koninges sere to vnvrome 5571; 
Do he . . de[n] schonen Hadde uorslaghen absolonem 1841 f. 

LUND, im Juni 1904. Ernst A. Kock. 



Verzeichnis 
der Mitarbeiter und ihrer Beiträge 



in Bd. I-XXX. 



Adam, K., in Grcifswald. 
Nd. Ilochzeitsgedicbte des 17. 
u. 18. Jahrh. aus Pommeru . 19, 122 

Aiiz, H., in Barmen. 
Broder Rusche 24, 76 

Babiicke, H., in Königsberg i. P. (f) 
über Sprach- und Gaugrenzen 

zwischen Elbe und Weser . 7, 71 
Weiteres über Dialekt- und 

Gaugrenzen 14, 9 

Spieghel der zouden . . . . 17, 97 

Bänmker, W., in Rurich. 
Mnl. Sprucbdichtungen . . . 13, 101 

Bartsch, K., in Heidelberg, (f 20. 
Februar 1888.) 

Mnd. Osterlieder 5, 4G 

Latein isch-niederd. Hexameter 5, 55 

Marien-Rosenkranz . . . . 6, lüO 

Klosterallegorie 11,128 

Zwei nd. Hymnen 11,133 

Sündcnklage eines Verstor- 
benen 11, 136 

Lat-ud. Gedicht 11,137 

Beclisteiii, R., in Rostock, (f 5. 
Oktober 181)4.) 

Der Heliand und seine künst- 
lerische Form . . . .10,133 

Excurs. Zur Reimbrechung 

im Heliand 10, 142 

Beck, H., in Nordsteimke. 
Idiotikon von Nordsteimke bei 

Vorsfelde . . . 23,131. 24,113 

Bernhardt, J., in SoHngen. 
CUückstädter Mundart . 18,81. 20,1 
Maurmann, Mundart von 

Mülheim (Anzeige) . . .26, 154 
Zur Syntax der gesprochenen 

Sprache 29, 1 



Bolte, J., in Berlin. 
Das Berliner Weihnachtsspiel 

von 1589 9, 94 

Nd. Übersetzung von Naogeorgs 

Mercator 11, 151 

Rists Irenaromachia und Pfeif- 
fers Pseudostratiotae . . . 11, 157 
Naogeorgs Mercator polnisch 11, 176 
Hans unter den Soldaten . .12, 130 
Laurembergs handschriftlicher 

Nachlass 13, 42 

Liederbuch des Fabricius . . 13, 55 
Der Jesusknabe in der Schule 14, 4 

Weinprobe 14, 90 

Nd und nl. Volksweisen . . 18, 15 
Zum Crane Bcrtholds von Holle 18, 1 14 
Warnung vor dem Würfelspiel 19, 90 
Spottgedicht auf Kölner Advo- 
katen 19, 163 

Trinkerorden 19, 167 

Der Wegekortcr 20,132 

Zu der Warnung vor dem 

Würfelspiel 21,144 

Ad Puschmann, Die Pomern 

mit dem Pfaffen .... 22, LoO 
Märkisches Ilochzcitsgedicht . 24, 143 
Eine ndd. Scene aus Gulichs 

Antiochus 28, 52 

Borchliiig, V., in Uöttingen. 

über mnd Handschriften des 
nordwestlichen Deutschlands 23, 103 

Die ndd. Litteratur Ostfries- 
lands 28, 1 

Ein prosaischer nd. Totentanz 

des 16. Jahrh 28, 25 

Sundermann, Ortsnamen 
Ostfrieslands. (Anzeige) . 28, 156 

Brandes, H., in Berlin. 

Zur mnd. Visio Philiberti . . 7, 24 

Zum Mühlenliede 9, 49 

Der guden farwen kraus . . 10, 54 

Jesu Namen 11, 173 

Guido von Alet 13, 81 



155 



Kleine mnl. Dichtungen . . 13,111 
Rollenhagens Froschmeuseler 
und die protest. Glosse zum 

R, V 14, 1 

Zur Geschichte der Leberreime 14, 92 
Botes Boek van veleme rade 16, 1 

Bremer, 0., in Halle. 
Föbringer Plattdeutsch . . . 12, 123 
Einleitung zu einer amringisch- 

fuhringischen Sprachlehre .13, 1 
Zum Amringisch-Föhringischen 14, 155 
Zeugnisse für die frühere Ver- 
breitung der nordfr. Sprache 15, 94 
Pehlwormer Nordfriesisch . . 15, 104 
Anzeige 16, 161 

Breneker, F., in Berlin. 
Gedichte Brunos von Schone- 
beck 30, 81 

Breal, K., in Cambridge. 
Zu Pseudo-Gerhard von Minden 15, 78 

Breasinff, A., in Bremen, (f) 
Die Sprache des deutschen 
Seemanns 5, 1. 180 

Buiteurnst Hettema in Zwolle. 
Keimsprüche der Vögel . .11,171 

Carstens, H., in Dahrenwurth. 
Dat Boddermaken .... 4, 87 

Dei Uaufini 6, 119 

Dat Broudbakk*n 6, 121 

Kinderspiele aus Schleswig- 
Holstein 8, 98 

9,60. 10,49. 13,96. 26,124 

Dat Bosseln 10, 52 

Idiotismen aus Eiderstedt 27,57. 29,36 

Dat Törfmäkcn 27, 61 

De Kantüffelbu 28,116 

To KÜSS 30, 76 

Sprichwörter und Redensarten 30, 78 

Chemnitz, E., in Hamburg. 
Die nd. Sprache des Tischler- 
gewerks in Hamburg und 
Holstein ....... 1, 72 

Crecelius, W., in Elberfeld. (f 13. 
Dezember 1889.) 
über die Greuzen des Nieder- 
deutschen und Mittelfrüü- 

kischen 2, 1 

Bibliographisches 3, 183 

Antonius Liber von Soest als 

Grammatiker 4, 1 

£88ener Glossen 4, 44 



Recepte für Bereitung von 

Kräuterbicr 4, 89 

Amt Buschmaon 7, 70 

Nd. Rechenbücher .... 14, 98 

Crull, F., in Wismar. 
Die Buchstaben und H in 
Wismarschen Stadtbüchern 
usw. des 14. Jahrb. ... 3, 1 

Calemanii, F. 6. H., in Hannover, 
(t 6. Dezember 1886.) 
Lobgedicht auf die Stadt Braun- 
schweig 1, 56 

Dahlinann in Leipzig, (t) 

Die English Dialect Society . 1, 116 
Nd. Bibliographie für d. J. 1874 

und 1675 1,119 

Nd. Bibliographie für d. J. 1876 2, 153 

DamkShler, E., in Blankenburg a. IL 

Zu Gerhard von Minden . . 13, 75 

16,139. 19,111 

Diele, delc, däle 15, 51 

Zum Sündenfall 15, 79 

Regenstein, Reiustein, Reinke 17, 136 
Zu Botes Boek van veleme 

rade 19, 109 

Zu Reinke Vos 21,123 

Zu Valentin und Namelos . . 21, 125 

Zum Sündenfall 21, 126 

Zu Konemann 21, 128 

Die Eis- und Weinlinio von 
Bettiugerode bis Neindorf 
und Wenkers Sprachatlas . 22, 134 
Zu Wenkers Sprachatlas . . 27, 142 
Zum Braunschweiger Schicht- 
spiel und Schichtbuch . . 29, 123 
Die Präposition von in der 
Müncheuer Heliandhand- 
schrift 30, 74 

Deiter, H., in Hannover. 

Ein lateinisch-deutsches Gebet- 
buch des 15. Jahrb. ... 4, 62 

Tractaet iuholdende vele koste- 
lycke remedienoft'medecynen 
weder alle krancheyt der 
Peerdea 6, 74 

Der Appingadammer Bauerbrief 
vom 2. Juni 1327 in nd. 
Übersetzung 7, 18 

Dat waterrecht nach einer Em- 
dener und Auricher Hand- 
schrift 7, 34 

Dat Seentrecht der 7 Münster- 
scheu Probsteien in Ost- 
friesland 8, 86 



> 



156 



Ryinsproeke to vermaninge der 

'Richteren 8, 97 

Nd. Vaterunser mit Glossen . 9, 146 
Ermahnung an Nonnen. . . 11,167 
Spottgedicht auf die Anhänger 
der ostfriesischen Fürsten- 
familie 24, 140 

Ndd. Glückwunschgedichte d. 

18. Jahrh 26, 143 

Dirksen, C, in Meiderich, (f 1903.) 
Verzeichnis der im ten Doorn- 
kaat Koolman^schen Wörter- 
buch fehlenden ostfriesischen 
Wörter 25, 97 

ten Doornkaat Koolman, J., in 

Norden, (f 18. April 1889.) 
Tier- und Pflanzennamen aus 

Ostfriesland 11,111 

Friesische Ortsnamen und deren 

älteste Form 13, 153 

Ealing, K., in Königsberg i. Pr. 
Der Kaland des Pfaffen Kone- 

mann 18, 19 

Jacob Scracz 25, 110 

Zur Charakteristik des Hildes- 

heimer Chronisten Oldecop 27, 154 

Fischer, L. H., in Berlin. 
Königsberger Gedicht a. d. J. 

1670 12,141 

Zur Geschichte der Leberreime 14, 95 
Frisch als Sammler mark. Idio- 
tismen 16, 109 

Franck, J., in Bonn. 
Zur mnd. Maria -Magdalena- 
legende 29, 31 

Fackel, A., in Cassel. 
Eine Verschiebung der ndd. 
Sprachgrenze in neuerer 
Zeit 29, 39 

tiaedertz, K. Th., in Greifswald. 
Johann Rist als nd Dramatiker 7, 101 
Die Hamburgischen Opern in 
Beziehung auf ihre nd. Be- 
standteile 8, 115 

(jall^e, J. H., in Utrecht. 

Ji^Mnd. Arzneibuch 15, 105 

Goebel, F., in Hannover. 
Praelocutio eines nmd. Oster- 

spiels 22, 144 

Die zehn Gebote und die Glau- 
bensartikel mnd 22, 147 



(jraffnnder, P., in Friedenau. 

V. Mnd. Margareten Passion . . 19, 131 

Zum Anseimus 19, 155 

Meister Stephans mnd. Cato 23,1. 25,1 
Ndd. Inschriften des Kolberger 
Domes 23, 51 

Granland, V., in Stockholm. 
Kriegsprophezeiung . . . .12,119 

H&nselmann, L., in Braunschweig, 
(t 22. März 1904.) 
Braunschweigische Fündlinge. 8, 70 
6,135. 16, 69 

Kalenderorakel 6, 135 

Fragment eines Dramas von 

Simson 6, 137 

Zwei Gedichte aus der Refor- 
mationszeit 9, 83 

^Eine merkwürdige alte Fäl- 
schung ....:... 16, 80 

Hansen, H., in Flensburg. 
Idiotismen des Flensburger 
Plattdeutsch 26, 81 

Hansen, R., in Oldesloe. 
Bruder Nigels dänische Beim- 
chronik, ndd. . . 25, 132. 27, 63 

Harzen-Mfiller, A. N., in Scliöne- 
berg bei Berlin. 
Verzeichnis der Kompositionen 
plattdeutscher Lieder . . 27, 22 

HSlscher, K. 6. L., in Herford. 
(t 4. April 1902.) 
Satire auf die katholische 
Messe v. J. 1529 . . . .21,147 

Hofmeister, A., in Rostock. 

Caspar Abels nd. Gedichte . 8, 1 

Die nd Leberreime des Johannes 
Junior v. J. 1601 ... . 10. 59. 

Heinrichs von Krolewiz Vater- 
unser nd 17, 146 

Der Verfasser der jüngeren 
Glosse zum Reinke Vos. . 19,113 

Holstein, H., in Halle a. d. S. 

Ein lateinisch-deutsches Vo- 
kabelbuch von 1542 ... 6, 123 

Eine nd. Spottschrift auf den 
Hamburger Patrioten von 
1724 9, 75 

Iken, J. Fr., in Bremen. 
Ein bremisches Pasquill aus 
d. J. 1696 18, 79 



157 



Jacob, H., in DaDzig. (f) 

Danziger Spracheigenheiten . 21, 157 

JahB, U., in Berlin, (f April 1900.) 
Das Volksmärchen in Pommern 12, 151 

Jellinghans, H., in Osnabrück. 

Das Mühlenlied 8, 83 

Zwei plattdeutsche Possen von 
J. Ijauremberg 3, 91 

Aus Kopenhagener Hand- 
schriften 7, 1 

Bemerkungen zu Fr. Woeste's 
Wörterbuch d. westfälischen 
Mundart nebst Briefen des- 
selben 9, 65 

Mundart des Dorfes Fahrenkrug 14, 53 

Syderak 14, 59 

Der Heliand und die ndl. Volks- 

dialekte ....... 15, 61 

Lübecker Schulvokabular v. J. 

1511 16,111 

Rechtsaufzeichnungen in nd. 

Sprache 18, 71 

Bestimmungswörter west säch- 
sischer und engrischer Orts- 
namen 28, 31 

Josti^s, F., in Münster i. W. 
Westfälische Predigten . . . 10, 44 
Schriftsprache und Volksdia- 

lekte 11, 85 

Werdener Liederbuch . . . 14, 60 

Kalff, 6., in Leiden. 

Moorkens-Vel . . . . . .11,143 

Anzeige 14, 158 

Knoop, 0., in Posen. 
Plattdeutsche Spruch Wörter u. 
Redensarten aus Hinter- 
pommern 15, 53 

Koek, E. A., in Lund. 
Zu Meister Stephans Schach^ 

buch 30, 147 

KShler, H., in Hamburg. 

Dat Flas (Lüneburger Mundart) 3, 1 60 

Kobfeldt, Cf., in Rostock. 

Reimrätsel 28, 117 

Kopp, A., in Berlin. 
Die ndd. Lieder d. 16. Jahrh. 26, 1 

Koppmann, K., in Rostock. 

Schwerttanz . 1, 105 

Hanschen un hot 1, 107 

Kcimlust im 15. Jahrb.. . . 1,108 

Zum nd. Kalender . . . . 1,110 



Irmin und St. Michael . . . 2,114 

^' Zum mnd. gh 3, 7 

Liebesgruss 3, 8 

Rummeldeus 3, 67 

^ Friedrich Woeste 3, 165 

K. E H. Krause 18, 1 

Krause, 0., in Düsseldorf. 
Ortsmundarten der Magde- 
burger Gegend 21, 60 

Die Mundarten des ersten 
Jerichowschen Kreises : 
im südlichen Teile ... 22, 1 
im nordwestl. Teile 25, 34. 26, 56 

Krause, K. E. H., in Rostock, 
(t 28. Mai 1892.) 
\ ! Rostocker historisches Lied aus 
' ' dem Accisestreit 1556 . . 1, 57 
^/ Nd. Predigt des 15. Jahrh. . 2, 11 
/ . Zu Schiller-Lübben mnd. Wör- 
terbuche 2, 40 

Bruusilgenholt, Brizilien im 

Mittelalter 2, 83 

Brunsilgenholt 3, 56 

Caput Draconis und die Kreuz- 
woche 3, 75 

Flachsbereitung im Göttingen- 

schen 3, 156 

Statuten und Gebräuche der 
Kopmann- unde Schipper- 
Bruderschaft zu Stade . . 4, 69 
Bruchstück eines mnd. Kalen- 
ders 4, 91 

Hans von Ghetelen ans Lübeck 4, 96 
Erklärendes Wörterverzeichnis 

der Lüneburger Sülze . . 5, 109 
Strassen, örtlichkeiten, Kirchen 
etc. in Lüneburg, auch der 
nächsten Umgebung . . . 5, 167 
Quetsche, Zwetsche . . . . 12, 97 
Mul. Bruchstücke . . 12,106. 15,39 
Nd. Handschriften . . . . 15, 33 

Zitelose 15, 44 

Noch einmal das Hundekorn . 15, 149 
Die Bohne und die Yietzebohne 16, 53 

Kiick, E., in Friedenau. 
Die Holzmark Hollenstedt im 
Lüneburgischen 23, 54 

Kfibl, 0., in Lübeck. 
Die Bordesholmer Marienklage 24, 1 

Latendorf, F., in Schwerin, (f) 
Die Deminutiva der nd. Aus- 
gabe von Agricola's Sprich- 
wörtern 3, 101 



158 



Loewe, R., in Berlin. 

Dialektmischung im Magde- 
burgischen Gebiete . . .14, 14 

Niederdeutsche Spuren in 

Görlitz 23, 64 

Louke, A., in Bremen. ^ 

Physiognomische Lehren . . ^0, 122 

Lfibben, A., in Oldenburg, ff 15. 
März 1884.) 

Einleitung 1, 1 

Zur Characteristik der mnd. 

Litteratur 1, 5 

Medicinalia pro eqms conser- 

vandis 2, 19 

Reimsprüche 2, 24 

Zu den historischen Volks- 
liedern von R. von Liliencron 2, 35 
ürkundenbuch der Berlinischen 
Chronik. Berliner Todten- 

tanz 3, 170 

Van de Scheide tot de Weichsel 3, 1 81 
Aus dem Vocabelbuche eines 

Schülers ....... 4, 27 

Zum Umlaut 4, 41 

Spieghcl der zondcn .... 4, 54 

Das ilundekorn 4, 106 

Ostfriesisches Urkundeuburh . 4,116 
Die niederdeutschen, noch nicht 
weiter bekannten Handschrif- 
ten der Bibliothek zu Wolfen- 
büttel 6, 68 

Etwas über nd. Familiennamen 6, 145 
Bruchstück einer Unterweisung 

über die zehn Gebote . . 7, 62 
Das Paradies des Klausner 

Johannes 7, 80 

Die llalberstädter nd. Bibel- 
übersetzung von 1522 . . 8, 108 

Luther, J., in Berlin. 
Marienmesse . . . . . . 12, 143 

Salzwedel und die übrigen 
Ortsnamen auf -wedel . . 16, 150 

Maass in Brandenburg. 

Wie man in Brandenburg spricht 4, 28 

Mantels, W., in Lübeck, (f 18. 
Juni 1879.) 
Zwiegespräch zwischen dem 

Leben und dem Tode . . 1, 54 
Aus einem niedersächsischen 

Pfarrherrn von Kaienberg . 1, 66 
Noch einmal das Zwiegespräch 
zwischen dem Leben und 
dem Tode 2,131 



Ein drittes Blatt aus dem 
niedersächsischen Pfarrherrn 

von Kaienberg 2, 145 

Krude 3, 83 

Nachträge 3,161 

tlanrmaDii, E., in Marburg. 
Zur Geographie der waldeck- 
schen Mundarten . . . . 29, 132 

Menz, A., in Norden. 

Nachtrag 3, 82 

Alte Kanoneninschriften aus 
dem 16. Jahrhundert ... 5, 189 

Meyer, H., in Göttingen. 

De Ileinrico 23, 70 

Meyer, R. M., in Berlin. 
Zu Beuters Stromtid . . , 22, l.*il 

Mieick, W. H., in Hamburg, (f 10. 
März 1896.) 
Die nd. Sprache des Tischler- 
gcwerks in Hamburg und 

Holstein 1, 72 

Das Gothaer mnd. Arzeneibuch 
und seine Pflanzcnnamen . 2, 122 

Zeitlose . . , 4, 66 

^ Über Dialektforschung im Ndd. 21, 13 
Meister Heinrichs von Braun- 
schweig Vorschrift gegen 
den Scorbut 27, 139 

Milkan, F.,. in Greifswald. 

Mnd. Pflanzenglosscn . . . 17, 81 
Älteste deutsche Übertragung 
des Dies irae 17, 84 

vor Molir, A., in Göttingen. 
Die Vocale der oldenburgischen 
Mundart 30, 33 

Mosen, R., in Oldenburg. 

K. Strackerjan 15, 157 

Müller, J. 6., in Ilildeshoira. 
Jesus dulcis memoria (Tag- 
zeiten der heiligen Anna) . 5, 56 

Nissen, C. A., in Kopenliagen. 
Eine dritte plattdeutsche Posse 
von J. Lauremberg . . .11,145 

Oelgapte, G., in Friedland i, M. 
Christian Gilow 22, 132 

Piper, P., in Altona. 
Die Heliandhandschnften . . 21, 17 



159 



Pratje, H., in Sobernheim. 

Syntax des Heliand .... 11, 1 

Prenss, 0., in Detmold, (f 1. Mai 
1892.) 
Die Lippischen Familiennamen 9, 1 

Priebseh, 0., in London. 

Maricnklage 18, 105 

Ein viertes Blatt aus dem nd. 

Pfarrherrn von Kaienberg . 18,111 

Prien, F., in Neumünster. 
Van den Detmarschen is dyt 
ghedicht (auf die Schlacht 
bei Hemmingstedt, 1500) .10, 89 

Psilander, Hj., in Upsala. 
De etymologie van nedcr- 

hindsch ooit 2G, 14G 

Pols, A., in Altona. 
Tannhäuserlied und Maria t/art 16, 65 

Regel, K., in Gotha. 

Zwei mnd. Arzeneibiicher . . 4, 5 
Aus dem Gothaischen Arzenei- 

buche 5, 61 

Reifferseheid, AI, in Greifswald. 

Beschreibung der Handschrif- 
tensammlung des Freiherrn 
August von Arnswaldt in 
Hannover . 9,132. 10,5. 11,99 

Zwei Briefe Jacob Grimms an 

Albert Hoefer 9,146 

Albert Hoefer (Nekrolog) . . 10, 149 

Über Pommerns Anteil an der 
nd. Sprachforschung . . . 13, 33 

Briefe Jacob Grimms an Job 

Gottfr. Ludw. Kosegarten . 23, 125 

Ribbeek, W., in Breslau, (f 1900.) 
Kin Liebesbrief aus dem 16. 
Jahrhundert 15, 73 

Schäfer, D., in Berlin. 
Nd. Inschriften in der Krypte 
der Domkirche St. Laurentii 
zu Lund 9, 125 

Sebäffer, J. 0., in Bienebek. 
Edtliche Ohristliche Fragc- 

stucken vnd Antwort ... 8, 25 

Scheel, W., in Steglitz. 
Zur Geschichte der Pomme- 
riscben Kanzleisprache im 
16. Jahrhundert .... 20, 67 



Schirmer, K., in Metz. 
Mitteilungen aus einer mnd. 
Handschrift 9, 41 

Schlüter, W., in Dorpat 
Zur altsächs. Grammatik (An- 
zeigen) . .17, 149. 18, 160. 25, 152 
Zur altsächs. Bibeldichtung 

(Anzeige) 20,106 

W a d s t e i n , Kleinere as. 
Sprachdenkmäler (Anzeige) 26, 148 

Schmidt, Gnst, in Halberstadt. 
(t 2. Januar 1892.) 
^ ' Niederdeutsches in Handschrif- 
ten der Gymnasialbibliothek 
zu Halberstadt . . . 2,27. 3,60 
Fragment des Seebuchs ... 2, 80 
Dyt ys dy erfindunge und 
Wunderwerke des hilligen 
sacramentes tho der Wils- 
nagk 3, 57 

Schröder, €., in Schwerin. 

Varia aus Wiener Handschriften 2, 51 
Vom Holze des heiligen Kreuzes 2, 88 

Schröder, Edw., in Göttingen. 
Der Parson of Kalenborow . 13, 129 
P^bstorfer Liederhandschrift .15, 1 
Jacobs von Ratingen Lied auf 

das Breslauer Hosticnmirakel 16, 41 
Eulenspiegels Grabstein . . 16,110 
Kin lat.-nd. Tractat aus Burs- 
felde 16, 145 

Mnl. Paraphrase des Hohen- 
liedes 19, 80 

^ Schräer, W., in Thorn. (f) 
PJigenthümlichkeiten der Preus- 

sischen Mundart . . . . 21, 160 

Seelmann, W., in Berlin. 
Wo de sele stridet mit dem 

licham. (Visio Philiberti) . 5, 21 
Amt Buschmans Mirakel . . 6, 32 
Eyne gude lere van einer 

junchvrowcn 8, 33 

Van deme drenker .... 8, 36 
Des Minners Anklagen ... 8, 42 
Des P'.ngels Unterweisung . . 8, 63 

Farbendeutung 8, 73 

Friedrich von Hennenbergs 

geistliche Rüstung .... 9, 55 
Oories Peerse's Gedicht van 

Island 9,110 

Everhards von Wampen Spiegel 

der Natur. . . . 10,114. 11,118 



160 



Dilde, dulde 10, 131 

Zwei Verse eines niederlän- 
dischen Liedes v. J. 1173 . 10,157 
Valentin und der Verlorene 

Sohn . 10,160 

Fragment eines Totentanzes . 11,126 
Mnl. Parthonopeus-Fragmcnt . 11,170 

Nordthüringen 12, 1 

Ortsnamenendung-lcben ... 12, 7 
/ Bewohner Dänemarks und 

Schönens 12, 28 

Ptolemaeus und die Sitze der 

Semnonen 12, 39 

Das norddeutsche Herulerreich 12, 53 
-' Hassegau und Hocsioburg . . 12, 59 
Der Zetacismus und seine Ver- 
breitung in Niedersachsen .12, 64 

De Heinrico 12, 75 

Thietmar von Merseburg, die 
Merseburger Glossen und das 
Merseburger Totenbuch . .12, 89 
Peder Smed u. Arnt Buschman 12, 95 

Johan Statwech 13, 121 

Die Vogelsprachen . . . . 14, 101 
-' Die Totentänze des Mittelalters 17, 1 
Rollenhagen über mundartliche 

Aussprache 18. 120 

Nd. Fibeln des 17. u. 16. Jahrb. 18^ 124 
Die mnd. langen o .... 18, 141 

Dietz' Beiträge 20, 123 

— Der Berliner Totentanz . . . 21, 81 
Der Lübecker Totentanz von 

1520 21, 108 

Wes t preussische Sp racheigen- 

heiten (Einleitung) . . . 21, 156 
Zur Farbendeutung . . . . 21, 162 
Die plattdeutsche Litteratur 
des 19. Jahrhunderts 22,49. 28,59 

De Heinrico 22, 94 

Volkstümlichkeit Bornemanns 26, 1 1 3 

Farbentracht 28,118 

Die Entstehung von Reuters 

Läuschen 29, 44 

Die Entstehung von Reuters 

Reis' nah Belligen .... 29, 60 
Excellenz bi Buschen . . .29, 63 

Siewert, M., in Berlin. 
Die ndd. Sprache Berlins von 

1300 bis 1500 29, 65 

Sinidt, H., in Bremen, (f 1878.) 
Pädagogischer Spruch vom 
Ende des 16. Jahrh. ... 2, 34 

Sohnrey, H., in Steglitz. 
Ale Märeken von der Weper 8, 108 
öppelken 10,112 



Spee, J., in Köln. 
Der Flachs . . • 



3,152 



Sprenger, R., in Northeim. 
rs/ Zu Gerhard von Minden . . 4, 98 
6,188. 19,94. 21,142 
Zu den historischen Volks- 
liedern von R. von Uliencron 4, 104 
-^ Zum Berliner Todten- 

tanz 4,105. 26,142 

^. Zu Laurembergs Scherzge- 
dichten 5,186. 15, 84 

^ Zur mnd visio Philiberti . . 6,130 

Bockshorn 6, 134 

- Bruchstück einer Unterweisung 

über die zehn Gebote . . 7, 62 
Nachträge zu Schambachs 
Göttingisch - Grubenhagen - 
schem Idiotikon .... 8, 27 

Molt 8, 32 

Zum Dramenfragment ... 9, 48 

Zu Reinke Vos 10, 107 

Zum nd. Aesopus 13, 69 

Zum Sündenfall 14, 148 

16,116. 19,107 
Zu Stephans Schachbuch . . 14, 153 
Zum Düdeschcn Schlö- 

mer 15,91. 28,115 

Zur Kritik und Erklärung des 

Theophilus 16, 128 

Zu Reuters Dorchläuchting . 17, 88 
Zu; Van Sunte Marinen, Vru- 
wenlof,Wolfenbütleler Oster- 
spiel, Zeno, Ancelmus, Botes 
Boek van veleme rade . . 17, 90 

Zu Konemann 19, 102 

Zur Marienklage 19, 104 

Zu Valentin und Namelos . . 19, 108 
\ Zu Brinckmans Erzählungen . 20, 89 
Zum Volksbuche von Eulcn- 

spiegel 21, 130. 27, 147 

Zum Redentiner Oster- 
spiel 21,132. 27,145 

Zu den Fastnachtsspielen . . 21, 133 
Zu den nd. Schauspielen 

älterer Zeit 21, 135 

Zu den nd. Bauernkomödien 21, 139 
Zu Botes Boek van veleme rade 21, 143 
Zur Kritik und Erklärung des 

Wolfenbutteier Aesops . . 24, 129 
Zu Fritz Reuters „KeinHüsnng^ 

und „Stromtid" 25, 108 

Zu Reuters Läuschen „De So- 

kratische Method'' .... 26, 142 

Zu Fritz Reuters Dichtungen 27, 150 

Zu Klaus Groth's Quickbom 28, 109 

Versuch eines Quedlinburger 

Idiotikons ... 29, 139. 30, 1 



161 



Steig, R., in Friedcnau bei Berlin. 
Zur ndd. Dialektdichtung aus 
dem Nachlasse der Brüder 
Grimm 27, 152. 28, 106 

Strackerjan, K., in Oldenburg., 
(t 10. November 1889.) 
Hcinr. Aug. Lübben. Gedächt- / 

nisrede 9, 149 / 



Ndd. Fragmente des alten 

Passionals 22, 3G 

Der Wog, ^die Wand" . . .20,116 
Zu den Lubeker Fastnacht- 
spielen 27, 1 

Wedde, J., in Hamburg, ff 13. 
Jan, 1890.) 
Miscellen aus dem Sachsen- 



walde 1, 101 

Strackerjan, L., in Oldenburg. Weddigen, , in Berlin. 

(t 1881.) Aus dem Westfälischen Ma- 
Winterklage 2, 26 gazin 4, 79 



Tfimpel, H., in Bielefeld. 

Zur Einteilung der ndd. Mund- ^ 

arten 10, 158, 

Die Bielefelder Urkunden- 
sprache 20, 78 

Die Herkunft der Besiedler 

des Deutschordenslandes . 27, 43 

Walther, C, in Hamburg. 
Hamburger mnd. Glossen . . 1, 15- 
Mundartliches im Keineko Vos 1, 92 

Kleine Beiträge 1, 113 

Friesisches im Ditmarschen? . 2,134 
Cansales wenn oder wann . . 2, 149 
Das Fastnachtspiel Henselin .3, 9 

Bibliographisches 3, 183 

Zum Fastnachtspiel Henselin . 5, 173 
Über die Liibecker Fastnacht- 
spiele 6, 6 

Ein historisches Kirchenlied 

Abraham Meyers v. J. 1559 6, 114 
Fragment eines Dramas von 

Simson 6, 139 

Status mundi 9, 104 

Nd. Inschriften in der Krypte 
der Domkirche St. Laurentii 

zu Lund 9, 127 

Die Hamburger Islandsfahrer 9, 143 

Kai 10, 1. 103 

Joh. Rediger 11,138 

Fragment aus Maerlants 

Spieghel historiael . . . 1 1 , 168 
Zum Redentiner Spiel . . . 16, 44' 
Über die Sprache der Wedemer 

Urkunde 16, 93 

In Drunten yaren 16, 107 

Schatrowe im Sachsenspiegel 18, 61 
Loven *sich belauben' . . . 18, 67 
Zu den Königsberger Pflanzen- 
glossen 18, 130 

Zur Geschichte des Volks- 
buches vom Eulenspiegel .19, 1 
Erinnerung an Wilhelm Mielck 21, 1 



Wehrmann, C , in Lübeck, (f H. 
Sept. 1898.) 

Lebensweisheit 3, 8 

Fastnachtspiele der Patrizier 
in Lübeck 6, 1 

Weimer, H., in Remscheid. 
Laurembergs Scherzgedichte, 
die Art und die Zeit ihrer 
Entstehung 25, 53 

Wenzlan, F., in Halle a. d. S. 
Friedrich Wilhelm Albrecht, 
der Verfasser der Plattdeut- 
schen Gedichte von einem 
altmärkischen Landmann . 26, 85 

Wilken, E., in Celle. 

Eine Münstersche Grammatik 
aus der Mitte des 15. Jahrb. 3, 36 

Winkler, J., in Ilaarlem. 
Für Mundartenforscher ... 2, 45 

Woeste, F., in Iserlohn, (y 7. 
Januar 1878.) 
Antworten auf Fragen des mnd. 

Wörterbuchs 2, 47 

Wert u. Benutzung der Magde- 
burger Bibel für das mnd. 

Wörterbuch 2,119 

Kinderspiele in Südwestfalen . 3, 103 
Süd westfälische Schelten . . 3,110 
Aberglaube und Gebräuche in 

Südwestfalen 3, 127 

Briefe 9, 70 

Wohlwill, A., in Hamburg. 
Kleinere Beiträge zur Kenntnis 

G. N. Bärmanns .... 29, 20 

Wossidlo, R., in Waren. 
Die Präpositionen und präpo- 
sitionalen Adverbien in der 
Mecklenburger Mundart . . 20, 40 



Niedftrdeatsohes Jahrbuch XXX. 



11 



Register 

zu den Bänden 21 bis 30. 



aalwaardig, nnl. 23, 129. 

ahellieid 23, 126. 

achter 23, 128. 

adebar 23, 126. 

Aesop, Wolfenbüttler 24, 129 f 

agang 23, 126. 

Ahrens, Jürgen Friedrich 22, 56. 

albern 23, 129. 

Albert, Heinrich 27, 24. 

Albrecht, Friedrich Wilhelm, „ein alt- 
märkischer Landmaun'' 26, 85 f. 28, 
64 (vgl. 22, 125). 

— Heinrich 22, 66. 

„Alexander, Anteloe'. Fastnachtspiel 
27, 15. 

Allegorieen: von den 7 Todsünden, von 
einem geistlichen Kloster 23, 114. 

Almanache, vgl Kalender. 

Almonde, Cornelius 22, 56. 

alre 23, 128. 

Alting, Menso 28, 15. 24. 

Altsächsisch: Grammatik 25, 152 f. 
Kleine Sprachdenkmäler 26, 148 f. 

Ambrosins, Johanna, vgl. Voigt. 

ame 23, 126. 

amen = abdomen 23, 128. 

„Van Amylgus unde Amycas*, Fast- 
nachtspiel 27, 17. 

Ancumanns, Bernhard 28, 16. 

Angelus Neomarchicns (vgl LöfFler) 
22, 51. 66. 91. 28, 82. 

Annas, Wilhelm Ernst 22, 56. 

Anners, Carl 28, 64. 

Apokalypse, mnd. Paraphrase 23, 112. 113. 



Aportanus, Georgias 2^, 13. 

appeldorn 28, 112. 

Arend, Otto von 28, 64. 

Arke, Bernhard 28, 64. 

Arndt, Pauline, geb. Mussehl 22, 56. 

28, 64. 85. 
Aruemann, Alfred 22, 56. 
Arstedie w edder de sunden der tuaghen 

23, 112. 
Asmus, G. J. A. 22, 57. 
Asmuss, Martin 22, 57. 
Auch, August 22, 57. 
Angustiny, Johann Bhode Friedrich 

22, 57. 
Baasch, Anton Jakob 22, 67. 28, 64 f. 
Fade, Wilhelm 22, 57. 27, 23. 24 f. 

28, 65. 
Bärmann, Georg (Jürgen) Nicolaus 22, 

52. 57. 27, 25. 27. 29, 26 f. 
Bandlow, Heinrich 22, 58. 28, 65. 
Bartels, Daniel 22, 58 f. 
Baudissiu, Graf Wolf 22, 59. 
Bauernkomödien des 17. Jahrhunderts, 

Nd., hg. von Jellinghaus 21, 139 f. 
Beginchen von Paris, das fromme 23, 

114. 
Behrens, Johann 28, 65. 
Beninga, Eggerik 28, 4. 5. 7. 9. 11. 23. 
Berlin: Totentanz 21, 81 f. 26, 142. 

m. Sprache 1300-1500: 29, 65 f. 
Berling, Georg Julius 22, 69. 
Bestimmungswörter westsächsischer und 

engrlscher Ortsnamen 28, 31 f. 
Bettingerode 22, 134 f. 



163 



Beuthien, Angelins 22, 59. 

Beyer, Carl 28, 66. 

Biedeuweg, Jobann Peter Friedrich 

22, 59. 
Biegemann, Carl 28, 66. 101. 
Bischoff, Christian 22, 60. 
Blikslager, Lammert 22, 60. 28, 21 66. 
Blütenlesen, plattdeutsche des 19. Jahrh. 

22, 54 f. 28, 62 f. 
Blum, Max 22, 60. 28, 66. 
Bocke], Franz 22, 60. 28, 66. 
van der Boeck, Karl 22, 60 f. 
Böhm, Eduard 22, 61. 28, 66. 
Böhmken, Hermann 22, 61. 28, 66. 
Boeren Vastenavondsspel 21, 136. 
Boerevryage, Overysselsche 21, 141. 
Börsmann, Martin 22, 61. 
Bohn, Th. 22, 61. 
Boldt. August 22, 61. 
Bolm, Robert 22, 61. 
hoUfe 23, 127. 
den honik breken 23, 127. 
Bonn, mnd. Handschriften 23, 110. 
Bordesbolm, Marienklage 24, 1 f. 
Bormester, Heinrich Christoph 28, 64. 
Bomemann, Wilhelm 22, 61 f. 26, 

89 f. 113 f. 27, 35. 28, 66. 

29, 47. 
Bornewiek, Karl 22, 62. 
Borstel, Hans 27, 3. 
Borstell, Friedrich 22, 62. 
Bosse, Carl 22, 62 f. 
Bote, Boek van veleme rade 21, 143 f. 

25, 110 f. 
Boysen, Johannes Wilhelm 22, 63. 
Brandenburg, J. E. 22, 63. 
Brandt, Adolf {— Felix Stillfried) 

22, 63. 115. 27, 31. 28, 66 f. 

100. 
Braun, Fr. 28, 67. 
Braunsberg 27, 45. 47—49. 56. 
Braunschweig, Meister Heinrich von 

27, 139 f. 



Brauswetter, (!arl R. 28, 67. ; 
Brekeufeld, Hermann 22, 63, 
Breslausch 27, 53 f. 
Briefe J. Grimms an Kosegarten 23, 

125 f. 
Brinckman, John 22, 63 f. 27, 25. 

28, 67 f. 
Brix, Claus 22, 64. 
Bromse, Hinrik 27, 4. 
Brons, Bernhard 27, 31. 28, 21. 68. 
Bruno von Schonebeck 30, 81 f. 
Bruns, August 22, 64. 
Bück, Gerwin 27, 2. 

— Hans 27, 3. 

Buckow, Clans Friedrich 22, 65. 
Bttnte, Gottlob 22, 65. 28, 68. 
Büsiug, P. 22, 65. 
Burenbedregerie 21, 134 f. 
Burghof, Willi 22, 65. 
Burmester, Heinrich 22, 65 f. 27, 25. 

28, 68. 
ButenschÖu, Nicolaus 22, 66. 
Buthmann, J. M. 28, 105. 
Calven, Hinrik 27, 4. 
Cammin, Friedrich 28, (yS. 
Cassmann, Charles 22, G6. 
Celle, mnd. Handschriften 23, 108. 
Chriatiansholm: DatTörfmaken 27, 61 f. 

De Kantüffelbü 28, 116 f. 
Chronik, Jeversche 28, 11 f. 
clugere 23, 127. 
Claudius, Matthias 22, 66. 
Clausen, Bernhard 22, 67. 

— Carsten Christoph 28, 68. 
Claussen, August 22, 67. 
Cloos, Wilhelm 22, 67. 

-c€, Vornamen-Endung 27, 48 f. 
Cöln, nrh. Handschriften 23, 110, 
Colman, Hermann 27, 3. 
Corleis, Friedrich 22, 67. 
Cremanu, Bernard 28, 69. 77. 
Cropp 22, 67. 28, 69. 
Crux fidelis, mnd. Uebersetzung 23, 114. 

11* 



164 



Otematias, Gellins 28, 15. 

Dach, Simon 27, 24. 

Dahl, C. F. 22, 67. 119. 28, 69. 

Dasei, Krischan 22, 126. 

Dallmeyer, Wilhelm 28, 69. 

Dalmer, Karl 22, 67. 

Dankwardt, Rudolf 22, 68. 28, 69. 

Dankworth 28, 69. 

Daune, Auguste 22, 68. 

Danzig 21, 157 f. 27, 50. 

Dare, Jürgen van dem, (Georgius Apor- 

tonus) 28, 13 f. 
Darmstadt, nrh. Handschriften 23, 1 10. 
David, Anton 22, 68. 122. 28, 69. 
duftig, d^fl? 23, 129. 
Delmar, Axel 22, 68. 28, 69. 
Demandowski, Axel von 22, 68. 28, 69. 
Denckzedel der Closteren in Ostfrieß- 

landt 28, 9. 
Derhoeck, C. V. 22, 61. 68. 
Dethlefs, Sophie 22, 68. 28, 69. 
Denmelaud, Heinrich 22, 68 f. 28, 69. 
Deutschordensland, Herkunft der Be- 

siedler desselben 27, 43 f. 
Deux-aes-Bibel 28, 15. 
Dialektdichtung des 1 9. Jahrh , platt- 
deutsche 22, 49 f. 27, 152 f. 28, 

59 f. 106 f. 
Dialektforschung, und. 21, 13 f. 
Dialogus über die katholische Messe 

21, 147 f. 
Diepenbrock, C. J., 28, 69. 
Diermissen, Johann 22, 69. 
Diescher, Wilhelm 22, 69. 
Dirks, Theodor 28, 69. 
Dirksen, Carl 28, 22. 
Distel, A. 22, 69. 
Dithmarschen: To Küss 30, 76 f. 
Dörnberg im Habichtswalde 29, 39 f. 
Dörr, Friedrich 22, 69. 27, 26. 
„De vijfdoged^*', FastnachUpiel 27, 13 f. 
ten Doornkaat Koolman 25, 97 f. 28, 

21 f. 



Dorp, Adolf 28, 69. 

Dorr, Robert 22, 69 f. 28, 70. 

Draeger, Anton August 22, 70. 

Dücker, J. Fr. 28, 70. 

Dtihr, August 22, 70. 28, 70. 

Dürr, H. 22, 70. 28, 70 (vgl. Jttrs, H.) 

Düsseldorf, mud. Handschriften 23, HO. 

Dufayel, Carl 28, 70. 

Dullromes, Kristejon 22, 126. 

Dumm, Hans, der kluge Bauer 29, 61 f. 

Dusenddahler, Kord 22, 70. 28, 70. 80. 

Dusenclschön, Hans 22, 70. 28, 70. 

dwalss 21, 136. 

Ebstorf, Kloster, mnd. Handschriften 
23, 108. 

Edzard I., Graf von Ostfriesland, sein 
Landrecht 28, 3. 

Edzard der Grosse, Graf von Ostfries- 
land, Volkslieder auf ihn 28, 6. 
Epitaphium 28, 8. 

Eggers, Friedrich 22, 70 f. 27, 28. 

— Karl 22, 71. 27, 28. 28, 70. 

Ehlers, Johann 22, 71. 27, 25. 

Ei is en Ei! 28, 113. 

Eiben, G., geb. Wulff 22, 71. 

Eichwald, Karl 22, 71. 117. 

Eiderstedt: Idiotismen 27, 57 f. 29, 36 f. 

eierback 21, 137. 

Eilshemius, Daniel 28, 15. 16. 24. 

Eis-Linie von Bettingerode bis Neindorf 
22, 134 f. 

Elbing 27, 49. 50. 53. 

Elsenius, Bernhard, seine Hanschronik 
28, 12. 

Emden 23, 106. 28, 1. 3. 4 f. 6. 
14—17. 

Emmingbaus, A. 22, 71. 28, 70. 

Emmius, Ubbo 28, 5. 14. 15. 16. 24. 

„Ende mot de last dregen'^, Fast- 
nachtspiel 27, 18 f. 

Epitaphium des Grafen Edzard des 
Grossen 28, 8. 

Eppens, Abel, tho Eprast 28, 12. 



165 



Eramaleddi, J. D. 28, 70. 82. 
ErichsoD, Heinrich 22, 71. 28, 70. 
Ermeland 27, 44. 45. 62. 53. 54. 
Ernst, Friedrich 22, 71. 

— Otto 28, 70. 97. 
Errel 27, 28. 

Essener Heberolle 25, 159. 26, 151. 
Euienspiegel 21, 130 f. 27, 147 f. 
Evers, Ernst, 22, 72. 
Eweuj Frit«, 28, 71. 
Excellenz bi Buschen 29, 63 f. 
Fabricins, David 28, 12. 
Farbendentnng, Gedicht (vgl. Jahrb. 8 

S. 73 f.) 21, 162. 
Farbentracht 28, 118 f. 
Fastnachtspiele, hg. v. Seelmann 21, 

133 f. Lübecker 27, 1. Jeversches 

28. 10. 
Fedders, Louis, 28, 105. 
Fehrs, Johann Hinrich 22, 72. 27, 25. 

28, 71. 
Felcke, Fritz, 22, 113. 
Feldmann, Otto 28, 71. 
Fiemes, Christian 28, 71. 
Fleming, 23, 66 f. 27, 45. 48. 
Flensburg, Idiotismen 26, 81 f. 
Focconides, Conradus 28, 25. 
voer Fodens 28, 114. 
Förster, B. P. 27, 28. 31. 
Fohgrub, Illyw 22, 65. 
Franen, Die bösen (Fastnachtspiel) 

21, 133 f. 
Franenburg 27, 45. 48. 
Freckenhorster Heberolle 25, 156 158. 

159. 
Frendenthal, Augnst 22, 72. 27, 26. 

34. 35. 28, 71. 

— Friedrich 22, 72. 28, 71. 
Fricke, Emil 28, 71. 80. 

— Wilhelm 22, 72. 28, 71. 
Friedebnrg, Volkslied vom vereitelten 

Verrat derselben 28, 5. 
Friedheim, Therese, geb. Krause 22, 73. 



Friese, Engen 22, 73. 96. 

— Rembertus 28, 27. 

Friese nborch, Hermann, seine nd. Arith- 
metica 28, 16. 

Friesische Bestandteile in ostfries. Orts- 
namen 28, 156 f. Verdrängung des 
Friesischen durch das Nd. in Ost- 
friesland 28, 3. 

Fröhlich, Kari 22, 73. 

Fürstenberg, Heinrich Otto 28, 72. 

io Oae gun 21, 141. 

Gaedertz, Kari Theodor 22, 73. 28, 72. 

Gebote, die zehn, mnd. 22, 147 f. 

Gebuhr, August 22, 73. 28, 72. 

Geburtstagsgedicht von 1713: 26, 144 f. 

Geiler, Wilhelm 22, 73 f. 

Gelovensbekenteuis der verdrückeden 
kinderen Godes in Nederlant 28, 16. 

gengsken 21, 141. 

Gent, Paul 28, 72. 

Gerdes, J. G., 22, 64. 28, 19. 

Gerhard von Minden 21, 142 f. 

Gerratz, Usse 22, 74. 

Giese, Franz 22, 74. 

Giesebrecht, Ludwig 22, 74. 27, 29. 

Gildemeister, Kari 22, 74. 28, 72. 

Gilow, Christian 22, 75. 132 f. 

Glaubensartikel, mnd. 22, 147. 149. 

Gloede, Cari 22, 75. 

Glückstadt, Dialekt 29, 1 f. 

Glück Wunschgedichte, nd., des 17. Jahrb. 
24, 143 f., des 18. Jahrb. 26. 
143 f. 

Godow, Fritz 28, 72. 

Görlitz, nd. Spuren 23, 64 f. 

Gollmann, Eduard 22, 75. 

Goltermann, Heinrich 22, 75 f. 28, 72. 

Grabe, Franz 22, 76. 28, 73. 

Graebke, Hermann 22, 76. 

Gramberg, Gerhard Anton Hermann 
22, 76. 27, 26. 28, 19. 

Grammatik, as. 25, 152 f. 

Grawert, Vritze 27, 2. 



Grestius, Hieronymus 28, 9. 
Grimm, Jakob 23, 126 f. 27, 152 f. 
28, 106 f. 

— Julius Otto 27, 23. 27. 34 f. 36. 38. 

— Wilhelm 27, 152 f. 

Grimme, Friedrich Wilhelm 22, 76 f. 

28, 73. 

Groningen in Volksliedern 28, 4. 6. 
Groth, Claus 22, 77 f. 27, 23. 25 f. 
153. 28, 20. 21. 73 f 107. 109 f. 

29, 47-50. 
Grütter, Fr. 28, 76. 
Grunenberg, Andreas 28, 76. 
Gülich, Julius 22, 79. 

Günther, Johann Christian 22, 79. 
Gnlich, Johann; sein Antiochns 28, 

52 f. 
Gumbert, Oonrades 27, 3. 
Gurlitt, Cornelius 27, 23. 27. 

— Emanuel 22, 79. 28, 76. 
Haag, mnd. Handschriften 23, HO. 
Hachtmann, Adolph 28, 76. 
Hacklaud-Rheinläuder 22, 56. 
Hageisten, Hermann 27, 3. 
Hagen, Ulrich 22, 79. 28, 77. 
Hainreich, Emanuel 28, 77. 
Hamburg, mnd. Handschriften 23, 106. 

107. 114. 26, 1 f. 
Handschriften des nordwestlichen 

Deutschlands, mnd. 23, 103 f. 
Hanenreyerei 21, 138 f. 
hangedews 21, 137. 
Hannover, mnd. Handschriften 23, 108 f. 
Hanssen, Ferdinand 22, 80. 28, 77. 
Happenklang 22, 80. 90. 
Harberts, Harbert 28, 21. 77. 
Harkenroht, Jacob Isebrand 28, 12. 
Harm (van Sandbergen) 22, 80. 28, 

21. 77. 
Harms, Klaus 22, 80. 28, 77. 

— Ludwig 22, 80. 

Harten (-Dillen), Johann von 22, 80. 
27, 37. 



Harz, Eis- und Wein-Linie am Nord- 
harz 22, 134 f. 

~ Dialektgrenzen 27, 142 f. 

Hasselmeier, Carl 22, 80. 

Hauser, Johannes, Spruchgedicht über 
das Spiel und die Spieler 21, 147. 

Hansmann, Eduard 28, 77. 

— Otto 28, 77. 

Heberolle, Freckenhorster 25, 156. 
158. 159. Essener 25, 159. 26, 151. 

Hein, G. M. 22, 81. 

Heine, H. 22, 81. 

Heinemann, Georg Wilhelm Friedrich 
22, 81. 

Heinrich von Braunschweig, Meister, 
Vorschriften gegen den Scorbut 27, 
139 f. • 

De Heinrico 23, 70 f. 94 f. 

heise 21, 142. 

Heiter, Lachmundus 28, 69. 77. 

Hektor, Enno 22, 81. 28, 19 f. 77. 

Heiland 25, 152 f. weg 26, 117. 122 f. 
von 30, 74 f. Handschriften 21, 17 f. 

en liencken vorm koppe btien 21, 141. 

Henselin, Fastnachtspiel 27, 5. 10. 12. 

Henze, W. 28, 77 f. 

Herentrygk (Herntrey), Johann 27, 4. 

Hermann, August 22, 81. 28, 78. 

Heiter, Ferdinand 22, 81. 28, 78. 

Hessengau, Verschiebung der nd. Sprach- 
grenze 29, 39 f. 

Heyse, Wilhelm 22, 81 f. 

Hieronymus 28, 78. 80. 

Hill, Emil 28, 78. 

— Rudolf 22, 82. 

Hiugberg, H. K. vara 22, 82. 89. 

Hinrichs, Georg 22, 82. 

Hinrichsen, Adolf 22, 82. 

Hippodromus, Paul 22, 125. 

Hirschel, Hermann 22, 82. 28, 78. 

Hirschfeld, Max 28, 78, 

Hobein, Eduard 22, 82 f. 

hochdüd^ch 23, 129. 



167 



Hochzeitsgedicht von 1637, Märkisches 
24, 143 f. von 1708: 26, 143 f. 

Höfer, Etlumnd 22, 83. 

Hoeppner, August 28, 78. 

Hörmekan 22, 83. 116. 

Hoff 22, 83. 28, 78. 

Hoffschläger, Gastav 22, 83. 

kogen an 29, 127. 

Hollander, Carl Wilhelm 22, 83. 28, 
78. 102. 

Hollenstedt, Holzmark 23, 54 f. 

Holm, Adolf 22, 83. 28, 78. 

Holthnsen, Gnstav 22, 83. 28, 79. 

Holzheimer, Fritz 22, 83. 28, 79. 

Holzordnnng, Hollenstedter 23, 54 f. 

Honig. Ernst 22, 83. 

Hoppe, Liberias 23, 121. 

Horu, Wilhelm 22, 84. 

Hoaillon 22, 84. 

j.Der schänden kovet'^, Fastuachtspiel 

27, 14 f. 
Howilli, P. 22, 84. 
Hoyeman, Hinrick 27, 3. 
Hückstädt, Ernst Wilhelm GusUv 28, 79. 
Hülter, Carl 22, 84. 119. 28, 79. 
Hnsmann, Fritz 28, 79. 

,,En iderman in sinen sack". Fast- 
nachtspiel 27, 19. 

de idige 23, 125 f. 

Ihnen, Hermann 28, 77. vgl. Harm. 

de Iselmott, H. 22, 84. 90. 

Israels, Loais Victor 22, 84. 28, 21. 79. 

Jacobs, J. 28, 21. 79. 

Jahnke, Hermann 22, 84. 28, 78 

Jakobs, K. 22, 84. 

Janssen, Metns 28, 80. 

Jarck, Heinrich 28, 80. 

Jarfke von Termünte 28, 13. 

Jasomir, Jnlins 28, 71. 80. 

Jerichow, Dialekte des ersten J.scben 
Kreises 22, 1 f. 25, 34 f. 26, 56 f. 

Jever, Fastnachtspiel 28, 10. Chroniken 

28, 11 f. 



Johannsen, Erich 27, 25. 

Josep von den 7 Todsünden 21, 144 f. 

23, 106. 28, 3. 
Josephy, Jalins 22, 84. 
Jürgens, Karl 22, 84. 
Jttrgensen, Ednard 28, 80. 
Jürs, Heinrich 22, 85. 28, 70. 80. 
Jaug, Gnstav 22, 85. 
Junkmann, Wilhelm 22, 85. 
Jnstas, L. 22, 113. 
Kabalist, G. T. H. 28, 78. 80. 
käselausch 27, 56. 
Kalender, plattdeutsche des 19. Jahrb. 

22, 52 f. 28, 60 f. ostfriesische 
28, 12. 16. 

Kalmilselkopp, Jochen 28, 104. 105. 

Kantttffelbü 28, 116 f. 

Kartoffelbau 28, 116 f. 

Kasiski, F. W. 28, 80. 

Katechismen, nd., ostfries. 28, 15. 16. 

17. 24. 
kaidlsch 28, 109 f. 
katienioch 29, 126, 
Kaufmann, Wilhelm 28, 70. 80 (vgl. 

Duseudd ahler, Kord). 
'ke, Vornamen - Endung 27, 48 f. 

23. 65 f. 

Kehdiug, F. W. 22, 86. 

Keller, Ernst 22, 86. 28, 80. 

Kerbauw, Klaus 27, 3. 

Kerkring, Hans 27, 2. 

Kenne, Wilhelm 22, 86. 28, 80. 

Kindermann, Carl 22, 86. 28, 80. 

Kinderspiele aus Schleswig - Holstein 

26, 124 f. 
Kircheuorduuugen, nd , ostfriesische 28, 

14 f. 
Kittel, J., 22, 86. 28, 21. 
Klagen uusers Herrn, Die sechs, mnd. 

28, 3. 
Klapp, A. 22, 86. 
Klein, Fritz 22, 87. 
Klooksuut, Peter 22, 125. 28, 104. 



168 



Kloster, ein geistliches, Allegorie 23, 
114. 

Kloth, Heinrich 22, 87. 

Klüse, Wilcke Evers 28, 17. 25. 

Klutentratt, Natz 22, 90. 

Knoche, Richard 22, 87. 28, 80. 

Knubben, Johann 22, 87. 28, 80. 

Knüppel, M. Fr. 22, 87. 

Knyphausen, H. zu 28, 81. 

'koy Vornamen -Endung 23, 65 f. 27, 
48 f. 

Kochbuch, nd., ostfriesisches 28, 16. 

Kockel, A. E. 27, 36. 

Köhr, Julius 22, 87. 

Köllisch, Heinrich 28, 81. 

Kölm, Michael 22, 87 f. 28, 87. 

König, Job. Uir. 27, 32. 

Königsberg 27, 49. 

Konemann: Kaland 21, 128. Sunte 
ManenWortegarden2S, 115 f. 30,83. 

„Van eyneme konynghe unde eyner 
Iconigymien unde gtidem wine de 
kan wunder wercken'% Fastnacht- 
spiel 27, 18. 

Koppmann, Karl 27, 29. 

Kosegarten, J. G. L. 23, 125 f. 

Koszick, Friedrich 22, 88. 

„De krake^', Fastnachtspiel 27, 7. 

Kran, valke unde stare, Fastnachtspiel 
27, 5. 

„Kran, valke unde stute", Fastnacht- 
spiel 27, 15. 

Kreutzer, Ludwig 22, 88. 28, 81. 

Kriesche, Alma 22, 88. 

Krohn, A. C. F. 22, 88. 

— J. 22, 88. 111. 
Krone, Friedrich 22, 88. 

Krüger, Albert Peter Johann 22, 88. 

— Dietrich 22, 88. 

— Ferdinand, Dr. med. 22, 88 f. 

— J. 27, 34. 

Krup ünnerl 28, 110 f. 
Kühne, Heinrich 22, 89. 



To KÜSS 30, 76 f. 

Knss, Otto 22, 89. 28, 81. 

Lafrentz, Ferdinand 22, 89. 

Lagemann, C. D. 22, 89. 

de Lamare, Franz 22, 89. 28, 81. 

— J. D., vgl. Eramaleddi, J. D. 
Landmann, ein altmärkischer 22, 125. 

26, 85 f. 28, 64. 

Landmesser, der verwünschte 28, 114 f. 
Landois, Hermann 22, 90. 28, 81 f. 

83. 86. 
Lange, Axel 22, 90. 

— Hr. 28, 82. 

— J. H. (nicht: J. L. oder J. A) 22, 
64. 90. 26, 19. 

Lasco, Johan £k, Katechismus 28, 15. 24. 

Laurembergs Scherzgedichte 25, 43 f. 
160, 

Lauterborn, Job, 28, 82. 

Lechleitner, A. 22, 90 f. 

Legende von einem aussätzigen und 
boshaften Senator zu Rom 21, 145 f. 

Lehmann, Dorothea 28, 70. 82. 

Lening, Fritz 22, 91. 28, 97. 

Leo, Willibald 28, 82. 

Lessen, Friedrich August 22, 91. 

„De leve vorwynt alle dynck'^, Fast- 
nachtspiel 27, 19 f. 

Levetzow, Ferdinand von 22, 91. 

Lieder, nd., des 16. Jahrb. 26, 1 f. 
Kompositionen plattdeutscher L. 27, 
22 f. 

Liliencrouf Detlev von 27, 26. 

Linden, Arnold 22, 91. 

Literatur des 19. Jahrb., plattdeutsche 
22, 49 f. 28, 59 f. nd. Ostfries- 
lands 28, 1 f. 

Loccum, mnd. Handschriften 23, 108. 

Löffler, Franz Adam 22, 91. 28, 82. 

— Karl Valentin Immanuel 22, 92. 

27, 31. 36, 28, 82. 
Löper, A. 22, 92. 
Loringa, Eilard 28, 12. 



169 



Ludewig, Arnold 22, 92. 

Lübeck: Totentonz 21, 108 f. 27, 5. 

28, 26. 28. Fastnachtspiele der 

Zirkelgeaellschaft 27, 1 f. Lübecker 

in Ermeland 27, 4ö. 
Lfinebarg, mnd. Handscbrifteu 23, 107. 

112. AnsdrOcke für die Salzpfannen 

26, 119 f. 

Lüneburger Heide: HoUenstedt 23, 

54 f. 
Labmann, Paul 22, 92. 
Lakevent 21, 140. 
Laneborcb, Hans 27, 5. 
— Hinrick, Verfasser des .Henselin"? 

27, 6. 
Lnpas, vgl. Wolf. 

Lyra, Friedrieb Wilhelm 22, 92 f. 
Lyser, Johann Peter Theodor 22, 93. 

28, 82. 

Maass, Carl 22, 93. 

Mftbl, Joachim 22, 93. 28, 82. 

Magdeburg: Dialekte 21, 60 f. 22, 
1 f. 25, 34 f. 

Magdeburger Recht im Deutschordens- 
lande 27, 45 f. 

„ Van deme olden manne'', Fastnacht- 
spiel 27, 7. 

Mannsfeld, A. 22, 94. 

Mansfeld, Arnold 22, 94. 28, 83. 

Mansingen, Volkslied auf die Schlacht 
bei 28, 6. 

Marcus, Eli 22, 94. 28, 83 f. 97. 

Margaretbenpassion, mnd , zu Olden- 
burg 28, 8. 

Maria-Magdalena-Legende, nd. 29, 31 f. 

Marienklage, Bordesholmer 24, 1 f. 
Melodien dazu im Anbang. 

Martens, L. 28, 84. 

Marwedel, H. 22, 94. 

Massmann, Julius Wilhelm 22, 94. 

Meentz, Rudolph, 22, 94. 

Meissner, Heinrich 22, 94. 

Memel 27, 46. 



Mengers, Christian 28, 84. 
Mercatoris Vasteiavendesspiel 21, 135. 
Metterbansen, 0. 28, 84. 
Meyer, Johann 22, 94 f. 27, 23. 25 f. 

28, 84. 
Meyerdiercks, Christian 22, 95. 27, 

26. 28, 84. 
Mi 22, 95. 
Mielck, Wilhelm Hildemar, Dr. phil. 

(Nekrolog) 21, 1 f. 
Mietzke, Ernst 22, 95. 
Minden, Gerhard van 21, 142 f. 
Minden, S. 22, 96. 
Mindermanu, Marie 22, 96. 
Moeller, A. 28, 84. 
Mörlins, Fritz 22, 96. 28, 84. 
Moerman, Job., seine Jeversche Stadt- 

chronik 28, 12. 
Moor, Jann van 22, 65. 
Moorkensvel 21, 135 f. 
mouspot 21, 140. 
Müffelmaun, F. 22, 96. 
Mülheim a. d. Ruhr: Dialekt 26, 154 f. 
Müllenhoif, Karl, Brief an Wilhelm 

Grimm 27, 153 f. 
Müller, Adolf 22, 96. 

— David Heinrich 22, 96. 

— Foocke Hoyssen 22, 97. 28, 20. 
22. 85. 

— (Johann) August Carl 22, 96. 
Müller-Brauel, Hans 28, 85. 
MüUer-Ebeling 22, 97. 

Münster, mnd. Handschriften 23, 109. 

Munter, Carl 22, 97. 28, 85. 

Mussehl, Wilhelm Chr. L. 28, 85. 

M^xroniuS) Martiuns 28, 15. 

Natzohme 28, 83 f. 

Neben, F. 22, 97. 

7icd(d)erdüdsch, plattdüdsch 23, 129. 

Neindorf 22, 134 f. 

Nerese, Margarethe 22, 97. 122. 28, 

85. 102. 
Neu-Doberan, Kloster 27, 44. 46. 



170 



Niederdeutsch : Syntax der gesprochenen 
Sprache 29, 1 f. Verschiebnng der 
Sprachgrenze in Hessen 29, 39 f. 

Niederländisch : in Ostfriesland 28, 1 f. 
28, 15 f. ooit 26, 146. Ansdrttcke 
für Wand 26, 118. 

Nigel, Bruder, seine dänische Beim- 
chronik 25, 132 f. 27, 63 f. 

Noelting, Johannes 28, 85. 

Nordsteimke, Idiotikon 23, 131 f. 24, 
113 f. 

Nowack, Alexander 22, 97. 

Nümftrker 22, 92. 97. 27, 31. 35. 
28, 82. 

Oesterhans, Wilhelm 22, 97. 

Oldeborch, Gerard, seine Hauschronik 
28, 12. 

Oldecop, Johann 27, 154 f. 

Oldenburg, mnd. Handschriften 23, 106. 
Vokale 30, 33 f. 

Oldenburger, £. 28, 85. 

Oldersum, Disputation daselbst 28, 13. 24. 

ooit, ndl. 26, 146. 

Ortsnamen, Bestimmungswörter west- 
sächsischer und engrischer 28, 31 f. 
ostfriesische 28, 156 f. 

Osnabrück: weeg = Wand 26, 123. 
Osterspiel 23, 120. 

Ostenkötter, Franz 28, 85. 

Osterbreviere, mnd. 23, 120. 

Osterhusen, Volkslied auf dessen Ent- 
setzung 28, 5. 

Osterspiele, mnd.: Osnabrücker 23, 120. 
Redentiuer 21, 132 f. 27, 145 f. 
Praelocutio eines verloren gegangenen 
22, 144 f. 

Ostfriesland: Ortsnamen 28, 156 f. 
nd. Literatur 28, 1 f. mnd. Hand- 
schriften 23, 106. zu ten Doorn- 
kaat Küolmans Wörterbuch 25, 97. 
Spottgedicht auf die Anhänger der 
Fürsteufamilie (1725) 24, 140 f. 

Ostpreussen, Besiedelung 27, 43 f. 



ouwe 23, 128. 

Pächter, T. M. 22, 97. 

Palleske, Oswald 22, 97. 

Van dem Palmboeme des Christen men- 
schen 23, 114. 

Pape, Josef 22, 98. 28, 85. 

Passional, nd. Fragmente 22, 36 f. 

Passionsspiele, vgl. Osterspiele. 

Panlsen, Johannes 28, 86. 

Pelplin, Kloster 27, 44. 46. 

Petersen, Nicolaus Matthias 22, 98. 

Petri, Marie 22, 98. 28, 86. 

Phrisius, Vincentins 28, 15. 

Piening, E. 28, 86. 

— Theodor 22, 98. 28, 86. 

Piper, Otto 28, 86. 

Plate, J. D. 22, 98 f. 123. 27, 27. 36. 

plattdüdsck, ncd(d)erdüdsch 23, 129. 

Plaugmann, ü. 22, 96. 99. 

j)lum2)e'in'de'grütte 21, 141. 

Pols, Gullegus (d. h. Julius) 22, 99. 

Pollack, Wilhelm 28, 83. 86. 

Pollitz, W. 22, 99. 

Pommer, Jürgen 28, 86. 

Poppe, Franz 22, 99. 28, 86. 

Porteffee, Heinrich 28, 87. 

Post, Karl 28, 87. 

Preussen, Ost- und West-: Besiedelung 
27, 43 f., mundartliche Eigentümlich- 
keiten 21, 160 f. (vgl 156 f). 

Prinz, Bernhardine 22, 99. 

proßjen 28, 110. 

Prümer, Karl 22, 99. 28, 87. 

Psalter, mnd., zu Emden 28, 3. 

Pütjenkieker 28, 104 f. 

Pulvervoss, Hinrich 28, 87. 102. 

punsworst 21, 142. 

Puschmanu, Adam, Die Pomern mit dem 
pfaffen 22, 150 f. 

Quedlinburg: Idiotikon 29, 139 f. 30, 
1 f. 

Quitzow, Wilhelm 22, 100. 

Raabe, Eduard 22, 100. 



171 



Rade, F. 28, 83. 

sRadeke den Leger spisede'', Fastnacht- 
spiel 27, 15. 
Rätsel 28, 117. 
Raliden, Wilhelm 22, 100. 
Rassow, Fritz 28, 87. 
Rausch, Bruder, Sagen 24, 78 f. 
RaviDga 28, 12. 
Reborch, Johannes 24, 7 f. 
Van der rechtverdicheyt, Fastnachtspiel 

27, 5. 10. 12. 

Redensarten ans Stapelholm 30, 78 f. 
Redentiner Osterspiel 21, 132 f. 27, 

145 f. 
Rehder, Franz 22, 100. 
Rehse, Hermann 28, 87. 
Reiche, Theodor 22, 100. 
Reichermanu, Wilhelm 22, 100 f. 28, 87. 
Reimandachten 23, 120. 
Reimgebete 23, 120. 
Reimrätsel 28, 117. 
Reinhard, Ludwig 22, 101. 
Reinhardt, Gottlieb Georg 22, 101. 

28, 87. 

Reinhold, Albert 22, 101. 

— Cari Werner 22, 101. 

— Hans 22, 102. 
Reinke de Vos 21, 123 f. 
Reimer, G. F. W. 22, 102. 
Rese (Resius), Heinrich 28, 14. 
Retülsch 22, 102. 110. 
Reuber, Philipp 22, 102. 
Reusch, F., 22, 102. 

— Rudolf F. 22, 102. 

Reuter, Franz 22, 102. 28, 87, vgl. 
Kölm, Michael. 

— Fritz 22, 102 f. 28, 87 f. Kom- 
positionen seiner Lieder 27, 23. 24 f. 
zu seinen Dichtungen 27, 150 f. 
Läuschen un Rimels 29, 44 f. 63 f. 
(de Sokratische Method') 26, 142 
Stromtid 22, 131 f. Kein Hüsung 
25, 108 f. Reis' nah Belligen 29, 



60 f. Briefe an J. Grimm 28, 106 f. 

R. und die Fliegenden Blätter 29, 

52 f. 
Rickers, Heinrich 22, 107. 
Rief, Charies 28, 95. 
Rieke, A. 22, 107. 
Rienau, H. 22, 107. 
Rocco, Wilhelm 22, 65. 107 f. 28, 95. 
Röbeler Spiel 21, 135. 
Reese, Ferdinand 22, 108. 
Rosenbaum, W. 22, 108. 
Rosenhayn, Ludwig 28, 96. 
Rübezahl, Rivezogl. 27, 55. 
Rüdiger, Chr. 28, 96. 
rum up slän 29, 125. 
Rumpff, Anna 27, 25. 
Runge, Philipp Otto 22, 108. 28, 96. 
Rupert!, Friedrich Christian 22, 108. 
Rusche, Broder 24, 76 f. 
Sagen vom Teufel und Bruder Rausch 

24, 78 f., vom verwünschten Land- 
messer 28, 114 f. 
Sammlungen, plattdeutsche, des 19. 

Jahrh. 22, 54 f. 28, 62 f. 
Samson, Adolf Henry 22, 108. 28, 96. 
Sandbergen, Harm van 28, 77. vgl. 

Harm. 
Sander, Max 22, 108 f. 
Sanders, Daniel 22, 109. 28, 96. 
Sanghfona 22, 54. 90. 28, 19. 62. 
Sarninghausen, Ulla 28, 77, vgl. Hagen, 

Ulrich. 
Satire auf die katholische Messe v. J. 

1529 21, 147 f. 
Schacht, Heinrich 22, 109. 28, 96. 
ScharbuBch, F. 22, 62. 109. 
Scharien, Fritz 22, 109. 
Schauspiele älterer Zeit, Niederdeutsche, 

hg. V. Bolte u. Seelmann 21, 135 f. 
Scbeller, Karl Friedrich Arend 22, 

109. 120. 
Schemionek, August 22, 110. 
Schetelig, A. 22, 110. 28, 96. 



172 



Scheveklot 21, 135. 
Schichtspiel und Schichtbuch von Braun- 
schweig 29, 123 f. 
Schirmer, Adolf 23, 110. 27, 32. 28, 96. 

— William 22, 84. 28, 79. 96. 
Schlaikier, P. H. 28, 96. 

Schleife, J. 28, 80 vgl. Knubben, Johann. 

Schlesier in Ermeland 27, 53 f. 

Schleswig • Holstein : Kinderspiele 26, 
124 f. Flensburger Idiotismen 26, 
81 f. Eiderstedter 27, 67 f. 29, 
36 f. Torfbereitung 27, 61 f. Kar- 
toffelbau 28, 116 f. OlÜckstädter 
Mundart 29, 1 f. Aus Dithmarschen : 
To KÜSS 30, 76 f. 

Scklömer, De diid^sche 28, 115 f. 

Schlüter (Retülsch) 22, 110. 

Schmachtenberg, C. 22, 110. 28, 97. 

Schmelzkopf, Eduard 22, 110. 28, 97. 

Schmidt, Eduard 22, 110 f. 

— Fritz 22, 91. 28, 97. 

— Otto Ernst 28, 70. 97. 
Schmithof, E. 22, 110 f. 
Schmitz, H, 22, 94. 28, 83. 97. 
Schölermann, Julius 22, 111. 28, 97. 
Schön, Joh. Matthias Albrecht 22, 111. 
Schönewik 27, 46. 49 f. 

Schöning, Carl 22, 111. 
Schonebeck, Bruno von 30, 81 f. 
Schrader, Minna 22, 111. 28, 97. 
Schramm, B. 27, 29. 
Schrattenthal, Karl 22, 119. 
Schriefer, Heinrich 22, 111. 
Schriftsteller, plattdeutsche, des 19. 

Jahrh. 22, 56 f. 28, 63 f. 
Schröder, August 27, 26. 28, 97. 

— Helmuth 22, 112. 28, 97. 

— Ludwig 22, 112. 

— Th. 28, 98. 

— Wilhelm 22, 112 f. 28, 98. 
Scliüler, Hans 28, 98. 
Schttrraaun, üeo Caspar 27, 32. 
Schulmann, Ludwig 22. 113. 28, 98. 



Schulte, Annmarik 22, 113. 124. 

Schultz, Joh. Abraham Peter 27, 32. 

Schnitze, J. 22, 113. 

Schulz, W. 28, 98. Wilhelm 22, 113. 

Schwaab, Gustav 22, 113. 28, 98. 

Schwarz, Albert 22, 113. 28, 98. 

— Th. 28, 97. 

Schwendowins, Eugen 22, 88. 

Schwerin, Fritz 22, 113. 

Scracz, Jacob 25, 110 f. 

Scriba 21, 138. 

Sedik, Bemmer von 28, 11. 

See, F. vom 22, 89 f. 114, 28, 81. 

Seemann, August 28, 98. 

Segebarth, Johann 22, 114. 28, 98 f. 

Seidel, Heinrich 28, 99. 

Seling, Johann Matthias 22, 114. 28, 99. 

Seile, Leonhard 27, 23. 24. 32 f. 35. 

Semrau, August 22, 114. 

„De ses Senaten de slagen worden' % 
Fastnachtspiel 27, 15. 

Sibeth, Friedrich Georg 22, 114. 

Sibillen propkesien 23, 112. 

Slennerhinke 21, 139 f. 

Smelzkop, E., vgl. Schmelzkopf. 

Snttffelmaun 28, 96, vgl. Schirmer, 
Adolph. 

Sottmann, W. 28, 99. 

Soldat, J. Fr. 27, 25. 

Sor6e, Fedor 22, 108. 115. 

Spegel der mynsliken saliclwit 23, 113. 

Spengemann, Wilhelm 22, 115. 

Spiel, Böbeler 21, 135, auf das Interim 
von 1548: 23, 120 f., vgl. Bauern- 
spiele, Fastnachtspiele, Osterspiele, 
Schauspiele. 

sjntal 21, 136. 

Spottgedicht auf die Anhänger der 
ostfriesischeu Fürsteufamilie (1725) 
24, 140 f. 

Sprache, gesprochene, deren Syntax 29, 1 f. 

Sprichwörter aus Stapelhohn 30, 78 f. 

Stabenow, Louis 22, 115. 



173 



Stapelholm: Idiotismen 27, 57 f. 29, 36 f. 

Sprichworter and Redensarten 80, 

78 f. 
Steffin, Hngo 22, 115. 28, 99. 
Steinberg, Georg 28, 99. 
Steinicke, August 27, 32. 
Stephan, Meister: Mnd. Cato 23, 1 f. 

25, 1 f., zum Schachbuch 30, 147 f. 
Sticht, Curl 22, 115. 
Stillfried, Felix (rr Adolf Brandt) 22, 

63. 115. 27, 31. 28, 66 f. 100. 
Siiude, Julias 22, 115 f. 27, 30. 
up'n stock don 21, 141. 
Störtebeker-Lied in Ostfriesland 28, 4 f. 
Stoffel, Peter 22, 125. 
Storck, Friedrich 22, 116. 
Storm, Theodor 27, 26. 29. 33. 34. 35. 
Strauss, Vagel 28, 84. 
Stricker's Düdesche Schlömer 28, 115 f. 
Striprok; Lübecker Familie 27, 45. 
Stroter, A. 22, 116. 
Stuhlmann, Adolf 28, 100. 
Stutz, S. 22, 116. 
Snndenfall 21, 126 f. 
Sandermann, Friedrich 28, 100. 
Syntax der gesprochenen Sprache 29, 1 f. 
Täpper, Wilhelm 22, 116 f. 
Tannen, Karl 22, 117. 27, 29. 28, 

12. 21. 100. 
Teekienburg, Wolf Wildgraf von 22, 90. 
Tegeler, L. 22, m. 
Tenjerd, Gerd 22, 65. 117. 
Terfloih, Ludwig 22, 117. 
Teufelssagen 21, 145. 24, 78 f. 
Teut, Heinrich 22, 118. 
Teivesehefi Hochtydt 21, 141. 
Tewesken Kinddbehr 21, 141. 
Thom 27, 49. 50. 
Thyen, Otto 22, 118. 28, 100. 
Tiburtius, Dr. Karl 22, 118. 28, 100. 
Tiek, Karl 22, 118. 
Tiemann,, Theodor 28, 100. 
Toball, Heinrich 22, 118. 



Todsünden, die sieben, mnd. Allegorie 

23, 114. vgl. Josep. 
Tönuis, Jan, seine Joseph -Trilogie 

28, 2. 22 
T&rftnäken 27, 61. 
Topp, Bernhard 22, 118. 
Torfbereitung in Christiansholm 27, 61 f. 
Totentänze: Berliner 21, 81 f. 26, 142, 

Lübecker 21, 108 f. (vgl. 84 f.) 

27, 5, Dänischer 21, 109 f., ein 
prosaischer 28, 25. 

Traulsen, Heinrich 28, 100. 

Trede, Paul 22, 118 f. 28, 100. 

Trier, mnd. Handschriften 23, 111. 

trompheir 21, 139 f. 

Tunen, Cord van 27, 3. 

Turk, Heinrich 22, 119. 28, 100. 

Tyver, van der Tyverbrugge, Hinrik 

23, 127 f. 
Üblich, Job. Chr. 22, 119. 28, 100. 
Uhlmann, S. T. 28, 100. 
Uhlmann-Bixterheide, Wilhelm 22, 119. 
Ulrich von Dornum und Oldersum 

28, 13. 

Ungt, G., 22, 119. 121. 

Unruh, Theodor 21, 119. 

unut 21, 142. 

Urbau, Hermann 28, 101. 

Uthagen, C, D. 22, 67. 119. 28, 69. 

Uthenhove 28, 15. 

vadderphe 29, 124 

Valentin und Namelos 21, 125 f. 

Vaupel, Wilhelm 28, 101. 

Vitulua 21, 136 f. 

Vogel, Otto 22, 119. 

Voigt, Johanna, geb. Ambrosius 22, 56. 

119. 28, 101. 
— Otto 27, 33. 
Vokale der oldenburgischen Mundart 

30, 33 f. 
Volgemann, August Heinrich Friedrich 

22, 120. 28, 101. 
Volkhausen 28, 101. 



174 



Volkslieder, ostfriesische 28. 4 f. 14. 

nd. des 16. Jahrb. 26, 1 f. 
V071, Präposition, im Cod. Monaceiisis 

des Heliand 30, 74 f. 
Vorbrodt, Ferdinand August 22, 120. 
Voss, Carl 22, 120. 

— Joachim 28, 101. 

— Job. Heinr. 27, 32. 

— Julias von 22, 120. 
Wäber, Dr. 22, 125. 28, 104. 
Wagenfeld, Friedrich 22, 120. 
Wagtsmitgott, Ludwig 22, 120. 122. 
Waldeckische Mundart 29, 132 f. 
Wand, Ausdrücke dafür 20, 116 f. 
Wargiener, F. W. 22, 120. 
Warraund, Arend 22, 109. 120. 
Warncke, Paul 28, 101. 

Warnung vor dem Würfelspiel 21, 144 f. 
Weber, Ferdinand 22, 120. 
-- Martin 22, 121. 

weegeVy weegering, weigef'ing 26, 123. 
2veg, Wand 26, 116 f. 
Wegener, Greteke 23, 114. 
Weiugärtner, Joseph 22, 121. 
Wein-Linie von Bettingerode bis Nein- 
dorf 22, 134 f. 
Weise, Karl 22, 121. 
Weiss, Karl 22, 119. 
Weitung, Otto 28, 101. 
Wellenkamp, Dorette, geb. Holst 22, 121. 
Wellner, C. G. 22, 121. 
Weltzien, Otto 27, 26. 
Wendler, Otto 22, 121. 28, 101. 
Weuker's Sprachatlas 22, 134 f. 27, 142 f. 
Werdum, Ulrich von 28, 12. 

— Ursula von, Volkslied auf ihr Mar- 
tyrium 28, 14. 

Wernicke, Paul 28, 101, 
Westemeyer, Joseph 28, 102. 
Westfalen: Bestimmungswörter doitiger 
Ortsnamen 28, 31 f., westfälische 
Besiedler des Deutschordenslaudes 
27, 43 f. 47. 



Westhoff, Ferdinand 22, 119. 121. 28, 

83. 86. 102. 
Westprenssen : Spracheigenheiten 2 1 , 

156 f. Besiedelung 27, 43 f. 
Westval, Amt 27, 2. 

— Hinrich 27, 5. 

„ TVesival was siris vaders so?i'% Fast- 

nachtspiel 27, 6. 
Wette, Hermann 22, 121 f. 27, 3(). 
Weyer, August 22, 122. 
Weyergang, Wilhelmine 22, 122. 
Wiarda, Tileman Dothias 28, 17. 
Wibbelt, August 28, 102. 
Wickede, Wilhelm von 22, 122. 
Wickeden, Thomas van 27, 2. 
Wiede, P. 22, 122. 28, 102. 
Wiedow 22, 120. 122. 
Wietholtz, H. 28, 87. 102. 

— Margarethe 22, 97. 122. 28, 85. 102. 
Wigand, Auguste, geb. Scharfetter 

28, 102. 
Wilhelm, Carl 28, 78. 102, vgl. Hol- 
lander, Carl Wilhelm. 

— Henrich 22, 122. 

Willborn, Johanna (pseudonym Julius) 

22, 122. 
Willdeygud, Anton 22, 68. 122. 
Willems, H. P. 28, 19. 103. 
Willms (nicht: Wilms), W. J. 22, 123. 

28, 103. 
Wilms, W. J., vgl. Willms. 
Winkelsen, Ernst 28, 103, 
Witick, Hans 27, 5. 
Witte, Heinrich 22, 123. 

— Wilhelm 28, 103. 

„Wo de arme ridder myt woldkt des 
konynges dochter vorwarff*^, Fast- 
nachtspiel 27, 17. 

,,Wo 7)ien 7nyt valeken plagen scal\ 
Fastnachtspiel 27, 15 f. 

wöch, fries. (Wand) 26, 117 f. 

Wölk, Franz 28, 103. 

Wördemann, Jan Hinnerk 22, 123. 



175 



Woeste, Friedrich 22, 123. 
H'0(/h (Wand), engl. 26, 117. 
Wolf (Lnpns) 28, 103. 

— Jana Lauritzson, immerwährender 
Kalender 25, 61. 

Wolke, (Christian Hinrich 22, 123. 28, 
17 f. 19. 103. 

Woort, Ltider 22, 99. 123. 27, 27. 36. 

Woortmann, H. 22, 54. 28, 19. 

„Wor frede, dar ys Qod mede^'j Fast- 
nachtspiel 27, 21 

Worm, Fritz 27, 26. 28, 103. 

Wossidio, Richard 28, 103. 

Wriede, Panl, vgl. Wiede. 

Wulff, Friedrich Wilhelm [Willibald] 
22, 124. 28, 104. 

— Hans 27, 3. 
Wurre 28, 104. 

Wnthenow, Alwine 22, 124 27, 33. 

104. 
Wyusum, Kort van 28, 14. 
Zander, D. 22, 124. 28, 104. 
Zeitschriften, plattdeutsche, im 19. Jahrh. 

22, 52 f. 28, 60 f. 29, 26 f. 
Zimpel, Theodor 28, 104. 
Zink, Auguste, geb. Baddatz 22, 124. 
Zambroock, Ferdinand 22, 124 f. 
Zwiegespräch zwischen dem Leben und 

dem Tode 21, 135. 
Zwippelmann, Jochen 22, 126. 

Texte. 

Albrecht, Friedrich Wilhelm: Lieder, 

die in der Sammlung seiner Gedichte 

fehlen 26, 111 f. 
Bornemann, Wilhelm: ein Lied 26^ 113 f. 
Braunschweig, Meister Heinrich von: 

Vorschriften gegen den Skorbut 

27, 139 f. 
Dialogus über die katholische Messe 

V. J. 1529 21, 148 f. 
Farben tracht, mnd. Gedicht 28, 129 f. 



Die 10 Gebote mit Erklärungen und 
die Glaubensartikel, mnd. 22, 147 f. 

Geburtstagsgedicht von 1713, platt- 
deutsch 2Q, 144 f. 

Gedicht an die Brüder Grimm vom J. 
1844, plattdeutsch 27, 152. 

Grimm, Jakob: Briefe an Kosegarten 
23, 125 f. 

Groth, Klans: Brief an Jakob Grimm 
27. 153. 

Gulich, Johann; eine ud. Scene aus 
seinem Antiochus 28, 53 f. 

De Heinrico 23, 91 f. 

Hochzeitsgedichte, plattdeutsch : mär- 
kisches von 1637 : 24, 143 f., von 
1708: 26, 143 f. 

Holtings Ordeninge, Der Holdensteder, 
Emmeler und Wolesbosteler wil- 
köhrliche 23, 59 f. 

Hoppe, Liborius : Geistliches Spiel «auf das 
Interim von 1548, Praefatio 23, 120 f. 

Inschriften des Kolberger Domes, nd. 
23, 51 f. 

Kinderspiel -Reime aus Schleswig- Hol- 
stein 26, 124 f. 

To Kttss 30, 76 f. 

Legende von einem aussätzigen und 
boshaften Senator zu Rom (15. Jahrh., 
hochdeutsch) 21, 146. 

Marienklage, Bordesholmer 24, 40 f. 

Müllenhoff, Karl: Brief an W. Grimm 
(1854) 27, 153. 

Nigel, Bruder: Dänische Reimchronik 
25, 134 f. 27, 63 f. 

Oäterspiel: Praelocutio eines verloren 
gegangenen mnd 0. 22, 144 f. 

Passional, nd. Fragmente 22, 38 f. 

Puschmanu, Adam, Die Pomern mit dem 
pfaffen 22, 150 f. 

Reimrätsel, mnd. 28, 117. 

Rusche, Broder 24, 94 f. 

Schonebeck, Bruno von : Theophilus 30, 
128 f. Almosen und Gebete 30, 134 f. 



176 



Minue 30, 13G f. Messe 30, 138 f. 

Seligpreisungen 30, 139 f. Leib und 

Seele 30, 145 f. 
Scracz, Jacob: Lieder und Spruch- 

gedichte 25, 113 f. 
Spottgedicht^ auf die Anhänger der 

ostfriesischen Fürsten-Familie (1725) 

24, 140 f. 

Sprichwörter aus Stapelholm 30, 78 f. 
Stephan, Meister: Mnd. Cato 23, 11 f. 

25, 13 f. 

Taufbeckeninschrift in Görlitz 23, 64. 

Totentänze: Berliner 21, 95 f. Däni- 
scher 21, 109 f. Lübecker 21, 1 11 f. 
in Prosa 28, 28 f. 

Dialekte. 

a. Grammatische Darstellungen. 
Berlin: Nd. Sprache von 1300 bis 

1500: 29, 65. 
Dörnberg im Habichtswald 29, 39 f. 
Glückstadt: Syntax 29, 1 f. 
Görlitz : Nd. Spuren 23, 64 f. 
Harz, Nordrand: Eis- und Weinlinie 

von Bettingerode bis Neindorf 22, 

134 f. 
Jerichow, erster Kreis 22, 1 f. 25, 34 f. 

26, 56 f. 
Magdeburg 21, 60 f. 
Mülheim a. d. Ruhr 26, 154 f. 



Oldenburg: Vokale 30, 33 f. 
Waldeck 29, 132 f. 

b. Wörterverzeichnisse. 
Danzig 21, 157 f. 
Eiderstedt und Stapelholm 27, 57 f. 

29 36 f. 
Flensburg 26, 81 f. 
Jerichow, erster Kreis 22, 25 f. 2Cyf 64 f. 
Nordsteimke bei Vorsfelde 23, 131 f. 

24, 143 f. 
Ostfriesland 25, 97 f. 
Preussen 21, 160 f. (vgl. 157 f.). 
Quedlinburg 29, 139 f. 30, 1. 

c. Dialektproben. 
Christiansholm in Südschleswig 27, 61 f. 

28, 116 f. 
Dithmarschen, Norder- : To Küss 30, 76 f. 
Dörnberg im Habichtsvvalde 29, 43. 

Anzeigen. 

Holthausen, Altsächsisches Elementar- 
buch 25, 152 f. 

Maurmann, Grammatik der Mundart von 
Mülheim a. d. Ruhr 26, 154 f. 

Sundermann, Friesische und nieder- 
sächsische bestandteile in den Orts- 
namen Ostfrieslands 28, 156 f. 

Wadstein, Kleinere as. Sprachdenkmäler 
26, 148 f. 



HAMBURG. 



W^. Zahn. 



Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbnch 



des 



Vereins für niederdeutsche Spracliforschnng. 



Jahrgang 1905. 



XXXI. 



NORDEN nnd LEIFZI&. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1905. 



Ausarbeitungen, deren Abdruck im Niederdeutschen Jahrbnclie 
gewünscht wird, sind dem Mitgliede des Redactionsausschusses Prof. 
W, Seelmann, Charlottenhurg, Pestalozzistrasse 103 zuzusenden. Die 
Zahlung des Honorars (von 32 Mk. für den Bogen) erfolgt durch 
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Zusendungen, deren Abdruck im Korrespondenz-Blatt erfolgen 
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Die Hitgliedschaft zum Niederdeutschen Sprachverein wird durch 
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Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag die laufenden Jahr- 
gänge der Vereinszeitschriften (Jalirbuch und Korrespondenz-Blatt) 
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'Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J. ten Doornkaat Koolman 
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